Beiträge von Leli

    Liebe Rennschnecke,

    auch von mir herzlichen Glückwunsch zum ersten halben Jahr ohne - da werden noch viele Folgen!

    Gut, dass du dich ein wenig besser fühlst und analysieren konntest, was da los ist. Ehrlich, wir leisten viel, wenn wir aufhören zu trinken und was jahrelang in unser Verhaltensmuster geprägt ist, ist nicht so schnell wieder wegzubügeln, aber es wird!

    Ich finde, wir erwarten viel, nämlich am Besten, dass wir sofort und immer glücklich sind mit unserer Entscheidung und Abstinenz. Wir wissen bewusst, dass es richtig ist und wir sind glücklich darüber, aber das ist nur eine Seite der Medaille. Die unbewusste Seite braucht etwas länger, um diese Entscheidung genau so glücklich mitzutragen.

    Leli

    Da war ich jetzt aber lang ‘untergetaucht’ und hab gar nichts von mir hören lassen.

    Wir waren ein bisschen im Urlaub und es war nett! Ein Tapetenwechsel tut manchmal wirklich gut, daheim denkt man doch noch viel an Dinge, die man noch erledigen könnte oder müsste, anstatt einfach abzuschalten.

    Im Kontakt mit der Hausverwalterin fragte sie mich, was sie uns zur Begrüßung Gutes tun könnte, vielleicht eine Flasche Wein? Ich habe geantwortet, dass wir keinen Alkohol trinken, aber uns über Schokolade sehr freuen. Ich bin stolz auf mich! Der Urlaub selbst hat nichts in mir getriggert; wir haben uns selbst versorgt, waren nur zweimal aus zum Essen mittags, natürlich mit Mineralwasser. Worüber ich nachgedacht hab ist, warum Urlaub/Reisen bei so vielen problematisch ist. Ich finde es für mich eher schwerer daheim, denke häufiger ans Trinken als ich es im Ferienhaus tat. Bitte nicht missverstehen, daheim denke ich nicht ‘Will trinken’, aber dieses ‘du hättest jetzt’; es ist präsenter. Urlaub hatte für mich aber noch nie was mit Party oder es mal ordentlich krachen lassen zu tun, im Gegenteil, wenn ich über vergangene Urlaube nachdenke, habe ich da fast gar nichts getrunken, mal ein Glas. Nie besoffen wie daheim. Mir fehlt da vermutlich wirklich die Verknüpfung.

    Ich hatte noch ein paar andere Gedanken, da werd ich nach und nach etwas zu schreiben. Eins davon ist Begriffe, wie bezeichnen wir uns. Alkoholiker, trocken, abhängig, krank…

    Leli

    Danke danke, ihr Lieben!

    Ich denke, es wird auch bei mir sicher der Punkt kommen, wo ich hadere oder wo mir nicht trinken schwerfallen wird und da hoffe ich auf Rückhalt hier, von meinem Mann und meiner Therapeutin.

    Fleißig lesen tu ich hier nach wie vor, traue mich aber nicht wirklich, mich einzubringen und viel zu berichten von mir hatte ich auch nicht oder es kommt mir nicht erwähnenswert vor, weil meine Probleme und Gedanken sehr gering und zahm sind, im Vergleich zu anderen. Vielleicht sollte ich das ändern. Also das Schreiben, nicht den ‘Schwierigkeitsgrad’

    Leli

    Ach ja, das wollte ich auch noch erzählen. Ich gehe nach wie vor noch zu meinem Hausarzt, aber jetzt nur noch einmal die Woche. Plus dem wöchentlichen Termin bei der Therapeutin.

    Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber ich hab für mich das Gefühl, dass diese Betreuung (oder Kontrolle) mir auch massiv hilft, das alles so ‘leicht’ zu nehmen. Bei Saufdruck kommt mein inneres ’Nein’ und der Entschluss, erstmal mit jemandem zu reden, ehe man was Dummes macht.

    Jetzt hab ich hier ja einige Tage nicht geschrieben!


    So weit ist alles gut, ich bin nach wie vor trocken und mir fällt auf, dass ich viel mehr im hier und jetzt bin. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich keinen Gedanken ans Trinken hab, aber sofort kommt eine Stimme mit einem klaren ‘Nein’ und der Feststellung, dass ich auf den vernebelten Zustand und auch auf den vernebelten Folgetag keine Lust mehr habe. Ein Inneres ‘will ich nicht’.

    Ich habe jetzt den ersten alkoholfreien Monat geschafft und bin stolz drauf. Jeden Abend markiere ich den Tag als trocken in meiner App und fülle die Bemerkungen zu Stimmung, Saufdruck, Energie und Schlaf aus, ein kleines Ritual, dass mich irgendwie freut!

    Leli

    Die ordentlichen Runden haben wir schon vorher gemacht - nur einer hat dabei gelitten und das war nicht der Hund! :P
    Es fühlt sich wirklich besser an und ist richtig schön.

    Zu den Schuldgefühlen und der Scham. Ich denke ja nicht bewusst darüber nach, sondern irgendwann keimt so ein Erinnerungsfunken auf. Mein Unterbewusstsein arbeitet sich mit meinem Alkoholkonsum ab und vielleicht ist das ein Weg, schlummernde Zweifel abzutöten, dass ich mir nochmal alles vor Augen führe, und sei es auch noch so lang her. Denn neben einem ‘Ich kann nicht mit Alkohol umgehen und es eskaliert’, muss ich ein klares ‘und das war schon immer so und wird sich nie ändern!’ hinzufügen.

    Nicht missverstehen, ich habe keine bewussten Gedanken an ‘vielleicht könnte ich irgendwann’, ich will ja gar nicht mehr. Ich kann mir nur vorstellen, dass einem das Suchthirn oder Suchtgedächtnis an einem Punkt einen Strich durch die Rechnung machen möchte, dessen man sich vorher nicht gewahr war.

    Ich erinnere mich, dass es damals beim Rauchstopp ähnlich war; ich hatte meine lange Liste an Gründen und ich hab mich nicht rauchend so gut gefühlt, trotzdem kam mal der Gedanke auf ‘Du könntest doch nur mal eine…’. Vieles ist eben mit Situationen verknüpft die ein bestimmtes Gefühl vermitteln, das vielleicht positiv war. Das ist beim Trinken ja nicht anders, nur dass einem positiven Moment hunderte negative entgegenstehen - von allen gesundheitlichen Implikationen ganz abgesehen.

    Leli

    Ja, wegen der Scham. Das kam so plötzlich… Gerade weil das, woran ich mich erinnert hab schon so lange her ist.

    Dem Hund geht es gut. Ich glaube , der ist auch happy, dass ich nicht mehr verkatert hinter ihm her schlurfe!!

    Gestern war ein doofer Tag. Keine Sorge, es war kein Gedanke ans Trinken oder Saufdruck, aber aus der Kalten kamen Gedanken hoch an die vielen Filmrisse und wie ich mich benommen hab, wenn ich betrunken war. Situationen, die gut 15 Jahre zurückliegen sogar… Ich schäme mich so. Ich hab niemandem was getan oder irgendjemanden beleidigt, die Scham ist da, weil ich einfach so die Kontrolle und mein Bewusstsein weggesoffen habe. Ich will das nie wieder erleben. Die Erinnerungen sind gut, um nicht den Fokus zu verlieren und um mir bewusst zu bleiben, warum ich etwas nicht mehr möchte.

    Leli

    Danke für deine Worte, Stern!

    Ich freu mich einfach auf den Tag, and dem ich das wieder machen kann ohne seltsames Gefühl und bis dahin mache ich einfach Sachen, die nichts triggern. Ich war zum Beispiel Schwimmen - Ablenkung, Beschäftigung und was für die Gesundheit getan!

    Am besten, Du lässt auf jeden Fall das Geld zu Hause. Kannst Du eventuell die Runden auf früher verlegen und die Abendrunde übernimmt dann Dein Mann?

    Das klappt leider nicht, er ist so oft auf Dienstreisen oder noch spät beschäftigt, dass das keine Lösung ist. Wenn er Zeit hat, gehen wir aber gemeinsam und dann ist es auch anders. Es wäre schön, wenn ich es vermeiden könnte, geht aber leider nicht.

    Ich fürchte, das ist ein Punkt wo ich stark sein muss und mich ‘einfach’ durchkämpfen. Es ist jetzt auch nicht soooo arg, aber ich merke, dass ich da ein Muster geschaffen habe.

    Trotzdem: Egal wie oft ich denke ‘sonst hab ich aber’, es wird nichts gekauft, weil ich keinen Alkohol mehr trinke!

    Leli

    Ich bin froh, dass ich vollstes Verständnis von meinem Mann habe in dem Punkt und nicht jemanden, der versucht dagegenzureden.

    Irgendwann wird das auch wieder gehen, ich glaube, ich hab es gestern schon geschrieben, es läuft nicht weg. Aber ich werde es mit der Therapeutin besprechen und habe es mir in ein kleines Notizbuch geschrieben. Letzteres mache ich, weil ich gern herausfinden möchte, welches meine Trigger sind; sei es für den Griff zur Flasche (Alleinsein, Angst…) oder um ein craving auszulösen (Restaurantbesuch…). Einkaufen gehen z.B lässt mich kalt. Dafür denke ich oft auf meiner letzten Gassirunde mit dem Hund ans Trinken - häufig bin ich danach noch beim Supermarkt vorbei und habe Wein gekauft. Die Gassirunde kann ich nicht vermeiden, das ist ein Punkt, wo ich dann einfach durch muss, fürchte ich. Der Hund kann ja nicht meinetwegen einhalten und ich hoffe einfach, dass es mit der Zeit besser wird. Nicht missverstehen: Ich muss nicht hart an mich halten, um nicht im Supermarkt zu enden. Es ist ein wenig dieses nervöse Gefühl und der Gedanke, dass ich sonst oft Wein geholt habe danach. Es spielt auch keine Rolle, ob ich zu Fuß losgehe und in der Nähe meine Runde drehe oder ob ich mit dem Auto etwas weiter fahre. Also muss ich durch.

    Ich hoffe, es ist wie beim Rauchen und irgendwann sind die Gedanken einfach weg. Ich sehe da ein paar Parallelen im Suchtgedächtnis und beim Rauchstopp wurde das über Wochen langsam weniger, schleichend und irgendwann dachte ich ‘Wow, ich hab seit einer Ewigkeit nicht an eine Kippe gedacht.’

    Da ist eine weitere Parallele: Neben den gesundheitlichen Aspekten hat mich das Gefühl von fremdgesteuert sein genervt. Ich habe meinen Tagesablauf so geplant, dass immer noch Zeit fürs Rauchen war zwischendurch. Ein Termin? So planen, dass ich noch eine rauchen kann davor. Reisen waren die Hölle, elf Stunden nicht rauchen wegen eines Fluges. Mit dem Trinken ging es mir zuletzt auch so. Überlegen, ob ich abends trinken kann oder ob ich am nächsten Tag früh raus muss und nicht verkatert sein kann. Zwanghaft Alk kaufen müssen und trinken, obwohl ich eigentlich nicht wirklich wollte. Nicht aufhören können…

    Möge es alles Vergangenheit sein.

    Leli

    Danke Elly und Twizzler!

    Leider ist Essen bestellen hier kein Ding - wir wohnen etwas abgeschieden und es gibt keine Lieferdienste. Ist ja aber auch nicht schlimm, wenn ich in ein paar Wochen oder Monaten gefestigter bin, können wir auch wieder ins Restaurant - das rennt ja nicht weg.

    Ja, ich mag das Bauchgefühl in solchen Situationen nicht ignorieren, es wird sicherlich Situationen geben, in denen ich mich durchbeißen muss (Job z.B.), weil vermeiden nicht ohne weiteres geht, aber dafür kann ich es mir in anderen Situationen einfacher machen.

    Ich denke, vermeiden ist besser als konfrontieren, oder? Zumindest am Anfang.

    Zeit für ein Resümee.

    Eigentlich wollten mein Mann und ich heute etwas essen gehen und sofort bin ich irgendwie kribbelig geworden und musste ans Trinken denken. Wir sind dann daheim geblieben und ich hab mich mit Kochen abgelenkt. Es hat geklappt und ich bin dankbar, dass es vorbei gegangen ist und noch viel mehr, dass ich einfach zu meinem Mann sagen kann, dass ich kribbelig werde und wir besser daheim bleiben.

    Das ist also erstmal nicht drin, auch wenn ich im Restaurant nie wirklich gesoffen habe. Mal ein Glas Wein ja, mal gar nichts. Letzteres sogar häufiger als ersteres. Vermutlich ist es einfach das ‘könnte’. Es war jetzt nicht sooo heftig, aber ich bin noch so frisch dabei, ich mag nicht irgendwo hingehen und mehr mit mir beschäftigt sein, als mit allem anderen. Das muss jetzt warten, die Zeit auswärts essen zu genießen kommt sicher auch wieder.

    Leli

    Ich bin frisch dabei, habe also keine Langzeiterfahrung. Mein Plan ist zu sagen, dass ich nicht trinke. Keine Erklärungen, ich erkläre auch niemandem, warum ich nicht rauche oder keine anderen Drogen nehme. Mir Ausreden ausdenken mag ich nicht, aus den von dir beschriebenen Gründen. Ausrede heißt, man wird wieder gefragt.

    Nahestehenden Menschen werde ich offen gegenüber sein, aber ich werde es nicht jedem sagen.

    Umgekehrt habe ich nie nachgefragt, wenn jemand ein Getränk abgelehnt hat. Das ist aber auch in meinem gesamten Freundeskreis so. Wenn wir unterwegs waren/sind wird eher gefragt ‘Was möchtest du trinken?’ und wenn die Antwort ‘Wasser/Cola/Fanta/gar nichts’ ist, wird auch nicht nachgefragt oder versucht, jemanden von Alkohol zu überzeugen. Darüber bin ich sehr froh.

    Denn für Alkoholiker ist ein „normaler“ Umgang mit Alkohol nicht möglich. Das wäre ja der Versuch, kontrolliert zu trinken. Und genau das können Alkoholiker nicht (sonst wären sie keine Alkoholiker).

    Das ist, was ich denke. Wenn ich es mit 'ah, ich mag es nicht mehr übertreiben' irgendwann unter Kontrolle bekommen hätte, wäre ich nicht hier. Hab ich aber nicht und wenn mehrmalige Versuche über kurz oder lang immer wieder zum gleichen Ergebnis führen, muss ich den Ansatz ändern. Weniger geht nicht, also eben gar nix.

    Viele schlagen hier mit dem Hintergedanken auf, irgendwann gehe doch noch mal was mit dem Stoff. Dieser geheime Trinkvorbehalt ist ein Grund für zahlreiche Rückfälle. Nach längerer Zeit fühlten sie sich geheilt und meinten, jetzt könnten sie doch mal wie ein Normaler etwas trinken.

    Den Gedanken habe ich nicht. Mir ist klar, wenn ich wieder etwas trinke, bin ich in ein paar Tagen/Wochen/Monaten/Jahren genau wieder an dem gleichen Punkt wie vorher. Und genau den Zustand will ich ja nicht mehr.

    Leli

    Danke an alle übrigens, die meine posts lesen, reagieren, antworten!

    Gestern war ich zum einen so beschäftigt, dass ich gar nicht recht Zeit gefunden habe, zu schreiben und zum anderen hatte ich nicht wirklich etwas zu berichten, der Tag war ereignislos in Hinsicht auf mein Trinkverlangen. Aber ich habe mich durch ein paar der anderen Threads und Berichte gelesen.

    Was ich herausgelesen habe ist, dass Leute zum Teil im Hinterkopf den Gedanken oder die Hoffnung haben, dass sie irgendwann zum Alkohol zurückkehren könnten, mit einem normalen Trinkverhalten. Ich habe über meine Haltung dazu nachgedacht, in mich hineingehorcht: Ich weiß für mich, dass das nicht möglich ist. Und wichtiger: Ich will das nicht. Es ist ja nicht so, dass wir nicht alle probiert hätten, einen 'normalen' Umgang mit Alkohol zu finden, was auch immer normal sein mag. Hätte es geklappt, wären wir nicht hier. Für mich hat es immer für eine gewisse Zeit funktioniert, sei es den Konsum komplett einzustellen oder runterzufahren. Dann ist es aber immer wieder mehr geworden, bis ich dann wieder nicht mehr stoppen konnte, wenn ich einmal angefangen hatte. Ja, hätte ich *das* unter Kontrolle...daaaaaann. Hab ich nicht, hatte ich nicht und ich will es auch gar nicht versuchen, weil es wie alle anderen Male zuvor zum Scheitern verurteilt ist.

    Leli

    Zeit für ein abendliches Resümee!

    Ich hatte einen guten Tag, ich hab mich gut ausgeruht, war mit dem Hund draussen (auch wenn das Wetter furchtbar war). Ich hab im Forum gelesen, im Internet... Ein Tag ohne besondere Vorkommnisse.

    Ich habe darüber nachgedacht, wie mein komplett alkoholfreies Leben nun aussieht, wie mein Umfeld reagieren wird, was ich sagen will und vor allem, wem. Mit den Gedanken bin ich noch nicht am Ende, ich denke, das wird auch noch eine Zeit dauern. Erstmal kümmere ich mich um mich und dann um den Rest!

    Gute Nacht wünscht
    Leli