Es kann doch nicht so einfach sein ... und auch mich macht das misstrauisch. Denn ich möchte auf gar keinen Fall wieder dort zurück, wo ich war. Ich bleibe achtsam. Glücklicherweise habe ich aktuell keinen Stres oder Probleme weder beruflich noch privat.
Es freut mich, dass es für dich ‚so einfach‘ ist, nüchtern zu bleiben. Ehrlich gesagt, ist es ja genau das, was ich jedem hier wünsche…..vielleicht auch, weil es bei mir auch ‚so einfach‘ war.
Aber ‚so einfach‘ ist das ja doch alles nicht. Die Gefahr, in den leichtsinnigen Glauben zu versinken, vielleicht doch gar nicht Alkoholiker zu sein, denn als Alkoholiker muss es doch schwer sein, keinen Alkohol mehr trinken zu dürfen, finde ich extrem hoch.
Ich habe nicht gerne getrunken. Ich habe es gehasst und es mich angeekelt. Aber viele Alkoholiker haben ja mal ‚gerne ein Gläschen‘ getrunken und ‚dürfen‘ das jetzt nicht mehr. Diesen ‚Nicht-mehr-dürfen-Gefühl‘ aus dem Verzichtsgedanken heraus blieb bei mir völlig es aus.
Ändert ja aber nix an der Tatsache, dass ich mich in die Alkoholsucht gesoffen habe. Mir bewusst zu machen, dass das jetzt immer so bleibt und dass ich nur mit völliger Abstinenz zufrieden nüchtern sein kann, habe ich hier gelernt.
Aber ich habe viel mehr Zeit, die alltäglichen Dinge entspannt und mit einer positiven Grundeinstellung zu tun. Haushalt, Kochen, Garten usw. Ich pflege mich wieder und war heute sogar beim Friseur 😊
Ist das nicht fantastisch?
Auf einmal ist so viel Zeit da. Ich genieße es sehr, meinen Tag entspannt gestalten zu können. Klar, ich muss jeden Tag zur Arbeit, aber selbst das ist bedeutend entspannter seit ich nüchtern bin.
Habe nur ein starkes Bedürfnis nach zuckerhaltigen Sachen.
Oh ja, da sprichst du auch mein Problem an.
Ich habe früher ganz selten genascht. Der Schokohase stand jedes Jahr neben dem Weihnachtsmann, weil ich ihn einfach nicht aufgegessen habe. Mein ‚Zuckerpegel‘ war trotzdem jenseits von gut und böse, weil ich nur süßen Sekt und zuckersüßen Wein getrunken habe. Und so verlangte mein Körper dann nüchtern weiter den Zucker. Heute, nach fast 2 Jahren und 11 Monaten lerne ich ganz langsam, das auf ein erträgliches Level zu senken. Gelingt mir nicht so wirklich gut. Aber ich bleibe dran.
Weil ich mir bewusst bin, dass niemand vor einem Rückfall sicher ist und weil es brandgefährlich ist, seine Sucht vor sich selbst zu verharmlosen und dann (wohl ganz automatisch) seine Selbstfürsorge vernachlässigt, bin ich hier.
Ich wünsche dir, dass es weiter ‚so einfach‘ ist, du es aber niemals ‚so einfach‘ nimmst.