Beiträge von Perdita

    Hallo zusammen,

    da sagst du was, Aurora , es fällt mir gar nicht so leicht, "unproduktive" Zeit mitzudenken. Nur schon, dass ich Freizeit so nenne, sagt wahrscheinlich so einiges aus... Und doch beginnt mir der Umstand der Teilzeitarbeit immer besser zu gefallen. Das liegt wohl auch daran, dass mein Arbeitsaufenthalt in der Heimat dieses Mal anders motiviert ist als die Male davor.

    Es begann zwar auch dieses Mal mit finanziellen Erwägungen, aber als ich die Entscheidung getroffen hatte, kamen noch mehr Gründe dazu, die für mich inzwischen genau so wichtig sind. Um ein Wort zu benutzen, das ich eigentlich nicht so gerne mag, betrachte ich es dieses Sommer mehr als einen ganzheitlichen Aufenthalt.

    Ich freue mich zum Beispiel auch schon, mich wieder mit Leuten zu treffen, für die ich nicht "zuständig" bin. Einfach mal mit Leuten plaudern, für die ich nicht kochen muss, und denen ich nicht das Bett frisch beziehen muss, das wird bestimmt schön.

    Und ich merke ja auch, wieviel diese Entscheidung allgemein bei mir angestossen hat, auch das ist dieses Mal anders. Ich möchte grundsätzlich hier wohnen bleiben, und nur für Aufenthalte zurück in die Heimat, aber nicht mehr zu den aktuell gegebenen Bedingungen. Aber da bin ich ja dabei, die zu ändern. Und so betrachtet ist meine Abwesenheit im Sommer nur ein Schritt unter vielen, der auch sagt: "Nein, ich möchte nicht mehr im Gäste-Bereich arbeiten."

    Falls dieser Bereich in dieser Form beibehalten werden möchte, dann in Zukunft ohne mich. Aber mich daraus zu lösen fällt mir ebenfalls nicht so leicht. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich irgendwas organisieren will, für die Zeit meiner Abwesenheit, und muss mich dann richtig zurückpfeiffen. "Lass es Perdita! Du bist dann nicht da, es ist nicht dein Problem, das werden die schon irgendwie machen!"

    Die Abwesenheit ist also nicht nur ein Zeichen für andere, dass ich es Ernst meine, nicht mehr für Gäste zuständig sein zu wollen, sondern auch für mich selber. Würde ich hier bleiben, könnte ich mich da wahrscheinlich nicht rauslösen.

    Guten Morgen,

    heute früh war mir etwas schwer ums Herz, das Pendel war beim Bedauern, den Sommer nicht hier zu sein. Eigentlich dachte ich, ich freue mich, gestern war das abschliessende Telefonat wegen Job, das ist jetzt fix, dass ich da arbeite, geht aber nur Teilzeit. Habe mich trotzdem für diesen Job entschieden, weil ich ihn gerne mache und weil ich da eine Wohngelegenheit habe, und nicht gleich wieder die Hälfte als Miete dalassen muss.

    Das Teilzeit muss ich allerdings erstmal neu denken. Bei meinen Plänen ging ich immer von Vollzeit aus. Bisher gestalteten sich solche "Arbeitsaufenthalte" immer so, dass ich da hin ging, Kopf ausschalten, von morgens bis abends spät arbeiten um Geld zu scheffeln, und nach drei Monaten wars vorbei und ich konnte wieder hierher zurück und mein eigentliches Leben wieder aufnehmen.

    Gesund war das nicht, aber einträglich. Und heute früh war ich deswegen verzagt, "aber was mach ich denn da, wenn ich nicht arbeite?" Was soll ich denn bitte mit "Freizeit", wenn es nichts zu tun gibt?? Was für eine Verschwendung von Zeit, wo es doch hier immer was zu tun gäbe.

    Aber es geht langsam, ich kann mich an die Idee gewöhnen. Da ich mit dem Auto unterwegs bin, kann ich ja mein Werkzeug mitnehmen. Es werden sich schon Leute finden, denen ich ein Hochbeet in Garten bauen kann, oder eine Steintreppe. Ausserdem habe ich dann Zeit, an meinem Kirchenfenster zu arbeiten, und ich habe mich nach Intensiv-Kursen für die Landessprache hier umgeschaut, man kann ja auch woanders ein Leben führen, und muss nicht nur arbeiten.

    Guten Morgen,

    ich habe gestern noch länger über deinen Satz nachgedacht:

    Das hörte sich für mich nach sehr viel Arbeit an, gepaart mit Perfektionismus (die Ecke).

    es hat mich stutzig gemacht, weil das Wort "Perfektionismus" nicht zum ersten mal in meinem Faden auftaucht. Ich wähnte mich nie auch nur in der Nähe von Perfektionismus, in meiner Selbstwahrnehmung bin ich mehr der "passt schon so"-Typ, aber es könnte sein, dass das auch etwas ist, das sich schleichend und unbemerkt von mir verändert mit der Abstinenz. Ich werde das jetzt auf jeden Fall mal beobachten, danke dir dafür.

    Sprechend von der Ecke, gehe ich gleich los, ich muss mehr Sand besorgen für meine Lehmmischung. Ich kann überall die nächste Schicht aufbringen, da alle durchgetrocknet sind. Und ja, ich habe beschlossen den Mehraufwand zu machen um die Ecke in einen rechten Winkel zu bringen.

    Und die Stromrechnung? Ich bin auf Hindernisse gestossen! Bzw mir wurde von Seiten des Stromanbieters klar gemacht, dass ich nicht einfach aus heiter hellem Himmel daherkommen kann, auf einen bestehenden Vertrag zeigen und behaupten: "Dieser Stromanschluss gehört jetzt mir! Kommunizieren Sie ab sofort nur noch mit mir, und ändern Sie alles auf meinen Namen und meine Kontaktdaten." Da muss der bisherige Inhaber natürlich mitmachen. Hätte ich auch selber drauf kommen können.

    Der bisherige Inhaber ist die Person, die ich letzthin zum Flughafen gebracht habe, kommt am Wochenende aber zurück, dann kann das hoffentlich nächste Woche abgewickelt werden.

    Guten Morgen,

    ich danke euch für eure Genesungswünsche, sie haben gewirkt, ich wandle wieder. Noch nicht zu hundert Prozent, aber ich kann es keine Sekunde länger auf meinem Krankenlager ertragen, da verfalle ich in Trübsal. Mein Körper war so mit andern körperlichen Dingen beschäftigt, dass die Hirnkapazität aufs allernötigste heruntergefahren wurde. An lesen war nicht zu denken, selbst die seichteste Berieselung am Handy mochte mein Hirn nicht zu fassen, ich war liegend und dämmernd ganz auf mich selbst zurückgeworfen. Und da war wie gesagt nicht viel los im Kopf, ich bin mir wie gefangen vorgekommen, ohne eine Möglichkeit, diesem Zustand zu entrinnen.

    Bloss weg da, sobald es nur geht! Und aus diesem Jammertal kommend, habe ich gerade die Beschreibung einer Achtsamkeitsübung bei Kyra gelesen und fand die sehr schön. Und ich frage mich, warum ist es eigentlich so, dass das Schlechte immer so laut und polternd daher kommt, und das Gute zurückhaltend und leise bleibt?

    Tut das Bein weh, drängt es sich forsch und selbstbewusst ständig in den Mittelpunkt, tut das Bein nicht weh, denkt kein Mensch "ach, schön, und mein Bein tut nicht weh." Sind Achtsamkeitsübungen auch bewusste Ansprachen an die Dinge im Leben, die gerade gut laufen? Ein geschärftes Hinhören, weil man sonst in Gefahr läuft, sie in dem Geplärre nicht zu hören?

    Achtsamkeit und auch Achtsamkeitsübungen sind für mich recht neu, in meiner nassen Zeit hatte ich dafür nur ein verächtliches Schnauben übrig, "esoterisches Geschwätz!" und nach meinem kurzen Ausflug in ein körperlich und psychisch rundum-Unwohlsein kann ich das sogar nachempfinden. Das Geplärre ist da sehr laut.

    Und so habe ich das Gefühl, dass mein abstinentes Leben mir nicht nur körperlich und psychisch viel besser bekommt, sondern mich auch empatischer gegenüber andern Menschen macht. Ich muss ja nicht alles gut finden, aber ich kann auch das anders sein als ich besser akzeptieren, weil ich lerne auch die leisen und zurückhaltenden Töne zu hören,die Beweggründe sein können, die ich in meiner nassen Zeit einfach gar nicht hören konnte.

    Naja, weiss auch nicht so genau, auf alle Fälle bin ich froh, wieder zu wandeln und wünsche euch allen einen schönen Tag.

    Guten Morgen,

    ich hatte gestern mal nachgehakt, ob die Mahnung für den Internetanschluss inzwischen bezahlt wurde? Nein, wurde sie nicht. Ich hatte schon tief Luft geholt, um einen Vortrag drüber zu halten, dass Internet wichtig sei, um nicht völlig von der Aussenwelt abgeschnitten zu sein, onlinebanking usw, aber dann habe ich leer wieder ausgeatmet. Wem erzähle ich das denn, das wissen sie ja alles selber.

    Bis vor kurzem hätte mich diese Situation sehr gestresst, dass das Internet jeden Tag ausgeschaltet werden könnte und ich gegen Wände rede, das durch bezahlen der Rechnung bitte zu verhindern. Ich hätte mich hilflos und ausgeliefert gefühlt, aber gestern ist das plötzlich von mir abgefallen.

    Ich habe mich an das Gelassenheitsgebet erinnert, und mir ging auf, dass ich es nicht ändern kann, wenn dem "Betriebs-Internet" (an dem ich aktuell auch hänge) nicht so hohe Priorität eingeräumt wird ,wie ich das gerne hätte. Es ist nicht an mir, Prioritäten anderer Menschen zu ändern, aber was ich ändern kann, ist, einen eigenen Internetanschluss zu machen. Dem kann ich dann so hohe Priorität einräumen wie ich möchte.

    Ich dachte, das mach ich dann mal, bei Gelegenheit. Hat sich nun aber vom Mittelfeld ganz nach oben auf der Liste verschoben. Mein erster Schritt wird nun also heute, gleich nachher, sein, die Stromrechnung auf meinen Namen umschreiben zu lassen. Damit ich einen Beweis meiner Existenz vorlegen kann um ein eigenes Abo abzuschliessen. Dann geh ich jetzt mal rausfinden, wie das hier gemacht wird und die Unterlagen dazu zusammensuchen!

    Ich wünsche euch allen einen schönen Tag.

    Guten Morgen

    Vielen Dank für deine Zeilen, Thalia1913 , ich habe mich sehr darüber gefreut. Ich bin manchmal immer noch unsicher mit dem was ich schreibe "das gehört doch nicht in ein Alkoholiker-Forum", aber dann rufe ich mir wieder in Erinnerung, was du geschrieben hattest:

    Bei mir hat alles, was mit mir persönlich zu tun hat, zumindest mittelbar auch mit meiner Sucht zu tun.

    und dadurch gestärkt, klicke ich dann einfach auf senden! Ich hatte im letzten Herbst über mehrere Wochen das ganz unangenehme Gefühl, dass das Eis, das mich trägt, plötzlich wieder dünner wird. Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie es dazu kam, es war auch nicht akuter Suchtdruck, sondern eher ein diffuses Gefühl das über allem schwebte, Gewitterwolken gleich, die am Horizont aufzogen.

    Obwohl ich nicht den Finger drauf legen konnte, fühlte ich mich in zunehmender Gefahr, der Alkohol rückte wieder näher heran. Das hat schliesslich den Ausschlag gegeben, mich wieder hier zu melden, obwohl es mir so unangenehm war, von jemandem erkannt worden zu sein. Das jemand mitlesen könnte, der weiss, wer ich bin, war mir dann doch das kleinere Übel als schweigend zurückgezogen in einen Rückfall zu schlittern.

    Die Flucht nach vorne hat funktioniert, das Gefühl ist weg. Und damit es nicht wieder kommt -oder von andern vielleicht früher erkannt wird als von mir- habe ich beschlossen, hier jeden Tag etwas zu schreiben, das habe ich mir von Bibitor 66 abgeschaut. Ich merke auch, dass mir das gut tut, ich kann hier üben, über meine Gefühle zu sprechen. Etwas, in dem ich bisher nicht gut war/bin. Aber da wegsaufen keine Option mehr ist, muss ich das jetzt weiter üben. Trainieren!

    Deswegen stört es mich inzwischen auch nicht mehr, erkannt worden zu sein. Weil ich gerade merke, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich meine Unzufriedenheit mit einer Situation artikuliere. Oder meine Gefühle allgemein, auch wenn sie manchmal unangenehmer Sorte sind.

    Danke dir Alex_aufdemweg für die Info. Gut diese Möglichkeit zu kennen, obwohl ich hoffe, dass ich sie nicht brauchen werde und die Umstellung auf Glasfaser problemlos funktionieren wird.

    Gestern wurde mir zugetragen, dass sich für Ostern mehrere Gäste unabhängig voneinander angesagt haben. Ich hab das mal so zur Kenntniss genommen und bin wieder zurück auf meine Baustelle. Ohne das es mir bewusst war, wurde ich immer unruhiger, auch mutloser und fühlte mich plötzlich überfordert, weil mehr von der Wand runter gekommen ist als ich geplant hatte.

    Sollte ich mich etwa übernommen haben mit dieser Baustelle? Wird sie jemals fertig?? Ich wollte das Zimmer doch nur ein bisschen hübsch machen, nicht gleich eine Grundsanierung durchführen! Es dauerte etwa eine Stunde, bis mir aufging, dass die Wand nicht das Problem war, handwerkliche Probleme werfen mich nicht dermassen aus der Bahn. Es war die Ankündigung von Gästen.

    Als mir das klar war, dauerte es aber nochmal etwa eine Stunde, in der sich das Karussell mit Unwillen, Überforderung und Gereiztheit drehte, bis ich mich wieder etwas runterbringen konnte.

    Heute geht es mir wieder gut, aber wenn ich letzte Zweifel hatte, ob der eingeschlagene Weg der richtige seie, sind diese nun weggewischt. Wenn die blosse Ankündigung von Gästen in zehn Wochen (!) schon so eine heftige Reaktion bei mir auslöst, dann ist das wirklich nicht mehr das richtige für mich. Die Gastgeberin die keine Gäste mag, ich bin eine Fehlbesetzung in meiner Rolle geworden. Ich denke, es ist für alle das Beste, wenn ich mich daraus zurückziehe.

    Guten Morgen,

    ja, es liegt an mir, daran etwas zu ändern, und das werde ich tun. Bewusst wieder mehr Aufmerksamkeit in den Alltag einbauen. Das geht ja auch gut, wenn ich mir jeden Tag auch nur ein kleines Häppchen Aufmerksamkeit vornehme, bis es mir wieder zur Gewohnheit wird.

    Ich habe sowieso gerade einen Lauf, was Veränderungen angeht. Weiter aufräumen! Ich habe vorhin auf der Baustelle eine Wand freigeräumt, weil ich da nachher Platz brauche, und habe mich wieder mal über die Internet-Installation geärgert. Der WLAN-Router für dieses Haus hängt an einem uralten Lan-Kabel, das vor über 20 Jahren vom Hauptgebäude übers ganze Gelände hierher gezogen wurde. War als Provisorium gedacht, das Kabel ist um Bäume geschlungen (die inzwischen viel höher sind), führt über einen tiefen Graben, wurde an einer Stelle einfach in eine Mauer eingemauert, weil es im Wege hing, und ist am Ende, hier, schon ganz spröde und um den Stecker rum ganz ausgefranselt.

    Man darf den Router und vorallem das Kabel auf keinen Fall berühren, sonst geht das Internet verloren. Der Router steht auf einem eigenen Sockel, wie so ein Altar, und ich muss auf der Baustelle ständig um das heilige Internet rumarbeiten, das ist schon lästig. Und statt ein neues Lan-Kabel zu legen, möchte ich nun einen eigenen Internetanschluss. Das kostet nicht die Welt, und ich wäre unabhängig. Ende Jahr wird in diesem Land die Internet-Übertragung über Kupferkabel eingestellt, bis dahin müssen sich alle drum gekümmert haben, dass sie einen Glasfaseranschluss gelegt haben.

    Man muss sich also nur melden, bitte kommen Sie und legen Sie Glasfaser, dann machen sie das umsonst. Ist also ein guter Zeitpunkt, mir einen eigenen Anschluss legen zu lassen, das einzige Problem ist, dass ich aktuell kein eigenes Abo abschliessen kann, weil ich meine Existenz nicht nachweisen kann. In diesem Land gibt es keine Meldepflicht, man beweist seine Existenz mit dem vorlegen einer Stromrechnung auf seinen Namen.

    Eine Stromrechnung auf meinen Namen habe ich allerdings nicht, weil die ebenfalls über den Betrieb läuft. Mein erster Schritt wird also sein, meine Stromrechnung aus der allgemeinen Stromrechnung hier rauszulösen und auf meinen Namen umzuschreiben.

    Ich möchte mich aus dem ganzen Geflecht des Betriebs rausfummeln. Ich möchte meine eigenen Rechnungen haben, die ich im Auge behalten kann. Ich will eine eigene Existenz sein, die handlungsfähig ist und nicht mehr auf das Handeln anderer angewiesen sein.

    Ich meinte damit die sehr gesteigerte Aufmerksamkeit, oder bewusste Aufmerksamkeits-Übungen ausführen. Das hatte mir am Anfang sehr geholfen, als ich frisch aus der Klinik zurück in den Alltag gekommen bin, und meine grösste Sorge war, dass mit meinem gewohnten Alltag auch wieder der gewohnte Griff zur Flasche zurück kommen könnte.

    Und dieses bewusste schärfen der Aufmerksamkeit hat mit der Zeit nachgelassen, langsam und unbemerkt, wie mir erst heute morgen allein auf weiter Flur auf der Autobahn aufgefallen ist.

    Guten Morgen,

    heute bin ich schon lange wach, habe jemanden zum ersten Flug an Flughafen gefahren. Die Fahrten zu ungewöhnlichen (Nacht-) Zeiten übernehme ich im Normalfall, und das gerne. Weil ich es kann! Das ist ein Überbleibsel aus meiner abstinenten Anfangszeit, dem "Wunder des Nüchternseins", in der sowas plötzlich möglich war. Morgens um 4 Uhr fahrtauglich zu sein war in meiner aktiven Zeit unvorstellbar.

    So viele kleine Dinge, die mir inzwischen normal geworden sind, und die ich ganz am Anfang mit grossem Entzücken gemacht habe. Mir ist das Beispiel von stef in erinnerung geblieben: in Gesellschaft wieder Suppe essen können, weil die Hände nicht mehr zittern. Die Aufmerksamkeit für diese kleinen Dinge ist mir im Alltag abhanden gekommen, die wird in dieser Form auch nicht zurück kommen, da mach ich mir nichts vor.

    Aber nur für heute habe ich mir vorgenommen, mal wieder so aufmerksam zu sein wie ganz am Anfang, und alle kleinen Dinge im laufe des Tages zu zählen, die ich nur machen kann, weil ich abstinent lebe.

    Guten Morgen,

    das Gespräch ist viel besser gelaufen als ich dachte. Ist kein Problem, dass ich den Sommer weg bin. Also, ist schon ein Problem, aber keins, das man nicht bewältigen könnte, zusammen. Ich bin froh, wissen sie jetzt Bescheid, und erst, als wir gestern zusammen Pläne schmiedeten, wie es gehen soll, wurde mir bewusst, wie absurd und unnötig meine Versuche waren, das irgendwie alleine aus meinem stillen Kämmerlein heraus mit irgendwelchen Bekannten usw zu lösen.

    Probleme ansprechen und mit denen reden die es betrifft. Ich muss das wirklich endlich mal lernen und verinnerlichen. Und vorallem Tun, bevor sich alles, das ich in mich hineinfresse, so hoch aufzutürmen beginnt.

    Jetzt kann ich meine Sommer-Abwesenheit reinen Herzens planen, ohne das Gefühl zu haben etwas Heimliches zu tun das schadet. Dieses Gefühl hatte ich lange genug, das brauch ich wirklich nicht mehr in mein abstinentes Leben.

    Danke euch beiden, wollte mich gleich ins Gespräch stürzen, um es hinter mich zu bringen, war aber noch keiner da. Ich lebe mit Nachteulen ;)

    Musst Du Dich wirklich dafür rechtfertigen

    Dass es hier so rüber kommt, als müsste ich mich rechtfertigen, liegt wahrscheinlich daran, dass ihr natürlich nur meine Sicht der Dinge kennt. Die Mitstreiter sehen es bestimmt ganz anders.

    Ja, tief durchatmen, bei mir bleiben, etwas später den nächsten Versuch starten!

    Manchmal kommt das gute und das schlechte zur gleichen Zeit... Im Januar trudeln die ersten Anmeldungen für den Sommer ein, viele Leute sind Stammgäste und wissen schon, wie es hier läuft. Gestern abend schickte mir jemand ganz glücklich die Mitteilung, eben die Flüge gebucht zu haben, sind von dann bis dann da, da könnten wir doch dies machen und jenes, und habe Fotos von der Lehmwand gesehen, wollte ich schon immer mal machen, kannste nicht einen Workshop dazu machen, und hat mich mit der Begeisterung direkt angesteckt. Und dann kam das Bedauern, dass ich ja nicht da bin.

    Und heute morgen dann ein anderer, der mir ebenfalls seine Daten übermittelte, sinngemäss etwa "um ein effizientes Arbeiten zu gewährleisten, wäre es sicher sinnvoll, wenn dieses Jahr bereits vor meiner Ankunft folgende Dinge organisiert wären [...]" Ja, du mich auch, besorg dir deinen Kram zum spielen halt selber, ich bin nicht da!

    So pendelt es in mir hin und her, zwischen Erleichterung und Bedauern im Sommer nicht hier zu sein. Was aber nicht geht, dass langsam alle Bescheid wissen, ausser meine Mitstreiter hier. Ich habe mich bisher davor gedrückt, es mitzuteilen. Als Ausrede vor mir selbst begründete ich das damit, dass ich erst alles in trockene Tücher bringen will (wo arbeite ich, wo werde ich wohnen usw). Aber ich muss das jetzt hier kommunizieren, bevor sie das über irgendwelche Umwege erfahren.

    Das habe ich mir für heute vorgenommen. Habe ich bisschen Bammel vor.

    Hach, guten Morgen, eine kleine Teepause für mich. Ich stehe gerade vor der Frage, ob ich sehenden Auges Pfusch am Bau machen soll, oder ob ich es richtig machen soll. Pfusch am Bau ginge viel schneller, dann wäre dieser Teil heute abgeschlossen. Aber sieht dann halt nicht so gut aus, wie wenn ich es richtig machen würde. Aber ich könnte die Ecke ja dann einfach nicht so genau anschauen. Aber ich mache mir doch nicht die ganze Mühe, um danach nicht hinschauen zu können. Man könnte glaubhaft argumentieren, dass das bei alten Häusern halt so ist, "charmant" nennt man das dann, glaube ich. Ich möchte aber keine charmante Ecke, ich möchte einen 90 Grad Winkel der keine Fragen stellt.

    Aber dann bleibt die Ecke noch so lange in Arbeit, bis mehrere Schichten getrocknet sind! Ich kann ja derweil an anderer Stelle weitermachen. Man würds auch kaum merken. Würde man sehr wohl.

    Jahaa, ich machs ja schon richtig!

    Aber schneller wär Pfusch am Bau gewesen.

    Hallo Abstinenzler , ich glaube, in diesem bestimmten Fall war es nicht die Sucht persönlich, die mich davon abgehalten hat entsprechende Schritte einzuleiten. Ich bin ja mehrere Monate in einer Situation geblieben, die das Potential hatte sehr schnell sehr gefährlich für mich zu werden. Mein Suchthirn ist schnell, aufmerksam, flexibel, allzeit bereit zuzuschlagen, was es aber nicht ist, ist langfristig planend, vorausschauend und abwägend.

    Was mich in der Situation gehalten hat, waren andere menschliche Regungen, die auch Nicht-alkoholiker haben: Gewohnheit, geistige Trägheit, das Unvermögen mir vorzustellen, wie es anders gehen könnte. Und so ungern ich das zugebe, auch Sturheit, "ich will mein Leben so wie es jetzt ist aber behalten!!"

    Ich würde meinen Willen nicht als besonders stark beschreiben, eher solider Durchschnitt, und obwohl es wenig mit Willen zu tun hat, die Sucht trocken zu legen, kommt er für mich da zum tragen, wenn es darum geht akut gegen Suchtdruck anzukämpfen. Und weil ich weiss, dass die Sucht im Zweifelsfall stärker ist als ich, lasse ich es gar nicht erst zum Kampf kommen.

    Und da wiederum habe ich Strategien, die denen der Sucht überlegen sind. Zum Beispiel das vorausschauende Planen, mich gar nicht erst in Situationen zu bringen, in denen das Suchthirn schneller ist, als ich gucken kann. Immer wieder die HALT-Regeln prüfen, und wenn sie nicht erfüllt sind, hinschauen und überlegen, wie ich Dinge ändern kann. Das ist bei mir vorallem der Punkt "angry", wo noch einiges geändert werden muss um ihn kleiner zu machen.

    Ja, ich habe Strategien, die denen der Sucht überlegen sind, aber ich muss sie halt auch benutzen. Und das ist für mich ein Lernprozess. Bei mir sind es beispielsweise die Höflichkeit, es fällt mir schwer ein Verhalten zu zeigen, das als unhöflich empfunden wird. Wenn mir jemand eine Weinflasche als Geschenk in die Hände drückt, mit bester Absicht mir eine Freude damit zu machen, muss ich noch lernen, sie klarer abzulehnen. Oder für meine Grenzen allgemein besser einzustehen, fällt dann wieder unter "angry", wenn ich es nicht tue.

    Obwohl das mit den Grenzen immer besser klappt, ich hörte schon die Klage: "Perdita ist so streng geworden, seit sie nicht mehr trinkt." Tja, kann man nichts machen, Perdita wacht jetzt besser über ihre Grenzen.

    Guten Morgen, gerade noch

    nachdem ich gestern deine Antwort gelesen habe Nayouk24 , bin ich ins grübeln gekommen. Warum es so lange gedauert hat bei mir, bis ich jetzt wirklich bereit bin, der Abstinenz oberste Priorität einzuräumen. Wobei ich auch letztes Jahr der ehrlichen Überzeugung war, dass ich das schon tun würde. Aber in der Rückschau wirken meine ergriffenen Massnahmen eher wie kleinere kosmetische Korrekturen auf mich.

    Mir wurde hier von verschiedenen Seiten aufgezeigt, wie gefährlich das Setting ist, da zu leben wo andere Urlaub machen. Und noch dazu in der Rolle einer Gastgeberin zu sein. Daraufhin habe ich mit meinen kosmetischen Korrekturen angefangen, und irgendwie bin ich ja auch wohlbehalten durch die Saison geschlittert, was rückblickend auch ein grosser Anteil von "Glück gehabt" war, weil nur Leute hier waren, die aus Solidarität mit der frisch trockenen Alkoholikerin keinen Alkohol getrunken haben.

    Das hätte auch anders ausgehen können, und mit anders meine ich schlimm.

    Ich will mich nie wieder auf "Glück gehabt" verlassen müssen was meine Abstinenz angeht. Ich hatte leicht reden, klar, kein Problem, ich geh im ersten Jahr auf keine Konzerte, treffe mich nicht mehr in der Kneipe mit meinen Freunden, nehme nicht an Firmenfeiern teil etc, weil ich das ja sowieso nicht getan habe.

    Als es aber darum ging, meine persönlichen gefährlichen Situationen anzuschauen und zu eliminieren, gehörte ich dann doch plötzlich zu denen, die sagen, "ja, schon, aber mein Fall ist anders, ganz speziell." Ist er nicht. Hat eine Weile gedauert bis ich begriffen habe, dass es der Sucht herzlich egal ist, wie speziell meine Situation doch seie und ich sie deswegen nicht ändern könne.

    Mir ist inzwischen klar geworden, dass das Leben ändern, nunja, Veränderungen beinhaltet. Und Veränderungen sind ja manchmal auch anstrengend, und doch gehe ich mit einem besseren Gefühl dem kommenden Sommer entgegen. "Glück gehabt" aus der Planung zu streichen gibt mir ein Gefühl der grösseren Sicherheit, auch wenn die äusseren Umstände erstmal fragiler wirken.

    Guten Morgen,

    gestern habe ich gute Neuigkeiten gekriegt. Ich arbeite hier für zwei verschiedene Parteien, einmal den laufenden Betrieb hier vor Ort (Gäste, Instandhaltung) und für die zweite Partei, die in D wohnt, baue ich eine alte Scheune auf dem Gelände zum Wohnhaus aus. Der Ausbau ist die Arbeit die ich sehr gerne mache, aber nicht mehr umsonst als Freundschaftsdienst machen kann/will.

    Und mit denen hatte ich gestern ein langes Telefongespräch, sie sehen das völlig ein, und werden mir heute rückwirkend einen grösseren Betrag überweisen und ebenfalls ab anfang Jahr krieg ich jetzt monatlich einen Betrag als Lohn. Das ist kein Handwerkerlohn, aber das wollte ich auch gar nicht. Es ging mir eher darum, dass meine Arbeit irgendwie anerkannt wird und nicht alles als gegeben hingenommen wird.

    Und natürlich entlastet mich das erstmal, wieder bisschen Geld zu haben. Das grosse Geld hol ich dann im Sommer, wenn ich zu einem richtigen Handwerkerlohn in der Heimat arbeiten gehe. Ich bin grad sehr erleichtert, weil es so aussieht als ob das klappen würde, diesen Teil von meinem Leben aufzuräumen und in Bahnen zu lenken mit denen ich einverstanden bin. Potential für Unzufriedenheit aus dem Weg schaffen für eine stabilere Abstinenz.

    Wie toll! Jetzt kann ich mir eine Glasrand-Schleifmaschine kaufen, die wollte ich schon lange. Die braucht man, wenn man mit Buntglas arbeitet, zum Beispiel für Tiffany-Lampenschirme, oder für Fenster. Ich habe in meinem Haus Sprossenfenster, und möchte beim einen Fenster mit der Zeit, eine Glasscheibe nach der andern, durch Motive in Buntglas ersetzen. Wie man es von Kirchenfenstern kennt, die Sainte-Chapelle in Paris ist ein schönes Beispiel dafür.

    Hat kein Geld aber braucht Kirchenfenster in ihrer Bude? Ja, ja, unbedingt! Nobel geht die Welt zugrunde.