Ich habe schon mehrfach, auch in diesem Forum, davon gelesen, dass dieser Spruch 'Rückfälle gehören dazu' offenbar in der Therapie Anwendung findet
Nein, in meiner Therapie nicht und die Langjährigen hier schwadronieren so einen "Blödsinn" auch nicht.
Was mir in all den Jahren, die ich jetzt dabei bin immer wieder auffällt: Hat der Rückfällige überhaupt jemals rückhaltlos zu seiner Abstinenz gestanden, ohne dass irgendwo im Innersten seines Hirns noch der Gedanke herumspukte, "irgendwann gehe vielleicht doch noch mal was mit dem Alk"? Ich nenne es den geheimen Trinkvorbehalt. Ist der Gedanke noch da, dann ist es logisch, dass Gelaber wie "Rückfälle gehören dazu" das Suchthirn beflügeln, irgendwann in der Zukunft wieder zuzulangen.
Es gilt, sich von diesem späteren Trinkgedanken zu verabschieden. Es hat mich mehrere Monate gekostet, bis ich so weit war, diesen späteren Trinkvorbehalt über Bord werfen zu können. Anschließend galt es, ihn ja nicht wieder an Bord der Abstinenz klettern zu lassen. Letzteres gilt für Rückfällige, die nach vielen Jahren plötzlich dachten, sie könnten doch noch mal was probieren, da sie nach der langen Zeit geheilt seinen. Das ist fatal.
Das Suchtgedächtnis ist für immer da, denn es ist leider in einem Teil des Hirns verankert, in dem die Automatismen wie Gehen, Laufen, Schwimmen oder Fahrrad fahren abgespeichert sind. Das dahin darbende Suchtgedächtnis samt Sucht warten nur auf eine Befeuchtung, um wieder ihre tödliche Frucht gedeien und wachsen zu lassen. Denn die Sucht will nur eins, uns wieder an die Flasche bringen. Die Sucht geht niemals weg.
Als ich mir darüber im Klaren war, hatte ich es einfacher.
Apropos Bücher: Ich habe einige gelesen, sowohl aus Therapeuten- als auch Betroffenensicht. ich habe mir das aus ihnen entnommen, was schlüssig und nahtlos zu dem passte, was ich hier im Forum und meiner Therapie gelernt habe. Dieser 3-Klang von verschiedenen Sichtweisen, die völlig unabhängig voneinender dasselbe aussagten, bestärkte mich, auf dem richtigen Weg zu sein.
Daher rate ich, die "Bücher" praktisch zu sehen, ihnen aber nicht blindlings hinterher zu rennen.