Beiträge von Siri

    Liebe Lea

    ja, die Wut tut mir gut. Gut ist es zu wissen, dass Du diese Wut Phasen auch kennst und dass Du es geschafft hast, sie für Dich zu nutzen. Danke Dir für Deine Anfeuerung, Lea, die kann ich gut brauchen!

    Es ist interessant an mir zu beobachten, dass das, was ich jetzt im Nachinein als unterdrückte Wut erkenne, wie ein schwarzes Loch war, das viel Energie von mir abgesogen hat. Jetzt ist es anders, auch nach dem Abklingen der Wut bleibt die Energie.

    Hoffentlich gelingt es mir, das für mich einzuüben und so zu einem guten und nachhaltigen Umgang mit meiner Kraft zu gelangen.
    LG Siri

    Danke Euch allen für Eure Unterstützung und die vielen Gedanken zu den Facetten der Wut, die Ihr hier einbringt. Das hilft mir sehr bei der Suche nach Möglichkeiten, die Wut nicht bloss passiv auszuhalten, sondern ihre Energie für mich in einer positiven Weise umzulenken. Kein Crash, sondern Fahrkünste sind ja gefragt. Ich muss ausprobieren und üben.

    Dass Wut eine der Trauerphasen ist, war mir nicht klar. Danke Dir Sue für diesen Hinweis! Aber es macht Sinn, denn es gilt ja sich von der Trauer zu lösen und sein eigenes Leben ohne permanenten Rückbezug auf das Vergangene zu leben. Das fällt mir nicht leicht. Erstaunt bin ich aber, dass mit der Wut eine gewisse Leichtigkeit bei mir eingekehrt ist. Auch meinem Mann fällt dies auf und es ist schön für unsere Beziehung. Die permanente Last und Schwere schwebt nicht mehr über allem trotz der immer wieder aufkommenden Wut.

    Danke Dir Alex für den Wut-Smiley! 😬 Es ist ziemlich überzeugend, er zeigt schön die Zähne! :)

    LG Siri

    Liebe Elly,

    danke Dir sehr. Ja, körperliche Anstrengung hilft mir auch. Es lenkt einerseits ab, hilft mir aber andererseits auch, mich selbst zu spüren. Das ist gerade sehr wichtig: mich selber zu spüren und nicht erst, wenn mich ein Migräneanfall dazu zwingt.

    LG Siri

    Liebe Morgenrot,

    danke Dir für Deine Zeilen. Dein Gedanke trifft es gut: das Verstehen und die Gefühle, das zerreisst mich oft. Und bisher habe ich den Gefühlen nicht genug Raum gegeben bzw. sie einfach nicht wahrgenommen.

    Mir ist klar, dass Wutspiralen schlecht sind. Aber es hilft mir gerade, wütend sein zu dürfen und mir die Wut deutlich vor Augen zu führen, in ihrer ganzen Tiefe. Es ist aber kein Abgrund, in dem ich verharre. Denn ich nehme mich dann gleichsam bei der Hand und rede mir gut zu: ja, das darf sein, aber achte gut auf Dich.

    Auch Humor hilft. Oder Mal Schattenboxen. Auch die Smileys anzuschauen und zu merken, dass gar kein passendes hier ist, um meine Wut zum Ausdruck zu bringen (Wo bitteschön ist das Zähnefletschen smiley?)

    Ich probiere da gerade sehr viel aus. Meist ebben diese negativen Gefühle dann auch wieder ab, so dass ich mich ihnen nicht mehr ausgeliefert fühle.

    Es gibt zur Zeit viele Situationen, die nichts mit meiner Mutter zu tun haben, aber in mir Wut provozieren. Es ist neu für mich, mich auch als grummelige, missmutige und wütende Person anzunehmen und lieb zu haben. Ich bin sogar ein wenig stolz auf mich, wütend zu sein, denn ich agiere sie nicht an anderen aus, sondern suche nach anderen Wegen.

    LG Siri

    In mir bricht zur Zeit immer mal wieder Wut aus:

    - Wut auf meine Mutter

    - Wut auf Elternteile mit alkoholkranken PartnerInnen, die hier aufschlagen und sich beleidigt herausreden, wenn ihnen geraten wird, die Notbremse zu ziehen und an die Kinder zu denken

    - Wut, wenn ich ansonsten in meinem Leben mit Ungewissheit oder (auch kleinen und kleinsten!) Widrigkeiten konfrontiert bin :rolleyes:.

    - aufgrund des letzten Punktes: Wut auf mich selbst!

    Enorme WuUUUUUUut: X(:cursing:X( !!!!!

    So wütend kenne ich mich bisher nicht. Einerseits bin ich froh, meine Wut so deutlich zu spüren. Andererseits ist es ziemlich anstrengend, weil mich diese Gefühle zur Zeit immer wieder völlig in Beschlag nehmen und ich dann nicht zum Arbeiten oder sonstigen Dingen komme.

    :twisted: Es ist heftig. :twisted:

    Meine Wut hat nicht unmittelbar mit dem Verhalten meiner Mutter zu tun. Eher ist es so, dass ich gerade gegen die gesamte Situation revoltiere und auf sehr unterschiedliche Dinge mit Wut reagiere.

    Es kommt mir so vor, als würde sich die ganze angestaute Wut aus Jahrzehnten irgendwie Bahn brechen.

    Ich finde es zum Kotzen, keine Mutter gehabt zu haben, und dass ich stattdessen von Beginn an gezwungen war, mit dem Trugbild einer Mutter zu leben. Denn: die Mutter, das ist in meinem Fall ein Trugbild. Es tut jetzt nicht mehr weh, dass es so ist, stattdessen macht es mich einfach nur wütend.

    Immerhin: Nicht immer folgt auf die Wutzustände Migräne. Auch wenn es schwer ist, die mit der Wut verbundene körperliche Anspannung loszuwerden, kann ich die sich anbahnende Migräne meist abwenden.

    Das versuche ich gerade als Fortschritt zu sehen: Ein neuer Umgang mit meinen Gefühlen. Es ist ja gut, Wut zulassen zu können, und zu registrieren, so dass sich negative Gefühle nicht körperlich Bahn brechen müssen.

    Ich achte darauf, nicht andere mit dieser Wut zu überziehen. Es ist ja meine Wut. Stattdessen versuche ich mich selbst freundlich bei der Hand zu nehmen und mir gut zuzusprechen:

    Ja, Du bist würtend, das darf ja auch sein. Aber jetzt versuche doch, Deine eigenen Dinge wieder aufzunehmen und auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf Dein Leben zu richten. Da geht Dein Weg lang.

    Projiziere Deine Wut nicht auf alles und jeden, der Deinen Weg kreuzt, sondern schaue, dass es Dir gut geht!

    Verliere Dein Ziel nicht aus den Augen und sorge gut für Dich! Geh ums Loch herum und behalte das Ziel dennoch fest im Blick! Über Löcher, in die man nicht hineinfällt, kann man drüberschauen (ohne über sie hinwegzuschauen im Sinne von Verdrängen).

    Wenn es jetzt nicht klappt, mit dem Funktionieren, dann nimm Dir bewusst eine Auszeit und kümmere Dich um Dich. Und ja, Du darfst Dir auch vorstellen, wie Du wie eine asiatische Kampfsportlerin mit geschickten Beinstößen jemanden von Dir fern hälst. Du weisst ja, dass Abstand halten hilft und Dich schützt.

    Es ist nicht leicht, es hinzukriegen. Aber es gibt hier vieles, was ich für mich herausziehen kann und mir sehr hilft. Oft sind es innere Bilder, die ich für mich ausbauen kann. Auch tut es gut, diese Gefühle formulieren und hierlassen zu dürfen und zu wissen, dass ich nicht allein bin. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Das Forum hilft mir dabei, mich nicht mehr für all das schämen zu müssen. Die Scham und die Schuldgefühle hatten lange alles überdeckt und so unter dem Teppich gehalten. Das zu spüren, ist eine sehr große Erleichterung.

    Danke Euch :!:<3

    LG Siri

    Willkommen in unserem Forum, Maila.

    Mein Beileid zum frühen Verlust Deines Vaters.

    Auch ich kenne intensive Scham. Wenn sie mich überfällt, habe ich mich bis vor nicht allzu langer Zeit häufig völlig isoliert. Erst jetzt, wo ich mich mit den Auswirkungen der Alkoholkrankheit meiner Mutter auf mich befasse, bin ich mir bewusst geworden, dass diese Gefühle viel mit meiner Kindheit zu tun haben.

    Als Kind habe ich viele negative Emotionen meiner alkoholkranken Mutter oder auch Emotionen von Aussenstehenden, die meiner Mutter galten, auf mich bezogen. Seit ich diese Gefühle besser einordnen kann, verfolgen sie mich nicht mehr so.

    Scham- und Schuldgefühle auszuhalten und/oder zu verdrängen, kostet enorm viel Kraft. Es ist sehr gut, dass Du Dich hier um Dich kümmerst und Dir Unterstützung gesucht hast.

    Dass in Dir Vorwürfe und vielleicht auch Wut hochsteigen, wenn Du an Deinen Vater zurückdenkst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich finde, dass das berechtigt ist und auch einen Platz haben darf. Er hat Dich ja als Kind alleine gelassen. Ich bin überzeugt, dass man die Gefühle nicht verdrängen oder zur Seite packen kann, auch wenn es schmerzhaft ist und Kraft kostet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Gefühle sich durch die Auseinandersetzung verändern. Sie verlieren an Schärfe und bedrängen mich nun nicht mehr so, bzw. es gelingt mir immer besser, mich von ihnen zu lösen, so dass sie mich nicht mehr so lange blockieren.

    Es ist ein Prozess.

    Schön, dass Du hier bist!

    LG Siri

    Ich lese gerade in Deinem langen Faden, Aurora. Und muss ein wenig schmunzeln, weil er so viele Emotikons enthält, die mir ja oft so fremd sind. <3 Ich hoffe es ist in Ordnung etwas zu mir rüber zu nehmen. Ich finde das Bild so treffend, das Du vor Jahren gefunden hast, um Deine Erfahrung in Worte zu fassen.

    Der Weg ist lang und teilweise sehr steinig. Es gab und gibt immer wieder große Löcher, früher bin ich da reingefallen, jetzt kann ich schon drum herum gehen.

    Es ist schönes Bild, das trotz der Anstrengung auch Leichtigkeit und Freude vermittelt. Mir zeigt es, dass ich auch mit mir selbst nachsichtig sein darf. Mich nervt es nämlich oft, wenn ich wieder Mal ein Loch entdeckt habe. Aber eigentlich ist es doch gut, wenn es mir dadurch gelingt, drum herum zu gehen. Slapstickartig stelle ich mir gerade die Alternative vor: Schnurstracks stur geradeaus gehend und schwupps fällt man hinein, ins Loch.

    Danke dafür! LG Siri

    Das mache ich, Schattenkind. Es ist wichtig bei mir zu bleiben, zumal meine Mutter immer wieder riesen Dramen veranstaltet, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Trotz ihrer Klagen macht sie am Telefon aber einen sehr guten Eindruck auf mich. Sie kümmert sich mehr um ihre eigenen Belange. Auch wenn da immer mal wieder einiges schief geht, finde ich das sehr gut und freue mich darüber, dass sie aktiver ist.

    Liebe Iwona,

    ich drücke fest die Daumen, dass die Wunde weiterhin gut verheilt und die Stelle im Urlaub dann nicht mehr so empflindlich ist! Wenn der Schnitt so tief und großflächig war, dann dauert die Heilung einfach und vielleicht geht auch nicht alles so spurlos an einem vorüber wie in jüngeren Jahren, wo die Wundheilung noch den Turbo drin hatte.

    Alles Gute und liebe Grüße,

    Siri

    Ich selbst bin da auch kein Freund davon. Gerade, wenn es um Selbsthilfe geht.

    Jedoch ist es ein Bestandteil des Forums und eine allgemeine Entwicklung. Ich musste mich auch erst dran gewöhnen. Wenn ich sie einsetzte, dann bewusst und dem Inhaltlichen und nicht aus emotionalen Sympathiegründen.

    Genau das zu trennen, finde ich aber gar nicht so leicht bei den Emotikons, zumal viele keine eindeutige Bedeutung zu haben scheinen, sondern auf mich eher ambivalent wirken. Vielleicht reagiere ich auch deshalb so auf sie?

    Zum Beispiel verstehe ich manche der Smileys nicht wirklich, sie erscheinen mir kryptisch, z.B.:P, :|. Wie soll man die einsetzen? Was bedeuten sie? Wo wäre das angebracht?

    Mr Green :mrgreen: wurde mir ja mal als sarkastisch erklärt, als ich das Ding nicht verstanden habe. Ohne es genau zu verstehen oder vielleicht deshalb, hatte ich eine Art Groll gegen dieses Smiley entwickelt: was zum Henker soll das?

    ^^ habe ich gerade selbst genutzt, weil ich denke, dass es einfach Lachen zum Ausdruck bringen soll. Allerdings empfinde ich das Smiley dennoch irgendwie aggressiv, ebenso wie:D. So völlig sicher, was es genau zum Ausdruck bringen soll, bin ich mir also nicht und selber wollte ich niemals auch nur annährend so aussehen wie das Smiley, wenn ich vor Lachen pruste. Aber wer weiß? Man sieht sich ja selbst nicht.

    Zum Glück gibt es auch welche, bei denen ich sicher zu wissen glaube, was sie bedeuten, und die ich sehr gerne einsetze. Besonders mag ich 8) und natürlich:) und :S.

    Insgesamt ist es eine Krücke, Nuancen zum Ausdruck zu bringen und noch eine weitere Ebene der Kommunikation zu haben. Diesen Aspekt habe ich an den Smileys zu schätzen gelernt.

    Das ist für mich nicht einfach in Worte zu fassen, weil es auf der emotionalen Ebene stattfindet.

    Ich hatte eine Art Sog bemerkt. Die Emotikons, vor allem wenn ich sie bei nicht langjährigen trockenen Alkoholikern genutzt habe, haben den tiefen Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass es hier jemand, auch durch die emotionale Unterstützung im Forum, schafft, schaffen muss. Eine völlig unangebrachte Art, mich hier an jemanden emotional zu binden. Und auch sozusagen magisches Denken: wenn genügend Emotikons verteilt werden, dann muss es doch funktionieren.

    Das ist zum Glück weggegangen. Ich halte mich gerade in Situationen, wo ich merke, dass ich meine eigene Geschichte auf die Person projiziere, jetzt tendenziell eher zurück bzw. versuche dies zumindest. Weniger problematisch finde ich es bei langjährigen erfahrenen Mitgliedern, die eigene Freude über etwas durch so ein Smiley zum Ausdruck zu bringen, weil ich davon ausgehe, dass die Person gefestigt ist.

    Auch verbal hatte ich in den ersten Wochen (Monaten?) viel bei den trockenen AlkoholikerInnen geschrieben. Bei den verbalen Äußerungen ist es der Moderation aufgefallen. Bei den Emotikons hatte ich es selbst bemerkt und mich bereits hinterfragt, nicht aber bei den verbalen Äußerungen. Es war glaube ich, die Mischung, die zur unangebrachten emotionalen Verwickelung geführt hat. Die Emotikons waren aber sozusagen das Einfallstor, weil ich sie emotional getrieben genutzt habe.

    Ich hoffe es ist einigermaßen verständlich, wie ich das meine. Ich denke, dass das nicht generell bei allen so sein muss, sondern individuell sehr verschieden sein kann.

    Mir ist an mir ganz zu Beginn irgendwann aufgefallen, dass ich sorgfältig und eher sparsam mit den Emotikons umgehen muss, weil ich ansonsten in eine Art emotionale Abhängigkeit hineingeraten könnte. Vor allem bei den trockenen Alkoholikern ist es mir aufgefallen, wenn ich mich da beteiligt habe. Es ging mir aber auch generell darum, zu lernen auf die Posts der anderen nicht unreflektiert emotional mit den Emotikons zu reagieren, sondern gezielt. Das habe ich als Gefahr für mich erkannt und Eintrittspforte in eine Art Abhängigkeit in so einem Forum.

    Mir geht es mittlerweile viel besser. Ich habe wieder mehr Energie und ich nehme mir heraus, sie zuallererst für mich selbst zu nutzen. Die wiederkommende Energie nicht einfach nur in mehr Haushaltsarbeit zu stecken oder zu arbeiten oder mich sonst in Beziehungen (Freunde, Forum) zu verausgaben. Zur Zeit ist mir sehr wichtig, genug Energie für mich, meine Freizeit und schöne Dinge übrig zu haben. Das habe ich mir früher nie eingestanden. Das wichtigste war immer das Funktionieren. Das jetzt anders zu machen und zu sehen, dass es geht, ohne dass die Welt davon untergeht, fühlt sich gerade richtig gut an.

    Ende des Monats fange ich eine neue "Sportart" (Reha) an. Mir herauszunehmen, verschiedene Dinge auszuprobieren und wählerisch zu sein, um etwas zu finden, was mir wirklich Spass macht, ist für mich eine große Sache. Ich freue mich jedenfalls, dass es mit dem Kurs klappt.

    Ich selber habe mir vor nicht allzu langer Zeit Gedanken gemacht, weil ich auf einen Beitrag von jemandem nicht antworten konnte/wollte, obwohl ich vor einigen Wochen in diesem Faden sehr aktv war und die Situation ein paar Ähnlichkeiten aufweist, auch wenn sie natürlich anders ist.

    Ich habe mich gefragt, ob das OK ist, jetzt einfach nichts zu äußern. Denn natürlich wünsche ich dem Forumsmitglied das beste in der schwierigen Situation.

    Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass es richtig so ist. Es hat sich zunächst ein wenig so angefühlt, als ob ich jemanden im Regen stehen lassen würde. Aber was ich aus meiner Erfahrung beizutragen hatte, hatte ich ja bereits gesagt. Und jetzt aus Pflichtgefühl zu schreiben, hätte sich falsch angefühlt. Es hätte mich zudem überfordert.

    Dennoch finde ich es auch schön, wenn sich die Mitglieder hier engagieren und rege auf die Posts antworten und unermüdlich die grundsätzlichen Dinge der Selbsthilfe wiederholen. Das hilft einem ja auch selbst, diese Wiederholungen, dass man vor allem auf sich selbst achten soll, sich selbst an erste Stelle setzen soll, auch die Erinnerung, dass es hier um Selbsthilfe geht.

    In der Kindererziehungsliteratur (und ja, erwischt: ich habe keine eigenen Kinder, kümmere mich aber zwischendurch um eines) wird ja oft gesagt, dass man häufig das unbewusst weitergibt, was man selbst gelernt hat, gerade bei dysfunktionalen Verhaltensmustern. Vielleicht funktioniert es aber auch andersherum: wenn ich es bewusst anders mache und das konsequent im Umgang mit anderen einübe, dann wirkt dies vielleicht auch auf mich selbst zurück und stärkt mich dann ja doch auch selbst. Denn die Interaktion und alles, was sich daraus ergibt, ist dann ja real, auch wenn es zuvor nur angelesen und in meinem Kopf war.

    Das alles aber natürlich nur unter der Voraussetzung, dass ich mich selbst genau beobachte, kritisch reflektiere und dann auch selbst in die Pflicht nehme beim Umgang mit mir selbst. Und da helfen dann die hier so oft beschworenen kleinen Schritte.

    Meiner Ansicht nach ist es nicht mit dem Versuch des kontrollierten Trinkens vergleichbar. Ich hole etwas aus, um zu erklären, warum ich das so sehe.

    Der Vergleich wäre für mich nachvollziehbarer, wenn mein Leben weiterhin um das Leben meiner Mutter kreisen würde. Das ist aber nach dem ersten Schock des Wiedersehens, bei dem ich nach fast zwei Jahrzehnten mit dem massiv verschlechterten Zustand meiner Mutter konfrontiert wurde, also der Re-Traumatisierung zu Beginn letzten Jahres und dem damit verbundenen (langwierigen und schlimmen) Rückfall in alte Muster mittlerweile nicht mehr der Fall, auch wenn ich vor Ort bin.

    Es ist eher eine Frage meines Energiehaushalts.

    Die Vereinnahmung, die Wut meiner Mutter und die Manipulationsversuche abzuwehren, erfordert vor Ort jeweils so extrem viel Kraft und Energie, dass es mich sozusagen schreddert.

    Wenn wir vor Ort sind, kostet es (zu) viel Kraft, nicht in den von Momo so treffend beschriebenen "Reaktionsmodus" zu verfallen. Ich fahre deshalb extrem selten hin (das letzte Mal an Ostern, davor Anfang September letzten Jahres).

    Generell halten wir uns an unsere Pläne: Auch wenn sie volltrunken stürzt und wieder einmal ein oder zwei Tage im Krankenhaus ist, fahren wir nicht hin. Mein Mann ist auch beim letzten sehr schweren Sturz, der für sie schlimme Folgen hatte, erst wie geplant nach sechs Wochen gefahren, um Dinge zu erledigen, die sie nicht schafft. Der Pflegedienst fand das krass. Ich kann es gut mit meinem Gewissen vereinen. Es heißt ja nicht, dass mir und meinem Mann der Sturz nicht leid tut. Aber vor Ort hätten wir auch nichts an ihrem Zustand ändern können und sie wird ja gut versorgt.

    Auch wenn wir vor Ort sind, versuchen wir den Reaktionsmechanismus zu durchbrechen: Wenn meine Mutter aus welchem Grund auch immer ihre Kontrolle verliert, reagieren wir nicht auf sie, sondern gehen konsequent aus dem Raum. Wir gehen nicht auf ihr Verhalten ein, auch wenn wir wieder zurückkommen. Auch am Telefon mache ich das so, aber da passiert es kaum noch. Der klare Schnitt verunmöglicht Reaktions-Ping Pongs und hilft mir dabei, bei mir zu bleiben. Denn ihr Verhalten ist ihrs und hat nichts mit mir zu tun. Ich verurteile sie auch nicht (mehr) für ihr Verhalten. Meine Mutter ist schwer krank und ihr Verhalten ein Resulat des Alkoholmissbrauchs und ihrer Persönlichkeitsstörung. Ich kann an diesen Krankheiten nichts ändern.

    Was es zudem von einer Co-Beziehung unterscheidet: Ich führe mit meiner Mutter keine Beziehung und habe auch nicht den Anspruch, eine Beziehung mit ihr zu führen. Ich erfülle eine festumrissene Aufgabe für sie. Es fühlt sich mehr nach einer Arbeit an, die ich übernommen habe und die ich nun so gut ich es kann und in dem von mir gesetzten Rahmen erledige.

    Ich denke nicht mehr an die Zukunft meiner Mutter, so schlimm sich das anhören mag. Ich handle pragmatisch und verbindlich. Dabei schaue ich vor allem auf mich selbst.

    Für mich geht es zur Zeit darum, ganz gesund und schmerzfrei zu werden (eine sehr langwierige chronische Sache, die aber vor dem erneuten Kontakt zu meiner Mutter begann und die zum Glück abheilen wird) und dann wieder voll meine Arbeit aufzunehmen. In Teilen ist mir das bereits gelungen, worauf ich extrem stolz bin. Denn ich kriege die Balance zwischen Arbeit und zu viel Arbeit, die meinen Zustand wieder verschlimmert, mittlerweile ganz gut hin. Das ist für mich die Hauptsache und, wie gesagt, die Dinge, die ich für meine Mutter organisiere, vergesse ich mittlerweile sogar, nachdem ich sie aufgegleist habe.

    Momos Beschreibung finde ich sehr treffend.

    Bei der Wiederaufnahme des Kontakts durch meine Mutter ist genau das passiert. Ich bin in alte Muster hineingerutscht, die mir früher Kontrolle bzw. ein Bei-mir-sein-dürfen in einer unkontrollierbaren Situation suggeriert haben. Die krasseste Reaktion war das Wiederaufflammen sehr extremer Migräne. Schon als kleines Kind im Vorschulalter habe ich, wenn die Anschläge auf mich und die Anspannung unerträglich wurden, mit Migräne reagiert, das volle Programm bis zum nicht endenden Erbrechen. Damals haben diese Anfälle mir geholfen, mich abzugrenzen, bei mir zu sein. Meine Mutter hat mich meist in Ruhe gelassen, wenn ich Migräne hatte und über der Kloschüssel hing. Leider ist die Migräne auch nach dem Kontaktabbruch geblieben. Sie hatte sich mit Wetterveränderungen, vor allem Fön, und mit den normalen Hormonschwankungen im Leben einer Frau zusammengetan und so in tagelangen Anfällen verselbstständigt. Die Hormonschwankungen waren dann später einer der schlimmsten Trigger. Mir kam es so vor, als dürfte ich keine Frau sein. Und so war es auch, je älter und selbstständiger ich wurde, desto bösartiger war das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber, was dann zum Kontaktabbruch geführt hat.

    Der Dauerstress in meiner Kindheit und Jugend hat mich krank gemacht.

    Nach Jahrzehnten des Mich-um-mich-selbst-Kümmerns, verschiedener Therapien und mithilfe einer prima Ärztin und neuer Medikamente zur Migräne-Prophylaxe habe ich Wege gefunden, mit der Migräneveranlagung umzugehen, so dass es seltener und die Anfälle weniger heftig sind.

    Wenn ich jetzt zu meiner Mutter fahre, dann spüre ich diesen extremen Stress. Regelmäßig habe ich dort oder danach Migräne. Ich brauche eine Woche um mich von 2 Tagen bei ihr zu erholen. Deshalb mache ich es so selten wie möglich. Auch mein Mann fährt mittlerweile seltener hin, was mir wichtig ist.

    Zum Glück funktioniert das Delegieren an den Pflegedienst sehr gut. Auch Arztbesuche kann ich aus der Ferne mit dem Rolli-Taxi organisieren. Und das beste ist: nachdem ich den letzten Arztbesuch organisiert hatte, habe ich ihn tatsächlich vergessen! Erst als meine Mutter anrief, um zu fragen, wann das Taxi käme, ist es mir wieder eingefallen. Die Telefonate sind mittlerweile nur noch selten beeinträchtigend. Auch die haben mich zunächst jedesmal sehr gestresst. Mittlerweile habe ich den Dreh raus, wie ich meine Mutter auf Distanz halte. Dabei bleibe ich immer freundlich und verbindlich. Ich weiss nicht, wie ich es ausdrücken kann: ich schwinge nicht (mehr) mit ihren Emotionen mit.

    Ich bin sehr froh, mehr Distanz bekommen zu haben. Das Forum hat dazu beigetragen wieder aus den alten Mustern herauszukommen. Es hilft mir dabei, mich selbst zu reflektieren. Gerade wenn mich hier etwas triggert, schaue ich bei mir genau hin und versuche zu ergründen, was es mit mir und meiner Geschichte zu tun hat.

    LG Siri

    Ich als EKA bin bei Momo und Lanananana. Ich denke nicht, dass ich eine Sucht in Bezug auf andere Menschen und Beziehungen entwickelt habe, die ich stoppen müsste.

    Sucht nach Wertschätzung, Liebe, Nähe usw.

    Wertschätzung, Liebe, Nähe sind meiner Überzeugung nach grundlegende und berechtigte Bedürfnisse eines jeden Menschen.

    Wer als Kind mit einem alkoholkranken Elternteil aufgewachsen ist oder einem Elternteil mit Persönlichkeitsstörung ausgeliefert war, hat jedoch leider erfahren müssen, dass diese grundlegenden Bedürfnisse an Bedingungen geknüpft waren und somit nicht beantwortet wurden.

    Vielleicht ist es so, dass sich bei manchen der Betroffenen daraus ein unstillbares Verlangen nach Bestätigung und Kontrolle entwickelt. Ob das mit einer Sucht vergleichbar ist, vermag ich nicht zu sagen.

    Ich denke aber wie Momo und Lanananana, dass die dysfunktionalen Verhaltensmuster und Glaubenssätze eines EKAs eher etwas mit mangelndem Selbstwert, mangelnder Selbstwirksamkeit und mangelndem Selbstbewusstsein zu tun haben. Wenn hieran gerarbeitet wird, kann sich ein größeres und differenzierteres Verhaltensrepertoire im Umgang mit anderen Menschen entwickeln. Das ist sehr wirksam gegenüber manipulativen Menschen jeglicher Couleur. Oft versuchen sie es gar nicht mehr, da sie spüren, dass sie keinen Erfolg haben würden.

    Die eigenen Grenzen zu spüren, zu wahren und im Fall der Fälle auch mal hart zu verteidigen ist entscheidend für den Umgang mit anderen Menschen, zumal ja nicht nur persönlichkeitsgestörte oder alkoholkranke Leute Grenzverletzungen begehen können.

    Vermeiden hilft eher nicht, wie das bei einem Suchtmittel ja der Fall wäre.

    Sobald man selbst merkt, wie wirksam diese Veränderung im eigenen Verhalten und der eigene Haltung ist, ist dies sehr bestärkend für einen selbst. Das ist tatsächlich heilsam, auch wenn die Trauer über die eigene verlorene Kindheit und der Schrecken, am eigenen Leib und der Seele erfahren zu haben, wozu Menschen fähig sind, sogar die nächsten, vielleicht immer bleibt.