Hi zusammen,
ich wollte mal fragen, ob folgendes Denkmuster oder folgende Gefühle (weiß gar nicht genau, was es eigentlich ist) "normal" oder "bekannt" in unserer Gemeinschaft der Alkoholiker sind:
Ich bin jetzt im 7. trockenen Wochenende (die Wochen dazwischen natürlich auch, da ich aber Wochenendsäufer bin bzw. hoffentlich war, zähle ich für mich anders) und die Euphorie des Nichttrinkens lässt gerade extrem nach.
Die ersten Wochenenden waren geprägt von Freude über die zusätzliche Zeit am Wochenende, die man quasi bekommt, weil man nicht mehr verkatert, verschwitzt, von Sodbrennen und Schuldgefühlen geplagt auf dem Sofa liegt, sondern voller Energie was erledigen oder unternehmen kann. Das verstärkte wiederum das Gefühl und die Überzeugung, dass Abstinenz der einzige Weg für mich sein kann.
Aktuell ist von dieser Anfangseuphorie nicht mehr viel übrig, ganz im Gegenteil: Gestern Nachmittag zum Feierabend dachte ich mir die ganze Zeit "wegen mir kann das Wochenende direkt übersprungen werden, ich darf ja eh nix trinken, also was soll ich mich jetzt freuen, nur weil Freitag und Samstag ist". Bin da halt über Jahrzehnte so konditioniert.
Hab auch alle Vorhaben im Freundeskreis abgelehnt (Fußball gucken, auf ein Konzert gehen), da die für mich in der Vergangenheit für 100%igen Absturz standen und ich nüchtern aktuell eigentlich auf gar nichts Lust habe. Schon gar nicht, anderen beim Saufen zuzuschauen. Ich bin wirklich neidisch auf die trinkenden Menschen und hadere mit meiner Entscheidung, das Problem jetzt endlich angehen zu wollen.
Paradoxerweise bin ich neidisch, obwohl ich genau weiß, dass ich zwar mit meinen Freunden und Bekannten zu trinken beginnen würde, irgendwann würden diese aber müde und zufrieden nach Hause ins Bett gehen, weil ihre "Füllstandssonde" gesagt hat "es reicht jetzt". Diese ist bei mir leider defekt oder nie verbaut worden. Ich bin also neidisch, obwohl ich genau weiß, dass ich höchstwahrscheinlich vollgekotzt und mit vollgepisster Hose auf einem Gehweg aufwachen würde oder im Krankenhaus oder in der Ausnüchterungszelle. Das ist echt ein krasser Beweis für die Macht des Alkohols, dass ich ihn trotz dieses Wissens aktuell immer noch begehre.
Ich lenke mich zwar ab, rede mit meiner Partnerin darüber, lese in der AA-Literatur und gehe Radfahren oder Spazieren, aber der Dämon flüstert mir trotzdem die ganze Zeit ein "soll das jetzt für den Rest deines Lebens das Wochenende sein, auf welches du fünf Tage die Woche hinarbeitest? C'mon, gönn dir doch was, du hast jetzt 7 Wochen nix getrunken, andere saufen jeden Tag" usw.usf. Das beschäftigt mich gerade wirklich sehr, auch wenn ich keinen eigentlichen "Saufdruck" verspüre, sondern eher etwas traurig bin, dass mir nüchtern scheinbar überhaupt nix Spaß macht. Ich hoffe, das ändert sich noch.
Habt ein schönes Wochenende und viele Grüße
Soapstar