Wahrscheinlich geht es darum, den richtigen Mittelweg zu finden. Ich werde sie nicht mehr explizit fragen, aber in gewissen Situationen werde ich versuchen, ihnen in ruhigem Ton die Wahrheit zu sagen.
Beispiel: einen Tag, nachdem meinem Mann der Führerschein abgenommen wurde, saß mein Sohn recht still auf dem Sofa. Ich fragte ihn, was los ist und er meinte, dass er sich Sorgen um Papa macht, ob es ihm gut geht. Ich riet ihm, ihn doch anzurufen, damit er beruhigt ist, und Papa würde sich sicher über einen Anruf freuen.
Leider war er dann ziemlich daneben, erzählte komische Sachen, fragte nach einer Verabredung, die aber schon am Vortag stattgefunden hat und über die mein Sohn schon am Morgen erzählt hat. Die Kinder waren morgens bei ihm gewesen, weil Ferien waren und ich an der Arbeit war. Mein Mann hatte es völlig vergessen. Er meinte dann noch: bis später, ihr kommt ja gleich noch her. Also bis dann! Und legte auf. Es war früher Abend, die Kinder sollten erst am nächsten Tag zu ihm. Er war betrunken, das konnte ich auch aus dem anderen Raum hören, und hat es nicht mehr richtig geblickt. Mein Sohn telefoniert immer mit Lautsprecher, also konnte ich das Telefonat halb mit anhören, stand in der Küche und hab Abendessen gemacht. Als mein Sohn aufgelegt hatte meinte er zu mir: „Du Mama, ich glaube, Papa ist verrückt geworden. Der hat ganz komisches Zeug geredet.“
Hab ihm dann gesagt, dass es möglich ist, dass er was getrunken hat. Das man dann manchmal ein bisschen komisch ist und vergesslich wird. Und hab es so stehen lassen.
Wollte ihm damit sagen, dass er wirklich komisch war, dass er das richtig eingeordnet war. Und hab es aber auch nicht eingesehen, eine Ausrede zu erfinden.
Ebenso werde ich ihn nicht anlügen, was den Grund des FS Entzugs angeht. Nur eben nicht ins Detail gehen.
Die Kinder, insbesondere mein Sohn (meine Tochter ist einfach noch zu klein) weiß, warum ich mich getrennt habe. Ich denke, dass kann man einem Kind sagen. Sachlich, ohne Drama. Ich denke, es ist wichtig, da nichts zu beschönigen. Da stimme ich Morgenrot zu. Auch Kinder können für das Thema sensibilisiert werden und verstehen, dass Alkohol einen Menschen verändern und viel kaputt machen kann.