Beiträge von Hartmut

    Die Frage war immer: Wer ist man?
    Klar, ich sag manchmal „man macht das so“ aber nicht bei der Sucht. Die ist persönlich. Die gehört nur mir.
    Wenn ich „man“ sage, dann such ich unbewusst nach Absolution. Ich hol mir andere mit ins Boot, damit ich mich nicht so allein fühle. Aber bei der Sucht bin ich allein. Ich bleibe trocken nur für mich. Alles andere ordnet sich dieser Entscheidung unter.


    Priorität 1 ist Trocknen bleiben " Wer das nicht versteht, nimmt mich nicht ernst. Oder hat kein echtes Interesse daran, wie es mir wirklich geht. Ich stehe und falle mit mir und meiner Nüchternheit. Trockene Alkoholiker, die in der Familie/ Bekannte/ Freunde Zugeständnisse machen und dafür ihre Abstinenz aufs Spiel setzen, tun das entweder, weil sie nichts von Sucht verstehen – oder weil es ihnen egal ist, ob sie rückfällig werden.
    Meistens steckt ein schlechtes Gewissen dahinter. Weil durchs Saufen viel kaputtgemacht wurde . Aber das gehörte eben zum nassen Leben. Und nicht zum Trockenen Leben, meine rjetzigen Abstinenz. Ich stehe dazu, was ich kaputtgemacht habe. Aber ich laufe heute nicht gebückt rum.

    Die Schäden, die andere durch mein Trinken und Suchtverhalten erlitten haben, sind zwar auf mein Verhalten zurückzuführen, aber wenn sie über Jahre hinweg toleriert wurden, liegt die Verantwortung nicht allein bei mir. Wer sich nie aus der Schusslinie gebracht hat, sollte sich vielleicht mal fragen, warum das so ist. Und jetzt soll ich Wiedergutmachung leisten auf Kosten meiner Abstinenz? Rücksicht nehmen darauf, dass der eine oder andere mit seinem Verhalten meine Abstinenz gefährdet? In meiner Gegenwart keine Rücksicht auf meine Risikominimierung nimmt? "Nöö";)

    Zerbrochene Scherben aus dem nassen Leben müssen woanders geklärt werden. Wenn es bei manchen nicht mehr klappt, weil zu viel zerbrochen ist dann ist das so. Das gilt es zu akzeptieren. Das ist der Preis, den ich durch mein Saufen zahlen muss, egal ob vor meiner Sucht oder mit meiner Sucht, was keinen Unterschied macht. Aber ich zahle diesen Preis nicht mit meiner Abstinenz. Die bleibt bestehen.

    Mal ein Tipp von einem unverbesserlichen „alten weisen Mann“ symbolisch gesehen;)


    Ich lass Gefühle so, wie sie sind. Ich analysiere nicht alles bis ins letzte Detail. Klar, jedes Gefühl hat seinen Grund, aber wenn es mir gut geht, frag ich nicht, woher das kommt. Dann geht’s mir halt gut fertig. Und wenn’s mir schlecht geht, aber nicht so, dass es mich länger einschränkt, dann ist das auch okay.

    Wichtig ist doch nur eins, dass daraus keine Aktion entsteht, die mich als Alkoholiker wieder in Gefahr bringt. Es gibt auch keine Richtlinie, die sagt, Irgendwann muss die Anfangseuphorie vorbei sein. Wenn du bis zum Lebensende pfeifend und zufrieden durch die Gegend läufst dann passt das doch auch

    Und ganz ehrlich:.Jeden Furz zu analysieren ist doch anstrengend. Die meisten sind längst verflogen, stinken schon lange nicht mehr aber man hängt trotzdem noch an der Analyse. Irgendwann muss man auch mal sagen, machen wir weiter, hier gibt’s nichts mehr zu riechen.

    Was ich gut finde, ist, dass du alles schreibst und dich nicht erschreckst, wenn mal unangenehme Erfahrungen zurückkommen

    Hilfe in Anspruch zu nehmen ist wichtig, sei es durch reale Selbsthilfegruppen, Online-SHG, Suchtberatung, Therapie, ambulante oder stationäre Maßnahmen oder Psychotherapeuten.

    Es gibt viele Möglichkeiten, aber sie sind nur dann wirklich wertvoll, wenn sie für mich persönlich sinnvoll sind. Gerade am Anfang des Weges ist die Verzweiflung oft groß, aber es hilft nicht, sich mit allem zu überfordern. Hierhin gehen, dort etwas machen, einen Podcast hören, noch eine Gruppe besuchen und dann auch noch schauen, wie andere Wege aussehen das bringt nur Verwirrung.

    Je mehr ich mache, desto lauter schreit die Verzweiflung in mir.:whistling: .

    Nicht die Menge an Hilfe hat mich trocken gemacht, sondern meine eigene Selbsthilfe. Hilfe muss umgesetzt werden, nicht nur besprochen. "Tun muss man tun" Ich wusste am Anfang gar nicht, was richtig ist, war unsicher.

    In unserer Online-SHG haben wir eine Blaupause, die ich erstmal umgesetzt habe, bis Stabilität da war. Mit der Zeit im trockenen Leben konnte ich immer noch justieren, mich informieren, neue Wege anschauen aber die erste Zeit war entscheidend.

    Falsche Uhrzeit da gewesen. Morgens ist keine Sauferei dort.

    Das war dir nicht bewusst?

    Angenommen, du bist trotzdem hingegangen dann war das eine bewusste Konfrontation mit Alkohol. Dass Saufgedanken kommen, wenn alle um dich herum trinken, besonders am Anfang des Weges, ist absehbar. Vor allem, wenn du weißt, dass du schon zigmal rückfällig geworden bist. Es dann trotzdem zu schaffen, nichts zu trinken, hat was mit Kampf zu tun.


    Es gibt Ansätze der Konfrontationstherapie, die so etwas propagieren, aber ich kenne niemanden, der das auf Dauer nüchtern durchgehalten hat. Jeder kann das sehen, wie er will. Und wenn einer im Biergarten trocken werden will und bleibt, dann ist alles gut. Am Ende zähle nur ich.

    Ich persönlich habe Probleme mit dem Begriff „Stolz“, besonders im Zusammenhang mit Krankheit. Ich war gerade erkältet, bin auf dem Weg der Besserung – soll ich jetzt stolz sein, weil ich wieder gesund werde? Als ich getrunken habe, war ich derjenige, der am meisten vertragen hat, der am meisten wegstecken konnte.

    Schnell Trinken, ein Liter Bier in unter fünf Sekunden darauf war ich auch stolz. Und ich war auch stolz, ein paar Tage nicht trinken zu müssen. Es folgte jedoch nur eine Trinkpause nach der anderen.

    Deshalb hat „trocken bleiben“ für mich nichts mit Stolz zu tun. Beim Trockenbleiben muss mir niemand auf die Schulter klopfen auch ich mir selbst nicht. Es ist eine Notwendigkeit. Eine Lebensaufgabe. Eine Strategie, um nicht rückfällig zu werden, um gesund zu bleiben. Aber was passiert, wenn der Stolz nachlässt? Wenn die Motivation schwindet? Dann bin ich immer noch süchtig.

    Genieß ruhig eine Weile die Anfangseuphorie, aber vergiss nicht, Trocken zu bleiben ist nichts Außergewöhnliches, es muss zur Normalität werden. Eine andere Chance hat ein Alkoholiker nicht.

    lso nur ein kleiner Teil der Suchtkranken schafft eine dauerhafte Abstinenz, viele schaffen es nicht

    Da hast du recht, aber ich stehe nicht in einem Wettbewerb mit anderen, sondern es geht nur um mich.

    Das war ein krasses Erlebnis, es war in der Sauna wo andere Parallel gesoffen haben und Ich habe NEIN gesagt- so geil!!! War stolz wie Sau, habe mich sehr gefreut.

    Hatte ich überlesen.

    Was machst du in einer Sauna, wenn dort gesoffen wird? in der der Sauna? Und wieso bist du stolz? Weil du nichts getrunken hast? Das machen Millionen andere Menschen auch nicht. Tipp: Hör auf zu kämpfen. Such dir ein trockenes Umfeld, und wenn dort gesoffen wird, verlasse es. Versuch es mal ein Jahr lang, um stabiler zu werden.

    Vorgestern und gestern noch schlimmer kam mir in den Kopf, Saufen, saufen irgendwie möchte ich saufen. Ich dachte scheiße, dir geht es doch dann so schlecht aber trotzdem wollte ich saufen. Ich fragte mich: WILLST DU SAUFEN? NEIN!! Ich so: Hä?? Die Gedanken sagen Saufen, Saufen ich will Saufen. Wie geht das? Ich fragte nochmals WILLST DU SAUFEN?? NEIN. N-E-I-N Das ist ja krass mein Kopf sagt saufen aber ich sagte nein. Das muss dieses Suchthirn, Suchtgedächnis sein, wovon hier im Forum berichtet wird. Das war krass. Ich habe mich für NEIN entschieden- sonst FAST IMMER direkt losgefahren Saufen.


    Mit dem Suchthirn zu diskutieren, kann man versuchen. Manche setzen sich hin, führen innerlich Gespräche mit sich selbst und kommen am Ende zu dem Entschluss: „Nein, ich trinke nicht.“ Doch ist das wirklich effektiv?

    Hat das in der Vergangenheit bei all den Rückfällen geholfen? Das Suchthirn akzeptiert kein Nein, es wurde jahrelang darauf trainiert, dass seine Lösung, das Saufen, nicht nur vorgeschlagen, sondern auch umgesetzt wird. Etwas anderes kennt es nicht.

    Ich habe es anders gemacht. Ich ließ solche Suchtdruck- und Saufgedanken zu, dachte sie aber nicht zu Ende. Ich ging nicht darauf ein, sondern warte ab. Ich weiß, Suchtdruck vergeht. Es ist nur vorübergehend.

    Saufgedanken sind Nebenwirkungen der Krankheit, der Sucht. Ähnlich wie bei Medikamenten: Wenn ich Nebenwirkungen davon habe, diskutiere ich ja auch nicht mit der Tablette. Ich nehme sie zur Kenntnis und lasse es dabei.

    Ich kenne keinen Saufdruck und keine Suchtgedanken mehr in diesem Sinne. In den letzten 18 Jahren kamen höchstens leichte Anflüge, aber ich habe sie weiterziehen lassen, denn sie gehören nicht mehr zu mir.

    Hallo Manni, dann hat ja alles funktioniert.

    Magst du uns mal grob deine Geschichte erzählen? Viermal Entgiftung sagt ja nicht viel aus.

    Wie lange trinkst du schon, und wann wurde dir klar, dass du Alkoholiker bist? Nur ein paar Eckdaten, damit wir dich besser kennenlernen können.


    Hier schon mal etwas zum Lesen.


    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Servus Manni und willkommen bei uns!

    Ja, jedes Mal Entzug und neu anfangen, das ist schon zermürbend. Das hat aber ja seine Gründe.

    Aber bevor wir uns darüber austauschen, gehen wir mal strukturiert vor.;)

    Das Forum und der Austausch richtet sich nur für bekennende Alkoholiker, die sich auch als solche bezeichnen und eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Ich sehe oder lese nicht, ob du Alkoholiker bist oder dich als solchen betrachtest, nur dass du es diesmal in den Griff bekommen möchtest. Wie sieht es bei dir jetzt genau aus?

    Willkommen bei uns!

    Ich fühle mich heute soweit ok. Im Kopf bin ich etwas klarer als gestern. Emotional geht es etwas auf und ab aber ich denke das ist normal wenn ich mich nicht betäube, zumindest fühle ich etwas und ich versuche es zuzulassen was mir das Gefühl gibt lebendig zu sein.

    Wenn einem bewusst wird, dass man Alkoholiker ist, bricht erstmal ein emotionales Chaos los. Nach dem letzten Glas wird plötzlich deutlich, was der Alkohol angerichtet hat mit mir, mit meinem Umfeld. Ja, das kommt alles hoch. Und ja, das bleibt auch. Erinnerungen verschwinden nicht einfach.

    Aber ständiges Grübeln bringt nichts. Einige wollen alles akribisch aufarbeiten, das war nie mein Weg. Finde deinen eigenen. Wichtig ist jedoch erstmal, stabil trocken zu werden. Denn auf wackligen Füßen läuft man höchstens einen Sprint. Und trocken werden ist ein Marathon. Alles andere, wie das Aufarbeiten, hat ja erstmal Zeit. Die Vergangenheit bleibt, egal wie viel du analysierst.;)

    Das ist mein üblicher Klartext, so tausche ich mich aus, ohne Beschönigung, ohne Tamtam, aber nur wegen der Sucht. Also nimm es bitte nicht persönlich.Und Klartext heißt auch, Jeder trockene Tag lohnt sich. Jeder einzelne bringt dir das Leben zurück, das du an der Theke verloren hast. Auch wenn du’s dir gerade nicht vorstellen kannst es wird besser. Aber es liegt an dir.


    Was du vorhast, finde ich gut, gezielt vorgehen. Neue Struktur, neue Tagesabläufe, neue Inhalte für die Zeit, die früher dem Alkohol gehörte. Neue Hobbys, alkoholfreies Umfeld, Sauf-Freunde aussortieren weg damit. Darum sollte es dir jetzt gehen. Alles andere folgt

    Die Grundbausteine hast du sicher schon gelesen?

    Ende November sind mein Mann und ich auf einen runden Geburtstag eingeladen. Ein wirklich langjähriger guter Freund. Man sieht sich jeweils nur 2x im Jahr zum Geburtstag.

    Er ist uns wichtig. Er gehört nicht zu den Hardcore-Säufern da er einen Job ausübt für den er die Pappe braucht. Kann ich mir das zutrauen?

    Was andere saufen oder wie oft ich sie sehe, ob Freund oder Feind, hat mit meiner Sucht nichts zu tun. Ob jemand viel säuft oder wenig, ist völlig belanglos.;) Wenn das Glas eine Handbreit vor mir steht und es zum gemeinsamen Anstoßen kommt, entscheidet nicht die Strategie, die ich mir vorher zurechtgelegt habe, sondern der Moment selbst.

    Dann zählen die Stimmung, die Gruppendynamik und das Gefühl, dazugehören zu wollen. Emotionen kochen dabei immer unweigerlich hoch.. Und wenn ich schon im Vorfeld denke: „Uii, da kommt was auf mich zu, wie soll ich mich verhalten?“, dann lasse ich es.

    Sucht ist nicht beeindruckt von Plänen oder klugen Gedanken. Sie reagiert auf Trigger , auf Druck, auf Emotion.

    Zum Einkaufen, ich nehme den Alkohol beim Einkaufen nicht mehr bewusst wahr. Nur noch vereinzelt, wie ein Schatten am Regal. Aber egal ist er nicht. Solange er das tut, was er getan hat, ist es völlig unerheblich, welche Gründe es gibt –warum, wieso, ob die Gesellschaft daran verdient oder irgendjemand davon profitiert. Mir könnte er eben schaden.

    Wenn ich heute ein schlechtes Gefühl habe, bleibe ich weg. Ganz einfach. In den letzten 18 Jahren hat mich niemand mit Waffengewalt gezwungen, irgendwo teilzunehmen. Und wenn jemand meint, er müsse die Freundschaft kündigen, weil ich nicht auf seinem Geburtstag war dann war er nie ein Freund.

    Aber, meine „Freunde“ wissen, dass ich nichts mehr trinke. Sie sind informiert. Wer das nicht respektiert, hat sich selbst disqualifiziert. Ich muss mich nicht erklären, nicht rechtfertigen, nicht entschuldigen.

    Dir weiterhin ein gutes Gelingen.

    . Gleichwohl erlaube ich mir dabei auch schon, mir meinen Teil dahingehend zu denken und vielleicht zu bedenken zu geben, dass nicht alle Menschen gleich sind, andere Lebensgeschichte haben und dennoch, womöglich unter anderen Voraussetzungen bemüht sind, ein neues Leben zu leben...

    Der Klassiker an sich. Wer sind andere Menschen? Wer sind sie denn? Was hat das mit der Sucht zu tun? Warum sind diese "anderen Menschen" überhaupt süchtig geworden, wenn sie doch so anders sind?

    Sucht macht doch keinen Unterschied . Das nächste Glas, das ist wichtig.

    Ich habe schon immer die Meinung

    Erfahrung schlägt Meinung. Ich hatte genug Meinungen, sie haben mich jedoch nicht trocken gemacht.

    Auch nicht die Verluste haben die Wende gebracht, nicht Geld, nicht Menschen, nicht Scham. Der Wendepunkt war die Erkenntnis, dass ich alkoholkrank bin und dass die Sucht mein Leben steuert und mich umbringt.

    Verluste kann ich ersetzen, das sind keine Tiefpunkte. Sucht hört jedoch nicht auf, bis ich sie stoppe, denn sie folgt ihren eigenen Regeln. Hat ihre eigenen Gesetze und richtet sich nicht nach Meinungen.

    Sie orientiert sich an der Risikominimierung, nicht mehr und nicht weniger. Wie viele Kompromisse ich mir selbst zugestehe, ist mein persönliches Restrisiko.

    Dann nützt es auch wenig, dass der eine mit dieser Art, der andere mit jener Art trocken bleibt. Er hat ja nichts mit mir zu tun. Und wenn jahrzehntelange Erfahrungen die Grundbausteine ins Leben gerufen haben, hat das auch einen Grund. Friedhöfe sind voll mit individuellen Helden.

    Jeder, der nüchtern bleibt, hat natürlich recht, doch das ist keine Frage eines Jahres, sondern eines ganzen Lebens.

    Wenn unsere Erfahrungen abweichen, hat das Gründe. Und wer nur mit Willen trocken bleiben möchte, der kann das tun, aber er macht aus einer Notwendigkeit einen Wettbewerb.

    Aber hier in diesem Thread geht es um Stigmatisierung. Alles, was damit nichts zu tun hat, kann im eigenen Thread geschehen.

    Ja, Forum du hast wieder mal bewiesen, dass du eine Gratulation wert bist.:thumbup:

    21 Jahre Forum - über 17 Jahre bin ich dabei. Das ist länger als jede Beziehung die ich je hatte... ^^

    Ich bin jetzt seit 18 Jahren und rund 9 Monaten hier also sind wir beide ähnlich lange dabei. Eine Forenbeziehung, die hält.. Wer hätte das geglaubt ? :whistling: Aber nicht nur wir: Einige halten diesem Forum seit Jahren die Treue. Und das hat ja Gründe.


    Den Admin hast du erwähnt . Auch die Moderatorinnen und Moderatoren, ob aktuell oder früher, gehören genannt. Und nicht zu vergessen, die, die das Forum überhaupt ins Leben gerufen haben. Ohne sie gäbe es das hier nicht. Das Forum am Laufen zu halten, ist ja schließlich kein Selbstläufer. Es braucht Einsatz, Geduld und manchmal ein dickes Fell.

    Aber klar ist auch, die beste Struktur bringt nichts ohne die User. Die, die sich austauschen, ehrlich sind, Fragen stellen, Erfahrungen teilen. Sie machen das Forum zu dem, was es heute ist, eines der größten für Alkoholiker.

    Jeder leistet seinen Beitrag. Wenn wir das Forum nicht als selbstverständlich betrachten, bleibt es uns noch viele Jahre erhalten und das mit einem klaren Prinzip. Qualität vor Quantität.

    Alkoholsucht, Co-Abhängigkeit und das Aufwachsen bei Alkoholikern sind Themen, die man nicht einfach beiläufig behandeln kann.

    Das Thema ist nicht neu und kommt natürlich immer wieder. In den letzten 18 Jahren, in denen ich den Job hier mache, sind ständig neue Alkoholiker dazugekommen. Und ich werde ganz sicher nicht müde, es immer wieder aufzugreifen auch wenn bei manchen die Augenbrauen hochgehen und sie murmeln: „Ach, das schon wieder…“ Ja, genau das schon wieder.


    Ich trete das Thema bewusst temporär breit – damit auch in der letzten Ecke des Forums keiner sagen kann, er hätte es nicht mitbekommen. :whistling::mrgreen: Und nein, ich bin nicht auf der Brennsuppe hergeschwommen (den Spruch hab ich, glaube ich, aus dem bayerischen Raum mitgenommen). Ich weiß, dass es Arbeitgeber gibt, die wenig bis gar keine Ahnung haben. Die stressen, das Leben schwer machen wie all die anderen Halbwissenden und Noch-Säufer.

    Ja, aber das ist die Minderheit. Es wird jedoch nicht besser, wenn man ein Beispiel hundertmal wiederholt und hofft, dass sich dadurch das große Bild ändert. Klar, sich zu outen und die Welt darüber zu informieren, ist nicht jedermanns Sache. Das muss es auch nicht sein. Niemand muss sich dafür rechtfertigen, wenn er es nicht tut , das ist völlig in Ordnung, für sich selbst und seinen Schutz.


    Vielleicht hätte ich den Thread anders benennen sollen mein Fehler.:whistling:

    Zum Beispiel: „Wie kann man durch Outing das Stigma bekämpfen?“ Aber nun ist er hier, und wer sich angesprochen fühlt, darf gerne mitdenken oder mitdiskutieren und meinen Liebreiz erfahren, da ich es natürlich anders sehe.:mrgreen:

    Wieso schützt es mich z.B. auf der Arbeit? Verstehe ich nicht. Bei mir wird nicht getrunken.

    Dann verstehe ich nicht, warum du antwortest, wenn es nicht notwendig ist?

    Bei mir war es üblich, nach einem gewissen Erfolg die Gläser zu heben. Da stand immer eine Flasche Sekt oder etwas anderes bereit, und bei Meetings wurde auch getrunken. Und bevor ich mich jedes Mal in eine unangenehme Lage bringen muss, um mich zu erklären, ist es doch besser, mit offenen Karten zu spielen.

    Ist das meine Aufgabe?

    Wo steht, dass das deine Aufgabe ist?

    Für mich wäre es nur scheinheilig, einerseits die Stigmatisierung zu beklagen und andererseits sich hinter der Sucht zu verstecken. Diese Doppelmoral ist genau das, was ich hier anspreche.

    Wenn es einen nicht betrifft, muss man sich doch hier nicht beteiligen, oder? Du bist doch schon seit Jahren trocken und gehst deinen Weg. Das Thema hatten wir beide schon öfter, aber es hat doch nichts mehr mit dir zu tun.

    Der Unterschied zwischen Auffassung und Meinung ? Erfahrung hebt beides aus den Angeln.

    Hier würde ich um ein wenig Sensibilität ersuchen. Und über Schicksale anderer sollte man meines Erachtens hier nicht diskutieren, denke ich.

    Und genau darum geht es doch . Wir sind jedoch keine Beratungsstelle, sondern ein Selbsthilfeforum. Hier geht’s darum, sich selbst zu helfen nicht blind irgendwas nachzuäffen. Niemand hier steht unter Betreuungspflicht. Es ist eine Alkoholiker-Selbsthilfegruppe.

    Alle sind über 18 , alle entscheiden selbst. Die Sensibilität liegt darin, Rückfälle zu vermeiden die im schlimmsten Fall tödlich enden können. Ist dir denn nicht bewusst, welche Existenzen dabei zusammenbrechen? Wird das weggewischt und abgetan mit "Mir passiert sowas nicht"?

    Und was befähigt einen User hier, einem anderen seine Selbsthilfe abzunehmen?

    Dass du einen lockeren Umgang mit der Sucht hast, das lese ich ja. Es ist ein Weg, der nicht empfehlenswert ist. Und wenn du dich angesprochen fühlst, kannst du dir Gedanken machen, warum das so ist. Aber sicherlich nicht zum Maßstab nehmen, dass es auf dich gemünzt ist.

    Hier sind auch andere User.

    Wer das Stigma beklagt, sollte sich fragen, ob er es nicht selbst mitträgt. Darum ging’s in diesem Thread.

    Es geht dabei vor allem darum, das Stigma zu durchbrechen.

    . Ich weiß ja, worauf ich mich einlasse, wenn ich Dir widerspreche. Das mache ich nur, wenn ich gute Argumente UND gut gefrühstückt habe.

    Das kann ich verstehen, ich möchte hier und da mit mir selbst auch nicht diskutieren.:whistling::saint:

    Der Thread dreht sich genau darum oder sollte darauf hinauslaufen, etwas gegen Stigmatisierung zu unternehmen.

    Auch wenn es zunächst nur "Absichtserklärungen" sind, ist das kein schlechter Plan, wenn der Ruhestand absehbar ist.

    Ich denke, das Forum hier mit seinen 853.702 Beiträgen hat auch eine solide Grundlage, um sein Wissen an der Realität und nicht an der Theorie anzupassen. :whistling: Und es gibt nichts Besseres als einen bekennenden Alkoholiker, der aus eigener Erfahrung berichtet..

    Alles bleibt beim Alten. 😉 Die Begründungen sind bekannt. Ein paar „Vertraute“ werden eingeweiht , in der Hoffnung, dass es dort bleibt. Reicht aber, wenn einer plaudert, und schon ist die Diskretion futsch.


    „Könnte im Job schaden“ – kommt zuverlässig. Ein Schutzschild gegen Offenheit, gestützt auf reine Annahmen. Deshalb sag ich: Wer’ es erfahren hat, soll erzählen. Ich bin kein Fan von Hörensagen. Das macht abhängig von Gerüchten. Und ich war abhängig, saufen zu müssen.

    Und wer sich schon im Vorfeld mit Händen und Füßen gegen Offenheit wehrt, sollte sich nicht über Stigmatisierung beklagen.
    Klar, das eigene Hemd ist näher als die Hose. Und nein – es braucht kein großes Outing. Aber ein bisschen mehr Ehrlichkeit würde dem Bild gut tun. Wer das Stigma beklagt, sollte sich fragen, ob er es nicht selbst mitträgt. Darum ging’s in diesem Thread.

    Dass mein offener Umgang mit meiner Suchterkrankung im persönlichen Bereich nicht nur positive, sondern auch negative Folgen haben kann, muss mir dabei bewusst sein.

    Da hast du und alle anderen recht. Wir werden nicht jeden überzeugen können. Vor allem nicht die, die selbst noch saufen. Die verstehen das nicht. Die Welt wird ja nicht in meinem direkten Umfeld trockener, nur weil ich aufgehört habe zu saufen.Und wenn ich dann mit genau solchen Leuten beruflich oder privat zusammensitze, besteht eben auch die Gefahr, dass mir etwas eingeschenkt wird.


    Klar, in meinem aktuellen Denken kann ich sagen: „Ich trinke heute nicht.“ Aber wenn ich in einem emotionalen Ausnahmezustand bin, Gruppendynamik herrscht und alle Augen auf mich gerichtet sind, kann es passieren, dass ich zugreife. Die Rückfallquote macht das deutlich.

    Und genau deshalb sage ich. Outen schützt. Nicht, weil man sich ins Rampenlicht stellen muss. Sondern weil es Klarheit schafft. Weil es hilft, Situationen zu vermeiden, in denen man sich selbst belügt. Weil es andere wissen lässt: „Ich trinke keine Alkohol und ich meine das ernst.“ . Es ist Selbstschutz.

    Aber: Wenn ich hier eines gelernt habe, dann, dass die Festigung meiner Abstinenz absoluten Vorrang für mich hat. Und das ist in der Anfangszeit ein ganz schönes Brett. Damit war und bin ich gut beschäftigt.

    Und da stört das Outen? Verstehe ich jetzt nicht.

    Es gibt doch hier auch Langzeittrockene, die bis heute nicht jedem von ihrer Sucht erzählen. Scheint also auch zu funktionieren, und darauf kommt es für mich an.

    Natürlich, das hier ist ja auch kein Aufruf, durch die Welt zu rennen und überall den Alkoholismus zu preisen oder die Welt zu retten. Darum geht es nicht. Mir geht es um die ständigen Hypothesen, warum etwas nicht gemacht werden kann ohne echtes Hintergrund wissen und ohne zu überprüfen, ob das überhaupt stimmt.

    Du schreibst: „Im Rentenalter kann man sowas machen.“ Liest sich so , sei mir nicht böse. Ich schätze jeden, der sich hier angemeldet hat. Denn jeder, der hier ist, hat schon mal mehr Arsch in der Hose als die ganze Dunkelzimmer-Fraktion.


    Aber es klingt halt wie am Stammtisch jeden Tag: „Morgen hör ich auf zu saufen.“:whistling:

    Auch mit Deiner charmanten Hartnäckigkeit bist Du mir ein Vorbild

    Danke, aber ich bin kein Vorbild, nur weil ich darauf hinweise, wo Gefahren auftreten könnten. Ich bin nicht frei von Nachlässigkeiten, nicht alles läuft bei mir stringent nach Plan, ich bin auch mal gehemmt, mal direkt. Aber ich weiß, wo es endet, wenn jemand nicht mehr aus einem Rückfall herauskommt.

    Schüchtern, ja, das bin ich auch, auch wenn ich es nicht immer zeigen kann :saint::mrgreen:(kleiner Scherz).