Beiträge von AufderSuche

    Typisch für mich war, dass ich lange Zeit nicht wirklich mit meinen eigenen Gefühlen umgehen konnte. Gefühle waren für mich irgendwie gefährlich, deshalb war ich immer bemüht, meinem Verstand die Führung zu überlassen.

    Als ich am Anfang der therapeutischen Gespräche mit meinem Arzt, bei dem ich wegen Depressionen in Behandlung war, meine Gefühle benennen sollte, war ich damit überfordert.

    Ich hab mehrfach gegoogelt, was für Gefühle es überhaupt gibt und woran man die erkennt.

    Merkwürdig ist nur, dass ich immer wusste, was mit anderen war. Ich hätte zwar deren Gefühle nicht unbedingt mit Worten benennen können, aber ich wusste immer, was sie brauchten.

    Was ich selbst fühlte, außer dem Üblichen, hätte ich nicht benennen können, was aber auch daran lag, dass das nicht eindeutig war, weil eigentlich immer das Gefühl von Scham vorhanden war.

    Wütend sein, hatte ich gelernt (bei meiner Großmutter), ist unerwünscht. Die böse *AufderSuche* haben meine Großmutter und ich immer gedanklich vor der Wohnungstür die Treppe heruntergeworfen.

    Ich war Perfektionistin, weil ich Sicherheit suchte. Ich hatte eine überaus ausgeprägte Sehnsucht/ ein Bedürfnis nach Sicherheit, doch mein stets wachsamer Geist nahm überall die Gefahren war. Diese habe ich, vorausdenkend, auszuräumen versucht, aber wirklich sicher fühlte ich mich nie.

    Ich hab mich immer anders und allein gefühlt, inzwischen habe ich Menschen kennenlernen dürfen, die mir ähnlich sind.

    Apropos delegieren:

    Als EKA bin ich eine prima Arbeitnehmerin! Ich nehme mir gerne und viel und viel zu viel Arbeit und Verantwortung, denn ich mache es lieber selber, als daß es nicht oder vermeintlich nicht so gut gemacht wird, wie ich es schnell und gut und überhaupt mache...!

    Oh Mann, das hab ich schon länger her mal durchschaut, und dann tunlichst bleiben lassen!

    EKA sind die, die Verantwortung übernehmen, weil sie als Kind schon Verantwortung übernommen haben in einer Familie, in der die Erwachsenen das eben nicht taten. Und einer muß ja den Laden schmeißen...

    Hoppla, das passt auch genau zu mir. 😉

    Ich hab als Kind nahezu hellseherische Fähigkeiten entwickelt, wie die Lage daheim ist. Was geht grad ab, wer mit wem, wer gegen wen, warum weshalb wieso, und vor allem wie viel. Hatte alles mit dem Überleben zu tun. Ich sammelte möglichst viele Info's, um irgendwie in diesem Chaos von Sucht und Mißbrauch zu überleben.

    Heute kommt mir diese Fähigkeit zu Gute. Ich kann sehr schnell Zusammenhänge erkennen, Dinge miteinander in Bezug setzen. Ich kann leicht rekonstruieren, was los war. Und ich kann leicht abschätzen, wie sich etwas voraussichtlich entwickeln wird. Ich hab einen guten Blick für Details. Ich nehme bei Menschen vieles wahr, es ist wie wenn ich zwischen den Zeilen lesen würde.

    Alte Überlebensstrategie, aber heute kann ich sie oft echt gut gebrauchen!

    Linde

    Genau so, wie Linde das hier beschreibt, war das bei mir auch. Und es ist auch heute noch so.

    Problematisch war für mich lange Zeit, dass ich mich verantwortlich fühlte, die Situation oder Stimmung zum Positiven beeinflussen zu müssen, dafür sorgen zu müssen, dass sich die anderen möglichst wohl fühlen.

    Gleichzeitig war ich stets bemüht, irgendwie nicht aufzufallen, denn wer auffällt, macht sich angreifbar.

    Hallo Eismann,

    ich kann nachvollziehen, wie es dir zunächst zuhause ergangen ist, auch wenn ich nicht wegen Suchttherapie in einer Klinik war, sondern wegen Depressionen.

    Ich hab damals zunächst dafür gesorgt, einen möglichst reizfreien Raum einzurichten, in den ich mich ggf. zurückziehen konnte. Ich war von den vielen Reizen zuhause zunächst völlig überfordert.

    Wie sorgst du sonst zuhause im Moment für dich?

    Hast du schon weitere Ideen, wie du dich ggf. umprogrammieren kannst? Ich meine, Ideen dafür, das, was das Suchtgedächtnis bei dir weckt, zu verändern.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Hartmut ,

    klar, gerne.

    Ich hab mir ansonsten gerade überlegt, dass ich selbst ja sonst unter den entsprechenden Bereichen ein Thema zu diesem speziellen Thema eröffnen zu könnte. In diese Richtung hattest du mir ja auch mal geantwortet, das fiel mir eben ein.

    Ich hab das hier auch nur angefragt, weil mir aufgefallen war, dass es verschwunden ist.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Das kann ich nach dem, was ich in der letzten Zeit hier im Forum beobachten konnte, und nach dem, wie dieser Bereich in letzter Zeit gefüllt worden ist bzw. eben nicht gefüllt worden ist, nachvollziehen. Und schließlich hat sich das Thema ja irgendwie auch mit meiner eigenen Abhängigkeit vermischt.

    Ich möchte aber anmerken, dass mir das Thema doch irgendwie fehlen wird. Mir hat das, was ich hier von anderen diesbezüglich lesen konnte, etwas weiterhelfen können, mich selbst besser verstehen und akzeptieren zu können.

    Besteht die Möglichkeit, eine Zusammenstellung der Persönlichkeitsmerkmale von EKAs irgendwo als sichtbares Thema bzw. als Info hier im Forum aufzunehmen?

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo,

    ich hab da mal eine Frage, vielleicht bin ich aber auch zu ungeduldig. Werft ihr das Thema „Erwachsene Kinder aus Alkoholikerfamilien“ aus dem offenem und aus dem geschützteren Bereich ganz raus?

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Lea,

    du hast offenbar noch einen „eye-opener“ gebraucht und der scheint ja wirklich ein Volltreffer gewesen zu sein.

    Dein Gefühl, dass seine latent aggressiven WhatsApp-Nachrichten unter Alkoholeinfluss geschrieben worden sind, hat dich nicht getrogen.

    Du hast mit eigenen Augen gesehen, dass sein Alkoholkonsum doch deutlich höher ist, als du‘s erwartet hattest, und dass das eben nicht auf nur ein „Feierabendbierchen“ hindeutet.

    Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass er die Schuld für seinen Konsum gestern Abend auf dich schieben wird. Wahrscheinlich glaubt er sich das sogar selbst. Die Schuld bei anderen zu suchen und sich am besten noch selber leid zu tun, ist einfach typisch für nasse Alkoholiker. Von solchen Erfahrungen kannst du bei ganz vielen lesen.

    Natürlich trägst du keine Schuld daran. Das wäre ja noch schöner. Du hast Schwierigkeiten mit seiner Trinkerei und teilst ihm das mit und DESWEGEN muss er noch mehr trinken. Echt schiefes Denken, meinst du nicht auch?

    Du hast was Besseres verdient, denkt

    AufderSuche.

    Es ist schwierig und so ganz habe ich mich nicht gesehen( oder willmich nicht sehen?) und ich habe mich wahrscheinlich irgendwie missverständlich ausgedrückt.

    Hallo Jules,

    deswegen ja meine Fragen. Einerseits, um dich und auch dein Problem näher kennenzulernen, aber auch damit du dich und dein Problem näher kennenlernst.

    Ja, Alkoholismus und auch Co-Abhängigkeit sind „Mist“, wie du es ausdrückst. Leider.

    Je mehr ich mit dem Thema beschäftigte, desto klarer wird mir, wie vielschichtig und kompliziert das Ganze ist.

    Du bist hier, weil du Hilfe für dich suchst. Wir hier versuchen, dich dabei zu unterstützen, DEINEN Weg zu finden.

    Wenn du etwas nicht verstehst oder dich in etwas nicht wiederfindest, darfst du das hier gerne schreiben.

    Mir selbst hilft der Austausch mit anderen jedenfalls sehr, mich selbst besser wahrzunehmen, mich zu klären und meinen Weg zu finden.

    Auch von dem, was ich eigentlich nicht hören möchte, kann ich viel mitnehmen. An Manchem ist etwas dran, an Manchem weniger, aber auch das dient mir letztlich bei meiner Klärung.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Wenn du dich näher austauschen möchtest, kannst du dich oben im Dashboard für den Zugang zum offenen Bereich bewerben. Für den Zugang zum offenen Bereich musst du von einem der Moderatoren freigeschaltet werden.

    Der Vorstellungsbereich dient der ersten Vorstellung.

    Steht alles im Dashboard.

    Viele Grüße

    AufderSuche

    Hallo Jules,

    ich drehe deine Frage mal etwas um bzw. ändere die Denkrichtung:

    Was hindert deinen Mann denn deiner Ansicht nach nun noch, endlich tätig zu werden?

    Er hat selbst mit einem Suchtberater vom Gesundheitsamt telefoniert.

    - Ich frage mich, ob er das aus eigenem Antrieb getan hat oder weil du entsprechend Druck gemacht hast.

    Er war zusammen mit dir bei eurer Hausärztin.

    - Auch ich stelle ich mir die Frage nach dem Antrieb.

    Wenn dein Mann, wie du sagst, Krankheitseinsicht hat, warum legt er dann nicht los?

    Mir scheint, dass du nun für ihn Verantwortung übernehmen willst. Stichwort „Co-Abhängigkeit“.

    Natürlich könnt ihr miteinander reden und, wenn er dich fragt, ob er das oder das tun soll, kannst du mit ihm darüber beraten und in seiner Entscheidungsfindung unterstützen, aber er ist ein erwachsener Mensch, der selbst die Verantwortung übernehmen muss. Er muss das wirklich wollen, das kannst du ihm nicht abnehmen.

    Wenn du ihm ein Ultimatum setzen willst, musst du bereit sein, das auch wirklich durchzuziehen, sondern wird das so ein Spielchen, bei dem er den Bogen schnell raus hat.

    Wenn du ihm ein Ultimatum setzt, sollte es nicht darum gehen, ihn zu etwas zu zwingen, was du willst, - passiert auch, geht aber meist schief, weil der Abhängige nicht hinter seiner Abstinenz steht und deshalb irgendwann rückfällig wird - , sondern es sollte um DICH gehen, die die Zustände nicht mehr länger aushält und deshalb geht.


    Viele Grüße

    AufderSuche

    Anders ist natürlich bei den Kindern, mit denen rede ich natürlich, wie oben geschrieben aber ich weiß nicht wie ich das einer 10 Jährigen Kindgerecht beibringen soll....

    Diesbezüglich könnte dir eventuell eine Beratungsstelle weiterhelfen.

    Auch eine Selbsthilfegruppe vor Ort könnte ggf. hilfreich sein.

    Vielleicht gibt es inzwischen schon gutes Material auf dem Buchmarkt? Könnte ich mir vorstellen, bin damit jedoch nicht vertraut.

    Jetzt bin total verwirrt, ich dachte eigentlich das man schon da sein sollte aber nichts komplett übernehmen.....

    Das ist eine Problematik bei der Co-Abhängigkeit. Co-Abhängige sind für den Partner da und verlieren zusehends die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick.

    Deshalb der Rat an dich, für DICH und für deine Kinder zu sorgen.

    Dante hat da mal was zusammengefasst. Wenn du das so zusammengefasst liest, erkennst du eventuell, was Co-Abhängige häufig machen. Sie übernehmen die Verantwortung. Der Abhängige lässt machen - und macht dann häufig sein eigenes Ding.

    Hallo Jules,

    ich hab volles Verständnis dafür, dass du unsicher bist. Und es ist auch völlig im Moment, noch nicht zu wissen, was du für dich tun kannst.

    Dafür hast du ja den ersten Schritt gemacht und dir hier Hilfe gesucht.

    Zu deiner letzten Frage: Das ist eine knifflige Situation und ich kenne sie selbst gut.

    Typisch für Alkoholikerfamilien ist, dass sie den Alkoholiker decken und somit letztlich bei der Aufrechterhaltung seiner Sucht ungewollt unterstützen.

    Insofern wäre also der Rat, ihn nicht mehr zu decken, um seine Krankheit nicht länger zu unterstützen.

    Auf der anderen Seite denkt und fühlt ein Alkoholiker, der eben nicht abstinent ist, anders und ist irgendwie fürchterlich empfindlich und leicht erregbar. Ich hab das auch bei mir selbst so erlebt, als ich noch regelmäßig getrunken habe. Seit ich abstinent bin, denke ich anders, sehr ich irgendwie klarer. Du selbst hast diesen merkwürdigen Zustand bei deinem Mann erlebt, der dich dann sogar in Gegenwart deiner Kinder beleidigt.

    Ich frage mal zurück: Könnte es DICH unterstützen, mit der restlichen Familie darüber zu sprechen? Wie sind die so drauf? Schlagen die sich eher auf seine Seite und suchen womöglich noch die Schuld bei dir oder sind das mögliche Ressourcen für dich/ Unterstützer?

    Dich beschäftigt der Gedanke, ob du das gute Verhältnis zwischen deiner Großen und ihrem Vater zerstören könntest. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Einsicht in das Krankheitsbild eines Alkoholikers das gute Verhältnis zwischen Tochter und Vater ernsthaft gefährden könnte. Ich denke, dass es eher helfen kann, ein gewisses Verhalten des Vaters besser einschätzen zu können. Alkoholismus ist eine ziemlich vielschichtige Krankheit. Diesbezüglich könnte es sehr hilfreich sein, wenn du dich mehr in die Thematik einliest. Und auch in die Problematik „Co-Abhängigkeit“.

    „Schubsen“ musst du deinen Mann nicht, die Erkenntnis, dass er was tun muss, muss aus ihm kommen. Man hört in diesem Zusammenhang häufig von „persönlichem Tiefpunkt“. Meiner kam, als mir mehr und mehr klar wurde, dass ich die Kontrolle über meinen Konsum verlor. Da meldete ich mich in einem Alkoholiker-Forum an und das, was ich dort zu hören bzw. zu lesen bekam, führte mir vor Augen, worauf ich zusteuere. Da ich mich schon länger selbst beobachtet hatte, wurde mir klar, dass „kontrolliertes Trinken“ bei mir nicht funktioniert und dass es für mich keine Alternative zur dauerhaften Abstinenz gibt.

    Und nun die Frage, was du für dich tun kannst: Fang erstmal gar nicht mit was Großem an, wenn du darüber nachdenkst, sondern beginne mit etwas Kleinem. So habe ich auch mal angefangen (ich leide an Depressionen und an MS). Was tut DIR gut?

    Kleiner Tipp: Als ich angefangen habe, kam auch erstmal gar nichts und dann bei einem Spaziergang kam mir die erste Idee. Abgesehen von dem Spaziergang war das ein warmes Körnerkissen.

    Das klingt erstmal wenig, aber es geht dabei um das Bewusstsein, in sich hineinzuhorchen und zu fühlen. Weiteres ergibt sich meiner Erfahrung nach nach und nach von selbst.

    Liebe Grüße

    AufderSuche

    Hallo Jules,

    auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Ich selbst bin mit einem alkoholkranken Vater aufgewachsen, bei ihm war die Krankheit allerdings schon vor der Ehe bekannt und sie trat in Schüben immer mal wieder auf, als ich noch ganz klein war.

    Ich hab das als Kind schon sehr früh mitbekommen. Er starb, als ich 15 Jahre alt war, bei einem selbstverschuldeten Autounfall.

    In den ersten Jahren erlebte ich meine Mutter noch stark, so ungefähr ab meinem 10. Lebensjahr nicht mehr, das Leben an seiner Seite hat sie aufgezehrt. Er war übrigens auch der, der das Geld verdient hat. Wenn er ausfiel, gerieten wir in Existenznöte.

    Ich bekam schon früh mit, wie es meiner Mutter ging. So ungefähr im Alter deiner Kinder vertraute sie mir ihre Sorgen an und ich habe sie danach oft vor meinem Vater beschützt, wenn der unter Alkoholeinfluss gewalttätig wurde.

    Ich war auch einmal bei den Al-Anon, Al-Ateen gab es dort damals nicht.

    Dass mir letztlich beide keine Sicherheit mehr boten, hat mir selbst nicht gut getan. Irgendwann habe ich - unbewusst - angefangen, die Verantwortung für meine Eltern zu übernehmen, eine Rolle, mit der ich natürlich überfordert war.

    Sie hätte ehrlich mit mir sein müssen, aber es hätte nicht dazu kommen dürfen, dass ICH für sie (und auch für ihn) Verantwortung übernehmen musste. (Meine kleinere Schwester hat das so nicht bemerkt, die war aber auch anders als ich und zog sich zurück, wenn’s Probleme gab. Ich war die an der Front.)

    Warum erzähle ich dir das? Morgenrot hat dir etwas ganz Wichtiges geschrieben:

    Mit einem nassen Alkoholiker zusammen zu leben kostet große Kraft, und die geht dir auch für deine Krankheit verloren.

    Was könnstest du für dich tun, damit es dir besser geht?

    Wenn er keine Krankheitseinsicht hat, kannst du diesbezüglich nichts tun.

    Was du aber tun kannst, ist für DICH zu sorgen. Und das ist für dich und auch für deine Kinder immens wichtig.

    Hast du Ideen, was du für dich tun könntest, damit es dir besser geht?

    Herzliche Grüße

    AufderSuche

    Hallo Lea,

    ich kann gut nachvollziehen, was du damit „Puhhh, das ist ganz schön krass, das zu lesen und so "auseinander genommen" zu werden.“ meinst. Die direkten Antworten, die du hier bekommen hast, sind nicht ganz ohne.

    Ja, meinen Denken ist schon ziemlich verdreht und voller Ausreden.

    Nach meinem Empfinden machst du dich mit so einer Aussage klein. In ihr steckt drin, dass du irgendwie „verkehrt“ seist.

    Liege ich da richtig?

    Ich möchte dafür werben, zu lernen, dich selbst positiv zu sehen.

    Es hat seine Gründe, warum du bislang so gehandelt und gedacht hast, nun hast du neue Erkenntnisse, neues Wissen, die dazu herausfordern, anders zu denken und zu handeln.

    Und überaus positiv ist doch zu sehen, DASS du dich hier äußerst und somit Hilfe zur Selbsthilfe suchst.

    Dass du noch „Ausreden“ suchst, ist eigentlich „normal“, denn aus einer bekannten, vielleicht sogar irgendwie bequemen Situation auszubrechen, erfordert nun einmal Energie.

    Und ein Suchtmittel, ob nun für den Alkoholiker der Alkohol und für den Co-Abhängigen der Abhängige, lässt man aus bestimmten Gründen nicht einfach so los. Das Suchtmittel gibt einem ja irgendwie auch etwas. Wenn‘s nur übel wäre, wär‘s ja leichter davon zu lassen, nicht wahr?

    Dass die Ausreden hier als „Ausreden“ entlarvt werden, kann man so und so sehen. Man kann sich verletzt fühlen. Man kann aber auch die Erfahrung anderer zu diesem Thema schätzen und das, was sie einem sagen, als Chance betrachten.

    Du scheinst zu denen zu gehören, die die Chance erkennen und die Erfahrung der anderen schätzen. Ich finde das positiv, du nicht?

    Fühl dich eingeladen, dich selbst positiv zu betrachten, dich in Selbstfürsorge zu üben.

    Was macht DICH aus?

    Was macht DICH stark?

    Was tut DIR gut?

    Als ich anfangs deine „Regeln“ las, dachte ich: Gut, die grenzt sich ab, die sorgt für sich, die achtet auf IHRE Bedürfnisse.

    Und wenn er sie betrunken anrufen sollte, zieht sie ihre Konsequenzen daraus. Weist ihn in seine Schranken. Sie grenzt sich deutlich ab, gegen etwas was sie NICHT will.

    In deinem späteren Antworten schwächst du das ab. Da geht’s wieder nicht um dich, sondern dein Denken dreht sich um ihn und die Hoffnung, dass er sich wandelt.

    Mir liegt das Thema „Selbstfürsorge“ und positiv über mich Denken so am Herzen, weil ich selbst erst vor wenigen Jahren krankheitsbedingt dazu gekommen bin, das lernen zu können und zu dürfen und sich mir damit eine völlig neue Welt und Perspektive aufgetan hat, die ich inzwischen nicht mehr missen möchte.

    Hallo Lea,

    ich bin‘s nochmal.

    Natürlich verfolge ich mit, was die anderen dir antworten und was du antwortest, und auch ich mache mir so meine Gedanken, stelle Vergleiche an zu meiner eigenen Vergangenheit, zu meiner eigenen Abhängigkeit und zu dem, was ich mir am Wissen erarbeitet habe.

    Ich finde die Antworten der anderen sehr interessant, denn in ihnen findest du ganz wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse, die dich zum Nachdenken, in dich Hineinhorchen und zum Beobachten anregen können.

    Ich frage mich, wie weit du schon bei dir und deinen eigenen Bedürfnissen angekommen bist. Was tut dir selbst denn wirklich gut? Wie ehrlich bist du gegenüber dir selbst? Wie sehr vertraust du deinen eigenen Empfindungen?

    Letztlich geht es doch um DEINE Lösung, die das Beste für DICH ist.

    Jetzt käme es mir gar vor, dass ich kurz vor der großen Veränderung in seinem Leben den Absprung mache. Er sagt selbst, dass er spürt, dasss er vor einem großen Wandel steht ...

    Dieser Satz macht mich zum Beispiel nachdenklich. Ich frage mich, wo DU und deine eigenen Bedürfnisse dabei bleiben. Es klingt für mich, als ob du dich vertröstest und deine ganze Hoffnung in diesen „Wandel“ setzt.

    Ich frage mich, warum du darauf warten willst und warum du dir selbst nicht zugestehst, dass du so interessant für ihn bist, dass er sich ggf. melden darf, wenn er seinen Wandel vollzogen hat.

    Willst du ihn wirklich begleiten und ihm zusehen und hoffen, dass ein Wunder geschieht? Willst du wirklich auf der Zuschauertribune sitzen?

    Wo bleibst DU denn mit deinen Bedürfnissen?

    Ich hab da noch so meine Hoffnungen (Ausreden?), dass ...

    * er ja gar kein "schlimmer" Alkoholiker ist (2-3 Starkbier täglich oder jeden zweiten Tag)

    * ich eigentlich diejenige bin, die das alles etwas eng sieht und ich nur meine Einstellung verändern muss

    * er bald aufhören wird, da er bald etwas Geld erbt, dann finanziell stabiler und zufriedener ist (andere Jobwahl, finanzielle Spielräume etc)

    * er nochmal ins Ausland geht (teilweise mit mir zusammen) und dort intensiv sein Kampfsport Training machen wird

    Wenn er also ein weniger „schlimmer“ Alkoholiker ist, dann ist das noch ok für dich?

    Und ab wann ist das für dich nicht mehr ok?

    Du hast davon gelesen, dass es bei Alkoholikern eine Abwärtsspirale gibt, dass die Dosis sich nach und nach erhöht?

    Du hast gelesen, dass Alkoholiker ihre wahre Dosis verheimlichen, um damit nicht aufzufallen?


    Du hinterfragst dein eigenes Unbehagen, ob du seinen Konsum zu eng siehst?

    Warum nimmst du dich selbst und dein Unbehagen so wenig ernst, warum vertraust du dir so wenig?

    War er nicht letztens angetrunken am Telefon reichlich unangenehm? Musst du dir sowas wirklich antun?

    Bezüglich dieser baldigen Veränderung wegen des Erbes bin ich genau so stutzig wie alle anderen.

    Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass sich das Wesen, die Denkweise nicht verändert, nur weil mal etwas mehr Geld da ist. Wenn er jetzt nicht mit Geld umgehen kann, wird das Geld schneller ausgegeben sein, als ihm lieb ist. Warum sollte er einen besseren Job bekommen und behalten, nur weil er gerade mal ein bisschen mehr Geld hat?


    Ich kann dir nur raten, dein Leben nicht auf Versprechungen eines Alkoholikers aufzubauen.

    Er glaubt das gewiss selbst, aber ich weiß von mir selbst und von den Erfahrungen mit meinem Vater, dass Alkohol das Gehirn vernebelt. Als nüchterner, wirklich klar denkender Mensch nimmt man die Dinge anders wahr, das merke ich jetzt, da ich über acht Monate abstinent bin.

    Ich finde es gut, dass du deine Gedanken hier teilst und dich damit auch der Kritik stellst.

    Es ist eine Chance für dich.

    Ich wünsche dir, dass der Austausch hier DICH weiterbringt und du gestärkt wirst, für DICH zu sorgen.

    Herzliche Grüße

    AufderSuche