Beiträge von Perdita

    Hallo zusammen,

    das mit meiner Gereiztheit hat sich gelegt, ich hatte während meinem stationären Entzug und Entwöhnung einige Techniken gelernt zur Gelassenheit, die habe ich wieder ausgegraben und angewandt, das funktioniert soweit ganz gut. Ich wohne mit andern Menschen zusammen, mit verschiedenen Ausprägungen von Ordnungssinn, und warum sollte gerade meine Stufe die "richtige" sein? Ich kann die vielbesungene Kaffeetasse jetzt ohne Groll einfach stehen lassen, bis sie irgendwann von selber in die Spühlmaschine wandert.

    Seit einigen Tagen treibt mich ein anderes Thema um: bei mir steht in Kürze ein Ausflug in die Heimat an, und dieses Mal werde ich von dort aus zum ersten Mal seit ich abstinent lebe weiter reisen, für ein paar Tage eine Freundin besuchen in einer Großstadt. Ich verlasse das erste Mal meine sichere, alkoholfreie, Umgebung. Ich habe gemischte Gefühle.

    Ich freue mich, meine Freundin wieder zu sehen, und bisschen Kultur und Input von Aussen und so. Anderseits werde ich viel mehr mit Alkohol konfrontiert sein als ich mir das gewohnt bin. Gerade die letzten beiden Tage ist dazu auch in andern Fäden geschrieben worden, und ich habe das sehr interessiert verfolgt, zum Beispiel bei R/no und Kecke

    Da wurde unter anderem auch geschrieben, dass man zwar Respekt aber keine Angst haben soll. Ich habe aber ein bisschen Angst. Ich weiss, dass ich zur (über-?)vorsichtigen Fraktion gehöre, ist für mich auch völlig ok, ich fühle mich nicht vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten, wenn ich wie bisher in meiner sicheren Umgebung vor mich hin lebe. Das hat nun aber auch dazu geführt, dass ich keinerlei "Training" habe, mit Alkohol der mir unter Umständen sehr nahe kommen könnte.

    Ein konkretes Beispiel ist eine oder zwei Alkflaschen, die bei meiner Freundin in der Küche stehen. So wie sie in einigen Haushalten ohne Alkoholthematik rumstehen, irgendein Whisky oder sowas, den man mal geschenkt bekommen hat und der jetzt so rumsteht und verstaubt.

    Und ich frage mich, darf ich meine Freundin bitten, diese Flasche oder zwei während meinem Aufenthalt bei ihr aus der Küche zu nehmen, an einem Ort zu lagern, wo ich nicht durchkomme in ihrer Wohnung? Oder ist das völlig übertrieben, um nicht zu sagen übergriffig, und ich muss halt einfach damit klar kommen?

    Ich bin noch über 2000 km von dieser Flasche entfernt, und sie macht mir jetzt schon Bauchweh, das ist auch irgendwie bescheuert!!

    Hallo Paul-dry,

    auch von mir herzliche Glückwünsche zu zwei Jahren!

    Vor einem Jahr bin ich durch eine google-suche per Zufall in deinem Thread gelandet, und hatte die damals 13 Seiten in einem Stück verschlungen. Ich konnte mich in so vielem, was du geschrieben hast wieder finden. Nach der Lektüre von deinem Thread dachte ich zum ersten Mal: "sowas möchte ich auch, ein abstinentes Leben, vielleicht ist es doch möglich."

    Ich danke dir fürs öffentliche Teilen von deinem Weg, mit all seinen Erfolgen und auch Zweifeln, mich hat deine Geschichte sehr ermutigt, und nach einigem Zaudern habe ich mich auch auf den Weg gemacht.

    Liebe Grüße

    Hallo SoberSunny,

    "nie wieder" und "für den Rest meines Lebens" sind für mich Zeitspannen, die ich so gar nicht denken kann. Sie sind zu gross und zu abstrakt und auch zu weit weg von mir. Nun ist es aber mein Ziel, nie wieder zu trinken, und um das zu erreichen, habe ich angefangen die Abstinenz bewusst in mein Wesen einzuweben. Wer bin ich, was macht mich aus, in dieses grundlegende Selbstverständnis von mir selbst arbeite ich immer weiter ein, dass ich unter anderem ein Mensch bin, der keinen Alkohol trinkt.

    Das ging nicht von heute auf morgen, und ich bin immer noch dabei, weil ich mich mein ganzes bisheriges erwachsene Leben eigentlich übers Gegenteil (auch) definiert hatte...

    Ich freue mich immer, wenn ich ein Rollenvorbild irgendwo entdecke, "dieses nehme ich auch, das werde ich auch einweben."

    Und so wird die Abstinenz immer mehr ein Teil von mir, von dem Menschen, der ich sein möchte, und mich selbst nehme ich ja ganz automatisch mit durch den Rest meines Lebens. Seit ich die Abstinenz nicht mehr von mir abgekoppelt betrachte, hat "nie wieder" viel von seinem Schrecken verloren.

    Ich denke auch, dass das eine das andere nicht ausschliessen muss. Ich werde meinen Hormonhaushalt auf jeden Fall überprüfen lassen, meine Gereiztheit nimmt manchmal geradezu biblische Ausmaße an, das ist einfach nicht normal. Zumindest nicht für mich.

    Hallo Kazik , ich warte mit meinem Arztbesuch noch so lange, weil mein Hausarzt in Deutschland ist, und ich die meiste Zeit im Ausland wohne. Ein Aufenthalt in der Heimat war aber sowieso für Ende Oktober geplant, dann werde ich das gleich verbinden.

    Wobei mich die Antwort von Nayouk24 nachdenklich gestimmt hat. Ich dachte, ich könne nun alles mit einem gestörten Hormonhaushalt erklären, aber was, wenn die Gereiztheit nur auf besonders fruchtbaren Boden fällt, ihren Ursprung aber woanders hat?

    Es gab Situationen in denen ich mich vor lauter Energie regelrecht verzettelt habe. Das hat mich gestresst und unzufrieden gemacht.

    Nachdem ich die Antwort gelesen habe, ist mir erst aufgefallen, dass es immer ähnliche Situationen sind, die mich gereizt werden lassen. Ich renoviere aktuell ein Haus, und es macht mir überhaupt nichts aus, hunderte von Kilo Zement und Holzbalken rumzuschleppen, aber wehe, schmutziges Geschirr steht auf der Spühle, statt eingeräumt, das erscheint mir dann als unüberwindliche Hürde, es mal eben schnell einzuräumen. Oder einfach drüber weg zu sehen.

    Verdächtig! Ich werde mich die Tage mal genauer beobachten, was die jeweiligen Auslöser sind, auf der Baustelle bin ich nämlich nie genervt, obwohl es da sehr viel üblere Probleme gibt als eine alte Kaffeetasse die nicht eingeräumt wurde...

    Hallo Nayouk,

    danke der Nachfrage, ich weiss nicht so genau, wie es mir geht. Es gibt Probleme mit dem A in der HALT-Regel, ich bin die ganze Zeit angry, und ich habe keine Ahnung warum. Diese ständige Gereiztheit ist ein Wesenszug den ich so nicht von mir kenne. Ich habe mich schon gefragt, rein hypothetisch, wenn das Leben ein Ponyhof wäre, was ich dann ändern würde? Es ist mir sehr wenig eingefallen, und nichts, das in der Grössenordnung meiner Unzufriedenheit liegt.

    Das Suchtgedächtnis hat das natürlich auch mitgekriegt, es ploppt in letzter Zeit öfter auf, aber bisher immer nur kurz und ich kann es ohne Diskussion wieder in seine Ecke schicken, wohin es sich dann auch wieder trollt.

    Aber ich merke schon, dass mein dünnes, gar löchriges, Nervenkostüm zur Gefahr werden könnte. Ich muss es unbedingt wieder flicken. Vorgestern hatte ich plötzlich die Idee, dass das die Wechseljahre sein könnten! Ich werde Ende Oktober wiedermal bei meinem Hausarzt sein, und dann auf jeden Fall mal meinen Hormonhaushalt checken lassen.

    Ansonsten geht es mir nämlich gut, meine Arbeit macht mir sehr viel Spass, man könnte sagen, es geht mir prima, bis irgendeine Banalität daher kommt, die mich völlig aus der Fassung bringt, und dann bin ich wieder stundenlang im Netz meiner Gereiztheit verstrickt. Ich verstehs wirklich nicht, was da los ist mit mir.

    Guten Morgen, ich möchte auch mal wieder ein Update geben. Mir geht es ziemlich gut, ich erlebe gerade meinen ersten nüchternen Sommer, und darüber kann ich mich immer wieder aufs neue freuen. Ich bin inzwischen zu einem Morgenmenschen geworden, eine Daseinsform, die mein früheres, verkatertes Ich geradezu verabscheut hat.

    Nun gehöre ich also auch zu diesen Morgenmenschen, und nicht nur das, der Tag hört auch nicht mehr um 16 Uhr mit dem ersten Bier auf, ich kann auch ausser Plan abends mit dem Auto irgendwohin fahren! Das sind so kleine Dinge, die für viele normal sind, ich merke daran aber immer mal wieder meine neue Lebensqualität.

    Aber natürlich ist auch bei mir sowas wie eine neue nüchterne Normalität eingekehrt, viele Verknüpfungen konnte ich schon überschreiben, Situationen die nicht oft vorkommen habe ich manche schon das zweite oder dritte Mal erlebt, beim ersten Mal dachte ich noch: "wie soll das denn gehen, ohne Alkohol?". (Es ging alles sehr gut auch ohne Alkohol, ich und die Reste von meinem nassen Denken schienen die einzigen zu sein, die sich darüber überhaupt Gedanken machten...)

    Die Lage mit den Gästen ist so ein Beispiel: ich hatte hier öfters von dem Glas Wein zum Abendessen geschrieben, das gerne getrunken wird. Wir bieten von uns aus einfach keinen Alkohol mehr an, es gibt Wasser, Säfte und Tee zum Abendessen, und wer Alkohol trinken möchte, muss sich selber drum kümmern. Ausser mir scheinen das alle normal zu finden. Das ist wohl diese "Restfeuchte" von der ich hier im Forum gelesen habe ;)

    Ich fühle mich nicht mehr so unsicher und wackelig auf meinen Beinen wie am Anfang, aber ich bin doch sehr froh, dass somit nicht nur mein Haus, sondern meine gesamte direkte Umgebung alkoholfrei ist. Ich gehe weiterhin kein Risiko ein und will ihn so weit wie möglich von mir weghalten. Weil ich mich zwar nicht mehr ganz so unsicher fühle, aber auch nicht ganz sicher, Risikovermeidung funktioniert gut für mich.

    Hallo Robyn,

    mir geht es zur Zeit gut, danke der Nachfrage. Ich bin dazu übergegangen, bei jedem neuen Gast gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und zu sagen, dass ich keinen Alkohol mehr trinke. (ich muss da noch ein gesundes Gleichgewicht finden, zwischen rumdrucksen und mit der Tür ins Haus fallen :))

    Zu meinem Erstaunen ist das bisher für niemanden auch nur ansatzweise ein Problem: "Oh, ok, dann trinke ich einfach auch keinen Alkohol, ist sowieso gesünder." Theoretisch weiss ich zwar, dass ein Mensch der kein Problem mit Alk hat, auch keines ohne hat, aber als Alkoholikerin staune ich doch manchmal ein bisschen, wie vollkommen egal ihnen das ist, ob sie nun was trinken oder nicht.

    Als würde ich sagen: "Oh, ok, dann esse ich die nächsten drei Wochen auch keine Nudeln."

    Ich werde die Tage das erste Mal abstinent in die Heimat fahren, für ein, zwei Wochen. Eine weitere Sache, die ich überschreiben muss in meinem Hirn. Das sind ca 15 Stunden Fahrt, "früher" habe ich immer eine Nacht irgendwo in einem Hotel übernachtet und da natürlich Wein getrunken, gegen Ende habe ich sogar zweimal übernachtet. Ich hatte mir selber die Geschichte erzählt, dass ich die Reise halt geniesse, und deswegen auch langsam machen kann.

    Rückblickend ist mir klar, dass die Zeitfenster pro Tag, in denen ich noch leidlich funktionierte zwischen Kater, Entzugserscheinungen wie Unruhe etc und erneuter Alkoholzufuhr immer kürzer wurden...

    Ich werde unterwegs entscheiden wie ich es mache, ob ich irgendwo übernachte, oder einfach am Stück fahre mit ein paar Nickerchen auf Raststätten. Eine Übernachtung wäre zwar eine normale Handlung, aber auch ein altes Muster.

    Mir geht es gerade nicht gut. Ich wurde vor ca zwei Stunden so richtig und völlig überraschend von Suchtdruck durchgeschüttelt.

    Ich hatte heute den ganzen Tag so eine Art Pavillon im Garten schön gemacht. Geräumt, geputzt, gewaschen, neuer Tisch rein, es sollte mein neuer Ort für Abends werden, die Abendsonne scheint da so schön rein. Ich war den ganzen Tag beschwingt und hab mich gefreut, da abends dann zu sitzen und lesen, zeichnen, schreiben, hatte schon angefangen Papier und Stifte hinzubringen und setzte mich für einen kurzen Augenblick hin. Meinen schönen neuen Ort bewundern.

    Und dann fing das an: "müsste jetzt noch ne Flasche Wein her, dann wärs richtig fein." Normalerweise ist meine Suchtstimme recht schwammig, irgendwas mit Alkohol, aber heute kamen auch gleich Bilder mitgeliefert und sie liess sich nicht zum schweigen bringen. "Ach scheiss doch drauf, lass uns mit wehenden Fahnen untergehen, der Dorfladen wäre noch geöffnet."

    Ich bin dann raus, hab was anderes gemacht, gegessen und viel Wasser getrunken. Der akute Suchtdruck ist vorbei, aber es bleibt eine Traurigkeit, dass dieser schöne Pavillon verbrannte Erde für mich ist. (Ich hatte mich da früher schonmal eingerichtet, damals natürlich mit Alkohol, aber da früher überall wo ich war auch das Weinglas war, hatte ich da kein Problem gesehen.)

    Hallo Kazik,

    ich denke, ich werde heute oder morgen auch ein Gespräch darüber suchen, ich muss mich noch etwas sortieren, was ich denn genau sagen möchte. Aber dieses hier

    Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen unsicher sind, wie sie sich jetzt bezüglich Alkoholkonsum mir gegenüber verhalten sollen.

    stelle ich hier auch fest. Und ich möchte diese doofe Situation auch auflösen, dass alle so vorsichtig um das Thema rumschleichen find ich nicht gut. Vorallem weil es mir ja nichts ausmacht wenn sie Bescheid wissen, und wenn klare Regeln kommuniziert werden, kann man sich dran halten und die Sache ist klar und schwebt nicht so unausgesprochen ständig in der Luft.

    Dass der Weg aus dieser Situation nur über ein Gespräch führen kann, war mir insgeheim bewusst, aber danke hast du das nochmal angestossen. Klare Kommunikation ist eine Tätigkeit in der ich mich noch üben muss, ich neige zum Aussitzen und in mich hinein fressen, es ist Teil meiner Trockenarbeit, dieses Verhalten zu ändern.

    Hallo zusammen,

    ich habe nun die ungeliebteste Zeit des Jahres hinter mir, den ganz grossen Frühjahrsputz, alles wieder startklar machen für die Saison. Jetzt ist alles wieder schick, und es sind auch die ersten Gäste da. Erst zwei, beide für mehrere Wochen. Es werden dieses Jahr nie viele Gäste da sein, da ich keine Werbung geschaltet hatte für diesen Sommer.

    Mit dem Alkohol läuft es gut, ich befinde mich in einer etwas seltsamen Situation: meine "Geschäftspartner" die seit meiner Rückkehr aus der Klinik auch keinen Alkohol mehr trinken, ziehen das (zu meinem Erstaunen) weiter durch, auch wenn Gäste hier sind. Und sie gehen damit offensiver um als ich. Ich hatte mich darauf vorbereitet, bei Nachfrage zu sagen, dass ich keinen Alkohol trinke, und von mir aus können sie auch wissen, warum.

    Dazu ist es bisher nicht gekommen, weil der eine "Geschäftspartner" von sich aus immer gleich sagt: "Wir trinken keinen Alkohol mehr, aber wenn ihr wollt, können wir natürlich was für euch besorgen." Und nun traut sich irgendwie niemand mehr, Alkohol zu trinken. Besorgte Blicke huschen gleich zu mir, wenn auch nur im Entferntesten darüber gesprochen wird, z.B. mal in die Kneipe gegenüber zu gehen: "um...etwas zu trinken." als würde ich auf der Stelle zu Staub zerfallen, wenn ich bloss das Wort "Bier" höre...

    Das ist mir nun auch etwas unangenehm, bloss weil ich keinen Alkohol mehr trinke, möchte ich das nicht meiner Umwelt überstülpen. Ich sehe das ähnlich wie Hera in einem andern Faden geschrieben hat

    Entspannung - Belohnung - Auszeit ... wird halt bei vielen mit Alkohol verbunden. Sie dürfen das auch, weil sie damit umgehen können. Ich kann das nicht (mehr).


    Und nun schwanke ich etwas, einerseits ist es für mich natürlich bequem, wenn es hier weiterhin keinen Alkohol gibt. Anderseits finde ich ich es einen ganz falschen Weg, meine Abstinenz zu schützen, indem andere geradezu eingeschüchtert und in die Heimlichkeit getrieben werden. Dass die Welt um mich nicht trocken wird, nur weil ich es geworden bin, muss ich schon aushalten können.

    Und wieder anderseits, mag ich ihnen nun auch nicht hinterherlaufen, und sagen: "ihr dürft schon trinken, es kann schon Wein/Bier besorgt werden."

    Seltsame Situation.

    Hallo Linde,

    die Wechseljahre könnten es natürlich auch sein! Mit googeln komme ich in diesem Falle nicht weiter, ich habe einen Termin bei meinem Hausarzt gemacht. Den werde ich erst Mitte Mai sehen, wenn ich eine Woche in der Heimat bin, bis dahin bleibe ich einfach mal bei meiner neuen Ernährung.

    Wie R/no auch geschrieben hat, falls sich die Gelenke nicht freuen, dann doch sicher die Leber, oder auch sonst jemand in meinem Körper, mal ein Vitamin C oder zwei anzutreffen.

    Guten Morgen,

    mir geht es die Tage gut, ich bemerke so langsam erste Überschreibungen in meinem Hirn. Vor ein paar Wochen hatte ich oft aufblitzende Gedanken an Alkohol wenn das Wetter ungewöhnlich warm und sonnig war und ich den ganzen Tag draussen arbeiten konnte. Das hat nachgelassen, auch "16 Uhr" beginnt langsam zu verblassen (meine ehemalige Startzeit mit Bier), es gab in der letzten Woche sogar Tage, da kam und ging 16 Uhr von mir unbemerkt!

    Aber dieses Ding mit der Selbstfürsorge ist ja ein weites Feld... Ich habe seit Wochen Gelenkschmerzen, erst dachte ich, ja nun, Umstellung auf abstinent, vielleicht hatte ich die schon immer, und bloss nicht bemerkt, weil ich entweder besoffen oder verkatert war. Dann dachte ich, vielleicht ist das normal? Ich gehe jetzt auch auf Mitte Vierzig zu, und das sind diese vielbesungenen Zipperlein die nun anfangen?

    Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe es gegoogelt, an der mangelnden Bewegung kann es nicht liegen, es muss die Ernährung sein. Und es ist nicht so, dass ich da mal was wegfallen lassen müsste, meine Ernährung besteht ausschliesslich aus Sachen, die man meiden sollte.

    Seit drei Tagen versuche ich nun meine Ernährung umzustellen. Gesunde Sachen und so. Seufz. Ich wünsche euch allen einen schönen Samstag, ich geh jetzt mal, ich weiss nicht, einen Apfel essen?

    Guten Morgen, die Situation mit dem Überraschungsbesuch und dem Wein als Gastgeschenk hat bei mir dazu geführt, dass ich mir gerade eine kleine Küche in mein Haus baue.

    Es hat zwar auch nachträglich keinen Suchtdruck ausgelöst, aber ich habe mir schon Gedanken über diese Situation gemacht.

    Ich bin überrumpelt und vor lauter Höflichkeit stelle ich mich selbst hinten an und trinke ein Glas mit?
    Du kannst damit rechnen, dass es dir wieder passieren wird.

    Leider ist nicht jeder so selbstbewusst und weist ein Getränkeangebot ab.

    Mein erster Impuls war, das empört von mir zu weisen, natürlich würde ich ablehnen! Aber weiss mans? Wenn es mich in einer schlechten Stimmung erwischt? Und mein zweiter Impuls war in Verteidigungshaltung zu gehen: "ja, aber, es war das erste Mal seit meiner Abstinenz, dass ich mit einer Alkohol-Situation konfrontiert war und ich hatte nicht vor, ein Glas anzunehmen usw."

    Aber vor wem oder was soll ich mich denn verteidigen? Es ist so, wie ihr geschrieben habt, solche oder ähnliche Situationen werden wieder kommen, und ich brauche eine Strategie, darauf zu reagieren. Das wird sein, von Anfang an klar zu stellen, dass ich keinen Alkohol trinke, damit das einfach ein Fakt ist den jeder kennt. Und für mich persönlich ist es auch ok zu sagen, warum.

    Diese Strategie geht aber immer von einsichtigen Menschen aus, die "normal" Alkohol trinken. Und da kommt nun meine Küche ins Spiel: Falls es irgendwann eine Gruppenzusammensetzung geben sollte, in der viel getrunken wird, oder falls ich mich auch einfach so wackelig auf meinen abstinenten Beinen fühle, werde ich mich abends komplett rausnehmen aus dem laufenden Betrieb.

    Sobald ich meine Küche fertig habe, ist mein Haus hier dann ein komplett unabhängiges Haus. Und es hat sich eine Frau angemeldet, die gerne gegen Unterkunft und Verpflegung für alle kochen möchte, damit bin ich von dieser Aufgabe entbunden.

    Es geht mir zur Zeit soweit ganz gut, seit ich an meiner eigenen Küche arbeite nerve ich mich auch nicht mehr über den Zustand der allgemeinen Küche. Ich konnte so das "angry" aus der HALT-Regel kleiner machen, auch gut!

    Heute Nachmittag stand plötzlich ein Paar auf der Matte, Überraschungsbesuch. Sie waren mit ihrem Bus unterwegs, und hatten von Freunden von diesem Ort gehört, ob sie heute Nacht hier bleiben können? Das konnten sie, Überraschungsbesuch kommt immer mal wieder vor, normalerweise trägt das nicht auf, wenn sowieso Leute/Gäste hier sind.

    Heute waren sie jedoch die einzigen und ich überhaupt nicht darauf vorbereitet, wie ich gleich reagieren soll, falls sie mit einer Weinflasche als Dankeschön zum Abendessen aufkreuzen. Genau das haben sie getan. Ich bin in die Küche geflüchtet und habe mich dort versteckt, unter dem Vorwand zu kochen.

    Keine sehr erwachsene Reaktion, ich weiss. Während ich in der Küche war, erklärte einer der andern, als es darum ging, die Flasche zu öffnen: "wir trinken keinen Alkohol mehr." "Alle??" "Ja, alle." War dann kein Problem für den Überraschungsbesuch, die Flasche wurde weggestellt und ich konnte wieder aus meinem Versteck kommen.

    Tja, soviel dazu, dass ich dachte, ich könne souverän auf die Situation reagieren, dass Leute ein Glas Wein zum Abendessen trinken...

    Ich wusste überhaupt nicht, was ich sagen soll! Ich wollte nicht unhöflich sein, und sie mit ihrem Wein zurückweisen. Mit erschrecken stelle ich fest, dass ich noch weit davon entfernt bin, für mich einzustehen.

    Vielen Dank für eure Antworten, es ist mir klarer geworden, warum ich mich jetzt und während dem Besuch der Freundin so verhalten habe, wie ich es getan habe.

    der Kontakt hat sich verändert, weil ich mich verändert habe.

    Manchmal sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht... Ja, ich habe mich verändert, oder bin auch immer noch dran, aber diese Veränderungen sind noch neu, weswegen ich sie wahrscheinlich so unbeholfen verteidigt habe. Warum ich so unverhältnissmässig heftig auf kleine und grössere Störungen in meinem neuen Gefüge des Alltags reagiere. Sie sind noch nicht gefestigt genug, dass ich da ganz gelassen drüber weg sehen kann.

    Ich hatte vor mehreren Wochen geschrieben, dass die Zeit der Einkehr nun vorbei sei und ich mich nun schütteln und ins pralle Leben eintauchen könne. Das war vielleicht doch etwas verfrüht für mich, zumal ich noch nie ein Partylöwe war und am liebsten für mich alleine bin und vor mich hinwerkel.

    und niemand passt auf dich auf.

    Meine Freundin war sehr rücksichtsvoll und wir haben auch viel über (meine) Alkoholsucht geredet, aber zum Glück machte sie keine Anstalten, auf mich aufpassen zu wollen. Ich würde das als Übergriffig empfinden, wenn sich jemand als mein Aufpasser aufspielen würde. Meine Sucht, meine Abstinenz! Für mich kann es nur auf Dauer funktionieren, wenn mein Wille zur Abstinenz aus mir heraus kommt. In diesem Sinne:

    D.h. du könntest ja trinken.... Machste aber nicht!!

    Genau so :thumbup:

    Heute versuche ich mich mal in etwas mehr Gelassenheit, ich wünsche euch allen einen schönen Tag.

    Guten morgen,

    irgendwas ist mit mir los, und ich verstehe nicht so wirklich was. Ich bin total genervt von den allerkleinsten Dingen, und das schon seit Tagen. Ich wache gut gelaunt auf, habe Pläne für den Tag, aber sobald ich meinen ganz persönlichen Bereich verlasse und in Kontakt mit den andern komme werde ich gleich schlecht gelaunt. Ich habe mir zum Beispiel heute morgen gesagt: "die Sonne scheint, du hast lauter schöne Aufgaben, die du heute erledigen kannst, bleib einfach ganz bei dir."

    Und jetzt bin ich innerlich schon wieder ganz angespannt und genervt. Wegen völlig banaler kleinen Dingen (wir reden hier von sowas wie Küche nicht aufgeräumt usw...) Ich frage mich, warum mich das dermassen aus der Bahn wirft, so kenne ich mich gar nicht.

    Eine gute Freundin aus der Heimat war für zwei Wochen zu besuch, hat aber nicht in meiner Anwesenheit Alkohol getrunken. Früher haben wir öfters mal ne Flasche Wein oder zwei zusammen getrunken, kann es sein, dass da irgendwas nachwirkt? Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern, da wollten wir abends eine Aktivität machen, der Vorschlag kam von ihr, aber schlussendlich haben wir es dann doch nicht gemacht, weil wir beide keine Lust drauf hatten. Mir ist dann aufgefallen, dass es eine Aktivität war, bei der wir früher Wein dazu getrunken hätten, sozusagen eine Alibi-Aktivität, die ohne Alkohol natürlich keinen Sinn mehr machte.

    Wir/ich haben das aber nicht weiter thematisiert. Vielleicht hat dieser Besuch doch mehr in mir ausgelöst, als ich dachte.

    Hallo Nayouk,

    es geht mir gut, man könnte beinahe sagen, sehr gut. Mein Leben plätschert zur Zeit geruhsam vor sich hin ohne grosse Aufregungen. Ich habe inzwischen auch einen Umgang mit dem Suchthirn gefunden, der für mich ganz gut klappt, nachdem ich beide Vorgehensweisen, über die ich hier öfters lese, ausprobiert habe. Zuende denken oder keine Diskussion. Es ist dann keine Diskussion bei mir geworden.

    Was soll ich auch gross mit ihr diskutieren, ausser Alkohol trinken hat diese Stimme ja keine Vorschläge, wie ich mich verhalten könnte, oder was ich tun sollte. Sehr vorhersehbar also, die Meinung der Suchtstimme, deswegen wird sie immer gleich aus Diskussionen rausgeworfen. "Du hältst die Klappe, du Krankheit!" und dann trollt sie sich auch wieder.

    Ansonsten bin ich wohl etwas unbequemer im Umgang geworden, weil mir nicht mehr alles egal ist und ich mehr für mich einstehe, aber da muss mein Umfeld jetzt durch :)

    Mein Vorsatz, hier viel mehr zu schreiben und nicht nur zu lesen ist sehr schnell verpufft, aber ich weiss einfach nicht was ich schreiben soll. Wenn ich hier lese, mit was für Problemen andere (vorallem auch in ihrem Umfeld) zu kämpfen haben, fühlt es sich für mich irgendwie albern an, wenn ich hier immer nur reinschreiben würde, dass es mir aktuell gut geht.

    Hallo Dorothea, ich brauche definitiv ein neues Belohnungssystem, sowas dachte ich auch. Ich werde heute mal ein kleines Projekt starten: ich habe mir nen Stift und Zettel eingesteckt, und schreibe alle die kleinen schönen Momente auf (Vogelgezwitscher, ein bestimmter Lichteinfall der Sonne usw) und Abends nach getaner Arbeit krame ich den raus und gehe ihn nochmal durch und entscheide, welchen davon ich umsetze.

    Ich habe mir eine Packung leere Postkarten gekauft (A6) und möchte nun jeden Abend eine gestalten, mit einem der Motive von meinem Zettel tagsüber. Ich zeichne, sticke und bastle nämlich auch sehr gern, und so ne Postkarte pro Tag ist eine überschaubare Grösse.

    Ich erhoffe mir davon, dass ich einen neuen Umgang mit den "frühlingshaften, schönen Momenten" finde, einen Weg, wie ich mich ohne Verzichtgedanken darüber freuen kann.