Beiträge von Carl Friedrich

    Mir ist der Ausstieg aus dem aktiven Teil der Sucht erst gelungen, als ich bereit war, meine Gesundheit und somit meine Abstinenz an erste Stelle zu setzen und ihr alles andere unterzuordnen.

    Karten für ein Konzert oder Fußballspiel sind demgegenüber minder bedeutsam.

    Wäge wohl ab, was Dir wichtiger ist, das Gegröle von irgendwelchen Suffköppen oder Deine Gesundheit und damit Dein Leben.

    Also ich weiß, wie ich mich in so Situationen entscheide. Da muss ich gar nicht erst nachdenken.

    Und das ist genau der Grund, warum bestimmte Leute hier im Forum seit vielen Jahren unfallfrei unterwegs sind. Das nennt sich Risikominimierung.

    Ich wünsche Dir die nötige Erkenntnis, die richtige Entscheidung zu treffen.

    Hallo!


    Wie schaut es mit körperlichen oder gar sportlichen Aktivitäten aus, die Dich fordern und Dich abends müde werden lassen? ich denke da ans Fitnesstudio oder ein paar Runden laufen, gehen oder Radfahren.

    Dazu gesunde Ernährung, ab einer gewissen Uhrzeit am Nachmittag kein Koffein mehr, das hat bei mir den Schlaf ruckzuck reguliert.

    In den ersten Monaten nach Wegstellen der Flasche ist das Hirn und somit die eigene Denke noch alkoholfixiert. Daher wird der Alkohol, insbesondere der, den andere trinken, schnell erfasst. Zu Beginn wanderten meine Augen beim eines Cafes herum und erfassten sogleich, wer Alkohol auf dem Tisch stehen hatte. Dies als kleines Beispiel.


    Der Körper ist recht entgifet, aber mit dem Oberstübchen dauert es halt etwas länger, bis das alkoholfixierte Denken sich auflöst. Auch bei mir dauerte es eine Weile.


    Wir waren gestern Abend aus essen. Beim Betreten des Lokals habe ich nach unserem Tisch Ausschau gehalten und nicht nach den Getränken anderer Leute, weil deren Getränke mich einfach nicht mehr interessieren.


    Nicht umsonst heißt es häufig, so auch hier im Forum, das erste Jahr ist am schwersten. Anschließend hast Du alle Herausforderungen eines Jahres gemeistert und weist, wie Du Dich wann und wo zu verhalten und zu bewegen hast.

    Gib Dir die nötige Zeit, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es sind vor allem Geduld und Ausdauer gefragt.


    Viel Erfolg

    Ich trinke nach wie vor Kaffee, 4-5 Tassen pro Tag. Das war in den ersten Jahren der Abstinenz mehr, bis es sich jetzt auf dem Niveau eingependelt hat. Ich trinke ihn ausgesprochen gern und sehe mich als Genusstrinker.

    Ich habe schon mehrfach, auch in diesem Forum, davon gelesen, dass dieser Spruch 'Rückfälle gehören dazu' offenbar in der Therapie Anwendung findet

    Nein, in meiner Therapie nicht und die Langjährigen hier schwadronieren so einen "Blödsinn" auch nicht.


    Was mir in all den Jahren, die ich jetzt dabei bin immer wieder auffällt: Hat der Rückfällige überhaupt jemals rückhaltlos zu seiner Abstinenz gestanden, ohne dass irgendwo im Innersten seines Hirns noch der Gedanke herumspukte, "irgendwann gehe vielleicht doch noch mal was mit dem Alk"? Ich nenne es den geheimen Trinkvorbehalt. Ist der Gedanke noch da, dann ist es logisch, dass Gelaber wie "Rückfälle gehören dazu" das Suchthirn beflügeln, irgendwann in der Zukunft wieder zuzulangen.

    Es gilt, sich von diesem späteren Trinkgedanken zu verabschieden. Es hat mich mehrere Monate gekostet, bis ich so weit war, diesen späteren Trinkvorbehalt über Bord werfen zu können. Anschließend galt es, ihn ja nicht wieder an Bord der Abstinenz klettern zu lassen. Letzteres gilt für Rückfällige, die nach vielen Jahren plötzlich dachten, sie könnten doch noch mal was probieren, da sie nach der langen Zeit geheilt seinen. Das ist fatal.

    Das Suchtgedächtnis ist für immer da, denn es ist leider in einem Teil des Hirns verankert, in dem die Automatismen wie Gehen, Laufen, Schwimmen oder Fahrrad fahren abgespeichert sind. Das dahin darbende Suchtgedächtnis samt Sucht warten nur auf eine Befeuchtung, um wieder ihre tödliche Frucht gedeien und wachsen zu lassen. Denn die Sucht will nur eins, uns wieder an die Flasche bringen. Die Sucht geht niemals weg.

    Als ich mir darüber im Klaren war, hatte ich es einfacher.

    Apropos Bücher: Ich habe einige gelesen, sowohl aus Therapeuten- als auch Betroffenensicht. ich habe mir das aus ihnen entnommen, was schlüssig und nahtlos zu dem passte, was ich hier im Forum und meiner Therapie gelernt habe. Dieser 3-Klang von verschiedenen Sichtweisen, die völlig unabhängig voneinender dasselbe aussagten, bestärkte mich, auf dem richtigen Weg zu sein.

    Daher rate ich, die "Bücher" praktisch zu sehen, ihnen aber nicht blindlings hinterher zu rennen.

    Ich halte den besagten Spruch für nicht nur für falsch, sondern auch für "gefährliches Geschwätz". Er ist nichts anderes als ein Schönreden des Rückfalls, zugleich dient er schon vorab als Ausrede, alsbald wieder Alkohol zu trinken.

    Aus dem Spruch dröhnt die ganze Heimtücke der Sucht.

    Ob der Rückfällige anschließend überhaupt noch mal zurück in die Spur der Abstinenz findet, bleibt völlig offen. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich der Betreffende dann zu Tode säuft.

    Gruß CF, mehr als 10 Jahre unfallfrei clean.

    Auf dieser befindet sich also immer noch mein Suchtgedächtnis. Aber es schweigt und ruft sich gerade nicht auf.

    Auf meiner Festplatte im Oberstübchen befindet sich eine neue Betriebssoftware, leider lässt sich die alte nicht deinstallieren und sie zuckt halt ab- und an mal vor sich hin (=Suchtgedanken). So stelle ich mir mein Suchtgedächtnis vor. Mir hat diese Verbildlichung weiter geholfen, um zu verstehen, weshalb sich das Suchtgedächtnis nicht ganz abschalten lässt.

    Augen auf beim Einkauf. Und die älteren Semester dürfen ruhig mal die Brille auf die Nase setzen, ich hatte meine Lesebrille nicht dabei.

    Heute nachmittag ging ich nach dem Training noch mal schnell in den Supermarkt und packte spontan ein Dessert Tartufo ein. Nach dem Abendessen wollte ich es servieren. Erst beim Öffnen der Verpackung stand außen im unteren Bereich: "Enthält Alkohol." Ich habe es erst mal meiner Frau gegeben, die probierte es und meinte schon "nee." Ich hatte nicht vor, es zu essen, ohne es vorher sicher zu wissen, welche Art von Alkohol dort verbaut war. Habe mal die KI angeworfen und die meinte: Lebensmittelalkohol = Ethanol und zwar als Geschmacksverstärker. Ethanol ist selbstverständlich in Bier, Wein und Sekt enthalten.


    Es gibt noch mehrwertigen Alkohol, der etwas anderes ist, nämlich ein kalorienarmes Süßungsmittel. Damit habe ich keine Probleme, denn er hat mit dem Trinkalkohol nicht gemein, außer dem Namen.

    Also lieber auf Nummer sicher gehen. Selbst "Trockenprofis" wie mir kann es passieren, dass sie versehentlich richtigen Alkohol anschleppen. Allerdings weiß ich, was dann zu tun ist, nämlich mich im Konsumverzicht zu üben.

    Teils Alkohol in Schoko-Adventskalendern.

    Das ist die alte Krux.


    Welcher Alkohol ist verbaut? Der von uns gesoffene, "einwertige" Alkohol oder der mehrwertige, der als kalorienarmer Zuckerersatz (=Zuckeraustauschstoff) dient und mit "unserem" Alk nichts zu tun hat, außer dem Namen.


    Also nicht überall, wo Alkohol drauf steht, ist auch der einwertige Alk drin.


    Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt von allen beiden die Finger.

    Wenn wir nächste Woche Essen gehen, passe ich natürlich auch auf, dass sich im Essen kein Alkohol versteckt. Zur Not frage ich nach.

    Soßen werden gerne mit Alk abgelöscht, da lohnt sich ein intensiver Blick auf die Karte, leider wissen nicht alle Kellner ausreichend Bescheid. Ich lasse, falls ich mir unsicher bin, meine Frau vorkosten, wenn die grünes Licht gibt, esse ich das Gericht. Auch rieche ich gerne mal am Essen, falls ich Stoff wittere, esse ich es nicht.


    Das nur als kleiner Tipp.

    Hallo und willkommen.

    Ich lese, Du warst schon mehrfach z.T. jahrlang clean. Du dürftest ja wissen, was in den nächsten Monaten zu tun ist. Mal vorübergehend auf Alkohol zu verzichten, scheint Dir ja nicht allzu schwer zu fallen. Deine Baustelle dürften die Rückfälle sein, da es Dir bislang nicht gelingen konnte, die temporäre Abstinenz in eine dauerhafte einmünden zu lassen.

    Dazu bedarf es m.E. der Aufarbeitung, damit Du zukünftig nicht mehr rückfällig wirst.. Vielleicht magst Du ja davon mal berichten.

    Ich wünsche einen guten Austausch.

    Ich kenne weder Dich, noch den Gastgeber und die anderen Gäste. Daher ist Rat schwierig. Wenn Du Dir unsicher bist, und geanu das scheinst Du, sonst würdest Du nicht fragen, dann bleib weg. Es wird häufig geraten, im ersten Jahr erst mal gründlich auf Distanz zu Veranstaltungen zu gehen, die dicht am Alkohol stattfinden. Das erste Jahr dienst der Stabilisierung. Feiern kannst Du später noch genug.


    Was sprich dagegen, dass Dein Mann alleine hinfährt? M.E. nichts.

    Auf der Arbeit wissen es nur drei wirklich gute Freunde

    Und es wissen dann sicherlich noch mehr. Warum sollten sie eisern schweigen? Solche Geschichten wie Suff oder "Verhältnisse" sind doch die interessantesten Geschichten in einer Behörde oder einem Betrieb.


    ;)Selbstverständlich alles unter dem Siegel der eisernen Verschwiegenheit, das letztlich eine Garantie für das Weitertragen ist. Du dürftest die Katze bereits aus dem Sack gelassen, nur bist Dir dessen noch nicht wirklich bewusst. ;)

    Mein Suchthirn wird auf jeden Fall keine freie Fahrt mehr bekommen.

    Das Versprechen kann ich nicht abgeben. Ich kann nur versprechen, alles zu tun, dass es nicht zum Rückfall kommt. Deshalb bin ich hier. Ob meine Bemühungen am Ende von Erfolg gekrönt sein werden, das weiß ich nicht. Ich bin aber grundsätzlich optimistisch, weiß aber auch von den Gefahren und der Heimtücke des Suchtgedächtnisses.


    Abstinenz ist kein Sprint, sondern ein nie endender Ultramarathon. Ich bleibe am Ball. Mehr kann ich nicht für mich tun.

    Möchte aber auch dort hin kommen, dass mir der Alkohol einfach nur noch völlig ....egal ist.

    Diesen Punkt habe ich selbst nach mehr als 10 Jahren noch nicht erreicht. Warum sollte ich auch?


    Allkohol selbst ist völlig passiv. Er bewegt sich nicht auf mich zu oder in mich hinein. Meistens sind mir alkoholtrinkende Menschen völlig wurscht, nur in ganz seltenen Fällen zuckt mein Suchtgedächtnis, das immer noch blendend funktioniert, und löst Geistesblitze wie "Das sieht aber lecker aus (frisches Weißbier am Nebentisch) " aus. Ich weiß damit umzugehen und bin in der Lage, diesen Gedanken schnell wieder verschwinden zu lassen. Diese Zuckungen sind Beleg für meine lebenslange Sucht. Sie ist da und wird niemals verschwinden, sie schlummert nur tief in mir drin.


    Wäre der Alkohol mir völlig egal , dann hätte mein Suchtgedächtnis freie Fahrt. Das könnte bei mir zu dem Gedanken führen, ich sei geheilt und könne mal wieder wie ein Normaler was trinken. Gerade dies ist ein häufiger Rückfallgrund bei Personen, die vorher langjährig abstinent waren. Damit es bei mir nicht so weit kommt, bin ich hier.

    Alles in allem habe ich keine Angst vor dem Alkohol oder einem Rückfall. Vielmehr habe ich Respekt, das trifft es für mich viel besser.

    Outen schützt. Nicht, weil man sich ins Rampenlicht stellen muss. Sondern weil es Klarheit schafft.

    Wieso schützt es mich z.B. auf der Arbeit? Verstehe ich nicht. Bei mir wird nicht getrunken. Auf Behördenfesten trinke ich nicht, das ist bekannt und wird nicht hinterfragt. Privat fragt auch nur selten einer und da gibt's die Standartantwort: "Nein, ich trinke keinen Alkohol."


    Rückhaltlose Offenheit pflege ich nur gegenüber Personen, die es mir wert sind. der Kreis ist bewusst eng gezogen und nur ich entscheide, ob ich ihn erweitern möchte. Die Arbeitskollegen und die Behördenleitung gehören nicht zu dem besagten Kreis dazu.

    Das handhabe ich jetzt mehr als 10 Jahre und zwar zufrieden und unfallfrei.

    sollte darauf hinauslaufen, etwas gegen Stigmatisierung zu unternehmen.

    Ist das meine Aufgabe? Ich verspüre weder missionarischen Eifer, noch entsprechendes Temperament in mir. Ich mache mein Ding und gut ist. Die Welt wird nicht dadurch besser, dass ich nicht mehr saufe. Auch nicht, wenn ich meine Abstinenz zur Welt hinaus posaune und mich als leuchtendes Beispiel der Wandlung vom Saulus zum Paulus inszeniere.


    Wer sich diesem hehren Gedanken verbunden fühlt, mag es ja als neuesten Zeitvertreib mal ausprobieren und anschließend hier von Erfolgen/Misserfolgen berichten. Diesen Herrschaften wünsche ich viel Erfolg bei ihrem Unterfangen, aber da bin ich nicht von der Partie.