Halllo Nudeltante,
eine Frage vorweg: Hast Du ein grundsätzliches Problem mit seiner Mutter? Oder kommt ihr ansonsten gut miteinander klar?
Denn Deine Kritik richtet sich ja hauptsächlich gegen sie, darum frage ich nach, ob da vielleicht mehr persönliches im Busch ist.
Grundsätzlich nicht, aber sie ist schon ein sehr schwieriger Typ Mensch, also sehr anstrengend, man muss oft die Augen rollen.
Mein Mann und sie bekommen sich regelmässig in die Wolle, manchmal mit Kleinigkeiten, da steige ich manchmal selber nicht durch, was die schon wieder für ein Problem haben. Selbst unser Sohn sagt, Oma ist ne Meckerliese... und eigentlich meckern Omas ihre Enkel nicht voll, sondern stopfen sie mit Süßkram wollen und lesen alle Wünsche von den Lippen ab 
Ich würde Deinem Mann jetzt erstmal die Zeit geben, die er braucht. Dazu gehört auch, ihm die Entscheidung zu überlassen, wie er mit seiner Alkoholkrankheit in Zukunft umgehen will.
Du schreibst, er ist noch länger in der Klinik, ist es eine Langzeit-Therapie?
Bewilligt wurden erstmal 3 Monate, also noch bis Mitte März, empfohlen wurden ihm aber 6 Monate, weil alles ziemlich viel war.
Aktuell macht er sich gut, aber er ist auch erst 3 Wochen dort, obwohl es sich schon wie eine Ewigkeit anfühlt - echt seltsam.
Da werden sie ja auch über den Umgang mit der Krankheit nach außen hin sprechen.
Letztendlich liegt aber die Entscheidung bei ihm, nicht bei Dir, wie er damit umgehen will.
Ich will es ja auch nicht für ihn entscheiden, aber ich will dieses gelüge einfach nicht mehr. Ich selber muss das ja für mich auch erstmal alles verarbeiten so viele Jahre so angelogen worden zu sein. Das nagt mal mehr, mal weniger an mir.
Manch einer entscheidet sich für Offenheit, andere halten das ganz eng begrenzt.
Blöd ist natürlich, wie Du jetzt damit umgehen kannst, denn Du hast ja auch während der Saufzeit gelitten und sowas sollte auch nicht unter dem Teppich gekehrt werden.
Rückblickend betrachtet habe ich wirklich schon einiges durchgemacht, manches wurde mir auch jetzt erst so bewusst, wo ich mir selber an den Kopf fassen muss.
Das will aufgearbeitet werden, und auch wenn eine starke CO-Abhängigkeit vorliegt, sollte daran gearbeitet werden.
Die Möglichkeiten hierfür sind unterschiedlich, es gibt auch viele SHG mit eigenen Angehörigen-Gruppen, hast Du Dich da schon mal erkundigt?
Das muss nicht immer gleich n Psychologe sein.
Ich war schon bei einer Psychologin, das war aber so furchtbar. Die hat meinen Mann einfach nur schlecht gemacht und mir mehr oder weniger klar gemacht, das er es nicht schaffen wird, weil es sowieso nur 10% schaffen und ich ich mir das Sorgerecht holen soll, Bankvollmacht und am besten mit dem kleinen abhauen soll, weil ich es ja meinem Kind schuldig bin. Ich dachte echt, ich bin im falschen Film. Die hat mir mal so 0,0 geholfen.
Vielleicht habe ich auch falsche Erwartungen.. ich hatte einfach auf Tips gehofft, wie ich das verarbeiten kann, Jahre belogen geworden zu sein.
Leider waren auch Drogen im Spiel, das hat mich zusätzlich richtig umgehauen und wie viel Geld einfach verpufft wurde, aber ich war ja immer die böse, die hin und wieder shoppt und Geld verprasst. Dem war ja nicht so, das hat er mir auch gesagt, das er es einsieht und ihm selber schlecht wird, wenn er sieht, wie viel Geld für seinen Konsum einfach wegging, obwohl wir eine Zeit lang echt knapp dran waren z.b. in der Elternzeit. Haben ja alles hinbekommen, aber man könnte theoretisch woanders stehen... wobei es mir darum nicht geht, aber ich habe kein vertrauen mehr zu ihm.
Aber... ICH LIEBE IHN! Ich weiss, das er ein richtig guter Mensch ist und 2020-2021 ich sag mal die Corona Zeit, hat er sich merklich sehr verändert, si das ich dachte.. wer ist dieser Mann, kenne ich nicht. Und scheinbar hat er ja schon immer ein Doppelleben geführt. Wir haben auch viele tolle Sachen erlebt und durchgestanden, deswegen kann und will ich auch nicht alles wegschmeissen, aber ich muss lernen, das zu verarbeiten, wie ich damit umgehe usw. und ich selber weiss nicht wie :-/
Und in der SHG kann man dann eben auch offen sprechen, denn es bleibt in der Gruppe.
Hatte auch schon geschaut, die Zeiten sind leider immer sehr blöd, kann ja meinen Sohn nicht alleine lassen. Da muss ich mal sehen, wie und ob ich das organisiert bekomme.
So könnte man es erstmal dahin sozusagen auslagern, denn Gesprächsbedarf von Deiner Seite ist ja da, oder irre ich mich?
Aus dem Bekannten-und Freundeskreis würde ich es erstmal raushalten, ich halte nix davon, einen frisch trockenen Alkoholiker zwangszuouten.
Hat er ja zwangsläufig selber gemacht, durch den Vorfall mit dem Auto in der Polizei betrunken am Steuer, mit Kindern... es standen bestimmt 5 Wagen da und das hat aufsehen erregt, weil es fast vor der Tür war. Einige Freunde und Nachbarn haben es gesehen.
Dein Mann ist erwachsen, der kann später selbst entscheiden, Du bist da für nix verantwortlich und musst auch nix machen.
Im Familienkreis ist es schwieriger, nicht drüber sprechen zu dürfen. Klar tauchen da Probleme auf, die Du auch schon erwähnst.
Das ist wirlich ne blöde Sache, aber kannst Du nicht mit Deinem Partner darüber sprechen, wie ihr das nun handhaben wollt in der nächsten Zeit?
Das müsstet ihr doch zusammen entscheiden, oder?
Ja, das müssen wir auch! Noch ist ja einige Wochen evtl. auch Monate in der Klinik. Wir hatten heute ein sehr schönes Gespräch, war ihn besuchen und er hat viele sehr positive Ansätze gezeigt, ich war wirklich sehr überrascht.
Ich wollte einfach mal andere Meinungen hören, wenn die eigene Mutter quasi in der Genesung sagt... erzähl das mal lieber niemanden, ist ja peinlich und es könnte gequatscht werden. So what?!?!?
Dein Partner muss auch wieder lernen, Verantwortung zu übernehmen, und dazu gehört auch, Entscheidungen zu treffen.
Normalerweise kommt das aber von ganz allein, bei mir war es jedenfalls so.
Ich konnte nach meiner Entgiftung so nach und nach wieder die Verantwortung für mein Leben übernehmen, mein Mann hat mich zum Glück aber auch gelassen!
Er war allerdings auch kein CO. Er konnte mich auch wieder loslassen, als die Zeit gekommen war.
Das gelingt so manchem CO leider nicht, weil er sich auf einmal ungebraucht und überflüssig fühlt. Und ab dann wirds auch wieder für den frisch Trockenen gefährlich, denn ein CO kann einen auch wieder in die alte Rolle (also die Säuferrolle) zurück drücken, weil man so vielleicht doch einfacher händelbar war. Aber das nur mal so am Rande.
Ich möchte darauf nur mal hinweisen im Bezug darauf, das Du Dich vielleicht zu sehr in den Trockungsprozess involvierst, was aber nicht nötig ist.
Kannst Du mir das mal genauer erläutern, was Du damit meinst?
Denn damit hast Du nix zu tun, dafür ist allein der trockene Alkoholiker zuständig!
Unterstützung von dem/der Partner/in: Gerne!
Was empfindest Du als Unterstützung?
Bemutterung aber bitte lieber nicht.
Und loslassen können gehört auch dazu. Auch wenns anfangs schwer fällt.
LG Sunshine (trockene Alkoholikerin)