Beiträge von Hanseat

    So, auch für mich sind es jetzt 11 trockene Monate. Ich wollte Lust for Life den Vortritt lassen und habe es auch getan.

    In letzte Zeit schreibe ich nicht mehr so viel, das liegt zum einen daran, daß das Leben hier so ohne große Dramen vor sich hinplätschert und mir die Nüchternheit eigentlich recht leicht fällt. Im Moment fühle ich mich gefestigt, aber ganz so voller inbrünstiger Überzeugung wie Lust for Life bin ich wohl nicht in dem Glauben, "es geschafft" zu haben. Bitte nicht falsch verstehen, ich freue mich für Lust for Life, daß er so fest seinen Weg geht, aber ich will einfach nicht übermütig und leichtsinnig werden. Wie sagte mal ein Langzeittrockener zu mir: Auch nach 20 Jahren bin ich nur eine Armlänge von einem Rückfall entfernt. Aber 11 Monate sind toll, keine Frage.

    Der andere Grund für meine Zurückhaltung ist, wie hier mit Peter umgegangen wurde, das hat mir gar nicht gefallen. Peter hat hier 15 Jahre oder so regelmäßig geschrieben, er gehörte für mich zu den Highlights hier im Forum, und dann wurde am Ende sein Thread einfach abgewürgt, ohne die Möglichkeit für mich und andere, ihm nochmal öffentlich zu danken. Auch sein Angebot, ihn per PN zu kontaktieren, wollte die Moderation durch Zensurmaßnahmen weitestmöglich unterbinden. Nee, da bin ich immer noch gnatzig, so geht man nicht mit langgedienten Foristen um, auch nicht mit kurzgedienten. Wird man mir hier auch eines Tages einfach so die Tür vor der Nase zuknallen, nur weil ich vielleicht mal irgendwo eine abweichende Meinung vertrete?

    Ansonsten habe ich gerade Beef mit meiner Fahrschule. Der erste Fahrlehrer war ja nun nicht so pralle, der zweite ist noch schlimmer, der hat mich heute am Telefon angebrüllt, als wäre ich sein Kumpel oder sein Sohn. Vielleicht wird demnächst die Prügelstrafe an den Fahrschulen wiedereingeführt. Sowas muß ich nicht haben, ich verweigere jedes Gespräch mit ihm. Ich werde jetzt wohl, da das Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigt ist, die Fahrschule wechseln. Vermutlich wird das nicht billig für mich, aber bei der Fahrschule sind nur noch Bad vibrations und verbrannte Erde, das wird ja auch nix. Aber hej, es ist ja nur 'ne Fahrschule, andere Dinge im Leben sind sehr viel wichtiger, zum Beispiel meine Nüchternheit, und da läuft alles prima. Aber wie oben schon geschrieben: bloß nicht übermütig werden.

    Diagnose: Milde Form der exotoxischen Polyneuropathie.

    Das kenne ich leider auch. Ich bin wohl mal besoffen im Schlaf so ungünstig gelegen, daß mein rechter Fuß nicht mehr genügend Blut hatte. Ergebnis: ein tauber Spann. Das ist nun viele Jahre her und ist seitdem immer besser geworden. Nach ein paar Monaten fing es an zu kribbeln, und jetzt ist eigentlich alles wieder so wie früher. Das kann sich also offenbar erholen, aber es dauert eben viele Jahre.

    Schon wieder ein langes Wochenende, so langsam wird das echt lästig ... Was ist überhaupt Pfingsten?

    Mir fällt gerade ein, genau vor 15 Jahren zu Pfingsten bin ich aus der Reha rausgeflogen, weil ich während des Heimaturlaubs rückfällig geworden bin und mich nicht binnen 24 Stunden gemeldet habe. Natürlich fühlte ich mich ungerecht behandelt: Die Welt hat sich gegen mich verschworen, niemand versteht mich, ich bin so allein -- was man in seinem Selbstmitleid halt so denkt. Selbstverständlich habe ich mir dann erst mal für ein paar Tage richtig den Hahn aufgedreht. Man war ja schließlich nicht gut mit mir umgegangen, ich hatte also einen richtig guten Grund zu trinken.

    Ich sollte danach noch 14 Jahre weitertrinken. Das macht mich fassungslos, aber das ist eben meine Vergangenheit. Zum Glück hatte ich immer noch meine Trinkpausen. Sonst wäre ich wohl gar nicht mehr hier.

    Heute ist ein schöner Tag, ich hab schon eine Einladung bekommen, es geht an den Elbstrand. Da werde ich so eine trendige Großstadt-Hipster-Limo trinken und die Sonne genießen. Dieses Pfingsten bin ich nüchtern.

    Ich mülle mal meinen eigenen Fred weiter voll. Ich kann Blume verstehen, daß sie den Umgang mit Neuankömmlingen manchmal etwas zu schroff findet. Ich bin mir selbst nicht sicher, ob wir das immer richtig machen. Persönlich bemühe ich mich immer um Nachsicht und Verständnis. Wenn allerdings jemand schon kurz vorm Verhungern ist und auch nach 20 Beiträgen nicht die 112 ruft, dann fühle ich mich nicht zuständig. Meine Mutter ist gestorben, weil sie die Haare nicht schön hatte. So wollte sie nicht zum Arzt. Daher ist ihre Lungenentzündung auf den Herzmuskel übergesprungen, und das war das Ende meiner wunderschönen Mutter.

    Knackpunkt im Vorstellungsbereich ist ja immer der Gang zum Arzt. Ich will ehrlich sein, ich habe auch keinen Bilderbuchentzug beim Arzt hingelegt und mich hier nach drei Wochen Abstinenz angemeldet. Manchmal werde ich auch unruhig, wenn jemandem, der schon aufgehört hat zu trinken, empfohlen wird, wieder damit anzufangen, bevor er zum Arzt geht. Das kann richtig sein, es kann falsch sein, man weiß das eben aus der Ferne nicht. Ich halte mich an die Spielregel und empfehle jedem den Gang zum Arzt, denn mit einem Krampfanfall oder Delirium ist nicht zu spaßen. Beides ist lebensgefährlich. Aber vielleicht können wir mal ehrlich in uns selbst reingucken, ob wir wirklich alle von Stunde 0 alles richtig gemacht haben. Es ist ungerecht, an andere strengere Maßstäbe anzulegen als an sich selbst.

    Um mich aber auch ein bißchen auf Hartmuts Seite zu stellen: Wir helfen uns nicht, wenn wir uns alle nur mit Wattebäuschchen bewerfen. Wer bei Widerspruch sofort bockig wird und einen auf unbelehrbaren Freigeist macht, der hat oft den Ernst der Lage noch nicht begriffen. Es landet ja niemand im Vorstellungsbereich, weil er bisher so toll und erfolgreich war. Man landet da, weil man was ändern und in die Gänge kommen muß.

    Eine Antwort an Blume: Ich weiß, daß hier auch Christen unterwegs sind. Ich habe, auch wenn ich überzeugter Atheist bin, kein Problem damit. Ich diskutiere hier nicht über Fußball, Religion und Politik, es geht hier für mich um meine Alkoholkrankheit.

    In dem konkreten Fall ging es um Familienberatung, und da kann ich die Katholiken einfach nicht bedenkenlos weiterempfehlen. Die haben eben ihre ganz eigenen Vorstellungen zu Trennung und Scheidung und dazu, was eine Frau für ihren Mann gefälligst zu ertragen hat. Es ist auch nicht "unverschämt", wenn ich eine ehrliche Einschätzung abgebe. Wenn wir hier friedlich diskutieren wollen, müssen wir alle auch abweichende Meinungen akzeptieren und uns nicht ständig auf den Schlips getreten fühlen. Leider ist das eine Erfahrung, die ich immer wieder mit religiösen Menschen gemacht habe: Schon beim leisesten Widerspruch ziehen sie sich beleidigt zurück. Sie sind nicht offen für andere Sichtweisen und oft überhaupt nicht konflitkfähig.

    Hallo Angik,

    vielleicht hilft es ja, die Scham und die Angst vor dem Arztbesuch zu überwinden, wenn Du Dir klarmachst, daß es eine ärztliche Schweigepflicht gibt. Niemand wird irgendwelche Dinge über Dich ausplaudern. Was in der Praxis besprochen wird, bleibt in der Praxis. Nur Mut, ohne Arztbesuch wird nichts besser!

    Grüße,

    H.

    Das hat Dich ja alles ziemlich mitgenommen, Petter. Das ist verständlich. Ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren würde, wenn um mich herum plötzlich Tod und Verderben herrscht. Hältst Du es für möglich, daß Du da ein Trauma verschleppst und versuchst, es auf eigene Faust zu bewältigen? Männer sind ja gerne so, daß sie alles alleine hinbekommen wollen und sich erst dann Hilfe suchen, wenn sie alles andere erfolglos ausprobiert haben. Den Menschen im Ahrtal wurde psychologische Hilfe angeboten -- ob sie immer so angenommen wurde, weiß ich nicht. Vielleicht brauchst Du auch mal jemanden, dem Du Dein Herz ausschütten kannst?

    Mir hat jedenfalls mal ein Diplom-Biologe erklärt, daß die toten Spinnen, die man auf dem Fensterbrett oder im verlassenen Netz findet, gar keine toten Spinnen, sondern nur leere Hüllen sind. Ich hatte da vorher nie so drüber nachgedacht.

    Ich habe hier auch nochmal etwas zurückgespult und gesehen, daß die Schlafzimmer bereits getrennt sind. Es tut mir leid, daß ich hier ein bißchen den Faden verloren habe. Aber ich wollte irgendeine konkrete Hilfe geben, und sei sie noch so gering. Wenn ich google, finde ich immer Angebote der Caritas. Ich persönlich traue den Katholiken nicht, aber wenn es gar nichts anderes gibt, würde ich es da mal versuchen. Es gibt möglicherweise auch andere Beratungsstellen da, wo Du wohnst. Vielleicht kann sogar die Suchtberatungsstelle mit den richtigen Telefonnummern helfen.

    Apropos Spinweben: Ich finde, das ist wirklich Hexerei. Ich hab hier ständig die Wohnung voll davon, wenn ich mal vier Wochen nichts mache. Alles voller Spinnweben, aber hier fliegt ja nichts rum, wovon ernähren die sich eigentlich? Dann finde ich manchmal die leeren Gerippe, die häuten sich ja ständig, aber ich sehe nie einzige lebende Spinne. Wie machen die das? Verstecken die sich alle unter meinem Bett, oder wo sind die?

    Nee, im Ernst, ich will auch gar keine Putzfrau. Meine kleine Butze habe ich schon ganz gut alleine im Griff, und dafür bin ich auch dankbar. Eine Frau hatte mir mal ihre Dienste angeboten, aber die wollte nur Schwarzarbeit, auf sowas lasse ich mich nicht ein, das Finanzamt hat mich aus diversen Gründen schon auf dem Kieker, da bin ich bekannt wie ein bunter Hund. Längere Geschichte, die hier nicht erzählt werden soll. Die 45 Quadratmeter schaffe ich auch alleine, alles andere ist Jammerkram. Aber heute habe ich wirklich keine Lust. Immerhin habe ich schon wertvolle Vorarbeit geleistet.

    Ich versuche es gerade mit Verhaltenstherapie. Nicht die Spinnweben in der Küche sind das Problem, sondern das Problem ist, daß ich eins in ihnen sehe. Ich muß also lernen, die Spinnweben in der Küche so zu akzeptieren, wie sie sind, und ihren Rhythmus annehmen, so ganzheitlich betrachtet. (Theurapeuten mögen bitte mal weghören.)

    Hallo Hanseat,

    mir geht es ähnlich. Im Nachhinein betrachtet, bin ich immer wieder erstaunt und begeistert, wie leicht es mir mittlerweile fällt und wie gut es mir dabei geht. In der Anfangszeit meiner Trockenheit, war es noch Krampf, Aushalten, Verzicht, heute wundere ich mich über mich selbst.

    Ich bin auch erstaunt, wie einfach es dann am Ende war, das Saufen zu knicken und dann auch dabei zu bleiben. Nun hat alles seine Vorgeschichte. Über die gesamte Zeit betrachtet, war es eben NICHT einfach für mich, mit dem Saufen aufzuhören. Im Gegenteil, es war eine der größten Leistungen meines Lebens. Die lasse ich mir auch von niemandem kleinreden. Es gab drei, vier kritische Momente -- so genau habe ich sie nicht gezählt --, die ich einfach mal durchhalten mußte, danach wurde es besser und einfacher.

    Vielleicht ist das mit Zigaretten auch so. Keine Ahnung.

    Läßt die Wohnung denn eine räumliche Trennung zu? Sind getrennte Bankkonten und Überweisungsaufträge denkbar, damit er euch nicht immer weiter in die Schulden saufen kann? Ich war nie verheiratet, kenne deshalb die ganzen Gesetze und Möglichkeiten nicht. An Deiner Stelle würde ich mir Beratung suchen, nur für mich selbst erstmal -- er kriegt ja eh nichts auf die Reihe. Du brauchst wahrscheinlich Familien- und Lebensberatung.

    Wie belastend die Situation für Dich sein muß, kann ich wahrscheinlich gar nicht mal richtig erfassen. Eigentlich hast Du vier erwachsene Kinder zu versorgen, das sollte keinem Menschen aufgebürdet werden. Eine Arbeit hast Du auch noch, oder wie ist das? Wie wäre es denn mit klaren Verhältnissen: Entweder, er kommt jetzt eigenständig in die Puschen mit seiner Therapie und schiebt nicht ständig irgendwelche Gründe vor, oder Ihr geht getrennte Wege? Ist er Dir denn in irgendeiner Form eine Hilfe? Und warum säßen Deine Kinder auf der Straße, wenn Du Dich von ihm trennst? Ich verstehe das alles noch nicht so ganz. Ich sehe nur eins: So gehst Du kaputt, das hält doch kein Mensch auf Dauer aus.