Ich wusste lange nicht, wie sich Suchtdruck anfühlt.
Das erste Mal Suchtdruck, nicht Suchtgedanken, hatte ich nach mehr als 8 Monaten.
Da war es wieder, diese sich steigernde Unruhe, Nervosität, erhöhter Puls und aufkommende leichte Panik, so wie zu nasser Zeit, als der Pegel am absinken war.
Es war während eines Liederabends, bei dem auch Alkohol konsumiert wurde.
Erst wusste ich nicht, was los ist, bis mir der Gedanke kam, das muss Suchtdruck sein.
Ich bin aufgestanden und 15 Minuten an die frische Luft und rumgelaufen, dann war es vorbei.
Wie konnte es nach 8 Monaten dazu kommen? Es war das erste Mal, dass ich in einer fremden Umgebung, mit vielen Menschen,
die ich gar nicht kannte, an einem Tisch zusammensaß und dort wurde getrunken, natürlich ohne Rücksicht auf mich, woher auch.
Bis dato kannte ich nur einen Restaurantbesuch mit meiner Frau.
Im Vorfeld war mir der nahende Event eher unangenehm und ich bin schon mit gemischten Gefühlen dort hin.
Das Ganze hat sich dann hochgeschaukelt und endete mit Suchtdruck. Es war eine psychsomatische Reaktion, ausgelöst durch die Unsicherheit und den damit verbundenen Stress. Dabei habe ich keinen Zwang verspürt, alkohol zu trinken.
Als ich das begriffen hatte, konnte ich dem auch entgegentreten, z.B. bin ich dann in der Zeit danach ertmal nicht auf Veranstaltungen oder Events gegangen, die mich schon im Vorfeld nervös gemacht haben. Mit der Zeit habe ich mich vorgewagt, denn ich wusste, was auf mich zukommen kann und wie ich reagieren muss.
Suchtdruck in der Form oder anders ist bis heute nie wieder aufgetreten.
Suchtdruck hat ganz unterschiedliche und individuelle Erscheinungsformen. Für mich war wichtig, so schnell wie möglich raus aus der Situation, und nicht aussitzen und hoffen, dass es vorbei geht. Dazu gehört auch, dass ich mich im Vorfeld frei von irgendwelchen Zwängen oder Verpflichtungen mache, damit ich uneingeschränkt handeln kann, wenn es darauf ankommt.
Dieses bisher einzige Suchtdruckerlebnis war zunächst erschreckend, hat mich aber im Nachhinein gestärkt, da ich nun wusste, was auf mich zukommen kann und wie ich damit umgehen kann. Vlt. erlebe ich Suchtdruck nochmal in anderer Form. Die Reaktion wird die gleiche sein. Raus aus der Situation und handeln.
Damit hat Suchtdruck seinen Schrecken verloren, er ist kein wirksames Mittel, um mich zum Trinken zu bringen, unangenehm ist er in jedem Fall.
Vlt. ist das, der Grund, warum er nie wieder auftrat.