Beiträge von Nayouk24

    das ging mir mit dem Wort Achtsamkeit genauso.
    In Bezug auf die Alkoholsucht ist es für mich, Erfahrenes zu reflektieren, um es beim nächsten Mal frühzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren, oder es zu vermeiden.

    So entsteht mit der Zeit ein tieferes Gefühl, was Achtsamkeit für mich bedeutet. Es bedarf aber einer ständigen Auseinandersetzung mit dem Thema. Am Anfang war dies anstrengend. Ich arbeite dran, dass es normaler wird.

    Maximal 1-2 Standardgläser pro Woche, habe ich in einem anderen Thread gelesen.
    Mir kam der Gedanke, wie soll das gehen ? Das reicht nicht.

    Es würde nicht gehen und es müsste sehr viel mehr sein.

    Ein Gedankenblitz aus dem Suchthirn vom Gesandten des Teufels!
    Selbst beim lesen in diesem Forum !

    Ist es nicht schön, dass die Sucht dich an ihre Kraft erinnert, aber du mit deinem Wissen dagegenhalten kannst?

    Eine kluge Erkenntnis.

    Liebe Silberstreifen,

    Ich habe nur mal Deinen letzten Post genommen und ein paar Sätze rausgenommen.
    würde ich Deinen ganzen Faden nehmen, wäre das eine riesen Liste dessen, was Du erträgst.

    dass ich jemanden kennenlerne und mit unserer Tochter wegziehen

    ich seie naiv und Falle vielleicht auf den "falschen" rein

    vertraut mir anscheinend nicht, dass ich das Ganze mit unserer Tochter zusammen hin bringe.

    Er "schimpft" mich naiv...

    Und Du…..

    Ich fühle mich mies...

    Da er wohl keine Krankheitseinsicht hat, handelt er nicht anders. Er realisiert, dass Du es ernst meinst.
    Wenn Du ausziehst, wird es für ihn unbequem, noch unbequemer, als es vielleicht jetzt schon durch seine Trinkerei ist.
    Du kannst es nicht ändern und ich hoffe Du wartest nicht darauf, dass er das Richtige tut, nämlich sich selbst zu helfen.
    Ich kann es ihm nur wünschen.
    Aber jetzt geht es erstmal um das Wohlergehen von Dir und Deine Tochter.

    Viele Grüße

    Nayouk

    aber es entspricht wohl leider der Realität!

    Ja, es entspricht dem Charakter der Sucht.
    Solange ich nicht selbst zu mir sagen konnte, ich bin Alkoholiker und auch keine Krankheitseinsicht hatte, hätte ich das niemals gegenüber einer anderen Person zugegeben, auch ggü. meiner Frau nicht. Es ehrlich zuzugeben bedeutet ja auch mit Konsequenzen handeln. Da ist zuerst „nie wieder Alkohol“, konnte ich mir in keiner Weise vorstellen, ich musste ja trinken, wie soll das gehen usw.
    Erst als ich begreifen konnte, dass ich es alleine nicht schaffe und fremde Hilfe suchen muss, war der Weg frei.

    " der Trinker", von Friedrich von Bodelschwingh


    Morgenrot danke für den Hinweis. Kannte ich nicht.

    Denkt man Deine Vorstellung zu Ende, fürchte ich, dass auch das nicht verstanden wird.

    Schmidtty

    Ich kenne deine Familienverhältnisse nicht, was ja auch ein gutes Recht ist.

    Wenn die Äußerungen von deinem Sohn kommen, macht es schon einen Unterschied, ob er 12 oder 17 Jahre alt ist?
    Hast du in deinem Umfeld jemand Vertrautes, mit dem du darüber sprechen kannst, der Dich versteht?

    Dann bin ich die Säufermama….es kommen noch unflätigere Ausdrücke. Von wegen, ich hätte es doch selbst in der Hand gehabt, ein schöneres Leben zu führen, wenn ich nicht gesoffen hätte. Jetzt könnte ich ja wenigstens mit Geld einen Ausgleich für alles schaffen.

    Das ist heftig und hochgradig unfair.
    Du hast eine Krankheit.

    Ich verstehe langsam Dein Problem.
    Wenn die Aussagen von Deinem Sohn kommen, scheint er selbst ein Problem zu haben. Wie alt ist Dein Sohn?

    Hallo Schmidtty,

    In meiner Reha wurde das Thema vertrauen der Angehörigen in meiner Abstinenz besprochen. Mein Therapeut hat mich explizit darauf hingewiesen, dass es Situation des Misstrauens geben kann. Er meinte dann, sie können Diskussionen darüber ganz einfach aus dem Weg gehen, wenn sie einen Alkoholtester zu Hause haben.
    Das könnte ein paarmal passieren und dann ist die Sache erledigt. Es gab allerdings für mich bisher keine Notwendigkeit, ein einziges Mal zu pusten, ich weiß gar nicht, ob das Ding überhaupt mit Batterien schon bestückt ist.
    Ich muss ehrlich sagen, so wie du es schilderst würde es mich auch nerven.

    Lebst du mit deiner Familie zusammen? Wie alt ist dein Sohn?
    Sollte sich dein Sohn ein Spaß draus machen, dich pusten zu lassen, dann würde ich das nicht tolerieren, das geht gar nicht.

    Du bist einzig und alleine für dich trocken. Dass die engsten Familienangehörigen wissen wollen, ob das auch so bleibt, ist verständlich.

    So wie Rennschnecke und Hera schreiben, würde ich zu diesem Punkt ein klärendes Gespräch mit klarer Ansage suchen.
    Mich würde es auch interessieren, warum es ständig hinterfragt wird, ob ich getrunken habe.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Guten Abend,

    bei chronisch missbräuchlichem Alkoholkonsum reduziert das Gehirn die Anzahl der Dopaminrezeptoren, um das durch Alkohol verursachte Überangebot an Dopamin und die sich daraus ergebende Reizüberflutung einzudämmen.
    Wird ein Alkoholiker abstinent, ist die Dopaminausschüttung reduziert, was zuerst zu den bekannten Entzugserscheinungen und zu starkem Suchtdruck führt.
    Sind die körperlichen Symptome nach ein paar Tagen in einem qualifizierten Entzug überstanden, besteht die reduzierte Anzahl an Dopaminrezeptoren aber nach wie vor und reicht nicht aus, damit das Belohnungssystem ausreichend funktionieren kann.
    Dies führt zu einer allgemeinen Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Traurigkeit und Antriebslosigkeit.
    Zu diesem Zeitpunkt ist es äußerst wichtig den neuen Weg zu schützen und zu stabilisieren.
    Wie das geht habe ich in meiner Therapie und hier in der SHG gelernt.

    Das Gehirn passt sich nun durch Bildung von neuen Rezeptoren an die veränderte Situation an, es reagiert wie vorher, nur umgekehrt.
    Allerdings dauert dieser Prozess mehrere Monate bis hin zu Jahren, ist immer wieder Schwankungen unterworfen und abhängig von der Gesamtkonstitution des abstinenten Alkoholikers.

    Das Beschriebene ist ein vereinfachtes Modell, aber es reicht mir aus um zu verstehen.

    Es erklärt meine durchlaufenen Zustände in den letzten Monaten, die Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit.
    Dinge die einmal Spaß gemacht haben, machen keinen Spaß mehr, da das System „Belohnung auf Aktion“ nicht mehr funktioniert.
    In der Sucht hat dadurch vieles keine Bedeutung mehr, es wird mehr und mehr gleichgültig. Die Sucht lässt primär nur noch das Bestreben nach Alkohol zu.

    Natürlich war ich am Anfang unglaublich froh und dankbar, dem Teufelskreis des Alkohols entkommen zu sein.
    Alles, was es nicht mehr aushaltbar machte, war plötzlich weg.
    Ich musste nicht mehr trinken.
    Trotzdem war da immer wieder Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Es gab keine ausreichende „Belohnung“, obwohl ich mich doch so sehr anstrengte, mit Sport und mit anderen Aktivitäten.
    Heute weiß ich, das Durchhalten und weiter anstrengen hat sich gelohnt, denn schon sehr bald spührte ich erste kleine Erfolge.

    Es kommt immer mehr zurück, was mir Spaß macht, was mich mit Zufriedenheit erfüllt, was mich interessiert und was mich weiter bringt.

    Ich nehme mir die Zeit und beschäftige mich mit meiner Krankheit und ich finde es hilfreich und spannend,
    die Zusammenhänge zu erkennen.
    Daher ist es heute umso erschreckender, wie fahrlässig und verantwortungslos ich mit diesem empfindlichen und komplexen System umgegangen bin.
    Ich habe es wider besseren Wissens regelrecht an den Anschlag gefahren, bis es kollabiert ist.

    Eines darf ich nie vergessen. Ein Schluck Alkohol wird diesen mühsam in Gang gesetzten Wiederherstellungsprozess sofort beenden und ich bin schneller am Ausgangspunkt als je zuvor, den diesen Weg, "Abbau von Rezeptoren", den kennt das Gehirn schon.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Vayana,

    Ich weiß nicht wie und wo Du die Flaschen gefunden hast.

    Es gab eine Zeit, da habe ich nach Außen nur Radler getrunken, um zu zeigen, dass ich es im Griff habe.
    Die Menge Alkohol hat natürlich nicht ausgereicht. Also fing ich an heimlich zu trinken. Mit Verstecken und einem Rhytmus ist mir das leider erstaunlich lange gelungen.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Thomas,

    Glückwunsch zu 4 Jahren !

    während in Suffzeiten die ewige Frage quälte, wann es zum großen Knall kommt.

    Ja, die Frage habe ich mir auch oft gestellt.
    Mit „irgendwann kommt‘s zum großen Knall, wenn Du so weiter machst“ wollte ich mich selbst zum Handeln bewegen.

    Den Knall konnte ich verhindern, aber es hat Jahre gedauert.
    Und er wäre gekommen, wie die Dunkelheit der Nacht.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Du hast völlig richtig reagiert, indem Du nicht reagiert hast. Sehr gut!

    Das sehe ich auch so.

    Dein Partner geht wohl nach dem Grundsatz vor, Angriff ist die beste Verteidigung.
    Einfach Behauptungen in den Raum stellen um den anderen in die Verteidigungsrolle zu bringen.
    Das kennen wir ja schon von einem amerikanischen Präsidentschaftskandidaten.

    Es bringt nichts, im Gegenteil, es würde der Unterstellung nur Bedeutung geben.

    Hm, ein interessantes Thema.
    Habe gerade drüber nachgedacht, wie ich Dank annehme.
    🙄

    Auch nicht gut. Oft sage ich sogar „…..dafür nicht“. Ist ja noch schlimmer,
    als ob es die Sache nicht wert war, mir dafür zu danken. Natürlich war sie es und es ist schön,
    dass ich dafür Dank erhalte.

    Danke für den Denkanstoß. Ich werde das mal beobachten.
    Aber ich glaube hier gilt: Übung macht den Meister.