Beiträge von stef2303

    Und so laufe ich quasi wie ein Roboter durch mein Leben und frage mich immer öfter, ob es anderen auch so geht?
    ...


    Liebe Funky !

    Ja, es geht anderen auch so, mir z.B.

    Durch das Ziehen der Abstinenz-Notbremse hat sich bei mir fast alles verändert, und zwar massiv. Nicht nur ich mich, sondern auch vieles um mich herum.

    Ich selbst bin jemand, der, wenn er sich etwas wirklich in den Kopf gesetzt hat, das auch durchzieht. So beendete ich meine Trinkerei und habe auch vor, dauerhaft trocken zu bleiben. Auch es wenn in meinen Postings hier gelegentlich erscheinen mag, dass ich manche Gefahrenpotenziale mal ab und an aufgrund eigener Erfahrungen etwas "relativiere", bedeutet das nicht, dass ich meinen Kurs verlassen möchte. Ich sehe mich insoweit als Realisten. Und weil ich mich als Realisten sehe, kann ich auch Deine Gedanken nachvollziehen.

    Durch die fast gänzliche Neuaufstellung und -ausrichtung meines Lebens (bis auf den Bereich Arbeit), bedingt durch den Abstinenzentschluss, habe ich mich ebenfalls so hin und wieder gefragt, ob es das alles wirklich wert war. "Wert"... ja, ein gefährliches Wort - furchtbar emotionsbehaftet ist es. Wie Du zog ich beginnend mit meiner Abstinenz regelrecht eine Schneise durch den Dschungel meines Lebens, nicht unbedingt die Sträuche und Äste vor und neben mir (also mein Umfeld) vorsichtig beiseite schiebend, sondern eher gleich mit einer Machete mir meinen neuen Weg in mein trockenes Leben bahnend. Anders ausgedrückt: Alles, was nicht mit meiner neuen Lebensweise zusammenpasste, wurde kurzerhand entfernt, ignoriert, abgestellt etc. Ein neues (kleines) soziales Umfeld, neue Verhaltensweisen, neue Beschäftigungen - "neu" musste alles sein, so lautete die Devise. Bis auf den Sport. Da übe ich wieder meine Sportart von früher aus. Aber auch hier: "Richtig" und konsequent.

    Je stärker ich in meinem neuen Leben Fuß fasste und anders (trocken!) lebte, desto öfter zog ich dann aber auch gedankliche Parallelen zu früher. Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass man sich nur dann wirklich nachhaltig ändern kann, wenn man versteht, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist und sich das auch immer wieder vor Augen führt. Also im Sinne "Willst Du wirklich wieder dahin zurück!?"

    Damit verbunden stellte sich dann aber auch zwangsläufig die Frage, ob es nicht einfacher gewesen wäre, so weiterzumachen wie früher? Also mit dem Trinken. Klingt ja erstmal verlockend, oder? Mit der Abstinenz wird das neue Leben anders - und ich wage mal zu behaupten, subjektiv empfunden: komplizierter. Man trennt sich von Altem (besser: Gewohntem), baut sich Neues auf, was wohl in den seltensten Fällen sofort und problemlos klappt und steht daher immer wieder zwischen den Stühlen. Fühlt sich nicht zugehörig. Nicht akzeptiert. Anders. Dann beginnt das Gedankenkarussell.

    Dass dann die von Dir beschriebenen Gedanken kommen, erscheint mir nicht ungewöhnlich. Unumwunden gebe auch ich es zu: Wenn ich wirklich mal Ruhe und richtig Zeit und Muse zum Nachdenken habe (was selten ist, da mein Leben ziemlich durchorganisiert ist), denke auch ich nach wie vor darüber nach, wie ich jetzt so lebe, was mir daran gefällt und was nicht, was sich alles geändert hat, wie es früher war, was es nicht mehr gibt, was es anstatt dessen gibt und und und.

    Und auch wenn die "Verlockung" da ist, das Vergangene (also die nasse Zeit) ein wenig zu verklären und [überspitzt formuliert] nostalgisch zu werden, so komme ich doch immer wieder zu dem Schluss: Schön war an der nassen Zeit nicht wirklich etwas. Ganz im Gegenteil: Wieviel Porzellan ist durch die Trinkerei unwiederbringlich zu Bruch gegangen? Bei mir war es im Wesentlichen der private, familiäre und soziale Bereich, den ich mir größtenteils dauerhaft ruiniert habe. Freunde, Partnerschaft, Familie. Bei anderen ging es vielleicht ins Berufliche und Finanzielle oder noch viel viel schlimmer: ins Gesundheitliche! Meist aber irreversibel, könnte ich mir vorstellen.

    Daher kann die Frage "Kann es wirklich sein, dass es die FALSCHE Entscheidung war, mit dem trinken aufzuhören?" eigentlich nur klar verneint werden, oder? Eine derartige Ansicht hätte weitergedacht letztlich doch die Selbstaufgabe und damit verbunden die eigene Selbstschädigung und Selbstzerstörung zu Folge.

    Ich selbst versuche tagtäglich, mein neues Leben ein wenig besser für mich zu gestalten. Da gibt es Höhen und Tiefen, weil eben nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte oder es sich erträumt. Aber auch wenn es vielleicht nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, Du es Dir vorstellst, ich es mir vorstelle: Zu trinken ist keine realistische (problemlösende) Option. Natürlich würde sich durch den Griff zur Flasche oder zum Glas das eine oder andere ändern, aber im Endeffekt würden wir genau wieder ein Leben führen, dass wir damals, als wir aufgehört haben, nicht wollten, weil wir wussten, dass es über kurz oder lang unseren Untergang bedeutet.

    Und so ein Leben mit all seinen negativen Konsequenzen und einem Ende, das sich ziemlich sicher vorhersagen lässt, wollen wir dennoch wieder haben, bloß weil wir mit der derzeitigen Situation unzufrieden sind?

    Nein, oder?

    Liebe Funky ! Dies hier habe ich geschrieben, weil Du eine Situation angesprochen hast, die vermutlich so manche(-n) beschäftigt, die aber selten so klar formuliert wird. Dafür danke und wie gesagt, ich kann verstehen, dass Dich diese Gedanken "plagen". In ähnlicher Form sind mir diese Gedankenspiele nicht fremd.

    Vielleicht hilft das hier ein wenig...

    LG, Stef.

    "Alle anderen trinken auch" - aber die anderen hören auf, bevor es zum vollständigen Filmriss kommt.

    Das ist eine Form der Alkoholabhängigkeit, ja, aber auch in anderen (Vor-)Stadien spricht vieles bereits für Alkoholismus. Ich muss mich nicht ständig bis zum Filmriss "abschießen", um als alkoholabhängig bzw. alkoholkrank zu gelten, denke ich mir mal.

    In meiner über 25-jährigen nassen Zeit hatte ich mich - soweit ich mich entsinne - nie bis zum Filmriss betrunken, gekotzt oder habe irgendwo herumgepöbelt. Auch so andere oben erwähnte ungustiösen Verhaltensweisen gab es bei mir nie. Zugegeben, einmal im Winter stolperte ich über die Stiege zum Hauseingang... Bloß ändert das alles nichts an meiner Alkoholabhängigkeit. Wenn ich regelmäßig (bei mir war es zeitweise täglich) eine unzweifelhaft ungesunde Menge an Spirituosen trinke, die fernab von allem ist, was man als "üblich", akzeptabel oder sonst was in der Art nennen kann, dann spielt es wohl keine Rolle mehr, ob ich letztlich dadurch auch (noch dazu) den Filmriss erreiche oder mich jemand ohne mein Wissen vor meiner Haustür ablegt. Da sind auch Trinkpausen irrelevant.

    Ich gehe sogar weiter und meine, dass der Kontrollverlust nicht zwingendes Merkmal eines Alkoholikers ist bzw. sein muss, sondern man auch ganz ohne Kontrollverlust alleine durch die Menge, Regelmäßigkeit und Dauer des Alkoholkonsums zum Alkoholiker werden kann. Bloß realisiert man in diesem Fall des kontinuierlichen Zuviel-Trinkens seine Krankheit erst viel viel später (war bei mir so). Was aber an der Abhängigkeit selbst nichts (rein gar nichts!) ändert.

    Beim Einschätzen, ob jemand aus dem Umfeld zum Alkoholismus neigt (oder vielleicht schon Alkoholiker ist) sollte man, meine ich, daher auch jene Verhaltensweisen fernab der offensichtlichen <Extreme> (wie hier auch schon weiter oben geschildert) berücksichtigen.

    Bei genauem Hinsehen merkt man als Außenstehender vermutlich schneller als der Betroffene selbst, wie es um diesen steht.

    LG, Stef.

    Liebe Leute!

    Erstmal freut es mich über das viele Feedback! Danke dafür.

    Da ich heute noch beruflich unterwegs bin und nur auf dem Handy schreiben kann, versuche ich kurz zu antworten. Sofern es sich zeitlich machen lässt, würde ich morgen dann mehr schreiben wollen...

    Was, außer Alkohol, hat sich denn mit diesen Bekanntschaften verbunden?

    Hier ist es so, dass das Leben über viele Facetten verfügt, auch jenseits des Alkohols. Durch meine Lebensumstellung hat sich z.B. mein Wohnort geändert, dann gab es die Trennung von meiner Partnerin, damit verbunden auch der Wegfall von gemeinsamen Freundinnen und Freunden (die keine "Trinkkumpane" waren) und gemeinsamen Aktivitäten (auch fernab des Alkohols), familiäre Schwierigkeiten, gleichzeitig neue Bekanntschaften, die wiederum nicht zu früheren passten. Da gäbe es durchaus auch noch mehr aufzuzählen. Schlussendlich griff ein Rad ins andere und es entstanden somit auch - wie ich weiter oben schrieb - so einige Kollateralschäden. Natürlich ist das Leben einem steten Wandel unterworfen, aber ich finde es dennoch schade, dass viele schöne Dinge von früher aus und vorbei sind... Einerseits weil es sein musste, andererseits weil es sich so ergab...

    Vielleicht hat das damit zu tun, dass du bei Arbeit nicht unmissverständlich rüberbringen konntest (oder es eben nicht so richtig ankam), dass du überhaupt gar keinen Alkohol mehr trinkst? Nicht nur ‚gerade jetzt nicht‘ oder ‚in nächster Zeit nicht‘…. sondern überhaupt nie (wieder).

    Gerade auf der Arbeit sollte inzwischen jedem klar sein, dass ich nichts mehr trinke. Das Warum kann den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern egal sein und es geht sie auch nichts an. Dass hinter dem Rücken geredet wird, ist klar. Mich wundert eher diese Ignoranz des Bekannten, was aber auch nichts anderes für mich bedeutet, als dass man selbst den betreffenden Personen anscheinend vollkommen egal ist. Sprich: Veränderungen werden bestenfalls am Rande wahrgenommen, aber sie sind einem gleich. Unwichtig. Irrelevant. Weil es nicht interessiert oder weil man sich dann ja vielleicht Gedanken über das Gegenüber oder womöglich sogar über sich selbst machen müsste...

    Lies mal bei Alex auf dem Weg nach. Auf Angebote, mal etwas "ohne" zu machen, wartet er seit Jahren. Es wird voraussichtlich auch keins mehr eintrudeln.

    Ich habe mal zu Beginn meiner Abstinenz im Netz gelesen: "Und dann ist nichts mehr so, wie es einmal war." Daran musste ich mich auch erst mal gewöhnen. Da mein Weg für mich alternativlos ist, habe ich mich da irgendwie "durchgewurschtelt", das trifft es für mich persönlich am besten.

    Ja, und das finde ich eben deshalb schade, da es auch Bekanntschaften und Aktivitäten jenseits des Alkohols gab und auch diese sich inzwischen größtenteils gegen null hin bewegt haben. Ok, es gibt Neues, aber nicht alles von früher muss zwangsläufig schlecht gewesen sein. Ich sehe das z.B. bei Freizeitaktivitäten, die ich früher mit Freunden unternommen habe, wobei eigentlich ich derjenige war, der da am meisten getrunken hat, während die anderen sich doch schwer zurückgehalten haben. Hier haben wir uns dann quasi auseinandergelebt, Schritt für Schritt. Ich weiß, das klingt jetzt etwas widersprüchlich bzw. legt den Schluss nahe, dass das Bindeglied doch der Alkohol war, aber dem ist nicht ganz so. Vielmehr haben Zerwürfnisse in den bisherigen Sozialkontakten dazu geführt, dass auch auch andere Kontakte weggefallen sind.

    Warum nimmst du es?

    Nein danke genügt doch.

    Wenn es O-Saft gibt, nehme ich natürlich diesen. Oft hole ich mir auch direkt am Empfang ein Mineralwasser und gehe mit diesen dann unter die Leute. Und die Sache mit den zwei vollen Händen kenne ich und wende diese Methode wenn es geht auch an. Nichtsdestotrotz gibt es einfach Situationen, da wird man komplett "überrumpelt", etwa wenn man man bei einer Feier oder einem Empfang den Raum betritt und einem sofort jemand ein Glas in die Hand drückt. Dieses dann abzulehnen, wenn x Leute herschauen (was natürlich richtig wäre), sorgt schon ein wenig für eine schiefe Optik bzw. befeuert das die Gerüchteküche. Ja, und mit dem "man" meine ich natürlich mich, wobei andere vielleicht hier gefestigter und "gerader" sind als ich. Hier spielt dann doch ein wenig meine Erziehung mit, alte Muster von denen sich zu trennen es nicht ganz so einfach ist. Vielleicht sollte ich hier aber einfach mehr üben... Konsequenter im "nein sagen" zu sein.

    Ja, es dauert, bis sich neue Kontakte knüpfen lassen. Die Zeit sollten wir uns nehmen, aber auch zugestehen.

    Ja, richtig, es ist eine Frage der Zeit. Und wenn ich bedenke, wieviel Zeit ich dafür verschwendet habe, mir mein Leben zu ruinieren, dann darf es auch ein bisschen Zeit brauchen, um mir wieder ein neues Leben aufzubauen.

    In diesem Sinne lasse ich es für heute erst mal gut sein.

    Ich wünsche noch eine gute Nacht!

    LG, Euer Stef.

    Liebe Leute!

    Mitte September haben wir und damit ist der Sommer nun definitiv zu Ende. Rückblickend betrachte ich die Zeit mit gemischten Gefühlen.

    Positiv ist in erster Linie, dass ich durch das Weglassen des Alkohols einen derartig aktiven Sommer gehabt habe wie die letzten 10 oder 15 Jahre nicht. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich in den letzten 2 1/2 Monaten mehr gemacht als die letzten drei oder vier Sommer zusammen. Ich hätte mir nicht gedacht, wieviel Energie tatsächlich noch in meinen nicht mehr ganz so jungen Knochen steckt. Sportlich habe ich meine Form wie vor 10 Jahren erreicht; zu nassen Zeiten wäre ich z.B. nie auf die Idee gekommen, mich an einem Sonntag Morgen um 4 oder 5 Uhr ins Auto zu setzen, zwei Stunden zu fahren und dann bei einer Sportveranstaltung einen Marathon zu laufen (und auch noch ziemlich gut abzuschneiden). Kulturell interessiere ich mich auch wieder mehr und - für mich absolut unüblich - sogar Urlaub bin ich gefahren. Und das ohne Laptop und Dauerverbindung ins Büro. Im Ergebnis: Lang vergangene Zeiten sind ein Stück weit wiedergekehrt. Vielleicht spielte dabei auch derjenige Umstand mit, dass ich diesmal nicht bloß eine Trinkpausen mache (früher war diese jährlich eingeplant), sondern überhaupt den Entschluss gefasst habe, das mit dem Alkohol endgültig sein zu lassen.

    Als nicht ganz so positiv empfinde ich es wiederum, dass von meinem alten Leben kaum noch etwas übrig geblieben ist. Leben, wohnen, Sozialkontakte, Umfeld... Mit kommt es vor, als sei ich vor einem Jahr mit einer Dampfwalze über mein bisheriges Leben gedonnert oder hätte mich mit einer Machete durch den Dschungel meines gewohnten Daseins gehackt. Was auch zum einen oder anderen Kollateralschaden geführt hat. Um mich in geordnete Bahnen zu bringen, war eben so einiges beiseite zu schaffen. Hier - muss ich sagen - hänge ich tatsächlich noch alten Bekanntschaften nach, von denen entweder ich mich oder die sich von mir verabschiedet haben. Weil die Veränderung dann doch sehr groß bzw. umfassend war. Nun wieder alles neu aufzubauen und mich in meinen Lebensbereichen so zu etablieren, dass ich für mich zufrieden bin, ist ein langwieriger Prozess, den ich mir anfangs tatsächlich einfacher vorgestellt habe. Aber sei's drum. Gelegentlich gibt es nach zwei Schritten vorwärts eben auch einen Schritt mal zurück - ich kann es nicht ändern.

    Interessant finde ich zurückblickend auf das letzte Jahr, dass mein Umfeld wie auch die "hartnäckigsten" Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Arbeit sehr wohl wissen, dass ich nichts trinke, nach wie vor diesen Umstand aber geradezu ignorieren. Will heißen, zu Anlässen gibt es (von Geschäftspartnern und Mitarbeiter/-innen) nach wie vor die früher üblichen Flaschen Whiskey, Cognac oder anderes als Geschenk, bei Feiern wird mir immer noch das Gläschen Sekt in die Hand gedrückt (das ich dann einfach eine halbe Stunde in der Hand halte und dann irgendwo abstelle), bei jedem Ausflug werde ich x mal gefragt, ob ich ein Bier möchte und und und... Die werden es nie lernen, wobei ich es zeitweise fast schon wieder amüsant finde, wie unaufmerksam so manch einer sein kann. Weil man vielleicht auch gar nicht mit einem Nicht-Trinkenden in der Runde rechnet und damit umgehen kann.

    Vorausblickend auf den Herbst hoffe ich, dass mir das trübe Wetter nicht zu sehr auf das Gemüt schlägt. Ich spreche hier nicht von einer Herbstdepression oder ähnliches, sondern eher dahingehend, dass witterungsbedingt die Zeiten "drinnen" länger werden und früher war dann doch oft auch die einkehrende Langeweile der Grund, zur Flasche / zum Glas zu greifen. Daher muss ich mir auch neue Indoor-Hobbies suchen. Wieder eine Aufgabe mehr - ach herrje! Wie auch immer: Der Griff zur Flasche / zum Glas ist keine Option mehr, da dies mein "Mindset" (ich muss sagen, ich hasse diesen Anglizismus) nicht zulässt. In der Hinsicht ticke ich für meine Verhältnisse glaube ich recht einfach: "Du hast in der letzten Zeit mehr erreicht als die letzten 20 Jahre davor - fängst Du mit der Trinkerei wieder an, dann schießt Du Dich in Deine persönliche Steinzeit zurück." Und das habe ich nicht vor. Meine Notbremsung vor ca. einem Jahr mitsamt der Neuausrichtung meines Lebens hat mich bis jetzt so dermaßen viel gekostet (sozial, emotional, materiell, finanziell) - das brauche ich kein zweites Mal. Achtung Sarkasmus: Manche sprechen so auch über ihre gescheiterte Ehe. Den Zwinker-Smiley erspare ich mir hier aber mal lieber...

    Vielleicht auch ein Weg, um trocken zu bleiben.

    Das wären sie also mal wieder gewesen, ein paar Zeilen, um zu zeigen, dass ich noch da und guter Dinge bin, trocken zu bleiben.

    So, und da sich nun auch noch die Sonne blicken lässt, geht es mal wieder raus in die Natur zum Auspowern.

    Ich wünsche einen schönen Sonntag.

    LG, Euer Stef.

    Ich möchte es mit drei Worten beschreiben. Innere Leere, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung auch die Scala der perfekten Sucht.


    Ich fürchte, da gibt es noch mehr Gründe, warum mit dem Trinken begonnen wird, z.B.:

    - Langeweile [ist das nicht geradezu DER "Klassiker" schlechthin?].

    - Gesellschaftlicher Zwang / "Usance".

    - Stressbewältigung.

    - Flucht vor Konflikten.

    und und und

    Gefährlich wird es meines Dafürhaltens dann, wenn ein derartiges Trinken zur Gewohnheit wird. Da hat es mich dann erwischt. Ich griff zum Glas / zur Flasche fast schon automatisch, oftmals (ich würde fast sagen "in der Regel") bei geradezu banalen Situationen, eben weil es so üblich war, z.B. nach der Arbeit in der Garage bevor ich in die Wohnung ging. Wirklichen Grund dafür gab es nicht, ich hätte auch nichts trinken können - theoretisch, aber dennoch tat ich es...

    Das schlimme Schlüsselereignis muss somit gar nicht zwingend der Grund der Beginn der Abhängigkeit sein, denke ich mal. Wie der stete Tropfen den Stein höhlt, reichen auch kleine immer wiederkehrende Muster, Schemata und eben auch Gewohnheiten, um früher oder später in die Abhängigkeit zu geraten.


    Ein Einzelfall bin ich nicht, das weiss ich.

    Nein, das bist Du in der Tat nicht, Lebenskünstler.

    Ich sehe es z.B. (nur ein Beispiel) immer wieder bei Wettkämpfen (mache Triathlon - jetzt wieder - wettkampfmäßig), wo man im Ziel neben den gewöhnlichen und mehr oder weniger isotonischen Durstlöschern meistens auch Bier (mit und ohne Alkohol) angeboten erhält. Oder beim Kuchenbuffet das eine oder andere Stück Mehlspeise dabei ist, wo sicher der eine oder der andere Tropfen drinnen ist. Das riecht man ja auch.

    Soll ich jetzt deswegen nicht mehr an diesen Wettbewerben teilnehmen, bloß weil an den "Labestationen" (die heißen wirklich so) bzw. im Zielbereich nicht nur Wasser oder die üblichen Energy-Drinks angeboten werden, sondern potenziell auch Bierbecher stehen..?

    Niemand zwingt mich, zum Becher zu greifen - mache ich auch nicht. Warum auch?

    Mich triggert da rein gar nichts - im Gegenteil, ich weiß, dass ich meinen Sport an den Nagel hängen könnte, würde ich wieder mit der Trinkerei anfangen. Und das habe ich nicht vor, da ich hier etwas gefunden habe, was mir Spaß macht, mich motiviert und für die erforderliche Portion Ausgleich zu den sonst stressigen Alltagssituationen sorgt. Das ist für mich "Mindset" genug.

    Provokant bzw. überspitzt formuliert:

    Während ich getrunken habe, habe ich durch das Trinken einen Weg der Selbstzerstörung beschritten und diese vorangetrieben. Tag für Tag, Stück für Stück. Über 25 Jahre lang.

    Ein paar Schritte vor dem berühmten Abgrund habe ich es dann tatsächlich geschafft, stehen bleiben können und mich zu stabilisieren - in vielen Belangen. Vorerst einmal. Dabei half mir ein gefestigtes bzw. Sicherheit gebendes Umfeld - auch was den Beruf bzw. den Arbeitsplatz anbelangt.

    Soll ich nun diesen Weg der Selbstdemontage tatsächlich bewusst wieder weitergehen, indem ich unreflektiert und bloß aus dem hehren Gedanken der Ehrlichkeit heraus jedem XY auf die Nase binde, dass ich Alkoholiker bin, dies im Wissen um das Risiko, dass ich mir damit genauso schade (vor allem im existenziellen Sinne) wie ich mir durch die Trinkerei gesundheitlich geschadet habe? Erledige ich mich vielleicht dadurch endgültig, dass ich meine Alkoholabhängigkeit durch den Kollaps auf anderer Ebene "kröne"?

    Was den gegenständlichen Austausch betrifft, so gebe ich Hera uneingeschränkt Recht und kann auch R/no gut verstehen.

    Unbedingte Ehrlichkeit ist so eine Sache bzw. sollte man sich - denke ich - schon sehr genau überlegen, was man wem sagt und auch die Konsequenzen bedenken.

    Vice versa wird aber auch so mancher Chef / Vorgesetzter das jeweilige Arbeitsverhältnis hinterfragen - vor allem wenn zweifelhaft ist, ob der Mitarbeiter noch die geforderte Leistung zu erbringen imstande ist (oder auch: ob er noch ins Team passt).

    Daher legen doch viele funktionierende Alkoholiker meines Erachtens nach so einen großen Wert darauf, dass es zumindest bei der Arbeit noch so einigermaßen läuft (wenn schon alles andere dem Abgrund zusteuert oder man schon einen Schritt weiter ist - z.B. Trennung, soziale Isolation etc.). Und sagen nichts.

    Wenn ich mich hernehme, so wäre es undenkbar gewesen, mich zu "outen" - dann hätte ich gleich die Branche wechseln können... Inzwischen sage ich nur, dass ich nichts trinke. Mehr brauchen die Leute auf der Arbeit nicht zu wissen (aber richtig ist: geredet und gemutmaßt wird freilich - doch das ist nichts "Handfestes" bzw. "Verifiziertes", und damit irrelevant...).

    Und wenn Du ne Kur machst, machst Du halt ne Kur. Sonst wäre das ein massiver Eingriff in Dein Grundrecht.

    Ach bitte, bleiben wir doch auch ein wenig realistisch! Wenn ich als Arbeitgeber weiß, wohin (Ort, ich brauche nicht mal die Anstalt wissen) die Kur oder Reha geht, dann kann ich mir schon denken, was der Mitarbeiter hat. Vielleicht ist das in einer Großstadt anders, aber auf dem Land oder im ländlichen Raum läuft es dann doch etwas anders.

    Überhaupt würde ich bei der Arbeit sehr vorsichtig sein, was ich wem sage. Zu große Offenheit kann einem schneller auf den Kopf fallen, als man denkt - denn in aller Regel hat man bei der Arbeit nicht bloß Freunde und nicht alle haben sich uneingeschränkt lieb. Konkurrenz, Neid, Opportunismus, Schadenfreude etc. sind doch gerade bei der Arbeit nicht allzu selten an der Tagesordnung.

    Entschuldigt bitte den leichten Sarkasmus an dieser Stelle, aber ich habe schon oft genug miterlebt, wie es laufen kann...

    Mich würde interessieren, ob die Entscheidung vor allem aus rationalen Gründen getroffen wurde, wie auch immer diese Gründe aussehen könnten.

    Einen wirklichen Tiefpunkt hatte ich nie. Bei mir stand der Entschluss der dauerhaften Abstinenz fest, als ich merkte, dass mein Leben durch den Alkohol nicht mehr das von früher war, gesellschaftlich, beruflich, privat. Mir war es im Leben stets wichtig, durch Leistung zu überzeugen, etwas "zum Herzeigen, Vorweisen" o.ä. zu haben. Anerkennung durch Leistung und Erfolg, war meine Devise. Sich alles selbst zu erarbeiten, nicht abhängig zu sein, dies war mir immer wichtig. Gerade im beruflichen Bereich wollte ich allen beweisen, dass man es auch unter nicht so einfachen Voraussetzungen (ich war alles andere als privilegiert) recht weit bringen kann. Ohne den nötigen "Background" zu haben, auf dem Treppchen ein Stückchen weiter nach oben zu klettern. Das schaffte ich, glaube ich, dann auch.

    Deshalb lebte ich mein Leben eigentlich immer ein paar % über dem Limit. Als dies dann aufrechtzuerhalten immer schwieriger wurde, versuchte ich meine Belastungsmomente mit der täglichen Dosis Alkohol zu kompensieren. Das ging anfangs tatsächlich (was mich immer noch wundert).

    Dann aber kam dieses eine Jahr, in dem eines nach dem anderen schief ging. Kleinere, größere Dinge. Sozial wurde es - nennen wir es mal: - "mühsamer", der Bekanntenkreis nasser, beruflich stieg der Erfolgsdruck weiter und weiter (gepaart dann mit noch mehr Alkohol), meine sportlichen Leistungen, auf die ich immer ganz besondere Wert legte, konnte ich nicht mehr erbringen, und und und.

    Schlussendlich wurde mir klar, dass ich mir mit der Trinkerei mein Leben Schritt für Schritt ruiniere. Nicht jetzt, nicht gleich, aber irgendwann - das dann aber ziemlich sicher. Ja, und genau das wollte ich nicht. Daher hörte ich dann auf. Diese Entscheidung war nicht aus der Not geboren, sondern tatsächlich rational. Und so wie ich den rationalen Entschluss gefasst habe, das Trinken zu lassen, fasse ich auch nichts mehr an. Weil dann würde ja genau wieder das mit mir geschehen bzw. würde ich mich in diejenige Richtung bewegen und dort landen, wo ich mich nicht mehr sehen möchte.

    So also war es bei mir eine rationale Sache, das mit der Abstinenz.

    Ich selbst konnte mich in der Zeit, in der ich abhängig getrunken habe, ob der schieren Menge und Häufigkeit nicht wirklich davon überzeugen, dass ich aus Genuss getrunken habe. Das heißt aber nicht das ich mir die Welt nicht trotzdem schön getrunken habe und mir mein Suchtgedächtnis bis zu meinem Tod erzählen wird, dass es doch so schön genussvoll war.

    Ob es "echte" Genusstrinker gibt, frage ich mich tatsächlich. Ich kann es mir kaum vorstellen. Vor allem: Wann hört der Genuss dann eigentlich auf und wann trinke ich, weil ich muss?

    Vielleicht bin ich ein anderer Typ Trinker (vermutlich, wie ich in vielen Facetten wahrscheinlich anders als andere bin), aber wenn ich so nachdenke, habe ich aus folgenden Gründen getrunken (dann aber zu viel!) - wobei es eigentlich ja nur einer war, nämlich die:

    Gewohnheit: Ich bestellte mir meine Getränke / ich trank zu diesem oder jenem Anlass meine Getränke (natürlich waren es mehr als eins), weil ich es immer so machte (ich könnte auch sagen: es gar nicht anders kannte).

    z.B.

    - Stress. Wurde mir etwas zu viel (beruflich / privat), griff ich ohne viel nachzudenken zum Glas / zur Flasche. Ein Automatismus.

    - Langeweile: Wenn es nichts zu tun gab, war der Weg zur Flasche kurz. Auch eine Form der Gewohnheit.

    - Gesellschaftliche Anlässe und Anpassung: Weil es einfach üblich war. Es wurde getrunken, weil es alle taten, es "schicklich" war.

    Nach wie vor glaube ich nicht, dass ich aus innerem Druck oder Zwang heraus getrunken habe, sondern weil es einfach ein Muster war. Wie ich mir z.B., wenn ich bei einem Kiosk was besorge, mir immer auch ein Los kaufe. Allerdings nahm die Menge zeitweise ein bedenkliches Ausmaß an. Die sozialen, gesundheitlichen und auch anderen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums sind bekannt.

    Und: Sich von gewohnten Verhaltensweisen zu trennen, ist schwerer als gedacht.

    Primär muss bzw. musste ich für meine Stabilität die Ursachen bzw. den Grund des Trinkens ausschalten (soweit möglich), dann stellt(-e) sich nämlich die Frage nach dem Griff zur Flasche / zum Glas nicht mehr so wirklich. Gegen Langeweile hilft Betätigung bzw. Ablenkung, gegen Stress eine geänderte Lebensweise / Einstellung / Sicht der Dinge (erkennen, was wirklich wichtig ist, aus Kleinigkeiten keine Elefanten machen, nicht jede Bemerkung auf die Goldwaage legen und und und) und bei den ungesunden Sozialkontakten, musste ich mich eben (was nicht ganz so leicht war), von dem einen / der anderen Bekannten distanzieren.

    Bislang klappt es.

    Von einem Genusstrinker war ich eigentlich immer weit weg...

    P.S. meines Erachtens nach ist ein Urlaub als Single oder Paar weit aus gefährlicher für einen frisch abstinenten Alkoholiker als ein Urlaub mit Kindern, zudem meine Jungs wissen das ich nicht mehr trinke.

    Das finde ich interessant bzw. da sieht man, wie unterschiedlich die Menschen gestrickt sind.

    Für mich war stets die größte Gefahr zu trinken, wenn ich mit Familie / Partnerin in Urlaub war. Da bot es sich ja überall geradezu an. Pool, Ausflug, Brauerei- oder Weinkellerbesichtigung (oh Gott!), Restaurant, Bar usw. Bzw. um Ruhe vor der Verwandtschaft / Partnerin zu haben, dann im Hotelzimmer. Je größer die Gruppe und das "Trara", desto anfälliger war ich.

    Je mehr ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass der Drang zu trinken umso größer war, wenn ich in Gesellschaft war bzw. wenn ich wegen zu vielen Leuten (oder Stress - z.B. in der Arbeit oder privat) meine Ruhe haben wollte... Auslöser für die Trinkerei war also fast immer ein wie auch immer gearteter "Sozialkontakt" (egal ob privat oder bei der Arbeit), der dann zu meinen ungesunden Verhaltensweisen führte.

    In diesem Jahr war ich inzwischen dreimal alleine auf Urlaub und muss sagen, ich wäre dabei auch gar nicht auf die Idee zu kommen, mich im Urlaub zu betrinken bzw. mich volllaufen zu lassen. Dafür würde ich ja auch nicht in Urlaub fahren. Auch würde ich mich nicht alleine an eine Bar setzen noch mir beim Abendessen was Alkoholisches bestellen.

    Die einzige "Gefahr" wäre vielleicht im Hotelzimmer die Minibar, aber nachdem die meisten Minibars neuerdings in den Hotels ja nicht mehr automatisch befüllt sind und man sich erst eine Füllung bestellen muss, scheidet das für mich auch aus, weil wie sieht denn das aus, wenn man sich an der Bar oder der Rezeption eine (alkoholische) Minibarfüllung aufs Zimmer ordert..!? In der Hinsicht hält mich, auch wenn es sonderbar klingt, die Wahrnehmung anderer von mir auch trocken. So versuchte ich schon immer, den Schein zu wahren und meistens klappte das auch - was aber nichts daran änderte, dass ich mich durch die Trinkerei Schritt für Schritt dem Abgrund genähert habe.

    Fiel mir gerade so ein...

    Liebe Leute!

    Nachdem ich hier schon länger nichts mehr in meinem Faden geschrieben habe, möchte das mal nachholen.

    Jetzt haben wir also bald Mitte August und der Sommer bzw. die Urlaubszeit verabschieden sich langsam. Darüber bin ich ganz schön froh, muss ich sagen. Denn diese Zeit empfinde ich als ziemlich anstrengend. Nicht aufgrund der alkoholbezogenen Versuchungen des täglichen Lebens (vom Urlaub, den Biergärten über die Seen bei uns hin zu den vielen Veranstaltungen im Sommer), sondern eher um sinnvolle und produktive Alternativen zum früheren Leben zu finden und auch auszuleben. Dafür bietet sich der Sommer ja geradezu an - und das ist (leider auch) mühsam.

    Gefunden habe ich da zwar so einiges und ich mache auch vieles, doch es ist schon anstrengend, den Tag entsprechend zu strukturieren.

    Es ist eigenartig: Mir kommt es so vor, als versuchte ich die verlorene Zeit von früher jetzt "hereinzuarbeiten". Mit dem Ergebnis, dass mein Tag eigentlich 30 Stunden haben müsste. Hiermit plagt sich auch meine Therapeutin herum, also dass das trinkbedingte Nichts- oder Wenigtun von früher plötzlich von mir ins Gegenteil (dem Versuch, aktiver denn je zu sein) verkehrt wird und dem entgegengesteuert werden sollte.

    Wenn ich abends noch meine Tagesaktivitäten zusammenfasse (es ist so eine Art Tagebuch oder eher Notizkalender), denke ich mir immer wieder: Das war ganz schön viel für heute. Allerdings beginnt der nächste Tag meist in 4 bis 6 Stunden und will wieder genutzt werden.

    Es ist schon sonderbar. Werde ich z.B. auf eine Veranstaltung eingeladen, von der ich weiß, dass es doch eher nass ("feuchtfröhlich") zugeht, bleibe ich dieser wenn möglich fern (geht bei mir nicht immer). Dieses dadurch entstehende Zeitfenster (also wenn ich nicht hingehe) will nun aber gefüllt werden, so z.B. durch intensive Sporteinheiten (um mich müde zu machen), Arbeit (um mich abzulenken) oder sonst was, um gar nicht erst auf die Idee zu kommen, hinzugehen. Dabei nehme mir aber x Sachen zugleich vor, weil ich so viel nachholen bzw. unternehmen möchte, was ich früher - außerhalb meiner Trinkpausen - nicht gemacht habe.

    Durch diese Aktivitäten wirke ich zwar nach außen hin aktiver und ausgeglichener (sagt man mir inzwischen nach) und mein Gesundheitszustand ist auch wieder dort, wo ich mir nie erwartet hätte, wieder hinzukommen, aber zufrieden bin ich oftmals nicht. Weil das alte, gewohnte Leben nicht mehr da ist. Gut, ich habe auch nicht vor, hier alte Zeiten wiederkehren zu lassen. Denn das frühere Leben war weder gesund, erfüllend noch kann ich sonst etwas Positives daran finden (ich kann mich auch an so manches nicht mehr erinnern). Einzig und allein fehlen mir zwei drei damals (teils seit der Jugendzeit gepflegte) Sozialkontakte mit Freundinnen und Freunden von früher, welche es so nun nicht mehr gibt, weil unsere Lebensstile einfach nicht mehr zusammenpassen. Erstaunlich ist es dennoch, wie schwer es ist, sich von alten Lebensweisen und Erinnerungen geistig komplett zu distanzieren.

    Insgesamt ein bisschen ein Dilemma, in dem ich stecke...

    Ich bin mir nicht sicher, ob hier das Suchtgedächtnis mit hinein spielt (eigentlich habe ich kein Bedürfnis nach Alkohol und mir ist dieser ziemlich egal - trinke ja sowieso keinen mehr). Vermutlich muss ich einfach noch lernen, in denjenigen Zeiten, in denen ich früher getrunken habe, nun gezielt "nichts" (bzw. nichts, dass in einem Produkt, einer Leistung etc. endet) zu tun, um tatsächlich zufriedener (oder sagen wir innerlich ausgeglichener) zu werden. Kann man so etwas lernen, wirklich mal "nichts" zu tun? Derzeit fühle ich mich ein wenig wie ein Getriebener.

    Dann noch eine kurze Episode: Ich war heute gegen frühen Nachmittag an einer Tankstelle, stehe an der Zapfsäule und sehe wie ein Auto kommt, zwei Männer (wirkten nicht auffällig, waren locker, leger angezogen und plauderten) steigen aus, gehen in den Tankstellen-Shop und wie sie herauskommen, hat einer von ihnen eine große Flasche Klaren unter dem Arm. Der mit der Flasche setzt sich (wenigstens!) auf den Beifahrersitz und während der andere noch startet und losfährt, dreht der Beifahrer schon den Verschluss auf und nimmt einen großen Schluck direkt aus der Flasche). Warum ich das schreibe? Weil mir so etwas zu meinen nassen Zeiten zwar aufgefallen wäre (beim Autofahren trank ich nie), ich das aber eher mit "Die machen sich sicher einen gemütlichen Nachmittag" abgetan hätte, während ich nunmehr alleine schon beim Zusehen einen flauen Magen bekomme und mich frage, wie man so leben bzw. sich so sein Leben ruinieren kann...

    Auch so ändert sich so manches.

    Ok, ich merke, es wird schon wieder zu lange.

    Wünsche Euch noch einen schönen Sonntag.

    LG, Stef.

    Ich habe Fragen offen die mir zur Aufbereitung aus der Co Abhängigkeit helfen. Ich freue mich sehr über die Antworten auch wenn die Fragen hart sind. Ist euch Alkoholiker mit übermäßige Alkohol bewusst das ihr sie Angehörigen und Partnerinnen mit runter zieht? Oder ist euch das unbewusst und ein Automatismus? Ist euch Alkoholiker mit übermäßige Alkohol bewusst das ihr in den Trinkphasen überheblich und abwertend andere Menschen gegenüber reagiert oder unbewusst? Ist euch Alkoholiker mit übermäßige Alkohol bewusst das ihr euch und das Umfeld Verwahrlosung? Könnt ihr Alkoholiker mit übermäßige Konsum noch positive Gefühle wahrnehmen? Könnt ihr Alkoholiker mit übermäßige Alkohol noch auf Wünsche und Bedürfnisse anderer Menschen eingehen? Überschreitet ihr Alkoholiker mit übermäßige Alkohol mit Absicht oder ohne Absicht die Grenzen und das Nein der Angehörigen und Partnerinnen?

    Also ich weiß nicht, aber derartige - durchwegs "angriffige" / stereotype - Pauschalierungen finde ich unpassend. Jeder Mensch ist anders und je nach Typ Mensch könnte jede Deiner Fragen mit ja oder nein (oder "manchmal") beantwortet werden.

    Bezüglich des Themas "Verwahrlosung" z.B. möchte ich _Eternal_ jedenfalls Recht geben. Ich denke nicht, dass ein Alkoholiker grundsätzlich verwahrlost sein muss. Auch wenn ich mich als Alkoholiker mitunter ziemlich daneben benommen habe (im zwischenmenschlichen Bereich), hätte ich mich niemals und würde mich auch jetzt rückwirkend betrachtet nicht als verwahrlost bezeichnen.

    So wie ich die Fragen lese, zielen diese ja fast schon in Richtung bzw. auf den Typ "Alkoholiker im Endstadium" (oder so in der Art) ab. In dieser Phase ist aber nicht jeder Alkoholiker. Vielleicht endet er einmal dort, aber das ist eine andere Sache.

    Schließlich hängt es doch wohl auch sehr vom Trink-Typ ab, wobei ich einen Spiegeltrinker da wohl kaum automatisch mit einem Problem- oder Gesellschaftstrinker gleichsetzen können werde (die können aber auch Alkoholiker sein).

    Alle Alkoholiker in einen Topf zu werfen, davon halte ich nicht viel.

    Nur ein kleiner Gedankengang meinerseits:

    Vielleicht spielt es beim Eingeständnis, ein/-e Alkoholiker/-in zu sein mitunter auch eine Rolle, welcher Typ von Trinker/-in man ist und wie sich das Trinkverhalten auf das eigene Leben auswirkt... Ob es noch läuft oder aus den Fugen gerät (oder schon ist)..?

    Will heißen - und ich werfe das jetzt mal so in den Raum:

    Ein Spiegeltrinker wird sich aus meiner Sicht wahrscheinlich (auch hier im Forum) eher eingestehen, Alkoholiker zu sein als z.B. ein Problem- oder Gesellschafstrinker. Im ersten Fall ist es wohl schon relativ klar, im zweiten womöglich noch nicht so ganz.

    Mir - rein subjektiv wahrgenommen - kommt es hier im Forum so vor, dass sich gerade diejenigen, die zwar realisiert haben, ein (teils auch massives) Alkoholproblem zu haben, dabei ihren Konsum aber eher auf mehr oder weniger regelmäßige Ereignisse (Abstürze), Umstände u.dgl. abstellen und bei denen das Leben noch so einigermaßen funktioniert, subjektiv schwerer tun, sich als Alkoholiker zu bezeichnen, als diejenigen, bei denen es - ich formuliere es jetzt mal provokant, bitte mir das jetzt ein wenig nachzusehen - nicht nur für sie selbst sondern auch für deren Umfeld schon recht "offensichtlich" ist, dass nichts mehr funktioniert und das Leben in eine (gesundheitliche, gesellschaftliche, arbeitsmäßige, partnerschaftliche, finanzielle und und und) Schieflage geraten ist, z.B. eben wenn man schon in der Früh sein Getränk braucht, um überhaupt noch funktionieren und den Tag überstehen zu können.

    Wie in meinem Faden anfangs irgendwo mal geschrieben, wollte ich mir über viele Jahre nicht eingestehen, Alkoholiker zu sein, obwohl ich es bereits damals längst schon war, und zwar einfach deshalb, weil ich es im Hinblick auf meine Lebensweise für mich partout nicht wahrhaben wollte. Hätte man mich z.B. vor 10 Jahren gefragt, ob ich Alkoholiker sei, hätte ich dies sicherlich vehement verneint, eben weil in meinem subjektiven Empfinden mein Leben ja so funktionierte, wie ich es mir vorstellte. Bzw. es noch so ging. Ein Alkoholproblem, ja, aber gleich Alkoholiker? Also ich weiß nicht...Trotzdem war ich Alkoholiker und als ich mich hier im Forum angemeldet habe, war mir das dann auch klar. Irgendwann kommt man ja dann doch drauf.

    Mir ist klar, dass meine paar Zeilen hier keinen echten Mehrwert für die Diskussion haben, aber ich denke, ich kann bei manchen doch eher verstehen, warum die Sache mit der Bezeichnung als "Alkoholiker" (also das Eingeständnis, einer zu sein) so schwer für sie ist. Hier geht es nämlich nicht einmal so sehr (glaube ich) um das Eingeständnis gegenüber einem anonymen Kreis von Forumsteilnehmern, sondern um das Eingeständnis sich selbst gegenüber...

    Was natürlich nichts an den Forumsregeln hier ändert.

    Ich bin da noch sehr zurückhaltend und will niemanden nerven.

    Liebe Leonie!

    Mit dieser Einstellung bist du mal sicher nicht allein. Ich kenne das von mir. Bin auch jemand, der - außer natürlich im Job und dort, wo es sonst erforderlich ist - selten den Kontakt zu anderen sucht. Auch mit der von dir angesprochenen Begründung, dass ich andere nicht "nerven" [ich würde eher sagen: mich nicht aufdrängen] oder belasten will. Oft versetze ich mich dann in die Person anderer und denke mir: Würde ich jetzt [z.B. am Sonntag Nachmittag] "gestört" werden wollen? Telefonieren wollen, ausgehen wollen? Nein? Dachte ich mir, deshalb rufe ich auch gar nicht erst an [Wobei ich natürlich nur annehme, dass dem so ist.]. Oder frage um Hilfe. Da plage ich mich lieber selber ab oder lass' das eine Firma machen, was man eigentlich auch ganz leicht so mit etwas Unterstützung zusammenbekommen könnte.

    Ja, ich bin da in der Hinsicht ein Einzelgänger.

    Mehrere in meinem Umfeld haben mir das auch schon sehr klar und deutlich gesagt, dass ich immer alles mit mir selbst ausmache und auch wenn ich andere gerne unterstütze, was ich auch mache, so nehme ich selbst wiederum keine (oder nur sehr sehr selten) Hilfe an oder frage danach.

    Glaube mir, das aber ist ein Fehler! Denn damit tut man sich nichts Gutes. Im Gegenteil: Man isoliert sich ein Stück mehr, was wieder die Gefahr mit sich bringt, sich die Unterhaltung "anderswo" zu suchen. Klar, was ich meine, oder? Damit wären wir ja auch wieder beim Thema dieses Forums. Eben diese Gefahr kann aber reduziert werden, wenn - auch in kleinen Schritten - dem Sozialen mehr Platz (und Bedeutung) im Leben eingeräumt wird.

    Damit ist aber auch der von anderen oft kommende Rat "Geh' unter Leute!" [Wie oft hörte ich diesen Satz schon!] aus meiner Sicht weder böse gemeint noch eine bloße Floskel und auch nicht so ganz von der Hand zu weisen.

    Und, wo ich mir ziemlich sicher bin: Bezeichnen wir es nicht als "nerven", aber ich denke mir, manche würden durchwegs auch gerne [von dir] kontaktiert werden, vielleicht weil sie selber in einer ähnlichen Situation sind. Dabei braucht es halt nur jemanden, der anfängt. Beispiel - das habe ich für mich gelernt: Wenn zwei vereinbaren, einmal etwas gemeinsam zu unternehmen (egal was) und man schließt diese Idee mit "Dann telefonieren wir uns zusammen.", ist die Wahrscheinlichkeit riesig, dass keiner von beiden den anderen anruft und man das Vorhaben umsetzt. Das hatte ich zur Genüge. Daher: Selber aktiv werden. Einfach trauen. Nicht warten. Mehr als ein "Nein, ich kann / will nicht", kann es auch nicht geben.

    Natürlich, niemand sagt, dass es leicht ist, über seinen Schatten zu springen und eine neue Verhaltensweise zu probieren. Aber andererseits: Beim Alkohol haben wir das doch auch gemacht, aufgehört zu trinken, das Zuhause alkoholfrei gemacht, schädliche Bekanntschaften gecancelt, die Lebensweise umgestellt und und und.

    Also besteht doch auch in anderen Bereichen Hoffnung, oder? ;) [Setze ungern Smileys, aber dieser hier ist wirklich ehrlich und gut gemeint und ich finde ihn auch passend.]

    Einfach so ein paar Gedanken von mir...

    LG, Stef.

    Habe ich mir da etwas vorzuwerfen? Ja, das habe ich. Aufgrund meines intellektuellen Zuschnitts war mir immer klar, dass exzessiver Konsum in der Abhängigkeit enden kann, wie es z.B. bei meinem Vater war, der keine 60 geworden ist, weil er sich schlichtweg zu Tode gesoffen hat.

    Ja, aber denkt man wirklich vor dem oder beim Konsum an die Möglichkeit der Abhängigkeit? Also ich tat es nicht. Ja freilich, man weiß, dass Alkohol abhängig machen kann... Mir war das auch klar (und ich hatte auch einen schlimmen alkoholbedingten Todesfall in meiner Familie). Einzelne Umstände (auch Einschnitte) in meinem Leben haben jedoch letztendlich dazu geführt, dass ich nicht mehr trinken wollte - und auch aufgehört habe.

    Vorwerfen kann ich mir heute, dass ich mich damals in manchen Situationen [vorsichtig ausgedrückt:] unangemessen verhalten habe, weil ich getrunken habe und vieles passiert ist, das nicht hätte passieren müssen. Dieser Vorwurf ergeht aber jetzt an mich mit Blick zurück. Damals - also ich meine mitten drin in der nassen Zeit - stellte sich mir diese Frage unmittelbar nicht. Bei mir zumindest einmal nicht.

    ... ich sehe ihm seine Verlegenheit an aber komme immer noch nicht drauf wie man jemanden einfach so aussortiert ohne mit der Wimper zu zucken, vor allem jetzt wo ich trocken bin kann man mit mir wohl nichts mehr anfangen.

    Das geht einfacher als man denkt bzw. einem lieb ist.

    So wie ich, als ich mich für die Abstinenz entschieden hatte, den Kontakt zu manchen "Freunden" und "Bekannten" (bekannt freilich meist vom gesellig-nassen Zusammensein her) mehr oder weniger mir-nichts-dir-nichts abgebrochen habe, so wurde auch ich von manchen Zeitgenossen (auch Zeitgenossinnen - das wundert mich noch eher) von jetzt auf gleich aus deren Leben gestrichen. Freunde, die ich seit dem Kindergarten kenne, melden sich nicht mehr, in Whats-App-Gruppen, wo es früher einen regen Austausch gegeben hat, herrscht jetzt Funkstille, selbst banale Gespräche (z.B. auf dem Markt oder bei einer Veranstaltung) werden von manchen nur sehr widerwillig geführt.

    Bei Feierlichkeiten / Ausflügen im Betrieb möchte man mich eigentlich gar nicht wirklich mehr dabei haben, denn es ist ja schon doof, wenn der Chef nix trinkt und die anderen schon - da muss man sich dann schließlich zusammenreißen, nicht, dass einem im Suff das eine oder andere unüberlegt über die Lippen kommt oder die eine oder andere Peinlichkeit passiert. Und so etwas ist natürlich nicht im Sinne der "Partytruppe". Deshalb fahre ich bei diesen Team-Building-Aktionen auch gar nicht mehr mit. Ich gebe denen, die mitfahren wollen, frei und die sollen dann machen was sie wollen - ohne mich. Da geht es denen wie auch mir vermutlich besser. Den Mitarbeiter/-innen, weil sie nicht aufpassen müssen und mir, weil ich mich nicht ärgern muss (wenn mir zum x-ten Mal versucht wird, ein Bier aufzuschwatzen, obwohl ich schon 3x gesagt habe, dass ich nix trinke).

    Jedenfalls habe mich daran gewöhnt, dass ein Großteil meines alten Freundes- und Bekanntenkreises nichts oder vielleicht besser nur mehr das Notwendigste mit mir zu tun haben will, weil ich mich verändert habe - und mit dieser meiner Abstinenz kommen manche überhaupt nicht klar (was mich bei manchen allerdings schon trifft, weil ich mir das nicht gedacht hätte)...

    Was soll's!? Das Leben geht auch so weiter...

    Guten Morgen!

    Habe mir jetzt einmal gestern auf der großen, bekannten Videoplattform ein paar Videos von Schmiddy unter "Schluck X" angesehen.

    Kennt ihr Schmiddy? Ich finde seine Beiträge zum Thema Alkoholabhängigkeit (meist 15 bis 25 Minuten) zwar teils etwas wirr bzw. oft vom Thema abschweifend, aber auf mich wirkt er sehr authentisch und ist mir irgendwie sympathisch.

    Bei ihm sieht und merkt man, dass er in seinem Leben wirklich viel mitgemacht haben dürfte und dass der Alkohol seine Spuren hinterlassen hat. Da kann man noch so lange trocken sein - manche Schäden bleiben. Aber ich denke schon, der weiß, wovon er redet. Und er bringt das ungeschönt rüber.

    Vor allem wirkt er nicht so seelsorgerhaft [teils "vorbeter- bzw. oberlehrerhaft"] wie der durchwegs populäre "F-Geist".

    Ich war jedenfalls positiv überrascht von Schmiddy.

    LG, Stef.

    Hier, in der Anonymität des Forums, fällt es natürlich wesentlich leichter, sich als Alkoholiker zu bezeichnen.

    "Draußen" ist dies nicht ganz so einfach. Vor allem im beruflichen Bereich kann ein Outing existenzbedrohend sein, weil - auch wenn die Realität eine ganz andere ist - in der Gesellschaft in manchen Sparten Alkohol bzw. die Alkoholabhängigkeit im Grunde ausgeblendet (ignoriert) wird. "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf", so geht doch der Spruch. Dass dies eine zum Himmel schreiende Scheinheiligkeit ist, versteht sich von selbst. Aber es ist tatsächlich so: Jemand, der zu viel trinkt, hat in meiner Branche im beruflichen bzw. geschäftlichen Umfeld nach außen hin einen schweren Stand. Dass intern ungeachtet dessen viele ein ganz massives Alkoholproblem haben, ist ein offenes Geheimnis, aber sagen (zugeben) darf man das bloß nicht. Dann ist man ja nicht mehr Teil der heilen oder überkorrekten Welt (oder wie immer man das bezeichnen mag)...

    Und auch trockene Alkoholiker haben es hier nicht unbedingt leichter, weil die Vergangenheit einem ja anhaftet. Da ist ja immer mit einem Rückfall zu rechnen, nö, so jemand passt nicht "zu uns" (und wieder: wobei hier selber so manch Scheinheiliger weit mehr als gesund ist trinkt).