Beiträge von Paul_

    Guten Abend liebe Forenmitglieder,

    es ist nun etwas länger her dass ich in meinem Thread geschrieben habe, aber mittlerweile sind 5 Monate ohne Alkohol rum. Ich fühle mich gut.

    Während der letzten Zeit habe ich immer hin und wieder über die Zeit davor nachgedacht, aber auch nicht endlos gegrübelt. Fast schon mit einem Lächeln und einem Kopfschütteln fragend, wie konnte ich es nur so lange soweit kommen lassen. Ist nunmal so, ich habe nach vorne geschaut um wenigstens dieses mal was draus zu lernen und nicht wie die male davor überzeugt zu sein, ich wüsste es eh besser.

    Ich war dem Forum natürlich nicht abhanden gekommen und habe meistens mindestens einmal am Tag vorbeigeschaut. Dabei habe ich vermehrt die Geschichten der Cos gelesen und mich, wie viele andere hier sicher auch, in der ein oder anderen (in vielen) wiedererkannt. Da kann ich fast nur sagen, gut, dass ich es noch rechtzeitig geschafft habe ernsthaft die Richtung zu korrigieren und fast schon ein Wunder, dass meine bessere Hälfte noch da ist.

    Was mir besonders bei den Geschichten der Cos aufgefallen ist, ist die mangelnde Einsicht des Alkoholikers, dass er ein Problem hat. Ich kann mich da nur zu gut reinversetzen und weiss wie ich gehandelt hätte. Genau so. Null Einsicht, lasst mich alle in Ruhe, ich hör schön auf wenn mir danach ist, es ist nur Alkohol, machen andere ja auch, ist mir egal ob euch das gefällt, wenns euch nicht passt dann geht doch, ich brauche euch nicht solange ich mich und meinen Alk habe.

    Jetzt nach 5 Monaten kann ich dieses Gefühl immernoch nachempfinden. Es ist nicht so als wenn ich auf diese Zeit voller Unverständnis blicke, ich verstehe sie sogar sehr gut, fast so als wenn es gestern oder immernoch so wäre. Diese Seite an mir ist nicht weg, ganz im Gegenteil, sie ist in greifbarer Nähe. Man könnte sagen, eine Armlänge zum Glas weit entfernt. Es ist schon merkwürdig sich einzugestehen, dass 2 Personen in einem Körper leben. Der nasse und der trockene Alkoholiker. Es liegt jetzt einzig in meiner Verantwortung, welche Person den Ton angibt. Beide sind laut wenn Sie erstmal zu Wort kommen. Ich verstehe diesen Satz "nur ein Glas entfernt" immer besser. Würde ich jetzt nur ein Glas trinken, wäre der nasse Alkoholiker wieder am Zug. Einen sehr langen Zug.

    Mit der Zeit ist auch meine Bewunderung für dieses Forum gewachsen. Es ist für mich eine Konstante. Ich weiss was mich hier erwartet, ich weiss woran ich bin, und vor allem weiss ich, dass hier nichts weichgespült wird. Danke dafür!

    Nun noch kurz ein Update:

    1. Die Gedanken an Alkohol sind sporadisch. Sie sind täglich da, aber 99% der Zeit denke ich nicht an Alkohol. Er spielt keine Rolle in meinem Alltag. Ganz verschwunden ist er aber bei weitem nicht, da reicht schon eine Bier-Werbung im Fernsehen und ich erinnere mich wieder.

    2. Süssigkeiten sind weniger geworden, aber ich esse dennoch gerne unnötigen Zucker-Krams. Dennoch merklich weniger als am Anfang.

    3. Schlaf, Gesundheit, Hautbild, Haare, alles hat sich positiv entwickelt. Könnte auch daran liegen, dass ich mehr wert auf mich lege als früher.

    4. Ehe ist wie ne Ehe nunmal ist. Harmonisch mit den obligatorischen Gewitterwolken von Zeit zu Zeit. Nur dass ich jetzt nicht in 99% der Fälle der Grund für Streit bin.

    5. Soziales Umfeld hat gelitten. Ein paar gute Freunde sind da, mit denen läuft es auch super. Viele haben mir den Rücken gekehrt. Ob das an der Distanz liegt, kein gemeinsamer Alltag, oder weil ich es besoffen bei einigen gegen die Wand gefahren habe. Sicher ne Mischung aus allem, aber so ists nunmal. Den Preis muss ich zahlen und ich kann niemandem verübeln keinen Bock mehr auf mich zu haben.

    Das wäre das Wichtigste kurz zusammen gefasst.

    Für die die neu im Forum und am Anfang ihres abstinenten Lebens sind habe ich noch einen kleinen Rat: Die Euphorie am Anfang ist unheimlich stark, lässt aber mit der Zeit nach. Es scheint danach nichts mehr zu kommen, ausser der Tatsache dass man nun das gleiche Leben wie vorher hat, nur ohne Alkohol und der einhergehenden negativen Begleiterscheinungen. Dem ist jedoch nicht so! Es ist so viel mehr was sich massiv verändert, man muss eben nur genau hinsehen. Mit der Zeit sieht man es ganz deutlich. Nur nicht wegschauen ;)

    Schönen Abend und liebe Grüße,

    Paul

    Hallo Arno,

    Du hast nen super Schreibstil, gerade das trockene wie in einem "Polizeibreicht" liest sich für mich sehr gut. Denk mal an Homo Faber ;)

    Mach Dir nichts draus wenn einige Leute deine Texte falsch verstehen. Du hast dein Ziel vor Augen und schlägst dich wacker, jeder der das gleiche Ziel hat ist schlau wenn er versucht etwas aus deinen Texten für sich mitzunehmen. Und ja, es wir immer Leute geben die alles besser wissen und auf Krawall gebürstet sind. Ignorier es einfach, Du bist nicht hier um dich provozieren zu lassen sondern um trocken zu leben.

    Also mach weiter so, ich lese gerne bei dir und nehme das ein oder andere für mich mit auf den Weg.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi in die Runde,

    das scheint mir eine mehr als ernste Situation zu sein. In diesem Fall kann ich nur folgendes empfehlen:

    1. Die Schwiegermutter sollte den Schlüssel ansich nehmen und dafür sorgen, dass der Schwiegervater nicht an die Waffen rankommt.

    2. Bei der Polizei schriftlich melden und protokollieren. Der Schwiegervater scheint ja nicht geeignet zu sein mit Waffen umzugehen, ergo sollte geprüft werden ob er seine Waffenbesitzkarte und die Waffen abgeben muss. Das sollte jedoch die Polizei ins Rollen bringen. Wenn sich das ganze aufm Land abspielt wo jeder jeden kennt (Polizei drückt auch mal n Auge zu) würde ich das an die nächst höhere Instanz melden.

    3. Anwalt kontaktieren.

    Wenn deine Schwiegermutter den Schlüssel ansich nimmt, dürfte ihr im Grunde nichts passieren, sofern es sich um eine kurzfristige Maßnahme zur Gefahrenabwehr handelt. Das wird euch aber ein Anwalt sicher erklären.

    Ansonsten viel Kraft in dieser nervenaufreibenden Situation.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Guten Mittag,

    Ich habe für mich festgestellt, dass Taten mehr bringen als Worte.

    Wenn Du nüchtern lebst, bist Du mit Sicherheit anders als Du besoffen warst. Das wird deine Partnerin merken. Auch wenn sie stichelt und sagt dass sie dir nicht glaubt, is es ok. Es braucht nun mal Zeit. Ich würde mir auch nicht auf Anhieb glauben nach dem Mist den ich besoffen so verzapft habe. Aber hier ist eben der "Vorteil" an der langen Saufgeschichte: sie unterscheidet sich krass zu der jetzigen Situation. Nichts von dem Mist den ich früher gemacht habe kann man jetzt bei mir beobachten. Und genau wie einem Partner nicht entgeht dass man besoffen ist und versucht normal zu wirken, entgeht dem Partner auch nicht dass man eben jetzt nüchtern lebt.

    Zweifel wie lange das so bleibt, ob es wieder nur ne Pause ist, sind berechtigt. Aber da liegts an dir einfach immer nüchtern zu bleiben.

    Mit der Zeit wird es auch für den Partner immer normaler dass man nicht trinkt.

    Und noch etwas positives wird gerne mal von Alkoholikern übersehen, zumindest von mir: man schafft so viel mehr. Ich denke häufig dass kein wirklicher Unterschied zur nassen Zeit besteht was mein Leistungspensum angeht. Aber der Unterschied ist da und groß. Es reicht einfach mal nen Monat Revue passieren zu lassen und den mit irgendeinem nassen Monat zu vergleichen. Niemals hast Du nass mehr geschafft als trocken. Das sieht auch dein Umfeld.

    Manchmal glaube ich diese falsche Bescheidenheit und das runterspielen der trockenen Zeit ist nur ein verzweifelter Trick des Suchthirns mir einreden zu wollen, trocken zu sein bringt nicht viel.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi,

    Wollte gerade das gleiche schreiben wie Dante. Meine Erfahrung mit Alkoholtestern hat genau das Gegenteil bewirkt. Plötzlich wurde bei jeder Kleinigkeit getestet und in mir wuchs die Wut weil ich nur mit diesem Tester meine Glaubwürdigkeit beweisen konnte. Das zerstörte Vertrauen wurde nur noch weiter zerstört und bei jedem mal kam von mir ein "na, was hab ich gesagt? Bist du jetzt zufrieden?"

    Ich bin in erster Linie für mich selbst nüchtern, dafür brauche ich keinen Tester. Mit dem Tester verschiebt sich das mit der Zeit in die Richtung "ich mache es für Andere". Das ist gefährlich, und war wohl auch ein Grund wieso ich rückfällig wurde.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi!

    Über die Medikamente kann ich nichts sagen, ich weiss schliesslich nichts über den genauen Zustand und was er deswegen wohl verschrieben bekommen hat. Hier wird auch das Thema "Medikamente" nicht groß besprochen.

    Aber was ich dir sagen kann:

    Es gibt Medikamente die das Verlangen nach Alkohol mindern können sollen. Funktioniert nicht bei jedem und schon garnicht bei Leuten die weiter trinken wollen. Also keine Wunderpille, eher eine Unterstützung die das Craving lindert.

    Es gibt sonst noch Mittel die sich mit Alkohol nicht vertragen und bei gleichzeitigem Konsum schwerste Reaktionen auslösen, wird aber meines Wissens in Deutschland nicht verwendet.

    Wie dem auch sei: Ohne den Entschluss des Trinkers nichts mehr zu trinken wirkt kein Medikament so, dass der Trinker plötzlich keine Lust mehr auf Alk hat. Schön wärs vlt, aber da muss Er ganz alleine den ersten Schritt machen.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Edit: Bitte auf keinem Fall Medikamente "irgendwie" besorgen und dann verabreichen. Es gibt Medikamente die heftigste Wechselwirkungen in Kombination mit Alkohol entwickeln. Das Ergebnis kann tödlich enden.

    Hi,

    Das zu lesen ist worklich nicht leicht, er scheint sich ja mittlerweile in einer mehr als ernsten Situation zu befinden. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass Du zu ihm in diesem Zustand kaum durchdringen wirst.

    Um deine Frage zu beantworten: Der Alkoholiker sieht und weiss was er da anstellt. Jedoch hinterfragt er sein Verhalten und kommt alkoholinduziert zu dem Schluss, dass das was er macht ja nicht so schlimm ist. Andere trinken schliesslich auch Alkohol und die Probleme wären nicht da, wenn man einfach akzeptieren würde, dass er nunmal trinkt. Er sieht nicht, was er für riesen Schaden verursacht, denn er sieht den Schaden, aber versteht nicht wieso er jetzt daran Schuld sein sollte. Er schadet ja nur sich selbst.

    Hinzu kommt, besoffen ist es einem egal. Die Einsicht kommt erst wieder wenn man halbwegs klar im Kopf ist. Dieser klare Zustand ist aber sehr unangenehm, daher schnell wieder der Griff zur Flasche.

    Wünsche dir viel Kraft! Gute Tipps was Du machen kannst hab ich leider nicht. Ausser vlt die Konfrontation nicht zu suchen. Bringt eh nichts ausser mehr Schaden.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi Soapstar,

    Kann dich da gut verstehen. Nach einer Woche voller Arbeit, will man ja schliesslich einen Schlussstrich, einen Abschluss der harten Woche haben. Bis Freitag Abend gearbeitet, dann endlich Wochenende und die ersehnte Belohnung. Im Biergarten bei schönem Wetter, in geseliger Runde das Wochende einläuten. Machen ja auch viele, die Biergärten sind auch bei mir in der Gegend voll.

    Und jetzt findest Du keinen Abschluss. Die Arbeit ist erledigt, was nun? Samstag u. Sonntag nichts zu tun, eine lange Zeit bis Montag endlich wieder die Routine zuschlägt.

    Dabei sind doch gerade diese zwei Tage die einzigen in der Woche in denen Du doch machen kannst was Du schon immer machen wolltest. Bis jetzt hast Du nicht gewusst wie Du diese Tage für DICH nutzen kannst. Also, ab in den Biergarten und die lästige Freizeit versaufen bis endlich wieder Montag ist.

    Ich glaube Arbeit ist für dich enorm wichtig und kein notweniges Übel. Sonst hättest Du es längst schleifen lassen und während der Woche getrunken. Aber Du bist diszipliniert geblieben weil die Arbeit nunmal wichtig ist. Wichtiger als Alkohol. Deshalb auch die Schwierigkeit die Zeit zu nutzen in der Du nicht arbeiten musst.

    Du hast also zwei Möglichkeiten:

    1. Lerne wie Du die Freizeit für dich nutzen kannst und etwas machst worauf Du im Anschluss stolz bist. Auf Saufen im Biergarten warst Du mit Sicherheit nicht stolz.

    2. Arbeite an etwas, einem Projekt, an der Wohnung, Haus, Auto, wie auch immer. Etwas das Du gut kannst. Der Lohn wird das Ergebnis sein.

    Vermisst Du wirklich diese kleinen Pausen wo Du meinst mit Bier für 2 Tage aus der Arbeitswelt zu entkommen? Du entkommst da doch nicht wirklich, Du bist einfach nur für 2 Tage betäubt. Das bis ans Lebensende?

    Du sagst Du beneidest die Leute die im Biergarten sitzen und normal trinken können. Woher weisst Du dass sie normal sind? Sich volllaufen zu lassen weil Freitag ist, ist n ziemlich magerer Grund. Wenn es um das Beisamen sein und die heiteren Gespräche geht, sind diese doch auch im Grunde nur ein Vorwand. Es geht ums saufen, und das weisst Du. Ob nun alleine oder mit Gesellschaft ist doch im Endeffekt egal.

    Ich frage mich, was Du bei denen beneidest? Die kriegen das Wochenende nichts hin, versaufen ihre Freizeit nur um am Montag wieder mit dem warten auf Freitag zu beginnen. Jahr für Jahr. Du hast doch nur ein Leben, geniess es doch anstatt es wegzuspülen.

    Akzeptiere dass die freie Zeit deine Belohnung ist. Nicht das Bier welches die die freie Zeit stiehlt. Du musst nur noch den Wert der freien Zeit erkennen. Dann kommst Du nicht auf die Idee diese wertvolle Zeit zu löschen indem Du sie mit Bier wegschüttest.

    Sonnige Grüße,

    Paul

    Ich glaube jeder von uns kennt Situationen in denen der Partner, Familie oder andere liebe Menschen einem den letzten Nerv rauben.

    Ich sage mir bei solchen Situationen immer: "Das, wäre früher ein guter Grund gewesen um zu trinken". Dabei liegt die Betonung auf "früher". Ich nutze diese Gelegenheiten um mich besser zu fühlen. Nach dem Motto: "Challenge gemeistert, ich bin jetzt stärker und brauche keinen Alk". Ausserdem diskutiert es sich nüchtern besser, besoffen kriegt man seine Argumente ja kaum zusammen und ist am Ende noch Schuld dass es eskaliert.

    Also immer die Ruhe bewahren und die Gegenseite sich auslabern lassen.

    Wenn aber meine bessere Hälfte auf Krawall gebürstet ist, geb ich auch gerne sehr hart Contra. Ich bin schliesslich nicht schlechter als Andere, das soll auch ruhig jeder wissen. Ich bin es wert und verdiene Respekt, schläge unter die Gürtellinie haben immer Konsequenzen.

    Das ist einer der besten Aspekte des nüchternen Lebens: Ich habe meinen Wert wiedererkannt, Respektlosigkeit wird nicht toleriert.

    Niemand verlangt sich so in der Öffentlichkeit zu nennen, vor Freunden, Familie, Arbeit usw... Niemandem steht es auf der Stirn geschrieben, und niemandem soll es auf der Stirn stehen.

    Dieses Forum ist anonym, keine Gesichter, keine echten Namen.

    Wer es also hier nicht schafft, vor Leuten die er nicht kennt und nicht kennenlernen muss, sich einzugestehen Alkoholiker zu sein, wie soll derjenige es schaffen es sich selbst einzugestehen?

    Fakt ist, muss ja auch niemand.

    Ich nutze dieses Forum für meine Zwecke. Ich will alkoholfrei leben. Das Forum hilft mir dabei. Wenn ich kein Alkoholiker bin, warum der Wunsch alkoholfrei zu leben?

    Wenn ich irgendwo im Hinterkopf den Gedanken habe dass ich irgendwann mal wieder normal trinken kann, dann bin ich hier einfach falsch. Hier gibt es Menschen die dieses Forum brauchen. Da helfen Mitglieder die ihre Alkoholsucht als temporäreres Problem abstempeln niemandem.

    Verstehe es irgendwie nicht wo das Problem ist das Kind beim Namen zu nennen. Den Begriff gibt es aus einem bestimmten Grund.

    Wenn ich die Kontrolle über meinen Alkoholkomsum verloren habe und trinke weil ich trinken muss, bin ich Alkoholiker.

    Ich kann sagen, dass ich abhängig bin, dass ich krank bin, alles wahr und richtig. Aber wenn ich Probleme damit habe zu sagen, dass ich Alkoholiker bin, dann denke ich, dass es noch eine Stufe schlimmer gehen kann, da wo ich noch nicht gelandet bin. Ergo, Relativierung meines Alkoholkonsums.

    Ob nun der Arbeitnehmer der jeden Abend seine 10 Bier trinkt oder der Typ ohne Schuhe am Hauptbahnhof der Selbstgespräche führt und den Tag mit ner Flasche Korn startet, beide sind Alkoholiker.

    Solange ich denke, dass Obdachlosigkeit und mangelnde Hygiene ein zwingendes Kriterium für Alkoholiker sind, mag ich mich vielleicht nicht so nennen, das liegt aber eher an der Stigmatisierung des Begriffs und nicht an der tatsächlichen Definition.

    Alkoholiker sind nunmal Menschen die süchtig nach Alkohol sind. Das hat mit äusseren, inneren oder gesellschaftlichen Merkmalen nichts zu tun.

    Kann es sein, dass Du noch sehr jung bist, oder warum schreckt dich der Gedanke der lebenslangen Abstinenz so?

    Ich finde gerade am Anfang ist der Gedanke an eine lebenslange Abstinenz erschreckend.

    Sich einzugestehen, dass man bis zu seinem Ende etwas nie wieder machen kann, ist erschreckend, besonders wenn man sich andere Menschen anschaut, die diese Krankheit nicht haben.

    Auch die Einsicht, an etwas erkrankt zu sein für das es keine Heilung gibt, ist erschreckend.

    Wichtig ist, dass man sich dessen bewusst wird und dementsprechend handelt. Wenn man dabei erschrocken ist, ist es doch nur menschlich.

    Hi,

    ein kurzer Tipp meinerseits, da ich ähnlich denke.

    Konzentriere dich auf heute. Morgen ist ein anderer Tag, darum musst Du dich heute nicht kümmern. Was in 4 Monaten ist? Weiss ich nicht, denk am besten nicht darüber nach. Du wirst Gelegenheiten dazu haben wenn Du beim 4ten Monat bist. Bis dahin, Tag für Tag. Heute nichts trinken, morgen frisch und ohne Rest-Alk/Kater aufwachen.

    Wie hier schon oft geschrieben, es ist ein Marathon, kein Sprint.

    Ich verstehe den Wunsch, es schnell zu überstehen und wieder die/der Alte zu sein. Aber das wird nicht passieren. Freue dich darüber eine neue Person zu sein, eine die keinen Alkohol braucht.

    Du siehst ja die Früchte deiner Arbeit. Es wird immer nur besser, nicht schlechter. Zumindest wenn Du trocken bist.

    Mal ganz ehrlich, wer will schon zurück? Wir leben um uns zu entwickeln, ständig. Rückschritte sehen bequem aus, aber Du würdest genau wieder hier landen. Dann doch besser früher als später und immer wieder ;)

    LG, Paul

    Guten Abend an Alle,

    Ich möchte euch weiterhin auf dem Laufenden halten, deshalb ein kleines Update.

    Ich war übers Wochenende in meiner Heimatstadt, ein starker Trigger, da ich mich nicht erinnern kann, wann ich dort das letzte mal nicht gesoffen habe. Dazu brauchte es wie immer keine Gesellschaft, Discounter und PC reichten für viele Abende. Dementsprechend fuhr ich mit gemischten Gefühlen los, obwohl ich wusste, dass ich dieses Wochenende auch wieder trocken verbringen werde.

    Es hat sich dort im Grunde nicht viel verändert, fast wie eine Reise in die Vergangenheit. Nur eben diesmal das Novum, kein Alk. Das lief auch recht gut am Anfang und so verflog auch mein mulmiges Gefühl ein wenig. Dennoch blieb ich achtsam und vermeidete Gelegenheiten die mich noch zusätzlich triggern würden. So verging das Wochenende ruhig, kein Alk, kein garnichts. Habe diese Hürde gemeistert. Die letzte Nacht war dann wieder etwas unerfreulich, da ich geträumt habe, ich hätte irgendwo nen Shot getrunken, den zweiten hatte ich bereits in der Hand. Ich konnte mich nur nicht erinnern, wieso ich den ersten getrunken habe. Ich beschloss dann im Traum auf den zweiten zu verzichten, da ich ja kein Alkohol trinke. Den "Ausrutscher" wollte ich als solchen verbuchen, ging nur dieses mal nicht. Ich dachte nur noch daran, was für einen Mist ich gebaut habe, und wieso das Ganze. Kurz darauf bin ich aufgewacht, war nur ein Traum, Gott sei Dank. Scheinbar war mein mulmiges Gefühl nicht gänzlich unbegründet, ich wurde getriggert.

    Bin jetzt mittlerweile zuhause und fühle mich hier wie in einem Safe-Space. Der Gedanke an Alk kam erst, als ich den Ausflug nochmal Revue passieren hab lassen.

    Ich fühle mich soweit gut, dennoch nagt das etwas an mir. Könnte aber auch einfach nur an dem an sich anstrengenden Ausflug liegen. Ich bleib jedenfalls weiter in der Spur und beginne den morgigen Tag wie die letzten Tage zuvor auch. Vlt. überwiegt das gute Gefühl nichts getrunken zu haben ja morgen, Grund hab ich ja.

    In dem Sinne, einen guten Start in die Woche!

    Liebe Grüße,

    Paul

    Aber vielleicht ist es für einen stillen Mitleser ein Ansporn, ebenfalls aus der Suchtspirale auszusteigen. Es ist zu schaffen und wir sind da und unterstützen bei der Abstinenz!

    Ich war so ein stiller Mitleser. Dass ich ein Problem hatte wusste ich ja, nur der Weg raus war nicht zu sehen. Jeder Gedanke morgens war, heute wirst Du nicht saufen. Abends sah die Welt wieder ganz anders aus.

    Dennoch hat mir diese SHG einen Stups in die richtige Richtung gegeben. Dann begann die Arbeit. Nun sinds bald 2 Monate. Man kann es schaffen, man muss nur wissen wie.

    Ich hoffe einerseits, dass meine Erlebnisse jemandem helfen, andererseits hoffe ich, dass es nicht so viele da draussen gibt die so weit oder noch weiter waren wie/als ich (frommer Wunsch?)

    Nun denn, wir machen alle das beste draus, jeder für sich. So ist es gut.

    Ich frage mich manchmal, ob ich zu meiner nassen Zeit wirklich alt werden wollte. Jeder Tag war ja genau gleich, wie im Hamsterrad. Passiv den Tag überstehen, aktiv dicht-saufen, schlafen, von vorne. Wäre das meine einzige Option gewesen, ohne die Möglichkeit nüchtern zu leben, warum sollte ich das dann über Jahre ziehen? Da wäre ja nichts positives mehr gekommen, im Gegenteil. Also glaube ich dass der Wunsch alt zu werden und noch lange zu leben eine direkte Folge des Nüchternseins und des wiederentdeckten Lebens ist.

    Jeden Tag besoffen zu sein ist doch auch irgendwie langweilig. Null Abwechslung, ausser immer neue negative Folgen wegsaufen.

    ...der Rausch dh nach den 1ten 4 Gläsern hat mir in 45 Jahren nicht gefallen...

    irgendwie habe ich immer gewartet das ein bestimmtes Hochgefühl kommt, kam aber nie....Fazit: bis heute weiß ich nicht, warum nach dem 4tn Glas nicht Stopp war ??? Und ein Kater erst......eine grauenhafte Angelegenheit.

    Hallo 45Jahre_genug,

    Bei mir kam nach den 4 Gläsern nicht viel mehr. Da konnten noch weitere 10 Folgen, ich wurde gefühlt nicht betrunkener. Ich hab den Pegel gehalten könnte man sagen. Ich würde irgendwann müde, aber der Rausch wurde nicht stärker. Das war am Anfang anders, da wurde ichvrichtig besoffen, wie man es von normalen Leuten kennt. Nach 0,5 l Wodka hab ich nicht gelallt. Klar hab ich nichts auf die Reihe gekriegt, aber das war nüchtern (mit Restalkohol) auch nicht anders. Ich fühlte mich normal.

    Ein Hoch-Gefühl kam schon lange nicht mehr auf. Da hätte ich vermutlich gut über 1l Wodka trinken müssen.

    Bei meiner üblichen Dosis hatte ich auch keinen Kater am nächsten morgen. Ich sah scheisse aus, war etwas platt, aber ich habe funktioniert.

    Am Abend musste ich (die letzten Monate) mindestens meine 0,3 bis 0,4 l trinken, da ich sonst beim Abendessen mit der Gabel keine Erbsen oder d.g. mit der Gabel bis zum Mund transportieren konnte. Da war das zittern in den Händen schon zu extrem.

    Fazit: Gegen Ende brauchte ich den Alk, da ansonsten Entzugserscheinungen überhand nahmen. Ein Abend ohne konnte ich noch mit Mühe und Not kaschieren, die Nacht hingegen endete in Schlaflosigkeit mit Schwitzen, Zittern und Überempfindlichkeit.

    Alles einfach nur widerlich...

    Paul

    Guten Abend in die Runde,

    will mich nur mal melden und mitteilen, dass soweit alles gut bei mir ist. Bald sind es Monate trocken. Wirklich stolz bin ich irgendwie nicht, schon ein bisschen, aber eben nicht so als wenn ich wirklich was weltbewegendes erreicht habe. Dazu ist es zu sehr eine Selbstverständlichkeit geworden nichts zu trinken.

    Gelegentlich kommt die Stimme im Hinterkopf wieder auf und erinnert an das entspannende Gefühl wenn man was getrunken hat. Ich denk dann immer an das Gefühl Minuten später, wenn ich den nächsten und den nächsten Schluck nehme und es dann kein Halten mehr gibt. Da will ich nicht hin, also fällt auch der erste vermeintlich entspannende erste Schluck flach.

    So geht es langsam aber stetig vor sich hin, ohne wirklich grössere Ereignisse.

    Positiv ist: Meine kognitiven Fähigkeiten scheinen besser zu werden. Ich diskutiere besser, argumentiere und verliere nicht den Faden. Ich streite mich auch nicht mit meiner Frau wegen irgend nem kleinen Mist.

    Gut zu wissen, dass es wohl doch am Alk lag und somit an mir.

    In den Beiträgen der Cos sehe ich mich zwar nicht zu 100% wieder, aber es gibt (gab) erschreckende Parallelen. Auch ich wusste nicht wann Schluss ist, alles drehte sich nur um Alk und irgendwie den Tag überstehen bis wieder Alk da ist. Plus natürlich die miese Laune, Gereiztheit und Desinteresse am Leben.

    Gut, dass das vorbei ist. Den Rausch vermisse ich nicht extrem. Es wäre gelogen wenn ich sagen würde, dass mir am Rausch nichts gefallen hat, sonst wäre ich ja kein Alki geworden. Aber ich lerne Tag für Tag die positiven Seiten des nüchternen Lebens mehr und mehr zu schätzen. Das macht mich glücklich.

    Euch allen eine schöne Woche und liebe Grüße,

    Paul

    Guten Mittag an Alle,

    mir geht es soweit gut, hoffe euch Allen auch. Die letzte Zeit ist nichts spektakuläres passiert, dennoch möchte ich mich mal wieder melden.

    Gestern war ich auf einer Networking-Veranstaltung die nicht sonderlich spannend war, aber trotzdem gut dass ich da war. Es gab ein gutes Buffet, alkoholfreie Getränke und Bier. Ich hab Interessehalber mal beobachtet, wie viele Leute Softdrinks oder Wasser trinken, und wie viele Bier. Es waren sehr wenig Biertrinker gegen, fast alle waren mit Wasser oder Softdrink unterwegs. Weiss nicht wieso mich das plötzlich interessiert hat, aber irgendwie freute es mich, dass es absolut normal war kein Alkohol zu trinken als umgekehrt. Keine Service-Leute die es einem anbieten, keiner der überreden will, sehr entspannt.

    Momentan denke ich eh über andere Sachen nach als meine Alkoholkrankheit. Jetzt wo es wieder wärmer wird, Tendenz Richtung heiss, überlege ich ob ich die Blumen draussen nicht umstellen sollte, ob ich die Klimaanlage irgendwie vernünftig anschliessen kann, ob es mal wieder Zeit ist im Bad die Armaturen zu entkalken, und und und...

    Also wie Anfangs erwähnt, nichts Spektakuläres. Nur der kleine, feine Unterschied: So ist das Leben. Besoffen hab ich mir um sowas null Gedanken gemacht, son richtiges Leben war es halt auch nicht. Ich geniesse es, dass es zwar was zu tun gibt, es aber nicht immer aufregend ist. Langsam hab ich auch das Selbstbewusstsein wieder auch den banalen Dingen des Lebens nüchtern zu begegnen.

    In dem Sinne, euch alles Gute!

    Paul