Der Weg in mein Leben

  • Hallo ihr

    heut hat mein Telefon geklingelt, ich hab nicht auf die Nummer gemerkt und bin einfach hin, es war mein Mann. Und wisst ihr was? Nichts! Kein Grummeln im Bauch, Schmetterlinge eh nicht, Nichts! Als wenn mein Nachbar oder wer anruft.
    Im Laufe des Gesprächs dann Ärger, immer das selbe, er zahlt, was er kann, mehr kann er nicht. Wenn ich die selbe Einstellung hätte, wär schlecht. Ich mach auch Arbeiten, die nicht so angenehm sind, kann das eine Zeit lang, bis ich was anderes finde.
    Er sitzt daheim,bemitleidet sich, versucht aber auch nicht, was zu ändern.
    Und jetzt kommt, was mich am meisten ärgert. Er sagt, er kann nichts ändern, er gibt mir mehr Geld, wenn er kann, blablabla, und sofort kriege ich schlechtes Gewissen! Wieso ich von dem armen Mann verlang, sich um seine Kinder zu kümmern, uns Geld zu geben, er kann doch nicht. Mensch, ich kann doch auch, da überleg ich keinen Moment. Aber von ihm kann ich das nicht verlangen. Mensch bin ich blöd! Aber wenigstens merk ichs jetzt!

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hi Julchen,

    Zitat

    er kann doch nicht.

    "Ich kann nicht" heisst: "Ich will nicht"

    Aber das ist Dir ja eh schon klar. Wollts nur mal auf den Bildschirm bringen.

    Liebe Grüße,
    Thelma

  • Hallo Julchen,

    nachdem du mir in Gottis Thread so liebe Wünsche geschickt hast, will ich das in deinem Thread auch mal für dich tun. Ich bin beeindruckt zu lesen, dass du auf deinem Weg weiterkommst.

    Weiterhin viel Glück dabei! Es muss für dich eine große Erleichterung sein, nun kein Grummeln im Bauch mehr zu spüren, wenn dein Mann dich anruft. Da bist du schon sehr weit! Aber deine Wut kann ich nachvollziehen. Denk in solchen Augenblicken wirklich ans Wohl deiner Kinder, dann vergeht auch bestimmt dein schlechtes Gewissen ganz schnell.

    Alles Liebe!

    Oiseau

  • Liebes Julchen,
    ich weiß genau, was Du meinst.
    Mein Ex-Mann, der Vater meiner ersten beiden Söhne, bringt, seit ich in kenne, finanziell nichts auf die Reihe, ist grundsätzlich unpünktlich, vergesslich und seit einem Jahr insolvent. Jetzt krieg ich zwar nicht mal den Mindestunterhalt, den aber wenigstens regelmäßig, was die letzten 12 Jahre so gut wie nie der Fall war.

    Er fährt auch, seit ich ihn kenne, eine Mitleidstour, die mich zum Kochen bringt.
    Er ist der Liebe, der Gute, der Arme.
    Streiten konnte ich noch nie mit ihm. Ich führte mich manchmal auf wie das berühmte HB-Männchen, weil er mich mit dieser endlosen Gutmütigkeit zum Wahnsinn trieb.
    Ich prallte mit meiner Rumhampelei an ihm ab wie eine Fliege an der Windschutzscheibe.

    Mit dieser "passiven Aggression" kann ich ganz schlecht umgehen.

    Lange hatte ICH Schuldgefühle, wenn ich von ihm das forderte, was den Jungs zustand (an Geld oder Zeit).
    Ich fühlte mich mies, wenn er kein Geld hatte.

    Er hats doch selbst verbockt. Über Jahre.

    Nicht durch Sucht, sondern durch Träumerei auf Jupiter 7.

    Julchen, das wird besser werden mit deinen Schuldgefühlen.
    Ich musste erst durch viele Wuttäler durch, die immer nach dem Mitleid kamen.
    Die Wut war/ist dann mein Motor, wieder klare Grenzen abzustecken.
    Hier ist meins und da ist Deins.

    In mir läufts immer in etwa so ab:

    Kurzes Aufflimmern von Mitleid, dann Wut auf ihn, danach Wut auf mich und zum Schluss wieder das Ordnen der "Zuständigkeiten".
    Nach jedem Wutschub kommt wieder Struktur in die Dinge.
    Verstehst Du, was ich meine?

    Julchen, Du schaffst das schon.

    Thelma

  • hallo julchen,

    ich lese gerade du hängst da immernoch fest. lass los.

    mein ex hatte sich EXTRA kündigen lassen um kein geld zahlen zu müssen. ich betone das EXTRA so das es auffällt, der hat vor gericht dem richter mitleidig erzählt, das es ihm ja sooooo schlecht ginge und er nicht mehr konnte der arme mann verlassen, rausgeschmissen und allein. darum die kündigung. er hatte einen top sicheren arbeitsplatz. die schmeissen im sozialen bereich eigendlich keinen raus vor allem keinem vater mit drei kindern. nur wenn der es darauf anlegt.darum meine ich EXTRA um nicht zahlen zu müssen. ganz klar, selbst so offensichtlich das der richter ihm das nicht abgenommen hat. der richter meinte damals ganz klar, ER hat VERANTWORTUNG für die kinder es sind SEINE kinder. darum hätte er sich anstrengen MÜSSEN um SEINEN kindern ein gutes leben zu ermöglichen. das hab ich schwarz auf weiss im gerichtsurteil stehen.

    julchen alles andere ist quatsch, weder mitleid noch gewissensbisse helfen dir da weiter. die kinder sind auch seine kinder und ich fluche jetzt mal einwenig,weil wir frauen da immer gleich reagieren. diese TATSACHE ist nunmal so das ER zu zahlen hat und das ER sich zu kümmern hat.den spass beim kindermachen hatte er ja auch offendsichtlich!und nun hat er wie du hier VERANTWORTUNG zu übernehmen und nicht nur du!

  • Danke für eure Antworten, ich weiß ja, daß ihr recht habt und ich krieg das bestimmt noch in den Griff. Ich werd auch zu meiner Anwältin gehen und das weitere Vorgehen ihr übertragen, ohne Rücksicht auf ihn.
    Heut war bei uns Flohmarkt für Kindersachen, hab ich mitgeholfen und meine Tochter für wenig Geld für den Sommer eingekleidet. Lauter schicke Sachen, nur der Sommer fehlt noch. Hat Spaß gemacht. Nur die Leute wussten nicht so recht, wie sie mit mir umgehen sollen nach der Trennung. War das erste Mal, daß wir zusammen gekommen sind und nur eine hat mich drauf angesprochen.
    Ansonsten hab ich noch mit meiner Kieferhöhlenentzündung zu kämpfen, ständig Kopfschmerzen. Wird wahrscheinlich wieder Antibiotika nötig sein.

    Ich wünsch euch noch einen schönen Samstag!

    julchen

  • Hallo julchen,

    ich habe bei Sunny45 dieses von dir gelesen und hätte da eine frage.

    Zitat

    Als er damals trocken wurde, das war die schönste Zeit unserer Ehe. Ich verstand mich gut mit ihm, er war wirklich ein anderer Mensch. Und ich wusste noch nichts über Co-Abhängigkeit, war also nicht so weit wie du. Wir gingen damals gemeinsam zur SHG, zum Therapeuten, wir hatten was Gemeinsames. Das ging so ca. 3 Jahre, irgendwann hörte ich auf, zur SHG zu gehen, kurze Zeit später er auch

    kann es sein das er wegen dir Trocken geblieben ist weil du als " Aufpasser" immer dabei warst? Also ich bin ja auch Alkoholiker und gehe zwar gemeinsam mit meiner Freundin den Weg aber für mich und möchte auch garnicht das sie bei der SHG oder bei Threapeuten dabei wäre.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut

    dasselbe hab ich mich auch schon oft gefragt, ich weiß es nicht. Tatsache ist, er ist zur SHG gegangen, solange ich mitgegangen bin. Irgendwann hat es mir nichts mehr gebracht, es war eine gemischte Gruppe mit nur zwei Angehörigen, und ich hab aufgehört. Kurze Zeit später fühlte er sich in der Gruppe nicht mehr wohl.
    Ich hab das mit der Co-Abhängigkeit damals auch nicht kapiert, hab also mich weiterhin um alles gekümmert und er hat von sich aus keine Verantwortung übernommen. Ich hab ihm auch viel gesagt, was er machen soll und was nicht, er war immer mehr Kind als Mann für mich.
    Wenn ich hier im Forum les, was ihr alles für eure Trockenheit macht und vergleich das mit meinen Mann, das sind Unterschiede wie Tag und Nacht. Auch nach der Therapie im letzten Jahr hab ich mich mehr um seine Trockenheit gekümmert als er selber.
    Gott sei Dank hab ich das jetzt kapiert und kann mich um wichtigere Sachen, also um mich kümmern.

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hallo ich bins

    ich war heut mit meiner Mutter unterwegs, haben über meine Trennung, die sie immer noch nicht ganz akzeptiert, gesprochen, von ihrem Alkoholiker-Freund, von meinem Vater, der auch Alkoholiker war.
    Als die Rede darauf kam, daß mein Vater Alkoholiker war, ist sie ganz erschrocken, ob ich denn denke, daß das stimmt. Dann wurde sie nachdenklich, das würde ja einiges erklären. Dann wäre es ja verständlich, daß sie ihm Bier ins KH schmuggeln musste, obwohl totales Alkoholverbot für ihn war, warum er 3 Kästen Bier mit 2 Freunden am Wochenende gebraucht hat, warum er jedes WE betrunken war.........
    Ich war etwas geschockt, daß sie das nicht wusste. Kann man wirklich so gut wegschauen?

    Schöne Grüße

    ein nachdenkliches julchen

  • Ja Julchen: und zwar um zu überleben, um das schreckliche nicht wahrhaben zu wollen, weil die Seele es vielleicht nicht verkraftet.

    Ich denke persönlich (auch aufgrund der Art des Todes) des Vaters meines Ex, dass auch dieser Alkoholiker war ... alles so im gesetzten Rahmen, bis dann die Diabetes und diverses andere kam.

    Die Angehörigen wollen es nicht wahrhaben, der Alkoholiker ist doch der von der Parkbank. Nein, es gibt doch immer wieder Zeiten ohne Alkohohl. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

    Verdrängung um selber nicht kaputt zu gehen. Julchen, ich selber war in der Hammerzeit kurz davor mein Leben weg zu schmeißen weil alles zu viel war, alle die Aktionen des Alkoholkranken ect. Ich sah zu dem Zeitpunkt keine Möglichkeit mich schnell Gewalt und Druck zu entziehen. Wer still hält, der kommt oft nicht in meine Drucksituation dadurch, weil er/sie stillhält und somit zum Helfer für den Abhängigen wird. Oftmals wird der Helfer dann behalten. Denn solange ich Helfer war gab es für mich keine Brutalität und Agression, während es im Umfeld mit Nachbarn, Passanten ect. sehr wohl schon Schlägereien meines Ex gab. Ich wurde nicht angefasst, denn ich war ja der Deckmantel.

    Julchen, wenn ein Kranker schon so tief drin sitzt, dass er keine Lust mehr darauf hat ein anderes Leben zu "testen" dann will er nicht und schafft es auch nicht. Ich denke, bei vielen sind die Grundvoraussetzungen schon so pesimistischer Grund- und Lebenseinstellung, dass es nicht klappen kann.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo

    ich würde gern beschreiben, wie es mir im Moment geht, aber ich weiß es nicht.

    Also, ich fühl mich eigentlich gut, viel Arbeit, wenig Zeit. Zuhause bleibt viel liegen weil ich nicht mehr rum komm, aber es ist eingutes Gefühl, mein Leben zu "schaffen". Genug zu verdienen, auch wenn es anstrengend ist, um über die Runden zu kommen. Ich mach mir selber öfters Stress, weil ich immer denk, ich müsst mehr machen, aber ich brauch auch meine Aus-Zeiten, die nehm ich mir dann, allerdings oft mit schlechtem Gewissen.
    Was mich jetzt jedoch etwas durcheinander bringt, ich fühl mich so in Wartestellung, keine Ahnung auf was. Irgendwie klappt alles, mal besser, mal schlechter, aber es läuft. Und ich denk oft, OK, was kommt jetzt? Wart ich auf die regelmäßigen Katastrophen, die ich früher hatte? Bin ich unzufrieden mit mir? Ich weiß es nicht, aber irgendwas läuft nicht "rund".

    julchen

  • Na, liebes Julchen :) Vielleicht läuft es zu rund :)

    Ich würde dieses Gefühl von Dir lieber als "ungewohnt" bezeichnen, dann kann ich besser antworten, denn mir geht es ungewohnt, aber ich denke, bei mir läuft alles sehr rund.

    Ungewöhnlich rund - ungewöhnlich harmonisch und ungewöhnlich anders. Wenn ich überlege, dann hat mich früher oftmals Eifersucht begleitet (nicht unbedingt in Beziehungen, sondern was meine persönliche Wertigkeit betrifft) scheint nicht mehr da zu sein, oder zumindest verschwindend gering.

    Alle meine Handlungen waren früher mit "hoffentlich-Zielen" verbunden ist nicht mehr. Heute leben - so gut wie möglich - so harmonisch wie möglich - Endziel? Nicht unglücklich sein.... nicht mehr und nicht weniger....

    Ich hätte auch so viel mehr, was ich machen wollte, auch mir gelingt es nicht. Ist eben so! Wenn ich nun mir gehören darf, dann gehe ich mit mir anders um und habe einfach weniger Zeit für Arbeit. Schlechtes Gewissen habe ich keines, eher bin ich enttäuscht, weil die Dinge, die ich noch hätte machen wollen machen mir Spaß, aber ich habe halt nicht mehr die Power dazu.

    Auch ich frage mich was passiert nun. Aber ich warte nicht auf Katastrophen. Bei mir scheint es so gelaufen zu sein (vielleicht habe ich Glück und es geht so weiter) je weniger ich vom Leben erhofft habe, desto mehr habe ich bekommen. Je weniger ich von Menschen erwartet habe, desto reicher haben sie mich durch ihr Verhalten beschenkt. Je weniger ich per Ehrgeiz erreichen möchte, desto mehr gelingt mir.

    Ja, liebes Julchen, es könnte noch sehr spannend werden, was auf uns zukommt :)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Ja Dagmar, es könnte noch spannend werden, das ist schön.
    Vielleicht ist es wirklich zu ungewohnt für mich, seit Wochen ist nichts wirklich Schlimmes passiert. Seit Wochen kein Streit, kein Niedermachen.
    Mein Leben ist ruhig (so ruhig wie mit drei Kindern möglich!), ausgeglichen, was ich mir vornehm, klappt meistens auch. Es ist für mich noch ein komisches Gefühl zu sagen, es klappt. Manchmal schleicht sich ein Gefühl ein, daß ich stolz auf mich bin, daß es so klappt. Ich versuche, es zuzulassen, ist aber noch komisch.
    Vorhin fragte mich meine Mutter, was sie denn machen soll, ob sie ihren Alkoholiker verlassen soll. Ob es besser ist, so wie ich allein zu sein. Ich konnte ohne Überlegen und mit Überzeugung sagen, ja, es ist viel besser.

    Also, Dagmar, schau mer mal, was auf uns zukommt. Ich freu mich drauf, (meistens), auch weil ich es selber mitbestimmen darf.

    julchen

  • Egal, was Deine Mutter macht, ich finde es schön, dass sie in der Lage ist sich aufgrund Deiner Erlebnisse Gedanken zu machen. Ob sie nun die Kraft hat oder nicht, ist etwas anderes. Aber vom Unverständnis heraus hat sie über den Weg des zuhörens zumindest Deinen roten Faden verfolgen können.

    Weißt Du Julchen, oft denke ich, das kann gar nicht mein Leben sein, in dem ich jetzt der "Hauptdarsteller" bin. Auch wenn es mir finanziell sehr bescheiden geht, so ist dennoch in meinem Leben alles soweit o.k. (kleinere Sorgen Auto ect. die hat man/frau halt) aber ich freue mich schlafen zu gehen, ich freue mich beim aufstehen über die Sonne, die durchs Haus kommt (wenn ich mal wach bin ;) Es ist alles so anders als zuvor. Nicht mehr dieses schwere, ständig depremierende. Angefangen damit, dass ich mein Haus in der (Un-)Ordnung wieder betrete wie ich es verlassen habe bis dahin, dass nun nur ich alleine entscheiden kann, wer Zutritt zu meinem Haus hat und wer nicht. Nur ich entscheide wie ich mich heute fühle - und wenn ich einen nachdenklichen Tag haben möchte, dann kann ich das ... so wie ich will ohne gestört zu werden.

    So muss es sich anfühlen, wenn man / frau beginnt bei sich selber anzukommmen. Allerdings bin ich mir auch der Gefahren bewußt, die da nun auf mich warten und eines kann ich mir nicht erlauben - eine Überheblichkeit - es geschafft zu haben alleine klar zu kommen.

    Ich weiß nunmehr, dass das Gefühl des Wohlfühlens nicht nur von Alkoholikern herbeigeführt werden kann sondern auch von anderen Menschen, die mir gut tun. Somit ist meine Aufgabe, diese Menschen nicht als Suchtmittel zu verwenden damit es mir gut geht. Wie beim Alkoholiker bin ich derzeit immer wieder dabei mich zu erden dadurch, dass ich mich immer wieder aus gewissen Situationen zurückziehe. Denn ich spüre wie latent die Gefahr ist das "Wohlfühlgefühl" so lange und so oft wie möglich haben zu wollen.

    Genau so aber fing meine Suchtbeziehung an. Genau das aber muss ich nun anders steuern und ich hoffe allezeit das Gefühl behalten zu dürfen wenn es Zeit ist, mich zu erden.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Julchen und Dagmar,

    schön, dass es euch gut geht. Das klingt irgendwie sehr hoffnungsvoll.

    Mir geht es zurzeit so, dass ich mich wirklich darüber wundere, dass ich ihn echt nicht vermisse.
    Ich bin zwar traurig und habe tausend Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Aber ich merke: Ich brauche ihn bis jetzt echt überhaupt für gar nichts. Er fehlt mir nicht.

    Das einzige, was ich ein wenig vermisse, ist sozusagen dieses Familie-Sein nach außen hin. Es sieht halt irgendwie besser aus: verheiratet, Mann an der Seite. Ich war da schon ein bisschen stolz drauf auf meine Familie. Aber das ist auch alles.

    Und dann habe ich ein schlechtes Gewissen, dass er mir so wenig fehlt.
    Als wäre die ganze Beziehung überhaupt eine Lüge gewesen.
    Er hat manchmal zu mir im Scherz gesagt damals: Wenn ich nicht mehr wär, du würdest ein paar Wochen traurig sein und dann würde es dir nichts mehr ausmachen. Und ich hab natürlich das zurückgewiesen: Oh nein, ohne dich wäre es überhaupt nicht mehr schön.

    Und jetzt? Ist total schön.

    Au weia,
    gehts euch auch so?

    Liebe Grüße
    Doro

  • Hallo Ihr drei,
    wenn ich Euch so lese, könnte ich glatt neidisch werden.
    Gestern besuchte ich eine Freundin, die seit einem Jahr Witwe ist. Sie lebt nun mit ihren Kindern alleine im Haus, hat ihren Job und seit zwei Wochen einen Freund.
    Sie ist so zufrieden mit sich und der Welt.
    Ihr gehts so, wie Dagmar beschrieben hat. Sie genießt diese Unabhängigkeit, Entscheidungsfreiheit und Eigenständigkeit.

    Sie würde niemals mit ihrem Freund zusammenziehen und er nicht mit ihr.
    Sie genießt die Stunden mit ihm und die Zeit, die sie intensiv mit ihren Kindern verbringt, ebenso.
    Er genießt das Leben als Eremit in einem alten Bauernhaus, das er peu a peu renoviert, ebenso.
    Er ist übrigens trockener Alkoholiker, seit zwei Jahren.

    Und wenn ich euch und meine Freundin so lese/höre, drängt sich mir schon wieder die Frage auf, ob diese dauerhafte Zweisamkeit unter einem Dach überhaupt "natürlich" und erstrebenswert ist.

    Für beide Seiten.
    Vor allem, wenn zwei Menschen in irgendeiner Art und Weise emotional bedürftig sind.
    Wenn einer den anderen glücklich machen soll...
    Wenn einer für die Defizite des anderen herhalten soll...
    Wenn einer die Leere des anderen füllen soll...
    Wenn hin- und herprojiziert wird...

    Ich kenne so wenige Beziehungen, von denen ich behaupten kann:
    Sie basieren auf einer inneren Freiheit. Jeder der beiden ist mit sich im Reinen.

    Ihr habt alle drei nun die Chance, bei Euch anzukommen, das Glück aus Euch selbst zu schöpfen, mit Euch ins Reine zu kommen.

    Julchen, vielleicht traust Du Dir das noch nicht richtig zu und kommst mit der momentanen "Leere" (sprich null Aufregung von aussen, die dich von Dir ablenkt,) noch nicht klar.

    Ich hab gerade einen wunderbaren Beitrag von Kaltblut gelesen, der dieses Ankommen bei sich toll beschreibt.

    Ja, irgendwie seid Ihr zu beneiden :wink:

    Ich freue mich schon auf meinen Mann, auf jeden Fall. Ich bin gespannt, ob ich ihm auch so entspannt begegnen kann, wie ich mich gerade fühle.

    Julchen, Du kannst nun das Wertvollste entdecken, das Du hast:
    Dich.

    Alles Liebe Euch Dreien.

    Thelma

  • Hallo ihr

    Dagmar, das mir meiner Mutter freut mich auch, vielleicht sieht sie jetzt bißchen mehr meine Probleme akzeptiert, daß ich mich getrennt hab. Bis jetzt hatte sie ja nur Mitleid mit meinen Mann.

    Doro, ja, ich kenn das auch. Mir ging es ziemlich schnell "gut" , ich glaub, ich hab mich in Gedanken schon vor der LZT von ihm frei gemacht, da wollt ich mich ja trennen. Ich hatte nur immer das Gefühl, ich hab nicht das Recht zu gehen, wenn er doch was macht.

    Thelma, ich glaub, ich hab wirklich Probleme damit, daß "nichts" passiert. Es geht alles seinen Weg, ich hab schon zu kämpfen mit Ämtern, Finanzen und so, aber das macht mir kein allzugroßes Kopfzerbrechen. Irgendwie klappt das auch. Und an dieses ruhige Leben, ohne ständiges Sorgenmachen, muss ich mich noch gewöhnen. Und so bißchen neidisch bin ich schon auch manchmal, wenn ihr von euren Männern redet!

    Schöne Grüße, muß jetzt zur Anwältin

    julchen

  • Hallo Julchen
    ich wollte Dir mal einen "kleinen" Gruss hinterlassen und ich finde es toll,wie Du alles managst!
    Ab unter die berühmte Schulterklopfmaschine !

    Liebe Frühlingsgrüsse
    von
    Backmaus

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