Hallo Stern,als ich zum zweiten mal abstinent war (ca 3,5 Jahre lang) hatte ich fast durchgängig mit Depression zu tun. Ich war so entsätzlich müde,da keine Medis und Therapie half.
Ja,ich habe dann ganz bewusst wieder das erste Glas eingegossen. Habe ganz gezielt die Wirkung haben wollen.
Hi Fruechtetee ,
hier mal ein paar Gedanken/ Erfahrungen von mir zu den obigen Zitaten.
Ich hatte in meinem Leben mehrere meist schwere Depressionen. Sie sind die Folge einer komplexen PTBS aufgrund von körperlicher und seelischer Gewalt durch meine Eltern. Das heißt, sie sind nicht anlassbezogen z. B. durch einen schweren Verlust oder Überforderung. Deshalb haben mir auch zwei tiefenpsychologische Therapien (eine Einzel- und eine Gruppentherapie) nicht geholfen. Ich habe die Therapien lange Zeit durchgehalten aber dann abgebrochen, weil sie mir entweder nicht geholfen haben oder im ersten Fall ich mich dann zum ersten Mal in eine Klinik hab einweisen lassen, weil ich zu instabil war.
Nach meiner zweiten schweren Depression hatte ich dann Glück und kam an eine für mich sehr gute Therapeutin. Bei Ihr habe ich im Rahmen einer abgeschlossenen Verhaltenstherapie gelernt wie ich mir in einer Depression selbst helfen kann und ich diese bewältigen kann. Allerdings kann ich das nicht, wenn ich gleichzeitig saufe. Unmöglich.
Bei mir haben die Depressionen das Saufen begünstigt und verstärkt. Aber das galt eben auch umgekehrt. Als ich vor gut 12 Jahren ernsthaft mit dem Saufen begonnen habe, war dies ein untauglicher Versuch der Selbstmedikation, ich wollte meine Depressionen wegsaufen. Ich wusste, das wird nicht funktionieren und es hat nicht funktioniert. Überhaupt nicht. Ich wusste das ich vom Saufen abhängig werde und ich bin abhängig geworden. Die letzten Jahre aus abhängigen Trinken und Depressionen waren meine eigene selbstgemachte Hölle.
Diese SHG ist mit Abstand der wichtigste Teil meines Hilfesystems, ich habe mich hier kurz nachdem ich abstinent wurde angemeldet. Ich habe die Grundbausteine praktisch und vom Mindset einfach nur umgesetzt. Außerdem betreibe ich konsequent Risikominimierung. Damit bin ich jetzt seit 16 Monaten stabil abstinent und hatte keine wirklichen Schwierigkeiten.![]()
Eine der wichtigsten Dinge, die ich hier gelernt habe, obwohl ich sie im Grunde schon wusste ist das meine Sucht und meine Depressionen zwei getrennte schwere Erkrankungen von mir sind. Die haben nichts miteinander zu tun. Absolut nichts. Das muss ich in meinem Kopf strikt trennen, weil sie wie oben beschrieben eine Wechselwirkung aufeinander haben können, wenn ich das zulasse. Und ich muss diese Erkrankungen auch getrennt angehen. Und die Reihenfolge ist zunächst stabil abstinent werden und dann die Depression angehen. Ich bin einige Monate nachdem ich abstinent wurde auch noch einmal in eine Depression gerutscht aber da ich wie oben schon geschrieben schon vor Jahrzehnten gelernt habe wie ich mir selbst helfen kann, konnte ich diese nach einigen Wochen bewältigen. ![]()
Vielleicht helfen Dir und anderen die das hier lesen ja meine Erfahrungen im Umgang mit meiner Sucht und meinen Depressionen irgendwie weiter? Denn Depressionen und Sucht kommen eben gerne Mal im Doppelpack.
Zum Schluss. Du schreibst das Du bisher kein Antidepressivum (AD) gefunden hast, was Dir geholfen hat. Dazu drei Gedanken von mir.
Ich nehme das gleiche AD in gleicher Dosierung seit mehr als 20 Jahren. Ich hatte vorher auch andere verschrieben bekommen, die aber aus unterschiedlichen Gründen wieder abgesetzt wurden. Aber ein AD alleine reicht bei Depressionen ab einem bestimmten Schweregrad nicht aus, um diese zu bewältigen. Mein AD bereitet nur den Boden und macht mich entweder therapiefähig oder versetzt mich in die Lage mir selbst zu helfen. Wie meine Therapeutin gerne zu sagen pflegte.![]()
Der Goldstandard bei der Behandlung einer Depression ist ein AD und eine Psychotherapie. Insofern ist es vielleicht für Dich eine Idee nochmal eine Therapie zu beginnen? Wie geschrieben mir hat eine Verhaltenstherapie gut geholfen.
Letzter Punkt. Es gibt auch noch mindestens eine weitere Behandlungsmethode zur Behandlung von schweren Depressionen. EKT (Elektrokonvulsionstherapie). Und ich weiß von einer Klinik hier in der Großstadt, in der ich lebe, die eine modular aufgebaute Therapie für therapieresistente Depressionen anbietet. Worauf ich hinaus will es gibt den eigenen Willen vorausgesetzt viele Möglichkeiten sich in einer Depression helfen zu lassen.
Aber Voraussetzung ist eben der eigene Wille.