Alles bleibt beim Alten. 😉 Die Begründungen sind bekannt. Ein paar „Vertraute“ werden eingeweiht , in der Hoffnung, dass es dort bleibt. Reicht aber, wenn einer plaudert, und schon ist die Diskretion futsch.
„Könnte im Job schaden“ – kommt zuverlässig. Ein Schutzschild gegen Offenheit, gestützt auf reine Annahmen. Deshalb sag ich: Wer’ es erfahren hat, soll erzählen. Ich bin kein Fan von Hörensagen. Das macht abhängig von Gerüchten. Und ich war abhängig, saufen zu müssen.
Und wer sich schon im Vorfeld mit Händen und Füßen gegen Offenheit wehrt, sollte sich nicht über Stigmatisierung beklagen.
Klar, das eigene Hemd ist näher als die Hose. Und nein – es braucht kein großes Outing. Aber ein bisschen mehr Ehrlichkeit würde dem Bild gut tun. Wer das Stigma beklagt, sollte sich fragen, ob er es nicht selbst mitträgt. Darum ging’s in diesem Thread.
Dass mein offener Umgang mit meiner Suchterkrankung im persönlichen Bereich nicht nur positive, sondern auch negative Folgen haben kann, muss mir dabei bewusst sein.
Da hast du und alle anderen recht. Wir werden nicht jeden überzeugen können. Vor allem nicht die, die selbst noch saufen. Die verstehen das nicht. Die Welt wird ja nicht in meinem direkten Umfeld trockener, nur weil ich aufgehört habe zu saufen.Und wenn ich dann mit genau solchen Leuten beruflich oder privat zusammensitze, besteht eben auch die Gefahr, dass mir etwas eingeschenkt wird.
Klar, in meinem aktuellen Denken kann ich sagen: „Ich trinke heute nicht.“ Aber wenn ich in einem emotionalen Ausnahmezustand bin, Gruppendynamik herrscht und alle Augen auf mich gerichtet sind, kann es passieren, dass ich zugreife. Die Rückfallquote macht das deutlich.
Und genau deshalb sage ich. Outen schützt. Nicht, weil man sich ins Rampenlicht stellen muss. Sondern weil es Klarheit schafft. Weil es hilft, Situationen zu vermeiden, in denen man sich selbst belügt. Weil es andere wissen lässt: „Ich trinke keine Alkohol und ich meine das ernst.“ . Es ist Selbstschutz.
Aber: Wenn ich hier eines gelernt habe, dann, dass die Festigung meiner Abstinenz absoluten Vorrang für mich hat. Und das ist in der Anfangszeit ein ganz schönes Brett. Damit war und bin ich gut beschäftigt.
Und da stört das Outen? Verstehe ich jetzt nicht.
Es gibt doch hier auch Langzeittrockene, die bis heute nicht jedem von ihrer Sucht erzählen. Scheint also auch zu funktionieren, und darauf kommt es für mich an.
Natürlich, das hier ist ja auch kein Aufruf, durch die Welt zu rennen und überall den Alkoholismus zu preisen oder die Welt zu retten. Darum geht es nicht. Mir geht es um die ständigen Hypothesen, warum etwas nicht gemacht werden kann ohne echtes Hintergrund wissen und ohne zu überprüfen, ob das überhaupt stimmt.
Du schreibst: „Im Rentenalter kann man sowas machen.“ Liest sich so , sei mir nicht böse. Ich schätze jeden, der sich hier angemeldet hat. Denn jeder, der hier ist, hat schon mal mehr Arsch in der Hose als die ganze Dunkelzimmer-Fraktion.
Aber es klingt halt wie am Stammtisch jeden Tag: „Morgen hör ich auf zu saufen.“
Auch mit Deiner charmanten Hartnäckigkeit bist Du mir ein Vorbild
Danke, aber ich bin kein Vorbild, nur weil ich darauf hinweise, wo Gefahren auftreten könnten. Ich bin nicht frei von Nachlässigkeiten, nicht alles läuft bei mir stringent nach Plan, ich bin auch mal gehemmt, mal direkt. Aber ich weiß, wo es endet, wenn jemand nicht mehr aus einem Rückfall herauskommt.
Schüchtern, ja, das bin ich auch, auch wenn ich es nicht immer zeigen kann 
(kleiner Scherz).