Guten Morgen
Vielen Dank für deine Zeilen, Thalia1913 , ich habe mich sehr darüber gefreut. Ich bin manchmal immer noch unsicher mit dem was ich schreibe "das gehört doch nicht in ein Alkoholiker-Forum", aber dann rufe ich mir wieder in Erinnerung, was du geschrieben hattest:
Bei mir hat alles, was mit mir persönlich zu tun hat, zumindest mittelbar auch mit meiner Sucht zu tun.
und dadurch gestärkt, klicke ich dann einfach auf senden! Ich hatte im letzten Herbst über mehrere Wochen das ganz unangenehme Gefühl, dass das Eis, das mich trägt, plötzlich wieder dünner wird. Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie es dazu kam, es war auch nicht akuter Suchtdruck, sondern eher ein diffuses Gefühl das über allem schwebte, Gewitterwolken gleich, die am Horizont aufzogen.
Obwohl ich nicht den Finger drauf legen konnte, fühlte ich mich in zunehmender Gefahr, der Alkohol rückte wieder näher heran. Das hat schliesslich den Ausschlag gegeben, mich wieder hier zu melden, obwohl es mir so unangenehm war, von jemandem erkannt worden zu sein. Das jemand mitlesen könnte, der weiss, wer ich bin, war mir dann doch das kleinere Übel als schweigend zurückgezogen in einen Rückfall zu schlittern.
Die Flucht nach vorne hat funktioniert, das Gefühl ist weg. Und damit es nicht wieder kommt -oder von andern vielleicht früher erkannt wird als von mir- habe ich beschlossen, hier jeden Tag etwas zu schreiben, das habe ich mir von Bibitor 66 abgeschaut. Ich merke auch, dass mir das gut tut, ich kann hier üben, über meine Gefühle zu sprechen. Etwas, in dem ich bisher nicht gut war/bin. Aber da wegsaufen keine Option mehr ist, muss ich das jetzt weiter üben. Trainieren!
Deswegen stört es mich inzwischen auch nicht mehr, erkannt worden zu sein. Weil ich gerade merke, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich meine Unzufriedenheit mit einer Situation artikuliere. Oder meine Gefühle allgemein, auch wenn sie manchmal unangenehmer Sorte sind.