Soapstar Wenn "Feiern" schon lange kein "Feiern" mehr ist

  • Hallo zusammen, ich war der typische Wochenendtrinker, der unter der Woche nie getrunken hat, dafür ab Freitag dann exzessiv und mit komplettem Kontrollverlust. Das ist mittlerweile so schlimm geworden, dass ich kaum mehr in meinem eigenen Bett aufgewacht bin, sondern auf Gehwegen, in Gebüschen, in Krankenhäusern oder Ausnüchterungszellen. Seit 2 Monaten besuche ich regelmäßig die AA-Meetings in meiner Stadt. Ich habe einen sehr trinkfreudigen Freundeskreis und habe mich selbst so konditioniert, dass zu jedem Anlass der Alkohol den Spaß bringt, ob beim Fußball, auf Partys oder auch einfach am Samstag im Garten. Deshalb führe ich gerade ein trockenes, aber auch ziemlich freudloses Leben. Ich möchte lernen, wieder ohne Alkohol Spaß zu haben.

  • Willkommen bei uns im Alkoholiker-Forum,

    Sein Trinkverhalten zu hinterfragen und zu erkennen, dass man es nicht mehr unter Kontrolle hat, ist bereits ein wichtiger Schritt.

    Vorweg: Hier tauschen sich ausschließlich trockene oder trocken werdende Alkoholiker aus, die eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Du schreibst, dass du exzessiv trinkst und zu eine r shg gehst aber ich lese nicht heraus, dass du Alkoholiker bist.

    Wie sieht es bei dir aus, und hast du auch den Wunsch, eine lebenslange Abstinenz anzustreben?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut, ich besuche die AA-Meetings, da ich eine lebenslange Abstinenz anstrebe. Natürlich bezeichne ich mich als Alkoholiker. Ich denke, dass nicht jeder Alkoholiker hierzu eine ärztliche Diagnose o.ä. vorliegen hat, ebenso wie es halt Unterschiede zwischen Spiegeltrinkern, Wochenendtrinkern und noch ein paar anderen gibt?

  • Natürlich bezeichne ich mich als Alkoholiker. Ich denke, dass nicht jeder Alkoholiker hierzu eine ärztliche Diagnose o.ä. vorliegen hat, ebenso wie es halt Unterschiede zwischen Spiegeltrinkern, Wochenendtrinkern und noch ein paar anderen gibt?

    Nun ist das der Vorstellungsbereich, und wir haben unsere klaren Richtlinien. Du würdest nicht glauben, wie oft es Diskussionen um das Wort Alkoholiker gibt. Deshalb ist es auch die Eingangsfrage oder besser gesagt die Eintrittsvoraussetzung bei uns.

    Wann hast du das letzte Mal Alkohol getrunken?

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Ich bezeichne mich als Alkoholiker, da ich, wenn ich angefangen habe zu trinken, nicht mehr kontrollieren kann, wann ich damit aufhöre. Auch nicht, obwohl ich weiß, dass mir der Konsum Ärger, Sorgen und Ängste bereitet. Ich würde nicht von Depressionen sprechen, da dies ja ein eigenes Krankheitsbild ist, aber vielleicht von depressiver Verstimmung.

    Mein letzter Alkoholkonsum und somit auch mein letzter Vollrausch war am 14.06.2025.

  • Mein letzter Alkoholkonsum und somit auch mein letzter Vollrausch war am 14.06.2025.

    Ok, dann passt alles und für den Austausch steht hier nichts mehr im Wege, nur noch eine kleine Formalität.

    Kurz auf den unteren Link drücken, um die Freischaltung zu bitten, und der nächst mögliche Moderator wird dich an die richtige Stelle des Austauschs verschieben.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Und schon bist du freigeschaltet und an die richtige Stelle verschoben.

    Du kannst dich jetzt überall austauschen, aber vermeide es in den ersten vier Wochen im Vorstellungsbereich.

    Hier schon mal etwas zum Stöbern.


    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hi zusammen,

    ich wollte mal fragen, ob folgendes Denkmuster oder folgende Gefühle (weiß gar nicht genau, was es eigentlich ist) "normal" oder "bekannt" in unserer Gemeinschaft der Alkoholiker sind:

    Ich bin jetzt im 7. trockenen Wochenende (die Wochen dazwischen natürlich auch, da ich aber Wochenendsäufer bin bzw. hoffentlich war, zähle ich für mich anders) und die Euphorie des Nichttrinkens lässt gerade extrem nach.

    Die ersten Wochenenden waren geprägt von Freude über die zusätzliche Zeit am Wochenende, die man quasi bekommt, weil man nicht mehr verkatert, verschwitzt, von Sodbrennen und Schuldgefühlen geplagt auf dem Sofa liegt, sondern voller Energie was erledigen oder unternehmen kann. Das verstärkte wiederum das Gefühl und die Überzeugung, dass Abstinenz der einzige Weg für mich sein kann.

    Aktuell ist von dieser Anfangseuphorie nicht mehr viel übrig, ganz im Gegenteil: Gestern Nachmittag zum Feierabend dachte ich mir die ganze Zeit "wegen mir kann das Wochenende direkt übersprungen werden, ich darf ja eh nix trinken, also was soll ich mich jetzt freuen, nur weil Freitag und Samstag ist". Bin da halt über Jahrzehnte so konditioniert.

    Hab auch alle Vorhaben im Freundeskreis abgelehnt (Fußball gucken, auf ein Konzert gehen), da die für mich in der Vergangenheit für 100%igen Absturz standen und ich nüchtern aktuell eigentlich auf gar nichts Lust habe. Schon gar nicht, anderen beim Saufen zuzuschauen. Ich bin wirklich neidisch auf die trinkenden Menschen und hadere mit meiner Entscheidung, das Problem jetzt endlich angehen zu wollen.

    Paradoxerweise bin ich neidisch, obwohl ich genau weiß, dass ich zwar mit meinen Freunden und Bekannten zu trinken beginnen würde, irgendwann würden diese aber müde und zufrieden nach Hause ins Bett gehen, weil ihre "Füllstandssonde" gesagt hat "es reicht jetzt". Diese ist bei mir leider defekt oder nie verbaut worden. Ich bin also neidisch, obwohl ich genau weiß, dass ich höchstwahrscheinlich vollgekotzt und mit vollgepisster Hose auf einem Gehweg aufwachen würde oder im Krankenhaus oder in der Ausnüchterungszelle. Das ist echt ein krasser Beweis für die Macht des Alkohols, dass ich ihn trotz dieses Wissens aktuell immer noch begehre.

    Ich lenke mich zwar ab, rede mit meiner Partnerin darüber, lese in der AA-Literatur und gehe Radfahren oder Spazieren, aber der Dämon flüstert mir trotzdem die ganze Zeit ein "soll das jetzt für den Rest deines Lebens das Wochenende sein, auf welches du fünf Tage die Woche hinarbeitest? C'mon, gönn dir doch was, du hast jetzt 7 Wochen nix getrunken, andere saufen jeden Tag" usw.usf. Das beschäftigt mich gerade wirklich sehr, auch wenn ich keinen eigentlichen "Saufdruck" verspüre, sondern eher etwas traurig bin, dass mir nüchtern scheinbar überhaupt nix Spaß macht. Ich hoffe, das ändert sich noch.

    Habt ein schönes Wochenende und viele Grüße

    Soapstar

  • Ohne Alkohol zu leben und sich trotzdem nicht frei zu fühlen, ist keine Ausnahme. Die Euphorie, die manche mit Abstinenz verbinden, ist oft nur das stille Bewusstsein: Ich muss nicht mehr trinken. Doch wer jahrelang von der Sucht geprägt war, weiß, dass dieser Verzicht keine Befreiung ist, sondern ein ständiger innerer Kampf mit dem Suchtgedächtnis.

    Das Suchtgedächtnis bleibt wachsam. Es flüstert, es schmeichelt, es bietet sich wieder als Lösung an ganz leise, ganz beiläufig. Es erinnert an die Zeit, in der Alkohol alles war: Allzweckwaffe, Trostspender, Fluchtpunkt. Er war immer präsent. Er bestimmte den Rhythmus des Tages, formte Reaktionen auf Gefühle, war Antwort auf Stress, Freude, Trauer, Einsamkeit.

    Nun ist er weg. Doch das Leben bleibt gleich.. Ohne den gewohnten Filter wird alles spürbarer – und das muss eben erst neu erlebt werden .

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • und die Euphorie des Nichttrinkens lässt gerade extrem nach.

    Hallo Soapstar und herzlich willkommen, das ist doch normal, nur nicht trinken ist halt irgendwann langweilig. Ich hab mir ehrgeizige sportliche Ziele gesetzt (Planke mit Handstand, 100 LS etc.) ich mache jetzt schon 150 Liegestütze in mehreren Sätzen mit minipausen, Kniebeugen, meine Klimmzugstange wird wieder installiert und ich bin da wirklich eisern, so eisern das meine Frau schon genervt ist :)

    Für mich ist das gefühl nach dem Training einfach unbeschreiblich, die Fortschritte die ich mache bestätigen mich in meiner Abstinenz und sind eine Wohltat für meinen ehemals geplagten Körper. Vielleicht wäre das ja etwas für dich? Mir hilft es jedenfalls sehr.

  • hallo Soapstar ,

    diese gefühlslage ist mir von meiner ersten "trockenen" zeit auch bekannt;)dass ändert sich aber auch im laufe der zeit. dein kopf (belohnungszentrum) ist momentan noch auf deine wochenendtrinkerei getrimmt. sprich du rackerst die woche und dein kopf triggert schon das wochenende, weil es da als belohnung nach einer langen und arbeitsreichen woche was zu trinken gab. wie gesagt das legt sich, es ist immer eine gradwanderung nicht abzurutschen und dem verlangen nach alk nachzugeben. aber du packst das schon richtig an, fährst fahrrad, gehst spazieren beschäfftigst dich halt, dass ist unsagbar wichtig:idea: alte eingeschliffene gewohnheiten brauchen ihre zeit damit sie geändert werden können. das wird schon werden und kopf hoch, du bist schon weit gekommen:) im übrigen, kann man sich auch anders belohnen zb. mit frauchen essen gehen, sich etwas kaufen was man schon lange im auge hatte usw. so wird die negative mit alkohol besetzte belohnung ersetzt durch etwas positives...alles was dich trocken hält ist nicht falsch;)

    grüsse

  • Vielen Dank Euch allen für die vielen, schnellen Antworten und v.a. die hilfreichen Tipps!

    Tatsächlich ist das mit dem "veränderten Belohnungszentrum" schon eine super Idee, die ich auch schon 1 - 2x umgesetzt habe.

    Dadurch, dass ich eigtl jedes Wochenende in Kneipen war und als exzessiver Trinker eigtl pro Wochenende schon mindestens hohe zweistellige, eher dreistellige Beträge liegen gelassen habe, freut sich das Konto aktuell natürlich sehr. Und Turnschuhe für 70 € erscheinen gleich in einem ganz anderen Licht, wenn man am Tag davor nicht 100 € versoffen hat ;) wieder so ein Suchtding, was auch der Raucher oder andere kennen. Egal wie "schlecht" das Gehalt oder wie unverschämt die Steuererhöhungen auch waren, man spart irgendwann an Allem, nur nicht daran, was einen eigentlich ruiniert.

    Da ich aus einer Gegend komme, der man gemeinhin die Neigung zum Geiz nachsagt (zwischen Stuttgart und Augsburg :D), ist der finanzielle Aspekt der Abstinenz für mich tatsächlich schon eine große Hilfe beim Trockenbleiben! Aber natürlich nicht die einzige und nicht die dominierende, keine Sorge. Danke nochmal an Euch alle!

  • , ist der finanzielle Aspekt der Abstinenz für mich tatsächlich schon eine große Hilfe beim Trockenbleiben!

    Und wenn du einen Gutschein bekommst, ein Jahr lang zu saufen, was das Zeug hält?;)

    Ich verstehe, was du meinst, aber ich habe es einfach reduziert, dass ich nicht mehr saufen kann – nicht im Sinne von runterschlucken, sondern dass ich nicht mehr damit umgehen kann. Es waren nur Nuancen auf meinem Weg, aber das macht es dann irgendwie einfacher.

    Und reduziert alle Hintertüren, wo sich die Sucht wieder einschleichen kann, und ich brauche keine Durchhalteparolen.

    Es geht nicht mehr, Fertig.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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