Beiträge von Oskar

    Ich kann das durchaus nachvollziehen, bin auch Typ Einzelkämpfer. Mein Entzug war aus meiner Sicht auch langwierig - aber nach rund 3 Monaten waren die Symptome im Wesentlichen verschwunden; bis auf kurze Wellen urplötzlicher bleierner Müdigkeit, das ging nach 5-6 Monaten zu Ende. Trotzdem oder gerade weil es bei Dir scheinbar noch akut ist, rate ich Dir echt dringend zum Arztbesuch! Blutwerte, Vitaminmangel, Schilddrüse,... wer weiß, was es ist, ob es komplett mit der Sucht zu tun hat. Der zweite Grund ist, dass da noch die Wirkung der anderen Substanz rein spielt. DAS würde ich keinesfalls unterschätzen - und da wird dir die KI dasselbe sagen, wette ich.

    Und vergiss jegliche Scham in dem Zusammenhang! Du bist schon länger trocken/abstinent - da wird jeder Arzt Hochachtung vor haben!

    (Ich habe nur mit Alk und Nikotin Erfahrung; die DDR war sonst nahezu Suchtmittelfrei und danach war ich alt genug, um gleich gänzlich die Finger davon zu lassen.)

    Hallo Michl,

    die SHG hast Du ja hier bei uns - nahezu rund um die Uhr!

    Lokale Gruppen findest Du auch mittels einer kurzen Internetrecherche in deren Zentralen heraus (bei den großen).

    Was/warum/wozu muss ein Psychiater für eine SHG-Teilnahme eine Bestätigung geben?

    Oh, neuer Name, dachte erst, werissndas? ... und auch noch hübsch renoviert, obwohl jetzt Herbst und kein Frühjahr... :thumbup:

    In der ersten Zeit habe ich es einfach laufen lassen, d.h. wenn ich irgendwelche "Ersatzgelüste" hatte, dann tat ich mir erstmal keinen Zwang an. Bei mir war es Tee exzessiv. Das hat sich wieder gut eingepegelt, die Liebe zum Tee ist geblieben (war aber schon seit meiner Jugend da). Schokolade, Kuchen ... ja auch - und 'ne Weile lang überhaupt kein Problem, zumal durch den Wegfall der Alk-Kalorien eine große Lücke entsteht, die man nicht unbedingt völlig leer lassen muss. Das regelte sich mit der Zeit gut ein. Nur aufpassen, dass sich nichts Neues als massive Tendenz (Suchtverlagerung) aufbaut. Dazu würde ich auch Sport zählen, der zu exzessiv betrieben nach einer Weile zu einem Übertraining/Ausbrennen führen könnte und dann wäre da plötzlich eine Art schwarzes Loch und damit Gefahr im Verzug. Online-Aktivitäten würde ich auch sehr gut beobachten.

    Risiken habe ich in den ersten drei Monaten streng gemieden, nahezu vollkommen. Danach, mit gefühlt bessernder Stabilität, habe ich das ein oder andere ausprobiert - sehr bedacht und immer mit Rückzugsmöglichkeit. Meine wirklichen Freunde sind mir wichtig. Uns verbindet viel und Alk war ohne Zweifel bei manchen Verbindungen präsent aber selten bis nie dominierend. Da versuchte/versuche ich, neue Wege/Varianten für Aktivitäten zu finden, bei denen Alk "automatisch" wegfällt oder zumindest nebensächlich bleibt. Und bei allen, die ich Freunde nenne, gehe ich vollkommen offen mit meiner Abstinenz und dem Thema Alkoholismus um.

    PAWS = Psychische Entzugserscheinungen.
    Das ist nichts Neues und wird ausführlich auch in jedem ordentlichen Buch über Alkoholismus/Sucht in Zusammenhang mit Entzug/Entgiftung ausführlich beschrieben. (Womit ich nichts gegen KI sagen wollte.)

    Zu diesen Erscheinungen würde ich auch die hübsche Euphorie zählen, die zwar positiv gefühlt wird, aber ja auch denselben Zusammenhang hat (Neuordnung/Kalibrierung im Gehirn nach Wegfall des Gifts).
    Bei meinem Ausstieg hatte sich Euphorie nahezu völlig versteckt und konnte mich daher weder mitreißen noch verführen und damit leichtsinnig werden lassen.

    Maxi7450 : Welche dieser Erscheinungen tauchen bei dir nach 5 Monaten (bzw. 10 - Cannabis) noch auf und belasten dich?

    Wir sind hier im Vorstellungsbereich und da soll es möglichst zackig um die Anmeldung gehen.
    Dazu braucht es einen Moderator. Für unser "Spezialgebiet" sehe ich, ist in Moment keiner da - kann also vielleicht auch erst morgen früh/Vormittag passieren.

    Daher schlage ich vor, den Erfahrungsaustausch auf morgen/die nächsten Tage zu verschieben.
    In den erwähnten Grundbausteinen findest Du den Kern an Ideen - aber dazu gibts schon noch einiges mehr zu bereden.
    Für heute sage ich Dir Gute Nacht & noch ein wenig Geduld.

    Das sind klare Worte.
    Die sind - in Gedanken umgesetzt - wichtig, um sich dieses Ziel fest zu verinnerlichen und den trockenen Weg immer stabiler zu gehen.

    Ich bin auch noch gar nicht so lange hier, war da im April ca. 7 Monate abstinent, als ich mich hier anmeldete. Mir half und hilft unser Forum dabei, mögliche Risiken zu erkennen und zu vermeiden. Inzwischen fühlt sich meine Abstinenz richtig gut und stabil an und ich bin zufrieden - aber immer auch mit Respekt vor der Sucht und vor dem Alkohol.

    Alles klar. Also psychische Entzugserscheinungen. Ja, die habe ich auch erlebt, ja auch wellenartig, und die sind weitaus hartnäckiger (und womöglich nerviger) als die ggf. auftretenden körperlichen Symptome. Die Kombi mit einer weiteren Droge macht es ggf. komplizierter!

    Hallo Maxi7450,

    willkommen bei uns!
    Ein Moderator wird sich sicherlich bald um dich kümmern; hab' ein wenig Geduld und lies etwas - vielleicht als erstes unter Artikel die Grundbausteine.

    Und Glückwunsch zu rund 5 Monaten Alkoholabstinenz. Eine gute Basis für einen möglichen dauerhaft abstinenten Weg, der sich lohnen dürfte.
    Was sind PAWS? Kenne das Wort nicht.

    Die andere Sache mit der Öffentlichkeit im Web ist schwierig. Trotz aller Umschreibungen wird man natürlich immer erkennbarer, je mehr Details man peu à peu von sich preisgibt. Ich bin mit dem Thema immer, von Anfang des www an, sehr vorsichtig umgegangen. Also setze ich bei Details Grenzen. Außerdem gehe ich mit meinen Äußerungen immer nur so weit, wie ich es im "Notfall" auch in aller Öffentlichkeit tun würde (dann womöglich mit Scham, aber ich meine damit verantwortbare Äußerungen, zu denen ich voll stehen kann).

    Bei sich vertiefendem Kontakt (wie PN) würde ich erst dann wirklich "in die Tiefe" gehen, wenn ich zuvor länger mit dieser Person telefonieren kann. Erst dann... und es bleibt dennoch ein Restrisiko.

    Hallo ST,

    herzlichen Dank für Deine Erinnerungen. Der Rückfall nach so langer Zeit ist wirklich eine tragische Sache, vor allem, weil sich daran wohl knapp 10 Jahre mit Alk anschlossen.

    Ich kann davon nur lernen, mich zu keiner Zeit zu sicher zu fühlen, "Sicherheitsvorkehrungen" nie zu vernachlässigen und vor allem bei seelischen Ausnahmestationen doppelte Vorsicht walten zu lassen. Und trotzdem auf möglichst leichte und lockere Art meinen trockenen Weg zu gehen.

    Ob ein Outing bei diesen Bekannten geholfen hätte...? Pure Vermutung; ich würde mich nur auf mich selbst verlassen, allerdings Alkohol konsequent ablehnen. Bei innerer Wankelmütigkeit besser nicht nur mit "Nein Danke", sondern zusätzlich mit der Bemerkung, ich trinke keinen Alkohol. Mehr bedarf es mMn. nicht. Keine weitere Diskussion nötig.

    Vier Woche haste schon geschafft!

    Na geht doch voran 45! Lieber ein bisschen mühsam als zuuu leicht & euphorisch. Im Zweifel Abstand gewinnen. Und ja, TEE ist immer gut! ;)

    Bei scharfem Essen kommt mir in den Sinn: In den letzten Monaten vor meinem hoffentlich letzten Stopp hatte ich nach üppigen Essen immer öfter einen sehr plötzlichen Drang zu einem gewissen Örtchen... Ich schob's auf scharfe Gewürze oder zu viel Knoblauch. Tatsächlich war es der Alk, der meine Innereien sabotierte. Du hattest die Beobachtung in der Mitte auch irgendwo geschrieben.

    Also vorwärts immer, rückwärts nimmer. :mrgreen:

    Der Mann der Freundin (...) Was würdet ihr tun?

    Im Mai hatte ich Dir dazu geschrieben:

    Dieser Mann tauchte bei Dir schon mehrfach auf... Er scheint Dir wichtig zu sein. Aber was in seinem Kopf vorgeht, kannst Du nicht wissen. Vielleicht gibt es auch ganz andere Gründe?
    Wie wäre es, zu einem günstigen Moment mal das Gespräch darauf lenken, so in der Art "Ich habe das Gefühl, dass..."?

    Sehe ich immer noch so.

    Der Geb. jetzt wäre so eine günstige Gelegenheit. Zur Not auch telefonisch oder als kurzes persönliches Hallo, um mal den Faden neu aufzunehmen.

    Warum ich in den letzten Jahren nicht dauerhaft abstinent wurde, ist mir ziemlich klar: Ich habe allen Leuten meine Abstinenz als Trinkpause verkauft, und als dann das erste Mal richtig großer Saufdruck kam, war ich machtlos, weil ich mir den Ausweg ja sozusagen selbst schon parat gelegt hatte.

    Dieser Satz fiel mir gestern auf.

    Es mag eine Erklärung für Dich sein. Ist die vollständig?
    Das Dahinterliegende, d.h. die innerliche Verfasstheit mit offen gelassen Ausweg ist sehr einleuchtend.

    Aber ist das Outing tatsächlich die Absicherung bzw. ein abgeschwächtes ein Mitgrund?

    Ich bin schon in früheren Jahren bei engen Freunden und Familie offen mit dem Thema meiner Alkoholmenge/Trinkverhalten umgegangen und tue dies auch jetzt. Dabei bemerk(t)e ich aber immer wieder, dass die allerwenigsten sich tiefer mit Alkoholismus auskennen/tieferes Verständnis dafür haben. Typische Entgegnungen: Du doch nicht. So schlimm war das doch gar nicht bei Dir, etc. Es mag manchmal auch eigenes Schutzverhalten wg. eigenem Konsum dahinterstehen, d.h. kein böser Wille, eher Unkenntnis, fehlende Empathie oder schlicht Nichtakzeptanz eigener Trinkgewohnheiten + Überstülpen des eigenen Maßstabs auf andere zwecks "Selbstschutz".

    Wäre es für mich ein Gesichtsverlust, wieder in so einer Runde zu trinken?
    Dieses "eine kleine Gläschen, welches bereits das Loch in meine Festungsmauer schlägt, fällt im "Gewusel" doch kaum auf. Und wenn, wäre mein Mund beredt genug, die passende Begründung zu liefern. Von heimlich Trinken will ich gar nicht reden, das war auch nicht mein Ding.

    Würde mir dabei jemand in dem Moment hilfreich in den Arm fallen, um es verhindern? Die meisten Menschen sind höflich zurückhaltend, dezent oder auch weniger interessiert als sie tun. Außerdem würde ich, wenn ich es will, mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu tun habe. Und der Prozess der aufgestauten Willensbildung dazu lief schon viel früher in meinem Kopf ab.

    Bei der Absicherung meiner Abstinenz verlasse ich mich exakt auf einen Menschen: ausschließlich auf mich selbst.

    Natürlich ist das durchdachte/abgewogene Outing bei den mir wichtigen privaten Menschen eine kleine Stütze. Ebenso wie unser Forum. Aber am Ende muss meine Abstinenz jederzeit auch ohne jede fremde Hilfe/Hilfsmittel stabil funktionieren.

    Ich fand es stark und sehr wichtig, dass Du ehrlich geschrieben hast, wie es Dir geht und womit Du innerlich unzufrieden bist!

    Korrigiere mich, aber Du bist jetzt im 9. Monat? Das ist ein großer Erfolg*!!

    Da steht - augenzwinkernd - baldige Niederkunft an... Welchen Namen bekommt das Kindchen? Vielleicht kommt die kleine Zufriedenheit in Deine Welt ... Warum ist die eigentlich noch nicht da?

    Mir hat sehr geholfen, meine innere Einstellung zum Alkohol völlig zu verändern. Ich anerkannte, dass ich ihn nicht beherrschen kann, er mich immer stärker und tiefer in den Suchtstrudel zieht, ich mit/durch ihn definitiv kaputt gehe - und das sehr bald. Das Getriebensein, die Sucht wurde immer spürbarer, alles früher "angenehme" war verschwunden. Und ich habe erkannt, dass ich mit ihm nicht umgehen kann. Dass der kleine Schluck mal hin und wieder nicht und niemals mehr drin ist. Der Traum ist aus! Und das ist nicht schade, sondern ganz wunderbar: Eine Befreiung.

    Ich verstehe diesen Denkprozess als das, was Kapitulation genannt wird. Es sind nur eben meine eigenen Worte, weil ich diese tiefe Verinnerlichung, diese nachdrückliche Veränderung und Ausmerzung eines Wiederholungsgedankens nicht als Phrase auswendig lernte, sondern als neue wichtige Grundüberzeugung für mein Leben fest in mir verankerte.

    Dieser Punkt ist der, wo es tatsächlich und wirklich Klick bei mir machte. Alle vermeintlichen Klicks zuvor klangen dagegen hohl. Als diese eigene "Gehirnwäsche" durch war, wurde es leichter und ich gelassener und zufriedener.


    * wenn auch mit untauglichen Mitteln, so bleibt es ein Erfolg, den es unbedingt zu bewahren gilt.

    Meine Erfahrung war, dass ich es in den ersten drei Monaten einfach habe "laufen lassen". Geschlafen, wenn müde, nicht geärgert, wenn ich es nicht konnte - einfach hingenommen. Dto bei Hunger & Durst.

    Kein Projekt. Einfach nur das Ziel im Auge: Abstand vom Alk um jeden Preis - und das zu Beginn mit vollem Willenseinsatz.

    Manches hat mich genervt, meine Sinne schienen oder waren gefühlt überspitzt aktiv. Mein inneres Motto war: alles registrieren und die neue Feinheit genießen. Manches hat mich schnell geärgert und zu übertriebenem Urteil verführt. Ich habe es gedacht, mir gemerkt aber konsequent die Klappe gehalten, weil ich, anders als üblich, schnell gereizt war und gefühlt zu extrem in meinem Urteil.

    Ich kann mich gar nicht erinnern, wie es mit dem Hunger war. Mein Gewicht war mir zunächst völlig egal. Eine deutliche Gewichtsreduzierung setzte "automatisch", aber verzögert, nach ca. 2..3 Monaten ein; habe es nicht exakt verfolgt. Nach einem halben Jahr ging es wieder etwas höher.

    Du gehst DEINEN Weg für DICH. Unbeirrt trocken. Tag für Tag.

    Lass Dich nicht beirren von auftauchenden Stolpersteinen (so wie auch die ganzen Gedanken über warum - wieso - weshalb). Die wird es immer wieder geben. Nur nimmt die Wackeligkeit immer mehr ab, oder positiv gesagt, die innere Zuversicht nimmt zu, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Erfahrungen mehren sich, damit entspannt umgehen zu können.

    SCHON 60 Tage (oder ein paar zerquetschte mehr...). Da liegt das schwierigste bereits hinter einem. Die Beschreibung der inneren Wandlung ist bei jedem etwas anders und doch gleichen sich viele Dinge auf erstaunliche Weise, wenn Du querliest. Und da liegen noch ein paar Monate vor Dir, wo es sich weiter innerlich wandelt, in immer kleineren Nuancen, aber es verändert sich. Auch der Blick auf das zurückliegende Leben wurde bei mir klarer, ausgewogener. Die Gewissheit, das es eine gute Entscheidung war und der richtige Weg ist, die nahm und nimmt immer mehr zu.