Beiträge von Perdita

    Guten Morgen,

    ich musste meinen Tagesablauf etwas zurecht ruckeln aufgrund des Besuches, jetzt mach ich alles eine Stunde früher, so komme ich gut an den Nachteulen vorbei und habe morgens noch die Zeit für mich die ich haben möchte.

    Der Besuch läuft soweit gut, ich bin bisher nicht gestresst. Sie sind auch im andern Haus einquartiert, das heisst ich habe hier in meinem Baustellenhaus meinen Rückzugsort. Gestern Abend nach dem Abendessen hatte ich kurz das Gefühl, man wartet bis ich gehe, damit man ein Glas Wein trinken kann. Diesen Gefallen habe ich ihnen getan, in den frühen Morgenstunden und abends bin ich gerne für mich, tagsüber Menschen reicht mir als soziale Interaktion.

    Trotzdem war ich danach etwa eine halbe Stunde etwas grummelig, Selbstmitleid und Verzichtgedanken wollten aufkommen, das Suchthirn hob träge den Kopf und blinzelte sich den Schlaf aus den Augen: "gibts hier was zu holen?" Gibt es nicht, schlaf weiter! ich habe mich abgelenkt und dann war der Moment auch schon vorbei.

    Ich achte dieses Mal darauf, dass ich auf mich achte und mich nicht vereinnahmen lasse, und wenn es so weiter geht, dann kann dieser Besuch entspannter als sonst ablaufen.

    Guten Morgen,

    meine Bekannte wird am Dienstag für etwa zwei Wochen kommen, Linde66 . Und Stand der Dinge heute (und gestern) stresst es mich gerade nicht, ich freue mich inzwischen doch auch. Diesem Sinneswandel ging aber ein bisschen Denkarbeit die letzten Tage voraus.

    Als ich deine Frage gestern spontan beantworten wollte, kam in den Formulierungen in meinem Kopf erstmal ganz viel Beschreibung der Situation, damit man sie besser verstehen würde. Was sich nicht vereinbaren liess mit meiner Absicht, die Anonymität anderer Personen strikt zu wahren. Bis mir dann aufgefallen ist, dass ich die Situation gar nicht zu beschreiben brauche.

    Wir alle leben ja immer in irgendeiner Situation, wie genau die aussieht ist eigentlich gar nicht so wichtig, sondern es soll ja hier darum gehen, was sie mit mir macht, und was sie in mir auslöst. In meiner ersten Formulierung war ganz viel "sie hat, sie macht, sie sagt..." das sind alles Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe. Und als ich das voneinander trennen konnte, ist schon mal ein beträchtlicher Teil Stress von mir abgefallen.

    Ich bin immer noch dabei, mir wieder abzugewöhnen, alles kontrollieren zu wollen. Das Verhalten anderer Leute gehört da natürlich dazu, das ist übergriffig von mir. Ich muss mir immer mal wieder sagen: "Perdita, lass die Leute in Ruhe!" Die Leute einfach so sein lassen, wie sie sind.

    Ich sehe dem Besuch jetzt gelassener entgegen, habe meine Grenzen nochmal neu abgesteckt, so dass sie wirklich bei mir sind, und nicht auf Nachbars Grundstück, um es mal bildlich zu sagen. So fühle ich mich auch berechtigter, darauf zu achten, dass diese Grenzen nicht überschritten werden. Sind meine, betreffen nur mich, da habe ich das Recht, nein zu sagen.

    Das war beim letzten Besuch noch nicht so klar formuliert, in mir drinnen. Um solche Sachen überhaupt zu sehen und benennen zu können hilft mir das Forum. Es ist für mich auch so, wie du das beschrieben hast, Thalia1913 :

    dass eine wohlwollende Instanz von Außen quasi in mein inneres Team aufgenommen wurde

    da ist eine neue Stimme im inneren Team, die auf die Selbstfürsorge achtet, die gab es vorher überhaupt nicht in mir. Und dieser Neuzugang hilft mir öfters, auch mal wieder runter zu kommen, wenn ich mich in stressigen Situationen verheddere.

    Guten Morgen,

    ich weiss gar nicht so genau was schreiben, ich habe zur Zeit nur die Baustelle im Kopf. Zum Glück habe ich das Verputzen gemacht bevor ich den Fussboden verlegt habe. Was für eine Sauerei ich da veranstalte! Auf youtube sieht das viel einfacher und geschmeidiger aus. Ich wusste schon, dass ich mit Gipsverputz nicht besonders gut bin, um mir Mut zu machen, hatte ich im Winter sogar mal eine weiße Arbeitshose gekauft, wie sie Maler und Stuckateure tragen.

    Ich dachte, korrekt gekleidet geht das gleich viel besser. Aber ich muss leider mitteilen, korrekte Arbeitskleidung ersetzt Übung und Erfahrung nicht. Schade. Ich geh jetzt dann gleich weiter rumkleistern, ich wollte eigentlich gestern fertig damit sein, bin aber zeitlich in Bedrängnis gekommen. Es wäre hingekommen, wenn ich eine andere Aufgabe auf heute verschoben hätte und das Abendessen ausfallen lassen.

    Ich wollte das schon so machen, bis ich plötzlich dachte: "was würde das Forum dazu sagen, meine SHG?" Nicht rumstressen, nicht Essen ausfallen lassen, das würden sie sagen. Und so habe ich es dann auch gemacht. Bin auch froh, ist die andere Aufgabe schon erledigt und hängt heute nicht mehr über mir, so kann ich die Gipswand in Ruhe zuende machen.

    Das mach ich dann jetzt mal, unverzagt in die letzte Runde!

    Guten Morgen,

    ich habe beschlossen, die falschen Bretter zu behalten. Ich kann mir das zwar eigentlich nicht leisten, aber wenn ich dafür auf eine neue Waschmaschine verzichte, dann geht das. Meine Waschmaschine hat mich schon vor Wochen endgültig verlassen, ich muss irgendwann eine neue kaufen, aber es eilt nicht besonders, es gibt noch eine andere Waschmaschine auf dem Gelände. Ich kann schon waschen, ich muss nur jedes mal einen kleinen Spaziergang übers Gelände mit meinem Wäschekorb unternehmen. Daran hab ich mich bereits gewöhnt.

    Es ist wohl keine vernünftige Entscheidung, aber Holzbretter machen mir einfach mehr Freude als eine Waschmaschine. Ausserdem möchte ich mir vorbehalten, einen Rest Unvernunft auszuleben. Wie mal jemand hier geschrieben hatte: "sonst wird mir mein Heiligenschein zu eng." Dies ist eine gute Gelegenheit unvernünftig zu handeln, da schade ich mir selbst kaum. Spaziergänge an der frischen Luft sollen ja sogar gesund sein, ob mit oder ohne Wäschekorb unterm Arm.

    An anderer Stelle wiederum hat die Vernunft gesiegt, ich werde jetzt gleich noch die Rigipsplatten verspachteln, und zwar, bevor ich den Holzboden reinmache. Obwohl ich so ungeduldig darauf warte, den endlich zu verlegen. Ich möchte so gerne sehen, wie das aussieht, mit Holzboden.

    Also: Abgang Perdita, Gips anrühren.

    Hallo zusammen,

    mir geht es gut, ich bin in Holzdingen unterwegs. Zum Holzhändler fahren, Bretter besorgen, ausladen, falsche Bretter, unsicher, ob ich sie zurückgebe (ich könnte sie an einem andern Ort gut gebrauchen), die richtigen holen, wieder ausladen, Bretter anhimmeln, die falschen und die richtigen, wie schön sie sind, Bretter jetzt dann gleich wieder umräumen, damit ich den Boden für sie vorbereiten kann usw...

    Du kannst ganz dich ganz selbstbewußt in deinem Zuhause bewegen. Ich würde gar nicht erst in irgendwelche langen Erklärungen oder gar Rechtfertigungen verfallen.

    So doof das jetzt klingt, aber durch die Bretter/den zukünftigen Fussboden, fühlt sich das Zimmer jetzt viel mehr nach meinem Zimmer an. Habe ich komplett nach meinen Vorstellungen renoviert, und da lasse ich mir auch nicht mehr reinreden.

    Ich habe mein eigenes Haus entdeckt, ich kann da alles so umbauen wie ich es will, keinen Konsens mit andern finden müssen. Ist neu für mich, all die Jahre habe ich hier eigentlich immer für andere gebaut, und bin da immer mal wieder Kompromisse eingegangen, keine Kompromisse eingehen, ist auch schön.

    Zeigt sich zum Beispiel auch an meiner Stromrechnung: da sie jetzt auf meinen Namen läuft, wird sie auch von meinem Konto abgebucht. Ich war immer darauf bedacht, bloß so wenig Strom wie irgend möglich zu verbrauchen, das ist immer noch in mir drin, aber jetzt denke ich auch mal: "ich bezahl den ja, ich kann soviel Strom verbrauchen, wie ich will!"

    Auch wenn es mir manchmal noch etwas unangenehm ist, meine Arbeitszeit neu zu verhandeln, plötzlich Geld dafür zu wollen, ist dieser Aufbruch in ein selbständiges, unabhängiges Leben wirklich eine feine Sache. Ich möchte nicht mehr zurück.

    Und nun geh ich wieder zu meinen allerliebsten Brettern, ich wünsche euch einen schönen Tag.

    Guten Morgen,

    Wasserstandsmeldung: ich weiss nicht so genau.

    Ist gerade ein auf und ab bei mir, manchmal fühle ich mich zwischen den Stühlen. Im Garten komme ich nicht so richtig an, mein Tun dort scheint mir etwas sinnlos, wozu die Mühe, ich bin ja sowieso nicht da, dann.

    In etwa einer Woche steht der Besuch einer Freundin an, aber sind wir überhaupt noch befreundet? Naja, befreundet schon, aber es will kaum Freude über den Besuch aufkommen. Es wächst eher das Gefühl des Müssens. Als müsste ich die Grenzpatrouille wieder mobilisieren und in Stellung bringen, um meine Grenzen zu schützen.

    Sie ist sozusagen meine Vorgängerin hier, und obwohl sie schon lange nicht mehr hier wohnt, hat sie doch ganz eigene Vorstellungen davon, wie alles hier funktionieren sollte. Diese Vorstellungen sind nicht unbedingt deckungsgleich mit meinen, und das kann schon anstrengend sein, und gefühlt auch übergriffig.

    Und gerade sehe ich nur das Anstrengende, das auf mich zukommen wird, und kaum Schönes. Und deswegen frage ich mich, ist diese Freundschaft zuende? Ich würde nicht das dramatische Wort zerbrochen verwenden, es ist nichts vorgefallen, es ist eher ein verblassen. Was betrüblich genug ist.

    Vielleicht male ich auch alles in viel düsteren Farben, als es dann schlussendlich wird. Ich bin heute auch einfach nicht so gut drauf, innerlich angespannt, sehe grad überall nur Arbeit, die getan werden müsste.

    Aber, einen Sch...s muss ich! Ich mach jetzt erst mal mein Baustellenzimmer fertig, das zumindest macht mir Spass, wie jetzt alles zusammenkommt und jeden Tag noch schöner wird.

    Ja, genau, ich geh jetzt auf die Baustelle, da ist die Welt noch in Ordnung.

    Hallo zusammen,

    alles Zusätzliche war ein Akt der Überforderung und so habe ich mich von vielem schleichend verabschiedet.

    das ging mir auch so, da muss ich wirklich nicht bis zur Kreissäge suchen. Das war gerade am Anfang eine große Quelle der Freude für mich, all die Tätigkeiten, auf die ich wieder Lust hatte, Zeichnen, Bücher lesen, Schubladen und Schränke aufräumen... Die Kreissäge kam vorgestern sehr unerwartet um die Ecke, dass ich mich mal über die freue, hätte ich nicht gedacht.

    Gestern hatte ich einen Motivationsausfall, den grössten Teil des Tages hab ich auf dem Sofa verbracht, war auch mal ganz schön.

    Heute ist die Lust am Tun wieder zurück, ich komme gerade aus meiner Lehmgrube, jetzt hoffentlich wirklich, wirklich das letzte Mal, mir fehlte noch ein bisschen Lehm, um das Thema endlich abzuschliessen. So schön es war, nun reichts dann auch. Heute Nachmittag mache ich noch Gipsplatten fertig, dann kann ich das Baustellenzimmer komplett leer räumen, um dann nächste Woche noch den Dielenboden zu verlegen, und dann ist das Zimmer fertig. :)

    Bis auf Kleinigkeiten, aber die kann ich dann immer mal nebenher machen, das läuft schon fast unter einrichten. Zum Beispiel die Fenster putzen!! Ursprünglich wollte ich in dem Zimmer ja nur die Fenster putzen, die sind bis heute noch nicht geputzt worden.

    Aber jetzt geh ich mal bisschen Gipsplatten schneiden und schrauben. Oder nein, als allererstes geh ich jetzt nen Kaffee trinken, und danach Gips.

    Und euch wünsche ich allen ein schönes Wochenende.

    Hallo zusammen,

    wieder etwas zurück erobert! Ich komme gerade von der Tischkreissäge, an der ich einiges zugeschnitten habe. Ich war seit über zwei Jahren nicht mehr an der Tischkreissäge, ich hatte immer mehr Angst vor dieser Maschine. Rückblickend vermute ich, dass das Entzugserscheinungen waren, die innere Unruhe und Angespanntheit, und die schnelle Überforderung bei kleinsten Unregelmässigkeiten.

    Die innere Unruhe und das zittrige Gefühl am ganzen Körper hatten noch zugenommen, wenn ich damit was sägen wollte, bis ich irgendwann ganz aufgehört habe, sie zu benutzen. Aus lauter Gewohnheit und weil das so abgespeichert war, hatte ich die bis heute nie mehr benutzt. Aber heute wurde mir das zu umständlich mit der Handkreissäge, und ich erinnerte mich an die Tischkreissäge.

    Geht! Sowohl die Säge, als auch ich als die Bedienende ohne innere Unruhe.

    Das ist ein grosser (Rück-) Gewinn, jetzt habe ich ganz viel Zugeschnittenes, das ich nun gleich verbauen gehen kann.

    Guten Morgen,

    die Schafe umzingeln den Obstbaumhain. Es gibt einen Schäfer, der stellt öfters seine Schafherde bei uns auf die Weide. Gestern dachte ich, ich könnte diese Herde doch mal durch den Obstbaumhain ziehen lassen, dann muss ich da nicht mähen. Den Obstbäumen würden sie schon nichts tun, so dachte ich. Wie unendlich falsch ich doch dachte.

    Nachdem ich den Zaun zum Obstbaumhain geöffnet hatte, strömten die da alle rein. Das sah schon wild aus, und mir wurde ganz bange, aber dann dachte ich, das sei eine gute Übung nicht immer alles unter Kontrolle haben zu wollen. Tja, was soll ich sagen, als ich vorhin gegoogelt habe, wie man Obstbäume retten kann, habe ich auch gelernt, dass Schafe alles an Obstbäumen lieben und fressen.

    Man kann wohl Lehm-Verbände um abgeknabberte Baumrinde wickeln, das werde ich jetzt dann gleich machen gehen, an Lehm mangelt es ja nicht. Den Zaun habe ich wieder zugemacht, aber die Schafe können es gar nicht fassen, dass sie nicht mehr da rein dürfen, und belagern den Zaun auf ganzer länge.

    Soviel zu meiner famosen Idee, die Schafe mähen zu lassen. Ganz habe ich sie noch nicht aufgegeben, um das Gras haben sie sich schon auch gut gekümmert, aber ich werde den Zaun erst wieder öffnen, wenn ich den Bäumen Schutzvorrichtungen gebaut habe.

    Mir geht es gut, abgesehen vom schlechten Gewissen den Obstbäumen gegenüber, und ich habe beschlossen, dass ich das so machen werde wie gestern geschrieben: ich werde diese Woche im April hierbleiben und das auch mitteilen (hab ich noch nicht). Aber auch vorab mitteilen, dass ich mich eher in meinem Haus aufhalten werde und nicht an den gemeinsamen Abendessen teilnehme, auch nicht als Köchin. Ich bin dann einfach eine wohlwollende aber unbeteiligte Nachbarin. So der Plan.

    Guten Morgen,

    heute sind es noch genau 90 Tage bis zum 1. Juni. Ich weiss das so genau, weil ich schon die ganze Zeit mit einer Art Aufgebot rechne, von einem Amt in meiner Heimat. Da muss ich hin, daran gibts nichts zu rütteln, aber man hat die Möglichkeit, den Termin bis zu 90 Tagen nach hinten zu verschieben. Ab heute müsste ich da also nicht mehr extra hin, sondern wäre dann sowieso schon in der Heimat und könnte diesen (verschobenen) Termin ohne Aufwand wahrnehmen.

    Ich erwähne das hier, weil ich ursprünglich alles auf den April gelegt habe, damit sich die Reise lohnt, auch gleich noch Zahnarzt-Termin usw gemacht habe. Das war noch, bevor ich mich entschieden hatte, den Sommer sowieso da zu sein.

    Zu meinem Entzücken ist meine April-Abwesenheit zeitlich genau mit der Woche zusammengefallen, in der kurz nach Ostern sechs Gäste kommen. Ich bin also offiziell gar nicht da, wenn die Gäste kommen. Nur besteht ab heute nicht mehr die Notwendigkeit, diese Woche im April in meine Heimat zu reisen, weil ich alles auf den Juni verschieben könnte.

    Nun bin ich in einem Dilemma! Wären die Gäste zu der Zeit nicht hier, wäre für mich völlig klar, die April-Reise abzusagen und hier zu bleiben. Aber die Gäste sind nunmal genau dann hier, und ich habe so überhaupt keine Lust darauf, mir schon Tage vorher einen Kopf zu machen, ob das wohl trinkfreudige Gäste seien? Allfällige Willkommensgeschenke in Form von Weinflaschen abzuwehren, drei Mal bei der Ankunft der Paare über Alkoholkonsum zu sprechen. Es niemandem verbieten wollen, aber mich selber dem nicht aussetzen wollen.

    Unter anderem genau deswegen bin ich im Sommer ja nicht hier, da habe ich den klaren Schnitt gemacht. Wo Alkohol ist, ist Perdita nicht. Aber wo bin ich in dieser Aprilwoche? Mein erster Gedanke war, mich in meinem sicheren Haus zu verstecken, sozusagen heimlich hier zu sein. Den habe ich aber verworfen, das wäre für mich "nasses Handeln", mich mit einem Vorrat vor Problemen verstecken.

    Ich weiss noch nicht, wie ich das mache, offiziell bin ich ja noch weg in dieser Woche. Vielleicht doch mit den andern hier drüber sprechen? Ich habe ja so gute Erfahrungen gemacht mit offener Kommunikation. Naja, jetzt, wo ich das so schreibe, scheint mir das der beste Weg zu sein. Aber dann ist meine offizielle Begründung, nicht hier zu sein, hinfällig! Anderseits brauche ich ja wohl keine offizielle Begründung von irgendeinem Amt, um so zu Handeln, dass ich meine Abstinenz schütze.

    Da bin ich nun wieder bei meinen Themen Grenzen setzen und Kommunikation angelangt. Hätte mir schon vorher auffallen können, so wie ich wieder rumeiere! Hachja, also sprechen? Probleme benennen?

    Wahrscheinlich...

    Guten Morgen zusammen,

    diese Zeilen schreibe ich in etwas ungünstiger Sitzposition, das erste Mal aus meinem Baustellenzimmer. Hier ist es inzwischen schöner als im Wohnzimmer, alles neu! Aber noch nicht wirklich zum schreiben eingerichtet... Und es fühlt sich immer noch seltsam an, die Lehmwand, deren Lehm ich aus meiner Grube geschaufelt habe, jetzt über eine Handy-App steuern zu können, wie warm sie sein soll.

    Die jahrhunderte alte Bauweise und die vergleichsweise junge Technik kommen noch nicht so ganz zusammen in meinem Kopf. In meinem Körper ist es hingegen schon angekommen, ständig schleiche ich an der warmen Wand entlang.

    Mir geht es dieser Tage gut, ich habe gerade eine ausgewogene Balance zwischen Baustellenzimmer und Garten vorbereiten. Ich mache dieses Jahr nicht so viel Gartenarbeit wie sonst, z.B keine Anzucht, weil ich in den entscheidenden drei Monaten ja sowieso nicht hier bin um mich um ihn zu kümmern. Zwei von den drei Monaten wird eine Frau hier sein, die den Garten gerne übernimmt, und im August ist er dann alleine zuhause. Mal schauen, was er macht, wenn man ihn einfach lässt. Ich übe mich ja nun auch darin, nicht mehr alles kontrollieren zu wollen.

    Das macht das Leben spürbar entspannter. Wo ich mir bis vor kurzem noch die Haare gerauft hätte, weil die Kettensäge zur Reparatur muss, und den umgefallenen Baum auf dem Dach nicht wegsägen kann, denke ich mir heute: "ach, der liegt doch da eigentlich ganz gut, ich geh mal meinen Kompost untersuchen."

    Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag

    Guten Morgen,

    ich habe euch zwar schon einen Dankeschön-Pokal unter eure beiden Beiträge gestellt, Stern und Nayouk24 , möchte mich aber auch noch in Worten bedanken. Beide eure Beiträge sind für mich sehr hilfreich und ich kann einiges davon mitnehmen. Das wichtigste davon ist für mich, dass mein Frage "soll das so, kann das so?" für mich jetzt beantwortet ist. Das kann so :)

    Willst du das denn vergessen?

    Wenn ich das so geschrieben vor mir sehe habe ich gemerkt, nein, das will ich gar nicht vergessen. Aber ich kann jetzt damit aufhören, mich davon irritieren zu lassen, dass ich jeden Tag in irgendeiner Form an Alkohol denke. Und diese Gedanken als Teil meiner Sucht akzeptieren, die in mir wohnt.

    sei es an Alkohol selbst, wie ich ihn wahrnehme, an mein Achtsamkeit, an meine Haltung, an meine Stabilität, an mein abstinentes Leben und an Risiken, aber auch an das Glück und die Zufriedenheit, die ich wieder erfahren konnte.

    Das ist genau die Beschreibung der Art der Gedanken, die ich gesucht und nicht gefunden hatte. Es sind oft nicht Gedanken direkt zu Alkohol, sondern auch das ganze Drumrum, das eine (gestoppte) Alkoholsucht mit sich bringt.

    Vielen Dank nochmal, für die Klärung meiner Unordnung im Kopf, ich kann jetzt beschwingt weiter meiner Wege ziehen. Sehr weit sind die Wege nicht, sie werden mich direkt ins Baustellenzimmer nebenan führen, da ist inzwischen ein Ende in Sicht. Schon bald kann ich die Holzdielen besorgen gehen, damit sie sich noch ein paar Tage akklimatisieren können bevor sie verlegt werden. Wird immer schöner da drüben!

    Guten Morgen,

    viel Dank für deine Antwort, Stern , ich habe drüber nachgedacht, ob ich auf den grossen Knall warte? Nicht mal so sehr, es ist eher eine allgemeine Unsicherheit was meine Abstinenz betrifft. Es macht mich stutzig, dass ich doch recht oft an Alkohol denke, bestimmt jeden Tag mindestens einmal. Zwar nicht in dem Sinne, dass ich trinken will, oder Verzichtgedanken, aber das Thema Alkoholsucht ist für mein Empfinden ungewöhnlich präsent bei mir, dafür, dass ich über ein Jahr nüchtern bin.

    Es sind nicht die Gedanken an sich, die mich irritieren, eher ihre Häufigkeit. Ich lese hier immer wieder, dass die Leute nach den ersten anstrengenden Monaten gar nicht mehr an Alkohol denken. Regelmässig ins Forum kommen, damit sie nicht vergessen Alkoholiker zu sein. Und dann frage ich mich: "warum vergesse ich eigentlich nie, dass ich Alkoholikerin bin?" Mal für ein paar Tage, oder sagen wir, eine Woche?

    Und dann frage ich mich, ist meine Abstinenz irgendwie nicht gut genug? Nicht im Sinne von einem bizarren Wettbewerb, sondern eher, mache ich das denn richtig? Soll das so, kann das so? Ich kenne diese Unsicherheit aus anderen Bereichen in meinem Leben nicht, da vergleiche ich mich nicht mit andern und gebe auch nicht so viel auf deren Meinung zu meiner Lebensführung.

    Nur bei meiner Abstinenz bin ich so seltsam unsicher und stimme mein eigenes Empfinden täglich mit dem ab, was ich hier im Forum lese. Ist es, weil mir meine Abstinenz so extrem wichtig ist? Ich will auf gar, gar keinen Fall, dass das schief geht, mein Leben ist so viel besser geworden. Und ich weiss, dass ich bei einem Rückfall sehr tief fallen würde, und wahrscheinlich auch lange. Aber das will ich gar nicht rausfinden! Deswegen bin ich so ängstlich darauf bedacht, auch ja alles richtig zu machen.

    Ich fühle mich wie gesagt zur Zeit stabil. Nur etwas verunsichert angesichts meiner Unsicherheit ob mit meiner Abstinenz alles in Ordnung ist. Ach, weiss auch nicht, ist wahrscheinlich etwas wirr... Aber ich kann vermelden: es geht mir gerade gut, alles läuft!

    Guten Morgen,

    ja, es war auch letztes Jahr im Frühjahr so, Hera , dass mit dem Aufkommen der ersten warmen Tage bei mir Bammel aufgekommen ist, ob ich abstinent bleiben kann, wenn die hellen, lauen Sommerabende kommen. Letztes Jahr um diese Zeit war ich aber auch noch relativ frisch abstinent, da hat so ziemlich alles Sorge um meine Abstinenz ausgelöst.

    Völlig unbegründet, wie ich im Kopf weiss, weil der letzte Sommer, der erste abstinente Sommer, toll war. Ich hatte mich sehr gut gefühlt, auch weil ich die hellen,lauen Sommerabende tatsächlich mitgekriegt habe. So toll fühlte sich der Sommer an, dass ich dann im Herbst wieder diesen Bammel hatte, ob ich abstinent bleiben kann, an den langen gemütlichen Abenden vor dem Kamin im Winter... Und jetzt geht genau dieses Programm wieder los, obwohl ich doch weiss, dass ich es kann.

    Ich habe mich gefragt woher das kommen mag, dass ich mich beim Übergang der Jahreszeiten so wackelig und unsicher fühle wie ganz am Anfang meiner Abstinenz. Ich glaube, es liegt daran, dass ich mir meiner Abstinenz nach wie vor nicht sicher bin. Als würde ich dem Frieden nicht trauen. Ich will unbedingt abstinent bleiben, und es ist mir völlig klar, dass in meinem Leben nie mehr was gehen wird mit Alkohol, das ist es nicht.

    Es ist eher so, als würde ich mir selber nicht so ganz trauen. Die Möglichkeit, dass das Suchthirn übernehmen könnte, fühlt sich für mich immer noch sehr real und auch unangenehm nah an. Wahrscheinlich gehöre ich deswegen auch zu der übervorsichtigen Fraktion, und meide Alkohol wie die Pest. Weil ich mir nicht traue, meinem Handeln nicht vertraue, wenn Alkohol mir zu nahe kommen würde. Und so lange das noch so ist, bleibe ich einfach in dem Modus, als wäre ich noch im ersten Jahr.

    Bei mir dauert es ja bekanntlich immer etwas länger, bis Dinge richtig angekommen sind ;)

    Deswegen habe ich ja auch erst diesen Sommer konsequent dafür gesorgt, dass ich mich aus der Sommer-Situation hier rausnehme, weil mir das zu gefährlich ist. Es bräuchte ja bloss mal ein paar Tage lang ein trinkfreudiges Trüppchen zu kommen, das würde mich schon ziemlich ausm Gleichgewicht bringen.

    Obwohl ich mich ja sowieso aus dem Gästebereich zurückziehen will. Und die Generalprobe hat gut geklappt, Thalia1913 . Ich habe mir wenig Umstände mit der Gästin gemacht, ich habe einfach mein Ding weiter gemacht, und wenn wir uns per Zufall kreuzten, bin ich natürlich schon auf einen Schwatz stehen geblieben, aber ich fühlte mich nicht zuständig für ihr Wohlergehen. Hat sie aber auch bestens ohne mich hingekriegt, heute wird sie wie geplant weiter reisen.

    Das gesagt, geh ich sie jetzt gleich mal suchen, zum Abschied nehmen!

    Guten Morgen,

    Wasserstandsmeldung: es geht mir gut, aber ich merke, ich muss gerade wachsam sein. Ich habe festgestellt, dass mein Suchthirn sich gerne in den Übergangsjahreszeiten meldet. Hier hat jetzt der Übergang angefangen, seit Samstag. Und es ist schön, wieder draussen in der Sonne sitzen zu können, aber dann kommen Erinnerungen hoch an draussen in der Sonne sitzen mit Bier.

    Da war zwar vordergründig kein Suchtdruck und kein Verlustempfinden, ich dachte, ich stelle theoretische Betrachtungen drüber an, wie sehr die ersten warmen Frühlingstage mit draussen sitzen, und ein alkoholisches Getränk der Wahl konsumieren, in unserer Gesellschaft verknüpft sind. Bis ich plötzlich merkte, dass das gerade meine Suchtstimme ist, heute im Gewand der "theoretischen Betrachtung" gekleidet.

    Und als solche erkannt, konnte ich sie dann auch gleich wegscheuchen, ich diskutiere nicht mir ihr, egal als was sie sich gerade verkleidet.

    Es gilt also gerade erhöhte Aufmerksamkeit bei mir, aber grundsätzlich fühle ich mich stabil.

    Guten Morgen,

    genau, Nayouk24 , "einen Sch... muss ich!" :) Was mache ich denn heute? Hier ist seit heute die lange Zeit mit garstigem Wetter vorüber, die Sonne ist da. Nachmittags gehe ich auf jeden Fall raus, in die Sonne. Und bis sie um die Ecke kommt, schraube ich vielleicht noch ein paar Gipsplatten ran, das macht gerade viel Spass, weil es so ein grosses Vorher-Nachher ist und den Raum so verändert. Oder stell ich die Möbel im Wohnzimmer um? Hätte ich auch Lust drauf.

    Hm, ich weiss noch nicht, ich geh mal nen Kaffee trinken und dann schau ich weiter.

    Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.

    Guten Morgen,

    ich bin heute ganz seltsam gestimmt. Youtube hatte mir gestern ein Gartenvideo vorgeschlagen, das ich geschaut habe. Die Gartendinge waren nichts neues, Erbsen und rote Beete wachsen überall gleich, aber der Garten war in einer Landschaft/Umgebung eingebettet, die irgendein Gefühl in mir geweckt hat, das ich nicht genauer bestimmen kann. Eine diffuse Sehnsucht, aber ich weiss nicht, wonach.

    Vielleicht ist es ein Gefühl aus meiner Kindheit (die bei mir nicht unglücklich war, normal, wenn man das so sagen kann), weil das Gefühl so ungetrübt ist, da schwingt kein Alkohol mit und auch kein Müssen. Ein Gefühl ganz frei von Verpflichtungen.

    Erst wollte ich das Gefühl einfangen, benennen, einordnen und als immer wieder abrufbar aufbereiten. Aber das Gefühl widersetzt sich diesen Bemühungen und bleibt unbestimmbar und diffus. Ist es der Garten? Der Frühling, der vor der Tür steht? fragte ich mich, aber als ich "Garten" dachte, dachte ich gleich als nächstes: "um die Gartensaison zu eröffnen, müsste ich als erstes... und dann..."

    Da war es wieder, das Müssen, das Thema treibt mich immer noch um, und vor dem Hintergrund dieser unbestimmten Sehnsucht wurde mir nochmal deutlich, wie strukturiert ich geworden bin, seit ich abstinent bin. Mein ganzes Leben habe ich in Teilbereiche eingeordnet, Handwerk, Garten, Zwischenmenschliches, und diese Teilbereiche haben wiederum Unterbereiche, die in lauter Erledigungstätigkeiten ausarten. Ich habe das immer weit von mir gewiesen, aber mir scheint, ich bin echt aufm besten Wege eine Perfektionistin zu werden.

    Ist mir besonders aufgefallen, als ich an den Garten dachte, und nur Dinge aufploppten, die, und hier sage ich es mal bewusst so: getan werden müssen. In Kontrast zu besagtem Gefühl wurde das besonders deutlich. Ich arbeite mein Leben ja nur noch ab! Selbst die schönen Dinge organisiere ich so lange in kleine Häppchen zum erledigen, bis sie als Unerledigtes bedrückend herumliegen. So geht das aber auch nicht. Ordnung ist ja schön und gut, aber ich glaube, ich bin zu weit gegangen.

    Meine Freude darüber, dass ich durch die Abstinenz wieder die Kontrolle über mein Leben erlangt habe, ist wohl etwas ausgeufert. Ich will Dinge unter Kontrolle haben, die sich dieser entziehen, und meine Kontrolle vor allem gar nicht haben wollen. Neue Aufgabe für mich: mal nen Gang zurück schalten, und den Dingen wieder mehr ihren Lauf lassen.

    Und das unbestimmte (aber ganz angenehme) Gefühl einfach mal mit in den Tag nehmen, so wie es ist.

    Guten Morgen,

    ich komme gerade schaudernd aus der Gemeinschaftsküche. Ich bin da morgens normalerweise alleine mit den Katzen, im Winter. Heute staunte ich nicht schlecht, als ich kam und schon Feuer im Ofen war, und die ganze Küche ein absurd grosses Frühstücksbuffet. Wir haben ja einen Gast. Ich bin eher der Kaffee und Zigarette Frühstückstyp und wollte schon einen Kommentar abgeben vonwegen "bisschen übertrieben?".

    Ich konnte dann an mich halten, bei mir bleiben, ich lerne dazu. Da hat sich ja auch jemand viel Mühe gegeben. Ich hab es als Kunstinstallation betrachtet, Titel: "Frühstück", während ich mich zwischen Säften, Marmeladen, Käse- und Aufschnittplatten zur Kaffeemaschine durcharbeitete.

    Die Frühstücker-Seele wird mir immer ein Rätsel bleiben, ich bin dann auch schnell wieder gegangen. Wenn die Frau (Gast) fertig ist mit frühstücken, kommt sie rüber zu mir, und hilft mir bei der Elektrik. Ich brauche meine hunderttausend Verteilerdosen gar nicht, sie meinte gestern, ich könne die Kabel auch einfach durch die Steckdosen "durchschleifen".

    Wieder was gelernt, diese Frau kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, sie habe schon eine Altbausanierung hinter sich, deswegen kennt sie sich etwas aus mit Kabel verlegen. Das ist ganz prima, ich habe nämlich null Ahnung von Strom, aber jetzt kann ich gleich noch ein paar Kabel anders legen/anschliessen, nach ihrer Anweisung, bis sie kommt.