• hallo Joedoe!

    Wie bei vielen anderen Krankheiten oder Zuständen gibt es nur schwarz oder weiß, wie Kommal gesagt hat.

    HIV positiv oder negativ. Es gibt nicht ein bißchen.
    Aber es gibt natürlich abstufungen in den Phasen.
    Wenn die Alkoholkankheit 10 Phasen umfasst, bist du vielleicht nicht erst bei 9 oder 10 sondern vielleicht bei 5 oder 6 ausgestiegen.

    Darüber sollte man einfach froh sein, man hat sich den Rest gespart. Hingekommen wäre man sowieso, ohne eigenes Zutun.

    Du bist aus dem Zug ausgestiegen, der dich in den Tod gefahren hätte.
    Ob ein, zwei oder fünf Stationen früher ist dann ja eher sekundär.

    zu deiner anderen Frage: schreibe dochmal den Hersteller an zwecks genauer Nährwertangaben bzw. Alkoholgehalt. Ich denke es besteht da eine Auskunftspflicht.

    liebe grüße!!
    lydia

  • Hallo Lydia,

    ja, das hast Du jetzt vielleicht etwas besser ausgedrückt, als ich es getan habe. Natürlich ist mir klar, dass Alkoholismus als Krankheit entweder besteht, oder eben nicht. Aber dennoch glaube ich -wenn ich Dein Bild einmal weiter verwende-, dass es einen Unterschied macht, an welcher Station man dem Zug in den Tod entstiegen ist. Es mag durchaus sein, dass ich bei dieser Annahme irre, aber deshalb schreibe ich meine Gedanken ja hier auch nieder :wink:

    Die Frage, wie stark ich mich vor möglichen Versuchungen in Zukunft schützen muss, hängt doch auch davon ab, wie sehr der Alkohol mein Leben bereits dominiert hat. Oder anders ausgedrückt: Wie viel Willen ich eigentlich habe, um künftig Saufdruck zu widerstehen?

    Um auf meine ursprüngliche Fragestellung zurückzukommen: Ist es für mich notwendig, JEDEN über meine Krankheit zu informieren, weil mir die Sicherheit, die diese Offenheit mit sich bringt, wichtiger ist, als eventuelle Nachteile, die sich mir durch Vorurteile und Unkenntnis ergeben :?:. Ich denke da zum Beispiel auch an Bewerbungen, die ich in nächster Zeit einmal so langsam in Angriff nehmen möchte: Mit Lücken im Lebenslauf und Alkoholismus als Thema im Anschreiben, glaube ich nicht an eine reele Chance auf ein Bewerbungsgespräch. :roll:

    ABER: Der wesentliche Punkt bei dieser Geschichte ist ja auch: Wie fühle ICH MICH, welche Situationen sind für MICH problematisch. Es geht darum, MEIN Leben trocken zu leben, und nicht darum, mich mit dem Alkoholismus anderer zu vergleichen (wie ich es heute Morgen geschrieben habe). Insofern wird es sich zu gegebener Zeit zeigen, welchen Grad der Offenheit ich benötige, um auch weiterhin zufrieden ohne Alkohol leben zu können - WENN ich weiter auf mein Gefühlsleben acht gebe!

    Ha, wieder was gelernt :!::!::!: Danke!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Zitat von JoeDoe75

    Hallo Lydia,


    Die Frage, wie stark ich mich vor möglichen Versuchungen in Zukunft schützen muss, hängt doch auch davon ab, wie sehr der Alkohol mein Leben bereits dominiert hat. Oder anders ausgedrückt: Wie viel Willen ich eigentlich habe, um künftig Saufdruck zu widerstehen?


    ich glaube, da muß man aufpassen - ich gehe von mir aus!
    Denn verniedliche ich es für mich, passiert es ganz schnell, daß ich wieder auf den Zug aufsteige...
    Wir müssen uns genauso schützen wie alle anderen, genauso viel Willenskraft haben. Die Situationen sind vielleicht andere...

    Zitat

    ABER: Der wesentliche Punkt bei dieser Geschichte ist ja auch: Wie fühle ICH MICH, welche Situationen sind für MICH problematisch. Es geht darum, MEIN Leben trocken zu leben, und nicht darum, mich mit dem Alkoholismus anderer zu vergleichen (wie ich es heute Morgen geschrieben habe). Insofern wird es sich zu gegebener Zeit zeigen, welchen Grad der Offenheit ich benötige, um auch weiterhin zufrieden ohne Alkohol leben zu können - WENN ich weiter auf mein Gefühlsleben acht gebe!

    Ha, wieder was gelernt :!::!::!: Danke!

    das denke ich auch. Das ganze theoretisch durchzuspielen hilft nicht weiter. Ich spüre momentan sehr genau, wo ich mich outen kann und wo nicht. Und es verlangt keiner zu dir im Betreff deiner Bewerbung zu schreiben, daß du Alkoholkrank bist :D

    Ich sehe das outen immer als Sicherheit FÜR MICH. ICH MACHE damit etwas klar. Und erinnere mich immer wieder daran, daß ich krank bin. Auch wenn so kleine Teufelchen mir einreden wollen, daß ich ja nur WENIGER krank bin oder vielleicht gar nicht....

    ABer ich denke wir sind auf einem guten weg, joe...
    abwarten und...tee trinken (net fruchtsaft...) ;)
    alles liebe
    lydia

  • Hallo Lydia,

    es ist ja auch nicht die Frage, "wie" krank ich bin, sondern vielmehr diese: Welche Situationen oder Umstände sind in der Lage, mein Krankheitsbewustsein zu unterlaufen und welche Schritte leite ich ein, um hier Vorsorge zu treffen ... Den Teufelchen sozusagen Redeverbot erteilen :wink: !

    Und das mit dem Saft ... nun ja, werde das am Do. noch mal mit meinem Hausarzt besprechen (ist auch Sportmediziner ... wegen Zucker bzw. Insulin). Vielleicht gibt das ja auch noch einen Erklärungsansatz?

    So, ich muss weg!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo joe, hallo Lydia

    das outen ist ja Dauerthema. Natürlich MÜSST ihr nicht jedem eure Krankheit auf die Nase binden. Aber ich sehe den schmalen Grat, der den Übergang zum Verstecken darstellt. Und das wäre mE ein nasses Verhalten. Verbirgt sich dahinter nicht auch das Misstrauen, dass ich zu meiner Saufzeit an den Tag gelegt habe um mich bzw mein Suchtverhalten zu "schützen"?
    Ich habe gelernt, wieder zu vertrauen, aber auch mit Enttäuschungen umzugehen und trage meine Krankheit nicht wie ein Werbebanner vor mir her. Aber wie Lydia schon bemerkte setze ich meine Offenheit zu meiner Sicherheit ein. Und mittlerweile hab ich eine ganze Menge Versicherungen in meinem recht großen Umfeld.

    LG kommal

    unterwegs...

  • Hallo Joe
    Hallo Blizzard

    Ich glaube da habe ich Ahnung von :lol:

    Zitat von JoeDoe75


    Und das mit dem Saft ... nun ja, werde das am Do. noch mal mit meinem Hausarzt besprechen (ist auch Sportmediziner ... wegen Zucker bzw. Insulin). Vielleicht gibt das ja auch noch einen Erklärungsansatz?
    J.

    Wenn Du Säfte aus purem Fruchtsaft trinkst dürfte es wenig Probleme geben, da wir es hier mit Fruchtzucker zu tun haben. Der dürfte von Deinem Körper relativ gut verarbeitet werden. Allerdings sind die Säfte in den Diskountern meistens mit haufenweise Fabrikzucker (hier lohnt ein Blick auf die Zutaten) angemacht. Die Nebenwirkungen dürften bekannt sein ...

    Nur habe ich da noch eine andere Idee, auf die hier im Thema noch niemand gekommen ist : Bei Fruchtsäften ist ein erheblicher Säureanteil, der MASSIV !!! die Zähne angreift. Den ganzen Tag immer an diesen Säften herumzunippen ist nun wirklich keine gute Idee wegen der Zähne.

    Hat zwar nichts mit Alkohol zu tun was ich hier geschrieben habe, aber da das Thema gerade aufkam und von Dir Joe die Bitte um einen Erklärugsansatz kam ......... :wink:

  • hallo vaan!

    ja, stimmt, daran hatte ich auch gedacht. Joe erwähnte ja Bananen- und Aprikosensaft oder so was. das sind eher NEKTARE, d.h. mit hohem Zuckeranteil (zugesetzt).

    Mit 100% Fruchtsäften tut man sich da wohl was besseres.

    Was allerdings die Zähne angeht ist dann Tee wieder besser ;)

    Zitat

    Welche Situationen oder Umstände sind in der Lage, mein Krankheitsbewustsein zu unterlaufen und welche Schritte leite ich ein, um hier Vorsorge zu treffen ... Den Teufelchen sozusagen Redeverbot erteilen !

    Ich denke diese Situationen werden hier ja oft von den länger Trockenen erwähnt. Das sind ja genau oft DIE Situationen die von uns Neuen dann nicht ernst genommen werden. Also: Hochzeiten etc.

    Ich denke die ERfahrungen nutzen und sehr sensibel auf sein Gefühl hören, dann funktioniert es.
    Ich erwähnte z.b. den einen aus meiner Gruppe, der nach zwei jahren Trockenheit mit guten (Sauf?)-Kumpels einen All-Inclusive Urlaub gemacht hat.
    Kann klappen, muss aber nicht.
    Für mich wäre das definitiv eine Untergrabung meiner Entscheidung, den Alkohol nicht nur aus meinem Kopf und Körper zu bekommen, sondern auch aus meinem Leben. Ihm die Bedeutung nehmen.
    Das kann ich nicht, wenn ich mit leuten zusammen bin, die ihm eine große (Spaß! Genuß!) Bedeutung geben.

    alles liebe
    lydia

  • Hallo zusammen,

    kommal :
    Jupp, das "Outen" ist Dauerthema. Ich denke auch, dass viele (vielleicht sogar alle) sich im Rahmen ihrer beginnenden Abstinenz mit diesem Thema mehr oder weniger intensiv auseinandersetzen. Und natürlich sehe ich auch die mögliche Gefahr, durch ein Verschweigen der Krankheit eher in die Versuchung zu kommen, doch einmal ein Glas zu probieren. ALLERDINGS stellt sich mir dann die Frage, ob man dann die eigene Krankheit auch wirklich als solche und mit der vollen Konsequenz akzeptiert hat? Ist natürlich nur so ein Gedanke: Möglichst viele Sicherheitsnetze aufspannen, weil man irgendwo tief im Inneren nicht ehrlich kapituliert hat! (Bitte nicht auf Dich beziehen! Ist nur ein theoretischer Ansatz).

    Vaan und Lydia:
    Ja, Banane und Aprikose sind grundsätzlich nicht als 100%ige Säfte zu erhalten (zumindest sind mir derartige Angebote noch nicht unter die Nase gekommen). Hier sind also Zuckerzusätze anzutreffen. Was die Sache mit den Zähnen angeht, sei mir nicht bös, mein lieber Vaan, aber da musste ich doch ein wenig schmunzeln. Der Zusammenhang zwischen möglicher Karies und morgendlicher Müdigkeit und Mattheit erschließt sich mir leider nicht ganz :wink: . Trotzdem Danke für den Tipp, es mit den Säften der Zähne zu Liebe nicht zu übertreiben!

    Und ach, weil Du es erwähntest, liebe Lydia: Nächsten Monat findet eine Hochzeit statt. Und ja, ich werde daran teilnehmen! Es ist ein sehr guter Kumpel aus alten Trinkerzeiten. Ja, was haben wir früher die Bude zum glühen gebracht! Mann oh Mann! :shock:

    Aber keine Angst: Nach einigen vergeblichen Versuchen, seine Trinkgewohnheiten durch Trinkpausen unter Kontrolle zu bringen, hat er bereits vor über fünf Jahren die Trockenheit für sich als Weg gewählt und so wird auch die Hochzeit :wink: !

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • [qoute]Was die Sache mit den Zähnen angeht, sei mir nicht bös, mein lieber Vaan, aber da musste ich doch ein wenig schmunzeln. Der Zusammenhang zwischen möglicher Karies und morgendlicher Müdigkeit und Mattheit erschließt sich mir leider nicht ganz [/qoute]
    *lach*
    ich glaube das war auch anders gemeint :)
    Hatte wohl nix mit der Müdigkeit zu tun, es ging ihm nur um den Hinweis, daß das ständige "Nuckeln" nicht gut für die Zähne ist :)

    lg
    lydia

  • Hallo Joe,

    Zitat

    Möglichst viele Sicherheitsnetze aufspannen, weil man irgendwo tief im Inneren nicht ehrlich kapituliert hat!

    da ist sicher was dran. Auch für mich- dass ich mir selbst misstraue liegt in meiner Lebensgeschichte begründet und war auch mal Thema in der Nachsorgegruppe. Hin und wieder erwisch ich mich- ne latente Dauerbaustelle sozusagen. Oft werd ich zurückgepfiffen (auch von kommaline), weil ich zu weit vorausdenke bzw. plane.

    LG kommal

    unterwegs...

  • Hallo kommal,

    das Gefühl, sich selbst zu misstrauen, kenne ich auch. Darin liegt wohl auch meine Unsicherheit oder besser gesagt meine Unkenntnis begründet, wie viel zusätzliche Sicherheit ich durch den bedingungslos offenen Umgang mit meiner Krankheit gewinnen kann :?:

    Und da ich zur Zeit noch so viel Stress wie möglich vermeide, habe ich natürlich auch keine Ahnung, wie es mit meiner persönlichen inneren Kapitulation aussieht, wenn ich unter Druck gerate, oder mich mit Problemen konfrontiert sehe :?:

    Jedenfalls fühle ich mich im Moment sehr gut: Der Wille, abstinent in die Zukunft zu gehen, ist ausgesprochen stark, und die Sicherheiten, die ich in meinem Umfeld aufgebaut habe, sind zur Zeit auch mehr als ausreichend: Die Bratpfanne, die mich am Hinterkopf treffen würde, wenn ich hier mit einem Bier säße, würde mir die nächsten Wochen andere Probleme als Alkohol bescheren :wink: (Was aber nicht bedeutet, dass ich meine Trockenheit FÜR andere in Angriff nehme).

    Die Zeit wird's zeigen!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    Hatte heute endlich :!: den Termin beim Doktor für die Seele.

    Tja, was soll ich nun sagen??? Also erstmal: Einen Psychologen bzw. Psychotherapeuten auszuwählen ist ja vom Prinzip her schon einmal recht schwierig: Die meisten geben öffentlich wirklich nur Ihre Adresse und Telefonnummer preis. Wie sie arbeiten, oder ob sie sich thematisch spezialisiert haben, bleibt für den interessierten Klienten-Anwärter zunächst einmal im Dunkeln! Nun ja ... Habe mich ein wenig umgehört und auf eine Empfehlung vertraut. Heute also der Termin!

    Das Beratungsgespräch umfasste ein gute 3/4-Stunde, in der ich meine Problematik schilderte und er seine Behandlungsweisen vorstellte ... Soweit wohl auch alles normal. Grundsätzlich ein symphatischer Mensch, mit dem ich mir vorstellen könnte, weiter zu arbeiten (auch wenn das nach einem einzigen Gespräch sicher noch kein umfassender Eindruck war). Bei der konkreten Ausleuchtung des weiteren Vorgehens dann die, mich tief erschütternde Nachricht: Intensives Arbeiten im Rahmen einer "echten" Therapie frühestens nach 18 Monaten Wartezeit! :shock:

    Diese Information gab mir der gute Mann um ca. 11:34Uhr. Sollten Euch Berichte zu Ohren kommen, dass um diese Uhrzeit ein Beben der Stärke 4,6 im Kölner Raum festgestellt wurde: Das war meine Kinnlade, die mit einem infernalischen Getöse auf dem Praxisboden in tausen Teile zerschellte!

    Im Ernst: Ich war doch ein wenig geschockt. Zur Überbrückung hat er mir Gespräche im 4-Wochen-Takt angeboten und weil der Mann auch noch einen Dr.med. in seiner Tasche hat, haben wir noch die Möglichkeiten einer überbrückenden Medikation besprochen (Letzteres habe ich zumindest vorläufig abgelehnt).

    So isses! Zum Schluss hat der Mann mir aber einen Satz mit auf den Weg gegeben, der an Banalität zwar kaum zu übertreffen ist, der für mich allerdings in gewisser Weise den Kern meiner Probleme trifft: Auf die Frage, was ich denn jetzt die nächsten vier Wochen machen soll, so da tief unten in meinem Loch?, antwortete er: "Also da weiss ich auch nicht, wie ich Ihnen helfen kann, Ihr Leben müssen Sie schon alleine leben!".

    Das hört sich zwar echt komisch an, aber irgendwie hat er recht :!:

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J. (der trotzdem heute gute Laune hat :D )

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Das ist leider so, dass die Wartezeit auf einen Therapieplatz in der Regel 1 bis 2 Jahre dauert. Finde ich auch sehr frustierend.

    Gehe doch mal zur Caritas, soweit ich gehört habe, machen die auch in dieser Richtung Behandlungen. Fragen kostet ja nichts.
    Und wie ist es mit einer Suchtberatung, da mal nachhören, welche Möglichkeiten es gibt.

    Letztendlich hat der gute Mann ja (leider) Recht. Irgendwie sind wir immer auf uns alleine gestellt und müssen gucken, wie wir klar kommen. Kopf hoch, ist jetzt halt deine Aufgabe dich da durchzuwursteln.

    Ich habe es vor Jahren mit Meditation versucht. Nicht mit dem Hintergedanken Esoterik oder Spiritualität. Meditation war für mich eine Auseinandersetzung meiner Gefühle. Da kolmmen auch Sachen hoch, die einem so nicht bewusst sind. Soll aber keine Empfehlung sein und ist auch nicht jedermanns Sache. Vor allem ist es auch kein Spaziergang sich mit seinen dunklen Schattenseiten auseinander zu setzen. Viel mir jetzt grad mal so ein.

  • Hallo Brigitte und @all,

    mit der Caritas bin ich ja auch seit geraumer Zeit in Kontakt. Die dort angebotenen Therapiemöglichkeiten kann man aber auch erst nach einer gewissen Zeit in Anspruch nehmen. Insbesondere ist das "vorgeschriebene Procedere" dabei einzuhalten: Teilnahme an Orientierungsgruppen und anschliessend der Antrag auf ambulante Reha. Eine Beschleunigung dieses Vorganges ist leider nicht möglich (was ich eigentlich begrüßt hätte). An den Orientierungsgruppen werde ich ab November (hier war auch Oktober geplant, aber leider ist noch kein Platz frei geworden!) teilnehmen und dann, wenn alles gut läuft, ab Januar oder Februar die ambulante Maßnahme in Angriff nehmen können.

    Das ist dann jedenfalls schon mal etwas zügiger! Die Bedenken, die ich bezüglich dieser Therapie habe, lasse ich an dieser Stelle mal außen vor, weil sie sich im Bereich der Spekulation bewegen!

    Naja, ich komme mir halt manchmal so vor, als ob ich mit meinem Auto über ein Nagelbrett gefahren wäre und mit letzter Kraft den Weg zum Reifenhändler geschafft hätte. Und nach kurzer Begutachtung des Schadens sagt der Geschäftsführer dann zu mir: "GUT, das Sie gekommen sind. Nun fahren Sie mal schön vorsichtig auf Ihren Felgen weiter und kommen in einem halben Jahr noch mal wieder. Dann können wir Ihnen helfen!"

    Aber wie schon von einem klugen Mann zu mir gesagt: Mein Leben muß ich schon selber leben! Auch wenn es die nächsten zehn Jahre keine neuen Reifen gibt!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Joe,

    Zitat

    Aber wie schon von einem klugen Mann zu mir gesagt: Mein Leben muß ich schon selber leben! Auch wenn es die nächsten zehn Jahre keine neuen Reifen gibt!

    Warum gibt es keine neuen Reifen?

    Gehst Du nur zu einem bestimmten Reifenhändler,der dich vertröstet,die richtige Größe gerade nicht auf Lager zu haben?

    Es gibt doch so viele Reifenhändler!
    Hat der eine meine Größe nicht,fahre ich zum nächsten,notfalls auch auf Felgen :wink:

    Gruß Andi,der so einige Reifenhändler kennengelernt hat!

  • Hallo Andi,

    ja, wo Du recht hast ..... :wink:

    Ein wenig herumtelefonieren kann ich natürlich auch :!:
    (Wenn die Felgen sich dann auch noch aüflösen sollten)

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    habe mir Felgen aus Titan besorgt und die sind unverwüstlich!

    Im Ernst: Die Geschichte mit dem Therapeuten sehe ich im Augenblick doch ziemlich gelassen. Zur Zeit bewegen mich eher die bald aufkommenden finanziellen Nöte: Pro Monat mache ich hier grad etwa 200.- minus. Das ist natürlich ein Zustand, der dringend beendet werden muss! Und da hilft leider auch kein Psychologe .... naja.

    Eine andere Sache, die mich gerade bewegt ist folgende: Meine Partnerin wird demnächst den Jahrestag ihrer Geburt begehen. Wir planen zwar kein rauschendes Fest, einen kleinen "Empfang" wird es jedoch geben.

    Nun stellt sich die Frage, ob den Gästen zur Feier des Tages auch ein Glas Sekt gereicht werden sollte :roll: ? Ich habe ja bereits erwähnt, dass meine Partnerin grundsätzlich so gut wie keinen Alkohol zu sich nimmt und ich ja nun für die Vernichtung der Reste auch nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Nun kann ich aus der Erfahrung sagen, dass einige der Gäste durchaus einen Drink erwarten werden (wobei niemand dabei sein wird, der die Tendenz hätte, sich zu betrinken!). Das sind eben die gesellschaftlichen Gepflogenheiten: Wer etwas zu feiern hat, der gibt einen aus! Hmmm....

    Jetzt plane ich aber einen alkoholfreien Abend. Nicht, weil ich glaube, dass Alkohol im Haus bei mir Trinkgelüste wecken könnten, sondern einfach aus meiner neu gewonnen, alkoholfreien Konsequenz heraus.

    Nun ist es aber meine Partnerin, die sich da jetzt mit einigen Zweifeln herumschlägt! Immerhin würden wir damit lang gehegte Sitten durchbrechen. Ich glaube fast, ihre Angst vor Inkonformität ist doch wesentlich ausgeprägter, als die meine! Zumal es mir wirklich wenig ausmachen würde, wenn dort Alkohol konsumiert werden würde (anstrengend wird der Abend aus anderen Gründen, aber das ist ein anderes Thema). Dennoch fände ich es gut, wenn wir weder Sekt, noch Bier anbieten würden. Einfach aus Prinzip!

    Aber es sind ja auch noch einige Tage bis dahin, mal gucken!

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo zusammen,

    der Geburtstag meiner Partnerin ist vorüber und ich mag nun gerne berichten, wie der Abend gelaufen ist und welche Emotionen mich dabei überkommen haben.

    Zunächst möchte ich aber eines vorweg schicken: Mich selbst an einem solchen Abend mit alkoholkonsumierenden Menschen auseinanderzusetzen hat nichts mit einer falsch eingeschätzten Belastungsfähigkeit zu tun. Frei nach dem Motto "Das macht mir doch nichts aus!". Auch unbedachter Leichtsinn hat mich nicht dazu getrieben: Alles was ich vor, während und nach der Veranstaltung an Gefühlen wahrgenommen habe, habe ich versucht, so bewusst wie möglich wahrzunehmen.

    Der Hintergrund für dieses Experiment (wenn man es denn so nennen mag) war die für mich notwendige Definition von Distanz, die im Bezug auf eine erfolgreiche Trockenheit gegenüber dem Alkohol bewahrt werden sollte. Nun ist das mit der möglichen Distanz so eine Sache: Ich kann niemandem verbieten, Alkohol zu trinken. Auch kann ich der Industrie nicht verbieten, für ihre alkoholischen Produkte Werbung zu schalten. Insofern werde ich damit leben müssen, dass mich Bier, Wein und Schnaps in einer gewissen Distanz weiter begleiten werden. Nun gilt es herauszufinden, ab welchem Punkt diese Anwesenheit für mich gefährlich wird!

    Sicher: Ich könnte versuchen, ein Maximum an Gefahrenreduzierung zu erreichen, indem ich Alles, aber auch wirklich Alles aus meinem Leben verbanne, was mit Alkohol zu tun hat. Nur könnte das leicht obskure Formen annehmen. An einem kleinen Beispiel mag ich das kurz verdeutlichen:

    Wenn ich zur Straßenbahn möchte, dann muss ich an einem Kiosk vorbei und einen etwa 4 Meter breiten Weg entlang. Dieser Weg bietet die Möglichkeit zur Rast und diverse Mitmenschen (eigentlich immer die gleichen!) bevölkern auch die Sitzplätze. Das umgebende Grün wird dabei von ihnen liebevoll mit zahlreich aus dem Kiosk herbeigeschafften Bier- und Vodkaflaschen dekoriert. Je nach Windlage ist der Ort auch in eine entsprechende Geruchswolke gehüllt. Nun muss ich aber da durch, also was tun? Natürlich könnte ich mir zwei Dachlatten zurecht sägen, diese schwarz bemalen und beim Durchgang dieser Passage ein Kreuz formend vor mich halten! Dazu könnte ich ein paar mächtige Beschwörungsformeln vor mich hin murmeln und die Gefahrenabwehr dadurch weiter erhöhen. Aber ganz ehrlich: Das hilft mir nicht und auf Dauer steigt damit die Wahrscheinlichkeit, eines Tages mächtig auf die Fresse zu bekommen! So what? Ich werde also lernen müssen, diese Konfrontation mit dem Alkohol unkommentiert ertragen zu müssen!

    Vor diesem Hintergrund also nun das kleine Experiment.

    Im Vorfeld habe ich natürlich noch einmal die Thematik mit meiner Partnerin durchgesprochen und letztlich wäre sie auch einverstanden gewesen, gar keinen Alkohol anzubieten. Nachdem ich jetzt seit fast drei Monaten alle Gelegenheiten und Personen konsequent gemieden habe, die mich einem Bier oder Ähnlichem hätten näher bringen können, fand ich es aber nun doch an der Zeit, zu erforschen, wie ich auf Alkoholkonsum in meiner Nähe reagiere. Auch dieser Rahmen erschien mir dafür als durchaus geeignet: Zum einen würde sich niemand in der Runde betrinken, zum anderen wissen alle über meine Erkrankung Bescheid (auch wenn nicht alle ein realistisches Bild vom Alkoholismus haben, aber das ist ein anderes Thema!). Also haben wir uns auf folgendes geeinigt: Es gibt kein Bier, aber Sekt für diejenigen, die danach verlangen.

    Um den Abend jetzt verkürzt wiederzugeben: Von etwa 20 Gästen haben vier einen Sekt trinken wollen. Unter anderen Umständen wäre die "Ausfallquote" deutlich geringer ausgefallen, zeugt also schon von einem gewissen Respekt gegenüber meiner Krankheit und auch meiner Person (wenn auch nicht von allen!).

    Interessanterweise war es gar nicht so sonderlich schwierig, andere beim Trinken zu beobachten: Während die Gäste anwesend waren, hat sich in mir nicht einmal der Ansatz von Verlangen bemerkbar gemacht. Anders war es jedoch im Vorfeld (beim Gläser herausstellen) und besonders nach der Veranstaltung: Die benutzten Gläser suggerierten mir tatsächlich so ein Gefühl von "Hier hat jemand Spaß gehabt!". Unschön! Das hat mich auch dazu veranlasst, alle Spuren des Abends direkt zu beseitigen, nachdem der letzte Gast gegangen war. Dieses leicht mulmige Gefühl wurde dann auch deutlich besser, dennoch erwächst aus dieser Erfahrung die Gewissheit, einen solchen Abend nicht noch einmal zu wiederholen.

    Es mag dem ein oder anderen sicher leichtsinnig erscheinen, überhaupt eine solche Aktion zu starten, ich fand es für mich jedoch wichtig und richtig. Ich glaube auch nicht, dass ich blauäugig oder gar überheblich an die Sache gegangen bin. Trotzdem möchte ich nicht dazu auffordern, so etwas nachzuahmen! Ich habe mich sicher genug gefühlt, mich auf's Eis zu wagen. Aber: Ich habe festgestellt, dass es glatt ist, und werde so etwas sicher nicht noch einmal tun.

    In diesem Sinne.

    Liebe Grüße

    J. (der zwar viel liest und auch glaubt, aber doch manchmal ein wenig zu borniert ist, einfach anzunehmen :wink: )

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

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