Die Frage war immer: Wer ist man?
Klar, ich sag manchmal „man macht das so“ aber nicht bei der Sucht. Die ist persönlich. Die gehört nur mir.
Wenn ich „man“ sage, dann such ich unbewusst nach Absolution. Ich hol mir andere mit ins Boot, damit ich mich nicht so allein fühle. Aber bei der Sucht bin ich allein. Ich bleibe trocken nur für mich. Alles andere ordnet sich dieser Entscheidung unter.
Priorität 1 ist Trocknen bleiben " Wer das nicht versteht, nimmt mich nicht ernst. Oder hat kein echtes Interesse daran, wie es mir wirklich geht. Ich stehe und falle mit mir und meiner Nüchternheit. Trockene Alkoholiker, die in der Familie/ Bekannte/ Freunde Zugeständnisse machen und dafür ihre Abstinenz aufs Spiel setzen, tun das entweder, weil sie nichts von Sucht verstehen – oder weil es ihnen egal ist, ob sie rückfällig werden.
Meistens steckt ein schlechtes Gewissen dahinter. Weil durchs Saufen viel kaputtgemacht wurde . Aber das gehörte eben zum nassen Leben. Und nicht zum Trockenen Leben, meine rjetzigen Abstinenz. Ich stehe dazu, was ich kaputtgemacht habe. Aber ich laufe heute nicht gebückt rum.
Die Schäden, die andere durch mein Trinken und Suchtverhalten erlitten haben, sind zwar auf mein Verhalten zurückzuführen, aber wenn sie über Jahre hinweg toleriert wurden, liegt die Verantwortung nicht allein bei mir. Wer sich nie aus der Schusslinie gebracht hat, sollte sich vielleicht mal fragen, warum das so ist. Und jetzt soll ich Wiedergutmachung leisten auf Kosten meiner Abstinenz? Rücksicht nehmen darauf, dass der eine oder andere mit seinem Verhalten meine Abstinenz gefährdet? In meiner Gegenwart keine Rücksicht auf meine Risikominimierung nimmt? "Nöö"![]()
Zerbrochene Scherben aus dem nassen Leben müssen woanders geklärt werden. Wenn es bei manchen nicht mehr klappt, weil zu viel zerbrochen ist dann ist das so. Das gilt es zu akzeptieren. Das ist der Preis, den ich durch mein Saufen zahlen muss, egal ob vor meiner Sucht oder mit meiner Sucht, was keinen Unterschied macht. Aber ich zahle diesen Preis nicht mit meiner Abstinenz. Die bleibt bestehen.