Beiträge von Carl Friedrich

    Wir sind mit der Bahn rein nach Kölle und als wir den HBF Richtung Domplatte verlassen haben ... ja, da kam ich dann auf "andere Gedanken" - es hat mich voll getriggert - zahllose Passanten mit Bierdose oder Flasche in der Hand bzw. am Hals. Der Saufdruck hat mich wie mit einer Keule getroffen.

    Du hattest Dich offensichtlich nicht darauf vorbereiet, daher der Keulenschlag. Ab- und an bin ich auch in dem rheinischen Dorf mit K. anzutreffen, aber so viele Säufer fallen mir an besagter Stelle nicht auf.


    Woran das liegt? ich bin schon ein paar Jahre dabei. Mein Blick ist inzwischen im Gegensatz zu Neulingen, nicht mehr auf den Alkohol fixiert. Trinkende Leute nehme ich nur noch beiläufig wahr. Sie lösen bei mir auch nichts mehr aus.

    Das ist halt der Vorteil einer langjährigen Abstinenz. Mit mehr Abstand zum eigenen Suff veränderten sich mein visueller und geistiger Blickwinkel.

    Was gut gemacht wurde und was ich auch immer rate: Sofortiger Ortswechsel und Befassung mit Dingen, die Freude machen.

    Und beim nächsten Mal bitte schon vorher daran denken, dass triggernde Situationen und Momente aufkommen können.


    Immer, wenn ich mich im Vorfeld auf so was vorbereitet hatte, kamen anschließend keine Trinkgedanken auf. Ich sage stets: "Gute Vorbereitung ist die halbe Miete".

    Klinik hat sich nicht gemeldet, also dürfte ein Karzinom auszuschließen sein, was die Ärztin beim Ultraschall auch schon unverbindlich mutmaßte.

    Jetzt warte ich auf den Arztbericht, der an mich und den Hausarzt geht. Dafür brauchen die weitere 6-8 Wochen.

    Ob ich da noch mal für Kontrolluntersuchungen aufschlage, weiß ich noch nicht. Kann ja in ein paar Monaten mit dem Arztbericht bei der Konkurrenz aufschlagen, die besser organisiert ist.

    Jetzt noch ein langes WE und dann geht's Montag wieder ins Büro.

    Saufgedanken oder gar -druck hatte ich die ganze Zeit keinen.

    Das liest sich sehr schön.


    Habe bitte auf dem Schirm, dass sich ggf. das Suchthirn melden kann und Dir vorgaukeln will: "Dir geht es doch endlich mal gut, die Familie ist versorgt, sie blüht auf, Du hast genug Zeit, da hast Du Dir doch mal eine kleine Belohnung verdient, nur ein Gläschen, denn Du hast ja alles im Griff."

    Falls so Gedanken mal auftauchen, dann bitte sofort hier melden. Ich hatte es vor allem in den ersten Monaten, dass sich das Suchthirn anschlich, mit verschiedenen Methoden, mal sanft umschmeichelnd (wie oben beschrieben) oder einfach rabiat.


    Solche Gedanken verschwinden auch wieder, sie dauern nie lange an, da gilt es, sich vorher(!) ein paar Handlungsalternativen zurecht zu legen. Ich habe es für mich Notfallmodus genannt und es mir eingebleut, damit ich im Fall der Fälle erst gar nicht anfange, schwach zu werden.

    Wenn der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung einstellt, weil er der Meinung ist, Du simulierst, stehst Du erst mal "schlecht" da, nämlich ohne Kohle. Auch die Sozialversicherungsbeiträge fließen dann nicht.


    Ich habe es nur mal der Vollständigkeit halber erwähnt. Dann bliebe nur der Gang zum Arbeitsgericht.


    Bist Du rechtsschutzversichert oder in 'ner Gewerksschaft? Dann lass Dich beraten. Wenn zum Anwalt, dann zum Fachanwalt für Arbeitsrecht.


    Ich drücke die Daumen, dass der Arbeitgeber das ganze Thema leid ist und es die nächsten 6 Wochen der Lohnfortzahlung auslaufen lässt.

    Ich möchte ja kein Spielverderber sein, aber ein langer Krankenschein nach erfolgter Kündigung kann den Arbeitgeber zu einer Retourkutsche animieren. Er kann das Attest anzweifeln. Stöber mal ein wenig in der KI, nicht Gemini, die sind zu schlecht in juristischen Fragen.


    Allerdings bist Du mit Deinem Alkoholismus in einer guten Position. Ich sage ja auch für mich, der Suff ist noch mal mein Trumpf-As. Steckt im Ärmel für den Notfall.

    Bei mir ist es etwas anders gelaufen: Frau und Nachwuchs setzten mir die Pistole auf die Brust: Entweder Therapie oder Trennung. Sie hatten schon einen Termin für mich bei der Suchtberatung ausgemacht, wo meine Frau ohne mein Wissen vorher Rat suchte.


    Zu dem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass mich der Alk im Griff hatte, nicht einmal mehr meine früher praktizierten Saufpausen bekam ich mehr hin.


    Also habe ich mich Ende April 2015 auf den Besuch bei der Suchtberatung eingelassen, wo ich frisch geduscht, rasiert und aufgedunsenem Gesicht aufschlug. Das Gespräch hat in mir die Handbremse gelöst und ich kam ab 01.05.2015 ins Rollen, seitdem unfallfrei.

    So ist es mir ergangen. Ich behaupte nicht, dass es auf diese Art und Weise auch bei anderen funktioniert. mancher wird einen kräftigeren Schuss vor den Bug als ich benötigen.

    Und dazu sind Schulferien.Die NRWler lieben die erste Hälfte und die ist gerade jetzt, auch im Krankenhaus.


    Etwas Gutes hat die Sache aber: Bin krank geschrieben und morgen geht's bei angekündigtem heißen Wetter zum Schwimmen. Bin ja nicht bettlägerig. Muss meine arme Seele dann auch mal etwas streicheln.;)

    Also bis auf den Wochentag, den heißen Samstag, alles richtig gemacht.

    Ja, das Teil ist schon gut, aber die ganze Atmosphäre verführt einen, deutlich mehr zu kaufen. Geht uns immer so.

    Wir gönnen uns dort als Zwischenstopp im Outlet an der deutschen Bäckerei Kaffee und frischen Blechkuchen. Da lässt sich draußen sitzend, prima eine Pause machen und vor allem, das ist das Wichtigste, die anderen Leute im Kaufrausch beobachten. Deren Tunnelblick ist gefühlt vergleichbar mit dem, des nach einem Bier lechzenden Säufer.

    Die Klinik ist wenig patientenfreundlich organisiert. War heute zur Radiologie, alles prima, aber habe keinen Befund.


    Als ich mich höflich erkundigte, wie es denn jetzt weiter geht, meinte die Dame im Büro: "Wenn es was Dringendes (z.B. bösartig) ist, werden wir Sie bis Mitte nächster Woche telefonisch kontaktieren."

    Sie hätten so viel zu tun, was stimmt, denn da geht es zu wie im Taubenschlag. Als ich einwarf, ich könne ja auch anrufen, meinte sie nur "Bloß nicht, viel zu viel zu tun, das muss die Ärztin erledigen." Sie war nicht unhöflich, nur sichtlich gestresst.

    War auch bei meinem Hausarzt, der meinte, ich wäre wohl besser in ein MVZ unweit meiner Arbeitsstelle gegangen, die sollen
    "besser drauf" sein.


    Na ja, so ist es halt, mal liegt man richtig und mal greift man einfach in die berühmte Kloschüssel.


    Was lernt der Anfänger: Kurz durchschnaufen, sich schütteln und dann nach Hause, erst mal einen guten Kaffee trinken. Alles kein Grund zum Saufen, denn der Suff macht nichts besser, nur'ne dicke Birne.

    Nur hätte ich halt gerne eine deutlich schnellere Bestätigung und ein belastbares Ergebnis. Kam mir vor wie auf dem Amt, der mündige Bürger als lästiger Bittsteller.

    So, Blick nach vorne. Das wird schon.

    Dann stell Dich dennoch mal auf Suchtdruck im Urlaub ein. Wenn Du früher im Urlaub getrunken hast, wird sich rechtzeitig Dein Suchtgedächtnis in Erinnerung bringen und seinen Tribut in flüssiger Form einfordern. Leg Dir auf so was genau so eine Strategie zurecht wie beim Betreten eines Restaurants, der Blick auf Tische fällt, auf denen sich Alk befindet.

    Dein Suchthirn verknüpft nämlich Urlaub automatisch mit Trinken. Diese Verknüpfung muss erst neutralisiert werden. Und mach keinen auf mutig. Wenn Dich eine Situation unruhig macht, dann auf und davon und den riskanten Ort schnellstmöglich verlassen. Eine neue Umgebung setzt neue Reize.

    Mach Deine Nüchternheit zu Prio 1 im Leben, alles andere ist minder bedeutsam und einen Rückfall in alte Muster nicht wert.

    @step: Um was für eine Art Urlaub handelt es sich? AI? Fährst Du nur mit dem Partner oder fahren auch trinkfeste Freunde/Bekannte/Verwandte mit, die gerne die Korken knallen lassen?

    Ich bin auch im ersten Jahr, genauer nach 5 1/2 Monaten, in den Urlaub gefahren, allerdings nicht in ein Hotel, sondern ein Apartment ohne Verpflegung. Damals hatte ich schon ein paar Monate ambulante Therapie hinter mir. Der Urlaub selbst verlief störungs- und vor allem rückfallfrei. Trinkgedanken hatte ich ab- und an schon, jedoch keinen Suchtdruck. Seit ich clean bin, nehmen wir außer dem Nachwuchs, der öfter mal für ein paar Tage hinzustößt, niemand mehr mit. Alkohol haben wir im Urlaubsquartier nicht, meine Frau bestellt sich im Lokal schon mal ein Glas Wein oder Sekt. Beides waren nie meine Getränke, da ich der Bier- und Schnapstrinker war.


    Im Vorfeld hatte ich mir klar gemacht, dass sich Suchtdruck einstellen kann und mir eine Gegenstrategie zurecht gelegt.


    Vielleicht kannst Du mit meinen Erfahrungen etwas anfangen.

    Sollte ich jedoch je das Gefühl haben, es alleine nicht mehr hinzukriegen, werde ich mir professionelle Hilfe holen.

    Hier tummeln sich Vollprofis. Wir alle wissen wie das Saufen funktioniert, kennen jedoch auch den Ausstieg aus dem Suff.

    Aber so in etwa habe ich in den ersten Jahren auch mal gedacht: "Wenn es mir nicht gelingt, beiße ich in den sauen Apfel und suche eine bekannte und teure Privatklinik auf. Der Haken an der Denke: Wer weiß, ob ich dazu überhaupt noch in der Lage gewesen wäre und nicht lieber den bequemen Weg des Weitersaufens gewählt hätte, selbstverständlich bis zum bitteren (elenden) Ende. Denn das Totsaufen ist kein schöner Tod, mehr ein elendes Verrecken. Jeder Rückfall kann der letzte sein.


    Dies nur mal so am Rande.

    Morgen fahren meine Frau und ich nach Holland zum Outlet.

    Viel Spaß in Roermond. Übrigens, am WE ist es dort normalerweise brechend voll. Daher suchen wir suchen so was nur noch unter der Woche auf. In dem Pendant von demselben Betreiber waren wir vor Kurzem in Malaga, an einem Dienstag. Das war gleich was ganz anderes.


    Falls es zu voll werden sollte, lohnt auch ein kleiner Abstecher in die Innenstadt, keine 10 Minuten entfernt. Rund um die große Kirche gibt's nette Lokale, bei denen der Suff nicht im Vordergrund steht.

    Wenn Du wirklich ernsthaft vorhaben solltest, ohne Alkohol zu lebengilt:

    "Meine Abstinenz und somit meine Gesundheit sind Top 1 und nicht verhandelbar. Ihr ist alles andere als minder bedeutsam unterzuordnen."

    Und dazu zählt, nicht anderen Leuten gefallen zu wollen und/oder an Orten zu verweilen, die für einen Neuling brandgefährlich sind. Und dazu zählt eindeutig ein Brauhaus.

    Wir waren mal an einem heißen Soomernachmittag nach dem Dienst in einem Biergarten vor einem Brauhaus. Wegen der Hitze haben viele am Tisch kein Bier und so wie ich Apfelschorle und Wasser getrunken. Irgendwann musste ich mal "für kleine Jungs" und hinein in die Höhle des Löwen. An den dekorativen Braukesseln vorbei zum WC. Obwohl ich damals schon mehr als 3 Jahre clean war, machten mich der Anblick der an sich hübschen Kessel leicht kirre.

    Da die Küche dort nebst Ambiente und Service dort gut sind , wollen besagte Kollegen immer im Dezember zum Weihnachtsessen dort hin. Das dürfen sie gerne tun, aber ich gehe nicht mit. Das besagt eigentlich alles.


    Warum geht Ihr nicht in ein elegantes Speiserestaurant, wo das Saufen nicht das ganze Geschehen dominiert? Selbst das ist für einen Neuling noch eine Herausforderung, aber auf deutlich niedrigerem Niveau.

    Der gelbe Brief vom Amt ist heute eingetroffen: Promillewert im Bereich der Ordnungswidrigkeit. Also ein Monat Fahrverbot, der Führerschein muss ich innerhalb von 3 Monaten abgeben. Werde ich auf den letzten Drücker machen - dann habe ich 3 Wochen Urlaub und muss nur noch eine Woche ohne "Lappen" klar kommen.

    Das habe ich von Anfang an vermutet, weil die Testgeräte im Bereich der relevanten Grenzen verdammt gut sind.

    Übrigens: 4 Wochen sind nicht ein Monat. Da kommen je nach Monat noch 2-3 Tage hinzu.

    Was bleibt? Glück gehabt. Trotzdem teuer und auf den ersten Blick ärgerlich. Wenn Dir der Ausstieg aus dem Suff gelingen sollte, war es rückblickend ein Glücksfall, der Dir passiert ist

    Jetzt blick nach vorne und gehe behutsam Schritt für Schritt weiter. Den Anfang hast Du gemacht.


    Viel Erfolg.

    Kleines update: früher hätte ich heute einen Supergrund zum Saufen gehabt. Bei einer Untersuchung wurde ein Knoten in der Schilddrüse gefunden, nächste Woche Radiologie. Ich mache mich nicht verrückt und warte ab. Habe mir nach der Diagnose erst mal einen großen Kaffee gegönnt und dann dank home office mal den Dienstrechner angeworfen und anschließend ins Fitnesstudio.

    Früher hätte ich schon mittags ein paar Biere gekippt, weil ich ja so arm dran bin. Heute nehme ich es wie es kommt.


    Für die Neulinge: Gelassenheit durch Abstinenz.

    MPU: Da Du die Pappe noch hast, deutet wenig auf sie hin.


    Entscheident ist das BAK-Gutachten. Wieviel hast Du denn gepustet? Den Wert auf dem Display kannst Du dann mit 2 mulitiplizieren, das kommt dem Ergebnis dann sehr nahe, da die Geräte wirklich gut sind, insbesondere im Grenzbereich Owi/Straftat (o,5 bz.w. 1.1).

    Ablenken mit Dingen, die Freude bereiten war meine Devise. So ein Trinkverlangen stellt sich in den ersten Monaten schon mal ein, die Abstände werden jedoch immer größer. Und mit jeder Triggerabwehr stärkst Du Dich für die Zukunft, weil Du Dir selbst bewiesen hast, dass Du diesen in die Leere laufen lassen kannst.

    Aber auch nach ein paar Jahren wurde ich noch mal von Druck heimgesucht.

    Heute sehe ich Trinkgedanken, Druck hatte ich schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr, positiv. Ich weiß, da ist noch etwas, das geht nie wieder weg, aber ich bin besser und stärker. Ich habe meinen Frieden damit gemacht. Gleichzeitig ist es mir ein Anstoß, weiterhin am Ball zu bleiben. Nicht, das ich mich für geheilt halte. Denn das wäre fatal, denn dann käme womöglich der Gedanke auf, ich könne doch mal wieder wie ein Nichtsüchtiger, das eine oder andere Glas trinken. Gerade der letztgenannte Umstand kann bei Langjährigen zu Rückfällen führen, so meine persönliche Einschätzung. Ich bewahre mir den nötigen Respekt vor dem Alkohol, das hilft mir. Damit ich nicht vergesse oder verdränge, wo ich herkomme, bleibe ich hier.

    Ich habe mein Leben komplett umgestellt. Zu Saufevents gehe ich nicht, das sind solche, bei denen der gemeinsame Konsum von Alk dominiert.

    Ich habe keinen Kontakt mehr zu früheren Saufkumpanen.

    Ich treibe mehr Sport, bewege mich mehr und habe die Zeit, die ich mit Saufen verschwendet habe, mit anderen Dingen, die mir Freude machen, gefüllt. In der kalten Jahreszeit gehe ich gerne mal in die Sauna, aber dort nicht mehr an die Theke, sondern trinke Wasser, Schorle, ggf. 'ne Zero und/oder Kaffee.

    Das sind schon mal einige Beispiele für eine Änderung der persönlichen Lebensführung.

    Ich habe anfangs mal irgendwo bei einer langjährigen Abstinenten gelesen: "Und dann ist nichts mehr so, wie es mal war." Das trifft auf mich zu.

    Weiterhin überall hin mit denselben Leuten wie früher, das kann und wird nicht gut gehen. Das wird aber auch den Leuten nicht gefallen, wenn einer der "Ihren" plötzlich was anderes trinkt. Das führt zu permanenten Nachfragen und Provokationen. Das gemeinsame Bindeglied war halt der gemeinsame Konsum, fällt diese Bindung weg, erledigen sich auch die Kontakte.