Willkommen bei uns!
ich bin da bei Alex_aufdemweg . Seitenlanger Text mit Begründungen und Rechtfertigungen, um nur einen Satz beim Arzt "Ich bin Alkoholiker" zu umgehen. Kann man machen, muss es aber nicht.
Ob du dich beim Arzt outest , was eigentlich das oberste Prinzip sein sollte oder dich durchschleichst, ist deine Entscheidung. Aber spätestens bei der nächsten Narkose, beim Zahnarzt, bei der Spritze ins Bein oder bei sonstigen Medikamenten wird e s ernst. Da ist es verdammt wichtig, dass die Anästhesisten Bescheid wissen.
Durch jahrelanges Saufen sind die Schmerzrezeptoren anders justiert. Der Körper reagiert nicht mehr wie im Lehrbuch. Und wer da schweigt, spielt mit seiner Gesundheit oder schlimmer auch mit einem Rückfall . Ehrlichkeit ist kein Luxus, sondern für Alkoholiker eine Überlebensstrategie. Wer trocken lebt, sollte auch medizinisch Klartext reden
weil ich es sonst gleich in unser "Dorfblättle" setzen könnte und erkannt werde. Ich habe mich ja aufgrund der Anonymität hier angemeldet.
Und du glaubst, es bleibt unbemerkt, von der Partymaus zum Abstinenten zu werden? Gerede wird es immer geben, egal was du machst. Auf dem Dorf ist das viel schlimmer als in der Anonymität einer Großstadt.
Übrigens, einen „funktionierenden Alkoholiker“ gibt es für mich nicht. Das ist eine Illusion, eine Schutzbehauptung, mit der man versucht, das Elend zu beschönigen. Genau diese Selbsttäuschung hat mich damals in den Abgrund der Sucht getrieben.
Solange ich mir heute noch einrede, ich hatte alles im Griff, weil „ich ja funktionierte“, bin ich immer noch mittendrin , nicht draußen. Trockenwerden beginnt da, wo ich aufhöre, mir selbst Märchen zu erzählen.
Der erste Schritt in die Nüchternheit ist geschafft. Drei Monate sind zwar noch kein vollständiges Trockenwerden, aber es ist der richtige Weg dorthin.
Und ich finde es richtig gut, dass du alles aufschreibst. Denn genau da entsteht Struktur. Da kommt der richtige Input, um stabil zu werden.
Und stabil ist am Anfang keiner auch wenn man sich manchmal so fühlt. In der Anfangszeit wird man oft von Euphorie getragen. Man denkt, man hat’s gepackt. Aber das ist noch kein Fundament das ist Schwung.
Und Schwung ist gut, aber er trägt nicht dauerhaft. Was trägt, ist Ehrlichkeit, Klarheit und Austausch. Deshalb: Weitermachen, hinschauen, schreiben.
Das mal am Rande aus meiner Erfahrung.