Beiträge von Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Da ich zumeist im Grünen Bereich unterwegs bin, ziehe ich meinen allgemeinen thread mal nach oben.

    Bei mir läuft auch im 8. Jahr alles nach Plan. Nur ganz gelegentlich kommen mal dezente Trinkgedanken auf, die rasch verworfen werden können.

    denke bitte daran, dass Alkoholiker ein schnelleres Abklingen von Schmerzmittel haben

    Das las ich heute woanders im Hinblick auf zahnärztliche Behandlungen. Meine Zahnärztin habe ich nicht eingeweiht. Ihre Betäubungen wirken lange, da musste noch nie was nachgespritzt werden.

    Bei mir weiß es nur mein Hausarzt, der mir ja auch die Therapienotwendigkeit attestiert hatte. Gehe ich zu einem Orthopäden, Hautarzt oder HNO Doc falle ich dort nicht mit dem Bemerken zur Türe rein: "Gestatten, trockener Alkoholiker." Warum auch? Nur wenn sich mir die Notwendigkeit einer Einweihung im konkreten Einzelfall im Hinblick auf eine bestimmte Behandlung erschließt, schreite ich zur entsprechenden Tat.

    Nur nach einer Darmspiegelung fiel mir auf, dass ich sogleich nach Abklingen der Betäubung topfit war, während andere dann schon mal "in den Seilen hängen". Das dürfte mit meiner früheren Sauferei zusammen hängen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Trotzdem an alle eine kleine Warnung, so eine Reise ist nicht zu unterschätzen, die kann einiges von einem selbst abverlangen.

    Hallo Nika!

    Ja, das unterschreibe ich sofort. Leider macht so manch ein Neuling bei diesem Thema schnell dicht, weil er sich selbst massiv überschätzt.

    Ich bin nach ca. 1/2 Jahr das erste Mal gefahren, allerdings in eine Ferienwohnung, deren Kühlschrank nicht mit Alkohol voll gestopft war. Da hatte ich auch ein paar Situationen zu überstehen, aber insgesamt war es bei weitem nicht so heftig wie von Dir beschrieben.

    Deine Erkenntnisse und Erfahrungen machen Dich für die Zukunft reicher und Du weißt beim nächsten Mal, worauf besonders zu achten ist.

    Die Abstinenz ist auch ein Prozess der persönlichen Reifung mit Höhen, Tiefen, Rückschlägen, Herausforderungen, Belastungen, jedoch auch mit wunderschönen Momenten, die einem im Suff nie begegnet wären, da sie wirklichkeitsnah und nicht alkoholisch kontaminiert genossen werden können.

    Alles Gute

    wünscht

    Carl Friedrich

    Das eben ist das Fazit, daß man Alkoholismus eben nicht an Äußerlichkeiten festmachen kann.

    Meistens nicht, aber in einzelnen schweren Fällen schon.

    Wichtig erscheint mir, mal genau bei der betreffenden Person hinzuhören, irgendwie wird von ihr bei privaten Gesprächen gerne das Thema Alkohol und dessen Konsum angesprochen. Bei so was werde ich schnell hellhörig. Das sind für mich Zeichen zumindest für einen riskanten Konsum, der ja häufig in die Krankheit einmündete.

    „zufriedene Abstinenz“ verwirrte mich anfangs auch!

    Bis ich begriff, daß NUR die Abstinenz gemeint ist, mit der ich zufrieden bin, ungeachtet meiner anderen Lebensumstände.

    So ist es. Mittelbar wirkt sich die Abstinenz jedoch auch aus, nur so bin ich in der Lage, meine Probleme zu erkennen und sie zu lösen., was dem Alkohol niemals gelingen wird.

    Unter Alkohol werden sie nur vernebelt, temporär betäubt, um dann im "verkaterten" Zustand umso heftiger zu drücken.

    Gruß vom zufrieden abstinenten

    Carl Friedrich

    Hallo Bolle!

    Jeder sollte seinen persönlichen Kurs finden.

    Wenn Du mit Deinen Begriffen klar kommst, ist für Dich alles im Lot.

    Ich pflege mittlerweile zu sagen, dass ich schon seit Jahren keinen Alkohol mehr konsumiere/trinke. Nähere Ausführungen gibt es dazu nicht. Es fragt jedoch auch niemand nach, zumal mein Auftreten und meine Ausstrahlung klar signalisieren dürften, dass ich mich nicht ausfragen lasse. :smiling_face_with_sunglasses:

    Falls doch mal jemand nachhaken sollte, ich weiß schon gar nicht mehr, wann es das letzte Mal war, gibt's den Hinweis, dass es mir ohne Alk bedeutend besser geht, ich ihn nicht mehr vertrage und das Thema damit für mich erledigt ist, weil der Alkohol für mich absolut uninteressant ist.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Und zum Thema Alkoholiker sag ich,wenns denn jemand wissen will:ich bin trockener Alkoholiker.

    hört sich für mich besser an....

    Wenn Du damit klar kommst, ist das genau Dein Weg und Du machst für Dich alles richtig.


    und ist nicht so sehr mit der Denke vieler Zeigenossen verbunden

    Das verstehe ich nicht. Welche Zeitgenossen sollen was denken und warum passt eine bestimmte Denkweise nicht zu Deinem Kurs?

    Gruß

    Carl Friedrich

    Glückwunsch zum ersten Jahrestag.

    Ja, das kenne ich mit dem Arzt. Ich habe mich gleich zu Beginn, ok nach ein paar Wochen, komplett durchchecken lassen incl. einer Darmspiegelung.

    Ich bin diese Woche gleich zweimal zum Grillen eingeladen

    Da hoffe ich mal, Du hast bis dahin genügend Biss. :wink:

    Zum Thema Grillen an sich: Mach Dir im Vorhinein klar, dass sich ggf. Suchtdruck einstellen kann und was Du dann machen willst. Gute Vorbereitung ist die halbe Miete, so war es bei mir. Immer, wenn ich mir die Möglichkeit sich einstellenden Suchtdrucks in bestimmten Situationen durchgespielt habe, blieb er anschließend aus.

    Dann mal alles Gute und viel Spaß beim Grillen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die Verzichts-Gedanken kommen inzwischen nur noch selten, aber sie kommen noch vor

    Hallo!

    Was sollen denn Verzichtsgedanken sein?

    Ich verzichte seit Jahren auf Alkohol und bin zufrieden abstinent.

    Auch denke ich darüber nach, auf den weiteren Konsum von Süßkram zu verzichten, auch das beuruhigt mich in keinster Weise.

    Ferner verzichte ich auf den Erwerb eines teuren Autos oder einer Kreuzfahrt oder einer Luxusuhr. Ja und? Das berührt mich nicht.

    Könnte es sein, dass Du Dich gelegentlich selbst bedauerst, keinen "Stoff" mehr zu Dir zu nehmen?

    Der Weg in die zufreidene Abstinez verläuft häufig in 3 Phasen:

    1.) ich darf nicht trinken.

    2.) Ich will nicht trinken.

    3.) Ich brauche nicht zu trinken.

    Ich bin in Nr. 3 angekommen und ich befürchte, wer noch den Nichtkonsum betrauert, ist noch in Phase 1 stecken geblieben.

    Allerdings dauerte es bei mir schon ein paar Jährchen bis ich in Stufe 3 angelangt bin.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Die Lösung heißt für mich dann, mich mehr und mehr früheren Situation aussetzen nur eben ohne Alkohol

    Solche "Übungen" sollten erst erfolgen, wenn die eigene Abstinenz gefestigt ist, sonst ist das Risiko der persönlichen Überforderung und letztlich des Rückfalls zu groß.

    Ich kann nur davon abraten, auf Gedeih und Verderb das eigene Suchtgedächtnis zu provozieren. Weiter leben wie früher, nur ohne Alk wird leider bei vielen nicht funktionieren. Ich habe da schon einige Rückfälle beobachten können, wenn die Probanden die nötige Distanz zum Suchtmittel nicht einhielten. Abstinenz ist ein langer Prozeß, der funktioniert nicht von jetzt auf gleich. Wir haben jahrelang gesoffen, da sollten wir die nötige Geduld aufbringen, den Alk erst mal auf Distanz zu halten.

    Ich bin anfangs gefährlichen Situationen so gut es eben ging, aus dem Weg gegangen.

    Gruß

    >Carl Friedrich

    Hallo!

    In der Anfangszeit springt das Suchtgedächtis schnell an, wenn man in Situationen kommt, der früher mit dem Konsum von Alk verbunden waren. Wenn der Sommer länger dauert und Du noch ein paar Male dort anstehst, wirst Du irgendwann gar nicht mehr an den Alkohol denken. Der entsprechende Automatismus wurde dann überschrieben. Das Suchtgedächtnis ist halt wie eine Software, die sich nicht deinstallieren, sondern nur überschreiben lässt, dennoch zuckt es dann und wann noch mal und kann einen irritieren oder gar durchschütteln. So erging es zumindest mir.

    Wenn Du das auf dem Schirm hast, fällt es Dir zukünftig leichter.

    Beispiel aus meiner Vergangenheit: Früher habe ich zwischen Saunagängen gerne meine 2-3 Weißbiere getrunken, heute sind die mir in der Sauna so was von egal. Mein Hirn hat kapiert, dass eine Sauna nicht mehr mit Weißbier verknüpft ist. Jedoch kann es durchaus sein, dass sich der Gedanke an ein solches Bier irgendwann mal wieder in der Sauna einstellt.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo Heike!

    Mit den Jahren wirst Du solchen Begebenheiten keine Bedeutung mehr zumessen und sie allenfalls beiläufig wahrnehmen, ohne Dir groß Gedanken zu machen. So ist es zumindest bei mir. Die Distanz zum Stoff wurde mit den Jahren immer größer und er berührt mich nicht mehr.

    Weiterhin gutes Gelingen

    wünscht

    Carl Friedrich

    Hallo MaBee!

    Normalerweise schreibe ich nicht im Co-Bereich, aber ich muss da mal 'ne Ausnahme machen: Sehr beeindruckende und konsequente Ausführungen.

    Mir scheint, vielleicht liege ich da auch daneben, dass die Türe zwischen Euch noch nicht so ganz verschlossen ist und es evt. für ihn noch eine Möglichkeit geben könnte, sie wieder zu öffnen, sollte er sein Problem zügig, ernst- und gewissenhaft angehen.

    Bleib weiterhin konsequent, lass Dich bloß nicht einlullen, nimm keine Rücksicht auf ihn und gehe mit Deinen Kindern Deinen Weg. Ob der Herr sich noch mal dazu gesellt, dann aber trocken und ggf. therapiert, wird sich zeigen.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Hallo!

    Erst mal willkommen und Glückwunsch zu den über 700 Tagen.

    und mir vor Augen hält der Weg trocken zu bleiben wird nie enden

    Ja und? So lange im Hirn noch irgendwo der Gedanke herumspukt, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Alkohol, wird es schwer bis unmöglich, clean zu bleiben.

    Mit der Zeit entwickelte sich bei mir die Abstinenz zum absoluten Normalzustand. Sie hat sich bei mir gründlich eingeschliffen. Mir macht es gar nichts aus, nichts zu trinken. Der Alkohol ist für mich verdammt weit entfernt und beeinflusst mein Denken und Fühlen nicht (mehr). Ich behaupte einmal, ich habe für mich das Stadium der selbstverständlichen, zufriedenen Abstinenz erreicht. Ich bin nicht belastet, sondern zufrieden und mit mir im Reinen.

    Daher sollte Dich der Gedanke weder erschrecken, noch belasten, sondern Ansporn sein, es vielen anderen Abstinenten gleich zu tun. Bei mehr als 700 Tagen bist Du auf einem guten Weg. Da hst Du verdammt viel richtig gemacht.

    Gruß

    Carl Friedrich

    Das gehört zum Standart einer Therapie. Bei manchen kann in der eigenen vita festgestellt werden, ob es Ereignisse gab, die der Auslöser für das Abgleiten in die Sucht waren.

    Bei mir hat der Therapeut nichts gefunden. Ich habe nur regelmäßig und in immer höheren Dosen gesoffen. Da spielte es keine Rolle, ob ich gut oder schlecht drauf war. Beides war Anreiz genug, weiter zu trinken.

    Viel interessanter als die gesamte Biographie durch zu hecheln, finde ich die Frage nach dem berühmten persönlichen Tiefpunkt, der einen zum Gegensteuern bringt. Jedoch hängen die Tiefpunkte bei allen irgendwie unterschiedlich hoch bzw. tief. Manche müssen erst Job, Haus, Führerschein und Familie verlieren, um zur Umkehr zu gelangen, anderen genügen schon weniger gravierende Erlebnisse, endlich was zu tun.

    Gruß

    Carl Friedrich