Perdita wünsche Dir ein erholsames Wochenende, genug getan hast Du ja schon
denk auch an die Pausen, lass auch mal 5 gerade sein. Das muss ich auch noch lernen, aber es geht. Man darf auch mal gar nichts tun ![]()
Perdita - Leben, Teil II
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Guten Morgen,
Ich hatte zu Anfang meiner Abstinenz so einen "inneren Antreiber", der einfach keine Ruhe gegeben hat.
Was machst du denn so zum Spaß? Zum genießerischen Zeitvertreib?
ich habe die letzten beiden Tage, als ich hektisch hinter dem Sturm her aufräumte, auch über eure Beiträge nachgedacht. Ich stelle die beiden Zitate hier untereinander, weil sie für mich einen Zusammenhang haben. Fühle ich mich getrieben? Schütte ich mich mit Arbeit zu, um nicht darüber nachdenken zu müssen, was ich eigentlich will?
Ich glaube, so ist es nicht. Ich benutze öfters die Floskel: "weil ich es kann!", für mich ist das aber keine Floskel, sondern mein neues, abstinentes Lebensgefühl. Ich war nicht nur seelisch sondern auch körperlich am Ende, bevor ich in die Klinik ging. Ich kannte meinen Eintrittstermin ca 5 Wochen vorher, und sollte bis dahin moderat weitertrinken. Das "moderat" hatte ich natürlich gestrichen, und mit der Aussicht auf baldige Hilfe sind bei mir alle Schranken gefallen und ich schüttete rein, was nur ging.
Mein rapider Verfall in diesen 5 Wochen hatte sogar mein vernebeltes Hirn schockiert, das einzige, was ich noch knapp schaffte, war zitternd und elend und unter Übelkeit Nachschub zu besorgen. Ich werde nie vergessen, wie absolut fertig ich war.
Ich schaue selten zurück, ich hadere nicht mit meiner Vergangenheit, sie ist für mich nur insofern relevant, als das ich weiss, woher ich komme. Und woher mein neues Lebensgefühl kommt, "weil ich es kann!". Inzwischen wache ich morgens auf, und meine Gedanken wandern zur Frage: "und was mache ich heute?" und ich schmiede Pläne für den Tag, die ich dann mehr oder weniger umsetze.
Und so kann ich auf deine Frage, Thalia1913 , was ich denn so zum Spass mache, antworten, dass das, was ich den ganzen Tag so mache mein genießerischer Zeitvertreib ist. Vom Zeichnen übers Basteln bin ich irgendwie beim Häuser renovieren gelandet, und dieses erschaffen und lernen von Neuem macht mir sehr viel Spass, ich fühle mich da nicht getrieben, und auch zeitlich nicht unter Druck gesetzt.
Manchmal beinhaltet das körperlich anstrengende Arbeiten, aber auch das mache ich gerne, und weil ich immer körperlich arbeite, bin ich da auch trainiert genug, damit mich das nicht erschöpft. Und wenn ich doch mal sehr Muskelkater habe oder mich erschöpft fühle (wie jetzt, nach dem Sturm-Aufräumen), mach ich auch mal einen Tag Pause, heute zum Beispiel halte ich es wie von Fra80 vorgeschlagen:
Man darf auch mal gar nichts tun
Das ist mein Plan für heute. Katzen streicheln, vor dem Kamin sitzen und ein Buch lesen. Vielleicht noch bisschen shoppen gehen im Baumarkt, aber nichts schweres, nur schöne Dinge.
Euch allen wünsche ich auch ein schönes Wochenende.
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Guten Morgen,
gestern war ich den Luftentfeuchter abholen, und diese Frau die ihn verkauft hat wohnte auf halbem Wege Richtung Thermalbad, da hatten die Andern hier vorgeschlagen, dass wir das doch mit einem Ausflug dahin verbinden könnten. Reflexhaft wollte ich schon erwidern, dass ich zum Thermalbad-Teil nicht mitkomme, aber dann hat dieses Forum leise in mir nachgeklungen und ich dachte: "ach, warum eigentlich nicht?" und bin auch mit.
Ich war schon ewig nicht mehr in einem Thermalbad, aber was soll man sagen? War schon ganz schön. Vielleicht gehe ich da wieder mal hin.
Und der Luftentfeuchter ist ganz toll, hat schon mehrere Liter Wasser aus der Luft geholt. Dann kann ich ja jetzt mit der letzten Wand in trockenbauweise anfangen, ohne Sorge zu haben, dass die Gipsplatten Schimmel bekommen könnten.
Heute ist ein guter Tag!
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Guten Morgen,
mir ist bei der Tagesplanung aufgefallen, dass mein privates Winterleben bald vorbei ist, bald muss ich wieder etwas mehr planen als nur den anstehenden Tag. Heute in einem Monat, am 17.März, muss mein Baustellenzimmer fertig sein. Da kommen die Leute für die ich die Scheune in ein Wohnhaus umbaue, für zwei Wochen.
Morgen kommt die Frau für die wir keinen Aufwand machen sollen, da geh ich gleich das Bett beziehen, einmal schnell durchfeudeln und so, das muss dann reichen. Während ich das tue, muss ich zu einer Entscheidung gelangen, ob das Regal, das ich in die Wand eingelassen habe, indirekte Beleuchtung kriegt oder nicht. Würde schon schick aussehen, stellt dann aber höhere Ansprüche an Sauberkeit. Ein staubiges Regal möchte man ja nicht unbedingt beleuchten...
Ich muss das jetzt entscheiden, weil ich nach dem Gästezimmer dann die elektrischen Kabel im Baustellenzimmer alle final legen und anschliessen muss, ich komm da nicht mehr ran, wenn die Gipsplatten hingeschraubt sind. Ein Tag mit weitreichenden Entscheidungen!
Ja, ich geh jetzt mal das Gästezimmer fertig machen, ausm Weg räumen, dann kann ich besser denken.
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6x das Wörtchen "muss" in Deinem Update heute. Das klingt (für mich) irgendwie nach einer Art Druck- auch wenn Du ja immer schreibst, dass Dir das Freude macht alles.
Wörter können große Macht ausüben, auch für einen selbst.
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Hallo zusammen,
diese Zeilen schreibe ich in diesem Jahr das erste mal ausm Garten. Ich sitze bei meiner Wäsche die zum trocknen hängt, und bewache sie. Seit etwa zehn Tagen zieht eine herrenlose Ziegenherde marodierend durchs Dorf, und verwüstet alle Gärten, wenn sie nicht grad mitten auf der Strasse ein wohlverdientes Nickerchen halten, nachdem sie überall Blumen und Sträucher aufgefressen haben.
Ich habe inzwischen aufgegeben, sie zu verscheuchen, sie haben schon allen Schaden angerichtet der möglich ist, jetzt können sie wenigstens auch gleich das Gras fressen. Aber nicht meine Wäsche!
Und nun vom Aussen zum Innen: ich habe mir gestern nach deinem Beitrag nochmal meinen durchgelesen, Opalia , und bin beinahe etwas erschrocken. Das ist ja wirklich ein einziges Müssen in diesem Beitrag, das war mir überhaupt nicht bewusst. Daraufhin habe ich mich unter Beobachtung genommen und gemerkt, das ich allgemein sehr oft Sätze bilde mit "ich muss".
Ich habe zum Beispiel gestern nicht gedacht: "ich brauche den zweiten Akkuschrauber." sondern "ich muss den zweiten Akkuschrauber holen." und so ging das die ganze Zeit weiter, als ich dann mal drauf geachtet habe. Ich bin noch nicht zu einer abschliessenden Erkenntnis gekommen, ob ich einfach so rede/schreibe/denke, oder ob ich mich innerlich in einem permanenten "müssen" befinde.
Aber auch wenn es ersteres wäre, würde ich das nicht so optimal finden, weil ich das da nämlich auch denke:
Wörter können große Macht ausüben, auch für einen selbst.
Ich hatte das gar nicht aufm Schirm, aber seit du mich darauf aufmerksam gemacht hast, formuliere ich jedes Mal, wenn ich wieder "ich muss..." denke, den Satz um. Einfach mal schauen, ob das was mit mir macht. Danke fürs Aufmerksam machen, und einen schönen Tag wünsche ich noch, dir und euch allen.
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Hallo Perdita,
unsere Hausaufgabe aus dem Achtsamkeitskurs heute Morgen lautet für diese Woche:
Ersetze „ich muss“ durch „ich will, ich möchte, ich darf, ich kann oder ich werde“. Wo ist dir heute ein „muss“ aufgefallen? Wie leicht oder schwer fällt es dir, darauf zu verzichten?
Das passt gerade genau.
LG Kyra
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Guten Morgen,
ich komme gerade schaudernd aus der Gemeinschaftsküche. Ich bin da morgens normalerweise alleine mit den Katzen, im Winter. Heute staunte ich nicht schlecht, als ich kam und schon Feuer im Ofen war, und die ganze Küche ein absurd grosses Frühstücksbuffet. Wir haben ja einen Gast. Ich bin eher der Kaffee und Zigarette Frühstückstyp und wollte schon einen Kommentar abgeben vonwegen "bisschen übertrieben?".
Ich konnte dann an mich halten, bei mir bleiben, ich lerne dazu. Da hat sich ja auch jemand viel Mühe gegeben. Ich hab es als Kunstinstallation betrachtet, Titel: "Frühstück", während ich mich zwischen Säften, Marmeladen, Käse- und Aufschnittplatten zur Kaffeemaschine durcharbeitete.
Die Frühstücker-Seele wird mir immer ein Rätsel bleiben, ich bin dann auch schnell wieder gegangen. Wenn die Frau (Gast) fertig ist mit frühstücken, kommt sie rüber zu mir, und hilft mir bei der Elektrik. Ich brauche meine hunderttausend Verteilerdosen gar nicht, sie meinte gestern, ich könne die Kabel auch einfach durch die Steckdosen "durchschleifen".
Wieder was gelernt, diese Frau kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, sie habe schon eine Altbausanierung hinter sich, deswegen kennt sie sich etwas aus mit Kabel verlegen. Das ist ganz prima, ich habe nämlich null Ahnung von Strom, aber jetzt kann ich gleich noch ein paar Kabel anders legen/anschliessen, nach ihrer Anweisung, bis sie kommt.
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Guten Morgen,
ich bin heute ganz seltsam gestimmt. Youtube hatte mir gestern ein Gartenvideo vorgeschlagen, das ich geschaut habe. Die Gartendinge waren nichts neues, Erbsen und rote Beete wachsen überall gleich, aber der Garten war in einer Landschaft/Umgebung eingebettet, die irgendein Gefühl in mir geweckt hat, das ich nicht genauer bestimmen kann. Eine diffuse Sehnsucht, aber ich weiss nicht, wonach.
Vielleicht ist es ein Gefühl aus meiner Kindheit (die bei mir nicht unglücklich war, normal, wenn man das so sagen kann), weil das Gefühl so ungetrübt ist, da schwingt kein Alkohol mit und auch kein Müssen. Ein Gefühl ganz frei von Verpflichtungen.
Erst wollte ich das Gefühl einfangen, benennen, einordnen und als immer wieder abrufbar aufbereiten. Aber das Gefühl widersetzt sich diesen Bemühungen und bleibt unbestimmbar und diffus. Ist es der Garten? Der Frühling, der vor der Tür steht? fragte ich mich, aber als ich "Garten" dachte, dachte ich gleich als nächstes: "um die Gartensaison zu eröffnen, müsste ich als erstes... und dann..."
Da war es wieder, das Müssen, das Thema treibt mich immer noch um, und vor dem Hintergrund dieser unbestimmten Sehnsucht wurde mir nochmal deutlich, wie strukturiert ich geworden bin, seit ich abstinent bin. Mein ganzes Leben habe ich in Teilbereiche eingeordnet, Handwerk, Garten, Zwischenmenschliches, und diese Teilbereiche haben wiederum Unterbereiche, die in lauter Erledigungstätigkeiten ausarten. Ich habe das immer weit von mir gewiesen, aber mir scheint, ich bin echt aufm besten Wege eine Perfektionistin zu werden.
Ist mir besonders aufgefallen, als ich an den Garten dachte, und nur Dinge aufploppten, die, und hier sage ich es mal bewusst so: getan werden müssen. In Kontrast zu besagtem Gefühl wurde das besonders deutlich. Ich arbeite mein Leben ja nur noch ab! Selbst die schönen Dinge organisiere ich so lange in kleine Häppchen zum erledigen, bis sie als Unerledigtes bedrückend herumliegen. So geht das aber auch nicht. Ordnung ist ja schön und gut, aber ich glaube, ich bin zu weit gegangen.
Meine Freude darüber, dass ich durch die Abstinenz wieder die Kontrolle über mein Leben erlangt habe, ist wohl etwas ausgeufert. Ich will Dinge unter Kontrolle haben, die sich dieser entziehen, und meine Kontrolle vor allem gar nicht haben wollen. Neue Aufgabe für mich: mal nen Gang zurück schalten, und den Dingen wieder mehr ihren Lauf lassen.
Und das unbestimmte (aber ganz angenehme) Gefühl einfach mal mit in den Tag nehmen, so wie es ist.
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Da war es wieder, das Müssen, das Thema treibt mich immer noch um,
Danke für deinen Beitrag, Perdita . Du bist sehr aufmerksam mit dir und mich hat es zum Nachdenken angeregt.
In D haben wir seit Wochen nasses, kaltes Winterwetter und meine ToDo Liste wird immer länger,
denn dies und das "muss" gemacht werden.
Wenn die ersten warmen Tage kommen, könnte es sein, dass ich in operative Hektik ausbreche,mich vor lauter ToDo's verzettele und dann ziemlich schnell unzufrieden werde.
Diese ToDo Liste habe ich neulich mal durchgelesen. Brauch ich das? Muss das sein? Darf/will/kann/muss ich es?
Das hat schon geholfen, die Liste ist zwar (noch) nicht kleiner geworden, aber die Dinge, die ich machen "will", stehen jetzt ganz oben. Okay, ein paar "Muss" sind auch dabei.Es ist ja auch ganz normal, sonst wäre der Mensch nicht da, wo er heute ist. Er braucht die Dopamin-Freisetzer, aber eben alles in Massen.
Manchmal verselbstständigt sich das System und ein "Muss" oder "Will" kommt zum anderen.
Bei mir z.B., wenn ich durch den Baumarkt gehe. Die einfache Frage "Muss ich das?, Will ich das?", hat mich schon vor dem ein oder anderen unnötigen "Nice to have" bewahrt.
Es ist wie bei der Sucht, das Gehirn reagiert auf Dopaminlücken und versucht diese mit bekannten Mustern aufzufüllen. Diesen Impuls kann ich unterbrechen, wenn ich will.
Es gibt kleine Hilfen und Routinen, die mir dabei helfen dieses Müssen zu reflektieren,es gibt da so einen Schlüsselanhänger, ich glaube er lautet "Einen Sch... muss ich!"
Wenn es dann wirklich ein Muss ist, holt mich die Realität wieder ein und es wird gemacht.Ein Gefühl ganz frei von Verpflichtungen.
Erst wollte ich das Gefühl einfangen, benennen, einordnen und als immer wieder abrufbar aufbereiten. Aber das Gefühl widersetzt sich diesen Bemühungen und bleibt unbestimmbar und diffus.
Hm, interessant. Da denke ich noch drüber nach.
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Guten Morgen,
genau, Nayouk24 , "einen Sch... muss ich!"
Was mache ich denn heute? Hier ist seit heute die lange Zeit mit garstigem Wetter vorüber, die Sonne ist da. Nachmittags gehe ich auf jeden Fall raus, in die Sonne. Und bis sie um die Ecke kommt, schraube ich vielleicht noch ein paar Gipsplatten ran, das macht gerade viel Spass, weil es so ein grosses Vorher-Nachher ist und den Raum so verändert. Oder stell ich die Möbel im Wohnzimmer um? Hätte ich auch Lust drauf.Hm, ich weiss noch nicht, ich geh mal nen Kaffee trinken und dann schau ich weiter.
Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
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Hallo Perdita,
Wünsche Dir auch ein tolles Wochenende. Ich lese sehr gern bei Dir im Faden weil du oft so optimistisch schreibst und ich aus deinen Lebensbetrachtungen viel für mich mitnehmen kann. Und ich bin definitiv auch der „Kaffee-Frühstücker“ 🤭
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Guten Morgen,
Wasserstandsmeldung: es geht mir gut, aber ich merke, ich muss gerade wachsam sein. Ich habe festgestellt, dass mein Suchthirn sich gerne in den Übergangsjahreszeiten meldet. Hier hat jetzt der Übergang angefangen, seit Samstag. Und es ist schön, wieder draussen in der Sonne sitzen zu können, aber dann kommen Erinnerungen hoch an draussen in der Sonne sitzen mit Bier.
Da war zwar vordergründig kein Suchtdruck und kein Verlustempfinden, ich dachte, ich stelle theoretische Betrachtungen drüber an, wie sehr die ersten warmen Frühlingstage mit draussen sitzen, und ein alkoholisches Getränk der Wahl konsumieren, in unserer Gesellschaft verknüpft sind. Bis ich plötzlich merkte, dass das gerade meine Suchtstimme ist, heute im Gewand der "theoretischen Betrachtung" gekleidet.
Und als solche erkannt, konnte ich sie dann auch gleich wegscheuchen, ich diskutiere nicht mir ihr, egal als was sie sich gerade verkleidet.
Es gilt also gerade erhöhte Aufmerksamkeit bei mir, aber grundsätzlich fühle ich mich stabil.
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Hi! Du hast ja schon einen abstinenten Frühling und Sommer verbracht. War es da auch so? Die "Gesellschaft" trinkt eben vermehrt draußen anstatt drin. Aber trinken tut sie doch das ganze Jahr.
Grüße
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Hallo Perdita,
zusätzlich zur Frage von Hera hatte ich noch folgenden Gedanken:So lange ich bei mir von draußen draufgucken kann, was ich so denke, und hier insbesondere in Bezug auf Alkohol, gehört das zur Trockenarbeit dazu, also für mich jetzt.
Indem ich die Suchtstimme erkenne und benenne, kann ich sie bannen. (Erinnert mich jetzt an irgendwelche Geschichten über „böse Geister“, aber ein bisschen ist das ja auch so.)Klappt es eigentlich bei dir, dass du dir wie geplant „wenig Umstände“ machst für deine Gästin?
Viele Grüße
Thalia
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Guten Morgen,
ja, es war auch letztes Jahr im Frühjahr so, Hera , dass mit dem Aufkommen der ersten warmen Tage bei mir Bammel aufgekommen ist, ob ich abstinent bleiben kann, wenn die hellen, lauen Sommerabende kommen. Letztes Jahr um diese Zeit war ich aber auch noch relativ frisch abstinent, da hat so ziemlich alles Sorge um meine Abstinenz ausgelöst.
Völlig unbegründet, wie ich im Kopf weiss, weil der letzte Sommer, der erste abstinente Sommer, toll war. Ich hatte mich sehr gut gefühlt, auch weil ich die hellen,lauen Sommerabende tatsächlich mitgekriegt habe. So toll fühlte sich der Sommer an, dass ich dann im Herbst wieder diesen Bammel hatte, ob ich abstinent bleiben kann, an den langen gemütlichen Abenden vor dem Kamin im Winter... Und jetzt geht genau dieses Programm wieder los, obwohl ich doch weiss, dass ich es kann.
Ich habe mich gefragt woher das kommen mag, dass ich mich beim Übergang der Jahreszeiten so wackelig und unsicher fühle wie ganz am Anfang meiner Abstinenz. Ich glaube, es liegt daran, dass ich mir meiner Abstinenz nach wie vor nicht sicher bin. Als würde ich dem Frieden nicht trauen. Ich will unbedingt abstinent bleiben, und es ist mir völlig klar, dass in meinem Leben nie mehr was gehen wird mit Alkohol, das ist es nicht.
Es ist eher so, als würde ich mir selber nicht so ganz trauen. Die Möglichkeit, dass das Suchthirn übernehmen könnte, fühlt sich für mich immer noch sehr real und auch unangenehm nah an. Wahrscheinlich gehöre ich deswegen auch zu der übervorsichtigen Fraktion, und meide Alkohol wie die Pest. Weil ich mir nicht traue, meinem Handeln nicht vertraue, wenn Alkohol mir zu nahe kommen würde. Und so lange das noch so ist, bleibe ich einfach in dem Modus, als wäre ich noch im ersten Jahr.
Bei mir dauert es ja bekanntlich immer etwas länger, bis Dinge richtig angekommen sind

Deswegen habe ich ja auch erst diesen Sommer konsequent dafür gesorgt, dass ich mich aus der Sommer-Situation hier rausnehme, weil mir das zu gefährlich ist. Es bräuchte ja bloss mal ein paar Tage lang ein trinkfreudiges Trüppchen zu kommen, das würde mich schon ziemlich ausm Gleichgewicht bringen.
Obwohl ich mich ja sowieso aus dem Gästebereich zurückziehen will. Und die Generalprobe hat gut geklappt, Thalia1913 . Ich habe mir wenig Umstände mit der Gästin gemacht, ich habe einfach mein Ding weiter gemacht, und wenn wir uns per Zufall kreuzten, bin ich natürlich schon auf einen Schwatz stehen geblieben, aber ich fühlte mich nicht zuständig für ihr Wohlergehen. Hat sie aber auch bestens ohne mich hingekriegt, heute wird sie wie geplant weiter reisen.
Das gesagt, geh ich sie jetzt gleich mal suchen, zum Abschied nehmen!
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Ich habe mich gefragt woher das kommen mag, dass ich mich beim Übergang der Jahreszeiten so wackelig und unsicher fühle wie ganz am Anfang meiner Abstinenz. Ich glaube, es liegt daran, dass ich mir meiner Abstinenz nach wie vor nicht sicher bin. Als würde ich dem Frieden nicht trauen
Vielleicht kommt das auch, weil du innerlich drauf gewartet hast? 🤔
Ich habe dem Frieden anfangs auch nicht getraut, habe auf den großen Knall gewartet, weil mir das Nüchternsein viel zu einfach vorkam.
Jahrelang habe ich gegen den Alkohol gekämpft und auf einmal soll das Nichtsaufen so einfach sein? …..Ich habe mir dann gesagt, wenn ich jetzt weiter auf diesen großen Knall warte, kommt er vielleicht auch, so wie ….die Geister, die ich rief ….
und dann habe ich mich auf meine nüchternen Tage, Wochen und dann Monate konzentriert und habe das Leben wieder lieben gelernt.
Aber ich hatte dennoch tief in mir drin von Anfang an die Überzeugung, dass ich jetzt nüchtern bleibe. Weil das meine einzige Chance zum Leben ist. -
Guten Morgen,
viel Dank für deine Antwort, Stern , ich habe drüber nachgedacht, ob ich auf den grossen Knall warte? Nicht mal so sehr, es ist eher eine allgemeine Unsicherheit was meine Abstinenz betrifft. Es macht mich stutzig, dass ich doch recht oft an Alkohol denke, bestimmt jeden Tag mindestens einmal. Zwar nicht in dem Sinne, dass ich trinken will, oder Verzichtgedanken, aber das Thema Alkoholsucht ist für mein Empfinden ungewöhnlich präsent bei mir, dafür, dass ich über ein Jahr nüchtern bin.
Es sind nicht die Gedanken an sich, die mich irritieren, eher ihre Häufigkeit. Ich lese hier immer wieder, dass die Leute nach den ersten anstrengenden Monaten gar nicht mehr an Alkohol denken. Regelmässig ins Forum kommen, damit sie nicht vergessen Alkoholiker zu sein. Und dann frage ich mich: "warum vergesse ich eigentlich nie, dass ich Alkoholikerin bin?" Mal für ein paar Tage, oder sagen wir, eine Woche?
Und dann frage ich mich, ist meine Abstinenz irgendwie nicht gut genug? Nicht im Sinne von einem bizarren Wettbewerb, sondern eher, mache ich das denn richtig? Soll das so, kann das so? Ich kenne diese Unsicherheit aus anderen Bereichen in meinem Leben nicht, da vergleiche ich mich nicht mit andern und gebe auch nicht so viel auf deren Meinung zu meiner Lebensführung.
Nur bei meiner Abstinenz bin ich so seltsam unsicher und stimme mein eigenes Empfinden täglich mit dem ab, was ich hier im Forum lese. Ist es, weil mir meine Abstinenz so extrem wichtig ist? Ich will auf gar, gar keinen Fall, dass das schief geht, mein Leben ist so viel besser geworden. Und ich weiss, dass ich bei einem Rückfall sehr tief fallen würde, und wahrscheinlich auch lange. Aber das will ich gar nicht rausfinden! Deswegen bin ich so ängstlich darauf bedacht, auch ja alles richtig zu machen.
Ich fühle mich wie gesagt zur Zeit stabil. Nur etwas verunsichert angesichts meiner Unsicherheit ob mit meiner Abstinenz alles in Ordnung ist. Ach, weiss auch nicht, ist wahrscheinlich etwas wirr... Aber ich kann vermelden: es geht mir gerade gut, alles läuft!
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Es macht mich stutzig, dass ich doch recht oft an Alkohol denke, bestimmt jeden Tag mindestens einmal. Zwar nicht in dem Sinne, dass ich trinken will, oder Verzichtgedanken, aber das Thema Alkoholsucht ist für mein Empfinden ungewöhnlich präsent bei mir, dafür, dass ich über ein Jahr nüchtern bin.
Findest du das schlimm?
Ich habe für mich festgestellt, dass es einen großen Unterschied für mich macht, wie ich an Alkohol denke.
Ich denke sogar mehrmals am Tag an Alkohol. Immer, wenn ich hier lese, ist doch Alkohol irgendwie präsent. Entscheidend finde ich, wie wohl oder unwohl ich mich dabei fühle. Ich finde es wichtig, mich täglich mit dem Thema auseinandersetzen, wobei auseinandersetzen oft auch nur hier lesen ist.
Der Alkohol löst sich ja nicht in Luft auf, wenn ich komme. Er ist da. Und er wird auch immer da bleiben.Und dann frage ich mich: "warum vergesse ich eigentlich nie, dass ich Alkoholikerin bin?" Mal für ein paar Tage, oder sagen wir, eine Woche?
Willst du das denn vergessen?
Für mich wäre das vermutlich mein Todesurteil, wenn ich vergesse, dass ich Alkoholiker bin. Von daher wäre es fatal, wenn ich das auch nur für einen einzigen Moment vergesse.Es ist eher so, als würde ich mir selber nicht so ganz trauen. Die Möglichkeit, dass das Suchthirn übernehmen könnte, fühlt sich für mich immer noch sehr real und auch unangenehm nah an.
Die Möglichkeit, dass das Suchthirn übernimmt, ist doch bei jedem Alkoholiker gegeben. Sonst wäre er ja kein Alkoholiker. Warum sollte das bei dir anders sein?
Ich habe diese Möglichkeit als Teil der Krankheit akzeptiert. Damit verschwand auch dieses unangenehme Gefühl.
Es ist, wie es ist. Ich bin suchtkrank, ich werde immer Alkoholiker bleiben und als solcher werde ich nie sicher vor einem Rückfall sein.Meine ganz persönliche Aufgabe sehe ich darin, mein Leben zu leben, so gut wie ich es eben kann. Und das geht nun mal nur absolut alkoholfrei.
Nur bei meiner Abstinenz bin ich so seltsam unsicher und stimme mein eigenes Empfinden täglich mit dem ab, was ich hier im Forum lese. Ist es, weil mir meine Abstinenz so extrem wichtig ist? Ich will auf gar, gar keinen Fall, dass das schief geht, mein Leben ist so viel besser geworden. Und ich weiss, dass ich bei einem Rückfall sehr tief fallen würde, und wahrscheinlich auch lange. Aber das will ich gar nicht rausfinden! Deswegen bin ich so ängstlich darauf bedacht, auch ja alles richtig zu machen.
Für mich das Trockenarbeit. Und für mich ist das auch absolut wichtig.
ich gleiche ab, ich hinterfrage mein Verhalten und meine Gedanken. Ich nehme mir hier aus den Beiträgen mit, was für mich passt, lasse aber auch mal liegen, was für mich nicht passt …..drehe mich aber auch immer mal wieder um, um zu gucken, ob das Liegengelassene nicht heute doch passen könnte. -
Es sind nicht die Gedanken an sich, die mich irritieren, eher ihre Häufigkeit. Ich lese hier immer wieder, dass die Leute nach den ersten anstrengenden Monaten gar nicht mehr an Alkohol denken.
Jeder hat seinen eigenen Weg, aber die Sucht ist allen gemein.
Ich bin seit über 2 Jahren hier im Forum und es gab keinen Tag an dem ich nicht in irgendeiner Form an meine Sucht gedacht habe, sei es an Alkohol selbst, wie ich ihn wahrnehme, an mein Achtsamkeit, an meine Haltung, an meine Stabilität, an mein abstinentes Leben und an Risiken, aber auch an das Glück und die Zufriedenheit, die ich wieder erfahren konnte.
Die Sucht ist in mir und so wird es immer bleiben. Dass ich jeden Tag daran denke, hat mich am Anfang auch irritiert. Heute ist es normal geworden und es belastet mich auch nicht. Es ist für mich ein Zeichen, dass ich aufmerksam bin und nicht in Nachlässigkeit und Leichtsinn abdrifte. Meine Abstinenz wird jeden Tag länger und sie ist kein Ausflug der irgendwann beendet sein soll. Aber der Moment, mit dem alles wieder zu Ende sein kann, der ist ganz kurz, vlt. nur eine Sekunde.Das hat nur bedingt was mit meiner Tätigkeit hier im Forum zu tun. Es ist ein Teil von mir geworden und diese Präsenz ist für mich überlebenswichtig, genauso wie Essen,
an das ich auch jeden Tag denke. Nicht abhängige Menschen müssen auf diesen Teil der Selbstfürsorge nicht achten, dafür haben sie vlt. eine andere Aufgabe.Liebe Grüße
Nayouk
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