Beiträge von Paul_dry

    hallo, gratulation zu zwei monaten und das in richtiger stresszeit. halte durch.

    ich erinnere mich auch noch sehr gut an die studienzeit und die stressbedingte sauferei. bei mir hat alkohol nie etwas befördert. immer, wenn ich abgabe hatte, hat mich der stress zum saufen gebracht. das erste glas, um mich zu beruhigen, das zweite, um mir mut zu machen, das dritte. um mich zu inspirieren, das vierte, um mich zu trösten, weil ich keinen klaren gedanken mehr fassen konnte, das sechste, um mich darüber hinwegzutrösten, das siebte, um das scheitern vergessen zu machen, das achte, weil es eh schon egal war, die übrigen dann einfach so .... .

    frage mich heute noch, wie ich so manche seminarbarbeit geschafft habe! es war immer fürchterlich. wenn ich damals schon gewusst hätte, was spaziergänge, mediatationen, atemübungen, telefonate, staubsaugen, abspülen .... alles bewirken, dann hätte ich heute noch so manche gehirnzelle mehr.

    mein supermarkt ist abstinenzfreundlich: die alkoholabteilung liegt etwas abseits, man muss einige stufen hinablaufen, um in sie zu kommen. das ist bewältigbar. vielleicht findets du ja auch etwas ähnliches. und in biomärkten ist alkohol nie so penetrant ausgestellt. mich nervt wahnsinnig, dass an tankstellen, die fläschchen direkt neben der kasse stehen. neulich habe ich mich darüber aufgeregt, der tankwart meinte nur, das sei morgens das hauptgeschäft und ich würde nicht für möglich halten, wer das alles kauft (kleinstadt!). bis vor einigen jahren gab es auch noch den chefschluck: da schenkte der chef aus einer flasche ein "stamperl" an der kasse aus. da vergeht es einem doch, oder?

    Das Suchthirn säuselt mir ins Ohr: "Es ist so ein schöner Tag. Tu dir was Gutes und spring aus dem Fenster."

    haha, so plump ist dein suchtgedächtnis? meins würde das so sagen: "schau mal, wie schön das wetter heute ist. schau dir den himmel an, so blau. setz dich aufs fensterbrett, lass die beine baumeln, spürst du den wind? (dann würde es singen:) über den wolken, muss die freiheit wohl grenzenlos sein, alle sorgen, sagt man, bleiben darunter verborgen und dann...... (sagt es) musst du nur ein wenig nach vorne rutschen und wie ein vogel durch die luft fliegen. nun?"

    siehst du alex, wie fies mein suchtgedächtnis ist! und wenn ich dann nicht springen würde, sagt es: "dann sauf wenigsten einen schnaps, du feiger looser!"

    :);)=O

    Hallo zusammen,

    heute sind es genau 5 monate nüchtern.

    happy! wenn ich meiner sober-app glauben schenken darf, dann habe ich 1.683 € nicht vertrunken/gespart, habe mir 918 stunden kater erspart und 153.000 kalorien eingespart. da schau mal einer an....!

    im vergleich zum letzten monat hat sich einiges verändert. die suchtanfälle werden immer weniger. tägliche nüchtern-routinen werden zur gewohnheit: sport, yoga, trocken-übungen, wie nachdenken, situationen analysieren, hier schreiben, werden zur guten gewohnheit.

    ich habe keine berührungspunkte mit saufevents mehr und in meinem freundeskreis hat sich meine nüchternheit herumgesprochen und wird -ja, was?- bestaunt und bejaht. lustigerweise erklären mir jetzt so einige, dass sie ja auch immer wieder pausen machen würden und den konsum einschränken (wollen). irgendwie ist ein nüchterner mensch in gesellschaft anderer ein thema.

    nach einer langen phase der müdigkeit regen sich neue lebensgeister. und das macht mich manchmal ungeduldig. vieles von meinem alten leben ist abgestreift, manches im schwange und vieles noch nicht da. immerhin, ich bin in bewegung.

    mein suchtgedächtnis hat seine taktiken geändert. es ist nicht mehr brutal und fordernd. vielmehr säuselt es jetzt und versucht's mit verführung (so schönes frühlingswetter, geh ins cafe, trink einen sprizz, das ist doch so toll im warmen sonnenschein. so sachen halt...). aber ich habe mittlerweile auch meine methoden dagegen. klar ist, es lauert und wartet auf seine chance.

    bin ich nüchtern glücklicher? nein. aber mehr bei mir und in der welt und mit mitmenschen. das nennt man wohl leben.

    mir gefällts!

    fazit nach fünf monaten: nüchtern sein und bleiben lohnt sich! viel glück allen hier.

    ich sage es immer wieder. im ersten jahr keine veranstaltung wo getrunken wird.

    hallo dorothea,

    danke für deinen post. ja, du hast recht, ich versuche das auch so weit als möglich (z.b. nachmittäglicher spaziergang mit freunden, wenn's dann zu einem nach hause geht zum fröhlichen umtrunk, bin ich nicht dabei).

    nicht immer aber ist das möglich und das ist auch der grund, warum ich im "falschen" bereich unterwegs war. ich musste beruflich ein seminar besuchen, wo es eben auch alkohol gab und da brauchte ich etwas hilfe von erfahreren und länger nüchternen menschen. die tipps waren gold wert.

    ich halte mich von allen alkoholfeiern und -veranstaltungen fern, aber es ist in dieser welt nicht möglich (ausser im eigenen heim), nicht mit alkohol konfrontiert zu werden. beim tanken stehen die fläschchen in vorderster front, im supermarkt, im café, im kino, im theater, sogar in der kirche trinkt der pfarrer während der messe wein. ich bin ja schon froh, dass mich dieses überangebot und die ständige verfügbarkeit von alkohol nicht mehr in größere unruhe versetzt, ich mache halt einen bogen drumrum, aber es ist halt da. und damit umzugehen lernen, das ist grad die aufgabe. und das ist ja nicht nur bedrohlich, sondern auch erfüllend, zu merken, dass der sog einer weinabteilung im supermarkt immer weniger wird.

    und deinen hinweis mit dem einen jahr finde ich ganz wertvoll, ich hoffe, die fahrrinnen werden dann auch von der zeit und neuem leben zugewittert werden.

    hallo nayouk, gratulation zum "überstehen" des seminars.

    kann ich gut nachvollziehen, bei mir war es auch so. mittlerweile habe ich schon drei vier weitere hinter mir und das schafft eine gewisse routine und einschätzbarkeit. ich halte mich halt immer von der bar am abend fern. und das ist auch gut so.

    und erschöpft war ich auch immer. es ist anstrengend, der körper und der geist sind in gewisser weise im alarmzustand.

    traurig? war ich beim ersten mal. ich habe auch nicht verstanden warum. aber eine antwort hier im forum hat mir geholfen, das einzuordnen: war wohl noch so eine reminiszenz an das "nasse" denken, die traurigkeit darüber, nicht mehr in diese gewohnte welt zu gehören, so vieles neu lernen zu müssen. das suchtgedächtnis arbeitet mit allen mitteln. perfide!

    gestern: erster frühlingstag. draussensitzwetter. angenehm mit einem capuccino.

    bis herr suchtgedächtnis sich ungefragt dazu setzt: na, mein freund. perfektes aperol-sprizz-wetter. wie letztes jahr um diese zeit.

    ich: lass mich in ruh.

    herr s.: wie sagte schon harald juhnke? was ist glück? keine termine und leicht einen sitzen! (haha)

    Ich: du meinst, den harald juhnke, der sich ins delirium gesoffen hat? den harald juhnke, den ich damals im theater nicht gesehen habe, weil er zu besoffen war und nicht auftreten konnte?

    herr s.: sei nicht so humorlos, ich hol dir einen aperol und dann wirst du lockerer.

    ich bin aufgestanden und habe den idioten sitzen lassen. war dann walken und das war die definitiv bessere entscheidung: bewegung., die vögel haben gesungen, der ruhige dahintreibende fluss hat mich beruhigt, das laufen hat mich ins lot gebracht.

    überraschend war, wie überfallartig und ohne vorwarnung das suchtgedächtnis da war. nachmittags draussen im cafe, da hätte ich nicht damit gerechnet! erst im nachhinein war's mir klar: erste sonnentage waren immer aperol sprizz tage. naja, nach dem ersten geburtstag, dem ersten weihnachten, dem ersten silvester, dem ersten urlaub ..., nun also der erste frühlingstag ohne alkohol. wieder eine erfahrung gemacht und auf der achtung-seite eine notiz niedergeschrieben.

    euch allen einen schönen restsonntag und passt auf euch auch!

    Ja, das würde ich auch raten. gehen, laufen, ins schwitzen kommen. und meditieren, atmung kontrollieren, das war für mich auch neu, welche ungeheuere kraft der atmung inne wohnt. kontrolliertes atmen macht ruhig = meditieren.

    ich kenn das übrigens sehr gut. schreiben und saufen. das ergebnis ist nie gut. aber das weißt du ja selber.

    Nayouk24 hi, danke der nachfrage.

    mir geht's ganz gut soweit. jetzt sind's bald fünf monate und irgendwie ändert sich grad was. das ist spannend. die körperlichen auswirkungen, wie müdigkeit, unruhe, aber auch euphorie und schwankungen, haben sich weitgehend verflüchtigt. es ist so etwas wie alltag eingekehrt und das ist schön. es gibt einzelne tage, an denen ich keinen gedanken an alkohol und die damit verbundenen themen habe. aber es schleicht sich auch etwas fieses ein: so eine untergründige stimme, die mir einreden will, dass das alles ja gar nicht schlimm ist, dass ich ein wening dramatisiert habe mit meinem aufhören, das ich ja mal wieder eine wenig .... , nicht viel ....., gelegentlich ....., bei besonderen gelegenheiten .... etc pepe. d heißt es achtsam sein.

    und so verstehe ich die bedenken, sich zu früh in gesellige runden zu begeben. es ist -zumindest bei mir- eine trügerische ruhe, der ich nicht so recht traue, an der ich mich aber trotzdem freue.

    was ich festgestellt habe ist: ich dachte, wenn ich eine einladung mit (mäßig) trinkenden menschen verbracht habe und mich das nicht sonderlich gestresst hat, dann ist das damit auch ausgestanden. aber das stimmt nicht (für mich), es wirkt nach. und auch den tag danach kommt so ein seltsames gefühl von: siehst du, so schlimm ist es ja nicht, du könntest ja wieder und .... siehe oben.

    deshalb halte ich mich so weit als möglich fern.

    aber nach einer phase des regenierens und ausruhens und für-mich-seins habe ich jetzt auch wieder das gefühl, reger zu werden, aktiver. ein innerer frühling bricht an - mit tollen gefühlen und gefährdungen. das leben hat größere pegelausschläge bekommen. ich empfinde das als schön.

    und bei dir?

    ich mach das so mit teilnahmen, wenn es auch alkohol gibt: ich gehe in der regel nicht hin (4 monate ist noch nicht gefestigt). ausnahmefälle bereite ich vor: möglichkeit des "verschwindens", information an die gastgeber meiner situation und ich mach es abhängig von der tagesform.

    beispiel: ich war zum geburtstag eines sehr guten freundes eingeladen. es war halb wunsch, halb verpflichtung, da hinzugehen. edles restaurant, tolles essen, erlesene wein. es war ein mittagessen. das habe ich mir zugetraut, zumal meine frau auch dabei war. ich habe wasser getrunken, war auch kein problem, kein "komm-ein-gläschen-zur-feier-des-tages"-gerede. war gut. es war ein schöner nachmittag,

    aber auch nicht frei .... .

    anschließend gab es beim geburtsagskind noch einen lustigen umtrunk mit wein und wurst, der sich bis in den sehr späten abend gezogen hat. da bin ich nicht mit und wollte es auch nicht. hartmut -glaube ich- fragt in solchen fällen immer: frag dich, was willst du dort? meine antwort war: nichts, im mittelpunkt stehen dann nicht die gespräche, sondern die "geselligkeit" ... . und da verpasse ich nix.

    obwohl der tag schön war, das essen toll, die menschen nett, war ich froh wieder daheim zu sein. ob du willst oder nicht, es ist eine versuchung. ich habe zu hause sport gemacht und film geschaut, dann war 's wieder gut.

    fazit für mich nach 4 monaten: es geht schon, aber es ist auch noch stress. also nur in ausnahmefällen und mit absicherung. und es ist eine illusion zu meinen, dass es vorbei ist, wenn du aus dem restaurant wieder raus bist. das suchtgedächtnis ist ein gemeiner sauhund. es denkt, wenn du schon ins wirtshaus gehst, wär es ein etappensieg für ihn. und es dauert ein weilchen im klar zu machen, dass du nicht wegen ihm dort warst.

    das wäre so mein beitrag zum thema, "wann kann ich wieder an treffen mit alkoholausschank teilnehmen."

    ich glaube, sucht ist das gegenteil vom willen. sucht schaltet den willen, also das bewußte handeln konsequent aus. du weißt, das was du tust, ist falsch, du hast den unbedingten willen, es nicht zu tun. du tust es trotzdem, nicht willentlich, sondern süchtig. der wille kann helfen, die sucht zu verstehen und kleine hürden bauen und auswege suchen helfen. aber die sucht wird immer bleiben. es ist nicht der wille, der sie in zaum hält, sondern die verhaltensänderung und damit die lebensveränderung.

    ich rauche seit 30 jahren nicht mehr, letztens habe ich aus jux (oder fahrlässigkeit) jemanden mal eine zigarette gedreht, ist die gier, die sucht war sofort wieder da. nach 30 sekunden war sie wieder weg, aber sie war stark wie am ersten tag.

    weg ist sie nicht, weil ich den willen dazu habe, sondern, weil ich gelernt habe, damit umzugehen.

    kurzum: der wille wird überschätzt. er ist nur das sprungbrett oder die weiche für eine abzweigung.

    Ja, das ist wahr. Missbrauch, das lässt einem immer so einen kleinen Ausweg, im Sinne von: wenn man Alkohol nicht mehr miss-braucht, dann kann man ihn vielleicht wieder ge-brauchen, in Maßen versteht sich. Mir hat am meisten geholfen, vor mir selber zu akzeptieren und zu sagen: ich bin Alkoholiker. Das ist eine Kapitulation, du kämpfst nicht mehr und genau darin liegt der Neuanfang.

    im Übrigentu ich mich immer noch schwer, mich als Alkoholiker in der Öffentlichkeit zu "outen". Im engeren Kreise ist es kein Problem mehr.

    Und: ich kenn das auch, dass man sehr in seinen Körper hineinhört, wenn man das neue Leben beginnt. Alles, was anders ist, wird als Warnsignal begriffen. Ich habe z.B. gleich gedacht, ich hätte Leberkrebs, weil ich so einen seltsamen Druck in der rechten Seite hatte. Habe es abklären lassen, war nix. Ich glaube, da kommt viel zusammen, es ist ja auch für den Körper ein ganz neue Situation, da muss auch der erst einmal damit klar kommen! Also, abklären lassen, dann bist du sicherlich beruhigter.

    Alles Gute!

    ja, und das führt dazu, dass du nicht mehr schutzlos und ausgeliefert bist. das. war für mich mit das schlimmste, dass ich zwar nichts mehr trinken wollte, aber eine instanz in mir war jeden tag stärker und hat mich so hilflos gemacht. das ist jetzt weg und selbst wenn das fiese suchtgedächtnis wieder einflüstert, habe ich meine methoden, um es zum schweigen zu bringen. aber da ist es .... .

    Nüchtern ist nun jedes Gefühl da, ungeordnet und ungefiltert.

    ja, das ist schon so. und das ist manchmal verwirrend, beängstigend und deprimierend. aber auch schön, fantastisch und neu. die gefühlsschaukel schwingt stärker oder überhaupt wieder. ich würde sagen, das nennt man leben und zwar das eigene. man spürt sich und das ist sehr viel wert. auch wenn's manchmal weh tut. aber kein weiser mensch würde behaupten, dass es ein anrecht auf glück gibt.

    Cadda ja, das ist ein wirklich motivierender antrieb.

    kennst du das? in nassen zeiten, wachst du morgens auf und da gibt es diesen einen moment, wo alles gut ist, die welt ist unschuldig und du auch und dann -wumms- sausen die erinnerungen der letzten nacht (oder was davon übriggeblieben ist) unerbittlich und gnadenlos in dein bewußtsein hinein . und du denkst dir, nein, nein, nein! und das schlimmste ist: wenn du dir einen finger gebrochen hast, dann heilt der irgendwann. aber diese superpeinlichen erlebnisse, die bleiben für immer, die verblassen nicht, die kann ich nur in einen dicken stahlschrank einsperren und hoffen, dass ich die zahlenkombination irgendwann vergesse.

    da bin ich echt froh, dass das vorbei ist .... .