Vorwürfe produzieren bei den meisten keine Annahmebereitschaft von Kritik, sondern Abwehr oder Ignoranz.
Und das ist der Knackpunkt. Wenn mich eines jedoch die Sucht gelehrt hat, sie ist anders und läuft eben nicht nach Norm. Wie ich mit Vorwürfen umgeh, ist für mich eine Form meiner Selbsthilfe. Wie ich mit harten oder weiche Worte umgehe, ebenso. Lob und Kritik kommt in dieselbe Schublade. Praktisch jedes Wort, was Sucht betrifft. Es kann so einfach sein. Aber ich haue auch mal irgendwas raus, was ich in den nächsten Tage andere sehe
Es kommt aber auch darauf an, in welcher Phase der Sucht ich stecke. Will ich erstmal nichts davon hören, weil ich mich durch die Vorwürfe belasten und ich mich selbst schützen will oder bin ich schon so weit, sie an mich heranzulassen um genauer hinzuschauen.
Ich habe es etwas auch einfacher als der CO. Ich komme hier rein, bekenne mich als Alkoholiker und bin auf dem Weg. Dann kommen Angehörige hier rein und wissen noch gar nicht, dass sie CO sind. Und deswegen auch das Ausmaß, was die Kinder betrifft, noch gar nicht so recht auf dem Schirm haben.
Da haut dann schon mal so ein Vorwurf rein. Was jedoch in meinen Augen erstmal nichts anderes sind als eigene Projektionen.
Inwiefern haben EKAs aus ihren erlebten Familiensystemen denn die Möglichkeit, mit hier aufschlagenden Alkoholikern und Cos zusammen eine Lösung für deren Kinder in einem anderen Familiensystem zu finden?
Ich habe das Gefühl, dass du irgendein Weg suchst, der eine Allroundlösung beinhaltet? Den gibt es jedoch nicht. Hier ist nur Selbsthilfe. Für mich war wichtig vieles von den Erfahrungen, die hie geschrieben worden sind, für mich mitzunehmen.
verstehe ich es gerade so, als ob Vorwürfe nicht nur irgendwie entlastend und daher legitim für die leiderfahrenen EKA, sondern auch Basis für eine herbeizuführende Veränderung sein sollen.
Für wen entlastend? Für den EKA oder meintest du belastend für den Alkoholiker? Und sind Vorwürfe denn nicht immer legitim, zumindest bis sie be oder entkräften werden? Na ja, mir hat es schon geholfen, wenn Beteiligte mit mir ein Gespräch suchten. Zumindest änderte sich danach der Blickwinkel oder das Verstehen. Mittlerweile sind ja auch 16 Jahre bei mir vergangen und es ist so weit alles geklärt.
Jetzt muss ich mir den Vorwurf machen, von dem Thema weg gekommen zu sein. 