Beiträge von Jump!

    Bei mir war die Schrift immer okay (Handy).

    Es gibt aber Probleme mit der Anzeige von Beiträgen. Erst wenn ich selbst einen Beitrag poste wird mir nachträglich angezeigt was sonst vorher schon gepostet wurde. Und zwar nicht wegen einer zeitlichen Überschneidung.

    Außerdem werden keine Likes/Danke etc. mehr angezeigt. Teils gar nicht. Teils steht bei den Benachrichtigungen ein Punkt, also so dass ich denke jemand hat geantwortet.

    Ist alles nicht wild - will nur Bescheid sagen.

    Wahnsinn Sonnenschein! Das heißt die Anzeige von ihm hat dir letztendlich mehr genutzt als deine eigenen Versuche mit Anwältin und Frauennotruf Schutz zu bekommen?! Das gibt's doch echt nicht.

    Wäre es für andere Frauen in ähnlicher Lage dann ratsam sich direkt an die Polizei zu wenden?

    Deine Erleichterung kann ich mir gar nicht doll genug vorstellen. Endlich hat er keinen Schlüssel mehr.

    Ob du für dich selbst therapeutische Hilfe brauchst und suchst, das kannst ja nur du entscheiden. Ich kenne jemanden, die bei der Opfer-Hilfe sehr gute Unterstützung bekommt, in regelmäßigen Stunden so oft und lange sie will, ganz unbürokratisch. Weiß aber natürlich nicht ob es das bei dir gibt.

    Jetzt muss sich das doch auch erst Mal alles setzen. Das geht ja auch nicht so schnell...was dein Kopf weiß ist noch lange nicht in deinem Körper angekommen...die ganze Anspannung, das dauert. Und ist ja auch noch nicht vorbei.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Liebe Sonnenschein, ich bin entsetzt darüber, dass dein Ex-Mann dir das Leben dermaßen zur Hölle macht.

    ich frage mich allmählich, ob es das Wert war.

    Was wäre denn die Alternative gewesen? Wenn du nicht dafür gesorgt hättest, dass er geht, dann wäre es doch ein Schrecken ohne Ende geworden, oder?

    Er hatte zuletzt deine Tochter angegriffen. Und es wäre ja ebenfalls immer schlimmer geworden, es war ja schon so viel passiert.

    Dass du weinst verstehe ich. Du musst doch auch nicht immer stark sein. Die Ritterrüstung würde ich an behalten, aber ein Stein würde ich nicht werden wollen. Hattest du nicht geschrieben, dass deine Eltern dir eine große Hilfe sind? Du brauchst Unterstützung. Das schafft jedenfalls kein Mensch alleine.

    Ich hoffe du holst dir auch hier bei uns wieder mehr Rückendeckung.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Mir geht es genauso Sonnenschein!

    Ich fand es unmöglich was dir damals geschrieben wurde und ich verstehe, wenn du dich deshalb zurück ziehen oder dich hier nicht mehr öffnen willst.

    Du bist ja für dich selbst hier und nicht nur damit du anderen Mut machst.

    Ich würde aber jedenfalls sehr gerne weiter daran Teil haben wir es dir geht.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Liebe Marli,

    Mir kommst du vor wie eine Mutter, die zu Recht besorgt ist und deshalb versucht herauszufinden wie gefährdet ihre Kinder beim Vater sind.

    Ich habe letztens ein Buch gelesen, in dem zum ersten Mal in punkto Angehörige ganz klar stand: informieren Sie die Polizei, wenn ihr xy alkoholisiert fährt. Hatte ich in dieser Entschiedenheit vorher noch nie gehört und fand ich gut.

    In deinem Fall würde ich vermutlich mit dem Jugendamt sprechen. Es geht ja um Kindesschutz. Und selbst ohne Führerschein wäre das ja weiter eine Gefahr, so wie du schreibst.

    Ein Bekannter wurde tatsächlich von seiner Frau auf dem Heimweg mit seiner Tochter angezeigt - die hatten dann vor der Haustür auf ihn gewartet. Lappen weg. Hat er nie mehr bekommen. Ist auch einfach trotzdem weiter gefahren.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Luisa LingLang , das sehe ich bei mir beides überhaupt nicht.

    Ich nehme die Sucht meines Mannes nicht persönlich und mache auch ganz sicher nicht meinen eigenen Selbstwert davon abhängig.

    Und ich hatte auch kein süchtiges Elternteil und vorher auch keine anderen süchtigen Partner.

    Ich habe nochmal nachgedacht weshalb ich mich bisher nicht getrennt habe. Überspitzt gesagt: weil ich fest überzeugt bin, dass die Sucht eine grauenhafte Krake ist, die meinen Mann gefangen hält. Weil ich Sucht für eine Krankheit (des Gehirns) halte. Und nicht für eine willentliche Weigerung die Grundbausteine einzuhalten. 95 % Rückfällige bestätigen das.

    Und ich sehe nun mal mit eigenen Augen, dass es ihm überhaupt keinen Spaß macht zu trinken, sondern er dann zu einem verzweifelten hilflosen Menschen wird, der nur noch versucht zu überleben und wieder in eine Klinik zu kommen, die ihn aber monatelang warten lässt, weshalb dann irgendwann der Rettungswagen kommen muss.

    Weil er komplett aufblüht, wenn er nüchtern ist. Und ich sehe, dass er sich wünscht, dass das so bleibt. Er auch viel dafür tut. Und es trotzdem nie bei ihm reicht. Er mich niemals bedrängt oder etwas verlangt. Sich sehr schämt und immer wieder versucht alles wieder gut zu machen.

    Mit "ekelhaft" hatte ich in erster Linie gemeint, dass ein Alkoholiker sagt er trinkt "gerne", ohne irgendeine Form der Verantwortung für seine Angehörigen, auch Kinder, zu zeigen. Zu erwarten: dann geh' doch, wenn's dir nicht passt - anstatt dann SELBST zu gehen. Dem nicht-trinkenden Elternteil und Kindern die Wohnung zu überlassen. Sie nicht aus dem gewohnten Umfeld zu vertreiben.

    Dieses: "du kannst ja gehen, selbst schuld, wenn du bleibst", das ärgert mich sehr. Es verdreht die Tatsache, dass die Angehörigen hier "vertrieben" werden. Es wird keine Verantwortung für das Trinken und die Auswirkungen übernommen.

    Es heißt jeder hat "das Recht zu saufen". Mein Mann würde dieses Recht gerne abgeben. Er hat einen Zwang zu saufen. Aber wer meint es so toll zu finden saufen zu "wollen", der kann doch dann gehen und seine Angehörigen in Ruhe lassen und aufhören sie anzulügen.

    Mein Grund weshalb ich mit einem Alkoholiker zusammen gekommen bin war einfach Pech. Vielleicht noch, weil in meinem Umfeld schon immer viel Alkohol getrunken wurde, auch von mir. Und daher die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist einen Alkoholiker abzukriegen. Aber das stimmt wahrscheinlich auch nicht, denn gesoffen wird ja in allen Kreisen, auch dort wo es nicht vermutet wird.

    Ich nehme das jedenfalls genauso wenig persönlich wie wenn mein Mann eine Psychose entwickelt hätte. Die Zeiten, in denen noch von einer "schizophrenogenen Mutter" und solchen Zusamenhängen gesprochen wurde, sind ja zum Glück vorbei.

    Trotzdem muss ich raus aus dieser Dynamik. Also obiges bitte nicht falsch verstehen. Ich kann das aber indem ich nach Vorne schaue. Und ich muss dafür nicht zwangsläufig zuerst meine Persönlichkeit durchleuchten. Ich. Für andere ist das ja vielleicht anders. Manche sehen ja sogar eine "Chance in der Krise", weil es einen Anstoß gibt sich mit inneren Mustern etc. zu beschäftigen.

    Ich mag aber keine Verallgemeinerungen und pauschale Zuschreibungen über Cos insgesamt. Die außerdem längst wiederlegt wurden. Es gibt genauso wenig eine Co-Persönlichkeit, wie es eine Alkoholiker-Persönlichkeit gibt. Und ich will mir das auch nicht einreden lassen.

    Die Auseinandersetzung zum Thema Co-Abhängigkeit ist mir sehr wichtig. Denn es geht ja darum immer wieder entgegen meiner Emotionen zu handeln (Mitgefühl, Ängste, Hoffnung, Zweifel etc.) und dafür brauche ich meinen Kopf/mein rationales Denken. Für mich war das entscheidend, um damals auf "Autopilot" stellen zu können und auszuziehen.

    EllaDrei , du hast zum Begriff Co-Abhängigkeit angemerkt: "stattdessen werden teils Alternativen wie zB suchtbegünstigendes Verhalten bevorzugt."

    Das Wort "suchtbegünstigend" ärgert mich immer. Weil es suggeriert, dass die Co verantwortlich ist, wenn der Alkoholiker weiter trinkt. Und weil es nur diesen Teilaspekt heraus stellt. Also weil damit Co-Verhalten nur auf die Wirkung auf den Alkoholiker reduziert wird. Ihr eigenes Leid wirkt dann wie ein Kollateralschaden, als sei es bedeutungslos.

    Der Satz "Nicht-Hilfe als Hilfe" ist für mich das Selbe, nur anders herum. Ich bleibe Objekt des Geschehens, dass sich nur um den Süchtigen dreht.

    Morgenrot hat geschrieben: "Da wurde teilweise bis in die jüngste Vergangenheit noch die Mithilfe der Angehörigen quasi von Ärzten und auch Therapeuten vorausgesetzt."

    Das habe ich noch ganz konkret erlebt. Die Ärztin meines Mannes wollte, dass ich mit komme zu den (regelmäßigen) Gesprächen. Einmal habe ich (vor Jahren) z.B. bei ihr thematisiert, dass er mich angetrunken mit dem Auto von der Arbeit abholen wollte. Ich dann unsicher war, wie ich mich verhalte. Ich dann mitgefahren bin (das war sowas von Co!), weil ich dachte sonst trinkt er auf dem Rückweg noch mehr, und gefährdet andere. Das fand sie richtig!

    Heute weiß ich, dass die einzig richtige Antwort gewesen wäre: fahren Sie nicht mit und informieren Sie die Polizei.

    Ich selbst habe in der Auseinandersetzung mit meinem Co-Sein hier im Forum sozusagen verschiedene Phasen durchlaufen.

    1. Zuerst konnte ich mit dem Begriff Co-abhängig für mich selbst wenig anfangen. Er kam mir eher vor wie eine "Ausrede" weshalb ich mich nicht trenne. Ich habe das nicht als Stigma gesehen, sondern diese typischen Verhaltensweisen fand ich für mich insgesamt unpassend. So ähnlich wie PetraPetra das oben beschrieben hat.

    2. Durch die intensive Auseinandersetzung hier fand ich dann aber alle möglichen Parallelen zwischen süchtigem Verhalten/Denken und meinem, vor allem z.B. das Gedankenkreisen (das es aber schon viel früher bei mir gab).

    3. Mir ist dann jedoch klar geworden, dass dies eine typische Bias war. Und vor allem, dass dieses "ich bin ja auch süchtig" eine Gemeinsamkeit generiert. Die mich fest hält. (nur zur Sicherheit: diese Erkenntnis steht in keinem Buch - die kam mir selbst und bezieht sich auf mich).

    Es hatte sowas von: wir beide müssen an uns arbeiten - da fange ich doch bei mir an. Da war ich dann wieder beschäftigt. Zwar nicht mit seiner, sondern mit "meiner" Sucht. Und habe eine (vermeintliche) Gemeinsamkeit nach der anderen gefunden und mich gefühlt, als sitzen wir ja doch in einem Boot. Abgrenzung ist was anderes finde ich.

    4. Mittlerweile sehe ich mein Co-Verhalten schlicht als Reaktion auf das Zusammenleben mit einem Süchtigen. Ich sehe es bei mir nicht als Wesenszug. Auch nicht als Verhaltensstörung. Und schon gar nicht als Sucht.

    Zu sehen wie ein Mensch, mit dem ich mein halbes Leben verbracht habe, sich in rohen Mengen Nervengift rein schüttet, und nicht zu versuchen das zu stoppen, wäre aus meiner Sicht ebenfalls schräg. Denn: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

    Ich denke es ist ein Dilemma, in dem es keine gute Lösung gibt. Der Psychiater damals hat es auf den Punkt gebracht, als er zu mir meinte: "Wenn sie gehen stirbt einer, wenn Sie bleiben sterben zwei".

    Ich wundere mich immer, wenn Trennung als einfache Lösung präsentiert wird. Ich bin ja nicht einer dieser Affen, die ab dann nix mehr sehen, hören, (fühlen). Das Problem, dass mein Herzensmensch sich vernichtet, bleibt ja trotzdem. Das kann ich nicht ausblenden, ob getrennt oder nicht. Das berührt mich.

    Vielleicht ist das anders bei Menschen, die Beziehungen funktional sehen.

    Meine bodenständige Schwester hat das letztens auf den Punkt gebracht: "Da kommst du nicht raus aus der Nummer, auch wenn du dich trennst, ihr seid schon viel zu lange zusammen, er bedeutet dir ja trotzdem was...sie denkt nach...sucht nach passenden Worten... dann bricht es raus: Es sei denn du sagst "Leck' mich doch am Ar*** , Scheidung und fertig".

    Recht hat sie.

    Diese Gleichgültigkeit werde ich aber nicht auf bringen. Denn das trifft es für mich auf den Punkt:

    SummerSun : "weil ich einfach sehe wie ein Mensch, den ich mal sehr geliebt habe sich vollständig vernichtet."

    Sternie : "Dieses Gefühl, dass ich den Menschen, den ich immer noch liebe (also den nicht betrunkenen), im Stich lassen".

    Wäre mein Mann so ekelhaft wie es hier teilweise bei den Alkoholikern rüber kommt, dann wäre es "leicht" einen emotionalen Schlusstrich zu ziehen.

    Bei der ganzen Dynamik geht es für mich weniger um mein äußeres Verhalten, ob ich jetzt Flaschen gesucht oder an die Vernunft appelliert habe oder so. Es geht um meine Emotionen und meine eigenen Motive.

    Wie ich mit der Situation letztlich umgehe, hängt natürlich von mir selbst ab, von meiner Sozialisation, meiner eigenen Persönlichkeit, meiner inneren Klarheit, meinem Wissen, meinem Gefühl von Selbstwirksamkeit, meiner sozialen Unterstützung, Vorbildern etc.

    Die Ähnlichkeit der 'Geschichten' hier im Forum, kommt meiner Ansicht nach jedoch in erster Linie durch die Ähnlichkeit der Süchtigen im Hinblick auf das Trixen, Täuschen, Lügen etc.

    Diese Ähnlichkeit in der Reaktion der Cos zeigt mir, dass es kein individuelles 'Fehlverhalten' ist.

    Den Begriff Co-Abhängigkeit, als Arbeitsbegriff zu sehen, so wie EllaDrei geschrieben hatte, gefällt mir. Je nachdem ob ich aus der Rückschau betrachte oder mittendrin stehe oder gerade durch eine Trinkpause beruhigt bin, hat sich übrigens auch mein Blickwinkel verändert.

    Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass ich kein Sisyphos mehr bin, sondern aufgebe. Weil es nichts bringt. Ich lass' den Stein rollen.

    Das äußere Handeln finde ich mit diesem Wissen vergleichsweise "leicht". Denn mein Verhalten kann ich durch mein Bewusstsein steuern, auch entgegen meinem Gefühl.

    Der innere Ablösungsprozess fühlt sich für mich hingegen sehr viel schwerer an.

    Ich hab nochmal nachgedacht über diese "inneren Muster" von denen hier so oft geredet wird. Ich konnte so wenig damit anfangen, weil ich fand, dass das doch zum Großteil diese "typisch weiblichen" Eigenschaften sind, die aus der eigenen Sozialisation erfolgen. Und die ich doch auch gar nicht missen will. Wie Hilfsbereitschaft, ganzheitliche Betrachtung, Einfühlungsvermögen und so weiter. (natürlich gibt's das auch bei manchen Männer)

    Und dass diese Eigenschaften in unserer testosterongeprägten und leistungsorientierten Kultur aber nun mal abfällig bewertet werden.

    Ich dachte, Mensch, ich will mich da aber ja gar nicht anpassen. Ich bin doch gerne so wie ich bin. Und es kommt ja nur auf die Dosis an. Nach dem Motto:

    Helfen ist gut, nur nicht bis zur Selbstaufgabe.

    Mich in andere rein versetzen ist gut, solange ich dadurch nicht meine eigenen Bedürfnisse übergehe... und so weiter.

    Durch das Forum ist mir jetzt aber aufgegangen, dass es bei einigen Cos doch auch richtig schädliche generelle innere Muster zu geben scheint, die selbstzerstörerisch sind. Die sozusagen 'ganz weg müssen'.

    Die wurden zum Beispiel benannt als: 'ich muss lernen meiner Wahrnehmung zu vertrauen'. Das war mir aber immer zu abstrakt. Und ich denke es geht auch weit darüber hinaus. Das ist aber ganz konkret zum Beispiel:

    Blauäugigkeit, sich-klein-machen, eine übergroße Suche nach Verständnis und Lob, anderen blind vertrauen, Angst Kritik zu äußern - aus Angst vor Gegenaggression oder Unsicherheit ob es auch 'wirklich' stimmt, Naivität, eigene Verletzungen nicht ernst genug nehmen, Übergroße Bereitschaft sich selbst zu kritisieren und den Fehler bei sich zu suchen, Unterwürfigkeit, Schön-Reden, immer wieder versuchen Unpassendes passend zu machen, Harmonie-Sucht, sich ein A für ein O vormachen lassen...

    Mir kam das Märchen von den Sieben Geißlein in den Kopf (okay ich hab am Sonntag auch Tatort geguckt ; ) mit der Frage: hat der Wolf nur Kreide gefressen?

    Dazu gibt es ja unzählige Märchen und Metaphern. Der Wolf im Schafspelz. Rotkäppchen etc.

    In der italienischen Version von Rotkäppchen befreit es sich durch ihre eigene Schlauheit SELBST. Das gefällt mir. Vielleicht sollte ich auswandern.

    Dieser Faden hat die Überschrift: Fragen an die Angehörigen.

    Nicht: Fangfragen an die Angehörigen. Oder: Rhetorische Fragen an die Angehörigen.

    Ich kann Fragen auch dazu benutzen, um meine Meinung auszudrücken. Dann interessiert mich die Antwort weniger, ich will auf etwas bestimmtes hinaus.

    Diesen Faden zu benutzen , um andere Beiträge in Frage zu stellen wie hier:

    Gestern oder vorgestern war hier ein für mich sehr seltsamer Fall.

    finde ich nicht okay. Ich weiß nicht um wen es geht, aber wenn ich diese Person wäre, würde ich das mehr als befremdlich finden.

    Auf zwei Ausagen/Fragen möchte ich eingehen:

    warum reicht Dir dafür nicht Dein eigenes Leiden an der Situation? Jetzt lasse ich mal alle Spekulationen, sondern frage einfach offen.

    Gut, dass du einfach offen fragst. Denn wenn du die Antwort ja schon weißt (Spekulationen), dann bräuchtest du ja nicht zu fragen.

    Ich leide ja nicht kontinuierlich. Unterm Strich war es insgesamt gut. Erst als es komplett gekippt ist, war der Punkt erreicht. Und das war ein schleichender Prozess. Und:

    dass da zwei Leute völlig unterschiedliche Interessen und Wertvorstellungen haben.

    Bei meinem Mann ist es knallharte Sucht. Er trinkt nicht, weil das sein Hobby ist. Das hat nichts mit "Interesse und Wertvorstellungen" zu tun.

    LK, bei dir lese ich das aber tatsächlich anders. Du sagst, dass du trinken wolltest. Und dann auch problemlos aufhören konntest. Das kommt mir eher ungewöhnlich vor. So eine klare Haltung würde vieles erleichtern.

    Ich bin dann hier raus. Und wünsche einen konstruktiven Austausch.

    Bei mir ist es so, dass mein Mann das so nicht sagt: er will trinken. Sonst wäre es für mich sehr viel einfacher. Es sieht auch nicht so aus, als würde es ihm Spaß machen, wie bei dir früher Lebenskuenstler (also so habe ich dich verstanden).

    Hier im Forum bekomme ich oft mit, dass die Alkoholiker teils nicht locker lassen, lügen, trixen, Versprechungen machen, Trinkpausen machen etc.

    Wenn einer in Ruhe trinken will, dann könnte er ja auch genauso gut selbst gehen. Also ich habe den Eindruck es ist sozusagen oft ein doppelseitiges Klebeband.

    Kann aber auch sein, dass Leute aus "Kümmerberufen" eher solche Gruppenangebote annehmen?

    Ich selbst hänge jedenfalls immer sehr an dem Begriff 'Helfen'. Ich habe das nie so im engeren Sinn erlebt. Ich wollte es 'Stoppen'. Damit der Wahnsinn aufhört.

    Anzuerkennen, dass ich nix machen kann - das war für mich ein wesentlicher Punkt. Das fällt mir immer noch schwer.

    Ich bin sehr ambivalent, wenn ich den Begriff Co-abhängig benutze. Ich finde es gut, dass damit sofort klar ist, um was es geht. Ich fühle mich aber nicht abhängig oder gar süchtig. Ich kann sehr gut alleine sein. Mag meine innere Stille. Kann mich super selbst beschäftigen. Und solange ich nicht denken muss, dass mein Mann jetzt vielleicht gerade einen Hirntod erlebt, ist auch das Gedankenkreisen gestoppt.

    Aber auf jeden Fall richte ich mein Leben trotz eigener Wohnung noch viel zu sehr nach ihm aus und Cadda hat in ihrem Beitrag voll ins Schwarze bei mir getroffen.

    Ich sage meist: Co- Verhalten. Oder Co-Sein (im Sinne von zusammen sein mit einem Alkoholiker) oder einfach kurz Co. Und sehe diese typischen Verhaltensweisen als Reaktion auf die dauerhafte Belastung, die damit einhergeht. Die zu Hilflosigkeit und Wut führt, so dass ich irgendwann ausgebrannt war. Und die ich versucht habe durch die falschen Mittel zu bewältigen.

    Warum habe ich das gemacht? Zum einen , weil vieles, was ich getan, gesagt, in die Wege geleitet habe, ja auch immer wieder vermeintlich "funktioniert" hat. "Ich" hatte immer wieder "Erfolg". Und er war mir "dankbar". Auch das Umfeld hat mich gelobt. Er hat auf mich einen hilflosen Eindruck gemacht. "Er ist krank, er kann doch nichts dafür".

    Da greift dann der eigentlich gesunde Mechanismus, dass ich helfe, wenn jemand krank ist. Dass ich Verständnis habe. Dass hier das Gegenteil erforderlich ist läuft gegen das, was ich sehe, erlebe, bisher vermittelt bekommen habe und sonst eigentlich ja auch angemessen ist.

    Ich bin weiblich sozialisiert. Ging zum Beispiel damit los, dass in der Grundschule die braven Mädchen oft neben die frechen Jungs gesetzt wurden, um die damit zu bremsen.

    Eigenschaften, wie Empathie, Abwägen, Hilfsbereitschaft, die ja eigentlich gut sind und die ich gar nicht missen will - sind aber im Zusammenhang mit Sucht unpassend.

    Dann gab es bei mir diesen schleichenden Prozess. Mein Mann ist Spiegeltrinker. Exzesse gab es sehr viele Jahre gar nicht. Er war "wie immer".

    In den ersten Jahren konnte ich das Trinken so gut ausblenden, weil ich auch selbst ambivalent war. Dass er abstinent wird, das war mir selbst nicht wirklich recht, denn ich wollte ja selbst noch Alkohol trinken können. Ich wollte, dass er kontrolliert trinkt.

    Tja, und dann kam die erste, zweite drittel, vierte Reha und viele stationäre Entgiftungen. Für mich hieß das nicht: es ist hoffnungslos. Sondern: er bleibt ja am Ball, er macht ja was, er will es doch selbst schaffen. Mir wurde in den Angehörigen-Beratungen auch immer gesagt, dass Rückfälle nun mal dazu gehören.

    In der ersten Klinik-Beratung wurde ich schwer kritisiert, weil ich vorher in seinem Beisein getrunken hatte (als er selbst noch getrunken hat). Das Haus müsse alkoholfrei sein. Ich hätte die Schwere der Erkrankung verleugnet.

    In der zweiten wurde mir vorgehalten, es sei Co-Abhängig dass ich in seinem Beisein nicht trinke, denn schließlich sei er abhängig und nicht ich.

    Danach war mir dann alles egal. Ich wollte vorher immer alles "richtig" machen. Aber ab dann dachte ich, ich handele jetzt nur noch so, wie es sich für mich gut anfühlt und ob das jetzt suchtfördernd ist oder nicht, das ist sein Problem.

    Es gab sehr gute Zeiten. Dann hätte ich zwar die Kraft gehabt zu gehen, aber habe keine Veranlassung gesehen - war ja wieder gut. Und in den schlechten Zeiten, hat es mich dann so belastet, dass ich mich wie gelähmt gefühlt hatte und zu erschöpft war, um zu handeln.

    Damit mir das nicht mehr passiert, hatte ich mich dann hier angemeldet. Geholfen hat mir dann im entscheidenden Moment den Autopilot anzumachen, meine Gefühle zu ignorieren und rein sachlich und rational zu handeln. Auch wieder etwas gegen meine Überzeugung, die eigenen Gefühle doch ernst zu nehmen. Dem Bauchgefühl zu vertrauen.

    Aber Sucht stellt alles auf den Kopf. Das macht es so schwierig für mich. Dafür musste ich erst mal ganz viel verstehen, hier lesen, am Ball bleiben.

    Erst mal vorweg eine Bitte: ist es möglich, dass hier nur selbst Betroffene schreiben?

    Wenn nicht dann reicht ein Nein. Will es nicht diskutieren.

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    Ich finde den Begriff Co-Abhängigkeit insofern wichtig, um das eigenständige Leid der Angehörigen sichtbar zu machen und ernst zu nehmen. Bevor es diesen Begriff gab, ging es immer nur um die Alkoholiker. Er kommt aber halt aus den 50er Jahren mit den entsprechenden damaligen Wertungen.

    Ella meinte der Begriff Co-Abhängigkeit ist für sie ein "Arbeitsbegriff". Das gefällt mir.

    Ich selbst stelle mir folgende Frage:

    Wenn ich das Trinken meines Mannes ignoriere, mich selbst weiter in den Mittelpunkt stelle, nicht diskutiere, nicht aktiv versuche Einfluss zu nehmen, nichts entschuldige...bin ich dann nicht Co, obwohl ich mit ihm zusammen lebe? So war es bei mir ja viele Jahre.

    Ich finde das aber im Nachhinein trotzdem schräg. Nicht nach den offiziellen "Kriterien". Aber ich habe es ja dennoch toleriert. Habe das Feigenblatt der Normalität erhalten. Den Ernst der Lage ignoriert. Bei mir hat es wahrscheinlich noch nicht genug "weh getan".

    Vielleicht geht es nur darum, ob ich bleibe, obwohl ein Leidensdruck bei mir entsteht. Bei mir ging es los, als ich Angst um sein Leben bekommen habe. Das ruft mich auf den Plan. Da bröckelt meine Abgrenzung.

    Guten Morgen,

    Ich bin ja eine gute Schön-Rednerin, kann mir Situationen so zurecht basteln, dass ich alles-nicht-so-schlimm finde. Ein Grund so lange in meiner Beziehung geblieben zu sein. Aber ich sag es jetzt trotzdem:

    Ich habe den Eindruck es gibt hier ein gehöriges Kommunikationsproblem. Also rein sachlich-inhaltlich gemeint.

    Beispiel: Der Satz "Ich weiß nicht ob ich plötzlich hier im falschen Forum bin" heißt meinem Verständnis nach:

    Dieses Forum war bislang mein sicherer Hafen, der mir so sehr geholfen hat. Und jetzt fühle ich mich hier angefeindet und beleidigt. Wie kann das sein.

    So könnte ich jetzt seitenlang weiter schreiben. Und dann dreht sich alles weiter. Das bringt nichts.

    Bei manchen Beiträgen ist es aus meiner Sicht nicht nötig drauf einzugehen, weil sie sich schon selbst diskreditieren.

    Hier wurde mehrfach die Außenwirkung angesprochen. Als neue Co würde mich die aktuelle Umgehensweise jedenfalls komplett abschrecken.

    Ich selbst werde jetzt nicht mehr versuchen irgendwas zu entzerren. Sonst verheddert sich alles immer mehr.

    Kommt mir gerade vor wie Satire. Aber dafür ist das Thema zu ernst.

    Ich finde es super, dass es einen themenbezogenen Faden gibt. Vielleicht hat jetzt aber niemand mehr Lust da zu schreiben. Dann ist es so.

    Bitte keine rückwärtsgewandten Antworten. Bringt nichts. Ich schaue nach vorne.