Beiträge von Kintsugi

    So endlich, liebe NudelTante, finde ich Zeit um zu antworten.

    Dankeschön für deine Offenheit und das Teilen deiner Schritte! Ich habe mit beiden Therapieformen schon Erfahrungen gesammelt und konnte mit beiden etwas anfangen. Ich denke am Ende kommt es darauf an, für sich das wichtige herauszufiltern und umzusetzen. Die Verhaltenstherapie hatte ich auch nach der Diagnose Anpassungsstörung gemacht, ist schon 10 Jahre her. Die systemische Therapie hatte ich mit meinem Partner begonnen. Mir war dort wichtig herauszufinden was "normale" Paarprobleme (Machtkämpfe, etc.) sind und welche Probleme auf die Sucht zurückzuführen sind. Das war sehr aufschlussreich.

    Denn das gerade, ist die schlimmste Krise meines Lebens!

    Umso besser, dass du alle Hilfe annimmst, die dir angeboten wird und gut tut!

    Deine Gedanken hinsichtlich der Kur kann ich voll verstehen, aber ich denke je länger du dann weg bist, desto einfacher wird das loslassen. Bestimmt eine gute Übung für die Zukunft! Ich schreibe jetzt noch bei mir im Faden, da steht noch eine unbeantwortete Frage von dir :)

    Liebe Api,

    es ist einfach ätzend wenn einer andauernd die Verantwortung abgibt - das tut meiner Meinung nach ein Betrunkener.

    Wie will sich jemand nach 1 Flasche Wein noch am Familienleben beteiligen? Ich habe selbst eine zeitlang täglich ungefähr die Mengen, die dein Mann trinkt getrunken. Damals noch ohne Kinder und mit einem anderen Partner. Mit Genuss hatte das nichts mehr zu tun und ja ich hatte ein Problem. War dann auch aus freien Stücken beim Hausarzt, der Suchtambulanz und in einer Suchtberatung. Ich denke ich war auf dem besten Weg in die Sucht, bin gerade rechtzeitig abgesprungen...oder umgestiegen (ich bin im Forum als Angehörige).

    Er will nichts von einer Beratungsstelle, Paartherapie oder sonstigem wissen, seit Jahren!

    Leider kann man den Berg nicht zum Propheten bringen ABER wenn du deine Position veränderst, ist dein Mann gezwungen sich zu bewegen. Du kannst zu einer Beratungsstelle oder zur Paartherapie. Wenn du dann weißt was du willst, kannst du das deinem Mann mitteilen und er sich entscheiden etwas zu ändern. Für mich war irgendwann der Punkt erreicht an dem er sich zwischen dem Alkohol und mir entscheiden musste. Er hat sich für mich entschieden (klingt einfacher als es ist).

    Was wünscht du dir denn? Weniger Alkohol, kein Alkohol? Wie geht es dir mit der Vorstellung, wenn sich nichts ändern sollte?

    Wie man das ganze kindgerecht erklärt weiß ich leider nicht, da kann vielleicht jemand anderes helfen.

    LG, Anni

    Er kann ja auch ohne ...

    Klar kann er ohne...die "Kunst" ist ja eher nicht die Kontrolle zu verlieren wenn man trinkt.

    Mein Partner hat seine langen Abstinenzphasen als Rechtfertigung gesehen. Ich denke sein letzter Ausrutscher hat ihm einen ordentlichen Denkzettel verpasst. Er weiß mittlerweile, dass er sich auf dünnem Eis bewegt sobald er einen Schluck nimmt und es eben nicht kontrollieren kann.

    Vielleicht gibt es einen Zwischenweg: dich gibt es nur nüchtern. Was er sonst macht ist sein Ding.

    Sicherheit und Gewissheit gibt es mit einem nassen Alkoholiker nicht. Selbst mit einem trockenen Alkoholiker ist es schwer aus dem Kontrollzwang auszusteigen und sich fallen zu lassen. Loslassen ist möglich. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das nicht unbedingt die Beziehung ist, die ich mir wünsche.

    Ich will dir die Beziehung nicht ausreden, du hast dir frühzeitig Hilfe in der Gruppe hier gesucht. Schau, dass du dich nicht verlierst. Du hast geschrieben, dass es dir an die Substanz geht. Was sind deine Grenzen? Ich habe mich überschätzt, was meine Kraft angeht. Du machst das schon richtig auf dein Bauchgefühl zu hören. Und zu der Stimme, die einem sagt "alles wäre so schön, wäre da nur nicht der Alkohol" fällt mir ein wahrer Spruch ein "don't fall in love with potential".

    Liebe NudelTante,

    das klingt alles sehr positiv, deswegen freue ich mich jetzt aus ganzem Herzen für euch!

    will aber nicht überschwänglich

    Genau deswegen! Ja, wir haben gelernt auf den nächsten Rückschlag zu warten. Ja, es wird auch mit einem trockenen Alkoholiker als Partner Höhen und Tiefen geben. Aber jetzt wissen wir, dass wir loslassen dürfen.

    Das ist vermutlich die schwerste Aufgabe als Co. Das Vertrauen zurück zu gewinnen, sich wieder sicher zu fühlen in der Beziehung und unbeschwert in die Zukunft zu blicken.

    Wenn es dir nichts ausmacht, würde mich interessieren wie deine Therapie läuft. Ist es eine Verhaltenstherapie? Und hattest du einen Paartermin mit deinem Mann in der Klinik?

    Wünsche dir ein schönes Wochenende! LG, Annika

    Liebe MaBee,

    Wie wahrscheinlich stehen die Chancen, dass es tatsächlich besser wird?

    Die Frage stellen sich wohl alle Angehörigen. Und beantworten kann sie dir keiner.

    Mein Partner trinkt auch sehr unregelmäßig (zur Zeit ist er nach seiner Definition "trocken") und das macht die Sache so schwer. Wie du schreibst, es gibt längere Phasen in denen es super läuft. Und dann kommt wieder ein Absturz - Wut, Ekel, Trauer. Es wird geredet, die Wut verfliegt und Hoffnung keimt auf.

    Da ihr euch nicht so häufig seht, frage ich mich nach dem Ausmaß seines Problems. Er hat keinen Führerschein mehr, die MPU nicht bestanden, seine Mutter ruft dich an...da würden bei mir die Alarmglocken läuten.

    Die Frage, was du machst wenn es nicht besser wird, hast du schon beantwortet. Das heißt er bekommt eine Chance? Oder zwei? Oder drei? Jedenfalls würde ich an der räumlichen Trennung erstmal nichts ändern und aus der Entfernung schauen ob den Worten auch Taten folgen.

    Was ich aus dem Forum mitgenommen habe und versuche umzusetzen ist 1. Die Verantwortung für seine Sucht abzugeben. Du kannst weder die Einsicht erzwingen, noch helfen irgendwelche Therapien wenn er sie dir zuliebe macht (damit Ruhe ist). 2. Den Blick auf sich selbst zu richten. Was benötigst du, damit es dir gut geht?

    Abends hilft er ab und zu mal mit beim Niederlegen wobei ich des Öfteren ihn auch nicht mehr lassen habe, da sich meiner Meinung nach kein alkoholisierter Mensch neben ein Kind zulegen hat.

    Wie war das bei euch??

    Ja, so handhabe ich das auch. Ich würde auch keinen betrunkenen Babysitter engagieren. Wenn mein Partner trinkt, dann lässt er uns im Stich. Wie mir hier im Forum klar aufgezeigt wurde: mit einem nassen Alkoholiker bist du (und die Kinder) ganz auf dich alleine gestellt, egal wie es dir geht und was du gerade brauchen würdest.

    Gehen.

    Liebe Biene,

    wenn du so direkt fragst und nachdem was du schreibst, antworte ich mal direkt. Was müsste denn passieren, dass du dir deiner Entscheidung sicher bist? Er sagt doch, dass der Alkohol bleibt. Eskaliert ist es schon häufiger. Auf was wartest du?

    Und zur Frage mit der Kontrolle: nein, das würde ich nicht akzeptieren. Du hast eine Wohnung gemietet. Was spricht dagegen einzuziehen und zu schauen wie es sich anfühlt? Weiß er von der Wohnung?

    LG,

    Anni

    PS: schön, dass du ins Forum gefunden hast. Ich bin im gleichen Alter und meine Töchter sind 2 Monate und 2 Jahre.

    Liebe Alba,

    deine Gedanken könnten aus meinem Kopf kommen. Zur Zeit frage ich mich, wie ich von "negativen" Eigenschaften meines Partners (und aller bisherigen Partner) profitiere. Mit negativ meine ich Schwächen, die wir alle haben. Aber irgendwo scheint es da auch ein Match zu meiner schwachen Seite zu geben. Meine Partnerwahl ähnelt dabei deiner, wobei ich häufiger zur "sicheren" Variante tendiert habe. Ich war bisher die Draufgängerin. Jetzt läuft es umgekehrt.

    Typisch EKA? Wann beginnt diese Prägung? Seit ich denken kann war meine Mutter nüchtern. Als Baby musste ich in eine Pflegefamilie, weil meine Mutter mit Suizidverdacht in einer Entzugsklinik war. Danach wurde sie über Jahre vom Jugendamt begleitet. Ich erinnere mich nicht daran.

    Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit mit deiner Mutter, bzw. dass du einen Weg findest damit umzugehen, der dir gut tut.

    Und ich glaube achelias trifft es ganz gut mit der Beschreibung einer "glücklichen" Beziehung. Den Alltag gemeinsam zu meistern und dabei Freunde bleiben (trotz unterschiedlicher Sauberkeitsbedürfnisse haha) ist schon eine große Leistung. Fühlen tu ich da aber genau wie du.

    Liebe Aurora,

    gerade habe ich mich durch knapp 15 Jahre deines Weges gelesen. Ich habe gelacht und geweint. Mich von Herzen mit dir gefreut und die Fassung verloren angesichts der Schicksalsschläge.

    Ich will dir schnell ein Dankeschön da lassen!

    Mir ist die Selbsthilfe wichtig. Einmal für mich selbst aber auch für Menschen, die noch in den Anfangszeiten stecken. Ich werde nie vergessen, wie viel mir das damals, als ich hier aufschlug, geholfen hat.

    Du bist wirklich eine Inspiration, da hallt noch einiges nach von dem Gelesenen. Vor allem was eine Beziehung auf Augenhöhe angeht.

    Liebe Grüße, Anni

    Ich weiß aber, dass ich zu jeder Zeit überzeugt entschieden habe den Weg so zu gehen. Und damit bereue ich bis hierhin nichts. Es ist schwer. Es ist anstrengend. Es fordert mich heraus. Und es verlangt mir viel ab. Aber ich will es so.

    Da sind wir in einer sehr ähnlichen Situation. Es gibt so vieles, was ohne meinen Partner nicht so gekommen wäre. Manchmal fühle ich mich, als hätte ich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Nach dem Motto "Du kriegst alles was du willst, aber dafür musst du auch ein Päckchen tragen."

    Viele Co's wissen ja gar nicht worauf sie sich eingelassen haben. Deswegen stelle ich mir schon öfter die Frage, warum ich mir diese "Aufgabe" ausgesucht habe (Helfersyndrom?). Klar, ich war verliebt. Aber ich habe schon viele rote Ampeln überfahren als ich mich darauf eingelassen habe. Mir geht es wie dir. Ich bereue meine Entscheidung nicht. Damit das so bleibt muss ich jetzt einiges ändern, spurlos ging die Zeit nicht an mir vorbei und ich habe Angst mich doch in diesem Strudel zu verlieren. Ich merke nämlich wie wenig ich meine Bedürfnisse in den Vordergrund stelle und wie sehr es an mir zehrt.

    Dein Mann ist mittlerweile in der Klinik, oder? Wie geht es dir damit?

    Liebe LeaLux,

    ich stelle mir gerade vor du bist Julia Roberts in EatPrayLove. Nimmst dir ein Flugticket nach ganz woanders und findest zu dir selbst :)

    Wenn jetzt wirklich der Zeitpunkt ist, an dem er aufhören will, dann habt ihr doch immer noch die Möglichkeit wieder zueinander zu finden? So stelle ich mir das vor, bzw. kenne solche Paargeschichten in einem anderen Zusammenhang (Fremdgehen). Also Trennung, Selbstfindung, wieder zusammenkommen. Nur mal so als Gedankenspiele um einfacher loslassen zu können.

    Liebe Grüße, Anni

    Liebe Christrose,

    schön von Dir zu lesen! Hm, ja das ist eine schwierige Situation. Oder vielleicht ist die Situation ganz einfach? Ich weiß es nicht, zumindest kann ich deine Zerrissenheit nachvollziehen. Was wenn es jetzt doch der Punkt ist, an dem sich alles ändert?

    Wie oft habe ich gehört "wenn, dann". Aber als dann alle "wenn" mehr als erfüllt waren (wirklich alles was er sich gewünscht hat), dann...war da immer noch der Alkohol. Und jetzt gebe ich ihm eine Chance.

    Was sind die Bedingungen dieser letzten Chance? Und woran wird der Erfolg bemessen? Sind Rückfälle "erlaubt"? Welche Konsequenzen werden gezogen?

    Das sind so Fragen, die ich mir stelle. Hast Du für dich eine Antwort? Du musst nichts beantworten, wollte Dir nur meine Gedanken dazu mitteilen.

    Liebe Grüße, Anni

    Liebe Ela,

    dein Beitrag hat mich sehr berührt, es ist mal wieder wie ein Spiegelbild. Mir ging es wie dir...

    Ich weiß genau, wen ich geheiratet habe: mein Mann ist alkoholkrank!

    ... aber wie Ste55 schrieb, ich glaube nicht, dass wir wussten, welche Aufgabe wir uns damit aufgeladen haben. Vor allem mit Kindern.

    Mein Partner (ich habe ihn nicht geheiratet) hat "leider" auch nur zur Suchtberatung gefunden, nachdem ich ihn erwischt hatte. Es gab Zeugen dafür, dass er betrunken mit unserer Tochter Auto gefahren ist. Seitdem trinkt er laut seiner Definition nicht mehr - außer der Kochwein, die Pralinen mit Alkohol, das alkoholfreie Bier von dem er eine Fahne bekommt...

    Was ich mir hier bisher aus dem Forum mitgenommen habe: ich kontrolliere nicht sein Verhalten, ich frage nicht ob er schon einen neuen Termin für die Suchtberatung hat, ich bin nicht für seine Sucht verantwortlich. Ich lasse los. Die letzten Jahre haben Spuren hinterlassen und ich versuche mir meine Unbeschwertheit wiederzuerlangen. Das fehlt mir am meisten.

    Ich glaube fest daran, dass es für uns ein Happy End gibt. Allerdings mache ich mein Happy End nicht davon abhängig ob er trocken bleibt.

    Liebe Christrose,

    ich habe deine Geschichte hier verfolgt. Wie ein Krimi und das Ende doch so absehbar. Du klingst sortiert, als hättest Du Dich schon lange auf diesen Moment vorbereitet. Traurig und enttäuscht aber stark, diesen Eindruck habe ich von Dir.

    Ist Dein Mann schon zurück? Wie geht es dir damit?

    Liebe Grüße,

    Anni

    Liebe NudelTante,

    halt Dich da raus

    ich glaube aber genau das ist, was uns aus unserer Abhängigkeit befreit. Wenn wir uns damit beschäftigen, was unsere Partner fühlen und wie es ihnen geht und wir sie unbedingt verstehen wollen was da genau passiert, genau dann hängen wir wieder mit unseren Gedanken bei ihnen. Und nicht bei UNS. Ich kann sogar besser abschätzen wann mein Partner wieder zur Flasche greifen könnte, als er selbst. So schwer es mir fällt, ich mache das nicht zum Thema. Wir können nicht für sie lernen mit Suchtdruck umzugehen oder Strategien für sie zu entwickeln. Wenn du da sitzt und immer nach Zeichen suchst - zack, wieder beim Partner, nicht bei dir.

    So verstehe ich zumindest die Beiträge der anderen. Die Theorie mag mir einleuchten, in der Praxis bin ich auch noch weit entfernt vom "was tut mir gut, was brauche ich". Weil es eine Trennung bedeutet, die vom Alkoholiker. Mein Partner ist ja aber nicht nur Alkoholiker, sondern ein Mensch in meinem Leben. Er darf in meinem Leben bleiben, aber nur dann, wenn es mich nicht kaputt macht.

    Ganz spannendes Thema, ich versuche deine Fragen im Ausgangsposting für mich zu beantworten. Ja, Dampf ablassen ist bestimmt auch ein Grund aber angemeldet habe ich mich tatsächlich um Anstöße für echte Veränderung zu bekommen. "Mein" Alkoholiker schlägt nicht, schimpft nicht und trinkt sehr unregelmäßig (interessanterweise kann ich gut abschätzen, wann es wieder losgehen könnte). So eine Situation lässt sich vermutlich sehr lange "aushalten". So lange keine Kinder im Spiel waren, habe ich ihn machen lassen. Sein Problem, nicht meins. Mit Kindern geht die Strategie nicht mehr auf, weil sie abhängig von uns sind. Und er schafft es nicht dieser Verantwortung nachzukommen. Meine Bedürfnisse kommen immer mehr unter die Räder. Ich wünsche mir einen sicheren Hafen. Kann er das jemals sein?

    Ich weiß noch nicht wie die Reise weitergeht, aber als ersten Schritt versuche ich loszulassen. Und zwar den Gedanken, dass ich ihn von der Sucht wegbekomme.

    Liebe Alba,

    Dankeschön für deinen Beitrag. Es hat mich beim Lesen ziemlich gegruselt - da erlebt jemand das gleiche wie ich. Allerdings bist du schon weiter auf deinem Weg und ich fühle mich, als hätte ich in meine Zukunft geschaut. Auch ich habe Angst, dass trotz Trockenheit ein "Misthaufen mit Zuckerstreuseln" übrig bleibt. Trotzdem macht mir deine Geschichte auch Mut. Die Hoffnung, dass man sich wohlgesonnen bleibt, egal wie es weitergeht, das wünsche ich mir am allermeisten. Vor allem wegen der Kinder.

    Habe ich das richtig verstanden: ihr seid formal getrennt und auch kein Liebespaar aber Freunde und Eltern?

    Liebe Grüße, Anni *das Baby schläft auch gerade, juhu*