Warum ich in den letzten Jahren nicht dauerhaft abstinent wurde, ist mir ziemlich klar: Ich habe allen Leuten meine Abstinenz als Trinkpause verkauft, und als dann das erste Mal richtig großer Saufdruck kam, war ich machtlos, weil ich mir den Ausweg ja sozusagen selbst schon parat gelegt hatte.
Dieser Satz fiel mir gestern auf.
Es mag eine Erklärung für Dich sein. Ist die vollständig?
Das Dahinterliegende, d.h. die innerliche Verfasstheit mit offen gelassen Ausweg ist sehr einleuchtend.
Aber ist das Outing tatsächlich die Absicherung bzw. ein abgeschwächtes ein Mitgrund?
Ich bin schon in früheren Jahren bei engen Freunden und Familie offen mit dem Thema meiner Alkoholmenge/Trinkverhalten umgegangen und tue dies auch jetzt. Dabei bemerk(t)e ich aber immer wieder, dass die allerwenigsten sich tiefer mit Alkoholismus auskennen/tieferes Verständnis dafür haben. Typische Entgegnungen: Du doch nicht. So schlimm war das doch gar nicht bei Dir, etc. Es mag manchmal auch eigenes Schutzverhalten wg. eigenem Konsum dahinterstehen, d.h. kein böser Wille, eher Unkenntnis, fehlende Empathie oder schlicht Nichtakzeptanz eigener Trinkgewohnheiten + Überstülpen des eigenen Maßstabs auf andere zwecks "Selbstschutz".
Wäre es für mich ein Gesichtsverlust, wieder in so einer Runde zu trinken?
Dieses "eine kleine Gläschen, welches bereits das Loch in meine Festungsmauer schlägt, fällt im "Gewusel" doch kaum auf. Und wenn, wäre mein Mund beredt genug, die passende Begründung zu liefern. Von heimlich Trinken will ich gar nicht reden, das war auch nicht mein Ding.
Würde mir dabei jemand in dem Moment hilfreich in den Arm fallen, um es verhindern? Die meisten Menschen sind höflich zurückhaltend, dezent oder auch weniger interessiert als sie tun. Außerdem würde ich, wenn ich es will, mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu tun habe. Und der Prozess der aufgestauten Willensbildung dazu lief schon viel früher in meinem Kopf ab.
Bei der Absicherung meiner Abstinenz verlasse ich mich exakt auf einen Menschen: ausschließlich auf mich selbst.
Natürlich ist das durchdachte/abgewogene Outing bei den mir wichtigen privaten Menschen eine kleine Stütze. Ebenso wie unser Forum. Aber am Ende muss meine Abstinenz jederzeit auch ohne jede fremde Hilfe/Hilfsmittel stabil funktionieren.