ch frage mich: Wie kommt jemand auf die Idee, sich nach ein paar Tagen Abstinenz als "alkoholUNabhängig" zu bezeichnen?
Nun, jeder kann selbst entscheiden, wie er sich sieht und was ihm wichtig ist, und wie er sich bezeichnen will. Darüber zu diskutieren ist eh überflüssig, vor allem, wenn der User nicht freigeschaltet ist und was er damit aussagen wollte.
Mir war es völlig wurscht, wie ich genannt wurde oder nennen sollte – Umschreibungen , Begriffe sind nur leere Hüllen, wenn der Inhalt verwässert.
Ich wollte einfach nur nüchtern werden, aus meinem Tief herauskommen und hatte weder Zeit noch Lust, mir über "fancy Bezeichnungen" Gedanken zu machen. Dieses ganze Work-Life-Balance-Thema scheint manchmal auch in Richtung Sucht abzudriften, und es wirkt, als wollten sich Alkoholiker dabei irgendwie besonders fühlen. Ich war auch kein Queraussteiger, der sich nur als Alkoholiker fühlte, weil er ein Glas Wein am Tag trank.
Alles gut – am Ende zählt doch nur, dass man auf sich selbst achtet und herausfindet, was wirklich wichtig ist.
Nur ist das eben hier nicht die Grundlage des Austauschs und muss akzeptiert werden. Es entspricht eben nicht unserem Anspruch.
Und nein, ich bin nicht päpstlicher als der Papst, höchstens ab und zu.

Bis ich verstanden habe, dass ich etwas ändern muss, habe ich auch alles abgetan. Und wir sollten den Neuen hier zugestehen, dass sie nicht wie trockene Langzeitalkoholiker denken. Sie kommen pitschnass und frisch an, und im Kopf hat der Übergang zum Alkoholiker eben noch nicht so richtig "klick" gemacht.
Was mich nervt? Wenn Leute irgendwo was aufschnappen – ein Schlagwort hier, ein Sucht Ratgeber da – und meinen, sie müssten es unbedingt hier unterbringen. Man merkt sofort: Ihnen geht's nicht um die Sucht. Es geht ihnen darum, der Welt zu zeigen, wie es angeblich richtig läuft.
Und das Beste? Null eigene Erfahrung. Kein Hintergrund, kein echtes Durchleben. Statt einfach mal einen Schritt für sich selbst zu gehen, vergleichen sie „Wege aus der Sucht“, als wär es ein Fitnessprogramm. Dabei haben sie selbst noch nicht mal angefangen.
Und damit ganz klar: Hier wird niemand abgewiesen, nur weil er sich mit bestimmten Begriffen nicht sofort identifiziert oder noch nicht bereit ist, sich auszutauschen. Wer später zurückkommt, ist genauso willkommen.
Denn worum geht’s hier wirklich? Um Sucht – nicht um persönliche Empfindlichkeiten.
Echtes Verständnis beginnt bekanntlich dort, wo man aufhört zu bewerten und anfängt zuzuhören.