Hallo,
So war das:
Am Anfang meiner ersten Ehe schwebte ich im 7. Himmel. Wir passten sooo gut zusammen. Es war einfach alles wie im Traum.
Die Kinder wurden geboren, wir waren finanziell super aufgestellt, hatten eine schöne Wohnung und alles war wie im Hollywoodfilm.
Es gab auch Probleme, zum Beispiel mit seiner Urfamilie. Die waren einfach total grenzüberschreitend. Ich habe versucht mich zu wehren... Und gemerkt, ich stehe alleine da. Keine Rückendeckung vom Mann. Mehr und mehr merkte ich, dass er sich nicht wirklich abgenabelt hatte von seiner Mutter und dem Bruder.
Und er trank. Da ich aus einer trinkfreudigen Familie komme, hab ich mir erstmal nichts dabei gedacht. Ich trank ja auch gerne auf Feiern oder so, ich kannte es ja so. Aber er trank jeden Tag. Nach Feierabend. Für mich offensichtlich 2 Bier und 1 Schnaps.
Das hat mich schon gestört und nach einigen Ehejahren kam es mir immer komischer vor. Manchmal saß er dann völlig apathisch da und ich machte mir Sorgen und dachte, er wäre so erschöpft. Er sagte es auch immer so. Er wäre so müde.
Ich weiß nicht warum aber ich habe dabei nie daran gedacht, dass er völlig besinnungslos betrunken war in solchen Momenten. Ich hatte ein Brett vorm Kopp oder so. Verdrängung, was weiß ich.
Denn ich wollte doch nicht glauben, dass da was völlig daneben lief. Zumal mein erster Mann auch Ende der 80ger Jahre eine Gehirnblutung hatte, die er schadlos überlebt hat. Er musste dann auch Medikamente nehmen. Vieles an seinen Aussetzern schob ich dann darauf. Und er bestätigte das auch.
Ich wurde immer unruhiger, es wurde komischer. Auf Feiern trank er viel, einmal ist er einfach vom Stuhl gekippt. Völlig besinnungslos. Es wurde mir immer peinlicher und ich wurde immer überforderten, wütender, ängstlicher. Kinder, Haushalt, fast alles lastete mehr und mehr auf mir. Außer das Finanzielle. Da lag für mich vieles im Dunkeln. Ich wurde mehr und mehr abhängig von ihm, auf allen Ebenen.
Er wurde immer gehässiger, manipulativ, oft war ich wie Luft für ihn. Vor allem, wenn wir mit seiner Urfamilie zusammen waren. Vor allem mit dem Bruder und seiner Frau. Er missachtet mich auf allen Ebenen, stellte mich manchmal in der Öffentlichkeit bloß. Erklärte mir, wie blöd ich wäre usw.
Ich schmiss das ganze Leben inzwischen. Er trank immer mehr und ich hab endlich hingesehen. Nicht mehr verdrängt. Er war abhängig. Wahrscheinlich viel länger als mir bewusst war. Ich klammerte trotzdem. Ließ mich kleinmachen, erniedrigen, benutzen. Wollte die Familie zusammenhalten. Meine Wohnung nicht verlieren.
Ich hatte Ängste vor der Zukunft. Dachte, ich hätte nix Besseres verdient. Wollte nicht aufgeben, nicht zeigen, wie schlecht es mir ging, dass ich gescheitert war mit meinen Lebensträumen, dass ich nichts kontrollieren konnte. Ich schämte mich, für meinen Mann, für meine Unfähigkeit. Für mein Scheitern. Ich fühlte mich schuldig, verantwortlich. Als letzter Dreck.
So bestätigte und behandelte mich auch mein Mann. Ich trank immer häufiger und mehr mit, wenn wir auf Feiern waren sollte er auch fahren, damit er nicht trinken konnte. Dass das nicht geklappt hat ist klar.
Ich war dann irgendwann völlig energielos, mir tat alles weh und ich hatte zu nichts mehr Lust. Das Nachhausekommen machte mir Angst. Sein Zustand löste große Wut in mir aus, Hilflosigkeit, dann Hass. Er wurde immer übergriffiger.
Die Kinder waren groß inzwischen, hatten für ihren Vater keinen Respekt mehr übrig. Nur Wut und Traurigkeit. Oft waren sie auch auf mich wütend, weil ich so rumjammerte und geschehen ließ. Bis ich eines Tages vor dem Spiegel stand und dachte, hör auf zu heulen und mach jetzt was.
Da fing der Weg an. Es ging nicht von jetzt auf gleich. Aber es ging. Ich holte mir Informationen, probierte eine Selbsthilfegruppe, ging zu einem Anwalt. Das mit dem Mann und mir eskalierte immer mehr, er steigerte sich teilweise in einen regelrechten Wahn. Ich wollte, dass er auszieht, er lag nur noch besoffen im Bett.
Also ging ich. Schweren Herzens, voller Angst, Schuld und Scham. Aber auch voller Erwartung. Es war einer der schwersten Wege da raus. Aber auch einer der besten. Denn das Leben kam zurück. Ich wurde immer freier und wieder offener. Ich machte Therapie, meldete mich hier im Forum an. Ich machte Schritte zurück aber dann viel mehr nach vorne.
Mein Exmann wurde nüchtern und ich habe überlegt, zurück zu gehen. Die Option gab es ja. Aber ich merkte bald, dass er auch ohne Suff nicht der war, für den ich ihn am Anfang gehalten hatte. Er war genauso manipulativ, egoistisch und herablassend zu mir wie vorher.
Da war dann meine Entwicklung schon so weit, dass ich endgültig loslassen konnte. Und dann hatte ich die Hände frei für was Neues...
Das wollte ich einfach mal loswerden.
Aurora