Beiträge von Saphira

    In dem Zusammenhang noch: der "gefühlvollste" Rat gestern war: "Ist zwar jetzt für dich blöd, wenn ich das sage, aber vielleicht geht es deinem Mann mit einer Partnerin, die nicht so weit wie du ist, ja besser und er muss nicht mehr so viel trinken. Vielleicht hat ihn eine andere mal besser im Griff."😏

    Ja, vom Trinker ist da nichts zu erwarten.

    Kaum zu verstehen, aber so ist es.

    Ich durfte gestern wieder die Erfahrung machen, dass Außenstehende viel schneller viel weiter sind mit ihren Urteilen a la "Was willst du noch mit dem? Wie kannst du nur noch irgendwelche Gefühle egal welcher Art für so jemanden haben? Ich würde mir nichts von dem gefallen lassen! usw"

    Redet sich sehr leicht, wenn man nicht in der Situation ist, den Menschen viele Jahre geliebt hat und er immer ein guter Partner war, bis halt eine fiese Krankheit vieles veränderte. Ganz gleich wie weit Außenstehende in ihrem Prozess als Beobachter/Freunde der Geschichte sind - für die Betroffenen (in dem Fall Cos) ist es wichtig verstanden zu werden und dass sie durch ihren Prozess in dem Tempo gehen können, wie sie es gerade schaffen. Für Außenstehende mag es viel früher viel klarer sein, sie waren mit dem Menschen aber auch nie so verbunden wie man selbst.

    Hmmm...und was ist, wenn keiner daher kommt, der uns dieses Geschenk machen will, liebe Saphira?

    Damit meine ich ganz und gar NICHT den Alkoholiker, sondern z.B. jemanden, der professionelle Hilfe leistet (Therapeut, Beratungsstelle, SHG, Seelsorger...)

    Solche Menschen gibt es ja zum Glück in unserem Land.

    Sinnvoll ist hingegen, sich liebevoll UM SICH SELBST ZU KÜMMERN.

    Sich um sich selbst liebevoll zu kümmern, kann doch auch bedeuten professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dagegen wirklich alles mit sich selbst auszumachen weigere ich mich vehement. Manchmal geht das nicht mehr.

    Mein Zitat bezog sich in erster Linie auf den Erfahrungsaustausch hier. Das hab ich nicht deutlich ausgedrückt.

    Ich denke dass es sie das Selbe kosten würde, wie das, was wir jahrelang freiwillig mitmachen....

    Ich meinte damit nicht das jahrelange freiwillige Bleiben, sondern den Schritt sich von ihnen wegzuwagen...sich und danach auch anderen einzugestehen, dass es so nicht mehr weitergeht und zu HANDELN! Irgendwie ist doch jahrelang bei ihnen zu bleiben, zu leiden, zu kämpfen, weiterhin zu bleiben, obwohl es schadet, nichts anderes als auch zu saufen, nur halt keinen Alkohol. Für sich selbst zu gehen kostet Mut, Kraft, Angst, Schmerz, Trauer, Geld und viele Eingeständnisse. Vielleicht täusch ich mich, aber ich glaube, dass ein Entzug und die anschließende Veränderung/Genesung auch verdammt schwierig ist.

    Es ist der Untergang....

    Zumindest solange sie nichts ändern...

    Weiter darauf zu warten, dass SIE etwas ändern, hält UNS weiter in der Abhängigkeit. Wir "verlangen" von ihnen, dass sie aus der Abhängigkeit gehen und wollen selbst drinnen bleiben, weil es uns so viel kostet (Schmerz, Angst, Leid, Geld...). Kostet sie ein Entzug nicht dasselbe? Ich weiß es nicht, ich denke schon.

    mit ZWEI Elternteilen die präsent sind, verantwortung tragen und gemeinsam Sorge tragen.

    Und gemeinsam dafür kämpfen, schlechtes wieder gut zu machen.

    Jaaaa...das kenne ich so gut, vor allem den Wunsch in deinem 2. Satz.

    Wenn der 2. Elternteil nicht will oder nicht kann, können wir nur allein für unseren Teil Verantwortung übernehmen. Vielleicht ist ja das Alleinelassen des Alkoholikers seine größte Chance. Alle anderen Rettungsversuche an seiner Seite haben wir ja schon erfolglos ausprobiert, oder😉

    An ihrer Seite ist es ganz gewiss auch unser Untergang.

    und immer wieder bin ich erschüttert, wie sehr sich die Abläufe, Handlungsweisen und Emotionen ähneln. Und auch die eigene Schockstarre, das Nicht-wahrhaben-Wollen und die Hilflosigkeit.

    Ich möchte damit mit einem Zitat von Virginia Satir, einer sehr bekannten Familientherapeutin, antworten:

    “Ich glaube daran, dass das schönste Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden.Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren.”


    Vielleicht müssen wir uns zuerst in unserem Schmerz, der Verzweiflung, Hilflosigkeit, unseren Gefühlen verstanden fühlen, damit wir weitergehen können.

    Unsere Gefühle sind richtig, sie sind nun mal da, wie sie da sind. Wir sind nicht falsch, weil wir das fühlen, was wir fühlen. Die Frage ist nur, wie lange wir bleiben, wo wir sind, bevor wir weitergehen.

    Liebe Pamela,

    ich glaube, ich kann direkt fühlen, wie du dich fühlst....wie eine Ertrinkende, die verzweifelt versucht irgendwie noch den Kopf über Wasser zu halten und keines der Schwimmbretter, die schon ganz in der Nähe treiben, sehen kann.

    So habe ich mich gefühlt, bevor es zur räumlichen Trennung kam. Ich will nicht behaupten, dass jetzt alles easy ist - im Gegenteil. Ich bin noch ganz am Anfang und es ist ganz und gar nicht, was ich für mein Leben wollte. Es kommen immer wieder große Wellen, die mich unter Wasser drücken und eigentlich will ich nur aus diesem Wasser heraus, aber nirgendwo ist das Ufer zu sehen. Aber irgendwie geht es Tag für Tag weiter. Immer wieder mal taucht ein kleines Schwimmbrett für mich auf. Einiges, vor dem ich mich gefürchtet hab, hab ich dann gar nicht so schlimm empfunden. Manches hat mich völlig überwältigt. Ich bin wirklich noch ganz am Anfang. Aber eines weiß ich ganz sicher...die Zeit vor der Trennung hätte ich auch nicht mehr lange überstanden. Daran wäre ich früher oder später ganz sicher zerbrochen. Ich bin geblieben, weil ich so sehr in die schöne alte Zeit zurück wollte. Aber das geht nicht, wenn niemand im Jetzt aufräumt. Ich habe es allein nicht geschafft im Jetzt aufzuräumen und mein Mann kann und will es nicht, zumindest noch nicht.

    Zurück in die Vergangenheit geht nicht, es geht nur vor in die Zukunft. Damit die Zukunft so schön und trotzdem anders wie die Vergangenheit werden kann, müssen wir im Jetzt etwas verändern. Nur so kann es anders werden.

    So fühle ich mich - genau SO: verraten und verlassen

    Guten Morgen,

    oh ja - das trifft es sehr gut! Verraten!

    Ich werde ja vehement schwerer Eheverfehlungen bezichtigt (jahrelange Affären mit unzähligen Männern)...um nur ja alle Schuld mir zuzuschieben und um von seinen "Fehlern" abzulenken.

    Im Endeffekt haben sich die Männer selbst verraten und verlassen. Denn auch sie verlieren viel: ihre Liebe, ihre Familie, ihr Nest, die Unversehrtheit ihrer Kinder und Ehen und wenn sie so weitermachen ihre Gesundheit, ihre Existenz. Sie wählen ein Nervengift, das ihnen alles, was mal schön war, zerstört.

    Wir haben alle jeden Tag die Wahl. Wir wählen das Leben!

    Liebe Traumgeplatzt,

    ich verstehe dich sehr gut. Ich denke, es ist ein Prozess - vor und ein Stück zurück, vor - zurück, vor - zurück, aber immer weiter vor als zurück. Großen Schmerz muss man viele Male gehen lassen.

    Es ist so schade um den Mann, der der Richtige gewesen wäre - ohne den Alkohol.

    Geht mir genauso, aber es ist jetzt, wie es ist. Eines ist für mich fix...diese Beziehung, so wie sie jetzt zum Schluss war, muss(te) enden. Denn so konnte es nicht mehr weitergehen. Was einmal sein wird, steht in den Sternen.

    Mein Mann macht nach 2,5 Monaten Trennung auch einfach weiter wie vorher, jammert, trauert, fühlt sich als Opfer, aber kommt nicht auf die Idee etwas zu ändern.

    Jetzt sind aber wir dran uns um uns zu kümmern, uns um unsere Anteile zu bemühen - für uns selbst, genau wie die Alkoholiker den Entzug nur für sich machen sollen. Ich denke, wir brauchen noch viel mehr Abstand als nur 3 Monate um wieder klarer zu sehen.

    Das, was war, muss zu Ende gehen, damit etwas Neues entstehen kann...mit wem auch immer. Wenn du am Ende glücklich bist, spielt es keine Rolle, ob du wieder mit deinem Exmann zusammen bist oder einem anderen. Du bist dann nämlich glücklich. Das sollte unser einziges Ziel sein.

    🤗🤗

    LG, Saphira

    Mir ist gerade noch etwas eingefallen, weshalb es sich bei der Therapie sträubt. Es wäre das unwiederrufliche Eingeständnis, dass ich gescheitert bin. Es allein nicht wieder raus schaffe. Hilfe brauche.

    Schrecklich!


    Jetzt hab ichs.....das ist mein Knackpunkt dabe

    Wenn du Blinddarm, ein gebrochenes Bein oder eine eitrige Mandelentzündung hättest, würdest du dich dann auch als gescheitert sehen, wenn du zum Arzt oder ins Kh zur Op gehst und dir dort helfen lässt?

    Würdest du ein gebrochenes Bein mit einem kleinen Pflaster aus der Drogerie selber behandeln, weil "man" das alleine schaffen muss?

    er sagt warum soll er aufhören mit dem Trinken……er hat doch kein Problem……..ich habe das Problem

    So ist es wohl auch - zumindest für ihn. Er spürt sein Problem nicht ausreichend, du aber schon. Also hast du "mehr Problem" als er. Solange er nicht genug leidet und "kein Problem" hat, kannst du nichts machen. Nur für dich!

    Liebe Pamela,

    das kommt mir so bekannt vor "er ist das Opfer, sonst keiner".

    Mein Mann und ich sind seit 2 Monaten getrennt. Ihm ist nach wie vor nicht bewusst, was er den Kindern und mir antut. Er jammert herum, wie arm er ist, weint die Kinder voll, ein Licht geht ihm aber nicht auf.

    Manchmal (oder wahrscheinlich öfters) helfen nicht mal eine Eskalation oder ein Tiefpunkt.

    Du kannst nur für dich schauen!

    Saphira :

    1. Hatte er bestritten, Alkoholiker zu sein und deswegen auch keinen Handlungsbedarf zu haben?

    Er hat kein Problem! Er ist völlig gesund, aber ich gehöre dringend in die Psychiatrie (seiner Meinung nach). Er leidet auch an Depressionen. Das sieht er manchmal ein, manchmal nicht...je nachdem wie er es gerade braucht. Will er arm sein, dann hat er Depressionen, an denen selbstverständlich ich Schuld bin. Will er unbedingt gesund sein, dann hatte er noch nie Depressionen.

    Was zuerst da war - Alk oder Depressionen - kann ich nicht beurteilen.

    2. Oder war er suchtbedingt nur nicht in der Lage, trotz vorhandener Krankheitseinsicht etwas zu ändern?

    Es gab hin und wieder kurze Mini-Einsichten und leere Versprechungen sich behandeln zu lassen. Wohl aber eher, um mich bei Laune zu halten. Die letzte Einsichtsphase ist schon länger her, ich würde sagen, nachdem härtere Getränke eine größere Rolle zu spielen begonnen haben, gab es eigentlich eher keine Einsicht mehr.

    3. Oder hatte er Krankheitseinsicht, hätte etwas ändern können, weigerte sich aber?

    nur Pseudo-Einsicht schätze ich. Inzwischen hat er sich mir ggü schon so tief in die Sch... geritten, dass eine mögliche Einsicht immer schwieriger und schmerzhafter vor allem für ihn wird. Das müsste er erst mal aushalten zu sehen, was er seiner Frau u seinen Kindern angetan hat.

    Er könnte sich noch immer jeden Tag dazu entscheiden etwas zu ändern - zumindest für sich selbst und unsere Kinder. Tut er aber nicht!