Ich fange an ein wenig zu begreifen wie du tickst, LK. Du stehst gerne im Mittelpunkt- genau wie ich übrigens- und in deinen nassen Zeiten warst du auch oft Mittelpunkt von vielem. Der Party, dem Verein, im Job.
Ich habe auch selbst erfahren müssen, dass ich durch meine Abstinenz mehr in den Hintergrund rücke. Als Frau in den Wechseljahren kommt noch hinzu, dass ich weniger oder anders wahrgenommen werde.
Mein Wunsch nach Originalität war sehr ausgeprägt. Immer flippig, immer laut, immer die wildeste, die letzte auf allen Partys. Auch flirtmäßig alles mitgenommen.
Jetzt wo es ruhiger um mich ist, erkenne ich ganz andere Qualitäten des Sozialen. Small Talk hat mich auch immer gelangweilt, aber jetzt wo ich ab und zu mal zuhöre, statt mich permanent selbst darzustellen, erlebe ich wunderbare Gespräche.
Lebensgeschichten, Ansichten zu diesem und jenem, sorgen und Nöte.
Ein Schatz an Lebenserfahrung liegt da vor mir, den ich früher mit blöden Witzen zugedeckelt habe.
Was hat das in deinem Faden verloren fragst du dich? Ich glaube zwischen uns gibt es Parallelen. Wir müssen jetzt mit einem ruhigeren oder zumindest anderen Leben klar kommen.
Ich bin noch ganz frisch und bereite mich darauf vor, dieses andere Leben zu genießen und mit schönen Dingen zu füllen. Vielleicht machen mich manche Beiträge von dir so unruhig, ach was, nennen wir es wütend, weil ich das Gefühl habe, dass du nach 24 Jahren noch immer das neue Selbstkonzept nicht so richtig gefunden hast und dich immer noch über den früheren Hans Dampf definierst.
Das macht mir Angst und ist mir Lehre zugleich. Denn ich arbeite schmerzhaft daran, die Pippi langstrump an den Nagel zu hängen und einfach nur Anna zu sein. So unspektakulär wie du es beschrieben hast.
Leicht fällt mir das nicht! Aber es fühlt sich richtig an.