Mir gefallen Begriffe wie "Kämpfen" nicht. Gegen wen sollte ich denn kämpfen? Wie sollte der Kampf denn ausgetragen werden, mit Fäusten, Messern und Pistolen? Ich habe nicht gekämpft, ich habe nur aufgehört, den Alkohol zu nah an mich heran und in mich hinein zu lassen. Das war kein Kampf, sondern eine reine Vernunftsentscheidung, deren Umsetzung in den ersten Wochen viel Konzentration, Willen, Befassung mit der Materie und Austausch mit anderen, hier im Forum und in einer ambulanten Therapie erforderte.
Anfangs bin ich mit der 1-Tages-Methode gut gefahren. Jeden Morgen nach dem Aufwachen habe ich mir fest vorgenommen: "Heute trinke ich nicht." Aufkommende Trinkgedanken begegnete ich neben dem kräftigen Schluck aus der Wasserpulle mit Ablenkung und der Befassung mit schönen Dingen, die mir Freude machen.
Nach einigen Monaten hatte ich dann festen Grund unter dem Boden und marschierte weiter konsequent meinen Weg. Es gab zwar ab- und an einige Ruckler, ausgelöst durch das Suchtgedächtnis, aber da musste ich halt durch.
Hier wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Wille allein nicht ausreicht, das ist völlig zutreffend, der Wille darf jedoch nicht unterschätzt werden, denn ohne ihn läuft gar nichts.
Häufig ist auch die Rede von "Kapitulation", ein Begriff der von Alkis gerne entgegen seinem natürlichen Wortsinn verwendet wird. Ich musste nicht kapitulieren und mich dem Alk völlig unterwerfen, sondern nur aufhören, mich mit dem Alk zu messen und hielt ihn auf Distanz. In diesem Sinne verstehe ich hier den Begriff der Kapitulation, in dem ich ihm, so gut es eben ging, auswich.
Gerade zu Beginn im ersten Jahr drehten sich immer wieder meine Gedanken um den Alk, diesem Gedankenkarrussel konnte ich letztlich durch Ablenkung und Austausch begegnen. Das zeigte mir, dass ich mit meinen alkoholischen Gedanken nicht allein unterwegs war und sie erfolgreich ins Leere laufen zu lassen, die für mich beste Methode war, die sich auch umsetzen ließ.
Gerade im ersten Jahr sind die Gedanken noch sehr alkoholfixiert, das legte sich in der Folgezeit, da die Verknüpfung zwischen bestimmten Personen und Gelegenheiten mit dem Konsum von Alk mehr und mehr verblassten. Ich hatte mir andere Lösungen gesucht und auch gefunden hatte, die mich nicht mehr zur Flasche Bier greifen ließen.
Vielleicht helfen Dir meine Ausführungen etwas weiter.
Mein Weg war und ist lang, aber er ist zu schaffen und rückblickend war er sogar leichter, als es anfangs erschien. Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt, ich musste anschließend nur meinen persönlichen Rhythmus finden.
Gutes Gelingen