ich und viele fragen

  • Hallo Biene,

    Nächste Woche am Dienstag habe ich endlich einen Termin beim Therapeuten.Habe natürlich jetzt schon bammel.Woran erkennt man einen guten Therapeuten?Mit was oder wo fängt man an zu reden?
    Meine Hausärztin sagte, ich solle einen Therapeuten für Verhaltenstherapie und mit Erfahrung Sucht suchen.
    Und nächste Woche Donnerstag ist mein Zahnarzttermin :( .Ich werde es glaube ich n i c h t Ihm sagen können das ich trockene Alkoholikerin bin,auch wenn ich mir damit selber schade.
    Das Wort "trockene Alkoholikerin" bringe ich nicht über die Lippen,noch nicht.
    Vielleicht ist es Schamgefühl oder dumme denkensweise,keine Ahnung.
    Als ich mich bei meiner Hausärztin,meiner Mum oder einigen anderen geoutet habe,habe ich nicht gesagt "ich bin Alkoholikerin" sondern es Ihnen mit anderen Worten versucht zu sagen.
    Es ist für mich keine Schande Alkoholikerin zu sein,nein,nur das Wort ist es.Das muss doch andere abschrecken und einen in eine unterste Schublade stecken,die davon nicht bettroffen sind und keine Ahnung haben.So hätte ich damals vielleicht auch gedacht als ich noch nichts getrunken habe.
    Deswegen ist für mich der Zahnarzt ein Zahnarzt und ich wäre v i e l l e i c h t die erste wo Ihm sowas sagen würde.Nein,soweit bin ich noch nicht.


    Bis dann
    LORI

  • Hallo Lori,

    Thema Outing beim Zahnarzt, nur mal so zum Nachdenken:

    Ich habe mich ganz am Anfang meiner Abstinenz auch ein wenig davor gewunden, mich als Alkoholiker zu enttarnen, aber mit der Zeit ist mein Verhältnis dazu immer gelassener geworden. Letztendlich war diese ‚Scham’ ein Relikt meiner alten (nassen) Denkmuster:

    Keiner darf etwas mitbekommen!
    Niemand darf meinen wahren Alkoholkonsum kennen!
    Alles schön verstecken!

    Und da schwebte bei aller Einsicht meinerseits natürlich diese trügerische Hoffnung mit, dass es ja vielleicht doch nicht so schlimm war, dass ich ja vielleicht doch wieder mal ‚normal’ trinken könnte (und vielleicht ‚mal’ auch etwas mehr :roll:). Wie peinlich wäre es dann wohl, wenn ich mit einem Glas Bier in der Hand vor all meinen Freunden sitzen würde und vorher so ein Tamtam von wegen Alkoholiker gemacht hätte.

    Am Ende bekommt es sowieso jeder mit, ob Du nun willst, oder nicht. Ich bin mir z.B. sehr sicher, dass viele Kassierer/Innen in den lokalen Supermärkten sehr wohl bemerkt haben, dass ich früher immer mit einem Kasten Bier aus dem Laden gewandert bin, heute aber gar nicht mehr. Und dort habe ich nun wirklich nicht das Gespräch gesucht :wink:.

    Sieh das ‚Outing’ doch als Übung für folgende Gespräche und auch als kleinen Beweis Deiner Ernsthaftigkeit (Dir selbst gegenüber!).

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Lori,

    auf der einen Seite kann ich Deine Bedenken nachvollziehen.
    Aber bei allen Gedanken die Du dir darüber machst was könnte der Zahnarzt denken, was seine Sprechstundenhilfe solltest Du daran denken es geht bei deiner Offenheit Ihnen gegenüber einzig und allein um Dich!

    Ich habe es meiner Zahnärztin gesagt und sie richtet ihre Behandlung darauf aus. Kein Spülwasser mit Alkohol, keine Reinigungen, Spritzen usw. wo Alkohol enthalten ist.
    Da Zahnärzte nicht völlig ahnungslos sind und Du bestimmt nicht die einzige Patientin bei ihr/ihm bist, ist die Offenheit ihnen gegenüber völlig normal.

    Nur Mut!!!!
    Wenn Du es 'hinter' Dir hast wirst Du Dich um Klassen besser fühlen!

    Gruß
    Mannberlin

  • Hallo Lori,

    Zitat

    Woran erkennt man einen guten Therapeuten?Mit was oder wo fängt man an zu reden?

    Deine Fragen kann ich Dir so nicht beantworten. Ich stelle mir aber vor, dass die "Chemie" halbwegs stimmen muss, schließlich soll ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Beim ersten Mal würde ich das sicher auch noch nicht beurteilen, sondern erstmal 2 - 3 Mal hingehen. Dann wirst du sehen, ob Du richtig bist.

    Aber was ich eigentlich sagen wollte:

    TOLL, DASS DU EINEN TERMIN GEMACHT HAST ! Finde ich echt klasse ! :lol:

    Liebe Grüße
    Biene

  • Hallo,

    Im Moment passieren so viele neue Ereignisse für mich,bin ganz konfus.
    Ich kann mir gleich eine Wohnung anschauen,vor ein paar Wochen noch hätte ich mir Mut angetrunken oder vor Freude einen gekippt.Jetzt muss ich einfach schreiben(und viel rauchen)damit ich wieder runter komme und mich beruhige.
    Für mich bedeutet eine neue Wohnung sehr sehr viel.Nicht weil ich mir eine suchen muss und die auch günstiger ist,sondern ich kann endlich NEU anfangen mit meinem Leben.Die Erinnerungen an meine Trinkerei (fast nur zu Hause getrunken) und die an meinen Mann wären erstmal weg.Das man getrunken hat verschwindet nie,das ist mir klar,doch ich schaue jetzte in die Zukunft und freue mich darauf.
    Komisch,vor ein paar Tagen war ich noch total down,(Alkoholiker für immer)und so doofen Gedanken.Hoffentlich kommen jetzte mehr Hochs als Tiefs,dumm wer wünscht sich das nicht.
    Sorry, ich bin durcheinander.


    Bis dann

  • Servus Lori,

    sorry, aber das ist hoffentlich nicht Deine Einstellung:

    Zitat

    ...Es ist für mich keine Schande Alkoholikerin zu sein,nein,nur das Wort ist es. Das muss doch andere abschrecken und einen in eine unterste Schublade stecken,die davon nicht bettroffen sind und keine Ahnung haben.So hätte ich damals vielleicht auch gedacht als ich noch nichts getrunken habe...

    Mir macht es schon den Eindruck als würdest Du damit ein massives Problem haben, Dich zu outen - eben weil Du für Dich noch nicht akzeptiert hast, dass wir an einer Krankheit leiden und nicht an einer "Willensschwäche" oder ähnlichem.

    Denk' einfach mal für Dich nach, was Dich da so beunruhigt. Ich bin sicher, sobald Du ehrlich zu Dir bist, hast Du auch eine Antwort auf die Frage.

    Ach ja, und noch was: uns könnte es im Prinzip egal sein, was Du daraus machst. Wir müssen ja nicht zum Zahnarzt und gefährden durch Schweigen nicht unsere Gesundheit.

    Schweigen Dir gegenüber hiesse aber, Dich im Irrglauben zu belassen, dass Dein Handeln von uns gedeckt und/oder für gut befunden würde. Dem ist nicht so...wir bohren da durchaus nach, denn trocken gestreichelt wurde noch keiner.

    LG
    Spedi

  • Hallo Spedi,

    Es tut mir leid,wenn ich mich falsch ausgedrückt habe.Ich bin erst oder schon 8Wochen trocken.Ich weiß ich bin Alkoholikerin,ich weiß es ist eine Krankheit, nur ich weiß noch nicht genau was alles auf mich zu kommt.Es ist noch alles neu und durcheinander in meinem Kopf.Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht wann ich mich wo outen muss,da ich mich zur Zeit nur zu Hause verstecke.Ich habe gedacht(natülich falsch):
    Kein Restaurantbesuch=kein outen
    Keine Apotheke(nur vom Arzt Medikamente)=kein outen
    Weiter habe ich nicht überlegt.
    Ich muss noch dazu sagen,ich bin ein sehr sehr sehr schüchterner und zurückhaltender Mensch,das war ich auch früher schon als ich noch nicht getrunken habe.
    Ich bin hier im Forum um zu lernen und um mich auf mein trockenes Leben vorzubereiten.
    An Zahnarzt=Betäubung mit Alkohol habe ich durch lesen hier erfahren von einem anderen Forummitglied.

  • Servus Lori,

    ein recht schlauer Mensch hat zu mir einmal gesagt:

      "Es gibt drei Menschen, denen kannst Du alles erzählen. Deinem Pfarrer bei der Beichte, Deinem Arzt bei der Behandlung und Deinem Partner zu jeder Zeit. Wenn das nicht mehr geht, ist etwas grundlegendes falsch und das musst Du klären".


    Diese Aussage mag banal sein, aber wie so oft, enthält sie ein gutes Stück Wahrheit.

    Für mich als Alkoholiker bezogen auf einen (Zahn-)Arztbesuch heisst das: so lange mich mein Arzt (oder dessen Personal!) nicht durch eindeutige Verletzung der gesetzlich geregelten Schweigepflicht enttäuscht hat, kann ich ihm/ihr vertrauen und muss ihm/ihr (soll die Behandlung korrekt sein) auch 100% "reinen Wein" einschenken.
    Schließlich will ich ja ein gesundes, trockenes und zufriedenes Leben führen - und dazu brauche ich im konkreten Fall auch die Unterstützung durch den (Zahn-)Arzt. Ich werde damit auch ein Stück weit meiner ureigenen Verantwortung mir selbst gegenüber wieder gerecht (etwas, was viele von uns alkoholikern in der nassen Phase schwer vernachlässigt haben).


    Alles Andere ist Kaffeesatzlesen und Kopfkino, jedenfalls unnütz und nicht tauglich.

    LG
    Spedi

  • Servus Lori!

    Mir ist es am Anfang meiner Trockenheit ebenfalls schwer gefallen mich als Alkoholiker zu bezeichnen. Erst durch die Besuche hier im Forum (damals noch als nur Mitlesender) und die regelmäßigen Meetings in meiner realen SHG wo das Wort Alkoholiker wie selbstverständlich ausgesprochen wird konnte ich für mich annehmen Alkoholiker bzw. alkoholkrank zu sein.

    Es ist nicht deine Schuld diese Krankheit bekommen zu haben aber wenn es dein Wille ist ein trockenes, zufriedenes Leben zu führen musst du dazu stehen – denn hinter anderen Ausflüchten verstecken bringt nichts. Meine Familie, Freunde, nähere Bekannte und natürlich auch der Arbeitgeber wissen von meiner Erkrankung und behandeln mich auch danach. Im alltäglichen Umgang hänge ich mir jedoch kein Schild „Alkoholiker“ um. Ich behalte es mir vor näheres bekanntzugeben oder nur zu sagen „ich trinke keinen Alkohol“ was zu respektieren ist. Will dann noch immer jemand genaueres wissen bin ich gerne bereit einen Versuch zu wagen die Alkoholkrankheit zu erklären. Vorstellen kann sich das ein Nichtbetroffener sowieso nicht. Es schadet aber unserer Gesellschaft ganz gewiss nicht
    darüber Näheres zu erfahren.

    Bei medizinischen Belangen steht es für mich natürlich außer Frage meine Alkoholkrankheit
    wenn auch nur sicherheitshalber bekanntzugeben.

    Wünsche dir allzeit trockene 24h !

    Lg Andreas

    carpe diem

  • Hallo Lori,

    noch einmal einige Gedanken von mir.

    Zitat

    Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht wann ich mich wo outen muss,da ich mich zur Zeit nur zu Hause verstecke.


    Also irgendwann magst Du ja sicher auch aus Deinem ‚Versteck’ heraus kommen wollen. Wenn Du Dich dann wieder mehr unter die Menschen wagst (Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das im Moment bei Dir vielleicht noch wahnsinnig weit weg erscheint), dann ist es vor Allem wichtig, dass DU DICH bei DIR selbst outest. Oder lass es mich anders sagen: Du musst Deine (unsere) Krankheit für Dich ganz selbstverständlich annehmen und das völlig unabhängig davon, ob andere Menschen Dich deshalb jetzt in eine Schublade stecken, oder eben nicht. Aus diesem Gefühl der Selbstverständlichkeit wirst Du dann auch lernen, wann und bei wem Du Dich outen musst, denn dann hast Du auch verstanden, dass es dabei nicht darum geht, bei anderen Leuten in Schubladen zu fallen, sondern um den Erhalt Deiner Gesundheit und Zufriedenheit.

    Vielleicht noch als kleiner Tipp: Sag doch einfach: ‚Ich bin alkoholkrank’. Damit kannst Du Dich genau so gut offenbaren und Du vermeidest das böse A-Wort. Mit der Zeit wirst Du ohnehin einen immer gelasseneren Bezug zum Thema haben, aber anfangen musst Du natürlich irgendwann :wink: .

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Hallo Lori,
    hier hat Dir Joe sehr gut seine Gedanken zur Reflektion dargestellt,es hätte treffender nicht ausgedrückt werden können!

    Gruß Andi

  • Hallo.

    Vielen Dank für eure aufmunternde Worte.Ja,ich muss endlich aufwachen,es ist mein Leben und meine Gesundheit.Es ist einfach das hier zu schreiben,doch wenn man dann vor dieser Situation steht,hm?
    Ich habe sowiso NULL Selbstbewustsein :cry: .
    Wenn ich hier bei euch im Forum bin fühle ich mich dann wieder stark und verstanden,doch die Aussenwelt ist für mich......................Ich finde im Moment nicht die richtigen Worte.
    Ich muss an MIR arbeiten vor allem im Kopf,bitte helft mir weiter.Ich habe Angst wieder schwach zu werden.
    Es nervt mich im Moment alles,sogar meine Tochter und Ihre Probleme,so habe ich noch nie gedacht .Ich Liebe meine Tochter über alles,war schon immer eine Klette als Mutter und jetzte wird mir alles zu viel.
    Wenn das mit der Wohnung nun auch nicht klappt?Immer wieder dasselbe wenn man sich vorstellt.Alleinerziehend,arbeitslos = Nein danke
    Glaube heute ist ein schwarzer Tag für mich,voller Depri.

    PS: Gut das es euch gibt :D

  • Servus Lori,

    ich kann Dein momentanes Gefühlschaos schon nachvollziehen. Keiner hat je behauptet, dass die Welt besser wird, wenn Du nciht trinkst. Aber Du kannst die Welt nüchtern besser "ertragen", als im Suff.

    Was will ich Dir sagen? Ganz einfach: Du versuchst nach meinem Dafürhalten sehr viel "mit Dir selbst" auszumachen, z.T. aus Scham (siehe "Outing" beim Doc), z.T. aus Unkenntnis (evtl. kommen auch Deine Depris vom Alkoholmissbrauch?) und sehr viel aus Gewohnheit (während des Saufens ist das ja für viele von uns Alkoholikern "Standard" gewesen).

    Das tut Dir nicht gut, es tut niemand gut.

    Also hole Dir Hilfe. Fachlich fundierte Hilfe. Und Du wirst sehen, dass Du so angenommen wirst, wie Du bist. Du musst niemand etwas "vorspielen", niemand etwas "beweisen". Du kannst ganz Du sein. Das wird auch einem (nicht vorhandenen?) Selbstbewusstsein gut tun.

    Aber hör' bitte auf, Deine Energie an "Nebenkriegsschauplätzen" zu vergeuden um Dich dadurch von Dir selbst abzulenken (siehe Wohnung etc.). Das hat Zeit, bis Du stabil trocken bist. Kümmere Dich erst mal um Dich und Deine Suchterkrankung. Wie heisst es so schön: erst das Problem Alkohol lösen, dann alle anderen Probleme lösen! Schritt für Schritt, und dann kommst Du auch wieder aus dem Tief raus.

    Aber wie gesagt: nicht mehr als "Einzelkämpferin", sondern bitte mit adäquater Unterstützung! Es ist keine Schande, Alkoholiker zu sein. Aber es ist eine Schande, nichts dagegen zu unternehmen!

    Viel Kraft,

    LG
    Spedi

    P.S.: Meine Lieblingsaussage: Wer will, findet Wege - wer nicht will, findet Gründe. Finde Deinen Weg!

  • das was Du von Dir gibtst kommt gerade von meinem Ex-Partner den ich nicht mehr mit meiner freundlichen Co-Hilfsbereitschaft überfalle. Ich will Dir mal meine Gedanken zu seinen Aussagen, die sehr den Deinen ähneln mitteilen.

    Warum beginnt Ihr nicht für Euch und Eure Gesundheit zu sorgen, es gibt Menschen wie Eure Eltern, die mit Euch bangen - warum seid Ihr es Euch nicht wert dass es Euch gut geht? Warum beginnt ihr nicht Euren Körper zu umsorgen - angefangen beim Zahnarzt hin zu Nervenproblemen (von denen mein Freund spricht). Es ist keine Schande. Auch ich habe eine Psychotherapeutin - mich hat das Leben überrollt und ich wollte wieder aufstehen lernen! Diese Chance habt auch Ihr.

    Es gibt Zeiten, da stand mein Freund in Arroganz über allem - nun gerade bricht er zusammen, sieht sich als Arschloch, ist nichts wert, ist eh hässlich und und und. Jeder Mensch in sich ist liebenswert, aber er sollte pur sein. Er sollte menschlich sein und als Mensch wahr genommen werden. "Nass" ist ein Mensch für mich nicht pur und somit auch niemand, mit dem ich sprechen kann. Seit es aus ist ist mein Ex überhaupt nichtmehr in der Lage über Gefühle oder Wünsche zu sprechen, ich weiss nun nicht ob das schon Schäden im bzw. am Gehirn sind, aber genau das macht doch menschliches Verstehen aus.

    Um Hilfe bitten - Hilfe annehmen - zu zeigen jeder ist ein Rädchen im großen Uhrwerk mit Schwächen und Stärken - wo ein Rädchen schwächer ist, da können ihm andere helfen und es stabilisieren. Aber dazu muss das Rädchen sich erlauben sich anzulehen.

    Ihr habt so viel Angst vor der Außenwelt - glaubt Ihr denn die anderen Menschen sind perfekt? Glaubt Ihr nicht, jeder hat so seine kleinen Probleme mit und um die er kämpfen muss? Meint Ihr nicht, dass ihr Respekt von vielen bekommt dass Ihr über Eure Probleme redet und zu ihnen steht. Meint Ihr nicht, dass genau dass, dieses "pure" ist welches einen Menschen liebenswert macht?

    Ich werde wahnsinnig wenn ich genau das spüre was Du schreibt: diese Angst vor dem "normalen" Umfeld. Es haben wollen, ein Teil sein zu wollen, und vor lauter Angst nichts mehr zu sagen, am Leben nicht mehr teilhaben und sich selber "wegzubeamen". Ich kann niemanden daran hindern, es so zu tun. Aber Leute, es scheint mir so als verliert ihr gleichzeitig Euch selber, die Mitmenschen und Euer Leben.

    Sollte das wirklich alles sein, was ihr vom Leben erwartet? Wollt Ihr nicht das Gefühl, wenn auch nur kurzzeitig, mal glücklich zu sein? Wollt Ihr nicht einfach mal Euch selber kennenlernen - Euch annehmen mit Euren Ängsten und versuchen Vertrauen aufzubauen. Wollt Ihr denn wirklich Euer Leben lang vor den Mitmenschen Angst haben, ohne zu wissen ob diese berechtigt sind oder nicht.

    Vielleicht denke ich hier falsch, aber Lori's Worte sind genau das was ich heute nacht hören durfte, ich bekam noch ein paar Selbstmordgedanken dazu serviert. Und ich könnte einfach nur k....en! Es ist Euer Leben - haben Eure Mütter tatsächlich die Geburtsschmerzen gehabt damit Ihr Euch wegwerft? Haben Euch Menschen liebgewonnen, damit ihr sie jetzt wegstoßt um Eure Probleme und Ängste geheim zu halten und nicht das äußere Bild verliert?

    Sorry, wenn es hart klingt, aber das ist mir echt zuviel - Leben wegwerfen wofür andere dankbar wären....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo dagmar,

    Du hast sehr schön und genau das richtige geschrieben,mir kamen dabei die tränen,denn es i s t so.Ich habe Angst und kein Vertrauen in die neue trockene Welt. Natürlich geht es mir nüchtern viel besser,doch ständig die kreisenden Gedanken an Alkohol machen mich verrückt.Wielange muss oder kann ich das noch aushalten?Meine momentane Situation macht es nicht gerade leichter.Zu denen die mich geliebt haben oder noch kann ich nicht aufschauen,z.b. meine Mutter trinkt ja auch,mein Ex-Mann will mir Alkohol anbieten.Wenn man nicht mal der eigenen Familie trauen kann die mein Alkoholproblem kennen,wie soll man dann mit der Aussenwelt klar kommen?
    Ich habe nächste Woche einen Termin beim Therapeuten und ich denke auch der hört sich eine Stunde mein bla,bla an und das wars.
    Wenn ich nichts an meiner Einstellung ändere kann auch ein Therapeut nichts machen.
    Was ist meine Einstellung?
    Was will ich?
    Was kann ich?
    Wer bin ich jetzt?
    Ich bin und bleibe Alkoholikerin.Versteht es nicht wieder falsch,es ist keine Schande das ist für mich klar und nicht das Problem.Mir fehlen schon wieder die richtigen Worte,sorry.
    Ich will endlich meinen Kopf frei bekommen,das durcheinander geht schon zu lange,seit ich trocken bin,und es gibt kein Ende.

  • Servus Dagmar007,

    sorry, wenn ich Dir hier vehement widerspreche. Ich verstehe Deinen Frust, und ich gestehe Dir auch eine gewisse Unzufriedenheit -hervorgerufen durch Deine persönliche Situation- zu.

    Aber Du vergleichst hier Deine Gedanken -die Gedanken und Empfindungen eines weitestgehend gesunden Menschen- mit der Gefühls- und Gedankenwelt eines SUCHTKRANKEN Menschen.

    Äpfel mit Birnen zu vergleichen und zu behaupten, beides sei Obst, ist immer nur die eine Hälfte der Wahrheit!

    Gestehe bitte den Alkoholikern zu, dass sie -solange nass oder gearade erst trocken- einfach auf Grund ihrer Erkrankung nicht mit -Deinen- gesunden Maßstäben gemessen werden können!

    Von einem Menschen mit gerade gebrochenem Bein verlangst Du auch nicht, er möge bitte beim Hindernislauf im Teilnehmermittelfeld zu finden sein.

    Das alles ist natürlich KEIN Grund, sich bei den Bemühungen um's eigene Trockenwerden "hängen" zu lassen oder nachzulassen oder als sonstige Ausrede zu gebrauchen.

    Nur Dein Kommentar ging mir persönlich zu sehr in die Richtung "Willensschwäche" statt "krankem Verhalten". Und wir sind nun mal krank.

    Aber sonst: ich möchte heute mein Leben auch nicht mehr wegwerfen, da gebe ich Dir recht. Aber auch erst, seit ich zufrieden trocken bin. Davor war's zum Kot...!


    LG
    Spedi

  • ich kann Dir gerade nicht folgen. Oder ist es wirklich so erschreckend, dass diese Gedanken des "sich selber etwas wert sein" dieses "das Leben anpacken" in der Situation nicht möglich ist? Denn klar, meine Gedanken basieren auf meiner Logik, die ich niemandem einpflanzen möchte, von der ich aber (vielleicht naiverweise) gedacht hätte, dass ein jeder Mensch sie mehr oder minder in sich trägt.

    Sehe ich das richtig, dass Du mir sagen willst, das Denkgefüge lässt sich nicht so verbinden wie meine vorhin mitgeteilten Gedanken? Ist es tatsächlich so, wie mein Ex-Freund sagt er versteht weder sich, noch kann er Gedanken oder Gefühle in Worte fassen? Oh liebe Leute, wenn das so ist, dann kriege ich das kalte Grauen was der Alk anstellt....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Servus Lori,

    noch mal zum Nachdenken: Du hast nicht umsonst Deine Therapie abgebrochen. Es gibt keinen persönlichen Grund, der Dich dazu gezwungen hätte, Deine Therapie -Dein Recht auf das erlernen eines gesunden Lebens- abzubrechen.

    Du hast Dich also für den Therapie-Abbruch entschieden.
    Du merkst jetzt, dass es wahrscheinlich der falsche Weg für Dich war, und nun kommt der Katzenjammer.

    Was tun? Nun, spring mal über Deinen Schatten und fange an, um Hilfe zu bitten. Du wirst sehen, dass Du nicht im Stich gelassen wirst. Weder hier, noch bei Suchtberatung, Arzt oder Klinik oder oder oder. Du wirst zwar vielleicht nicht mit der Rosinenpickerei-Methode weiterkommen, aber Du wirst fachlich fundierte Hilfe bekommen.

    Wenn Du das willst. Bedingungslos!

    Wenn Du das nicht willst, sondern nur Ausflüchte suchst und jammerst, dann wirst Du Dir halt vielleicht einen Rückfall "zurechtzimmern" und eventuell noch die eine oder andere Runde drehen müssen.

    Wichtig ist für Dich eines: Du hast es in der Hand, niemand sonst.

    Mach dich auf Deinen Weg, und viel Kraft dabei.

    LG
    Spedi

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