Hallo Tiffy,
schön, dass du nun auch diesen nüchternen Weg gehen willst. Glaube mir, es lohnt sich.
Mein Leben hat sich nüchtern um ein vielfaches verbessert. Natürlich machen jetzt die Sorgen und Probleme keinen großen Bogen um mich herum, aber nüchtern bin ich in der Lage, mich dem zu stellen und das Beste draus zu machen.
Du schriebst anfangs, dass es dir sehr schwer fällt zu sagen, dass du Alkoholiker bist. Ich finde auch nicht, dass das jeder um dich herum wissen muss. Was ich aber ganz wichtig finde, ist, dass du das für dich sagen kannst. Weil ich erst, als ich akzeptieren konnte, dass ich Alkoholiker geworden bin und das auch für den Rest meines Lebens bleiben werde, meinen nüchternen Weg gehen konnte. Insgeheim wusste ich doch schon lange, was mit mir los ist. Soviel Alkohol, wie ich in mich reingekippt habe, trinkt niemand, der nicht Alkoholiker ist.
Die Alkoholsucht als Krankheit zu akzeptieren, war für mich sehr wichtig. Weil ich nämlich absolut nicht schwach und labil war, wie ich viele Jahre dachte, sondern krank.
Die Alkoholsucht ist zwar nicht heilbar, aber sie geht zum Stillstand zu bringen. Mit absoluter Abstinenz.
Das Wochenende ist wirklich immer schwer . Ich gehe nirgendwo hin und versuch es mir gemütlich zu machen. Ich esse leider sehr viel gerade und hoffe dass es nicht schlimmer wird . Ich ersetze viel durch Obst, aber gerade könnte ich stetig essen . Habt ihr ein paar Tipps für mich .... trinken tue ich massenhaft Wasser.... Es ist kein durst .
Ich habe anfangs auch Unmengen Wasser mit viel Kohlensäure getrunken und sehr viel Kaffee. Das war auch kein Durst. Da war mein Hirn noch so auf ,viel trinken’ programmiert, dass ich trinken musste. Irgendwas. Und solange das kein Alkohol ist, war das auch in Ordnung für mich.
Das hat sich nach ein paar Wochen langsam normalisiert. Heute muss ich mir das Glas Wasser manchmal schon direkt vor die Nase stellen, damit ich nicht vergesse, es zu trinken.
Essen war auch so ein Thema ….. Der Körper hat Zucker verlangt. Ich habe ja ausschließlich süßen Sekt und süßen Wein getrunken. Dieser Zucker fehlte dann natürlich, wenn es nur noch Wasser, Tee und Kaffee gibt. Aber auch das konnte ich wieder normalisieren.
Was ich heute allerdings anders machen würde, wäre: Nicht diese Unmengen Süßigkeiten in mich reinzustopfen, sondern, so wie du das machst, Obst zu essen. Ist auch Zucker, klar, aber zumindest sind noch einige ‚gute Nährstoffe‘ dabei.
Man bemerkt positives, aber auch viele Fallen und wie man auf der Hut sein muss .
Mir hat es gut getan und mir meine Alkoholsucht näher gebracht, wenn ich gesagt habe: Ich bemerke positives, aber auch viele Fallen und wie ich auf der Hut sein muss .
Denn ich bin es ja, der jetzt nüchtern werden und auch bleiben wollte. Ich bin näher an mir dran als man.
Kannst du diesen feinen Unterschied erkennen?