Habe mir heute mal Gedanken dazu gemacht, wann mein Suchthirn so anspringt. Dies geschah in den letzten Wochen gefühlt wieder etwas gehäufter.
Ich glaube, dass meldet sich, wenn ich den Eindruck habe, dass es gerade ziemlich gut läuft. Wenn ich irgendetwas besonderes außerhalb des Alltags unternehme.
Das Wegbleiben von verschiedene trinkenden „Veranstaltungen“ ist Verzicht. Wenn ich irgendwann zu einer anderen „Veranstaltung“ gehe, klopft das Alkohol-Belohnungssystem an. Unabhängig, ob da gesoffen wurde oder wird. Muss ja irgendwie etwas nachgeholt werden.
Dies kommt mir logisch vor und würde erklären, weshalb sich mein Suchthirn in allen möglichen Situationen meldet. Es schreit nach einer Belohnung. Aber wie belohne ich mich, wenn ich nichts machen kann? Würde z.B. gerne mit ins Tropical Island fahren. Werde es aber lassen, weil ich das Suchthirn da schon wieder Lapaloma singen höre. Bin zum nachmittäglichen Grillen beim Arbeitskollegen eingeladen. Dort wird nicht getrunken, aber ist vermutlich trotzdem nicht gut. (die positiven Veränderungen bringen mir plötzlich Einladungen ein, die ich nicht wahrnehmen kann...so ein Dilemma)
Wie belohne ich mich, wenn jedes Hoch mein Suchtgedächtnis anschmeisst und noch getoppt werden will durch den Suff?
Essen? Irgendetwas kaufen? Vielleicht versuche ich mal jemanden zu einem Waldspaziergang zu bewegen. Saß gestern bei dem Kollegen im Garten. Das war schön und völlig neu und unbesetzt mit Alk. Vielleicht muß ich mir völllig neue Aktivitäten einfallen lassen für den Anfang. Mir würde auch etwas einfallen, aber leider übersteigen meine Ideen die finanziellen Möglichkeiten. Aber da kommt schon noch etwas.
Wie viel bist Du Dir selbst wert?
Sorgst Du gut für Dich?
Ißt Du genug, das Du richtig satt wirst?
Nimmst Du ausreichend Flüssigkeit zu Dir und hast Du ausreichend Schlaf?
Das mag sich so banal anhören, aber Saufdruck kann auch entstehen, wenn man auch nur eine Sache davon vernachlässigt.
Dies ist auch ein wichtiger Punkt. Ich esse nicht regelmäßig und schlafe zu wenig. Und ich bin schon wieder unterschwellig gestresst. Es sind tausend Dinge zu erledigen und ich packe mir immer noch etwas drauf, was mich dann unter Dauerdruck stehen lässt. Das hat mich heute morgen spontan zu einer Entscheidung gebracht. Ich werde nichts mehr tun, was nicht nötig ist und wozu ich nicht wirklich Lust habe. Machte dann auch Nägel mit Köpfen und entledigte mich heute aller unnötigen Verpflichtungen.
Dem ist dann allerdings auch die ambulante Therapie zum Opfer gefallen. Aber es nützt nichts, wenn ich dann irgendwann von einem Termin zum anderen hetze und mir dann alles zu viel wird.
Habe mir jedoch die Option offen gelassen, mich wieder bei der Suchtberatung zu melden, wenn es nicht funktioniert. Dann werde ich doch beruflich kürzer treten müssen, um eine Therapie in den Vordergrund zu stellen.
Bin damit im Reinen und Zufrieden.
Ganz wichtig scheint mir noch euer Hinweis auf Geduld zu sein. Ich bin zu ungeduldig. Will, dass alles sofort gut ist und mit vollen Zügen aus den sich gerade neu ergebenden Möglichkeiten schöpfen. Stattdessen muß ich noch ein wenig die Füße still halten. Das ist schwer.....aber ich muss mich wohl darin üben.
LG Erna