Liebe Liesel,
ich muss Hartmut absolut zustimmen, auch wenn es hart ist.
Und ich kann dir versichern, dass auch wenn es vielleicht noch nicht bei deiner Tochter so wirkt, sie auch darunter leidet. Meine Schwägerin ist sehr tough, aber dadurch, dass ich das alles jetzt angehe, kommen die ganzen Erinnerungen an ihre Kindheit bei ihr hoch. Irgendwo habe ich mal aus zuverlässiger Quelle gelesen, dass 1/3 aller Kinder suchtkranker Eltern selbst alkoholkrank wird, ein weiteres Drittel andere psychische Krankheiten entwickelt, das letzte Drittel kommt mehr oder weniger unbeschadet daraus. Die Frage ist, was heißt dieses mehr oder weniger. Das lässt viel Interpretationsspielraum offen.
Ich lese bei dir immer raus, dass es dir schlecht geht, aber du musst irgendwie aktiv werden. Manchmal braucht es auch größere Schritte, da reichen nicht die kleinen. Vielleicht tue ich dir Unrecht, aber ich habe den Eindruck, dass dein Mann macht, worauf er Lust hat. Du konzentrierst dich zwar auf deine Tochter, aber im Prinzip beäugst du die ganze Zeit argwöhnisch deinen Mann und machst dir Gedanken, ob er das Ganze ernst meint. Aber ich frage dich: Was möchtest du denn? Wie stellst du dir dein weiteres Leben vor? Möchtest du mit einem Mann zusammenleben, dem du im Prinzip nicht mehr vertraust? Was glaubst du, wie es in ein paar Jahren sein wird?
Fühl dich bitte nicht angegriffen. Mir ist in den letzten Woche durch dieses Forum und viele analoge Gespräche bewusst geworden, dass die Möglichkeiten von Angehörigen sehr begrenzt sein, wenn der Alkoholkranke nicht will. Da bleibt im Prinzip nur Trennung oder gemeinsamer Untergang, wenn man es mal überspitzt darstellt. Ich weiß mittlerweile von so vielen Freunden, Kollegen und Bekannten, dass sie EKAs sind. Sie sagen alle, dass sie sich gewünscht hätten, dass der nicht alkoholkranke Elternteil mit ihnen gegangen wäre.
Liebe Grüße
Matilda