Im weiteren Verlauf des Buchs hieß es dann auch, zu jeder lebenslangen Abstinenz gehöre eine zurückliegende Geschichte mit Rückfällen. Überspitzt gesagt: Wer noch nie einen Rückfall erlebt habe, sei noch nicht auf dem Weg zu 'lebenslang'. Zu jeder Suchtgeschichte gehörten Rückfälle.
Hi Mattie,
ich habe in den 10 Jahren, in denen ich abhängig gesoffen habe, eine Trinkpause gemacht. Das war ca. 2 Jahre, bevor ich aufgehört habe. Ich wollte sehen, ob ich aufhören kann. Und als ich merkte, dass ich es kann, habe ich nach ca. 3 Monaten weitergesoffen. Das war gefühlt kein Rückfall, weil ich gar nicht das Ziel hatte, dauerhaft aufzuhören. Mir war aber schon klar, dass ich abhängig war. Insofern bin ich jemand, der in seiner abhängigen Zeit keinen Rückfall hatte.
Zu der Theorie dieses Buches. Das geht ja auch in die Richtung der Theorie, dass Rückfälle ein Symptom der Sucht sind. Ich persönlich beschäftige mich mit einem Rückfall nur insofern, dass wenn ich hier davon, lese mir, die Gründe anschaue und wie ich diese für meine eigene Risikovermeidung berücksichtige und einbaue. Denn ein Rückfall hat ja einen Vorlauf. Ich versuche aus den Fehlern zu lernen, das ist auch einer der Hauptgründe, warum ich hier weiter aktiv bleibe. Das ist meine Rückfallprophylaxe.
Meiner Meinung nach sind die oben genannten Theorien gefährlich. Zum einen verharmlosen sie Rückfälle. Und zum anderen erhalten sie den Gedanken, dass es eben doch nicht notwendig, dass ich nie mehr trinke. Gehört ja scheinbar dazu.
Für mich und meine Abstinenz ist entscheidend, dass es mir in den letzten drei bis vier Jahren meiner Kombination aus Saufen und Depressionen körperlich, seelisch und geistig grenzwertig schlecht ging. Heißt ich weiß ganz genau wie sich das Leiden anfühlt, denn ich habe gelitten. Und ich weiß, dass ich das nicht mehr lange durchgehalten hätte. Dass ich eher früher als später draufgegangen wäre. Deshalb ist für mich ein Rückfall keine Option.