Beiträge von AnnaBlume

    also indem ich anfing mein äußerliches leben aufzuräumen, wohnung, garten, usw. habe ich ganz automatisch auch die anderen schäden beseitigt.

    Das ist ein wichtiger Satz! Ich hatte plötzlich das Bedürfnis das Haus auszumisten. Mir war gar nicht bewusst, wie sehr ich dabei auch mein inneres ausgemistet habe. Meine Tochter freute sich so sehr über das ordentliche Haus- nicht weil sie besonders ordentlich ist, sondern weil sie spürte dass hier wirklich was passiert und ich wirklich mein Leben umkremple.

    Wie viel ist durch die Sauferei liegen geblieben- auch innerlich.

    Gib dir und anderen die Zeit für diese krasse Inventur.

    Kann, darf man in diesem Alter noch mal von vorne anfangen?

    Ich stolpere gerade so ein wenig über diesen Ausdruck ‚von vorne anfangen‘. Es suggeriert ein wenig, dass man, wenn man eine Beziehung beendet, jedes Mal wieder sein Leben von vorne anfängt.
    Eine Trennung nach so langer Zeit ist natürlich einschneidend und das will ich auf keinen Fall runterspielen. Nur dein Leben, das fängt nicht von vorne an, sondern geht jetzt eben anders weiter.

    Ich hatte auch in meiner nassen Zeit gute Leberwerte. Ich hatte mal ein MRT von meinem Bauchraum- da war die Leber schon deutlich verändert. Der Radiologe kumpelte mich an mit den Worten ‚da weiß eine das gute Leben zu schätzen‘ und lachte dabei.

    Mich freute es natürlich- anscheinend alles ok so. Im Nachhinein ein unmögliches Verhalten!

    Ich lese viele Widersprüche bei dir. Die Verhältnisse sind klar, ihr seid offiziell getrennt. Aber du willst unbedingt mit in den Familienurlaub nach ausgerechnet Mallorca.

    Warum geht das nicht getrennt voneinander? Gönn doch deiner Familie diese Auszeit und nutze sie zu Hause für dich.

    Deine Frau hat viel mitgemacht und hat einen Urlaub vielleicht nötig- auch um nochmal alles zu überdenken. Was erwartest du von diesem Urlaub? Die große Versöhnung?

    Auch noch ausgerechnet Mallorca!

    Dann mit breiter Brust zu behaupten, dass das überhaupt gar kein Problem ist- nach 11 Tagen Nüchternheit.

    Joa. Schwierig.

    Kündige unbedingt an, dass er nach der Reha nicht zu dir kann. Dann kann er sich darauf einstellen.
    Diese Schuldverschiebung auf Partner nach dem Motto ‚wenn du nicht so machst wie ich will muss ich armer Tropf leider wieder konsumieren‘ lese ich hier dermaßen oft, dass man fast glaubt da gäbe es ein Handbuch für.

    Ich glaube ich brauche auch so ne innere Inventur

    Ging mir auch so und geht es noch immer. Bei mir kam auch irgendwann so eine krasse Wut! Ich fahre immer noch ab und zu ganz schön aus der Haut, aber die Wut kommt gezielter.
    Die Inventur passiert nach und nach. Man schaut allmählich klarer auf Dinge.

    Ich hab z.B. gemerkt, dass ich viel zu spät sage wenn mich was stört und dann werde ich zu heftig. Das ist weil ich am Anfang daran zweifle ob mein gestört fühlen überhaupt berechtigt ist.

    Eine Person macht zum bsp. eine vermeintlich scherzhafte Bemerkung, die mich aber echt verletzt. Ich schiebe es weg mit ‚is ja nur Spaß‘. Dann kommt noch eine und noch eine- dann macht der Geduldsfaden Pling und ich brülle rum.

    Es wäre besser ich würde schon bei der ersten Bemerkung sagen ‚das finde ich jetzt leider verletzend ‘. Hilft mir und dem gegenüber. Aber grau ist alle Theorie und ich muss das noch üben.

    Du hast vollkommen Recht, es kann nicht angehen, dass ich deshalb hier nach der Reha alles auf unbestimmte Zeit abfange

    Richtig! Er ist ja auch in der Wohnung wenn er trinken will. Wenn er wirklich Messi ist- und ich hatte auch schon einen Messi als Partner- wird er die Wohnung ohne therapeutische Hilfe nicht wohnbar machen.
    Aber das ist wirklich nicht dein Problem und die Lösung kann nicht sein, dass er in deine Wohnung ausweicht.

    Natürlich ist es bei dir schöner, aber an dich wurde bei dieser ach-wie- praktisch Lösung leider nicht gedacht.

    Der soll erst mal zu sich gehen, du kannst dir die Entwicklung aus der Distanz anschauen und dann überlegen wie du in Zukunft leben möchtest.

    Ich kann mich Twizzler nur anschließen. Ja es ist verdammt hart wird aber echt besser!

    Wenn es ein Spaziergang wäre, würden nicht so viele Rückfällig. Neben den ganzen Regeln und Gedanken: Versuche dir mindestens ein Mal am Tag eine Mini Freude zu machen. Ein schönes Lied hören, ein Eis, einfach eine Pause, eine Schönheitsmaske- nach was auch immer dir ist. Hauptsache es macht dir wirklich Freude.
    Geduld ist auch nicht meine beste Disziplin aber hier brauchen wir sie.

    Hab einen schönen Tag und berichte mal, was du dir heute gutes getan hast .

    Für heute am späten Vormittag habe ich mich über eine App für einen Spaziergang mit einer Gruppe Leuten angemeldet.

    Das klingt extrem interessant- da würde ich gerne einen Bericht lesen.

    Ich empfinde diese Panik bei dir gar nicht so überraschend. Du hast lange dein Leben völlig nach deinem Partner ausgerichtet- es gab wenig drumherum. Jetzt hast du doch völlig zu recht befreit. Aber natürlich fühlt sich das alles noch wacklig an- alles andere wäre eher komisch.

    Aber ich finde du machst das ansonsten ganz großartig, baust ein gutes Fundament für dich, damit das wackeln aufhört. Dieses unsichere Gefühl darf sein und gehört dazu.

    Weiter so!

    Ich kann deinen Ärger sehr gut nachvollziehen. Versuche ein ruhiges Gespräch zu führen, um ihr aufzuzeigen, dass das nicht hilfreich ist. Ob Trennung oder nicht- deine Nüchternheit will sie doch bestimmt nicht gefährden.

    Wenn ich das richtig erinnere trinkt sie ja eigentlich selten. Wahrscheinlich wacht sie mit einem fiesen Kater auf und hat selbst nicht vor, das zu wiederholen.

    Das darf jetzt nicht öfter passieren, aber gehst du davon aus?

    Du kannst ja erst mal auf der Couch schlafen. Ich stelle es mir total belastend vor, bei diesem Konflikt noch als Paar in einem Bett zu schlafen. Andererseits sieht die Flucht in den Wohnwagen wirklich nach Ausweichquartier zum Trinken aus- ich sehe die Gefahr auch viel zu groß, dass es dann auch wirklich eintritt.
    Für die Kinder kann man doch echt eine harmlose Erklärung für die Couch finden. Schnarchen z.B. - ich finde in dem Fall ist eine Lüge mal erlaubt. Jeden Abend ins Schlafzimmer wandern und sich dort nicht wohl zusammen fühlen ist ja auch irgendwie gelogen.
    Gebt euch Raum. Und gib ihr Zeit!
    Du sagtest was von Fristen und wie lange du warten willst. Nun mal langsam mit die junge Pferde. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass deine Frau nach kürzester Zeit darin vertraut dass du es jetzt wirklich ernst meinst mit der Nüchternheit?!

    Dieses Vertrauen muss wachsen! Ich bin jetzt 10 Monate nüchtern und meine Tochter zuckt immer noch zusammen, wenn ich fahrig oder albern werde- das sitzt tief!

    Hab Geduld und bleib bei dir. Was mit deiner Frau wird wird sich zeigen, aber wenn du jetzt anfängst irgendeinen Zeitdruck aufzubauen, wäre ich an Stelle deiner Frau über alle Berge.

    ich fing an,den Obdachlosen zu beneiden

    Da war ich kurz irritiert. Ich kann die Sehnsucht nach Alkohol klar als Signal des suchtgedächtnis nachvollziehen. Aber ausgerechnet jemanden in so einer verzweifelten Situation wie Wohnungslosigkeit in Verbindung mit starker Sucht zu beneiden ist schon paradox.

    Was diese listige Suchtstimme doch möglich machen kann. Vielleicht hat er dich auch beneidet , wie du da nüchtern und frisch gewaschen mit deiner Familie entlang geschlendert bist.
    Gut dass du wieder ausgestiegen bist und sich der kurze Wunsch nicht erfüllt hat.

    Zeigen doch eure Beispiele wie wichtig es ist die Suchtstimme rechtzeitig in ihre Schranken zu weisen.

    Bei mir kommt sie manchmal im Traum. Das gute dabei ist, dass ich nicht schlafwandle und immer froh bin, wenn ich aufwache, dass ich eben nicht wie in meinem Traum gesoffen habe.

    Tagsüber ist der Impuls auch manchmal da. Sogar heftig. Aber er wächst sich nicht zu einer Sehnsucht aus. Vielleicht weil die Erinnerungen ans trinken bei mir schon lange keine schönen mehr waren. Und es da rational und tatsächlich auch emotional gar nix zu vermissen gibt.

    Es ist halt die Sucht. Eine Autorin hat die Sucht mal als eine Bestie beschrieben, die man am besten am Schlafen hält und wenn sie aufwacht, diskutiert man nicht lang und schickt sie zurück ins Bett.

    Liebe Blendi,

    an den Umgang hier musste ich mich auch erst gewöhnen. Es ist schon anders als ‚draußen‘- es werden sehr direkt Bedenken geäußert und die Finger auf Risiken gelegt.

    Gerade an Tagen, an denen ich total stolz war wie es läuft und jemand schrieb ‚Hoppla- das kann aber gefährlich sein‘, dachte ich ein gefauchtes ‚was denn noch alles?‘.

    Wir haben hier unsere Sucht bzw. Co-Abhängigkeit gemeinsam und wir haben uns auf die Grundregeln geeinigt. Aber: Wir sind genauso heterogen wie die Welt drumherum.

    Der eine stellt sich gerne dar, die andere teilt ihre Gedanken über ihr Beziehungsleben früher und heute und ja es geht um Alkohol.

    Aber wir alle haben ja nicht im luftleeren Raum gesoffen und das drumherum spielt schon irgendwie eine Rolle.

    Ich war auch schon ein paar mal genervt hier, bin dann schnell ganz schön hoch gefahren und hab ich später dafür geschämt.

    Jetzt befolge ich den Tipp von Alex_aufdemweg . Wenn mich was ärgert, atme ich erst mal durch und schlaf ne Nacht drüber bevor ich antworte. Wenn mich jemand in seiner Art irgendwie nervt, lese ich ihn einfach nicht.

    Das ist das schöne hier: wir können entscheiden, bei wem wir lesen und ich hab dich jetzt mal ganz freiwillig zugetextet.

    Sorry dafür.

    Deine Anna

    Ja, es ist ein Machtspiel, das sehe ich genauso. Das habe ich ihm auch so mitgeteilt.

    Das wichtigste ist, dass du dir klar wirst, dass du dich auf keinen Fall bei ihm Rückversichern musst, ob deine Wahrnehmung stimmt.

    Klar bist du das gewohnt- der hat dir ja dauernd seine Regeln und seine Wahrnehmung aufgedrückt. Aber er bestimmt eben nicht mehr was du wahrzunehmen hast. Seine Machtspielchen nerven bis hierher. Und ich bin mir sicher er weiß das auch- aber genau das ist jetzt für dich irrelevant. Du darfst frei denken und die Fäden wieder in die Hand nehmen!