Beiträge von Hartmut

    Angeregt von der direkt geführten Diskussion "funktionierende" Alkoholiker und "Outen" in einem Extra-Thread

    Das Bild vom Alkoholiker ist ein Klischee, ein Stigma, das sich hartnäckig hält. Die Vorstellung: Penner am Bahnhof, vollgekotzt, alles verloren, Leben im freien Fall. Und wer hält dieses Bild am Leben? Nicht nur die Gesellschaft sondern auch die Alkoholiker selbst, die nicht in der Ecke sitzen, sondern im Büro, im SUV, im Designeranzug.


    Die schweigen. Verstecken sich. Bloß nicht zugeben. Denn sich zu outen würde bedeuten, das Gesicht zu verlieren und das ist für viele unvorstellbar. Genau diese, die sich als „funktionierende“ Alkoholiker bezeichnen, sind Teil des Problems. Sie posaunen Tipps herum, wie man sich möglichst geräuschlos durch die Welt der Säufer bewegt und jammern gleichzeitig über die Stigmatisierung.


    Wenn diese Menschen mal den Mund aufmachen würden, wäre das Bild von Alkoholismus ein anderes. Dann würde man erkennen Sucht hat nichts mit Aussehen zu tun. Nichts mit Status. Aber solange geschwiegen wird, bleibt das alte Bild bestehen. Und das hilft niemandem.

    Zu hart, meine Analyse?

    Ich bleibe bei mir und rede nur von mir. Was

    Das ist wichtig und das ist richtig.:thumbup:


    Denn nur wer eigene Erfahrungen gemacht hat, kann auch wirklich beurteilen, was das Outen bedeutet. Es gibt sicherlich Alkoholiker, die keine guten Erfahrungen damit gemacht haben. Und dann heißt es hier oft: „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, bei dem das so war.“ Also: Flurmusik so nenne ich das .

    Aber ich habe in den letzten 18 Jahren niemanden erlebt, der hier offen berichtet hätte, dass das Outen als Eigenschutz für ihn wirklich schiefgelaufen ist. Das Problem beim Outen liegt nicht im Akt selbst, sondern im Kopf des Alkoholikers. In dem Bild, das man selbst von sich als Alkoholiker hat. Das sich eingebrannt hat. Und das man nicht loslässt.


    Ich finde es immer wieder amüsant, wenn ich auf einer Seite lese: „Alkoholiker sind stigmatisiert.“ Aber dieselben Alkoholiker sind nicht bereit, dieses Bild selbst zu verändern. Stattdessen kommt: „Ich doch nicht. Bei mir ist das anders. Ich hab dies und das...“ Ja, ich weiß. Ich kann die Welt auch nicht retten.:saint:


    Michel ;entschuldige, dass ich jetzt sehr viel Allgemeines geschrieben habe.

    Ich wollte einfach mal die Grundlagen ansprechen. Das Forum wird täglich von Hunderten von Menschen gelesen die Hilfe suchen , die nach gemachten Erfahrungen suchen, und nicht nach irgendwelchen Bedenken, die andere haben, etwas nicht zu tun.

    Denn eigene Bedenken hat ja jeder, da braucht es keine Schwarzmalerei oder Aussagen, dass bei einem Outing die Welt untergeht, denn genau das wird suggeriert.

    Du wirst wissen, was zu tun ist, und es ist eben individuell. Es bringt nichts, Beispiele anzubringen, die rein gar nichts mit dir zu tun haben. Auf dieses "Geschwätz" kann ich gut verzichten, das hatte ich schon genug an Stammtischen mit diesen "Parolen".

    Und ich finde es gut, dass du deine "Sorgen" mit uns teilst.

    Lieber am Rückfall zugrunde gehen, als sich zu outen, um sein Gesicht zu wahren, ist auch eine Option.

    Aber das interessiert doch niemanden, außer vielleicht diejenigen, die ihre Sucht nicht ernst nehmen, sie als Nebensache betrachten und denen es egal ist, wenn sie rückfällig werden.

    Beim Outen geht es nur um Eigenschutz, brauche ich das nicht, ist alles gut. Ich trage die Verantwortung.

    Ein paar Tage hab ich ja noch und dann muss ich mich entscheiden

    Entscheidungen treffe ich immer situationsbedingt nicht nach Plan, nicht im Voraus.


    Es wird nie so heiß gegessen, wie gekocht wird. Und ich halte nichts von irgendwelchen Hypothesen oder von Usern, die keinerlei Erfahrung mit dem Outen haben, aber aus der Ferne spekulieren, was passieren könnte.

    Nur weil sie Angst haben. Das gehört für mich in die Klatsch-und-Tratsch-Spalte und hat nichts mit eigenen Erfahrungen zu tun. Deshalb hört auf, Ratschläge zu geben, wenn ihr selbst keine Erfahrung damit gemacht habt.

    Wir sind ein Selbsthilfeforum, in dem Erfahrungen und keine Stammtischparolen ausgetauscht werden.

    Ich hatte in den letzten 18 Jahren kein einziges Problem. Und das sage ich nicht, um anzugeben, sondern weil ich weiß, wovon ich spreche.

    Aber es geht nur um dich, und nur du bist dir selbst Rechenschaft schuldig, und auch nur selbst entscheiden kannst.

    Ja ich kenne es auch von den anderen Versuchen trocken zu werden.

    Es ist egal, wie es war entscheidend ist, wie es jetzt ist. Hier bekommst du Unterstützung rund um die Uhr. Geschönt und ungeschönt. Ehrlich, direkt, ohne Schleifchen.:whistling:

    Und manchmal hilft nur die 24-Stunden-Regel: Heute trocken bleiben. Nicht an morgen denken, nicht für immer einfach auf heute konzentrieren. Und morgen sehen wir weiter.

    Spürst du echten Saufdruck oder ist es eher "nur" eine innere Unruhe?

    Manchmal ist es nicht der direkte Drang zu trinken, sondern eher diese innere Unruhe, die sich ausbreitet. Kennst du das vielleicht auch noch von früher? Manchmal hilft es einfach, dagegenzuhalten. Auf die Zähne zu beißen. Mit dem Wissen: Der Saufdruck ist temporär. Er geht vorbei.


    Ich selbst hatte nur einmal eine richtig schwere Phase, im ersten Jahr. Sonst war es das Übliche: Die Suchtstimme meldet sich, ich halte dagegen, tausche mich aus und blieb trocken.

    Dass es "funktionierende Alkoholiker" gibt: Ja natürlich, in Mengen! Da kenne ich genug davon

    Woher weißt du, dass sie Alkoholiker waren? Haben sie es dir alle einzeln gesagt oder war das eine Vermutung, ein Griff ins Blaue?
    Ich habe jahrelang getrunken und funktioniert. War ich da schon Alkoholiker? Wahrscheinlich nicht. Erst als es nicht mehr funktionierte, wurde mir klar, dass ich einer bin. Und genau da liegt der Unterschied: Nicht jeder, der regelmäßig Alkohol konsumiert, ist automatisch abhängig.

    Am besten bei sich bleiben, und wenn jemand so denkt und sein Leben trocken bleibt, shit happens, alles gut.

    Allerdings ist auch bekannt, dass sich die Denkweise mit der Dauer der Trockenheit verändert.

    Und falls es dein erstes Jahr ist, hast du ja noch viele Jahre vor dir , aber zum ersten Jahr schon mal eine Gratulation!

    Also ab 1.11.2024 gab es nichts mehr.

    Hat das noch Bestand?

    Das habe ich mal am Anfang gelesen, dann wäre heute dein erstes Jahr?

    Wichtig ist es meiner Ansicht eher, sich klar zu sein, dass es diese "Versuchungen" gibt - aber niemand gezwungen wird, sich ein Glas / einen Becher zu genehmigen.

    Wenn die Sucht dich nicht zwingt, dann ist ja alles in Ordnung, aber nicht jeder schafft es nur mit Willen.

    Aber ich muss immer sofort in Bewegung kommen und etwas machen. Sonst geht diese Unruhe nicht weg. Es ist nicht ständig da. Es kommt meistens, wenn ich eben gerade nichts mache.

    Ein zentraler Punkt, den du gut erkannt hast. Zeiten neu besetzen.

    Wenn Saufdruck aufkommt, ist das im Grunde nichts anderes als früher , ein Moment, in dem ich in der nassen Zeit einfach zum Glas gegriffen hätte. Diese Zeiten, in denen früher gesoffen wurde sollte bewusst und dauerhaft mit etwas anderem gefüllt werden.

    Nicht nur bei einem akutem Saufdruck, sondern auch dann, wenn bestimmte Rituale mit dem Trinken verbunden waren.

    - der Meinung, dass man sich ein "Outing" am Arbeitsplatz gut überlegen sollte, wenn man noch die Wahl hat.

    Du liegst aus meiner Sicht absolut richtig!

    Eben nicht , ich muss doch wissen, wo mein Schwerpunkt liegt. Wenn ich mich am Arbeitsplatz selbst in Gefahr bringe, weil dort das Saufen „gern gesehen“ wird , weil es immer was zum Anstoßen gibt oder irgendein Anlass konstruiert wird , dann muss ich eine Entscheidung treffen.

    Riskiere ich dabei, wieder rückfällig zu werden? Und da stellt sich die Frage: Was ist wichtiger? Das Gerede, das ständige Gejammer, das Mitmachen, die Karriere oder mein Leben? Am Ende geht es nicht ums Outen. Es geht um die Gefahr, durch das erneute Trinken möglicherweise sein Leben zu verlieren.

    Das ist die Realität für jeden, der weiß, was Sucht bedeutet. Wer trocken leben muss sollte auch bereit sein, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Auch wenn sie wehtun. Aber nur, wenn er sich selbst das wert ist.;) Sucht ist kein Kuschelkurs

    Wenn es für mich keine Gefahr bedeutet – wenn es am Arbeitsplatz keine Umstände gibt, die mich zum Saufen bringen könnten dann ist die Frage des Outens irrelevant. Dann brauche ich es nicht. Alles andere würde bedeuten, den eigenen „Eigenwert“ zu verschieben.

    Sich über das zu definieren, was das Außenbild erzeugt, statt über das, was man sich selbst wert ist. Trockenheit ist kein Schild, das man hochhält. Sie ist kein Status, den man ständig verteidigen muss. Wenn der Alltag stabil ist, braucht es keine Outen .

    Dann zählt, was innen trägt nicht, was außen wirkt.;)

    Ich rede mir nicht ein "ich funktioniere", ich wollte einfach nur schreiben wie sich bei mir alles verhielt.

    Das habe ich schon verstanden, ich habe auch mein "Tagwerk verrichtet "so nenne ich das.

    Wenn ich mich selbst als „funktionierenden Alkoholiker“ bezeichne, öffne ich mir damit eine Hintertür. Denn ein Alkoholiker funktioniert eben nur mit Alkohol .Sobald der Saufdruck wiederkommt, ist die Ausrede schnell zur Hand: „War ja alles nicht so schlimm. Ich hab doch funktioniert. Ich kann ja wieder was saufen .“

    Genau da liegt die Gefahr. Diese Selbstdefinition ist eine Selbsttäuschung. Und ja, am Anfang sieht man das oft anders. Das ist völlig normal, es so zu sehen oder als Wortglauberei abzutun.

    Ich war ja auch nicht bescheuert , Ich wusste sehr wohl, dass ich Alkoholiker werden konnte. Und trotzdem habe ich es nicht geschafft, meine „nassen Gedanken“ alleine in dieser Zeit zu stoppen. Die habe ich mit hierher ins Forum gebracht und das war gut so.

    Denn wenn alles mit dem Kopf zu lösen wäre, warum liegt die Rückfallquote dann bei bis zu 95 %? Wenn ein Rückfall egal ist, brauche ich nicht hinzuschauen und nur meinem eigenen Denken vertrauen. :whistling:

    Aber wie schon anderswo geschrieben: Jede Beschönigung, jede Relativierung, jeder Versuch, irgendetwas mit Alkohol zu rechtfertigen selbst unterbewusst mit den "nassen Gedanken" geht in die falsche Richtung.

    @all .Ein Tipp an alle, die neu hier sind , ganz allgemein: Hängt euch an die länger trockenen , nicht an die, die noch in der der Anfangsfase des Trockenseins stecken. Die, die schon länger trocken sind, haben es ja bewiesen .

    Die anderen sind noch mittendrin und müssen es erst einmal zeigen. Sind aber eben noch nicht stabil. Wichtig und richtig ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Genauso wichtig ist jedoch, darauf zu achten, dass es nicht in die falsche Richtung geht.

    Denn zwei Ertrinkende können sich nicht lange über Wasser halten. Da braucht es jemanden, der schon festen Boden unter den Füßen hat. Aber genug jetzt… Ich bin dann mal wieder weg... lasse den Thread jetzt wieder dir.:whistling:

    Deine Beiträge sind mir, vor der Anmeldung hier, am meisten aufgefallen.

    Und trotzdem hast du dich in die Höhle des Löwen gewagt. Hut ab.;):mrgreen:


    Manche machen aus meiner Art zu schreiben, aus meiner direkten Sprache, gleich ein eigenes Problem. Dabei ist es nicht das Mahnende, was nervt , es ist manchmal einfach die ungeschönte Wahrheit. Und die kann wehtun. Vor allem, wenn man sie selbst noch nicht wahrhaben will oder sie falsch einordnet, weil sich hier erstmal alles fremd anfühlt.

    Das auch normal istz . Wer aus einem nassen Zustand hier ankommt, bringt eben noch eine ganze Menge nasse Gedanken mit. Das bleibt eine Zeit lang so.

    Übrigens: In vielem, was du schreibst, finde ich mich selbst wieder. Ich war früher eine ziemlich bekannter " Partylöwe" – immer vorne dabei, immer laut, immer mit Glas in der Hand. Heute weiß ich Das war nur eine Fassade.

    Dann mache mal einfach weiter.

    Es bedarf auch keiner Rechtfertigung, wenn ich etwas schreibe. Auch wenn ich Erfahrung habe, bin ich nicht der Richter, sondern eher jemand, der einfach nur sagt, was er denkt, und ich interpretiere nie eine Vorgehensweise des Gegenübers willkürlich.

    Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du dich selbst als „trocken“ bezeichnet hast?

    Ich wurde schon als trocken oder sogar staubtrocken bezeichnet,;) aber ich vermeide es, mich selbst zu beschreiben. Deswegen kann ich auch keine Zeitangaben machen, denn genau dort beginnt oft die Selbstüberschätzung. Das ist das Einzige, was ich mit Demut in Verbindung mit Sucht bringe.

    Für mich ist das ein Prozess: trocken zu werden, trocken zu bleiben. Und dieser Prozess ist eben nicht linear. Es gibt immer wieder Situationen, in denen die nasse Zeit oder Gedanken an Alkohol plötzlich wieder auftauchen. Nicht als Suchtdruck , aber als Erinnerung.

    Und genau diese Erinnerung zeigt mir. Es gibt kein „ganz trocken“. Es gibt nur den heutigen Tag, die aktuelle Haltung und die Entscheidung, nüchtern zu bleiben.

    Willkommen bei uns!

    ich bin da bei Alex_aufdemweg . Seitenlanger Text mit Begründungen und Rechtfertigungen, um nur einen Satz beim Arzt "Ich bin Alkoholiker" zu umgehen. Kann man machen, muss es aber nicht.

    Ob du dich beim Arzt outest , was eigentlich das oberste Prinzip sein sollte oder dich durchschleichst, ist deine Entscheidung. Aber spätestens bei der nächsten Narkose, beim Zahnarzt, bei der Spritze ins Bein oder bei sonstigen Medikamenten wird e s ernst. Da ist es verdammt wichtig, dass die Anästhesisten Bescheid wissen.

    Durch jahrelanges Saufen sind die Schmerzrezeptoren anders justiert. Der Körper reagiert nicht mehr wie im Lehrbuch. Und wer da schweigt, spielt mit seiner Gesundheit oder schlimmer auch mit einem Rückfall . Ehrlichkeit ist kein Luxus, sondern für Alkoholiker eine Überlebensstrategie. Wer trocken lebt, sollte auch medizinisch Klartext reden

    weil ich es sonst gleich in unser "Dorfblättle" setzen könnte und erkannt werde. Ich habe mich ja aufgrund der Anonymität hier angemeldet.

    Und du glaubst, es bleibt unbemerkt, von der Partymaus zum Abstinenten zu werden? Gerede wird es immer geben, egal was du machst. Auf dem Dorf ist das viel schlimmer als in der Anonymität einer Großstadt.

    Übrigens, einen „funktionierenden Alkoholiker“ gibt es für mich nicht. Das ist eine Illusion, eine Schutzbehauptung, mit der man versucht, das Elend zu beschönigen. Genau diese Selbsttäuschung hat mich damals in den Abgrund der Sucht getrieben.


    Solange ich mir heute noch einrede, ich hatte alles im Griff, weil „ich ja funktionierte“, bin ich immer noch mittendrin , nicht draußen. Trockenwerden beginnt da, wo ich aufhöre, mir selbst Märchen zu erzählen.

    Der erste Schritt in die Nüchternheit ist geschafft. Drei Monate sind zwar noch kein vollständiges Trockenwerden, aber es ist der richtige Weg dorthin. ;) Und ich finde es richtig gut, dass du alles aufschreibst. Denn genau da entsteht Struktur. Da kommt der richtige Input, um stabil zu werden.

    Und stabil ist am Anfang keiner auch wenn man sich manchmal so fühlt. In der Anfangszeit wird man oft von Euphorie getragen. Man denkt, man hat’s gepackt. Aber das ist noch kein Fundament das ist Schwung.

    Und Schwung ist gut, aber er trägt nicht dauerhaft. Was trägt, ist Ehrlichkeit, Klarheit und Austausch. Deshalb: Weitermachen, hinschauen, schreiben.

    Das mal am Rande aus meiner Erfahrung.

    Mal meine Gedanken dazu.

    Ich glaube, ich bin erst wirklich trocken, wenn ich merke, dass Alkohol keine Rolle mehr spielt. Wenn es mir egal ist, was andere trinken oder welche Rituale sie pflegen ob Bierbrauer, Weinkenner, Whisky-Liebhaber oder sonstige Genussapostel.

    Wenn das alles keinen Gedanken mehr auslöst, keine Diskussion, kein inneres Zucken, dann beginnt die echte Trockenheit.


    Solange ich mich noch über das ärgere, ist das irgendwie ein gefühltes "Nachtreten" Irgedwie Verzicht, der im Untergrund lodert. Und wo Verzicht lodert, da glimmt auch die Gefahr eines Rückfalls. ;)


    Ich bin nicht trocken, weil ich mich beherrsche. Ich bin trocken, weil es mir egal geworden ist. Alkohol hat seinen Reiz verloren. Er hat keinen Platz mehr in meinem Kopf.

    aber nur aus meiner 18-jährigen Sichtweise.

    Mal allgemein Sätze dazu, bevor es überhandnimmt.

    Auch wenn so manche hier [sicherlich: berechtigt] auf die sog. "Geschlossene" verweisen...

    Nein, es ist nicht berechtigt und auch nicht von uns erwünscht , dass irgendwer einfach auf den geschützten Bereich verweist, als wäre das ein offenes Angebot. Der Zugang ist keine Selbstverständlichkeit, sondern beruht auf Eigeninitiative, Vertrauen und einem klaren Prozess. Und es ist eben nicht garantiert, dass jeder dort aufgenommen wird.

    Das gilt grundsätzlich jetzt nicht auf dich persönlich.

    Wer meint, Tipps zur verteilen zu müssen, sollte sich bewusst machen: Wir haben etwas dagegen "Selbsthilfe nach zu tragen"

    Das hier ist kein Coaching, kein Ratgeberclub , das ist Selbsthilfe.

    Und wer sich in einer CO-Rolle sieht, sollte sich fragen, ob er wirklich verstanden hat, was das bedeutet. Und nein, wir machen keine Ausnahmen. Und wir lassen uns auf keine Diskussion ein.

    stef2303 also das hat nicht mir dir zu tun.

    nur mal allgemein ,ich kann nur empfehlen, sich häufiger hier auszutauschen, denn nur so kann das Gegenüber wirklich verstehen, was los ist. Nicht die einzelne Situation oder der eine Auslöser machen das Gesamtbild aus, sondern der Verlauf, das Alltagsgeschehen, das schleichende Muster. So funktioniert Sucht nun mal – nicht als plötzlicher Knall, sondern als schleichender Prozess.

    Mir hat geholfen, auch Banales mal aufzuschreiben. Dann können auch kritische Punkte sichtbar werden,– wo Stolpergesteine liegen, wo man sich selbst im Kreis dreht.


    Schön, dass du noch nüchtern bist.

    Ob ich damals wollte, kapituliert habe oder einfach nur zu platt war um weiterzusaufen spielt heute keine Rolle. Ich musste trocken werden, weil die Alternative war. Sterben oder weiter verrotten. Kein heroischer Ausstieg, kein spiritueller Neuanfang, sondern ein fast tödlicher Tiefpunkt .

    Da war auch kein Platz für Gedankenspiele über Willen, Kapitulation oder sonstige Selbstdeutungen. Da war nur noch: Mach was – oder geh unter. Alles, was ich später über Willenskraft, Kapitulationen, Motivation oder „den richtigen Moment“ gehört habe, war rückblickend.

    Und wer meint, bei ihm sei es nicht so schlimm gewesen, sollte sich nur den ungebremsten Verlauf mal anschauen. Ich kenne keinen nassen Alkoholiker, bei dem der Tiefpunkt nicht genauso aussah, entwürdigend, zerstörerisch, lebensgefährlich.

    Die Sucht verhandelt nicht. Sie macht keine Kompromisse, keine Ausnahmen, keine Gnade. Sie nimmt, was sie kriegen kann, und wenn du nicht rechtzeitig aussteigst, reißt sie dich ganz mit ob du willst oder nicht.

    Gratulation

    Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht und wieviel sich in meinem Leben geändert hat.

    Und es verändert sich weiterhin, jetzt mit freier Planung, wenn du weiterhin auf deinem trocken Pfad bleibst.

    Wenn ich meinen Faden so durchlese, muss ich schmunzeln wie angegriffen ich mich oft fühlte

    Am Anfang sich angegriffen zu fühlen – das war normal, ist normal. Ich wäre eher irritiert, wenn es anders wäre. Wenn Realität auf Sucht trifft, knallt das ungebremst auf den frisch Trockenwerdenden. Das gehört zum Prozess.

    Ich habe mit der Zeit begriffen, dass genau dort mein Wendepunkt lag. Nicht mehr dem nassen Denken hinterherlaufen, sondern anfangen, Lösungen zu suchen. Weiter so!

    Aber möchte ich mich auch nicht ganz der Gesellschaft verschließen, Tochter und Freunde die nur zum Anlass trinken.

    Die Sucht interessiert sich nicht für Festlichkeiten, Wünsche oder gute Absichten. Sie macht keine Ausnahmen, denkt nicht nach, sie schlägt einfach zu, wenn sie die Gelegenheit bekommt. Sie sortiert nicht nach dir, sondern danach, wie sie ans nächste Glas kommt.

    Ich habe mich nicht von Menschen isoliert oder vor Gesellschaften verschlossen, sondern mich anfangs bewusst von Orten ferngehalten, an denen Alkohol getrunken wurde.

    Wer trocken bleiben will, muss auch mal Ansagen machen und ehrlich sagen können: „Ich kann das nicht ab.“ Fertig. Oder eben die Konsequenzen eines möglichen Rückfalls in Kauf nehmen , mit allem, was dranhängt. Und ich weiß nicht, wie toll es ist, wenn die Tochter später erfährt, dass die Mutter wegen dem Suchtdruck auf der Party wieder angefangen hat zu saufen.


    Erstmal stabil werden. Im ersten Jahr heißt das. Gesellschaft ja aber nur dort, wo kein Alkohol im Mittelpunkt steht. Nicht verschließen, aber auch nicht naiv reinlaufen. Die Sucht spielt nicht fair. Also musst du es tun. ;)

    Heute gehe ich zur Gesundenuntersuchung, meine Werte müssten jetzt eigentlich alle passen, ich freue mich.

    Alles Gute dazu!