Beiträge von 9Leben

    Kintsugi ,

    meine volle Anerkennung für Dich, dass Du es geschafft hast, Deinem Kopf mit widerstrebendem Gefühl zu folgen und Dich auf der Ausstiegsspur zu halten!Weiterhin alles Gute für Dich und die Kinder auf Eurem neuen Weg!

    in der Tat ist auch die Angst ein maßgeblicher Faktor. ich habe mir beim Vorbeilaufen an meinen Ausgangspunkten die Angst immer größer gemalt, als sie real vermutlich zu fühlen gewesen wäre. ich denke, das war in meinem Fall alles dem inneren Monolog zwischen Kopf und Bauch geschuldet. Der Bauch hat für den Kopf das Vorbeilaufen gerechtfertigt bzw. entschuldigt.

    Ich denke, deshalb habe ich auch meine Beratungsbesuche bei verschiedenen Stellen seinerzeit nicht fortgesetzt. ich hatte immer den Eindruck, mein Kopf wird angesprochen. Für meinen Kopf war ja aber keine Beratung erforderlich; dem war ja klar, was Sache ist, welche Möglichkeiten es gibt und welche nicht. Emotional wollte ich auf Gleichklang mit dem Kopf gebracht werden. Natürlich wurde in Beratungsstunden auch reflektiert, dass es mir schlecht geht und es eine riskante Situation für die Kinder ist. Aber auch damit fühlte sich seinerzeit nur mein Kopf angesprochen.

    Und daher hatten bei mir dann der Faktor Angst, eigenes Wertekorsett, Selbsttäuschung durch Festhalten an Hoffnungsschimmern und der emotional beherrschte Wille, den Status quo fortzusetzen, für weitere Jahre die Oberhand.

    Marli ,

    ich habe mir Deine Geschichte durchgelesen. Mir scheint, Du hast genug Stärke in Dir, um Deinen Weg dann zu ändern, wenn es zu Dir passt. Ob Du es wie Kintsugi dann schaffst, mit dem Gefühl dem Kopf zu folgen, solange beides nicht in Einklang steht, werden Dir weitere Erlebnisse im Umgang mit Dir selbst, Deinem Mann und Euren Kindern zeigen. Es werden sicherlich weitere Ausgangspunkte kommen.

    ich kann auch alle "Abers" sehr gut verstehen, die Du anführst. Alle bzw. sehr ähnliche habe ich Jahre und Jahrzehnte auch für mich ins Feld geführt.

    Durch kein einziges Aber ist die Krankheit besiegt oder sind damit verbundene Probleme gelöst worden, was ich mir mit meinen Abers erhofft hatte, ganz im Gegenteil.

    Das mit dem befreiten Gefühl, wenn der Mann nicht nur die paar Stunden zur Arbeit, sondern tage/wochenweise außer Haus ist, kenne ich gut. Das wäre -außer für Co ;-)- für jeden ein Anlass, sich zu sagen, dass in der Beziehung etwas gewaltig schief läuft, wenn man sich über die Abwesenheit des Partners insgesamt mehr freut als über seine alkoholbeeinflusste Anwesenheit .

    Allerdings, wenn die Abwesenheit wieder einer stationären Entgiftung geschuldet war, dann hatte ich mich auch immer gefreut, ihn wieder zu haben, weil dann ja noch die fast euphorische Hoffnung "jetzt wird alles besser" dazu kam. Tatsächlich konnte ich jedes Mal einen Countdown zählen, ab wann die durch die Entgiftung lediglich unterbrochenen Trinkgewohnheiten wieder aufgenommen wurden.

    ich wünsche Dir die Kraft, den für Dich frühestmöglichen Ausstiegspunkt zu finden und konsequent zu durchlaufen.

    Alles Gute für Euch!

    9Leben

    Liebe iwona-w,

    danke für die Deine Antworten. Ich habe für meine Kochbefähigung wieder etwas dazugelernt!

    Mich sprechen besonders Rezepte an, in denen der Vorbereitungsaufwand nicht viel Zeit bindet und der Herd quasi den Rest übernimmt (von ein paar Mal rühren und abschmecken zwischendurch mal abgesehen) ,-)

    Dir einen schönen Sonntag!

    9Leben

    Liebe Bluegreendreams,

    wenn es Dir das Abstand halten und die Grenzziehung von Deinem Sohn erleichtert, dann scheint es ja so zu sein, dass im Sinne Deiner Enkelkinder eine Kooperation mit den anderen Großeltern möglich wäre.

    Die Kinder zu trennen und "nur" eines davon bei sich aufzunehmen, würde ich auch nicht tun, wenn ich mich dafür nicht kraftvoll genug fühle. So etwas wie Spielenachmittage, Geburtstagsfeiern u.ä., also Kontaktpflege ohne Vollverpflichtung/verantwortung unterstützen ja auch. Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass die Kinder von ihren suchtbelasteten Eltern so schnell wie möglich wegkommen - aber das Jugendamt kümmert sich ja schon, wie Du geschrieben hast.

    Dir weiterhin viel Kraft auf Deinem Weg! Den Kleinen wünsche ich Resilienz hoch zehn und großes Glück bei der Auswahl der Pflegeeltern!

    9Leben

    Liebe Bluegreendreams,

    das ist sehr verständlich, dass Du weinst und um den Sohn trauerst, der sich in seiner Abhängigkeit gefangen hält. Du tust ihm und vor allem Dir aber keinen Gefallen, wenn Du ihm durch Aufnahme bei Dir/Euch als Einzigstes bewirkst, dass Du all die grauenvollen Seiten seiner Erkrankung unter Deinem Dach miterlebst. Wenn jemand etwas an Plan B setzt, was an Plan A gehören würde (= b e v o r Du anfängst zu saufen, komm zu uns und wir helfen Dir Dein eigenes Leben anders zu gestalten), dann hat er seine Priorität auch gegen Euch gesetzt.

    Ein erwachsener Mensch setzt sich seine Prioritäten, wie sie ihm selbst eben am besten passen.

    Welche willst Du Dir setzen?

    Liebe Bluegreendreams,

    zwar bin ich als Ehefrau meines mittlerweile verstorbenen alkoholkranken Ehemanns betroffen gewesen.

    Trotzdem oder gerade deswegen möchte ich Dir meine Anerkennung für deine Verhaltensweise aussprechen!

    ich finde es sehr sehr stark von Dir, Deinem Sohn so klare Grenzen zu setzen! Dass Dich das sehr schmerzt, kann ich mir sehr gut vorstellen.

    Aus deiner Schilderung sind mir folgende Sätze - außer den furchtbaren Umständen, denen Deine bedauernswerten (Stief)-Enkelkinder ausgesetzt sind- besonders augenfällig:

    "Am Tag seiner Entlassung freute er sich auf zuhause aber 2 Tage danach war er wieder Sturzbesoffen"

    "Nach den 8 Wochen wurde die erste Flasche Schnaps am Entlassungstag gekauft und er war wieder hackedicht"

    "Mein Sohn hat sich dann aus der Klinik entlassen."

    "er habe ja kein Problem , wisse sonst nicht was er tun solle ausser saufen"

    Dein Sohn hat sich aus meiner Sicht seiner Abhängigkeitserkrankung verschrieben. Wer sich schon bis über 4 Promille trinken kann, der hängt sehr tief drin. Daraus kannst Du ihn nicht befreien, auch wenn jede Mutter sich das natürlich wünscht.

    Bei Abhängigkeitserkrankten, die abhängig bleiben wollen, gibt es m.E. keine Hilfe. Vielleicht eine Chance, aber wenn, dann nur, wenn man quasi paradox handelt. Also gerade nicht mehr mit Obdach und Geld zur Verfügung stehen. Beides macht die Abhängigkeitserkrankung bequemer.

    Hast Du Deinen Sohn geboren, damit er seine Krankheit auf Deiner Gesundheit bis zu Eurem gemeinsamen Ruin austobt? Bestimmt nicht, oder?

    Deine Aufgabe ist getan - er ist erwachsen geworden. Ab da ist es seins, was er aus seinem Leben macht oder eben nicht.....

    ich wünsche Dir immer ausreichende Konsequenz für die für Dich selbst aufgestellte Grenze!

    9Leben

    Hallo mexico,

    das sehe ich wie Du. ich reflektiere jetzt ja auch für mich aus dem Rückblick auf etwas, das gelaufen ist. Um bei Deinem Topfbild zu bleiben, es musste eben immer noch mehr bei mir hinein gestopft werden. Vielleicht war es in meinem Fall auch eher ein Eimer mit Abflussloch ;-).

    Beim Rückblick erinnere ich, dass ich -immer im Abstand von einigen Jahren- mindestens zwei Punkte hatte, an denen sozusagen der Kopf schon längst auf "Ende" war und die Emotion in diese Nähe gerückt war - aber eben nur in der Nähe war und nicht in Übereinstimmung. An diesen Punkten hatte ich mir überall Rat gesucht, u.a. hier im Forum.

    achelias

    Doch jedesmal hatte ich das Gefühl, mit dem, was ich gewöhnt und was mir vertraut war, "gut" weiterleben zu können - eben in Einklang mit meinen Werten und Hoffnungen.

    Und weil es an früheren Ausgangspunkten für mich noch nicht passte, mich von meinen Werten und Hoffnungen zu lösen, habe ich die Beratungssuche auch immer wieder unterbrochen.

    Bei der Rückschau auf mein Co-Verhalten kommt es mir jetzt so vor, als ob ich an vielen Stellen rational das Wort "Ausgang" gesehen habe.

    Immer wenn ich eine Stelle "Ausgang" gedanklich am Wickel hatte, habe ich auch dorthin gesehen. Aber die Stellen waren emotional für mich immer mit einem Nebel des Ungewissen verhangen. ich fühlte mich trittsicherer auf dem Weg, auf dem ich ging. An den Ausgangspunkten vorbei.

    Weil ich an diesen Punkten die erforderliche Überschreitung meiner emotionalen Belastbarkeitsgrenze nicht als Fundament für meine rationale Betrachtungsweise verfügbar hatte.

    Und mit meinem Mindset habe ich mich dann auf dem Weg gehalten. Erst ganz zuletzt habe ich neue Abgrenzungen für mich genutzt als erste Schritte der Distanzierung. Und da hatte ich dann gemerkt, wie gut mir die getan haben. Ich weiß noch, wie ich damals die Absicht hatte, die Abgrenzungsmaßnahmen zu erweitern. Auch mit dem Gedanken Trennung/Scheidung hatte ich doch wieder vermehrt "gespielt", weil ich mich zuletzt so dermaßen ausgelaugt gefühlt hatte, und ich ja wusste, aus welchem Zusammenhang.

    Der Tod meines Mannes war dann die letzte, dafür verbindliche Ausgangsstelle.

    Hatte einer von Euch auch so ignorierte Ausgangspunkte? Oder einen fixen, ähnlich wie der berühmte Tiefpunkt für den Alkoholabhängigen, an dem Ihr nicht mehr vorbei konntet? War das bei Euch auch hauptsächlich von Emotion gesteuert? Oder habt ihr die bewusst hintenan stellen können?

    NurBier67 ,

    wenn Du wegen Trennungsunterhalt in den Scheidungskrieg ziehen möchtest, obwohl Du die wahrscheinlichste Reaktion Deines Ex als Lebensgefahr für Dich siehst, dann frage ich mich, ob das Dir wirklich wohltut. Du willst doch die Trennung von Deinem Mann, um wieder aufleben zu können.

    Durch den Versuch, Zahlungspflichten durchzusetzen, wird die ungute Verbindung ja weiter aufrechterhalten, wenn auch auf einer anderen Ebene.

    Möchtest Du so eine Art Schmerzensgeld von Deinem Ex, weil Du zu spät erkannt hast, dass er alkoholkrank ist und seine Sucht für ihn an erster Stelle steht?

    ich wünsche Dir gute Entscheidungen!

    Viele Grüße

    9Leben

    Pipe ,

    darf ich Dir die Frage stellen , ob in der Therapie-/Reha-Einrichtung, in der Du warst, auch Trauma-Therapie angeboten wurde? Falls ja, kam eine Trauma-Therapie für Dich in Frage? Auf welches Angebot (EMDR oder anderes) hast Du Dich dann eingelassen? Hast Du danach den Eindruck gehabt, dass die Traumatherapie hilfreich war?

    Viele Grüße

    9Leben

    So ist es im Arbeitsleben. Solange jemand anforderungsgerecht funktioniert, gibt es keinen Anlass zur Beanstandung. Da werden eventuell andeutende Symptome wie schwankende Launen, einzelne Fehltage oder intensiver Atem-Pfeffeminzgeruch bemerkt, aber ignoriert.

    Und es liegt ja auch immer das Risiko einer Fehlinterpretation vor. Durch die der tatsächlich Fehlinterpretierte dann zu Recht gekränkt ist, was auch ungünstigen Einfluss auf die künftige Qualität der kollegialen Zusammenarbeit haben kann.

    Sie steigert sich teilweise in Dinge rein ,die manchmal kleinkindhaft sind oder stellt Behauptungen auf ,die so gar nicht stattgefunden haben und ein normales darüber reden funktioniert nicht, weil sie dann abblockt.

    Liebe Croissy,

    exakt. Aus dem Zusammenleben mit meinem Mann könnte ich etliche Beispiele dazu zitieren. So meinte er später: "Durch mich bist du beruflich erst etwas geworden." In völliger Verdrängung des ihm durchaus bestens bekannten Zeitpunkts meines Berufsausbildungsabschlusses, zu dem ich von der Existenz meines Mannes noch nichts geahnt hatte und unserem ersten Kennenlernen zig Jahre später und seinem dann konstanten Desinteresse, mit welchem Erfolg ich mich um welche Postion bemühte.

    Oder das Bestehen darauf, dass ihm die Hälfte der Einkommensteuerrückerstattung zusteht, obwohl er in dem maßgeblichen Jahr kein Einkommen hatte.

    Und mit zunehmender Schädigung des Alkohols wird die Qualität solcher Phantasien noch krasser, es hat wirklich etwas psychotisches.

    Danke! Aus Deiner Erklärung sind mir die speziellen Schattierungen der Willensausprägung bei Abhängigen klarer geworden, und jetzt ist es mir sehr verständlich, weshalb Eindämmungsstrategien des Rückfallrisikos und ihre beständige Pflege von zentraler Bedeutung sind.

    Mein Mann und ich hatten im Abschlussgespräch seiner Reha gehört: "Rückfälle gehören dazu. Kommen Sie dann gern wieder - wir haben zum Glück ein tolles Suchthilfesystem". Dieses "Rückfälle gehören dazu" und "Wir haben zum Glück ein tolles Suchthilfesystem" stand für mich damals in totalem Widerspruch zueinander (-was ist an Suchthilfe denn toll, wenn sie nichts nützt bzw. der Rückfall quasi nahegelegt wird?!-).

    Jetzt erst habe ich begriffen, wie das gemeint war.

    Bist Du der Meinung, dass Du hättest etwas entscheidend anders machen können bei

    der Erziehung?

    Liebe Elly,

    ein anderes Vorbild leben und nicht bis zum bitteren Ende bei ihrem alkoholkranken Vater ausharren wäre eine reale Option gewesen.

    Denn das finanzielle Fundament für uns vier kam durchgehend meinerseits.

    Nun ist es anders gelaufen. Komischerweise hatte ich zunächst die Ansicht, ja also mit Kindern muss man sich doch gerade so früh wie möglich von einem Trinker trennen. Das habe ich dann ersetzt durch: Ne, also gerade wegen der Kinder muss eine Trennung gut überlegt sein. Rückblickend würde ich sagen, dass ich mich als ich diesen Standpunkt fortan vertrat, häuslich eingerichtet hatte in der Täuschung, es ist doch gar nicht soo schlimm, er arbeitet noch, die KInder haben ihre Strukturen Schule und Hort - geht schon.

    Aus heutiger Sicht habe ich einen guten Zeitpunkt einfach meinetwegen zum Nachteil der Kinder verpasst.

    Natürlich weiß ich nicht, wie es nach einer Trennung so gelaufen wäre, wenn erst mal gar kein männliches Rollenvorbild für die Jungs mehr gewesen wäre oder irgendwelche Patchworkstrukturen gegriffen hätten.

    Aber wenn Co nicht lässt, sieht man ja was ganz klar das Ergebnis ist: Dauerleid und Stress für die Kinder und in meinem Fall auch Tod des Abhängigen.

    Mein Gedanken wurden dadurch angestoßen, dass die Familienstrukturen, in denen ich aufwuchs, sich von meinem Mann in zentralen Punkten sehr unterschieden haben. Er Scheidungskind, ich nicht. er mit tätlicher Gewalt als Erziehungsmaßnahme aufgewachsen, ich nicht. Einzige Gemeinsamkeit, wir haben beide keine alkoholbelasteten Elternteile.

    Einen Faktor meines Co-Verhaltens sehe ich darin, dass ich mich irgendwie verpflichtet sah, mehr (er-)tragen zu müssen, ich hatte ja von Haus aus besseres Rüstzeug. Daher hoffe ich sehr, dass ich damit den Kindern nichts versaut habe und sie weder Co- noch Abhängigkeit entwickeln.

    Liebe Luna18,

    deine Mutter scheint ihren Weg des Erduldens sehr gut trainiert zu haben.

    Die Haltung Deiner Tochter Deinem Vater gegenüber finde ich sehr gesund.

    Dein Vater hat als trinkender Abhängiger seine Sicht auf die Dinge - wie mein Mann. Er wurde angeblich ständig ungerecht behandelt, aber seinerseits war er allen anderen gegenüber immer korrekt. Sicher doch :-P.

    Dann freut Euch über Eure Zeit zu Dritt.

    Liebe Hera,

    ich kann mir vorstellen, dass man als Betroffener natürlich merkt, was einem gefehlt hat und alles versucht, damit die eigenen Kinder dann nicht unter einem Mangel leiden. Aber bei Lieblosigkeit und/oder widersprechenden Doppelbotschaften ( "du schaffst das" - "typisch, du hast es schon wieder versemmelt") ist es, glaube ich, schwer für ein Kind, das so aufwachsen muss, Selbstvertrauen zu entwickeln, das dann später an das eigene Kind weitergegeben werden kann. Nicht unmöglich, aber schwer. Es ist ja selten etwas monokausal ursächlich.