Es ist Wochenende.. nochmal ein wunderschönes Spätsommerwetter, alle könnte so schön sein.. aber es ist so wie jedes Wochenende, mein Mann liegt Samstag wieder um 20 Uhr im Bett, das das Pensum erreicht ist. Heutiges Argument : er hat sool viel heute im Haushalt geleistet. Das stimmt ja wirklich, aber wenn jeder sich die Kante geben würde, weil der Haushalt anstrengend ist, gäbe es nur noch betrunkene Mütter 🤭 sooo lächerlich.. Und es hat ihn heute wieder eine Bekannte angesprochen, ob es ihm gut gehe, weil er so schlecht aussieht.. also es fällt äußerlich auch auf, dass etwas los is.. Aber egal.. Ich denke wirklich, dass das jetzt immer so weitergehen wird - arbeiten, abends trinken, am Wochenende trinken, montags wieder zur Arbeit.. Ich fühle mich emotional ausgehungert..Da ist einfach keine herzliche Geste mehr seinerseits, kein "wie war euer Tag?", er fragt nie unseren Großen wie es in der Schule war, keine Drücker, er lebt sein Leben in seinem Schema und ich funktioniere daneben wie ein Roboter.
Aber trotzdem finde ich, dass ich diese Woche wieder weitergekommen bin- ich habe mich mit meinen besten Freundinnen getroffen, wir kennen uns ewig, ich hatte Angst, dass sie die ganz normale Frage "Wie geht's?" stellen, weil ich nicht wusste was ich sagen soll, so wie die letzten Male... sie haben die Frage gestellt und ich hab eingeatmet und ihnen ALLES erzählt was bei uns daheim abgeht! Ich habe es endlich geschafft, nicht mehr zu lügen, ihn zu decken, mich zu verstellen! Es ist als wäre ein so so großer Stein von mir abgefallen!! Sie wussten, dass wir Probleme haben, mit einem Suchtthema hätten sie aber nie gerechnet. Am Ende haben wir 3 zusammen geweint, sie haben mir mehrmals gesagt, dass ich nicht alleine bin! Und sie haben mich bestärkt, dass ich eigentlich so ein lebensfroh, lustiger Mensch bin und dass ich es schaffe!
Ich hatte Angst zuzugeben, dass ich die Frau eines Abhängigen bin. Es gibt mir das Gefühl, dass ich so schwach bin, zu schwach und zu blöd auszusteigen, dumm zu sein weil ich das mitmache, und ja ich schäme mich wirklich dafür, dass ich noch immer da bin mit meinen Kindern usw .. aber diese Gedanken, habe meine Freundinnen in diesem Moment ganz zerschlagen! Sie waren einfach da und sie wissen, dass das eine riesige Entscheidung ist die viele viele heftige Konsequenzen mit sich ziehen wird.. Wir leben noch dazu in einem kleinen Seelendorf, jeder kennt jeden. Ich fühle mich aber jetzt wirklich leichter, ich muss nicht mehr alles alleine tragen!!
Und ich fahren in den Herbstferien mit den Kindern alleine weg! Ich habe meinen Mann mehrmals gefragt- er will nicht.. aber ich brauche Abstand und ich will die Zeit mit meinen Kindern genießen, jetzt geht es ohne ihn los. Zum ersten Mal nach so vielen Jahren, ohne ihn für eine längere Zeit! Reisen war immer unsere gemeinsame Leidenschaft.. Mittlerweile finde ich, dass ihm gar nichts mehr Freude bereitet... Da kann er sich dann eine ganze Woche lang reinschütten was er will, ohne dass jemand meckert..
Diese Schritte fühlen sich für mich wie eine erste Befreiung an.
Im Kopf plane ich auch noch ein Gespräch bevor ich abreise- ich möchte ihm nochmal alles sagen, was ich denke, fühle und von ihm wissen, was seine Ziele fürs restliche Leben sind UND ihn vor die Entscheidung zwischen Alkohol und Familie stellen! Oder wird das sowieso nichts bringen?
Für mich fühlt es sich so an, als wäre die geplante Reise eine gute Möglichkeit für einen Start in ein neues Leben... Bleibt nur zu hoffen, dass mich der Mut nicht verlässt.