Bibitor 66 - 43 Jahre im Rausch reicht

  • wenn ich mich jetzt unpassend beim Arzt oute,

    Was hast Du denn für einen Arzt? Ich dachte, alle Ärzte haben Schweigepflicht.

    Auch bei einer OP ist es sehr wichtig, das anzugeben. Ich hatte eine und habe das nicht angegeben. Weil ich mir ja sicher war, dass ich gar kein Alkoholiker bin. Die Bestäubung hat nicht gewirkt und ich habe mir die Lunge aus dem Hals geschrien vor Schmerzen.

    Das ist also eine Erfahrung. Kein "ich habe irgendwo gehört...".

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Ich habe aber gerade genug Sorgen und kann mir aufgrund meiner finanziellen Sicherheit keinen Fehler erlauben. Oberste Priorität hat bei mir, dass ich nüchtern bleibe. Das ich wieder richtig laufen kann und wieder arbeiten kann. Die Hintergründe kann ich Euch gerne in ein paar Wochen erzählen. Mir sind die Gefahren bewusst.

    Das klingt einerseits kompliziert, andererseits erscheinst du sehr durchdacht und stabil. Ich wünsche dir, dass alles bald wieder in die Spur kommt und deine Abstinenz deine Stärke bleibt.

    Liebe Grüße

    Mattie

  • Das klingt einerseits kompliziert, andererseits erscheinst du sehr durchdacht und stabil. Ich wünsche dir, dass alles bald wieder in die Spur kommt und deine Abstinenz deine Stärke bleibt.

    Liebe Grüße

    Mattie

    Liebe Mattie,

    ja es ist kompliziert. Ich kann hier aber die ganzen Hintergründe nicht schreiben, weil ich es sonst gleich in unser "Dorfblättle" setzen könnte und erkannt werde. Ich habe mich ja aufgrund der Anonymität hier angemeldet. Tatsächlich habe ich alles durchdacht und fühle mich stabil. Meine Trockenlegung hat schon vor der Trocknung begonnen. Mit meiner Sauferei habe ich schon mindestens 5 Jahre ständig gehadert. Immer wieder aufgehört zu trinken. Aber das bekannte Suchthirn kam doch wieder an. Die letzten 3 Jahre dachte ich, ich bin besonders schlau und hielt mich an die Vorgaben der BZgA (jetzt BIÖG)2 Tage in der Woche nicht zu trinken. Das hat prima geklappt. Dienstag und Donnerstag gab es nichts. Aber das machte auch keinen Sinn, wenn man sich die restlichen 5 Tage der Woche abschießt. Ich habe nur gute Ärzte um mich rum. Deshalb wundere ich mich auch, das nie einer etwas bemerkt hat. Ich halte mich nicht für einen besseren "Alki", doch konnte ich zu wichtigen Terminen die ich wahrnehmen musste (auch beruflich) immer auf Alkohol verzichten. Mein Versteckspiel eben. Und mit diesem muss Schluss sein, da ich mich nur selbst belüge. HEUTE TRINKE ICH NICHTS!

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Was hast Du denn für einen Arzt? Ich dachte, alle Ärzte haben Schweigepflicht.

    Auch bei einer OP ist es sehr wichtig, das anzugeben. Ich hatte eine und habe das nicht angegeben. Weil ich mir ja sicher war, dass ich gar kein Alkoholiker bin. Die Bestäubung hat nicht gewirkt und ich habe mir die Lunge aus dem Hals geschrien vor Schmerzen.

    Das ist also eine Erfahrung. Kein "ich habe irgendwo gehört...".

    Hallo lieber Alex,

    es tut mir sehr leid, dass Du so schlimme Erfahrungen machen musstest. Bei mir war es nicht so. Ich mag hier jetzt auch nicht über meine "ePA" sprechen, aber ich hatte in meinem Leben schon einige OP´s und musste nie so etwas erleben. Ich bin bei meinen Ärzten gut aufgehoben.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Bibitor, salve in nostro circulo!

    Der sehr treffenden Nick und Deine ersten Beiträge lesen sich für mich wie gut durchdachte Planung & Durchführung.
    Wie bist Du auf dieses alte und seltene Wort gekommen?

    Nach einem ersten abstinenten Vierteljahr ist eine gewisse Stabilisierung erreicht. Ob noch unter (Rest)Euphorie oder bereits durchgehender Ausgeglichenheit - das kannst nur Du selbst richtig abschätzen. Bei mir begann etwa ab da eine sehr vorsichtige Zuversichtlichkeit, die sich bis zum nächsten Etappenziel ½ Jahr spürbar verfestigte.

    Was ich früher mal von den AA mitnahm, war das Tag für Tag/nur für heute/für 24 Stunden ... das erste Glas stehen zu lassen. Das wichtigste Wort hier aus dem Forum war und ist das Wort RESPEKT - vor der Sucht/vor dem Alkohol. Das lege ich Dir ganz besonders für die nächsten Monate nah - im Sinne des Beitrags von Carl Friedrich .

    Guten Morgen Oskar,

    ich musste Dich nun noch mal zitieren. Denn ohne das Zitieren bekommst Du gar nicht mit, dass ich Dir in meinem Faden geantwortet habe. :) Auch wieder so eine Erkenntnis am frühen Morgen. Schaust Du bitte noch mal in meinen Faden, falls Du meine Antwort nicht doch schon gesehen hast.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Ich bin bei meinen Ärzten gut aufgehoben.

    Dann überlege Dir schon mal eine gute Ausrede, wieso zu das nächste verschriebene Medikament nicht nehmen kannst, weil es Alkohol enthält.

    Der erste Schritt eines Alkoholikers beginnt damit, sich seinem Arzt anzuvertrauen. Ggfs. hast Du Symptome, deren Ursache am Alkohol liegen. Außerdem ist das eine große Hintertür, die geschlossen werden sollte.

    Mit der Einstellung "Bei mir ist es anders. Bei mir ist es speziell" fangen hier viele an. Das interessiert die Sucht nicht.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Mein Leben mit der Sucht:

    als es bei mir mit 15 Jahren los ging, war es gleich heftig, begrenzte sich aber auf die Wochenenden. Party hier und Party da. Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, in einem Club, Diskothek oder Kneipe was anderes zu trinken als Alkohol. Da waren immer viele vermeintliche "Freunde" um mich, die sich auch an allen Spirituosen erfreuten. (Einige haben ihren Weg nicht überlebt). Unmengen Tequila hat man da gesoffen. Es war ja so cool an der Zitrone zu lutschen. Schon da bin ich in der Öffentlichkeit nie aufgefallen. Bevor mir die Lichter ausgingen, habe ich mich immer nach Hause fahren lassen, oder habe mir ein Taxi bestellt. Ich muss dazu schreiben, dass ich mit 15 schon mein eigenes Geld verdient habe. Da steckte ich noch in der Ausbildung. Dieses Treiben setzte sich bis bis zu meinem 23 Lebensjahr fort. Da erfuhr ich dann von meiner ersten Schwangerschaft und habe den Alkohol sofort eingestellt. Als das Kind da war, war es rum mit Partyleben. Die vielen Verpflichtungen konnte ich nur nüchtern erfüllen. Mit 25 bekam ich mein zweites Kind. Ab da hatte ich erst recht keine Zeit mehr für wilde Partys und sie haben mich auch nicht interessiert. Als meine Kinder dann in den Kindergarten und die Schule gingen, begann meine Sekt-Zeit. Ich liebte Sekt. Schon wenn die Kids morgens aus dem Haus waren, knallte der Korken. Ich begann mit der Hausarbeit und was so zu erledigen war und trank bis 13 Uhr die Flasche leer. Da kamen die Kinder nach Hause. Ich war nie völlig out of order, aber gut angeschiggert. Es kam am Abend auch nichts mehr hinzu. Immer schön eine Flasche Sekt.

    Als die Kinder größer waren, bin ich an den Wochenenden auch mal wieder in hiesige Kneipen. Dort war der Konsum immer höher, als wenn ich alleine zu Hause trank.

    Ab meinem 40 Lebensjahr konnte ich keinen Sekt oder Wein mehr trinken. Mein Magen vertrug die viele Kohlensäure überhaut nicht mehr. Auch alle "Kurzen" kamen nicht mehr in meine Kehle. Selbst beim guten Griechen verzichtete ich auf den obligatorischen Ouzo und gab ihn an meine Begleitung weiter.

    Mein oberstes Gebot war immer "behalte Deine Fassade". Wenn öffentliche Feste in unserer Umgebung waren, waren wir dort auch immer wieder mal, aber dort trank ich keinen Alkohol. Mir hätte ja sonst wer von der Arbeit begegnen können. Auch bei der Arbeit war es vor paar Jahren noch üblich, an Jubiläen, Geburtstagen usw. gemeinsam Sekt zu trinken. Ich habe immer nur Orangensaft getrunken. Ich wollte nicht mit einem roten Kopf auffallen.

    Ich glaube was ich da gelebt habe, nennt sich "funktionierender Alkoholiker". Ja ich habe funktioniert. Aber es war mehr als anstrengend. Auch wenn ich häufig dann alleine zu Hause trank (ohne Verharmlosung = Bier), war ich nicht immer komplett abgeschossen. Wenn ich es aber war, bin ich auch nicht an unser Festnetztelefon wenn es klingelte oder an die Haustüre. Man hätte ja hören oder sehen können das ich voll bin. Furchtbar alles.

    Der hier immer wieder auftauchende Spruch "das erste Glas stehen lassen" ergibt für mich einen großen Sinn. Denn nach dem ersten Glas konnte ich nie aufhören.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Dann überlege Dir schon mal eine gute Ausrede, wieso zu das nächste verschriebene Medikament nicht nehmen kannst, weil es Alkohol enthält.

    Hallo Alex,

    das wäre echt das kleinste Problem. Da würde ich nach einer Alternative ohne Alkohol fragen. Mein Arzt würde mich nicht mal fragen warum und würde für mich nach einer Alternative schauen. Ich achte ständig auf die Inhaltsstoffe seit 114 Tagen. Gleich zu Beginn habe ich 2 meiner liebsten Bodysprays entsorgt, die rochen auf einmal nach Alkohol. Bei dem einen stand es tatsächlich auch auf der Rückseite. Bei dem anderen konnte ich nichts entdecken und habe trotzdem beide entsorgt. Meine Nase ist sowieso sehr empfindlich geworden.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Denn ohne das Zitieren bekommst Du gar nicht mit, dass ich Dir in meinem Faden geantwortet habe.

    Bibitor 66 wenn Du ein @ direkt vor den Namen setzt, dann sieht der genannte Teilnehmer, dass er erwähnt wurde. Ein komplettes Zitat ist nicht nötig.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Willkommen bei uns!

    ich bin da bei Alex_aufdemweg . Seitenlanger Text mit Begründungen und Rechtfertigungen, um nur einen Satz beim Arzt "Ich bin Alkoholiker" zu umgehen. Kann man machen, muss es aber nicht.

    Ob du dich beim Arzt outest , was eigentlich das oberste Prinzip sein sollte oder dich durchschleichst, ist deine Entscheidung. Aber spätestens bei der nächsten Narkose, beim Zahnarzt, bei der Spritze ins Bein oder bei sonstigen Medikamenten wird e s ernst. Da ist es verdammt wichtig, dass die Anästhesisten Bescheid wissen.

    Durch jahrelanges Saufen sind die Schmerzrezeptoren anders justiert. Der Körper reagiert nicht mehr wie im Lehrbuch. Und wer da schweigt, spielt mit seiner Gesundheit oder schlimmer auch mit einem Rückfall . Ehrlichkeit ist kein Luxus, sondern für Alkoholiker eine Überlebensstrategie. Wer trocken lebt, sollte auch medizinisch Klartext reden

    weil ich es sonst gleich in unser "Dorfblättle" setzen könnte und erkannt werde. Ich habe mich ja aufgrund der Anonymität hier angemeldet.

    Und du glaubst, es bleibt unbemerkt, von der Partymaus zum Abstinenten zu werden? Gerede wird es immer geben, egal was du machst. Auf dem Dorf ist das viel schlimmer als in der Anonymität einer Großstadt.

    Übrigens, einen „funktionierenden Alkoholiker“ gibt es für mich nicht. Das ist eine Illusion, eine Schutzbehauptung, mit der man versucht, das Elend zu beschönigen. Genau diese Selbsttäuschung hat mich damals in den Abgrund der Sucht getrieben.


    Solange ich mir heute noch einrede, ich hatte alles im Griff, weil „ich ja funktionierte“, bin ich immer noch mittendrin , nicht draußen. Trockenwerden beginnt da, wo ich aufhöre, mir selbst Märchen zu erzählen.

    Der erste Schritt in die Nüchternheit ist geschafft. Drei Monate sind zwar noch kein vollständiges Trockenwerden, aber es ist der richtige Weg dorthin. ;) Und ich finde es richtig gut, dass du alles aufschreibst. Denn genau da entsteht Struktur. Da kommt der richtige Input, um stabil zu werden.

    Und stabil ist am Anfang keiner auch wenn man sich manchmal so fühlt. In der Anfangszeit wird man oft von Euphorie getragen. Man denkt, man hat’s gepackt. Aber das ist noch kein Fundament das ist Schwung.

    Und Schwung ist gut, aber er trägt nicht dauerhaft. Was trägt, ist Ehrlichkeit, Klarheit und Austausch. Deshalb: Weitermachen, hinschauen, schreiben.

    Das mal am Rande aus meiner Erfahrung.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    schön das Du Dich meldest. Deine Beiträge sind mir, vor der Anmeldung hier, am meisten aufgefallen. Sie sind mahnend und sprechen aus langer Erfahrung. Deshalb erst mal herzlichen Glückwunsch zu Deinen 18 Jahren. Ich rede mir nicht ein "ich funktioniere", ich wollte einfach nur schreiben wie sich bei mir alles verhielt. Ich behaupte auch nicht ich bin zu 100% stabil. Das wäre wirklich total überheblich und die sogenannte "Blitztrocknung". Nein ich muss weiter an meinem nüchternen Leben arbeiten. Das tue ich jeden Tag. Denn nur nichts Trinken reicht nicht.

    Bei mir schleicht sich immer mehr die Freude an der Nüchternheit ein. Natürlich muss ich weiter an mir arbeiten. Ich will nie wieder in den stressigen Alltag zurück, den ich geführt habe. Es ist alles leichter geworden. Trotzdem bin ich wachsam und werde es bleiben. Deshalb bin ich hier. Mit dem Lesen und nun auch mit Euch schreiben, fühle ich mich sehr sicher, es endlich zu schaffen.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Hallo Bibitor 66 , bevor ich mich gleich für die Arbeit fertigmache will ich Dir rasch einen Willkommensgruß da lassen. :)

    Viele Grüße,

    ST

    ☯ 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝒹𝒾𝑒𝓂. 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝓃𝑜𝒸𝓉𝑒𝓂. 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝑜𝓂𝓃𝒾𝒶. ☯

  • Deine Beiträge sind mir, vor der Anmeldung hier, am meisten aufgefallen.

    Und trotzdem hast du dich in die Höhle des Löwen gewagt. Hut ab.;):mrgreen:


    Manche machen aus meiner Art zu schreiben, aus meiner direkten Sprache, gleich ein eigenes Problem. Dabei ist es nicht das Mahnende, was nervt , es ist manchmal einfach die ungeschönte Wahrheit. Und die kann wehtun. Vor allem, wenn man sie selbst noch nicht wahrhaben will oder sie falsch einordnet, weil sich hier erstmal alles fremd anfühlt.

    Das auch normal istz . Wer aus einem nassen Zustand hier ankommt, bringt eben noch eine ganze Menge nasse Gedanken mit. Das bleibt eine Zeit lang so.

    Übrigens: In vielem, was du schreibst, finde ich mich selbst wieder. Ich war früher eine ziemlich bekannter " Partylöwe" – immer vorne dabei, immer laut, immer mit Glas in der Hand. Heute weiß ich Das war nur eine Fassade.

    Dann mache mal einfach weiter.

    Es bedarf auch keiner Rechtfertigung, wenn ich etwas schreibe. Auch wenn ich Erfahrung habe, bin ich nicht der Richter, sondern eher jemand, der einfach nur sagt, was er denkt, und ich interpretiere nie eine Vorgehensweise des Gegenübers willkürlich.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hallo Bibitor 66 , bevor ich mich gleich für die Arbeit fertigmache will ich Dir rasch einen Willkommensgruß da lassen. :)

    Viele Grüße,

    ST

    Hallo Seiltaenzerin,

    Danke für den Willkommensgruß. Auch Dich habe ich immer wieder gelesen. Es sind doch wirklich alles so interessante Lebensläufe mit der Sucht. Überall kann ich für mich etwas rauspicken. Viele starke Worte bzw. Zitate habe ich mir vor dem Start in die Abstinenz aufgeschrieben und habe sie mir an meinen Kühlschrank geheftet. Damit ich sie immer wieder lesen kann.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Hi Bibi,

    Ich glaube was ich da gelebt habe, nennt sich "funktionierender Alkoholiker". Ja ich habe funktioniert. Aber es war mehr als anstrengend.

    Genau so blicke ich auch auf mein Leben unter Alkohol zurück. Ja, ich habe funktioniert, war eine funktionierende Alkoholikerin, beruflich und privat. Mir war es unendlich wichtig, die Fassade aufrecht zu halten. Bin ich deswegen die 'bessere Alkoholikerin'? Selbstverständlich nicht. Scham und Verzweiflung waren ein Teil von mir. Ob schlimmer oder weniger schlimm als bei anderen kann ich nicht beurteilen. Ich kenne nur mein eigenes Inneres. Und das hat mir gereicht.

    In den allermeisten Fällen hatte ich mich in Gesellschaft im Griff. Die zwei-, dreimal, wo es mir aus dem Ruder gelaufen ist, gehören heute zur Familienlegende, waren eher nicht ekelig, sondern werden als lustige Anekdötchen gehandelt ("Weißt du noch, wie dir der teure Seidenschal aus dem Beifahrerfenster geflogen ist?") Doch dieser vermeintlich weniger krasse 'Unterbau' schmälert meinen Willen nicht, ein abstinentes Leben zu führen. Früher ging es mir darum, nach außen hin zu funktionieren, und auch bei meinen damaligen Trinkpausen waren es äußere Umstände oder andere Menschen, die für mich eine große Rolle bei meinem Bemühen gespielt haben, vom Alkohol wegzukommen. In der aktuellen Situation, die ich hier im Forum verbringe, geht es zum ersten Mal nur um einen Menschen: MICH.

    Ich werde mich nicht aus dem Auge verlieren. Und ich werde nicht aufhören, mir mein alkoholfreies Leben weiterhin so behaglich wie möglich einzurichten.

    Liebe Grüße

    Mattie

  • Ich rede mir nicht ein "ich funktioniere", ich wollte einfach nur schreiben wie sich bei mir alles verhielt.

    Das habe ich schon verstanden, ich habe auch mein "Tagwerk verrichtet "so nenne ich das.

    Wenn ich mich selbst als „funktionierenden Alkoholiker“ bezeichne, öffne ich mir damit eine Hintertür. Denn ein Alkoholiker funktioniert eben nur mit Alkohol .Sobald der Saufdruck wiederkommt, ist die Ausrede schnell zur Hand: „War ja alles nicht so schlimm. Ich hab doch funktioniert. Ich kann ja wieder was saufen .“

    Genau da liegt die Gefahr. Diese Selbstdefinition ist eine Selbsttäuschung. Und ja, am Anfang sieht man das oft anders. Das ist völlig normal, es so zu sehen oder als Wortglauberei abzutun.

    Ich war ja auch nicht bescheuert , Ich wusste sehr wohl, dass ich Alkoholiker werden konnte. Und trotzdem habe ich es nicht geschafft, meine „nassen Gedanken“ alleine in dieser Zeit zu stoppen. Die habe ich mit hierher ins Forum gebracht und das war gut so.

    Denn wenn alles mit dem Kopf zu lösen wäre, warum liegt die Rückfallquote dann bei bis zu 95 %? Wenn ein Rückfall egal ist, brauche ich nicht hinzuschauen und nur meinem eigenen Denken vertrauen. :whistling:

    Aber wie schon anderswo geschrieben: Jede Beschönigung, jede Relativierung, jeder Versuch, irgendetwas mit Alkohol zu rechtfertigen selbst unterbewusst mit den "nassen Gedanken" geht in die falsche Richtung.

    @all .Ein Tipp an alle, die neu hier sind , ganz allgemein: Hängt euch an die länger trockenen , nicht an die, die noch in der der Anfangsfase des Trockenseins stecken. Die, die schon länger trocken sind, haben es ja bewiesen .

    Die anderen sind noch mittendrin und müssen es erst einmal zeigen. Sind aber eben noch nicht stabil. Wichtig und richtig ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Genauso wichtig ist jedoch, darauf zu achten, dass es nicht in die falsche Richtung geht.

    Denn zwei Ertrinkende können sich nicht lange über Wasser halten. Da braucht es jemanden, der schon festen Boden unter den Füßen hat. Aber genug jetzt… Ich bin dann mal wieder weg... lasse den Thread jetzt wieder dir.:whistling:

    Gruß Hartmut

    ------------------

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    Trocken seit 2007

  • Hallo,

    ich bin noch nicht stabil. Ich hoffe das ich es werde. Zu Beginn hatte ich ja Suchtdruck. Es muss Suchtdruck gewesen sein, da mir dann auch immer das Suchthirn suggerierte "Trink was, dann geht es Dir besser." Habe ich nicht getan. Diese Unruhezustände bekomme ich immer noch. Nur das Suchthirn ist leiser. Es kann mich nicht dazu bewegen Alkohol zu trinken. Hier im Haushalt befindet sich seit Beginn keiner. Aber ich muss immer sofort in Bewegung kommen und etwas machen. Sonst geht diese Unruhe nicht weg. Es ist nicht ständig da. Es kommt meistens, wenn ich eben gerade nichts mache. Also auf dem Sofa liege. Ich lenke mich immer ab. Neuerdings auch wieder mit Stricken. Aber das Gefühl mag ich gar nicht. Ich hoffe es kommt irgendwann gar nicht mehr. Ich bleibe eisern. Ich trinke nichts. Basta.

    LG

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • Aber ich muss immer sofort in Bewegung kommen und etwas machen. Sonst geht diese Unruhe nicht weg. Es ist nicht ständig da. Es kommt meistens, wenn ich eben gerade nichts mache.

    Ein zentraler Punkt, den du gut erkannt hast. Zeiten neu besetzen.

    Wenn Saufdruck aufkommt, ist das im Grunde nichts anderes als früher , ein Moment, in dem ich in der nassen Zeit einfach zum Glas gegriffen hätte. Diese Zeiten, in denen früher gesoffen wurde sollte bewusst und dauerhaft mit etwas anderem gefüllt werden.

    Nicht nur bei einem akutem Saufdruck, sondern auch dann, wenn bestimmte Rituale mit dem Trinken verbunden waren.

    Gruß Hartmut

    ------------------

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    Trocken seit 2007

  • Ein zentraler Punkt, den du gut erkannt hast. Zeiten neu besetzen.

    Wenn Saufdruck aufkommt, ist das im Grunde nichts anderes als früher , ein Moment, in dem ich in der nassen Zeit einfach zum Glas gegriffen hätte. Diese Zeiten, in denen früher gesoffen wurde sollte bewusst und dauerhaft mit etwas anderem gefüllt werden.

    Nicht nur bei einem akutem Saufdruck, sondern auch dann, wenn bestimmte Rituale mit dem Trinken verbunden waren.

    So. Bibi ist wieder unten. Vorhin als ich schrieb, war das Gefühl gerade da. Dann turnte ich etwas auf meinem Stepper rum und nun kehrt meine geschätzte innere Ruhe wieder ein. Habt Ihr "alten Hasen" Erfahrungswerte, wie lange es dauert bis diese Unruhezustände aufhören? Ich vermute es ist unterschiedlich. Ich lasse mich natürlich nicht aus meinem Konzept bringen, aber das möchte ich nicht für immer haben.

    Grüße

    Bibi

    Das Leben wird dir solange denselben Test geben, bis du ihn bestanden hast.

    -Xo Filou-

  • So. Bibi ist wieder unten. Vorhin als ich schrieb, war das Gefühl gerade da. Dann turnte ich etwas auf meinem Stepper rum und nun kehrt meine geschätzte innere Ruhe wieder ein. Habt Ihr "alten Hasen" Erfahrungswerte, wie lange es dauert bis diese Unruhezustände aufhören? Ich vermute es ist unterschiedlich. Ich lasse mich natürlich nicht aus meinem Konzept bringen, aber das möchte ich nicht für immer haben.

    Grüße

    Bibi

    2-3 jahre bei mir:roll:

    Ps: erzwingen lässt sich das nicht.man sollte seine mitte finden,mit sich im reinen sein...

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