Beiträge von stef2303

    Ja, normalerweise komme ich mit unseren "Abgängen" (ein hässliches Wort, finde ich) in der Firma leichter klar. Bei ihm hier war es halt so, dass wir uns irgendwie ein wenig ähnlich waren. Und ich konnte ihn gut leiden. Trotz der Trinkerei war er ein Mensch, mit dem ich irgendwie doch meistens (auf der persönlichen Ebene) recht gut klar kam. Ein freundlicher, umgänglicher, jovialer Zeitgenosse. Vermutlich auch hier wohl mehr Schein als Sein...

    Was bleibt ist noch der Gedanke, dass ihm nach seinem Jobverlust (er hatte sonst wohl nichts mehr in seinem Leben), womöglich alles egal gewesen sein dürfte. Und irgendwie denke ich nach wie vor: Vielleicht wäre es besser gewesen, ihn im Betrieb zu halten...

    Dann aber fühle ich mich wieder auch meinem Unternehmen verpflichtet... und dass es nicht mehr ging, war offensichtlich. Bei der Arbeit meine ich. Ich denke, das war auch ihm irgendwie klar. Es war, glaube ich, allen klar.

    Ja, der Alkohol, da sieht man, wie es enden kann...

    Ja, was soll ich sagen, wie ich erst jetzt hörte, ist er vor ca. einem Monat verstorben. Er war noch keine 40 Jahre alt...

    Zu denken gibt mir das irgendwie schon... [mochte ihn irgendwie gerne, obwohl er hoffnungslos dem Alkohol verfallen war]...

    LG, Stef.

    Das ist der springende Punkt.

    Ja, wenn sie denn auch kommt, die Zufriedenheit...

    Ich selbst habe mit der Trinkerei aufgehört, weil ich irgendwann - naja sagen wir es mal so: da gab es ein Jahr, da gingen viele kleinere oder auch größere Dinge ziemlich schief - realisierte, dass ich sprichwörtlich den "Karren an die Wand fahre", wenn ich so weitermache bzw. weiterlebe wie bisher.

    Die Umstellung auf "Kein Alkohol mehr!" war an sich nicht wirklich schwer, es war ja auch genug Motivation da. Und die Veränderungen (Gesundheit, Aktivitäten, Arbeit, Umfeld) stellten sich ja auch recht rasch ein. Mein Leben war (und ist auch heute noch) ganz anders als die letzten 25 oder vielleicht auch 30 Jahre... Klar: Besser! Aber auch anders und nicht immer ganz so, wie es sein sollte.

    Die Sache mit der "Zufriedenheit", das ist für mich so ein Ding. Mir gefällt es, ein trockenes Leben zu führen, das ich so eigentlich nicht kannte. Im Grunde fing das nasse Leben bei mir Anfang zwanzig an. Wirklich "zufrieden" (im Gesamten) bin ich aber nicht, weil ich tagtäglich sehe, wie sich andere aus meinem Umfeld die letzten 20, 30 Jahre entwickelt haben, was sie sich geschaffen haben, kurz: wie sie leben. Da denke ich mir, schade, dass ich vieles davon nie gehabt habe, vielleicht auch nicht haben werde.

    Gut, vieles bei anderen ist auch mehr Schein als Sein und wer weiß, welche Probleme es in meinem Umfeld gibt (von ein paar "hässlichen" weiß ich auch).

    Vor allem aber nun (hier und heute) - und da möchte ich Soapstar recht geben - wenn die Erkenntnis kommt, dass trotz vieler Trinkpausen (bei mir) mein Umfeld eigentlich immer "nass" war und ich mich so weit es geht von diesem fernhalte, dann finde ich es im Grunde eher traurig, dass es soweit kommen musste. Nun gilt es, das Leben auf komplett neue Beine zu stellen. O.k., an meiner Situation bin ich selber schuld [wobei: Ich glaube, diesbezüglich werde ich mal was in meinem Faden schreiben, weil ich die Sache mit der "mea culpa" doch etwas differenzierter sehe.] Aber Wunsch und Wirklichkeit sind eben auch nicht dasselbe.

    Was heißt das für mich? Ich finde es gut, richtig und wichtig, mit der Trinkerei aufgehört zu haben. Die Abstinenz war (ist) alternativlos. Ja, ich bin auch "zufrieden" damit, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und dass ich vieles machen kann, was früher nicht mehr möglich war. Bloß mit der Gesamtsituation kann ich (für mich) - zumindest derzeit - nicht zufrieden sein, weil sich insgesamt so furchtbar viel geändert hat, dass es noch sehr lange dauern wird, bis ich das alles wieder auf die Reihe bekomme.

    In der Abstinenz wurde mir diese Situation erst klar...

    LG

    Stef.

    An meine Träume erinnere ich mich nur sehr selten, aber an den Traum in der Nacht auf den Tag, an dem ich beschloss, nüchtern zu werden, schon, und zwar noch immer (selbst heute!):

    Ich schwamm im Meer, man könnte auch sagen: Auf hoher See. Weit draußen und kein Land in Sicht. Ringsum nur Wasser. Und es war bewölkt und düster. Das Meer war allerdings nicht wie sonst blau, sondern eine verschmutzte, ölig-schmierige, dunkelbraune bis pechschwarze "Suppe". Hinter mir in der Ferne sah ich einen Tanker, riesig, der mich langsam aber sicher einzuholen und zu überfahren drohte. Ich schwamm schneller, doch er kam näher und ich realisierte, dass ich nicht davon kommen werde, wenn ich weiter schwimme. Als dieses "Riesending" (das bereits den Himmel verdunkelte) nur noch ein paar Meter hinter mir war, kam die Panik und ich entschloss mich zu tauchen, tief hinunter, um dem Ungetüm zu entkommen. Was ich auch tat. Während ich mich abwärts bewegte und merkte, dass der Tanker über mir über mich hinweg fuhr, dachte ich mir: "Hoffentlich überlebe ich das!".

    Als mir im Traum die Luft zum Atmen auszugehen drohte und ich mich fragte, ob ich dies alles lebend überstehen würde, wachte ich auf. Da war es mitten in der Nacht. Schweißgebadet weckte ich meine Frau neben mir auf und erzählte ihr von diesem Traum. Nach einem längeren Gespräch wusste ich, dass ich etwas ändern musste: Jetzt.

    Und so war es dann auch: Seitdem habe ich die Finger vom Alkohol gelassen.

    Für mich war dieser Traum der letzte "Fingerzeig", dass die Trinkerei enden muss. Aus meiner Sicht hat mir hier das Unbewusste (der Traum) den entscheidenden Schupps gegeben, mein Leben zu ändern. Das hat mehr gewirkt als viele gut gemeinte Ratschläge von Familie, Freunden, Bekannten.

    So war es zumindest bei mir. Wobei ich mich noch immer über mich wundere, dass ich als Realist letztlich nicht aufgrund von Argumenten, Ratschlägen und dergleichen, sondern aufgrund eines für mich einschneidenden Traumerlebnisses den Absprung gemacht habe... Bzw. dieser Traum wohl der letzte entscheidende "Knopfdruck" war.

    Auch das Unterbewusste kann somit seinen Beitrag zur Abstinenz leisten. Bei mir zumindest war das der Fall.

    Dann war ich also wieder bei ihr, es wohnten dort auch auf Zeit immer wieder andere Menschen, nette, tolle Leute, wie auch meine Gastgeberin. Glaube nicht, daß da jemand ein Alkoholproblem hatte. Spielt aber auch keiner Rolle. Bin früh wie immer aus dem Haus und kam am Abend zurück. Die Menschen dort haben entdeckt, daß ich an dem Tag Geburtstag hatte und eine kleine Überraschungsparty veranstaltet, mit gutem Essen und natürlich Wein. Meine Gastgeberin bot mir an, ich nahm ein Glas. Das wars. Hab mir am nächsten Tag Wein im Supermarkt gekauft und auf meine Tagestour mitgenommen, und zuhause weitergemacht. Mein schlechtes Gewissen mir selbst und den Menschen gegenüber die mir vertrauten hab ich ignoriert und "weg gedacht" - kennt jeder, diese Gedanken: ich kann ja morgen aufhören. Konnte ich nicht mehr.

    Hallo Lila !

    Möglicherweise eine naive Frage meinerseits, aber bloß mal hypothetisch:

    Und wenn Du Dir am nächsten Tag keinen Wein im Supermarkt gekauft und auf Deine Tagestour mitgenommen hättest? Wäre das (noch) möglich gewesen?

    Ich meine in dem Sinne, dass man vielleicht sagen hätte können: Ok, das Glas Wein gestern bei der Feier war jetzt ein Fehler. Für die Zukunft weiß ich's und lasse es. Oder hat der Griff zum Glas praktisch per sofort den mentalen Schutzwall komplett eingerissen?

    Da ich in meiner nassen Zeit (es waren doch mehr als 25 Jahre) zwar immer wieder mehr oder weniger lange (auch einige Monate lange) Trinkpausen eingelegt, damals den Willen zur dauerhaften Abstinenz allerdings nicht gehabt habe, tue ich mir schwer, mir solche Situationen vorzustellen. Bei mir war es damals immer klar, ok, wenn es passt, dann trinkst eben wieder was und wenn es zu viel wird, lässt Du mal eine Zeit die Finger von dem Zeug. Naja, mit dieser Einstellung habe ich letztlich auch den Karren ganz schön gegen die Wand gefahren. Als ich verstanden habe, dass meine Lebensweise so nicht funktioniert, hatte ich mir in meinem Leben schon sehr viel ruiniert.

    Jetzt, wo ich aus verschiedenen Gründen den Entschluss zur dauerhaften Abstinenz gefasst habe und doch auch schon seit einiger Zeit nichts mehr trinke, versuche ich mich auch in Bezug auf die von Dir geschilderte Situation zu sensibilisieren. Daher drängte sich mir diese Frage von oben irgendwie beim Lesen Deiner Schilderung auf...

    LG, Stef.

    Und so laufe ich quasi wie ein Roboter durch mein Leben und frage mich immer öfter, ob es anderen auch so geht?
    ...


    Liebe Funky !

    Ja, es geht anderen auch so, mir z.B.

    Durch das Ziehen der Abstinenz-Notbremse hat sich bei mir fast alles verändert, und zwar massiv. Nicht nur ich mich, sondern auch vieles um mich herum.

    Ich selbst bin jemand, der, wenn er sich etwas wirklich in den Kopf gesetzt hat, das auch durchzieht. So beendete ich meine Trinkerei und habe auch vor, dauerhaft trocken zu bleiben. Auch es wenn in meinen Postings hier gelegentlich erscheinen mag, dass ich manche Gefahrenpotenziale mal ab und an aufgrund eigener Erfahrungen etwas "relativiere", bedeutet das nicht, dass ich meinen Kurs verlassen möchte. Ich sehe mich insoweit als Realisten. Und weil ich mich als Realisten sehe, kann ich auch Deine Gedanken nachvollziehen.

    Durch die fast gänzliche Neuaufstellung und -ausrichtung meines Lebens (bis auf den Bereich Arbeit), bedingt durch den Abstinenzentschluss, habe ich mich ebenfalls so hin und wieder gefragt, ob es das alles wirklich wert war. "Wert"... ja, ein gefährliches Wort - furchtbar emotionsbehaftet ist es. Wie Du zog ich beginnend mit meiner Abstinenz regelrecht eine Schneise durch den Dschungel meines Lebens, nicht unbedingt die Sträuche und Äste vor und neben mir (also mein Umfeld) vorsichtig beiseite schiebend, sondern eher gleich mit einer Machete mir meinen neuen Weg in mein trockenes Leben bahnend. Anders ausgedrückt: Alles, was nicht mit meiner neuen Lebensweise zusammenpasste, wurde kurzerhand entfernt, ignoriert, abgestellt etc. Ein neues (kleines) soziales Umfeld, neue Verhaltensweisen, neue Beschäftigungen - "neu" musste alles sein, so lautete die Devise. Bis auf den Sport. Da übe ich wieder meine Sportart von früher aus. Aber auch hier: "Richtig" und konsequent.

    Je stärker ich in meinem neuen Leben Fuß fasste und anders (trocken!) lebte, desto öfter zog ich dann aber auch gedankliche Parallelen zu früher. Nach wie vor bin ich der Ansicht, dass man sich nur dann wirklich nachhaltig ändern kann, wenn man versteht, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist und sich das auch immer wieder vor Augen führt. Also im Sinne "Willst Du wirklich wieder dahin zurück!?"

    Damit verbunden stellte sich dann aber auch zwangsläufig die Frage, ob es nicht einfacher gewesen wäre, so weiterzumachen wie früher? Also mit dem Trinken. Klingt ja erstmal verlockend, oder? Mit der Abstinenz wird das neue Leben anders - und ich wage mal zu behaupten, subjektiv empfunden: komplizierter. Man trennt sich von Altem (besser: Gewohntem), baut sich Neues auf, was wohl in den seltensten Fällen sofort und problemlos klappt und steht daher immer wieder zwischen den Stühlen. Fühlt sich nicht zugehörig. Nicht akzeptiert. Anders. Dann beginnt das Gedankenkarussell.

    Dass dann die von Dir beschriebenen Gedanken kommen, erscheint mir nicht ungewöhnlich. Unumwunden gebe auch ich es zu: Wenn ich wirklich mal Ruhe und richtig Zeit und Muse zum Nachdenken habe (was selten ist, da mein Leben ziemlich durchorganisiert ist), denke auch ich nach wie vor darüber nach, wie ich jetzt so lebe, was mir daran gefällt und was nicht, was sich alles geändert hat, wie es früher war, was es nicht mehr gibt, was es anstatt dessen gibt und und und.

    Und auch wenn die "Verlockung" da ist, das Vergangene (also die nasse Zeit) ein wenig zu verklären und [überspitzt formuliert] nostalgisch zu werden, so komme ich doch immer wieder zu dem Schluss: Schön war an der nassen Zeit nicht wirklich etwas. Ganz im Gegenteil: Wieviel Porzellan ist durch die Trinkerei unwiederbringlich zu Bruch gegangen? Bei mir war es im Wesentlichen der private, familiäre und soziale Bereich, den ich mir größtenteils dauerhaft ruiniert habe. Freunde, Partnerschaft, Familie. Bei anderen ging es vielleicht ins Berufliche und Finanzielle oder noch viel viel schlimmer: ins Gesundheitliche! Meist aber irreversibel, könnte ich mir vorstellen.

    Daher kann die Frage "Kann es wirklich sein, dass es die FALSCHE Entscheidung war, mit dem trinken aufzuhören?" eigentlich nur klar verneint werden, oder? Eine derartige Ansicht hätte weitergedacht letztlich doch die Selbstaufgabe und damit verbunden die eigene Selbstschädigung und Selbstzerstörung zu Folge.

    Ich selbst versuche tagtäglich, mein neues Leben ein wenig besser für mich zu gestalten. Da gibt es Höhen und Tiefen, weil eben nicht alles so läuft, wie man es gerne hätte oder es sich erträumt. Aber auch wenn es vielleicht nicht so läuft, wie man es sich vorstellt, Du es Dir vorstellst, ich es mir vorstelle: Zu trinken ist keine realistische (problemlösende) Option. Natürlich würde sich durch den Griff zur Flasche oder zum Glas das eine oder andere ändern, aber im Endeffekt würden wir genau wieder ein Leben führen, dass wir damals, als wir aufgehört haben, nicht wollten, weil wir wussten, dass es über kurz oder lang unseren Untergang bedeutet.

    Und so ein Leben mit all seinen negativen Konsequenzen und einem Ende, das sich ziemlich sicher vorhersagen lässt, wollen wir dennoch wieder haben, bloß weil wir mit der derzeitigen Situation unzufrieden sind?

    Nein, oder?

    Liebe Funky ! Dies hier habe ich geschrieben, weil Du eine Situation angesprochen hast, die vermutlich so manche(-n) beschäftigt, die aber selten so klar formuliert wird. Dafür danke und wie gesagt, ich kann verstehen, dass Dich diese Gedanken "plagen". In ähnlicher Form sind mir diese Gedankenspiele nicht fremd.

    Vielleicht hilft das hier ein wenig...

    LG, Stef.

    "Alle anderen trinken auch" - aber die anderen hören auf, bevor es zum vollständigen Filmriss kommt.

    Das ist eine Form der Alkoholabhängigkeit, ja, aber auch in anderen (Vor-)Stadien spricht vieles bereits für Alkoholismus. Ich muss mich nicht ständig bis zum Filmriss "abschießen", um als alkoholabhängig bzw. alkoholkrank zu gelten, denke ich mir mal.

    In meiner über 25-jährigen nassen Zeit hatte ich mich - soweit ich mich entsinne - nie bis zum Filmriss betrunken, gekotzt oder habe irgendwo herumgepöbelt. Auch so andere oben erwähnte ungustiösen Verhaltensweisen gab es bei mir nie. Zugegeben, einmal im Winter stolperte ich über die Stiege zum Hauseingang... Bloß ändert das alles nichts an meiner Alkoholabhängigkeit. Wenn ich regelmäßig (bei mir war es zeitweise täglich) eine unzweifelhaft ungesunde Menge an Spirituosen trinke, die fernab von allem ist, was man als "üblich", akzeptabel oder sonst was in der Art nennen kann, dann spielt es wohl keine Rolle mehr, ob ich letztlich dadurch auch (noch dazu) den Filmriss erreiche oder mich jemand ohne mein Wissen vor meiner Haustür ablegt. Da sind auch Trinkpausen irrelevant.

    Ich gehe sogar weiter und meine, dass der Kontrollverlust nicht zwingendes Merkmal eines Alkoholikers ist bzw. sein muss, sondern man auch ganz ohne Kontrollverlust alleine durch die Menge, Regelmäßigkeit und Dauer des Alkoholkonsums zum Alkoholiker werden kann. Bloß realisiert man in diesem Fall des kontinuierlichen Zuviel-Trinkens seine Krankheit erst viel viel später (war bei mir so). Was aber an der Abhängigkeit selbst nichts (rein gar nichts!) ändert.

    Beim Einschätzen, ob jemand aus dem Umfeld zum Alkoholismus neigt (oder vielleicht schon Alkoholiker ist) sollte man, meine ich, daher auch jene Verhaltensweisen fernab der offensichtlichen <Extreme> (wie hier auch schon weiter oben geschildert) berücksichtigen.

    Bei genauem Hinsehen merkt man als Außenstehender vermutlich schneller als der Betroffene selbst, wie es um diesen steht.

    LG, Stef.

    Liebe Leute!

    Erstmal freut es mich über das viele Feedback! Danke dafür.

    Da ich heute noch beruflich unterwegs bin und nur auf dem Handy schreiben kann, versuche ich kurz zu antworten. Sofern es sich zeitlich machen lässt, würde ich morgen dann mehr schreiben wollen...

    Was, außer Alkohol, hat sich denn mit diesen Bekanntschaften verbunden?

    Hier ist es so, dass das Leben über viele Facetten verfügt, auch jenseits des Alkohols. Durch meine Lebensumstellung hat sich z.B. mein Wohnort geändert, dann gab es die Trennung von meiner Partnerin, damit verbunden auch der Wegfall von gemeinsamen Freundinnen und Freunden (die keine "Trinkkumpane" waren) und gemeinsamen Aktivitäten (auch fernab des Alkohols), familiäre Schwierigkeiten, gleichzeitig neue Bekanntschaften, die wiederum nicht zu früheren passten. Da gäbe es durchaus auch noch mehr aufzuzählen. Schlussendlich griff ein Rad ins andere und es entstanden somit auch - wie ich weiter oben schrieb - so einige Kollateralschäden. Natürlich ist das Leben einem steten Wandel unterworfen, aber ich finde es dennoch schade, dass viele schöne Dinge von früher aus und vorbei sind... Einerseits weil es sein musste, andererseits weil es sich so ergab...

    Vielleicht hat das damit zu tun, dass du bei Arbeit nicht unmissverständlich rüberbringen konntest (oder es eben nicht so richtig ankam), dass du überhaupt gar keinen Alkohol mehr trinkst? Nicht nur ‚gerade jetzt nicht‘ oder ‚in nächster Zeit nicht‘…. sondern überhaupt nie (wieder).

    Gerade auf der Arbeit sollte inzwischen jedem klar sein, dass ich nichts mehr trinke. Das Warum kann den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern egal sein und es geht sie auch nichts an. Dass hinter dem Rücken geredet wird, ist klar. Mich wundert eher diese Ignoranz des Bekannten, was aber auch nichts anderes für mich bedeutet, als dass man selbst den betreffenden Personen anscheinend vollkommen egal ist. Sprich: Veränderungen werden bestenfalls am Rande wahrgenommen, aber sie sind einem gleich. Unwichtig. Irrelevant. Weil es nicht interessiert oder weil man sich dann ja vielleicht Gedanken über das Gegenüber oder womöglich sogar über sich selbst machen müsste...

    Lies mal bei Alex auf dem Weg nach. Auf Angebote, mal etwas "ohne" zu machen, wartet er seit Jahren. Es wird voraussichtlich auch keins mehr eintrudeln.

    Ich habe mal zu Beginn meiner Abstinenz im Netz gelesen: "Und dann ist nichts mehr so, wie es einmal war." Daran musste ich mich auch erst mal gewöhnen. Da mein Weg für mich alternativlos ist, habe ich mich da irgendwie "durchgewurschtelt", das trifft es für mich persönlich am besten.

    Ja, und das finde ich eben deshalb schade, da es auch Bekanntschaften und Aktivitäten jenseits des Alkohols gab und auch diese sich inzwischen größtenteils gegen null hin bewegt haben. Ok, es gibt Neues, aber nicht alles von früher muss zwangsläufig schlecht gewesen sein. Ich sehe das z.B. bei Freizeitaktivitäten, die ich früher mit Freunden unternommen habe, wobei eigentlich ich derjenige war, der da am meisten getrunken hat, während die anderen sich doch schwer zurückgehalten haben. Hier haben wir uns dann quasi auseinandergelebt, Schritt für Schritt. Ich weiß, das klingt jetzt etwas widersprüchlich bzw. legt den Schluss nahe, dass das Bindeglied doch der Alkohol war, aber dem ist nicht ganz so. Vielmehr haben Zerwürfnisse in den bisherigen Sozialkontakten dazu geführt, dass auch auch andere Kontakte weggefallen sind.

    Warum nimmst du es?

    Nein danke genügt doch.

    Wenn es O-Saft gibt, nehme ich natürlich diesen. Oft hole ich mir auch direkt am Empfang ein Mineralwasser und gehe mit diesen dann unter die Leute. Und die Sache mit den zwei vollen Händen kenne ich und wende diese Methode wenn es geht auch an. Nichtsdestotrotz gibt es einfach Situationen, da wird man komplett "überrumpelt", etwa wenn man man bei einer Feier oder einem Empfang den Raum betritt und einem sofort jemand ein Glas in die Hand drückt. Dieses dann abzulehnen, wenn x Leute herschauen (was natürlich richtig wäre), sorgt schon ein wenig für eine schiefe Optik bzw. befeuert das die Gerüchteküche. Ja, und mit dem "man" meine ich natürlich mich, wobei andere vielleicht hier gefestigter und "gerader" sind als ich. Hier spielt dann doch ein wenig meine Erziehung mit, alte Muster von denen sich zu trennen es nicht ganz so einfach ist. Vielleicht sollte ich hier aber einfach mehr üben... Konsequenter im "nein sagen" zu sein.

    Ja, es dauert, bis sich neue Kontakte knüpfen lassen. Die Zeit sollten wir uns nehmen, aber auch zugestehen.

    Ja, richtig, es ist eine Frage der Zeit. Und wenn ich bedenke, wieviel Zeit ich dafür verschwendet habe, mir mein Leben zu ruinieren, dann darf es auch ein bisschen Zeit brauchen, um mir wieder ein neues Leben aufzubauen.

    In diesem Sinne lasse ich es für heute erst mal gut sein.

    Ich wünsche noch eine gute Nacht!

    LG, Euer Stef.

    Liebe Leute!

    Mitte September haben wir und damit ist der Sommer nun definitiv zu Ende. Rückblickend betrachte ich die Zeit mit gemischten Gefühlen.

    Positiv ist in erster Linie, dass ich durch das Weglassen des Alkohols einen derartig aktiven Sommer gehabt habe wie die letzten 10 oder 15 Jahre nicht. Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich in den letzten 2 1/2 Monaten mehr gemacht als die letzten drei oder vier Sommer zusammen. Ich hätte mir nicht gedacht, wieviel Energie tatsächlich noch in meinen nicht mehr ganz so jungen Knochen steckt. Sportlich habe ich meine Form wie vor 10 Jahren erreicht; zu nassen Zeiten wäre ich z.B. nie auf die Idee gekommen, mich an einem Sonntag Morgen um 4 oder 5 Uhr ins Auto zu setzen, zwei Stunden zu fahren und dann bei einer Sportveranstaltung einen Marathon zu laufen (und auch noch ziemlich gut abzuschneiden). Kulturell interessiere ich mich auch wieder mehr und - für mich absolut unüblich - sogar Urlaub bin ich gefahren. Und das ohne Laptop und Dauerverbindung ins Büro. Im Ergebnis: Lang vergangene Zeiten sind ein Stück weit wiedergekehrt. Vielleicht spielte dabei auch derjenige Umstand mit, dass ich diesmal nicht bloß eine Trinkpausen mache (früher war diese jährlich eingeplant), sondern überhaupt den Entschluss gefasst habe, das mit dem Alkohol endgültig sein zu lassen.

    Als nicht ganz so positiv empfinde ich es wiederum, dass von meinem alten Leben kaum noch etwas übrig geblieben ist. Leben, wohnen, Sozialkontakte, Umfeld... Mit kommt es vor, als sei ich vor einem Jahr mit einer Dampfwalze über mein bisheriges Leben gedonnert oder hätte mich mit einer Machete durch den Dschungel meines gewohnten Daseins gehackt. Was auch zum einen oder anderen Kollateralschaden geführt hat. Um mich in geordnete Bahnen zu bringen, war eben so einiges beiseite zu schaffen. Hier - muss ich sagen - hänge ich tatsächlich noch alten Bekanntschaften nach, von denen entweder ich mich oder die sich von mir verabschiedet haben. Weil die Veränderung dann doch sehr groß bzw. umfassend war. Nun wieder alles neu aufzubauen und mich in meinen Lebensbereichen so zu etablieren, dass ich für mich zufrieden bin, ist ein langwieriger Prozess, den ich mir anfangs tatsächlich einfacher vorgestellt habe. Aber sei's drum. Gelegentlich gibt es nach zwei Schritten vorwärts eben auch einen Schritt mal zurück - ich kann es nicht ändern.

    Interessant finde ich zurückblickend auf das letzte Jahr, dass mein Umfeld wie auch die "hartnäckigsten" Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Arbeit sehr wohl wissen, dass ich nichts trinke, nach wie vor diesen Umstand aber geradezu ignorieren. Will heißen, zu Anlässen gibt es (von Geschäftspartnern und Mitarbeiter/-innen) nach wie vor die früher üblichen Flaschen Whiskey, Cognac oder anderes als Geschenk, bei Feiern wird mir immer noch das Gläschen Sekt in die Hand gedrückt (das ich dann einfach eine halbe Stunde in der Hand halte und dann irgendwo abstelle), bei jedem Ausflug werde ich x mal gefragt, ob ich ein Bier möchte und und und... Die werden es nie lernen, wobei ich es zeitweise fast schon wieder amüsant finde, wie unaufmerksam so manch einer sein kann. Weil man vielleicht auch gar nicht mit einem Nicht-Trinkenden in der Runde rechnet und damit umgehen kann.

    Vorausblickend auf den Herbst hoffe ich, dass mir das trübe Wetter nicht zu sehr auf das Gemüt schlägt. Ich spreche hier nicht von einer Herbstdepression oder ähnliches, sondern eher dahingehend, dass witterungsbedingt die Zeiten "drinnen" länger werden und früher war dann doch oft auch die einkehrende Langeweile der Grund, zur Flasche / zum Glas zu greifen. Daher muss ich mir auch neue Indoor-Hobbies suchen. Wieder eine Aufgabe mehr - ach herrje! Wie auch immer: Der Griff zur Flasche / zum Glas ist keine Option mehr, da dies mein "Mindset" (ich muss sagen, ich hasse diesen Anglizismus) nicht zulässt. In der Hinsicht ticke ich für meine Verhältnisse glaube ich recht einfach: "Du hast in der letzten Zeit mehr erreicht als die letzten 20 Jahre davor - fängst Du mit der Trinkerei wieder an, dann schießt Du Dich in Deine persönliche Steinzeit zurück." Und das habe ich nicht vor. Meine Notbremsung vor ca. einem Jahr mitsamt der Neuausrichtung meines Lebens hat mich bis jetzt so dermaßen viel gekostet (sozial, emotional, materiell, finanziell) - das brauche ich kein zweites Mal. Achtung Sarkasmus: Manche sprechen so auch über ihre gescheiterte Ehe. Den Zwinker-Smiley erspare ich mir hier aber mal lieber...

    Vielleicht auch ein Weg, um trocken zu bleiben.

    Das wären sie also mal wieder gewesen, ein paar Zeilen, um zu zeigen, dass ich noch da und guter Dinge bin, trocken zu bleiben.

    So, und da sich nun auch noch die Sonne blicken lässt, geht es mal wieder raus in die Natur zum Auspowern.

    Ich wünsche einen schönen Sonntag.

    LG, Euer Stef.

    Ich möchte es mit drei Worten beschreiben. Innere Leere, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung auch die Scala der perfekten Sucht.


    Ich fürchte, da gibt es noch mehr Gründe, warum mit dem Trinken begonnen wird, z.B.:

    - Langeweile [ist das nicht geradezu DER "Klassiker" schlechthin?].

    - Gesellschaftlicher Zwang / "Usance".

    - Stressbewältigung.

    - Flucht vor Konflikten.

    und und und

    Gefährlich wird es meines Dafürhaltens dann, wenn ein derartiges Trinken zur Gewohnheit wird. Da hat es mich dann erwischt. Ich griff zum Glas / zur Flasche fast schon automatisch, oftmals (ich würde fast sagen "in der Regel") bei geradezu banalen Situationen, eben weil es so üblich war, z.B. nach der Arbeit in der Garage bevor ich in die Wohnung ging. Wirklichen Grund dafür gab es nicht, ich hätte auch nichts trinken können - theoretisch, aber dennoch tat ich es...

    Das schlimme Schlüsselereignis muss somit gar nicht zwingend der Grund der Beginn der Abhängigkeit sein, denke ich mal. Wie der stete Tropfen den Stein höhlt, reichen auch kleine immer wiederkehrende Muster, Schemata und eben auch Gewohnheiten, um früher oder später in die Abhängigkeit zu geraten.


    Ein Einzelfall bin ich nicht, das weiss ich.

    Nein, das bist Du in der Tat nicht, Lebenskünstler.

    Ich sehe es z.B. (nur ein Beispiel) immer wieder bei Wettkämpfen (mache Triathlon - jetzt wieder - wettkampfmäßig), wo man im Ziel neben den gewöhnlichen und mehr oder weniger isotonischen Durstlöschern meistens auch Bier (mit und ohne Alkohol) angeboten erhält. Oder beim Kuchenbuffet das eine oder andere Stück Mehlspeise dabei ist, wo sicher der eine oder der andere Tropfen drinnen ist. Das riecht man ja auch.

    Soll ich jetzt deswegen nicht mehr an diesen Wettbewerben teilnehmen, bloß weil an den "Labestationen" (die heißen wirklich so) bzw. im Zielbereich nicht nur Wasser oder die üblichen Energy-Drinks angeboten werden, sondern potenziell auch Bierbecher stehen..?

    Niemand zwingt mich, zum Becher zu greifen - mache ich auch nicht. Warum auch?

    Mich triggert da rein gar nichts - im Gegenteil, ich weiß, dass ich meinen Sport an den Nagel hängen könnte, würde ich wieder mit der Trinkerei anfangen. Und das habe ich nicht vor, da ich hier etwas gefunden habe, was mir Spaß macht, mich motiviert und für die erforderliche Portion Ausgleich zu den sonst stressigen Alltagssituationen sorgt. Das ist für mich "Mindset" genug.

    Provokant bzw. überspitzt formuliert:

    Während ich getrunken habe, habe ich durch das Trinken einen Weg der Selbstzerstörung beschritten und diese vorangetrieben. Tag für Tag, Stück für Stück. Über 25 Jahre lang.

    Ein paar Schritte vor dem berühmten Abgrund habe ich es dann tatsächlich geschafft, stehen bleiben können und mich zu stabilisieren - in vielen Belangen. Vorerst einmal. Dabei half mir ein gefestigtes bzw. Sicherheit gebendes Umfeld - auch was den Beruf bzw. den Arbeitsplatz anbelangt.

    Soll ich nun diesen Weg der Selbstdemontage tatsächlich bewusst wieder weitergehen, indem ich unreflektiert und bloß aus dem hehren Gedanken der Ehrlichkeit heraus jedem XY auf die Nase binde, dass ich Alkoholiker bin, dies im Wissen um das Risiko, dass ich mir damit genauso schade (vor allem im existenziellen Sinne) wie ich mir durch die Trinkerei gesundheitlich geschadet habe? Erledige ich mich vielleicht dadurch endgültig, dass ich meine Alkoholabhängigkeit durch den Kollaps auf anderer Ebene "kröne"?

    Was den gegenständlichen Austausch betrifft, so gebe ich Hera uneingeschränkt Recht und kann auch R/no gut verstehen.

    Unbedingte Ehrlichkeit ist so eine Sache bzw. sollte man sich - denke ich - schon sehr genau überlegen, was man wem sagt und auch die Konsequenzen bedenken.

    Vice versa wird aber auch so mancher Chef / Vorgesetzter das jeweilige Arbeitsverhältnis hinterfragen - vor allem wenn zweifelhaft ist, ob der Mitarbeiter noch die geforderte Leistung zu erbringen imstande ist (oder auch: ob er noch ins Team passt).

    Daher legen doch viele funktionierende Alkoholiker meines Erachtens nach so einen großen Wert darauf, dass es zumindest bei der Arbeit noch so einigermaßen läuft (wenn schon alles andere dem Abgrund zusteuert oder man schon einen Schritt weiter ist - z.B. Trennung, soziale Isolation etc.). Und sagen nichts.

    Wenn ich mich hernehme, so wäre es undenkbar gewesen, mich zu "outen" - dann hätte ich gleich die Branche wechseln können... Inzwischen sage ich nur, dass ich nichts trinke. Mehr brauchen die Leute auf der Arbeit nicht zu wissen (aber richtig ist: geredet und gemutmaßt wird freilich - doch das ist nichts "Handfestes" bzw. "Verifiziertes", und damit irrelevant...).

    Und wenn Du ne Kur machst, machst Du halt ne Kur. Sonst wäre das ein massiver Eingriff in Dein Grundrecht.

    Ach bitte, bleiben wir doch auch ein wenig realistisch! Wenn ich als Arbeitgeber weiß, wohin (Ort, ich brauche nicht mal die Anstalt wissen) die Kur oder Reha geht, dann kann ich mir schon denken, was der Mitarbeiter hat. Vielleicht ist das in einer Großstadt anders, aber auf dem Land oder im ländlichen Raum läuft es dann doch etwas anders.

    Überhaupt würde ich bei der Arbeit sehr vorsichtig sein, was ich wem sage. Zu große Offenheit kann einem schneller auf den Kopf fallen, als man denkt - denn in aller Regel hat man bei der Arbeit nicht bloß Freunde und nicht alle haben sich uneingeschränkt lieb. Konkurrenz, Neid, Opportunismus, Schadenfreude etc. sind doch gerade bei der Arbeit nicht allzu selten an der Tagesordnung.

    Entschuldigt bitte den leichten Sarkasmus an dieser Stelle, aber ich habe schon oft genug miterlebt, wie es laufen kann...

    Mich würde interessieren, ob die Entscheidung vor allem aus rationalen Gründen getroffen wurde, wie auch immer diese Gründe aussehen könnten.

    Einen wirklichen Tiefpunkt hatte ich nie. Bei mir stand der Entschluss der dauerhaften Abstinenz fest, als ich merkte, dass mein Leben durch den Alkohol nicht mehr das von früher war, gesellschaftlich, beruflich, privat. Mir war es im Leben stets wichtig, durch Leistung zu überzeugen, etwas "zum Herzeigen, Vorweisen" o.ä. zu haben. Anerkennung durch Leistung und Erfolg, war meine Devise. Sich alles selbst zu erarbeiten, nicht abhängig zu sein, dies war mir immer wichtig. Gerade im beruflichen Bereich wollte ich allen beweisen, dass man es auch unter nicht so einfachen Voraussetzungen (ich war alles andere als privilegiert) recht weit bringen kann. Ohne den nötigen "Background" zu haben, auf dem Treppchen ein Stückchen weiter nach oben zu klettern. Das schaffte ich, glaube ich, dann auch.

    Deshalb lebte ich mein Leben eigentlich immer ein paar % über dem Limit. Als dies dann aufrechtzuerhalten immer schwieriger wurde, versuchte ich meine Belastungsmomente mit der täglichen Dosis Alkohol zu kompensieren. Das ging anfangs tatsächlich (was mich immer noch wundert).

    Dann aber kam dieses eine Jahr, in dem eines nach dem anderen schief ging. Kleinere, größere Dinge. Sozial wurde es - nennen wir es mal: - "mühsamer", der Bekanntenkreis nasser, beruflich stieg der Erfolgsdruck weiter und weiter (gepaart dann mit noch mehr Alkohol), meine sportlichen Leistungen, auf die ich immer ganz besondere Wert legte, konnte ich nicht mehr erbringen, und und und.

    Schlussendlich wurde mir klar, dass ich mir mit der Trinkerei mein Leben Schritt für Schritt ruiniere. Nicht jetzt, nicht gleich, aber irgendwann - das dann aber ziemlich sicher. Ja, und genau das wollte ich nicht. Daher hörte ich dann auf. Diese Entscheidung war nicht aus der Not geboren, sondern tatsächlich rational. Und so wie ich den rationalen Entschluss gefasst habe, das Trinken zu lassen, fasse ich auch nichts mehr an. Weil dann würde ja genau wieder das mit mir geschehen bzw. würde ich mich in diejenige Richtung bewegen und dort landen, wo ich mich nicht mehr sehen möchte.

    So also war es bei mir eine rationale Sache, das mit der Abstinenz.

    Ich selbst konnte mich in der Zeit, in der ich abhängig getrunken habe, ob der schieren Menge und Häufigkeit nicht wirklich davon überzeugen, dass ich aus Genuss getrunken habe. Das heißt aber nicht das ich mir die Welt nicht trotzdem schön getrunken habe und mir mein Suchtgedächtnis bis zu meinem Tod erzählen wird, dass es doch so schön genussvoll war.

    Ob es "echte" Genusstrinker gibt, frage ich mich tatsächlich. Ich kann es mir kaum vorstellen. Vor allem: Wann hört der Genuss dann eigentlich auf und wann trinke ich, weil ich muss?

    Vielleicht bin ich ein anderer Typ Trinker (vermutlich, wie ich in vielen Facetten wahrscheinlich anders als andere bin), aber wenn ich so nachdenke, habe ich aus folgenden Gründen getrunken (dann aber zu viel!) - wobei es eigentlich ja nur einer war, nämlich die:

    Gewohnheit: Ich bestellte mir meine Getränke / ich trank zu diesem oder jenem Anlass meine Getränke (natürlich waren es mehr als eins), weil ich es immer so machte (ich könnte auch sagen: es gar nicht anders kannte).

    z.B.

    - Stress. Wurde mir etwas zu viel (beruflich / privat), griff ich ohne viel nachzudenken zum Glas / zur Flasche. Ein Automatismus.

    - Langeweile: Wenn es nichts zu tun gab, war der Weg zur Flasche kurz. Auch eine Form der Gewohnheit.

    - Gesellschaftliche Anlässe und Anpassung: Weil es einfach üblich war. Es wurde getrunken, weil es alle taten, es "schicklich" war.

    Nach wie vor glaube ich nicht, dass ich aus innerem Druck oder Zwang heraus getrunken habe, sondern weil es einfach ein Muster war. Wie ich mir z.B., wenn ich bei einem Kiosk was besorge, mir immer auch ein Los kaufe. Allerdings nahm die Menge zeitweise ein bedenkliches Ausmaß an. Die sozialen, gesundheitlichen und auch anderen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums sind bekannt.

    Und: Sich von gewohnten Verhaltensweisen zu trennen, ist schwerer als gedacht.

    Primär muss bzw. musste ich für meine Stabilität die Ursachen bzw. den Grund des Trinkens ausschalten (soweit möglich), dann stellt(-e) sich nämlich die Frage nach dem Griff zur Flasche / zum Glas nicht mehr so wirklich. Gegen Langeweile hilft Betätigung bzw. Ablenkung, gegen Stress eine geänderte Lebensweise / Einstellung / Sicht der Dinge (erkennen, was wirklich wichtig ist, aus Kleinigkeiten keine Elefanten machen, nicht jede Bemerkung auf die Goldwaage legen und und und) und bei den ungesunden Sozialkontakten, musste ich mich eben (was nicht ganz so leicht war), von dem einen / der anderen Bekannten distanzieren.

    Bislang klappt es.

    Von einem Genusstrinker war ich eigentlich immer weit weg...

    P.S. meines Erachtens nach ist ein Urlaub als Single oder Paar weit aus gefährlicher für einen frisch abstinenten Alkoholiker als ein Urlaub mit Kindern, zudem meine Jungs wissen das ich nicht mehr trinke.

    Das finde ich interessant bzw. da sieht man, wie unterschiedlich die Menschen gestrickt sind.

    Für mich war stets die größte Gefahr zu trinken, wenn ich mit Familie / Partnerin in Urlaub war. Da bot es sich ja überall geradezu an. Pool, Ausflug, Brauerei- oder Weinkellerbesichtigung (oh Gott!), Restaurant, Bar usw. Bzw. um Ruhe vor der Verwandtschaft / Partnerin zu haben, dann im Hotelzimmer. Je größer die Gruppe und das "Trara", desto anfälliger war ich.

    Je mehr ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass der Drang zu trinken umso größer war, wenn ich in Gesellschaft war bzw. wenn ich wegen zu vielen Leuten (oder Stress - z.B. in der Arbeit oder privat) meine Ruhe haben wollte... Auslöser für die Trinkerei war also fast immer ein wie auch immer gearteter "Sozialkontakt" (egal ob privat oder bei der Arbeit), der dann zu meinen ungesunden Verhaltensweisen führte.

    In diesem Jahr war ich inzwischen dreimal alleine auf Urlaub und muss sagen, ich wäre dabei auch gar nicht auf die Idee zu kommen, mich im Urlaub zu betrinken bzw. mich volllaufen zu lassen. Dafür würde ich ja auch nicht in Urlaub fahren. Auch würde ich mich nicht alleine an eine Bar setzen noch mir beim Abendessen was Alkoholisches bestellen.

    Die einzige "Gefahr" wäre vielleicht im Hotelzimmer die Minibar, aber nachdem die meisten Minibars neuerdings in den Hotels ja nicht mehr automatisch befüllt sind und man sich erst eine Füllung bestellen muss, scheidet das für mich auch aus, weil wie sieht denn das aus, wenn man sich an der Bar oder der Rezeption eine (alkoholische) Minibarfüllung aufs Zimmer ordert..!? In der Hinsicht hält mich, auch wenn es sonderbar klingt, die Wahrnehmung anderer von mir auch trocken. So versuchte ich schon immer, den Schein zu wahren und meistens klappte das auch - was aber nichts daran änderte, dass ich mich durch die Trinkerei Schritt für Schritt dem Abgrund genähert habe.

    Fiel mir gerade so ein...

    Liebe Leute!

    Nachdem ich hier schon länger nichts mehr in meinem Faden geschrieben habe, möchte das mal nachholen.

    Jetzt haben wir also bald Mitte August und der Sommer bzw. die Urlaubszeit verabschieden sich langsam. Darüber bin ich ganz schön froh, muss ich sagen. Denn diese Zeit empfinde ich als ziemlich anstrengend. Nicht aufgrund der alkoholbezogenen Versuchungen des täglichen Lebens (vom Urlaub, den Biergärten über die Seen bei uns hin zu den vielen Veranstaltungen im Sommer), sondern eher um sinnvolle und produktive Alternativen zum früheren Leben zu finden und auch auszuleben. Dafür bietet sich der Sommer ja geradezu an - und das ist (leider auch) mühsam.

    Gefunden habe ich da zwar so einiges und ich mache auch vieles, doch es ist schon anstrengend, den Tag entsprechend zu strukturieren.

    Es ist eigenartig: Mir kommt es so vor, als versuchte ich die verlorene Zeit von früher jetzt "hereinzuarbeiten". Mit dem Ergebnis, dass mein Tag eigentlich 30 Stunden haben müsste. Hiermit plagt sich auch meine Therapeutin herum, also dass das trinkbedingte Nichts- oder Wenigtun von früher plötzlich von mir ins Gegenteil (dem Versuch, aktiver denn je zu sein) verkehrt wird und dem entgegengesteuert werden sollte.

    Wenn ich abends noch meine Tagesaktivitäten zusammenfasse (es ist so eine Art Tagebuch oder eher Notizkalender), denke ich mir immer wieder: Das war ganz schön viel für heute. Allerdings beginnt der nächste Tag meist in 4 bis 6 Stunden und will wieder genutzt werden.

    Es ist schon sonderbar. Werde ich z.B. auf eine Veranstaltung eingeladen, von der ich weiß, dass es doch eher nass ("feuchtfröhlich") zugeht, bleibe ich dieser wenn möglich fern (geht bei mir nicht immer). Dieses dadurch entstehende Zeitfenster (also wenn ich nicht hingehe) will nun aber gefüllt werden, so z.B. durch intensive Sporteinheiten (um mich müde zu machen), Arbeit (um mich abzulenken) oder sonst was, um gar nicht erst auf die Idee zu kommen, hinzugehen. Dabei nehme mir aber x Sachen zugleich vor, weil ich so viel nachholen bzw. unternehmen möchte, was ich früher - außerhalb meiner Trinkpausen - nicht gemacht habe.

    Durch diese Aktivitäten wirke ich zwar nach außen hin aktiver und ausgeglichener (sagt man mir inzwischen nach) und mein Gesundheitszustand ist auch wieder dort, wo ich mir nie erwartet hätte, wieder hinzukommen, aber zufrieden bin ich oftmals nicht. Weil das alte, gewohnte Leben nicht mehr da ist. Gut, ich habe auch nicht vor, hier alte Zeiten wiederkehren zu lassen. Denn das frühere Leben war weder gesund, erfüllend noch kann ich sonst etwas Positives daran finden (ich kann mich auch an so manches nicht mehr erinnern). Einzig und allein fehlen mir zwei drei damals (teils seit der Jugendzeit gepflegte) Sozialkontakte mit Freundinnen und Freunden von früher, welche es so nun nicht mehr gibt, weil unsere Lebensstile einfach nicht mehr zusammenpassen. Erstaunlich ist es dennoch, wie schwer es ist, sich von alten Lebensweisen und Erinnerungen geistig komplett zu distanzieren.

    Insgesamt ein bisschen ein Dilemma, in dem ich stecke...

    Ich bin mir nicht sicher, ob hier das Suchtgedächtnis mit hinein spielt (eigentlich habe ich kein Bedürfnis nach Alkohol und mir ist dieser ziemlich egal - trinke ja sowieso keinen mehr). Vermutlich muss ich einfach noch lernen, in denjenigen Zeiten, in denen ich früher getrunken habe, nun gezielt "nichts" (bzw. nichts, dass in einem Produkt, einer Leistung etc. endet) zu tun, um tatsächlich zufriedener (oder sagen wir innerlich ausgeglichener) zu werden. Kann man so etwas lernen, wirklich mal "nichts" zu tun? Derzeit fühle ich mich ein wenig wie ein Getriebener.

    Dann noch eine kurze Episode: Ich war heute gegen frühen Nachmittag an einer Tankstelle, stehe an der Zapfsäule und sehe wie ein Auto kommt, zwei Männer (wirkten nicht auffällig, waren locker, leger angezogen und plauderten) steigen aus, gehen in den Tankstellen-Shop und wie sie herauskommen, hat einer von ihnen eine große Flasche Klaren unter dem Arm. Der mit der Flasche setzt sich (wenigstens!) auf den Beifahrersitz und während der andere noch startet und losfährt, dreht der Beifahrer schon den Verschluss auf und nimmt einen großen Schluck direkt aus der Flasche). Warum ich das schreibe? Weil mir so etwas zu meinen nassen Zeiten zwar aufgefallen wäre (beim Autofahren trank ich nie), ich das aber eher mit "Die machen sich sicher einen gemütlichen Nachmittag" abgetan hätte, während ich nunmehr alleine schon beim Zusehen einen flauen Magen bekomme und mich frage, wie man so leben bzw. sich so sein Leben ruinieren kann...

    Auch so ändert sich so manches.

    Ok, ich merke, es wird schon wieder zu lange.

    Wünsche Euch noch einen schönen Sonntag.

    LG, Stef.

    Ich habe Fragen offen die mir zur Aufbereitung aus der Co Abhängigkeit helfen. Ich freue mich sehr über die Antworten auch wenn die Fragen hart sind. Ist euch Alkoholiker mit übermäßige Alkohol bewusst das ihr sie Angehörigen und Partnerinnen mit runter zieht? Oder ist euch das unbewusst und ein Automatismus? Ist euch Alkoholiker mit übermäßige Alkohol bewusst das ihr in den Trinkphasen überheblich und abwertend andere Menschen gegenüber reagiert oder unbewusst? Ist euch Alkoholiker mit übermäßige Alkohol bewusst das ihr euch und das Umfeld Verwahrlosung? Könnt ihr Alkoholiker mit übermäßige Konsum noch positive Gefühle wahrnehmen? Könnt ihr Alkoholiker mit übermäßige Alkohol noch auf Wünsche und Bedürfnisse anderer Menschen eingehen? Überschreitet ihr Alkoholiker mit übermäßige Alkohol mit Absicht oder ohne Absicht die Grenzen und das Nein der Angehörigen und Partnerinnen?

    Also ich weiß nicht, aber derartige - durchwegs "angriffige" / stereotype - Pauschalierungen finde ich unpassend. Jeder Mensch ist anders und je nach Typ Mensch könnte jede Deiner Fragen mit ja oder nein (oder "manchmal") beantwortet werden.

    Bezüglich des Themas "Verwahrlosung" z.B. möchte ich _Eternal_ jedenfalls Recht geben. Ich denke nicht, dass ein Alkoholiker grundsätzlich verwahrlost sein muss. Auch wenn ich mich als Alkoholiker mitunter ziemlich daneben benommen habe (im zwischenmenschlichen Bereich), hätte ich mich niemals und würde mich auch jetzt rückwirkend betrachtet nicht als verwahrlost bezeichnen.

    So wie ich die Fragen lese, zielen diese ja fast schon in Richtung bzw. auf den Typ "Alkoholiker im Endstadium" (oder so in der Art) ab. In dieser Phase ist aber nicht jeder Alkoholiker. Vielleicht endet er einmal dort, aber das ist eine andere Sache.

    Schließlich hängt es doch wohl auch sehr vom Trink-Typ ab, wobei ich einen Spiegeltrinker da wohl kaum automatisch mit einem Problem- oder Gesellschaftstrinker gleichsetzen können werde (die können aber auch Alkoholiker sein).

    Alle Alkoholiker in einen Topf zu werfen, davon halte ich nicht viel.