Abstinenzler - Für mich gibt es nur einen Weg- Die Abstinenz

  • Aber die Saufgedanken kommen dann bei Triggern

    Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich überfragt bin, wie ein abgewrackter Bekannter ein Trigger sein kann.

    Unter einem Trigger stell ich mir z.B. die erwähnte Kneipe an nem Samstagabend vor, aus der man auf der Straße noch die Leute singen hört... oder die Leute, die bei Sonnenschein mit nem Sixpack im Fahrradkorb an den See radeln... halt irgendwas positiv besetztes.

    Vielleicht musst du da echt mal einen Fachmann hinzuziehen, der dir helfen kann, was deine Triggerpunkte anbelangt. Ich habe meine (früheren?) Kumpels auch schon verkatert am Samstagmorgen im Discounter getroffen, aber das war für mich eine unglaubliche Bestätigung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben :/

  • Was genau kommt denn da vom Suchthirn, kannst Du das vielleicht mal genauer beschreiben?

    Einfach nur das Verlangen zu Saufen. Nichts anderes. So wie gestern auf dem Weg zu meinen Eltern. Dort war ein Familientreffen ohne Alkohol.Schöner ruhiger Sonntag, alles bestens und in meinem Kopf: Ich bekomme Lust, Bock, Verlagen zu Saufen obwohl es sich NIE lohnt und es mir dann Saudreckig geht. Dort angekommen abgelenkt durch den ganzen Besuch Thema vergessen. Das nervt tierisch diese Saufgedanken.

    Heute trinke ich nicht

  • Das nervt tierisch diese Saufgedanken.

    Kennst du den Spruch „Die Geister, die ich rief“? Machst du dir im Vorfeld schon Gedanken, ob Suchtdruck oder Verlangen auftauchen könnten? Klar, das ist nervig, aber genau das ist der Job des Suchthirns;). Du hast ihm etwas weggenommen, also meldet es sich.

    Am Ende nützt alles nichts. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Saufen oder nicht saufen.

    Ich kenne das aus meinen ersten zaghaften Anfängen, trocken zu werden, und auch von kurz vor einem Rückfall vor fast 19 Jahren. Damals war ich einfach noch nicht so weit. Der Verstand wusste zwar, dass ich süchtig bin, aber ein Leben ohne Alkohol konnte ich mir nicht vorstellen. Das war ja keine freie Entscheidung im Sinne von „ich saufe jetzt nicht mehr“, das war eine Notwendigkeit.

    Ich hatte damals auch keinen äußeren Druck. Niemand hat mich dazu animiert oder „gezwungen“, niemand hat ständig auf mich eingeredet oder mir vorgeworfen, dass mein Saufen alles kaputt macht. Niemand der gedrängt hat, keine Dauerbeschallung mit Vorwürfen.

    Ich kann dir zwar keine Tipps geben, aber vielleicht einen Denkansatz. Einen Schalter im Kopf umstellen.

    Kennst du dieses Diät-Gefühl? Sobald ich etwas nicht darf, will ich es erst recht. Plötzlich habe ich Hunger, obwohl vorher keiner da war. Verbot macht appetitlich.

    Wenn ich etwas nicht kann ist die Sache erledigt. Einen fünffachen Salto aus dem Stand kann ich nicht. Also lasse ich es. Keine Diskussion, kein inneres Drama.

    „Ich darf nicht“ heißt Verzicht, Verlust, innere Diskussion und Kampf. Der Kopf fängt an zu verhandeln, der Suchtdruck wird größer.

    „Ich kann nicht“ heißt Fakt. Ende der Debatte. Keine Option, keine Hintertür. Mit „nicht können“ ist gemeint, damit nicht mehr umgehen zu können.

    Vielleicht auch einen Ansatzpunkt.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Morgen.

    Gerade Deinen Betrag im CO-Bereich gelesen.

    Ich bin jetzt 4 Jahre trocken. Und zwar OHNE Suchtdruck. Dennoch überlege ich mir fünfmal, ob ich etwas im CO-Bereich schreibe.

    Aus Deinem Beitrag dort lese ich noch sehr stark das nasse Denken.

    Jetzt stelle Dir mal vor. Wenn Deine Lebensgefährtin sich nicht jahrelang das mit Dir gegeben hätte und Dich nicht unterstützt...
    Dann hätte es gut sein können, dass Du schon seit vielen Jahren trocken wärst. Denn es säuft sich am besten, wenn ich mich jederzeit in die Arme eines bereitwilligen COs zurücklehnen kann. Du wärst früher gezwungen gewesen, zu handeln. Du hättest Deinen Tiefpunkt früher erreicht.

    Das hätte Euch beiden viel Leid erspart. Vor allem ihr.
    Mit Deiner Trockenheit hätte dann eine weitere Beziehung in Angriff genommen werden können.

    Denn genau dieses "halte durch" bewirkt meist, dass der CO und der Alkoholiker sich immer weiter im Suchtkarussell drehen. Und um das Karussell zu stoppen, sind die COs hier. Dieses "halte durch" hat mir als EKA die Kindheit versaut.

    Wenn Du das im Augenblick noch nicht verstehst, ist das vollkommen ok. Aber dann bleibe so lange unbedingt hier bei Dir, oder zumindest im Alkoholikerbereich.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Es ist schwierig, als Alkoholiker im Co-Bereich zu schreiben, weil das, was zu Hause passiert, oft etwas ganz anderes ist als das, was hier im Forum geschildert wird. Nicht jeder ist co-abhängig, aber viele, die es sind, melden sich hier. Und nicht jeder zeigt zu Hause dieses krankhafte Co-Verhalten, das bei manchen hier deutlich sichtbar wird.

    Wir müssen das auch nicht größer machen, als es ist, sondern einfach unterscheiden.

    In vielen Haushalten läuft es ganz ohne Co-Abhängigkeit, teils sogar so, dass der Partner der letzte Auslöser war, die Flasche abzustellen. Deshalb kann und darf man das eine nicht pauschal mit dem anderen gleichsetzen.

    Differenzieren statt vermischen. Das ist alles.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Kennst du den Spruch „Die Geister, die ich rief“? Machst du dir im Vorfeld schon Gedanken, ob Suchtdruck oder Verlangen auftauchen könnten?

    Mache mir vorher keine Gedanken. Ich weiß aber das das Verlangen oder Saufdruck kommen kann. Deshalb auch der Notfallkoffer und Situationen von vornerein meiden

    „Ich kann nicht“ heißt Fakt. Ende der Debatte. Keine Option, keine Hintertür. Mit „nicht können“ ist gemeint, damit nicht mehr umgehen zu können.

    Ich kann ja Saufen wenn ich will. Ich konnte noch nie mit Alkohol umgehen habe trotzdem 20 Jahre gesoffen. Einen 5 fachen Salto kann ich nicht. Egal wie oft ich es versuche. Ich kann losfahren, ich kann saufen. Ich kann mir was kaufen. Ich kann es trinken. Aber ich will nicht. Es macht alles kaputt. Dann geht alles wieder von vorne los, der Teufelskreis.

    „Ich darf nicht“ heißt Verzicht, Verlust, innere Diskussion und Kampf. Der Kopf fängt an zu verhandeln, der Suchtdruck wird größer.

    Das war meine alte Einstellung. Ich darf nicht. Das war Verzicht. Das war Stress. Jetzt sage ich könnte aber ich will nicht. Es zerstört alles.Immer der gleiche scheiß Ablauf. Jetzt durchbrechen sonst immer wieder von vorn. Kein Bock mehr. Ich bleibe Trocken, das ist der Weg. Mein Weg, meine Lebensaufgabe. Wie du schon sagst Notwendigkeit.

    Heute trinke ich nicht

  • Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich überfragt bin, wie ein abgewrackter Bekannter ein Trigger sein kann.

    War nicht abgewrackt. Nur glasige Augen. Naja wenn ich mit ihm gesoffen habe. Haben wir ja gelacht, Spaß gehabt, unterhalten, Musik, Sonne. Wenn es nichts positives gehabt hätte würde es man nicht machen

    Heute trinke ich nicht

  • Dennoch überlege ich mir fünfmal, ob ich etwas im CO-Bereich schreibe.

    Wusste nicht das ich dort nicht schreiben soll.

    Jetzt stelle Dir mal vor. Wenn Deine Lebensgefährtin sich nicht jahrelang das mit Dir gegeben hätte und Dich nicht unterstützt...
    Dann hätte es gut sein können, dass Du schon seit vielen Jahren trocken wärst. Denn es säuft sich am besten, wenn ich mich jederzeit in die Arme eines bereitwilligen COs zurücklehnen kann.

    Nein, das Saufen war alleine besser. Da hat sich keiner eingemischt, gestresst und mir das Saufen vermiest. Da habe ich gesoffen wie ich wollte und hatte meine Ruhe. Das stimmt nicht.

    Mit Co. viel Stress und Drama wegen dem Saufen- logisch. Das hat mich noch eher vom Saufen distanziert. Alleine hätte ich es nicht geschafft. Alleine habe ich es trotz so viel Unterstützung, Entgiftung, stationären Therapien nicht mal 1 Tag geschafft!!! Als ich meine Partnerin kennen lernte war ich direkt mehrere Monate Abstinent.

    Heute trinke ich nicht

  • Moinsen,

    morgen Silvester. Mein Plan steht: Nix erwarten dann gibts keine Enttäuschung. Kein Restaurant sondern bestellen, keine Triggerpunkte. Böllern vor Null Uhr da dann die bekannten und unbekannten Trinker Böllern. Kein Bock drauf. Ganz entspannt trocken ins neue Jahr rutschen ist die Hauptsache. Rest zweitrangig.

    Heute trinke ich nicht

  • Ich kann ja Saufen wenn ich will. Ich konnte noch nie mit Alkohol umgehen habe trotzdem 20 Jahre gesoffen.

    Merkst du den Widerspruch?

    Du kannst zwar saufen, aber du kannst nicht damit umgehen. Unterm Strich heißt das. Du kannst es nicht, ohne dich systematisch zu zerstören. Und mal ehrlich – wer kippt sich freiwillig jeden Tag ein Gift in den Körper, denn nichts anderes ist Alkohol, wenn er nicht Alkohol trinken muss?

    Ich darf trinken, das kann mir keiner verbieten. Aber können ist etwas anderes. Aber wirkliche Freiheit heißt nicht, alles zu dürfen, sondern nichts mehr zu" müssen" Etwas Wortspielerei, aber mir hat es geholfen.;)

    morgen Silvester

    Wenn ich zurückdenke an die Endphase meines nassen Daseins, war ich an Silvester meist schon gegen 22 Uhr so dicht, dass ich ohnehin nichts mehr mitbekommen habe. Heute ist dieser Tag wieder ein Tag wie jeder andere nur nüchtern. Früher war jeder Tag wie der andere, nur "nass.“

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Wusste nicht das ich dort nicht schreiben soll.

    Es ist nicht verboten. Ich schreibe dort fast nie und kann mir momentan auch nicht vorstellen, es wieder zu tun.


    Das ist nicht meine Baustelle. Auch glaube ich nicht, dass Cos irgendwelche Erklärungen, Verharmlosungen oder Entschuldigungen ausgerechnet von ehemaligen Säufern anhören wollen. So ein Exemplar haben oder hatten sie schließlich daheim, egal ob inzwischen abstinent oder nicht.

  • Moinsen, allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!!!

    Ca. 50 Tage trocken, Yeah. Mir gehts blendend!!! Das Saufhirn wird immer ruhiger. Trotzdem wachsam bleiben. Das Forum hilft mir irgendwie mehr als die 1,5 Stunden die Woche reale Selbsthilfegruppe. Verrückt.

    Gut das ich euch gefunden habe!! Danke!!

    Heute trinke ich nicht

  • Das Forum hilft mir irgendwie mehr als die 1,5 Stunden die Woche reale Selbsthilfegruppe. Verrückt.

    50 Tage trocken, da darfst du stolz drauf sein! Mich hat dein Satz zur realen Gruppe aufhorchen lassen. Auch ich habe mich wieder einer realen Gruppe angeschlossen und starte am 9.1.26. Ich kenne schon einige Mitglieder aus der Vergangenheit und weiß schon jetzt, dass es mir sicherlich gut tut aber der Nutzen im Vergleich zu dem Austausch hier nicht mithalten kann. In Gesprächen mit meiner Frau und engen Freunden schneidet ein digitales Forum eher schlecht ab, was zählt ist eine reale Zusammenkunft mit Leidensgenossen. Ich habe aufgehört das Forum zu verteidigen, es tut mir gut und das zählt. Somit ist die reale SHG zugegeben ein Signal von mir, das mein Umfeld etwas ruhiger werden lässt...Vielleicht ist der Mix aus beiden Dingen auch eine gute Sache.

    Guten Rutsch allen.


    LG

  • Hallo Abstinenzler,

    ich schreibe oft hier, weil ich zwischen deiner Vergangenheit und meiner eigenen viele Parallelen sehe und mich gut in deine Situation hineinfühlen kann.

    Zunächst möchte ich etwas erzählen: Als ich vor anderthalb Jahren komplett mit dem Alkohol aufgehört habe, waren da viele schöne und zuversichtliche Gedanken in meinem Kopf – aber auch eine ganz bestimmte Angst. Eine Angst, die sich so anfühlte, als würde ich mich von meinem Kind verabschieden und es nie wiedersehen.

    Nach und nach habe ich verstanden, dass das nichts anderes als das dumme Gelaber der Sucht war, die mich zu solchen Gedanken gezwungen hat. Mit der Zeit – wenn man wirklich begreift, was Alkoholismus bedeutet und sich wirklich trocken fühlt – merkt man erst, was für ein absoluter Bullshit das war. Diese Vorstellung von endgültigem Abschied, Schmerz, Trauer und all dem.

    Heute ist, so wie ich denke, dein erster nüchterner Jahreswechsel seit langem. Halte dich von Alkohol fern und von allem anderen, was dich in irgendeiner Form verleiten, triggern oder sonst irgendwie runterziehen könnte.

    Und morgen ist der 1. Januar. Der erste nüchterne 1. Januar. Ein Tag, an dem du nicht denkst, dass dir gleich der Schädel wegfliegt, und an dem du nicht versuchst, dich verzweifelt zu erinnern, was am Vortag passiert ist oder ob du irgendetwas Peinliches gemacht hast.

    Stattdessen ist es ein Tag, an dem du einfach an die frische Luft gehst, tief durchatmest und stolz auf dich sein kannst. Ein Tag, an dem du Freiheit spürst. Dieses typische „1.-Januar-Gefühl“, das sich über all die Jahre eingebrannt hat, löst sich plötzlich auf – und man merkt, dass sich wirklich etwas verändert hat.

    So war es zumindest bei mir.

    Ich wünsche dir und allen anderen hier im Forum einen guten Rutsch ins neue Jahr. 🍀

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

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