Beiträge von Soapstar

    Hallo releaseme,

    Wenn wir wegen dem Trinken diskutieren dann kommt so oft von ihm, dass es ja wegen der Arbeit ist

    ich bin mir sicher, dass du so ähnliche Antworten auch schon bekommen hast, aber ich kann dir zumindest mal berichten, warum ich wahrscheinlich jedes Wochenende bis zur Besinnungslosigkeit getrunken habe:

    - Weil ich Alkoholiker bin und es außerhalb eines vollständig auf Abstinenz ausgerichteten Lebens nicht kontrollieren kann.

    Das waren aus meiner Sicht alle Gründe. Ich habe lange die Gründe mit den Folgen verwechselt: Ich dachte, ich trinke, weil ich nicht in meiner kargen Bude in dem Asi-Block hocken will. Ich trinke, weil mein Job scheiße ist und keinen Spaß macht. Ich trinke, weil ich keine Partnerin habe.

    All das habe ich jahrelang vor mir selbst genutzt, um von Freitag bis Sonntagmittag einen riesigen Vollrausch mit mir rumzutragen. Dabei hatte ich wegen dieser Vollräusche und deren Folgen (zusätzlich zu dem Geld, was ich dem Wirt gegeben habe, kamen in schöner Regelmäßigkeit Geldstrafen und Anwaltskosten hinzu) eine karge, kleine, beschi**ene Bude, keine Freundin (war natürlich im ganzen Umkreis als krasser Trinker bekannt, da ergab sich natürlich nichts) und im Job ging es nicht vorwärts. Zwar nicht unbedingt wegen meiner Leistung, die war eigentlich immer gut, besonders am Montag wollte ich allen inkl mir beweisen, dass ich sicher kein Alki bin, denn die kommen montags ja gar nicht.

    Aber ich hatte einfach 0,0 Resilienz gegenüber den kleinsten Widerständen und bin regelmäßig ausgeflippt wegen Nichtigkeiten. So wurde ich natürlich nirgends berücksichtigt wenn es um bessere Posten ging, trotz ganz guter Qualifikation, Industriemeister-Abschluss usw.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Einen Grund zum Saufen hätte ich jederzeit gefunden und vielleicht ist auch bei deinem Mann der Job ja nur so anstrengend, weil er eben säuft. Aus diesem Blickwinkel kann ich mittlerweile ganz gut an meinen Problemen und an meiner Nüchternheit gleichzeitig arbeiten, weil ich die Chronologie endlich verstanden habe.

    VG und viel Kraft für alle weiteren Schritte

    Soapstar

    Hallo zusammen,

    ich wollte mich auch mal wieder zu Wort melden und ein bisschen den neuesten Stand mitteilen.

    Ich bin immer noch trocken und aktuell nicht mehr ganz so neidisch auf trinkende Mitmenschen, wie das vor ein paar Wochen noch der Fall war. Ich fülle meine Wochenenden weiterhin mit etwas Sport, lesen etc., aber ich schaffe es aktuell auch, einfach mal nichts zu tun.

    Das finde ich gerade wirklich schön, einfach mal nichts zu tun, weil man nicht möchte und nicht, weil man vor lauter Katerdepris einfach nicht kann. Ich lese dann auch öfter hier im Forum oder in meiner AA-Literatur, auch wenn ich in dieser immer wieder feststelle, dass Glaube, Gott usw. doch irgendwie nicht meins ist. Aber das darf zum Glück jeder für sich selbst interpretieren.

    Was ich zum Schluss noch dalassen möchte, ist ein Spruch, den ich eigtl im Fitnessstudio gesehen habe, der aber auch für uns m.M.n. passend ist:

    You can have results or excuses, not both!

    An den muss ich gerade öfter denken, wenn doch mal wieder der Gedanke an Bier anklopft. Jetzt wünsche ich Euch allen mal ein schönes Wochenende und bis bald!

    VG Soapstar

    Hallo zusammen,

    wir hatten neulich in meiner SHG das Thema "alkoholfreies Zuhause". Natürlich auch "alkoholfreie Hotelzimmer" oder ähnliches... Ich dachte bis jetzt auch immer, dass man Alkohol zuhause schon aushalten muss, wenn man trocken sein möchte.

    Aber mir haben dort jahrzehntelang trockene Alkoholiker gesagt, dass im Falle eines eventuellen Rückfalls die zehn Minuten, die ich noch zur Tanke brauche, vielleicht die zehn Minuten sind, die über Leben und Tod entscheiden. Und dass sie eben nie wissen, wie es Ihnen morgen geht oder was morgen passieren mag und das trifft ja auf uns alle zu.

    Habe dann in Absprache mit meiner Lebensgefährtin unsere Wohnung sofort alkoholfrei gestaltet.

    Viele Grüße Soapstar

    Und der war?

    Dass ich lesen wollte, dass jemand viel krasser und mehr und schlimmer trinkt als ich. Ich wollte wohl gar nicht lesen, dass sich jemand als Alkoholiker bezeichnet, der ab und zu mal ein bisschen mehr Wein trinkt als ihm vielleicht guttut. Ich muss das Buch nochmal lesen, es ist schon ein paar Jahre her. Aber in meiner Erinnerung hat der Protagonist verglichen mit mir sehr wenig getrunken.

    Der positive Aspekt ist wiederum der Gedanke "Wenn der Alkoholiker ist, kann ich mich nicht mehr raus reden".

    Nach dem Motto "So schlimm ist es bei mir ja noch nicht"

    Hi Alex,

    diese Sichtweise ist natürlich weitaus gesünder, aber der Alkoholiker neigt halt doch eher dazu, sich "Vorbilder" zu suchen, die mehr trinken als er selbst. Dann funktioniert das "so schlimm bin ich ja nicht" länger und besser ;)

    Ansonsten fand ich noch gut:

    „Nüchtern“ von Daniel Schreiber

    Hallo Thalia,

    dieses Buch hab ich auch sehr gern gelesen. Aber irgendwie dachte ich mir die ganze Zeit "wenn ich so wenig trinken würde wie Daniel Schreiber, käme ich niemals auf die Idee, ein Problem zu haben".

    Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, aber da hat mir das "wenn der aufhören kann, kann ich das auch" gefehlt, weil ich wahrscheinlich an einem Wochenende mehr getrunken habe als er in 10 Tagen. Und das meine ich jetzt nicht heroisch oder so.

    VG Soapstar

    Und jetzt findest Du keinen Abschluss. Die Arbeit ist erledigt, was nun? Samstag u. Sonntag nichts zu tun, eine lange Zeit bis Montag endlich wieder die Routine zuschlägt.

    Dabei sind doch gerade diese zwei Tage die einzigen in der Woche in denen Du doch machen kannst was Du schon immer machen wolltest. Bis jetzt hast Du nicht gewusst wie Du diese Tage für DICH nutzen kannst. Also, ab in den Biergarten und die lästige Freizeit versaufen bis endlich wieder Montag ist.

    Hi Paul,

    wenn ich das so lese, klingt das unglaublich trist und traurig, aber genau so ist es bisher gewesen!

    Das bringt mich echt gerade zum Nachdenken, danke dafür! Ehrlich gesagt liebe ich die Arbeit gar nicht so sehr, aber ich kann sonst auch nix anderes.

    Zumindest nicht handwerklich, das kann ich nicht und es macht mir auch keinen Spaß. Was davon jetzt zuerst da war, weiß ich nicht, da ist es wie mit der Henne und dem Ei. :)

    Trotzdem hast du hier glaube ich einige Nägel auf den Kopf getroffen, das muss ich jetzt mal sacken lassen und verarbeiten.

    Danke nochmal und viele Grüße

    Soapstar

    Deine offene Art finde ich sehr gut. Du schreibst z.B.( vollgepisst und/ oder vollgekotzt 🤑).Das sind ganz genau solche Dinge und noch andere Peinlichkeiten, welche die Hardcoralkoholiker kennen.

    Hallo Bono,

    danke für deine netten Worte und guten Wünsche! Ich finde, dass gerade im Zusammenhang mit den wirklich ekligen Seiten des Alkohols bzw. des Alkoholismus die derbe Wortwahl die einzig richtige ist.

    Hier muss man wirklich nix beschönigen, sondern kann das Kind ruhig beim Namen nennen. Bei mir ist bzw. war die Inkontinenz (glücklicherweise"nur" Urin) in besoffenem Zustand tatsächlich auch hin und wieder ein Thema. Das macht natürlich die Tage danach nochmal um ein Vielfaches schlimmer, wenn zu den Schuldgefühlen und der Antriebslosigkeit auch noch der totale Verlust der Selbstachtung hinzukommt. Rein physisch gesehen vielleicht normal, dass man nach 15 Bier und komatösen Zuständen nix anderes erwarten kann. Aber auch hier hat mein Gehirn das zum nächsten Wochenende wieder verdrängt gehabt oder zumindest als "nicht so wild" abgetan.

    Dabei sollte das einem Erwachsenen ohne sonstige körperliche Einschränkungen ja eigtl sofort zu denken geben und auch sofort zum Handeln verleiten. Mein Handeln war aber nur "ich muss halt vorher besser essen" oder "ein Esslöffel Olivenöl vor dem Saufen" wirkt bestimmt Wunder. Doch du kennst ja die Definition von Wahnsinn mit "immer das Gleiche tun und andere Ergebnisse erwarten", ich denke die passt bei uns Alkoholikern wie die Faust aufs Auge.

    Wenn ich gerade so darüber schreibe, ist das auch wieder ein Motivator, die lebenslange Abstinenz als einzigen Ausweg zu betrachten, da ich das nie mehr erleben will. Zumindest nicht aus alkoholbedingten Gründen.

    Danke dafür und an alle sorry für das nicht so appetitliche Thema, aber zumindest bei mir ist das einfach mit der Grund, mir endlich auch den Alkoholismus einzugestehen.

    Hallo Hera,

    also ich kämpfe da nicht jede Sekunde, ganz so extrem ist es nicht. Aber schon häufig und es wird gerade wieder mehr. Die ersten paar Wochenenden waren die Erinnerungen an die letzten Abstürze noch sehr präsent und das Verlangen deswegen sehr klein. Aber die Erinnerungen verblassen leider viel schneller als der Gedanke an "gesellige Runden".

    Zu dem Punkt von Nayouk24 muss ich auch zugeben, dass ich beides vermisse. Meine Freunde trinken auch häufig und auch viel, aber sie kennen ihre Grenzen und bringen sich mit Alkohol nicht in Schwierigkeiten, ganz im Gegensatz zu mir. Und es sind ganz einfach meine Freunde und die möchte ich auch nicht verlieren. Die Saufbekanntschaften haben sich über die Jahre eh von selbst aussortiert.

    Aktuell will ich sie aber nicht unbedingt treffen, da ich, wie schon geschrieben, tatsächlich neidisch drauf bin, nicht kontrolliert trinken zu können, echt total bescheuert. Ich will hier aber keine Lanze für kontrolliertes Trinken brechen, ganz bestimmt nicht. Ich weiß, dass das für mich 100% ausgeschlossen ist. Ich hoffe einfach, dass mir die Zeit und ein paar Ablenkungen hier helfen, das Gehirn etwas umzuprogrammieren. Aber aktuell hat die Sauferei halt zwei Jahrzehnte Vorsprung, da ist sicher noch etwas Geduld gefragt.

    Hi zusammen,

    natürlich habt Ihr vollkommen recht, dass die Tage danach absolut schrecklich waren. Körperlich gar nicht so sehr, Sodbrennen und Matschbirne halt. Aber psychisch war ich tatsächlich zuletzt immer ein einziges Wrack.

    Und dennoch vermisse ich aktuell die Zeiten,in denen man sich freitags zum Trinken getroffen hat, so bescheuert das auch klingen mag.

    Ob ich in einem Jahr noch trocken bin? Ich weiß es nicht, ich wünsche es mir auf jeden Fall. Ich weiß, dass man dazu was tun muss und dafür besuche ich aktuell 2x die Woche die Meetings der AA. Der Austausch mit Betroffenen tut mir auch wirklich gut, mit dem Rest kann ich mich dort aktuell noch nicht so recht anfreunden. Außer mit dem 24h-Prinzip, das klingt echt praktikabel.

    Bei Caritas und der Diakonie war ich schon bei der Suchtberatung, aber der Austausch mit studierten Sozialarbeitern, die Alkoholismus vielleicht in der Theorie in- und auswendig kennen, aber das Gefühl nicht kennen, für ein Bier wirklich alles zu tun, hat mir persönlich nicht viel gebracht.

    Arbeiten geh ich tatsächlich auch und wie ich schon geschrieben habe, trank und trinke ich nie unter der Woche deswegen. Ich hatte also mein ganzes Trinkerleben tatsächlich immer fünf oder sechs nüchterne Tage am Stück und nie Entzugserscheinungen. Aber das Wochenende war halt immer die perfekte Verbindung von "keine Arbeit" und Bier. Das bekomm ich aktuell noch nicht so richtig aus dem Kopf.

    Da ich (man muss wohl sagen leider) gelernter Brauer bin (aber nicht mehr als Brauer arbeite), hab ich halt auch einen großen Freundes-und Bekanntenkreis aus diesem Dunstkreis und das macht die ganze Sache nochmal ein paar Prozent schwieriger als bei anderen Leute, schätze ich mal.

    Trotzdem wieder vielen Dank für die Tipps, die Wünsche und den Austausch mit Euch!

    VG Soapstar

    Hi Kazik,

    aktuell schaffe ich es zwar echt gut, nix zu trinken. Einfach weil ich weiß, dass es in eines der "3 Ks" (Knast, Krankenhaus oder Klapsmühle) führen würde.

    Aber das " Suchtgedächtnis" zu ignorieren, fällt mir gerade heute an einem sonnigen Freitagnachmittag doch wieder eher schwer :( Das wäre bis vor kurzem ein Tag gewesen, den ich auf jeden Fall im Biergarten verbracht hätte und das weiß mein Gedächtnis leider auch.

    Auch Ablenkung im Sinne von Spazieren oder Radfahren bringt mir heute gar nichts, da ich gefühlt nur noch neidischer auf alle normal trinkenden Leute werde. An einem Tag wie heute unterstelle ich unterbewusst jeder und jedem, dass sie oder er jetzt bestimmt saufen geht und Spaß hat und dieser Spaß für mich nie mehr möglich sein wird.

    Hier hoffe ich einfach mal auf den Faktor Zeit.


    VG Soapstar

    Hallo DTH77,

    ja, die Gewissensbisse, Schuldgefühle und Kater fehlen mir tatsächlich kein bisschen. ;)

    Aber im Moment ist in meinem Gehirn einfach noch so fest verankert, dass ein Wochenende nur Sinn ergibt, wenn man sich nach getaner Arbeit auch ordentlich belohnt, sprich Vollrausch. Oder dass man zu nem Treffen mit Kumpels vorher fragt, ob genug Bier vorrätig ist oder ob man noch was mitbringen soll.

    Ich mach ja schon andere Sachen wie etwas Sport, Lesen, Spazieren, Fernsehen etc. Aber ich hab halt sonst an den Wochenenden ca. 20 Stunden gesoffen, die lassen sich nicht ohne Weiteres einfach anderweitig auffüllen. Und dann kommt diese unsägliche Langeweile und der Gedanke an "vielleicht ginge ja wenigstens eine Halbe" (wobei ich ja als Wirkungstrinker eh gleich bei 5 wäre).

    Mir ist natürlich klar, dass das alles seine Zeit braucht, aber ich bin nicht unbedingt geduldig und aktuell bade ich da schon ziemlich in Selbstmitleid, v.a. jetzt wenn das Biergartenwetter kommt.

    Aus dem "ich darf nicht trinken" ein "ich will nicht trinken" machen, das müssen wir schaffen. Aber aktuell bin ich da noch meilenweit davon entfernt und gefühlt wird es gerade eher schlimmer als besser. Habe ich früher den Montag verflucht, ist es aktuell der Freitag und der Samstag, weil ich an diesen Tagen einfach besonders kämpfen muss, um nix zu trinken. Da habe ich richtiges Verlangen. Ich bin auch kein "ich kann auch ohne Alkohol Spaß haben"-Typ, ganz im Gegenteil. Ich will aktuell niemanden treffen oder sehen etc., weil ich die Trinker immer noch eher beneide als bemitleide.

    Total hirnrissig, ich weiß, aber das ist einfach meine aktuelle Gefühlslage.

    VG Soapstar

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum und wie ich es geschafft habe, über Jahrzehnte den Alkohol aus meinem Alltag zu verbannen und ihn voll und ganz aufs Wochenende zu verlegen. Hab auch manchmal gedacht, trink lieber jeden Tag zwei Bier statt am Samstag 15, aber das ist für mich wegen des Rauschs, den ich ja haben wollte, keine Option gewesen.

    Hatte tatsächlich auch nie Ärger mit dem Arbeitgeber, dem Führerschein oder ähnlichem, dafür dann gegen Ende meiner bisherigen Trinkerkarriere andere Geschichten wie Kneipenschlägereien o.ä. Mal mehr, mal weniger schuld, aber halt doch oft irgendwie dabei. Wir haben bei uns im Kaff halt auch nur zwei Kneipen und da trifft sich dann der ganze Ort, sprich man sieht zwangsläufig auch die Menschen, mit denen man halt nicht besonders kann.

    Leider bin ich besoffen auch nicht leicht in die eine oder andere Richtung verändert, wie die meisten meiner Freunde, sondern dann eine komplett andere Persönlichkeit. Vor der ich mittlerweile auch Angst habe, dass sie mich irgendwo hinbringt, wo ich nicht sein möchte. Krankenhaus, Psychiatrie, Gefängnis oder ähnliches. Also ich bin nicht wahnsinnig aggressiv oder auf Stress aus, aber sehr redselig und auch manchmal etwas arrogant, was ich nüchtern von mir nicht kenne.

    Diese Angst vor mir selbst gibt mir allerdings auch die Zuversicht, wirklich ein alkfreies Leben bestreiten zu können, da ich Gefängnis etc. einen zu hohen Preis dafür finde, aus nichtigen Anlässen betrunken zu sein. Aktuell bin ich jeden Samstagmorgen und Sonntagmorgen froh, nüchtern in meinem Bett aufzuwachen und möchte dieses Gefühl nicht mehr missen.

    Es gilt jetzt halt noch, wie vorhin beschrieben, auch den Freitagabend und den Samstag mit sinnvollen und freudebringenden Tätigkeit auszufüllen, und zwar komplett. Das sind die Zeiten, in denen ich mir noch verloren vorkomme und auch ein gewisses Selbstmitleid oder auch Groll gegenüber mir selbst aufkommt. (Warum können alle jetzt fröhlich im Biergarten sitzen, nur ich nicht usw.)

    Aber da bin ich dran und auch sehr gewillt, dies zu ändern und zu schaffen. Vielen Dank für die aufmunternden Worte, Ideen, Tipps oder auch Warnungen! Das weiß ich wirklich zu schätzen... VG

    Und wenn du einen Gutschein bekommst, ein Jahr lang zu saufen, was das Zeug hält?;)

    Guter Punkt, aber nein, ich weiß schon, dass es einfach nicht mehr geht.

    Die "geilen Erinnerungen" an die Partys mit Mitte 20 oder vielleicht noch mit Anfang 30 sind Erinnerungen und lassen sich nicht einfach wiederholen.


    Ich verstehe, was du meinst, aber ich habe es einfach reduziert, dass ich nicht mehr saufen kann – nicht im Sinne von runterschlucken, sondern dass ich nicht mehr damit umgehen kann.

    Ich habe mir schon eingestanden und ja auch schon geschrieben, dass es mittlerweile einfach nicht mehr geht, dass jeder Heimweg zum Glücksspiel wurde und dass das Aufhören vor dem kompletten k.o. schon ewig nicht mehr möglich war. An diesem Punkt des "es geht nicht mehr" bin ich also wirklich schon!

    Vielen Dank Euch allen für die vielen, schnellen Antworten und v.a. die hilfreichen Tipps!

    Tatsächlich ist das mit dem "veränderten Belohnungszentrum" schon eine super Idee, die ich auch schon 1 - 2x umgesetzt habe.

    Dadurch, dass ich eigtl jedes Wochenende in Kneipen war und als exzessiver Trinker eigtl pro Wochenende schon mindestens hohe zweistellige, eher dreistellige Beträge liegen gelassen habe, freut sich das Konto aktuell natürlich sehr. Und Turnschuhe für 70 € erscheinen gleich in einem ganz anderen Licht, wenn man am Tag davor nicht 100 € versoffen hat ;) wieder so ein Suchtding, was auch der Raucher oder andere kennen. Egal wie "schlecht" das Gehalt oder wie unverschämt die Steuererhöhungen auch waren, man spart irgendwann an Allem, nur nicht daran, was einen eigentlich ruiniert.

    Da ich aus einer Gegend komme, der man gemeinhin die Neigung zum Geiz nachsagt (zwischen Stuttgart und Augsburg :D), ist der finanzielle Aspekt der Abstinenz für mich tatsächlich schon eine große Hilfe beim Trockenbleiben! Aber natürlich nicht die einzige und nicht die dominierende, keine Sorge. Danke nochmal an Euch alle!

    Hi zusammen,

    ich wollte mal fragen, ob folgendes Denkmuster oder folgende Gefühle (weiß gar nicht genau, was es eigentlich ist) "normal" oder "bekannt" in unserer Gemeinschaft der Alkoholiker sind:

    Ich bin jetzt im 7. trockenen Wochenende (die Wochen dazwischen natürlich auch, da ich aber Wochenendsäufer bin bzw. hoffentlich war, zähle ich für mich anders) und die Euphorie des Nichttrinkens lässt gerade extrem nach.

    Die ersten Wochenenden waren geprägt von Freude über die zusätzliche Zeit am Wochenende, die man quasi bekommt, weil man nicht mehr verkatert, verschwitzt, von Sodbrennen und Schuldgefühlen geplagt auf dem Sofa liegt, sondern voller Energie was erledigen oder unternehmen kann. Das verstärkte wiederum das Gefühl und die Überzeugung, dass Abstinenz der einzige Weg für mich sein kann.

    Aktuell ist von dieser Anfangseuphorie nicht mehr viel übrig, ganz im Gegenteil: Gestern Nachmittag zum Feierabend dachte ich mir die ganze Zeit "wegen mir kann das Wochenende direkt übersprungen werden, ich darf ja eh nix trinken, also was soll ich mich jetzt freuen, nur weil Freitag und Samstag ist". Bin da halt über Jahrzehnte so konditioniert.

    Hab auch alle Vorhaben im Freundeskreis abgelehnt (Fußball gucken, auf ein Konzert gehen), da die für mich in der Vergangenheit für 100%igen Absturz standen und ich nüchtern aktuell eigentlich auf gar nichts Lust habe. Schon gar nicht, anderen beim Saufen zuzuschauen. Ich bin wirklich neidisch auf die trinkenden Menschen und hadere mit meiner Entscheidung, das Problem jetzt endlich angehen zu wollen.

    Paradoxerweise bin ich neidisch, obwohl ich genau weiß, dass ich zwar mit meinen Freunden und Bekannten zu trinken beginnen würde, irgendwann würden diese aber müde und zufrieden nach Hause ins Bett gehen, weil ihre "Füllstandssonde" gesagt hat "es reicht jetzt". Diese ist bei mir leider defekt oder nie verbaut worden. Ich bin also neidisch, obwohl ich genau weiß, dass ich höchstwahrscheinlich vollgekotzt und mit vollgepisster Hose auf einem Gehweg aufwachen würde oder im Krankenhaus oder in der Ausnüchterungszelle. Das ist echt ein krasser Beweis für die Macht des Alkohols, dass ich ihn trotz dieses Wissens aktuell immer noch begehre.

    Ich lenke mich zwar ab, rede mit meiner Partnerin darüber, lese in der AA-Literatur und gehe Radfahren oder Spazieren, aber der Dämon flüstert mir trotzdem die ganze Zeit ein "soll das jetzt für den Rest deines Lebens das Wochenende sein, auf welches du fünf Tage die Woche hinarbeitest? C'mon, gönn dir doch was, du hast jetzt 7 Wochen nix getrunken, andere saufen jeden Tag" usw.usf. Das beschäftigt mich gerade wirklich sehr, auch wenn ich keinen eigentlichen "Saufdruck" verspüre, sondern eher etwas traurig bin, dass mir nüchtern scheinbar überhaupt nix Spaß macht. Ich hoffe, das ändert sich noch.

    Habt ein schönes Wochenende und viele Grüße

    Soapstar