Beiträge von Zwieback

    Hallo DTT,

    Ich habe vor ein paar Tagen etwas auf meinem Handy geschrieben, hab es aber dann doch nicht gesendet, weil ich irgendwo mal gelesen hatte das Alkoholiker nach Möglichkeit nicht bei den Co‘s schreiben sollen.
    Nun habe ich den Text noch mal aus meinem Handy hervor,gekramt und füge es hier ein:

    Ich weiß, dass das alles gerade echt hart und traurig ist. Aber irgendwie glaube ich trotzdem, dass selbst solche Phasen auch etwas Gutes haben können. Manchmal braucht es so einen Tiefpunkt, damit man merkt, dass man keine halben Sachen mehr will, sondern endlich konsequent seinen eigenen Weg geht. Nach jeder Steigung kommt auch wieder ein Gefälle (hatte mein Vater immer gesagt😉)– und vielleicht waren die letzten Tage genau das, was es gebraucht hat, damit du jetzt wirklich etwas in deinem Leben veränderst und neu anfängst.

    alles Gute🍀

    Und genau deshalb rate ich dir, weiterhin hier im Forum aktiv zu bleiben.

    Zu verlieren hast du gar nichts, aber sehr viel zu gewinnen.

    Noch einmal zum Thema alkoholisiertes Arbeiten: Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft ich Arbeiten doppelt und dreifach machen musste, nur weil ich mit einem besoffenen Kopf irgendetwas vergessen oder falsch gemacht habe. Sehr oft habe ich schneller getrunken, als ich arbeiten konnte, was zur Folge hatte, dass ich sehr aggressiv wurde und Gegenstände kaputt gemacht habe. Im Nachhinein habe ich oft Gegenstände angeschrien, weil das, was ich gemacht hatte, nicht geklappt hat oder nicht schnell genug ging.

    Bleib auf jeden Fall weiterhin hier dran.

    Gelesen habe ich von fehlender Struktur. Ich hatte sehr wohl eine Struktur. Die bestand aus Arbeit, Danach Arbeit. Leider hatte der alkohol dabei auch seinen festen Platz gefunden...

    Hallo gismo,

    herzlich willkommen hier im Forum.

    Du schreibst, dass du viel gearbeitet und dabei viel getrunken hast – das kenne ich wirklich sehr, sehr gut. Arbeiten um zu Saufen und Saufen um zu Arbeiten: eine vermeintlich tolle Kombination.

    Wenn ich etwas erledigen musste, worauf ich keine Lust hatte, habe ich es mir einfach schön gesoffen und dann durchgezogen. Es musste ja erledigt werden. War es eine schöne Arbeit, habe ich dabei auch viel getrunken – die schöne Arbeit musste ja gefeiert werden,Und wenn gerade nichts zu tun war, habe ich mir neue Arbeit gesucht. Natürlich um dabei wieder zu saufen. 😉

    Nach getaner Arbeit stand ich dann oft betrunken vor meiner Frau. Wenn sie mich beschimpft hat, habe ich ihr stolz erklärt, was ich doch alles geleistet habe….

    Heute arbeite ich immer noch viel, aber ich bin trocken. Und die gleiche Arbeit gelingt mir jetzt deutlich besser: mit klarem Kopf und mit gutem Gewissen. Trinken tue ich dabei auch, Kaffee oder Cola-Zero 😋

    Hallo Soapstar

    ich finde das, was du in deinem Beitrag geschrieben hast, richtig und sehr wichtig.

    Ich bin selbst noch Neuling. Als ich hier ins Forum gekommen bin, waren mir gedanklich andere Neulinge viel näher – Menschen, die erst ein, zwei Jahre oder sogar nur wenige Monate trocken sind. Mit jemandem, der seit 15 oder 20 Jahren trocken lebt, konnte ich mich am Anfang kaum identifizieren, weil mir das einfach noch so weit weg erschien.

    Hartmut hat schon mehrmals geschrieben, dass ein Rückfall schleichend beginnt, viel früher, als man selbst glaubt. Genau das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Für mich ist das wie ein Fass: Es tropft und tropft und tropft. Das Überlaufen des Fasses ist dann der Rückfall. Aber begonnen hat es schon viel früher, zu Tropfen.

    Und genau da liegt aus meiner Sicht der entscheidende Punkt: Wenn man merkt, dass es anfängt zu tropfen, sollte man hier im Forum darüber schreiben, sich Rat holen und besonders vorsichtig sein. Eigentlich kennt man die Konsequenzen vom Saufen , aber die Sucht erzählt einem in solchen Momenten eine ganz andere Geschichte.

    Deshalb ist es so wichtig, früh hinzuschauen und nicht erst dann, wenn das Fass schon fast voll ist.

    Lg Zwieback

    Hallo Schmidtty, bei mir war es früher ähnlich mit meiner Mutter, ich rufe sie an, aus Respekt. Wir plaudern schön über dies und das und ganz langsam fängt sie dann mit irgendwelchen vergleichen an, was der und der geschafft hat und bei mir hätte besser laufen können oder die Kinder von dem und dem und meine Kinder und so weiter….

    Ich habe ihr dann irgendwann gesagt, Mama, hör mal, wir können uns wunderbar über alles unterhalten, aber bitte hör auf mich oder meine Kinder mit irgendjemand zu vergleichen. Ich mag das nicht! egal wer was gemacht hat. Ich rufe dich nicht an, um mir solche Vergleiche anzuhören…..

    Das habe ich in einem etwas strengeren Ton zu ihr gesagt und anscheinend hat sie es verstanden. Wenn ich sie nun hin und wieder anrufe, muss ich mir zumindest keine Vergleiche mehr anhören. Lg

    Damals hatte ich das Nichtraucherbuch von ihm gelesen – und tatsächlich hat es funktioniert. Ich habe über vier Jahre lang nicht geraucht. Irgendwann kam dann dieser eine Gedanke: Ach, eine Zigarette kannst du dir ruhig mal wieder gönnen , das ist doch nichts Schlimmes. Genau dieser Moment war der Anfang vom Ende. Danach habe ich wieder ungefähr zehn Jahre geraucht, trotz all dem, was ich aus dem Buch übers Aufhören wusste.

    Auch das Buch über den Alkoholkonsum von Allen C. habe ich gelesen. Ehrlich gesagt hat es mir nicht wirklich geholfen. Statt etwas zu verändern oder mir Kraft zu geben, hatte es eher den gegenteiligen Effekt: Während ich getrunken habe, fühlte ich mich wegen dessen, was ich gelesen hatte, einfach nur schlecht und schuldig. Mehr bewirkt hat es leider nicht.

    Allen Carr hat diesen Vergleich in einem seiner Nichtraucher-Bücher verwendet: Sucht ist wie Schuhe, die viel zu klein sind. Man hat eigentlich Schuhgröße 42, zwingt sich aber immer wieder in Größe 39. Das ist schmerzhaft und anstrengend – und doch freut man sich anschließend darüber, wie gut es sich anfühlt, die Schuhe wieder auszuziehen. Diese Erleichterung wird fälschlich für Genuss gehalten, obwohl sie nur das Ende eines selbst verursachten Leids ist.

    Übertragen auf meine Trockenheit bedeutet das für mich: Diese Schuhe existieren noch. Sie sind Teil meiner Geschichte, aber nicht mehr Teil meines Alltags. Ich habe sie weggelegt. Nicht, weil ich sie irgendwann wieder anziehen will, sondern weil ich gelernt habe, dass ich keinen Schmerz mehr brauche, um mich erleichtert zu fühlen. Ich bleibe nüchtern, weil Schuhe, die passen, kein Ausziehen brauchen, um sich gut anzufühlen.🤩

    Hallo Abstinenzler,

    ich schreibe oft hier, weil ich zwischen deiner Vergangenheit und meiner eigenen viele Parallelen sehe und mich gut in deine Situation hineinfühlen kann.

    Zunächst möchte ich etwas erzählen: Als ich vor anderthalb Jahren komplett mit dem Alkohol aufgehört habe, waren da viele schöne und zuversichtliche Gedanken in meinem Kopf – aber auch eine ganz bestimmte Angst. Eine Angst, die sich so anfühlte, als würde ich mich von meinem Kind verabschieden und es nie wiedersehen.

    Nach und nach habe ich verstanden, dass das nichts anderes als das dumme Gelaber der Sucht war, die mich zu solchen Gedanken gezwungen hat. Mit der Zeit – wenn man wirklich begreift, was Alkoholismus bedeutet und sich wirklich trocken fühlt – merkt man erst, was für ein absoluter Bullshit das war. Diese Vorstellung von endgültigem Abschied, Schmerz, Trauer und all dem.

    Heute ist, so wie ich denke, dein erster nüchterner Jahreswechsel seit langem. Halte dich von Alkohol fern und von allem anderen, was dich in irgendeiner Form verleiten, triggern oder sonst irgendwie runterziehen könnte.

    Und morgen ist der 1. Januar. Der erste nüchterne 1. Januar. Ein Tag, an dem du nicht denkst, dass dir gleich der Schädel wegfliegt, und an dem du nicht versuchst, dich verzweifelt zu erinnern, was am Vortag passiert ist oder ob du irgendetwas Peinliches gemacht hast.

    Stattdessen ist es ein Tag, an dem du einfach an die frische Luft gehst, tief durchatmest und stolz auf dich sein kannst. Ein Tag, an dem du Freiheit spürst. Dieses typische „1.-Januar-Gefühl“, das sich über all die Jahre eingebrannt hat, löst sich plötzlich auf – und man merkt, dass sich wirklich etwas verändert hat.

    So war es zumindest bei mir.

    Ich wünsche dir und allen anderen hier im Forum einen guten Rutsch ins neue Jahr. 🍀

    In den letzten Monaten habe ich in meinen Beiträgen meist einfach „abstinent“ geschrieben. Für mich hatte der Begriff „trocken“ immer etwas, das man sich erst verdienen muss. In meinem Kopf war das so etwas wie eine Art Etappe, die man erst nach mehreren Jahren erreicht – vielleicht nach drei Jahren Abstinenz oder so. Erst dann, so dachte ich lange, dürfte man sich wirklich „trocken“ nennen – als eine Art Steigerung.

    Wenn ich aber nach der Sichtweise von Hartmut gehe, dann dürfte ich mich eigentlich schon jetzt glücklich „trocken“ nennen.

    Ich habe in all den Jahren, in denen ich so viel gesoffen habe, unglaublich viel kaputt gemacht – vor allem an meinem Körper. Und jetzt, nach eineinhalb Jahren ohne Alkohol, fühlt es sich für mich fast so an, als wäre mein Körper wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt worden. Natürlich nicht im technischen Sinn, sondern auf eine natürliche, biologische Weise.

    Und diese „Werkseinstellung“ passt so verdammt gut, dass ich kein bisschen das Bedürfnis habe, jemals wieder an den „Einstellungen“ herumzuspielen. Ich möchte genau da bleiben, wo ich jetzt bin.


    Die Gedanken an meine Vergangenheit lassen keine Beschönigungen von Alkohol zu und das hilft mir sehr. 🥲

    Hallo Abstinenzler,

    du schreibst: in einem Jahr … Nach einem Jahr Abstinenz ist man ein Jahr abstinent und kann darauf sehr stolz sein. Aber nach einem Jahr legt sich nicht automatisch im Kopf ein Hebel um, der großartig etwas verändert.

    Die Veränderung fand bei mir schon viel früher statt – nämlich dann, als mein Kopf mit klaren, nüchternen Gedanken an das glaubte, was Tatsache ist, und die vorgespielten Geschichten von sich wies. Alkohol hat noch nie einem von uns gut getan.

    Im Laufe der vielen Jahre, in denen ich intensiv gesoffen habe, habe ich so gut wie alles mit Alkohol verknüpft. An jedem Tag, an dem ich getrunken und irgendeiner dieser Verknüpfungen nachgegeben habe, habe ich einen neuen Stein gelegt. Im Nachhinein (ich bin jetzt 1,5 Jahre abstinent) muss ich sagen, dass ich mich mit jedem neuen Stein, den ich damals gesetzt hatte, mich immer mehr von der Außenwelt isoliert habe und gar nicht mehr über die Mauer sehen konnte, was auf der anderen Seite ist.

    Im Forum hat einmal jemand geschrieben:

    „Ich höre nicht mehr auf diese Lügengeschichten, die mir der Alkohol tagtäglich ins Ohr flüstert.“

    Dieser Satz hat sich bei mir stark eingeprägt. Es gilt, diese Lügengeschichten nicht mehr zu glauben, sondern dem zu vertrauen, was den Tatsachen entspricht.

    Versuche, diese Mauer, die du selbst errichtet hast, wieder abzubauen. Am Anfang ist die Hürde hoch, aber sie ist zu bewältigen. In einem Jahr ist eben nur ein Jahr rum. Versuche, die Tatsachen heute schon zu akzeptieren, und freue dich auf die Freiheit hinter der Mauer damit die Freude in einem Jahr umso größer ist🥰.

    alles Gute Zwieback🍀

    Was ist denn ein richtiger Alkoholiker?

    Ja, was ist ein richtiger Alkoholiker?….

    Es gibt Leute, die haben durch Alkohol ihr Arbeitsplatz verloren. Es gibt Leute, wo der Lappen nun schon zum dritten Mal weg ist. Es gibt Leute, die lange abstinent waren, aber bei der Hochzeit des eigenen Kindes wieder mit dem Trinken angefangen haben und es dann so übertrieben haben, dass die Hochzeit fast abgebrochen werden musste Und Braut und Bräutigam die Tränen in den Augen standen. Es gibt Leute, die alles verloren haben, unter der Brücke leben und der Tetrapack mit Wein das schönste ist was sie besitzen…. Und und und… sind diese Menschen richtige Alkoholiker? Kann sein, ich weiß es nicht. Es steht mir auch nicht zu darüber zu urteilen. Was ich aber weiß, ist, dass ICH ein richtiger Alkoholiker bin. Der beste Beweis dafür., ich war schon dreiviertel Jahr glücklich abstinent,( Frühjahr2025) und habe in einem Restaurant aus einem Glas Wasser getrunken, welches sicherlich nicht gut ausgespült war. Und vorher war dort irgend ein. Alkoholisches Getränk drinne., dieses Ereignis hat mich fast zwei Wochen nicht losgelassen und wieder diese Verzicht Stimme in mir geweckt. Ich spreche hier nur für mich. Ich bin ein richtiger Alkoholiker und ich bin sehr froh darüber endlich diesen Zustand akzeptiert zu haben. Wenn ich etwas schreibe, kommt es etwas Rau rüber , aber das sind meine Gedanken 😉

    Hallo Abstinezler, ich habe mich früher auch immer wieder dadurch manipulieren lassen, wenn ich andere Leute beim Trinken gesehen habe oder im Supermarkt, wenn alkoholische Getränke aufs Kassenband gelegt wurden. Oder wenn ich auf Parkplätzen Bierdosen, Weinflaschen oder Ähnliches in den Sträuchern gesehen habe. All diese Dinge, die ich gerade aufgezählt habe, sehe ich tagtäglich immer noch – aber meine Sichtweise hat sich geändert.(Gott sei Dank brauch ich das nicht mehr denke ich jedes Mal, wenn ich so etwas sehe).

    Die Teilnahme in diesem Forum und das tägliche Lesen haben meine Sichtweise verändert. Ich kenne dich zwar nicht, gehe aber davon aus, dass in deiner Vergangenheit genügend Dinge passiert sind, die darauf hindeuten, dass der Zeitpunkt gekommen ist, um für immer abstinent zu werden. Wenn man den Tiefpunkt erreicht hat, sollte ein Umdenken stattfinden.

    Ich hatte in meiner Vergangenheit schon etliche Tiefpunkte und konnte nur mehr oder weniger Trinkauszeiten daraus machen. Was ist überhaupt der Tiefpunkt? Ist es die Null? Oder geht es noch ins Minus? Wenn es ins Minus geht, sollte man sich ernsthafte Gedanken ums Trocken werden machen – wenn man bei -10 angelangt ist, oder -15, oder -100, oder -1000. Umdenken, akzeptieren und kapieren – das ist das, woran ich glaube.

    Und noch etwas: Aktuell bin ich an einem Punkt, an dem ich froh bin, ein richtiger Alkoholiker zu sein, ohne Wenn und Aber. Denn ich kenne meine Vergangenheit, ich weiß, wie es mir seit eineinhalb Jahren Abstinenz geht, und ich weiß auch, was mich erwartet, wenn ich bewusst wieder einen Schluck Alkohol trinken oder andere alkohol,haltigen Sachen zu mir nehmen würde…. Alkohol? Nein, danke.!!!

    Alles Gute🍀. Zwieback.

    Hallo Matcha

    Immer wieder hört man den Satz: „Trocken werden ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Für mich bedeutet das allerdings nicht, dass man ein Leben lang kämpfen oder durchhalten muss. Ich verstehe diesen Vergleich eher so, dass die Abstinenz etwas ist, das parallel zum Leben läuft – etwas, das mit der Zeit natürlicher und leichter wird und uns wieder glücklich macht.

    Im Forum benutzen wir oft Alltagsvergleiche, um Dinge besser zu verstehen oder uns gegenseitig positive Denkanstöße zu geben. So wie man sagt: „Viele Wege führen nach Rom.“ Wie man dort hin kommt, spielt keine große Rolle – entscheidend ist nur, dass man dort ankommt. Und wir wollen ja gar nicht nach Rom, sondern wir wollen glücklich abstinent leben. Das ist unser Ziel. Und das kann meiner Meinung nach nur funktionieren, wenn man akzeptiert, was der Alkohol mit einem gemacht hat – und was man sich in all den Jahren selbst angetan hat. (und was man sich für die Zukunft ersparen möchte.)

    Der kleinste Verzichtsgedanke kann im wahrsten Sinne des Wortes Gift sein.

    Ich habe in meinem eigenen Thread einmal geschrieben: „Ein Leben “lang“ nach Alkohol gegriffen, ohne es zu begreifen.“ Die Ursache dafür waren immer wieder diese Verzichtsgedanken – sie haben mich im Kern ständig zum Alkohol zurück gezogen. Erst durch das ständige Lesen hier im Forum habe ich meine Denkweise ändern können und wichtige Entscheidungen getroffen.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass auch deine Verzichtsgedanken (falls du welche hast), nach und nach wie bei mir mir auf Null schrumpfen.

    Lg Zwieback