Hallo Abstinenzler,
ich schreibe oft hier, weil ich zwischen deiner Vergangenheit und meiner eigenen viele Parallelen sehe und mich gut in deine Situation hineinfühlen kann.
Zunächst möchte ich etwas erzählen: Als ich vor anderthalb Jahren komplett mit dem Alkohol aufgehört habe, waren da viele schöne und zuversichtliche Gedanken in meinem Kopf – aber auch eine ganz bestimmte Angst. Eine Angst, die sich so anfühlte, als würde ich mich von meinem Kind verabschieden und es nie wiedersehen.
Nach und nach habe ich verstanden, dass das nichts anderes als das dumme Gelaber der Sucht war, die mich zu solchen Gedanken gezwungen hat. Mit der Zeit – wenn man wirklich begreift, was Alkoholismus bedeutet und sich wirklich trocken fühlt – merkt man erst, was für ein absoluter Bullshit das war. Diese Vorstellung von endgültigem Abschied, Schmerz, Trauer und all dem.
Heute ist, so wie ich denke, dein erster nüchterner Jahreswechsel seit langem. Halte dich von Alkohol fern und von allem anderen, was dich in irgendeiner Form verleiten, triggern oder sonst irgendwie runterziehen könnte.
Und morgen ist der 1. Januar. Der erste nüchterne 1. Januar. Ein Tag, an dem du nicht denkst, dass dir gleich der Schädel wegfliegt, und an dem du nicht versuchst, dich verzweifelt zu erinnern, was am Vortag passiert ist oder ob du irgendetwas Peinliches gemacht hast.
Stattdessen ist es ein Tag, an dem du einfach an die frische Luft gehst, tief durchatmest und stolz auf dich sein kannst. Ein Tag, an dem du Freiheit spürst. Dieses typische „1.-Januar-Gefühl“, das sich über all die Jahre eingebrannt hat, löst sich plötzlich auf – und man merkt, dass sich wirklich etwas verändert hat.
So war es zumindest bei mir.
Ich wünsche dir und allen anderen hier im Forum einen guten Rutsch ins neue Jahr. 🍀