Das stigmatisierte Bild vom Alkoholiker

  • Angeregt von der direkt geführten Diskussion "funktionierende" Alkoholiker und "Outen" in einem Extra-Thread

    Das Bild vom Alkoholiker ist ein Klischee, ein Stigma, das sich hartnäckig hält. Die Vorstellung: Penner am Bahnhof, vollgekotzt, alles verloren, Leben im freien Fall. Und wer hält dieses Bild am Leben? Nicht nur die Gesellschaft sondern auch die Alkoholiker selbst, die nicht in der Ecke sitzen, sondern im Büro, im SUV, im Designeranzug.


    Die schweigen. Verstecken sich. Bloß nicht zugeben. Denn sich zu outen würde bedeuten, das Gesicht zu verlieren und das ist für viele unvorstellbar. Genau diese, die sich als „funktionierende“ Alkoholiker bezeichnen, sind Teil des Problems. Sie posaunen Tipps herum, wie man sich möglichst geräuschlos durch die Welt der Säufer bewegt und jammern gleichzeitig über die Stigmatisierung.


    Wenn diese Menschen mal den Mund aufmachen würden, wäre das Bild von Alkoholismus ein anderes. Dann würde man erkennen Sucht hat nichts mit Aussehen zu tun. Nichts mit Status. Aber solange geschwiegen wird, bleibt das alte Bild bestehen. Und das hilft niemandem.

    Zu hart, meine Analyse?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Zu hart, meine Analyse?

    nö...alk(sucht) macht vor niemanden halt, da sind wir alle mal gleich! es ist auch egal ob der fusel 5€, 50€ oder 500€ kostet ist völlig gleich und das ergebnis ist immer das selbe. sich zu outen oder nicht auch egal, nur ein weiteres päckchen was man mit sich rumschleppt:idea:

    das was viele verwechseln wenn sie sich outen, es ist keine schwäche sondern stärke was sie an den tag legen. mal abgesehen davon, was soll passieren? einige nehmen im suff auch alles mit, besonders die peinlichen sachen. da ist einem nichts zu blöde, getreu dem motto "keiner sieht wenn ich durst habe, aber alle sehn wenn ich besoffen bin". ok nun kommen sicherlich einige und meinen, na ich hab ja nur zuhaus in den eigenen vier wänden konsumiert und nie jemanden geschadet.glückwunsch zu dieser erkenntnis...und was genau ist jetzt anders? keine sucht, kein selbstbetrug?

    von mir aus kann das jeder handhaben wie er will, eins steht doch fest, dass es früher später zum mühlstein um den hals wird je länger man es mit sich rumträgt.

    was die gesellschaft angeht, mir egal was die denken, die meisten haben eh nur mit sich selbst zu tun und hätten genügend vor der eigenen haustür zu kehren...

    gruss eternal

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Am Anfang habe ich niemandem gesagt, dass ich Alkoholikerin bin und nun abstinent lebe.

    Glaube es hat mehrere Monate gedauert bis ich darüber gesprochen habe. Inzwischen bin ich da offener und sage es immer öfter. Erst im Familienkreis, Freunden, Nachbarn.

    Nur im Job werde ich nichts sagen.

  • Die Analyse ist sehr treffend. Allerdings wird Sucht im allgemeinen und Alkoholsucht im besonderen teilweise so stark stigmatisiert, dass es durchaus nachvollziehbar ist, dass man das nicht so vor sich hertragen möchte bzw. sich nicht überall outet. Sucht wird landläufig sehr oft als Schwäche angesehen und einem Menschen, der darunter leidet, traut man entsprechend weniger/nichts zu.
    Darüber hinaus steht man sofort im Verdacht, wieder zu konsumieren, wenn man anderweitig krank ist oder sich anders verhält als sonst.
    Ein Outing kann sicher ein Befreiungsschlag sein (und im privaten Umfeld würde ich auch zuraten), es kann aber auch zur Belastung werden (z.B. im beruflichen Umfeld).

  • Hi,

    dass ich Alkoholiker bin werde ich ganz sicher nicht rausposaunen. Outen kommt für mich in der Öffentlichkeit auch nicht in Frage. Meine Frau, engste Freunde und Familie wissen Bescheid. Das reicht. Jeder der sich selbst fragt ob er ein Alkoholproblem hat oder sich dessen bewusst ist Alkoholiker zu sein, wird schon merken dass ich trockener Alkoholiker bin, genauso wie ich im Bekanntenkreis sehen kann wer ein problematisches Verhalten an den Tag legt.

    Selbst wenn ich mich als trockener Alkoholiker outen würde, könnte das negative Auswirkungen auf meinen Job und mein Umfeld haben. Das Risiko gehe ich auf keinen Fall ein.

    Ich trinke nicht, das ist für mich das wichtigste. Wie der Alkoholiker öffentlich gesehen wird ist mir relativ egal. Ich weiss ja wie es ist. Alle die ich kenne die meiner Meinung nach ein Alkoholproblem haben leben in guten Verhältnissen und kriegen ihr Leben nach aussen hin auf die Reihe, also nichts mit vollgekotzter Penner am Hauptbahnhof.

    Verstehe den Sinn hinter dem Thread nicht so ganz. Ob ich nun verkatert in meinem SUV ins Büro fahre oder mit vollgepisster Hose am Bahnhof Bier trinke ist doch egal. Solange ich nicht erkenne dass ich Alkoholiker bin und nur noch Abstinenz mich retten kann, wird das Bild in der Gesellschaft keinen Einfluss auf mich haben.

    Liebe Grüße,

    Paul

  • Wenn diese Menschen mal den Mund aufmachen würden, wäre das Bild von Alkoholismus ein anderes. Dann würde man erkennen Sucht hat nichts mit Aussehen zu tun. Nichts mit Status. Aber solange geschwiegen wird, bleibt das alte Bild bestehen. Und das hilft niemandem

    Auch mit Deiner charmanten Hartnäckigkeit bist Du mir ein Vorbild, Hartmut . 😉

    Ja, es stimmt, je mehr darüber gesprochen wird, desto eher ändert sich die allgemeine Wahrnehmung, wie man z. B. beim Thema Depression sehen kann.

    Aber: Wenn ich hier eines gelernt habe, dann, dass die Festigung meiner Abstinenz absoluten Vorrang für mich hat. Und das ist in der Anfangszeit ein ganz schönes Brett. Damit war und bin ich gut beschäftigt.

    Ich hüte mich, trotz unverkennbarer Co-Tendenzen, nebenbei noch die Welt um mich herum trockenlegen zu wollen. Auch als "Gewährsfrau" für Leute im Umfeld, die sich fragen, ob sie vielleicht schon süchtig sind, stehe ich nicht zur Verfügung.

    Und schon gar nicht treibt es mich gerade um, dem verbreiteten Bild vom Alkoholiker etwas entgegenzusetzen. Denn auch das habe ich durch meine Abstinenz gelernt: mit meinen Kräften zu haushalten.

    Dagegen kann ich mir gut vorstellen, im Rentenalter z. B. In Schulen zu gehen, meine Geschichte zu erzählen und mich damit präventiv zu engagieren. Das ist mir ein Anliegen, mehr noch als die Entstigmatisierung.

    Bei anderen mag das anders sein. Wenn sie sich zu Beginn ihrer Abstinenz mit absoluter Offenheit sicherer fühlen, ist doch alles gut. Aber zur Norm sollte es bitte nicht gemacht werden.

    Es gibt doch hier auch Langzeittrockene, die bis heute nicht jedem von ihrer Sucht erzählen. Scheint also auch zu funktionieren, und darauf kommt es für mich an.

  • Hallo miteinander,

    ich sehe es ähnlich wie einige meiner Mitstreiter hier. Ich habe es in meinem mir näher stehenden Umfeld erzählt. Familie und Freunden. Das reicht für mich. Bei der Arbeit wäre mir dies niemals in den Sinn gekommen. Dafür sah ich an meiner Arbeitsstelle einige die auf stationärer Alkoholtherapie waren, danach Hamburger Model zusätzlich ein Wiedereingliederungsverfahren innerbetrieblich. Die waren unter ständiger Beobachtung. Wurden an Stellen versetzt, wo sie überhaupt nicht hin wollten und im schlimmsten Fall auch gekündigt. Zumindest wenn sie wieder rückfällig wurden.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Hallo Hartmut,


    ich halte deine Analyse für zutreffend und teile deine Einschätzung.

    Bei mir hat der Austausch und die Begegnung mit anderen Alkoholiker:innen in der RSHG und vor allem hier im Forum dabei geholfen, mich selber Stückchen für Stückchen von meiner eigenen Stigmatisierung zu befreien, und in dem Zuge konnte und kann ich mich mehr und mehr nach außen auch mit meiner Suchterkrankung zeigen.

    Im idealen Fall kann ich als offen lebende trockene Alkoholikerin zur Entstigmatisierung beitragen, im persönlichen und gesellschaftlichen Kontext.

    Dass mein offener Umgang mit meiner Suchterkrankung im persönlichen Bereich nicht nur positive, sondern auch negative Folgen haben kann, muss mir dabei bewusst sein.
    Aber genauso bewusst mache ich mir, dass ein Teil dieser Erwartung negativer Folgen ja genau aus der (eigenen) Akzeptanz des Stigmas erwächst.


    Das ist eine sehr persönliche Entwicklung und Entscheidung, wie ich mich in einer bestimmten Phase meines Lebens und meiner Trockenheit positioniere.

    Ich finde deinen Gedankenanstoß gut, danke dafür.


  • Im idealen Fall kann ich als offen lebende trockene Alkoholikerin zur Entstigmatisierung beitragen, im persönlichen und gesellschaftlichen Kontext.

    genau das:idea: damit sollte auch die frage von Paul_ beantwortet sein...um es anders zu formulieren, mal über den den tellerrand denken,thx Thalia1913

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Ich habe das auch schon mal hier und da im Forum geschrieben:

    Ich bin Alkoholiker, habe mir einen Teil (Großteil?) meines Lebens dadurch ruiniert. Nun versuche ich mein Leben umzukrempeln, was nicht nur Zeit und Energie kostet. Sondern auch in finanzieller ebenso wie in gesellschaftlicher Hinsicht belastend ist.

    Jetzt also, wo ich mein Problem erkannt habe, mich aus dem Sumpf zu ziehen und mein Leben mit so viel Energie umzugestalten versuche, soll ich mir da wirklich durch ein unreflektiertes berufliches und gesellschaftliches Outing meine Existenz gefährden? Also das war noch da ist und gerade das, was mir vielleicht die letzten Jahre meinen Hals gerettet hat? Was hätte das Outing dann gebracht? Ja, ich könnte sagen, ich habe meine Abhängigkeit publik gemacht und darauf bin ich stolz. Alle sollen es wissen. Aber meinen Job und das, was damit verbunden ist, habe ich dadurch leider auch verloren und jetzt kann ich wieder von vorne beginnen... War es das wert?

    Ich habe hier bei mir Schicksale erlebt, da ist dieses offene Bekenntnis so etwas von nach hinten los gegangen - nicht in Bezug auf den Arbeitgeber, aber man hat halt auch nicht immer nur Freunde.

    Die Bekenntnis gegenüber der Familie, engen Freunden, ja natürlich ist die sinnvoll - inwieweit freilich muss jeder selber wissen. Aber was das Berufsleben und damit für die meisten von uns wohl die finanzielle Existenz betrifft, da kann ich nur warnen. In meinem derzeitigen Bereich bin ich jetzt dann bald 20 Jahre tätig und ich habe gesehen, was dabei herauskommen kann, wenn man sich im Betrieb zu "blauäugig" in der Hoffnung auf ein wohlwollendes Verständnis des Umfelds outet. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf Alkohol, sondern ganz generell hinsichtlich aller Abhängigkeiten und Krankheiten...

    Natürlich ist aber jedes Arbeitsumfeld ein anderes, mal gibt es mehr Verständnis, manchmal weniger. In manchen Bereichen ist die Bekenntnis, alkoholkrank zu sein, nach wie vor ein Knock-Out-Kriterium. Nicht weil man trocken ist, aber weil die Gefahr besteht, ja wieder zu trinken anzufangen... Und dann?

    Einmal editiert, zuletzt von stef2303 (2. November 2025 um 17:44)

  • Nicht weil man trocken ist, aber weil die Gefahr besteht, ja wieder zu trinken anzufangen... Und dann?

    Und wenn man länger trocken ist, die Gerüchteküche schon lange keinen dampf mehr hat man schon 5 oder 10 Jahre trocken seine Arbeit macht und kein 🐓 mehr danach kräht und die Gefahr sehr gering ist wieder zu saufen, weil man sich kümmert und zufrieden trocken ist.....und dann??

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Alles bleibt beim Alten. 😉 Die Begründungen sind bekannt. Ein paar „Vertraute“ werden eingeweiht , in der Hoffnung, dass es dort bleibt. Reicht aber, wenn einer plaudert, und schon ist die Diskretion futsch.


    „Könnte im Job schaden“ – kommt zuverlässig. Ein Schutzschild gegen Offenheit, gestützt auf reine Annahmen. Deshalb sag ich: Wer’ es erfahren hat, soll erzählen. Ich bin kein Fan von Hörensagen. Das macht abhängig von Gerüchten. Und ich war abhängig, saufen zu müssen.

    Und wer sich schon im Vorfeld mit Händen und Füßen gegen Offenheit wehrt, sollte sich nicht über Stigmatisierung beklagen.
    Klar, das eigene Hemd ist näher als die Hose. Und nein – es braucht kein großes Outing. Aber ein bisschen mehr Ehrlichkeit würde dem Bild gut tun. Wer das Stigma beklagt, sollte sich fragen, ob er es nicht selbst mitträgt. Darum ging’s in diesem Thread.

    Dass mein offener Umgang mit meiner Suchterkrankung im persönlichen Bereich nicht nur positive, sondern auch negative Folgen haben kann, muss mir dabei bewusst sein.

    Da hast du und alle anderen recht. Wir werden nicht jeden überzeugen können. Vor allem nicht die, die selbst noch saufen. Die verstehen das nicht. Die Welt wird ja nicht in meinem direkten Umfeld trockener, nur weil ich aufgehört habe zu saufen.Und wenn ich dann mit genau solchen Leuten beruflich oder privat zusammensitze, besteht eben auch die Gefahr, dass mir etwas eingeschenkt wird.


    Klar, in meinem aktuellen Denken kann ich sagen: „Ich trinke heute nicht.“ Aber wenn ich in einem emotionalen Ausnahmezustand bin, Gruppendynamik herrscht und alle Augen auf mich gerichtet sind, kann es passieren, dass ich zugreife. Die Rückfallquote macht das deutlich.

    Und genau deshalb sage ich. Outen schützt. Nicht, weil man sich ins Rampenlicht stellen muss. Sondern weil es Klarheit schafft. Weil es hilft, Situationen zu vermeiden, in denen man sich selbst belügt. Weil es andere wissen lässt: „Ich trinke keine Alkohol und ich meine das ernst.“ . Es ist Selbstschutz.

    Aber: Wenn ich hier eines gelernt habe, dann, dass die Festigung meiner Abstinenz absoluten Vorrang für mich hat. Und das ist in der Anfangszeit ein ganz schönes Brett. Damit war und bin ich gut beschäftigt.

    Und da stört das Outen? Verstehe ich jetzt nicht.

    Es gibt doch hier auch Langzeittrockene, die bis heute nicht jedem von ihrer Sucht erzählen. Scheint also auch zu funktionieren, und darauf kommt es für mich an.

    Natürlich, das hier ist ja auch kein Aufruf, durch die Welt zu rennen und überall den Alkoholismus zu preisen oder die Welt zu retten. Darum geht es nicht. Mir geht es um die ständigen Hypothesen, warum etwas nicht gemacht werden kann ohne echtes Hintergrund wissen und ohne zu überprüfen, ob das überhaupt stimmt.

    Du schreibst: „Im Rentenalter kann man sowas machen.“ Liest sich so , sei mir nicht böse. Ich schätze jeden, der sich hier angemeldet hat. Denn jeder, der hier ist, hat schon mal mehr Arsch in der Hose als die ganze Dunkelzimmer-Fraktion.


    Aber es klingt halt wie am Stammtisch jeden Tag: „Morgen hör ich auf zu saufen.“:whistling:

    Auch mit Deiner charmanten Hartnäckigkeit bist Du mir ein Vorbild

    Danke, aber ich bin kein Vorbild, nur weil ich darauf hinweise, wo Gefahren auftreten könnten. Ich bin nicht frei von Nachlässigkeiten, nicht alles läuft bei mir stringent nach Plan, ich bin auch mal gehemmt, mal direkt. Aber ich weiß, wo es endet, wenn jemand nicht mehr aus einem Rückfall herauskommt.

    Schüchtern, ja, das bin ich auch, auch wenn ich es nicht immer zeigen kann :saint::mrgreen:(kleiner Scherz).

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Du schreibst: „Im Rentenalter kann man sowas machen.“ Liest sich so , sei mir nicht böse.

    Ich bin Dir nicht böse. Ich weiß ja, worauf ich mich einlasse, wenn ich Dir widerspreche. Das mache ich nur, wenn ich gute Argumente UND gut gefrühstückt habe. 😉

    Aber ich habe eindeutig von mir geschrieben. ICH kann und möchte das im Rentenalter machen - wenn andere das schon vorher machen möchten, ist das ihre Sache.

    Und wenn man länger trocken ist, die Gerüchteküche schon lange keinen dampf mehr hat man schon 5 oder 10 Jahre trocken seine Arbeit macht und kein 🐓 mehr danach kräht und die Gefahr sehr gering ist wieder zu saufen, weil man sich kümmert und zufrieden trocken ist.....und dann??

    Manchmal liebäugele ich damit, vielleicht so zwei, drei Jahre vor der Rente anzufangen, mich innerbetrieblich für das Thema Suchtprävention zu engagieren (ist eine große Firma, aber da gibt es bisher nichts).

    Dann wärs einerseits wg. Der von mir befürchteten Risiken fast egal, andererseits hätte ich dann auch deutlich mehr Erfahrung als jetzt.

    Aber wie gesagt: Ich mache das, wenn ich mich damit ganz klar wohlfühle, nicht, um irgendwem was zu beweisen. Und das ist das Einzige, wozu ich in dieser Frage hier rate, wenn jemand noch unsicher ist.

  • . Ich weiß ja, worauf ich mich einlasse, wenn ich Dir widerspreche. Das mache ich nur, wenn ich gute Argumente UND gut gefrühstückt habe.

    Das kann ich verstehen, ich möchte hier und da mit mir selbst auch nicht diskutieren.:whistling::saint:

    Der Thread dreht sich genau darum oder sollte darauf hinauslaufen, etwas gegen Stigmatisierung zu unternehmen.

    Auch wenn es zunächst nur "Absichtserklärungen" sind, ist das kein schlechter Plan, wenn der Ruhestand absehbar ist.

    Ich denke, das Forum hier mit seinen 853.702 Beiträgen hat auch eine solide Grundlage, um sein Wissen an der Realität und nicht an der Theorie anzupassen. :whistling: Und es gibt nichts Besseres als einen bekennenden Alkoholiker, der aus eigener Erfahrung berichtet..

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • „Könnte im Job schaden“ – kommt zuverlässig. Ein Schutzschild gegen Offenheit, gestützt auf reine Annahmen. Deshalb sag ich: Wer’ es erfahren hat, soll erzählen. Ich bin kein Fan von Hörensagen. Das macht abhängig von Gerüchten. Und ich war abhängig, saufen zu müssen.

    Ich weiß nicht, aber so manches hier an Aussagen projiziere ich - zumindest indirekt - auch auf mich, daher:

    [Lieber Hartmut , wir könnten ja mal, wie ich hoffe, auch wenn wir gefühlt fast jedes Mal von der Auffassung her aneinander geraten (und oft so was von weit auseinander liegen), vielleicht mal auf einen Tee oder eine Pizza (oder was in der Art) gehen... Die Einladung steht! ;)].

    Ich habe hier bei mir im HR-Bereich über die vielen Jahre genug Lebensgeschichten miterlebt. Sehr viele. Viele davon sind ziemlich traurig! Und ich erlebe hier fast täglich neues. Diese "Geschichten" (ich setze das bewusst in Anführungszeichen, weil es keine Geschichten, sondern Schickale sind, oft richtig traurige) werde ich hier sicher nicht erzählen, obwohl ich sie erfahren habe. Und ich kenne meine Leute. Daher werde ich dieser Aufforderung des "Erzählens" hier sicher nicht folgen, obwohl ich "es" erfahren habe und so einiges erzählen könnte.

    Ich selbst bin übrigens regelmäßig bei Gesprächen mit Mitarbeiter/-innen in prekären Situationen [Zwangsvollstreckungen und Insolvenzen sind hier noch harmlos (für die Betroffenen sicher nicht!)] anwesend, bis hin zu Todesfällen, ab und zu auch von Mitarbeiter/-innen mit Alkohol als Hintergrund des Ablebens (leider), von Suiziden mag ich gar nicht sprechen. Auch diese gibt es.

    Bezüglich der Diskussion, die hier breitgetreten wird, das muss ich schon sagen: Hier würde ich um ein wenig Sensibilität ersuchen. Und über Schicksale anderer sollte man meines Erachtens hier nicht diskutieren, denke ich.

    LG, Stef.

  • Outen schützt. Nicht, weil man sich ins Rampenlicht stellen muss. Sondern weil es Klarheit schafft.

    Wieso schützt es mich z.B. auf der Arbeit? Verstehe ich nicht. Bei mir wird nicht getrunken. Auf Behördenfesten trinke ich nicht, das ist bekannt und wird nicht hinterfragt. Privat fragt auch nur selten einer und da gibt's die Standartantwort: "Nein, ich trinke keinen Alkohol."


    Rückhaltlose Offenheit pflege ich nur gegenüber Personen, die es mir wert sind. der Kreis ist bewusst eng gezogen und nur ich entscheide, ob ich ihn erweitern möchte. Die Arbeitskollegen und die Behördenleitung gehören nicht zu dem besagten Kreis dazu.

    Das handhabe ich jetzt mehr als 10 Jahre und zwar zufrieden und unfallfrei.

    sollte darauf hinauslaufen, etwas gegen Stigmatisierung zu unternehmen.

    Ist das meine Aufgabe? Ich verspüre weder missionarischen Eifer, noch entsprechendes Temperament in mir. Ich mache mein Ding und gut ist. Die Welt wird nicht dadurch besser, dass ich nicht mehr saufe. Auch nicht, wenn ich meine Abstinenz zur Welt hinaus posaune und mich als leuchtendes Beispiel der Wandlung vom Saulus zum Paulus inszeniere.


    Wer sich diesem hehren Gedanken verbunden fühlt, mag es ja als neuesten Zeitvertreib mal ausprobieren und anschließend hier von Erfolgen/Misserfolgen berichten. Diesen Herrschaften wünsche ich viel Erfolg bei ihrem Unterfangen, aber da bin ich nicht von der Partie.

  • Der Unterschied zwischen Auffassung und Meinung ? Erfahrung hebt beides aus den Angeln.

    Hier würde ich um ein wenig Sensibilität ersuchen. Und über Schicksale anderer sollte man meines Erachtens hier nicht diskutieren, denke ich.

    Und genau darum geht es doch . Wir sind jedoch keine Beratungsstelle, sondern ein Selbsthilfeforum. Hier geht’s darum, sich selbst zu helfen nicht blind irgendwas nachzuäffen. Niemand hier steht unter Betreuungspflicht. Es ist eine Alkoholiker-Selbsthilfegruppe.

    Alle sind über 18 , alle entscheiden selbst. Die Sensibilität liegt darin, Rückfälle zu vermeiden die im schlimmsten Fall tödlich enden können. Ist dir denn nicht bewusst, welche Existenzen dabei zusammenbrechen? Wird das weggewischt und abgetan mit "Mir passiert sowas nicht"?

    Und was befähigt einen User hier, einem anderen seine Selbsthilfe abzunehmen?

    Dass du einen lockeren Umgang mit der Sucht hast, das lese ich ja. Es ist ein Weg, der nicht empfehlenswert ist. Und wenn du dich angesprochen fühlst, kannst du dir Gedanken machen, warum das so ist. Aber sicherlich nicht zum Maßstab nehmen, dass es auf dich gemünzt ist.

    Hier sind auch andere User.

    Wer das Stigma beklagt, sollte sich fragen, ob er es nicht selbst mitträgt. Darum ging’s in diesem Thread.

    Es geht dabei vor allem darum, das Stigma zu durchbrechen.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Wieso schützt es mich z.B. auf der Arbeit? Verstehe ich nicht. Bei mir wird nicht getrunken.

    Dann verstehe ich nicht, warum du antwortest, wenn es nicht notwendig ist?

    Bei mir war es üblich, nach einem gewissen Erfolg die Gläser zu heben. Da stand immer eine Flasche Sekt oder etwas anderes bereit, und bei Meetings wurde auch getrunken. Und bevor ich mich jedes Mal in eine unangenehme Lage bringen muss, um mich zu erklären, ist es doch besser, mit offenen Karten zu spielen.

    Ist das meine Aufgabe?

    Wo steht, dass das deine Aufgabe ist?

    Für mich wäre es nur scheinheilig, einerseits die Stigmatisierung zu beklagen und andererseits sich hinter der Sucht zu verstecken. Diese Doppelmoral ist genau das, was ich hier anspreche.

    Wenn es einen nicht betrifft, muss man sich doch hier nicht beteiligen, oder? Du bist doch schon seit Jahren trocken und gehst deinen Weg. Das Thema hatten wir beide schon öfter, aber es hat doch nichts mehr mit dir zu tun.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Ich hab ein wenig die Gerüchteküche für mich arbeiten lassen. Hab es einigen erzählt und wer fragt warum ich nicht trinke, bekommt die korrekte Antwort (passiert sehr selten).

    Deshalb weiß es inzwischen jeder in meinem Umfeld und das ist auch gut so.
    Nur beruflich hab ich (noch) nix gesagt, weil das sensibler ist. Da dort nicht getrunken wird muss ich nix erklären. Aber wenn ich so weit bin möchte ich gerade da eigentlich öffentlich über meine Sucht sprechen, aber da bin ich noch nicht so weit.

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