Guten Morgen.
Ich habe etwas, das ich hier gern im Offenen teilen würde.
Am Wochenende war ich auf einer Veranstaltung, wo ich viele Menschen getroffen habe, die ich schon von früher kenne. Mir ist aufgefallen, dass ich schon ewig nicht mehr gefragt werde, warum ich nichts trinke.
Wer meinen Weg gelesen hat, weiß, dass ich vor fast 7 Jahren, als ich aufhörte zu trinken, komplett offen damit umgegangen bin. Jeder weiß, warum ich aufhörte zu trinken. Am Anfang hatte ich immer noch das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Deshalb hab ich auch einigen Leuten von meiner Abhängigkeit erzählt, wo ich jetzt im Nachhinein betrachtet sagen würde "das geht den gar nichts an".
Über die Jahre habe ich eine Selbstverständlichkeit entwickelt. Wenn jemand, den ich neu kennenlerne mich auf das Thema Alkohol anspricht, sage ich völlig entschlossen, dass ich generell keinen Alkohol trinke. Was vor Jahren vielleicht mit einer Unsicherheit von mir vorgetragen wurde, führte zu Nachfragen. Inzwischen nicht mehr.
Beispiel: Hab ich mich am Anfang ertappt gefühlt, das Thema war mir unangenehm und ich habe dann verunsichert geantwortet "Nee, ich trinke keinen Alkohol (mehr)" und irgendwie mit der Ausstrahlung vor mich hingestammelt, führte das unter Garantie dazu, dass ich gefragt wurde "Waaas, warum das denn nicht oder Einer geht doch" oder was auch immer.
Nun stehe ich da wie ein Baum mit entschlossenem Gesichtsausdruck und antworte: "Ich trinke keinen Alkohol. Punkt."
Da kommt nichts. Das wird sofort aus dem Gesicht gelesen, dass es da keinen Verhandlungsspielraum gibt. Die meisten Leute fragen sich nicht mal mehr irgendwas nachzufragen. "Ach so!" heißt es meistens.
Dann hab ich mich nach diesem Wochenende gefragt, wie das die Leute nach ein paar Jahren machen, die hier im Forum an Anfang ihres Weges berichten, dass sie entgegnen, dass sie "zur Zeit keinen Alkohol trinken, weil sie auf Diät sind, Sport machen, fahren müssen oder Medikamente nehmen".
Wenn diese Menschen nach Jahren einige Leute wiederholt wiedertreffen, sagen sie dann immer noch "Ich nehme immer noch Medikamente" oder "Ich muss heute wieder fahren"?
Ist das nicht auf Dauer anstregend? Man kommt doch dann gar nicht zur Ruhe.
Das sind so Gedanken, die ich gerade habe.
Nicht jedem auf die Nase binden "Ich trinke nichts, weil ich trockener Alkoholiker bin" ist ja noch eine Sache, die ich wirklich gut nachvollziehen kann. Denn gerade im Arbeitsleben kann es Probleme geben. Und es geht im Bekanntenkreis auch nicht jeden etwas an, das Argument verstehe ich".
Aber mit Ausreden um die Ecke kommen, um für den Abend Ruhe zu haben? Das halte ich für keine gute Idee.
Zumindest ein "Ich trinke grundsätzlich keinen Alkohol (mehr)". So viel Entschlossenheit sollte doch drin sein, um sich das Leben selbst zukünftig zu erleichtern, oder nicht?
LG Cadda